Aktuelles

Yakusoku

Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Leider war es im Leben eines Shinobi oft schwierig. Man tappte eine ganze Zeit lang im Dunkeln, dann gab es einen kurzen Funken und alles flog einem um die Luft. Wenn man diesen Job ausführte musste man fit sein, körperlich und geistig. Es gab Situationen wie diese, in denen Leben auf dem Spiel stehen konnten, man aber keine Zeit hatte sich einen Plan zurechtzulegen – man musste handeln, jetzt sofort, ohne zögern. In diesen Fällen gab es nur einen Faktor der eine Rolle spielte: Erfahrung. Dies war auch der Grund, weshalb Genin keine komplexen Missionen anführen durften. In den meisten aller Fälle würde keiner des Teams lebend wieder zurückkommen. Aus großer Kraft wächst große Verantwortung, wie es so schön heißt. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka sah solche Momente immer von zwei Seiten. Zum Einen liebte sie es gefordert zu werden, denn in eine solche Situation zu geraten bedeutete gleichzeitig, dass man akzeptiert und vor allem respektiert wurde. Zum Anderen war die daraus resultierende Verantwortung zum Teil zu groß und schwerwiegend, dass man sich am liebsten erbrechen würde und den Kloß im Hals einfach nicht herunterschlucken konnte. Glücklicherweise lernte man mit der Zeit, ihn zu ignorieren. Yuuka war auf dem besten Weg, aber noch lange nicht angekommen. Selbst im Rang eines Jounin gab es noch viele Abstufungen, auch wenn von unten alles gleich aussah.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Auch in diesem Moment war Yuuka hin und her gerissen. Sie wollte so schnell wie möglich Klarheit über Junkos Befinden und den nächtlichen Besucher natürlich sofort einholen. Gleichzeitig konnte und wollte sie Kimihiro ungern alleine lassen – die Gefahr einer Falle war stets präsent. Außerdem gab es da noch das Problem der Orientierung, welches jedoch in just diesem Moment von Kimihiro gelöst wurde. Junko mochte ein schlechtes Bild von dem Jungen haben, aber einige Geistesblitze und die Nützlichkeit seiner Techniken konnte ihm niemand absprechen – irgendwie erinnerte er manchmal an einen ungeschliffenen Diamanten. Mit Dreck, Schlamm und einigen Algen überzogen. Doch mit viel Arbeit, Schweiß und Mühe... keine Zeit für solche Gedanken, der Kopf der Schlange zuckte, Yuukas Körper zuckte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Doch wir erinnern uns an ihren inneren Zwiespalt bezüglich der Sicherheit des Künstlers. Diese musste Yuuka wahren, nie wieder würde sie in eine solch präzise gestellte Falle laufen. Vor einigen Jahren war das der Fall gewesen, doch da war sie selbst das langsame, zurückgelassene Glied der Kette gewesen. Eine Erfahrung, die sich in ihrem Kopf eingebrannt hatte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Sie nickte dem Jungen zu, preschte aber nicht sofort nach vorne sondern ließ sich einen Meter zurückfallen um neben Kimihiro zu gelangen und strich mit Zeige- und Mittelfinger über seinen Handrücken. Schwarze Striche bemächtigten sich seiner Haut und formten sich zu unlesbaren Zeichen zusammen, bildeten eine kurze Kette und verharrten nach einigen Augenblicken in abstrakter Form auf Kimihiros Haut. Ob der Junge die Zusammenhänge zwischen dieser Kunst, Yuukas Anliegen und ihrer merkwürdigen Anreise erkannte? Es würde erstaunliche Geistesgegenwart erfordern, sich in dieser stressigen Situation darüber bewusst zu werden. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Wenn du in Gefahr bist, löse die Schlange auf – sofort. Helden haben die Angewohnheit, viel zu früh zu sterben.“ Also spiele lieber keinen. Mit diesen Worten ließ Yuuka den Genin stehen und machte sich alleine auf die Verfolgung Junkos und der unbekannten Person. Die Schlange an ihrem Arm wies relativ verlässlich die Richtung, wenngleich es Yuuka schwer viel einem Klumpen Tinte bedingungslos zu vertrauen. Doch ohne Vertrauen zu seinen Kollegen konnte man diesen Job einfach nicht ausführen – ein weiterer Grund, der Verrat zu einer Übel erregenden Untat verkommen ließ. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Nur Sekundenbruchteile hielt eine Berührung an, ehe sich Yuukas Füße wieder von den Dachziegeln verabschiedeten und etwas später in Richtung Park davon rannten. Backsteinmauern verstrichen, die Häuser lichteten sich, Rasen wurde sichtbar. Das vom Raureif feuchte Dunkel des Bodens wurde nur an wenigen Stellen vom Mondlicht erhellt, weshalb das silberne Haarband sofort ins Auge stach. Das Bild von Junkos Haaren, mit diesem Stück zusammengebunden, erschien in Yuukas Kopf. Zufall nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. Ohne langsamer zu werden passierte die Jounin das Haarband und hinterließ so den Orientierungspunkt für Kimihiro, der allerdings mit seinen Tieren bestimmt bestens zurecht kam. Yuuka hoffte nur inständig, dass sich die Schlange um ihren Arm nicht auflöste.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Als die junge Frau zwischen den Bäumen, einem Schemen gleich, vorbei hastete und endlich das Ufer des Sees erreicht, bremste sie abrupt ab. Mitten auf dem Wasser befand sich eine zierliche Gesalt und weißes Haar entlarvte sie als die vermisste Junko. Ein Blick auf die Schlange sorgte für Verwirrung seitens Yuuka. Das Tier hatte sie verlässlich zu der Chuunin geführt, allerdings hatte sie die Absicht gehabt, die unbekannte Gestalt einzuholen – nun jedoch zuckte der Kopf unruhig in verschiedene Richtungen, drehte sich ohne Orientierung im Kreis. Yuuka deutete das als die Nachricht, dass Kimihiro seine Spur verloren hatte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass Yuuka davon ausgegangen war, dass sich Junko nicht freiwillig aus ihrem Zimmer entfernt hatte. Den Gedanken an einen nächtlichen Spaziergang hatte sie nie gehabt, obwohl sie selbst manchmal zu solchen Dingen neigte (wenngleich auch aus anderen Gründen). Junko war nicht der Typ Shinobi, der die Verfolgung aufnahm ohne eine Nachricht zu hinterlassen, so zumindest schätzte Yuuka das Mädchen ein. Was gab es also für Möglichkeiten?
Viele. Zu viele um sie alle aufzulisten. Beinahe alle beinhalteten allerdings eine Konfrontation zwischen Junko und der flüchtenden Zielperson. Es gab wohl nur drei Menschen auf dieser Erde, die mehr darüber wussten, oder? Temporär war nur Junko anwesend und als Informationsquelle vorhanden. Zu gerne hätte Yuuka noch etwas gewartet und hinter diesem Baum verharrt, denn Junko schien... verloren. Sie sah sich um, machte einige zaghafte Schritte. Mitten auf dem See, es schien so, als ob sie etwas – oder jemanden – suchte.
[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Ein Blinzeln später tauchte Yuuka neben dem Mädchen auf. In gebührendem Respekt und aufmerksamer, leicht angespannter Körperhaltung. Erstaunt stellte sie fest, dass Junko bei ihrem Auftauchen zusammengezuckt war. Erwartete man Feindkontakt war der normale Reflex eher eine Handbewegung zur Waffe oder ein leichtes Zurücksetzen. Ein schreckhaftes, nervöses Zucken jedoch war nur bei blutigen Anfängern zu beobachten. Junko war kein blutiger Anfänger. Sie war... verwirrt. Dies war das erste Mal, dass Yuuka echte Emotion im Gesicht des Mädchens sah und diese Tatsache musste einen Grund haben. Niemals hätte Yuuka erwartet, dass Junko nach einem Feindkontakt verwirrt mitten auf einem See stand und... ein leichtes Grummeln breitete sich in Yuukas Bauch aus. Intuition? Oft beschlich sie dieses oder ein ähnliches Gefühl wenn sie beobachtet wurde oder ihr jemand ein Messer in den Rücken rammen wollte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Sie fragte nicht wo der Schatten hin geflüchtet war, Junko würde wohl kaum hier stehen, wenn sie es wüsste – oder? Es gab plötzlich so unendlich viele undefinierte Variablen, keinerlei Grenzwerte, keinerlei Daten und Informationen. Yuuka nahm eine minimal entspanntere Haltung ein. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Alles in Ordnung?“ Diese Frage konnte man auf viele Arten interpretieren. Erkundigte sich Yuuka nach Junkos psychischem oder physischem Wohlergehen oder war es nur eine leere Floskel der Höflichkeit?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Was ist passiert?“ Erneut gab es einigen Freiraum bei der Deutung dieser Frage, konnte sie sich auf das schlicht beobachtbare Geschehen beziehen oder all diese Dinge ins Verhältnis zu Junkos Verfassung setzen. Irgendwie hatte Yuuka das Gefühl, dass die Verfolgungsjagd an diesem Punkt beendet war. Ihr Blick wanderte zu der Schlange, die sich noch an ihrem Arm befand. Kimihiro sollte sich beeilen. Ihre Augen glitten wieder empor zu Junkos Gesicht. Was hatte dieses Mädchen aus der Fassung gebracht? Yuuka fragte sich ob sie nun eine echte Antwort erhalten würde oder ob Junko sich schnell genug wieder unter Kontrolle hatte um Yuuka genau das zu sagen, was sie hören sollte. Eine beinahe traurige Einschätzung – für mehrere Personen.[/FONT]
 
M

Mameha Junko

Guest
Das Leben eines Shinobi war manchmal schwierig, wie Yuuka schon so richtig festgestellt hatte. Allerdings hatte Junko im Gegensatz zur Jounin gar nicht das Bedürfnis oder gar den Ehrgeiz, gefordert zu werden. Sie war schon zufrieden, ihre Pflicht zu erfüllen und möglichst dafür zu sorgen, dass ihre Teamkameraden heil wieder zurückkehrten. Sie freute sich gelegentlich über intellektuelle Herausforderungen, bevorzugte es aber, wenn diese nicht im beruflichen Bereich auftraten. Eigentlich war sie ganz genügsam in ihren Erwartungen und hatte wenig Ansprüche ans Leben. Wie, um Himmels Willen, konnte es dann geschehen, dass alles so furchtbar falsch für sie lief?
Die Gestalt war verschwunden und für einen Moment fragte sich Junko, ob sie sich alles nur eingebildet hatte. Zuzutrauen war es ihrem geschundenen Geist ja durchaus, dass da plötzlich Wunschvorstellungen oder Horrorvisionen Gestalt in Form von Halluzinationen annahmen. Eigentlich war sie schon seit Ankunft ihrer zusätzlichen Stimmen im Kopf davon ausgegangen, dass irgendwann visuelle Ablenkungen hinzu kommen würden, aber irgendwie war das bis jetzt nicht der Fall gewesen. Und genau in diesem Moment, in dem die Kunoichi nicht mehr wusste, wo oben und unten war, schwiegen die Stimmen auch auf wundersame Weise. Dabei war ihr Kopf alles andere als klar.
Als sie eine Bewegung im Augwinkel wahrnahm, zuckte sie daher unwillkürlich zusammen, aber in Ermanglung etwaiger Waffen konnte ihre Hand nicht dahin schnellen. Auch war sie gerade zu abgelenkt, um sich überhaupt Gedanken zu machen, welches ihrer Künste sie genau wirken wollte, weswegen sie nicht schon längst Fingerzeichen geformt hatte, als Yuuka neben ihr auftauchte. Als die Chuunin ihre Teamleiterin erkannte, entspannte sie sich zumindest etwas, war aber trotzdem weit von der Beruhigung entfernt. Yamanaka Yuuka hatte an diesem Abend bewiesen, dass sie nicht zu den sozial kompetentesten Personen gehörte, was zugleich in Junkos Kopf auch bedeutete, dass es Yuuka an Verständnis für etwaige Fehltritte oder Zweifel fehlte. Also war die Jounin alles, was man sich in der zerrissenen Stimmung des Geistes nicht an der Seite wünschte.
Wie aus der Ferne hörte sie die die Jounin sich nach ihrem Wohlbefinden und der Situation erkundigen. Sie spürte allerdings auch, wie ihr Atem, der durch den kurzen Adrenalinausstoß durch den kurzen Schreck von Yuukas Auftritt, schneller ging und sich auch erstmal nicht beruhigte. Wieso konnte sie sich nicht beruhigen?
„Genjutsu.“, sagte sie atemlos und geistesgegenwärtig, während sie immer weiter nach Fassung rang und mit einer raschen Bewegung tatsächlich ein Auflösungsjutsu wirkte, nur so zur Sicherheit. Das Letzte, was sie brauchte, war eine Yamanaka, die in ihrem Kopf herumsuchte. Mal ganz davon abgesehen war ihre Erklärung durchaus sinnvoll, denn Junko hätte diesen Schluss gezogen, wüsste sie nicht, weshalb ihr Körper ihr gerade nicht gehorchte. Sie versuchte, den Ansatz des Zitterns zu unterdrücken und schaffte dies auch nach wenigen Sekunden, ebenso, wie der beschleunigte Atem sich langsam beruhigte. Wie gesagt, dies konnte auch durch ein Genjutsu hervorgerufen werden – wenn sie es recht bedachte, dann bestand sogar die Möglichkeit, dass sie die Wahrheit sagte. Geringfügig.
„Er ist mir entwischt.“ Diese Aussage kam tonlos, und es war deutlich, dass sie immer weiter die Fassung gewann, während sich sogar die Körperhaltung straffte. Sie verlegte sich darauf, sich komplett auf die Gegenwart zu konzentrieren, denn wenn sie jetzt noch einmal die Situation oder gar die Gestalt, die ihr soeben entkommen war, auch nur ansatzweise hinterfragte, fürchtete sie, dass das Gerüst ihres Geistes vollkommen in sich zusammenbrechen würde. Also hieß es, sich zusammenzureißen. Ruhe, sie brauchte Ruhe.
„Kimihiro?“ Es kam ihr wie ein Geistesblitz vor, dass sie plötzlich an ihren Kameraden denken musste, selbst wenn dieser sich als unsicher und schüchtern herausgestellt hatte. Aber im nächsten Moment schalt sie sich schon dafür, dass sie überhaupt nachfragte – er war zurückgeblieben, weil er langsamer war, nicht, weil es ihm nicht gut ging, wie sie sodann auch in Worte fasste. „Nein, er ist in Ordnung. Ich habe ihn doch gehört …“ Na, und daraus konnte sich die Yamanaka auch keinen Reim machen. A propos Yamanaka … die wollte doch bestimmt wissen, was genau Junko gesehen hatte. Ob sie lügen sollte? Die Wahrheit? Was dazwischen? Schweigen?
„Person ist männlich, dunkler Kapuzenumhang, habe nicht viel gesehen.“
Beruhigen war das Gebot der Stunde, warum gelang ihr das nur in kleinen Schritten? Moment mal, aber was, wenn Kimihiro nicht zurückgelassen wurde, weil er zu langsam war, sondern, weil er verletzt wurde?
„Wo ist Kimihiro? Ist er verletzt?“
All diese Fragen und Aussagen kamen etwas zerstreut daher, obwohl man bereits an der Sprunghaftigkeit der Gedanken die Verwirrung der Chuunin erkennen musste. Die Sache mit dem Genjutsu schien auf einmal unglaublich glaubwürdig. Insbesondere ein fieses Beeinflussungsjutsu konnte so etwas. Junko musste es wissen, sie beherrschte es ja auch und setzte es gerne ein.
„Es war der Hyoutonnutzer, glaube ich …“ Hatte sie zuviel gesagt? Aber wollte sie diesen Fakt nicht einfach wegschwindeln? Außerdem war es doch nur eine Vermutung. „Nein.“, korrigierte sie sich fast schon erschöpft, während sie sich mit einer fahrigen Bewegung eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Wo war ihr Haarband geblieben? Ach ja, fallen gelassen bei der Verfolgungsjagd.
„Er hat mit Wasser angegriffen … angreifen wollen. Wo …?“
… waren Spuren, die diese Aussage untermauern konnten? Kurz und hastig blickte sich die Chuunin um. Eigentlich war alles zu dunkel und es befand sich hier genug See, um durchaus ein kurzes Gefecht oder das Nichtgefecht, welches stattgefunden hatte, als Szene zu dienen. Aber nahm Yuuka ihr das ab? Jetzt, wo sie darüber nachdachte, musste sie unglaublich verstört auf die Jounin wirken. Was, wenn sie jetzt nicht ernstgenommen und wie ein kleines Kind an der Hand genommen wurde?
„Mir geht es gut. Was ist mit Kimihiro geschehen? Warum war dieser Shinobi in seinem Zimmer?“
Die letzte Aussage wiederum hatte eine neue Intensität und Festigkeit, als habe sich die Kunoichi nun endlich entschieden, welchen Kurs sie das Gespräch nehmen lassen wollte. Die Fäuste waren geballt, der Blick geradeaus und die Schultern gestrafft. Sicherheit schien wieder zurückgekehrt zu sein.
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Yamanaka Yuuka kannte die Auswirkungen von Genjutsu wirklich gut. Sie hatte sie oft genug im Kampf benutzt und sich aus einem befreit. Sie wusste sehr wohl, dass eine entsprechend gute Illusion schwere psychische Schläge verursachen konnte. Von einem leichten Kratzer zu ausgewachsener Verwirrtheit war in der Regel alles drin, schwache Individuen neigten auch dazu, unerklärliche Ängste zu entwickeln. Manche verloren den Glauben an sich selbst. Wir sprechen hier allerdings von Illusionen von sehr hohem Niveau, nicht, was ein einfacher Genin auf die Reihe kriegen konnte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Um eine erfahrene Chuunin in solch eine Verwirrung zu stürzen war Können von Nöten oder dieses musste mit Wissen über Junko kompensiert worden sein. Die Ängste eines Menschen zu kennen machte das effektive Anwenden von Genjutsu beinahe schon zu leicht. Yuuka hatte keinerlei Grund daran zu zweifeln, dass sich ihr Gegner im Bereich der Genjutsu auskannte. Grund für Zweifel an Junkos Aussage? Keine berechtigten, ihre Verwirrung war echt, die Geschichte glaubhaft und passte erstaunlicherweise unerwartet gut zum bisherigen Verhalten der flüchtigen Gestalt. Er hatte Kimihiro trotz Gelegenheit nichts getan und bei Junko war es der gleiche Fall gewesen. Hatten sie es hier mit einem Gentleman unter den Arschlöchern dieser Welt zu tun? [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka schwieg relativ lange und beantwortete erst einmal keine einzige der Fragen, die ihr gestellt wurden. Die Chuunin gewann gerade ihre Fassung wieder. Jedes ihrer Worte zu kommentieren wäre da nicht sonderlich förderlich gewesen, weshalb Yuuka, wie erwähnt, still blieb, bis es wirklich etwas zu sagen gab. Zu gerne hätte sie sofort einen ausführlichen Bericht gehört, doch sie sah dem Mädchen an, dass es erst einmal ihren Kopf ordnen musste, vorher war da nichts herauszuholen. Hoffentlich tauchte Kimihiro bald auf, der mit seinen kleinen Tierchen das ganze Geschehen verfolgt haben musste, wenn er tatsächlich an der Zielperson dran geblieben war.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ganz ruhig, ihm geht es gut. Wir wissen nicht, was der Kerl in seinem Zimmer wollte. Er hat das Fenster aufgebrochen, Kimihiro hat es bemerkt und die Alarmglocken geschlagen. Als ich dann festgestellt habe, dass du nicht mehr in deinem Zimmer warst, dachte ich der Mann hatte es auf dich abgesehen und sich womöglich nur im Zimmer geirrt. Wir nahmen die Verfolgung auf – und hier bin ich. Kimihiro sollte gleich da sein.“, berichtete Yuuka und warf erneut einen Blick auf die Schlange. Dem Jungen ging es gut. Bei Gefahr hätte sich das Tier aufgelöst – genau wie bei einer starken Verletzung.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka wusste zwei Dinge. Erstens, die Zielperson war ihnen entwischt, konnte allerdings noch nicht weit sein. Deshalb rann ihnen die Zeit davon. Zweitens, ohne Kimihiros Vögel würden sie nicht in der Lage sein den Mann aufzuspüren und sollte er sich seines Mantels entledigt haben, so tappten sie absofort wieder im Dunkeln. Außerdem konnte Yuuka nicht mit Gewissheit sagen inwieweit Junko einsatzfähig war. Das Mädchen war kein Kind, ganz offensichtlich aber durcheinander. Deshalb würden sie sich erst einmal sammeln, die Lage besprechen und dann geordnet weiter vorgehen. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Fällt dir noch irgend etwas wichtiges ein? Über die Person, die Umgebung, das Genjutsu?“ Egal was, es spielte keine Rolle. Körperschmuck, Kleidung, Haarfarbe, Bewegungsart, Sorte des Genjutsu – was auch immer der Chuunin in den Kopf kommen könnte, es wäre vermutlich hilfreich. Außerdem gab es da noch die Frage, weshalb Junko nicht auf ihrem Zimmer war. Kimihiro hatte nichts davon gesagt, dass er die Chuunin gesehen hatte, was die Möglichkeit einer klassischen Entführung ausschloss. Sie musste aus einem anderen Grund von ihrem Zimmer fern geblieben sein.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Was hast du eigentlich hier draußen gemacht?“, fragte Yuuka und blickte kurz an das andere Ende des Parks. Kimihiro müsste bald kommen und mit ihm ein detaillierter Bericht über die Vorfälle in diesem Park – unverfälscht von jeglichen Illusionen. [/FONT]
 
M

Mameha Junko

Guest
Jaja, der Mensch war schon anfällig für Illusionen. Kein Wunder, sein ganzes Leben machte sich selbst der größte Zyniker gelegentlich etwas vor, was auch als Illusion bekannt war. Aber das war eine eher philosophisch angehauchte Frage, die besser zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort diskutiert wurde.
Yuuka bewies Taktgefühl und ließ die Chuunin erst einmal ihre Gedanken ordnen, bevor sie sich auf die Beantwortung der anscheinend vorherrschend wichtigen Frage widmete. Tatsächlich fiel Junko jetzt im Nachhinein auf, dass sie sich nicht weniger als dreimal nach Kimihiro erkundigt hatte – na, wenn der kleine Faulpelz das wüsste, würde er vermutlich wieder irgendwelche romantischen Neigungen vermuten, insbesondere, da er dies ja schon vermutet hatte, als sie ihm lediglich einen Fleischhappen vom Teller gemopst hatte. Gut, dass Junko von dieser Vermutung von Seiten des Künstlers keine Ahnung hatte. Halten wir einfach fest, dass es vielleicht nicht das Schlechteste war, dass der Misumi sich noch nicht zu seinen Kolleginnen gesellt hatte.
Junko hatte schon vor Yuukas beruhigenden Worten gemerkt, dass sie ziemlich außer sich wirken musste, doch die Bestätigung dieser Vermutung versetzte ihr dennoch einen kleinen Stich. Was, wenn sie die Illusion nicht aufrecht erhalten konnte? Was, wenn sie sich verplapperte? War es nicht gut, wenn sie das tat, immerhin würde sie auf diese Weise die Mission weiterbringen. Auf der anderen Seite hatte sie keine Ahnung, ob ihre Vermutung nicht einfach nur aus der Luft gegriffen war, sie wusste nur, dass sie gerade Zeugin eines äußerst seltsamen abgebrochenen Angriffs geworden war und dass sie aufgrund des vorangegangenen Gesprächs mit Yuuka geistig irgendwie bei einem Familienmitglied gewesen war, welches sich aufgrund dessen und einer teilweise Einsicht für einen Moment der Illusion erlegen war, es handle sich um ihn. Nur die Ruhe, mahnte sie sich. Das war alles mit hoher Wahrscheinlichkeit nur eingebildet und sie regte sich jetzt grundlos auf.
„Angreifer war ein Suitonnutzer und schickte sich an, eine Art Ungeheuer aus Wasser zu formen. Ich habe einen solchen Angriff schon einmal gesehen – ziemlich anspruchsvoll, und dieser Mann hat es geschafft, gleich zwei davon zu formen.“ Es hatte nur einen Wasserdrachen gebraucht, um Hiroshi für einige Sekunden, sogar wenige Minuten kampfuntauglich zu machen. Die Dinger waren zweifelsohne gefährlich … Junko fragte sich gerade, warum sie so etwas nicht im Repertoire hatte. Bei Gelegenheit musste sie ihr Wissen über Suitonkünste auffrischen.
Der Fakt, dass er von Kimihiro abgelassen hatte, beschäftigte sie dann doch maßgeblich. Wieso sollte jemand einen Genin erschrecken? Und überhaupt, wenn dies ein Angriff gegen das Team aus Shirogakure war, dann hatte der Attentäter die Angelegenheit vollkommen falsch angegangen – Junko hätte in seiner Position erst einmal mit der Jounin angefangen und sie im Schlaf gemeuchelt und dann erst, auf die Gefahr hin, Alarm ausgelöst zu haben, mit den potenziell schwächeren Genin und Chuunin weitergemacht. Minimierung des Risikos. Andererseits hatte der Attentäter auch einfach nur auf sich aufmerksam und die werte Gruppe erschrecken wollen, wer wusste das schon? Jetzt galt es erst einmal, einige Fragen auf Yuukas Seite zu beantworten, damit die ganze Angelegenheit vielleicht ein wenig Sinn machte.
„Ich habe lediglich einen … Spaziergang gemacht.“ Das war so wahr, das konnte Yuuka nur als Lüge auffassen. „Ich glaube nicht, dass ich das Ziel dieses Angriffs war oder dass der Unbekannte wusste, welches Zimmer er zuerst aufsuchte. Er ist aus Kimihiros Zimmer herausgekommen. Entweder hat er meines schon vorher leer aufgefunden – und in diesem Fall hätte er sich vorsichtshalber wahrscheinlich zurückgezogen – oder er war nie dort.“
Man sollte vielleicht noch hinzufügen, dass Junkos Stimme immer noch eine latente Note von Aufregung aufwies, selbst wenn sie sich augenscheinlich beruhigt hatte. Es war schwer festzumachen, aber es war so, als wenn der Stimme die gewöhnliche Ruhe einfach fehlte, eine Abwesenheit von der üblichen stoischen Note, während die Stimmlage eine halbe Note über normal lag – kaum wahrnehmbar, aber dennoch gerade für einen Menschen wie Yuuka deutlich genug, um zu wissen, dass die Person, mit der sie gerade redete, erschüttert war, selbst wenn sie sich vollkommen ruhig darstellte. Auch schien sie nicht in der Lage, Augenkontakt zu knüpfen und hatte immer ein Auge auf ihre Umgebung, als befürchte sie jederzeit, dass sich irgendeine Gestalt aus der Dunkelheit schälte und Tod und Verderben mit sich brachte. Sie war weit davon entfernt, für den neutralen Beobachter nervös zu wirken, aber sie wirkte wie bereits beschrieben nicht so stoisch wie gewöhnlich. Auf der anderen Seite waren ihre Befürchtungen nicht ganz von der Hand zu weisen – der Unbekannte konnte immer noch in der Nähe sein.
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
Obgleich Kimihiro nun auf sich gestellt war, fühlte er die Dringlichkeit der momentanen Situation unvermindert auf seinen Schultern lasten. Ein unbekannter Angreifer, eine verschwundene Kameradin… und die große Frage, welchen Platz dieses Ereignis im großen Ganzen einnahm.
Endgültig wach kam der Misumi trotz seiner beiden Kreaturen mittlerweile recht rasch voran, auch wenn es noch einige Zeit dauern würde, bis er den Ort erreicht hatte, über dem sein Vogel, der sein Ziel inzwischen leider verloren hatte, seine Kreise zog. Dementsprechend war es auch recht leicht, Yuuka den Weg zu weisen, immerhin galt es nun nur noch, die Yamanaka zu dem glitzernden See zu lotsen, den er selbst sich durch die Augen seines Vogels immer wieder vergegenwärtigte – vielleicht war es ja doch noch nicht zu spät, um die Fährte des Flüchtlings wieder aufzunehmen?
Mit der Person jedoch, die Kimihiro am Ende tatsächlich entdeckte, hatte er nicht gerechnet: Junko, und noch dazu ganz allein.
*Es scheint ihr gut zu gehen… ein Glück.*
Auf diese Weise erleichtert war der Künstler bereits wieder drauf und dran, die Verbindung zu seinem Vogel zu lösen, als sich die Wellen des Sees unnatürlich zu kräuseln begannen. Verwundert blieb Kimihiro erneut auf einem Dach stehen und beobachtete ungläubig, wie sich zwei finstere Kreaturen urplötzlich aus dem Wasser erhoben, nur um einen Augenblick später wieder in sich zusammenzufallen. Im ersten Moment glaubte der Künstler, er würde noch immer viel zu dicht an der Grenze zwischen Schlummer und wach sein dahinvegetieren, doch… nein, so weit war es doch noch nicht gekommen, dass er sich so etwas einbildete.
*Vergiss es einfach! Was auch immer es ist… war… wie auch immer, wenn du dort bist, wirst du es wissen. Also weiter!*
Mit gesteigertem Tempo folgte Kimihiro so der Yamanaka zu dem nächtlichen See.

Später…
Nachdem Kimihiro das vorerst letzte Dach hinter sich gelassen hatte, fehlten ihm nur noch zwei Sprünge, um wieder bei seinen Kameradinnen zu sein. Dass Yuuka die Mameha schon vor einige Zeit eingeholt hatte war ihm durch seine Schlange klar geworden, weshalb der Künstler übrigens seinen Vogel direkt größere Kreise in luftigeren Höhen hat ziehen lassen. Mittlerweile standen die Chancen, dass die Gestalt als einzelne noch ausfindig zu machen war, äußerst schlecht, weshalb nun nur noch zu hoffen blieb, dass womöglich ein größerer Tumult in der Stadt einen Hinweis darauf gab, wo der Fremde abblieb. War er ein Profi war das zwar kaum zu erwarten, vorausgesetzt es ereignete sich keine neue Explosion, doch die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt.
Als nur noch wenige Schritte die drei Shinobi voneinander trennten, verlangsamte Kimihiro seine für seine Verhältnisse hohe Geschwindigkeit, verstaute den Block, den er noch immer in der Hand hielt, wieder in seinem Armband, und gesellte sich zu den beiden Kunoichi, die bereits ein paar Worte miteinander gewechselt zu haben schienen. Ohne viel Aufhebens um sein eigenes Schicksal zu machen wandte sich der junge Genin direkt an die ranghöhere Ninja, die am längsten außer Haus gewesen war. Mit ernstem und möglichst besorgnislosem Blick – schließlich erweckte Junko nicht den Anschein einer Person, die sich viel aus der Sorge oder gar dem Mitleid anderer im Bezug auf sie machte – musterte Kimihiro die Mameha kurz, bevor er möglichst locker (die Situation war angespannt genug) mit einem Blick in die Runde ansetzte: „Gomen für die Verspätung. Der Fremde scheint ja mittlerweile nicht mehr hier zu sein.“ Nach einer kurzen Pause wandte sich der Künstler erneut der jüngeren der beiden Kunoichi zu, und sagte: „Wenigstens scheint niemand ernstlich verletzt zu sein. Aber was ist denn nun eigentlich passiert? Warum warst du nicht in deinem Zimmer? Und überhaupt… wer war das?“ Vor allem die letzte Frage wurde gleichermaßen an Junko wie an Yuuka gestellt, schließlich war die Jounin wohl diejenige der drei, die mit dem kühlsten Kopf die ganze Sache überblicken konnte. Kimihiro selbst dagegen war nun, da die Dringlichkeit rund um die Verfolgung und die „Rettung“ Junkos von ihm abgefallen war, erstmals dazu in der Lage, die vergangenen Geschehnisse tatsächlich mit mehr als einem knappen Gedanken zu hinterfragen. Sicherlich hinkte der Künstler in dieser Hinsicht seinen beiden Kameradinnen um einiges hinterher, doch wenn die Damen den Nachzügler nicht ganz im Unklaren lassen wollten, musste sich eine von ihnen wohl oder übel dazu herablassen, die bisherigen Informationen über den unbekannten Stalker zusammenzufassen.
In der Zwischenzeit kümmerte sich der Künstler im Übrigen um seine beiden Kreationen: Während die Schlange an Yuukas Arm zu Tinte zerfiel, wobei sie lediglich ein paar winzige schwarze Flecken auf der Kunoichi hinterließ, befahl Kimihiro seinem Vogel, das von ihm überwachte Gebiet zu vergrößern. Noch schien Yakusoku jedoch eine normale, unauffällige Nacht zu erleben, doch schon im nächsten Augenblick mochte sich dieser Frieden womöglich als trügerisch und hohl erweisen…
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka machte eine geistige Liste auf der Dinge wie „starker Suitonnutzer“ oder „Angriffsabbruch“ notiert wurden, während sie den Worten Junkos lauschte. Auch wenn sich das Mädchen inzwischen wieder unter Kontrolle hatte, so hörte man unterschwellig noch einiges an unterdrückter Aufregung. Reste des Adrenalins pumpten vermutlich gerade durch ihre Adern und das große Fragezeichen dieser Aktion sorgte auch nicht für eine Vereinfachung der Umstände. Irgendwie schlich sich Yuuka das Gefühl auf, dass diese eine Chuunin hier für eine Therapie reif war. Schaden konnte es ja nicht, hm?
Die Jounin schüttelte verständnislos den Kopf. Nicht, weil sich Junko für einen nächtlichen Spaziergang entschieden hatte (war das vorherige Gespräch also doch nicht so einfach an unserem Eisblock vorbei gezogen?) sondern weil die Aktionen dieses Typen einfach keinerlei Sinn ergaben. Yuuka dachte schon einige Zeit über die Nutzen dieser Aktion nach, war bisher aber noch zu keinem Ergebnis gekommen. So sehr in Gedanken versunken, merkte sie erst, dass Kimihiro eingetroffen war, als er plötzlich neben den beiden Damen stand.
[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Das wissen wir nicht. Suitonnutzer, männlich. Mehr haben wir nicht.“ Yuuka schwieg einige Sekunden, man sah ihr deutlich an, dass sie gerade diverse Gedankenstränge gleichzeitig zu verfolgen versuchte. Zeit, etwas Ordnung zu schaffen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Bricht in dein Zimmer ein, rührt aber nichts an? Abhörgeräte? Nein, falsches Zimmer, sinnlos. Flieht ohne etwas unternommen zu haben – gemessen an seiner Geschwindigkeit sollte er nichts von unserer Verfolgung gewusst haben. Trotzdem rasante Flucht. Junko gesehen? Zwangsläufig, früher oder später. Lockt Junko in Hinterhalt, verwendet viel Chakra auf Angriff – bricht ab, flüchtet. Warum?“ Kurze, abgehackte Sätze, nicht mehr als verworrene Worte, doch zumindest in Yuukas Kopf ergab alles einen Sinn. Wenn man mit seinen Gedanken mithalten wollte hatte man keine Zeit für Eloquenz. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Er geht zwei Mal ein Risiko ein, zieht seine Absichten jedoch in keinem der Fälle durch. Einbruch im Hotel könnte ein Versehen gewesen... nein, das sind Profis.“ Der Blick der Frau wanderte zu Junko. Warum hatte er sie verschont? War das alles Ablenkung gewesen? Waren die Wassermassen selbst die Illusion gewesen? Vermutlich nicht, denn bei Yuukas Ankunft waren diverse Vögel in den Lüften und das Wasser war noch immer unruhig gewesen. „Uns fehlt ein Haufen Fakten. Dieses Verhalten macht keinen bis gar keinen Sinn.“ Yuuka schüttelte den Kopf. Sie hasste es, wenn sie auf ein Phänomen keine Erklärung fand. Gründe für einen Abbruch gab es nicht viele. Erstens, man hatte sich im Ziel geirrt (Zimmer/Junko) oder wurde gestört. Zweitens, man musste Zeit sparen (an einem solchen Punkt aber hier nicht übertragbar). Drittens, das Anliegen wurde von einer Sache von höherer Priorität in die Zwecklosigkeit gedrängt. Zwei Mal in so kurzer Zeit an einem Abend war jedoch auch das nicht sehr wahrscheinlich. Keiner der Punkte war das und hier lag unser Problem. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Kimihiro-san, such bitte die Umgebung so ausgiebig wie möglich ab.“ Ein kurzes Schweigen, Leere in Yuukas Blick. „Was übersehen wir?“, fragte sie und blickte für einige Momente gen Himmel, ehe sich ihr Kopf drehte und Junko erfasste. „Wieder alles in Ordnung?“ Damit zeigte die Jounin wohl sehr deutlich, dass Junkos erste, verwirrte Antworten nur bedingt für bare Münze gehalten worden waren und Yuuka durchaus aufgefallen war, dass Junko noch längere Zeit unter einer Art Schock gestanden war. Nun jedoch hatte sich auch das leichte Zittern in ihrer Stimme gelegt, war also alles wieder in bester Ordnung, hm?[/FONT]
„[FONT=Verdana, sans-serif]Wenn es dieser Kerl so eilig hatte, dann hat er womöglich ein Ziel. Wir sollten uns beeilen. Kimihiro-san?“[/FONT]
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
Obgleich sie womöglich einem der Täter dicht auf den Fersen gewesen waren, schienen die drei Ninja nun nicht weiter in ihren Ermittlungen fortgeschritten zu sein als noch vor einigen Stunden. Nicht einmal die erfahrene Yamanaka schien sich einen Reim auf die Ereignisse machen zu können, und das hieß etwas. Alles in allem drückte dieser herbe Rückschlag deutlich auf das Gemüt des Künstlers, der nun recht zerknirscht seine Lehrerin ansah.
Als der Befehl zur Erkundung der Gegend an ihn ging, nickte er der Kunoichi mit einem knappen „Hai“ zu und formte ein Fingerzeichen. Eigentlich war es nicht nötig, für die Verbindung zu einem Tintentier ein Siegel zu halten, doch die zusätzliche Konzentrationshilfe sorgte dafür, dass Kimihiro sich trotz der späten Stunde und den letzten aufwühlenden Minuten problemlos auf seine Kreatur einlassen konnte.
Den Kopf nun hoch über den Dächern Yakusokus tragend sah Kimihiro auf eine Stadt herab, die sich kaum von Anderen vergleichbarer Größe unterschied. Große Teile der Region waren noch immer beleuchtet, sei es nun durch rastlose Einwohner, zwielichtige Etablissements oder die normale 08/15-Kneipe, in der bis zum Morgengrauen getrunken und gelallt wurde. Hier und da machten dunkle Flecken auf Menschen aufmerksam, die durch die Straßen und Gassen des Dorfes stromerten, oft allein. In der näheren Umgebung vermochte Kimihiro zusätzlich zwei Schlägereien zu beobachten, von denen sich eine unter seinem unzufriedenen Blick auflöste, als einer der Punkte aufhörte sich zu bewegen. Kurz hielt er nach Sicherheitskräften Ausschau in der Hoffnung, der jämmerliche Eindruck, den die drei Shinobi von der Organisation des Dorfes tagsüber gewonnen hatten, würde sich nicht bestätigen, doch keine Menschenseele eilte der wohl mittelschwer verletzten Person zu Hilfe.
Rasch befahl Kimihiro seinem Vogel, abzudrehen, damit er seinen Blick von der Szenerie abwenden konnte. Eigentlich hätten die drei Ninja wohl sofort dem Verletzten zu Hilfe eilen müssen, doch andererseits… wenn sie sich nicht schnell um die noch immer freien Mörder kümmerten, würden noch mehr Menschen sterben.
Den Blick wieder über das ganze Dorf schweifen lassend hörte der Künstler die Stimme seiner Anführerin kaum, als diese sich nach neuen Erkenntnissen erkundigte. Zur Antwort neigte sich Kimihiros zur Seite, während der seine Vogels hin und her ging.
„Nein, nichts. Nur… das übliche… ich…“
Er stockte, als ein seltsames Schimmern kurz unter ihm aufleuchtete, nur um sofort wieder zu verschwinden. Es war ein einzelner Lichtreflex, doch die Farbe entsprach ganz und gar nicht den die Nacht dominierenden Gelb- und Rottönen der Fackeln und künstlichen Lichter Yakusokus. Es war vielmehr ein weißliches… Blau?
Neugierig trieb Kimihiro seinen Vogel zum Sinkflug an. In nun deutlich kleineren Kreisen glitt das Tier sanft in Richtung Erde, blieb jedoch einige Meter über den Dächern der Stadt. Mit flinken Augen untersuchte der Künstler eine Gasse nach der anderen, doch nichts als Schatten, Dreck und Obdachlose kreuzten seinen Blick, bis eine blau schimmernde Skulptur seine ganze Aufmerksamkeit schlagartig an sich fesselte.
*Nein…*
Noch während sein Vogel sich am Rande eines Daches niederließ, ohne den Blick von dem abstoßenden wie verzaubernden Kunstwerk zu nehmen, setzte sich der echte Körper des Künstlers automatisch, fast wie von selbst in Bewegung und ließ Yuuka und Junko zurück, sollten die Frauen dem völlig gebannten Künstler nicht folgen.

Das erste Mal seit langem, dass Kimihiro wieder durch seine Augen sah, war, als er wie von Zauberhand an den Ort des Geschehens gebracht vor der eigentlich kahlen Wand eines hohen Gebäudes stand. Etwas abseits dreier Obdachloser, die gerade angeregt mit zwei laut brüllenden Wachleuten über irgendetwas stritten, starrte Kimihiro auf die neuste Kreationen von Junkos, Yuukas und seinem Gegenspieler: Eine in winterlichen Frost gehüllte Leiche, die über das Eis in ein paar Metern Höhe an der Wand befestigt worden war.
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Wer auch immer der Meinung war, dass Kunst zwecklos sei, die Schönheit an sich nur Zeitverschwendung, der musste Kimihiro nur eine Weile bei der Arbeit beobachten, denn seine künstlerischen Fähigkeiten sowie Schöpfungen waren bei dieser Mission mehr als nur ein Mal sehr hilfreich gewesen. So auch just in diesem Moment, als er, einer spontanen Eingebung folgend, die Beine in die Hand nahm und ohne große Worte das Weite suchte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka blinzelte dem Jungen kurz hinter her. So ein stürmischer Abgang? Entweder ging Kimihiro diese Mission sehr zu Herzen oder er hatte etwas entdeckt, das Eile gebot. Den Täter auf frischer Tat ertappt, den Daimyo beim Stelldichein mit seinem werten Herrn Diener? Der junge Künstler hatte bisher zwar einiges an Gutgläubigkeit und auch etwas Naivität bewiesen, aber keinesfalls Dummheit oder überstürztes Handeln. Yuuka war zuversichtlich, dass er den Mund aufkriegen würde, wenn notwendig. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Scheint fündig geworden zu sein.“, sagte Yuuka und nickte in Kimihiros Richtung, ehe sie sich selbst in Bewegung setzte um, gemeinsam mit Junko, zu dem Jungen aufzuschließen. Der Jounin gefiel diese Situation ehrlich gesagt nicht besonders. Sie hatten endlich eine Fährte, waren aber mit beinahe nichts ausgestattet. Kimihiro vermisste sein wertvollstes Hab und Gut (wieso hatte er eigentlich keinen Pinsel in seinem Armband versiegelt? Da wir gerade dabei sind, erst vor kurzem sah Yuuka ein schmeichelhaftes Video eines Künstlers, der mit nichts, aber auch gar nichts bekleidet ein Bild gemalt hatte. Man(n) musste nur kreativ sein und nutzen, was Gott einem gab), Yuuka besaß ebenfalls nur einen spärlichen Bestand an Waffen, die wichtigsten Schriftrollen befanden sich noch im Hotel, und Junko war für einen nächtlichen Spaziergang ausgerüstet, nicht für einen Kampf – wenngleich es der Dame zuzutrauen war, stets ein kleines Messerchen im Höschen zu tragen. Nur zur Sicherheit.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Gruppe überquerte einige Dächer und Gassen, war allerdings nicht wirklich lange unterwegs, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Kimihiros abwesender Gesichtsausdruck war zur Kenntnis genommen und für situationsbedingt erklärt worden. Er hatte etwas gesehen, dass der Rest nicht gesehen hatte – vermutlich würde sich alles aufklären, wenn... [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Eine hohe Wand, ein Körper, Eis. Es schimmerte weiß und blau, trotz der allgegenwärtigen Dunkelheit. Bei starkem Lichteinfall hätte diese Skulptur sicherlich ein bezauberndes Bild abgegeben – wäre da nicht die Füllung. Ein Leichnam, dem Ersten in beinahe keiner Hinsicht unähnlich, an die Wand gepinnt wie ein makaberes Aushängeschild. Yuuka blieb unterhalb des Eises stehen und blickte gebannt empor. Sie verstand nun, weshalb Kimihiro neben der Rolle gewesen war. In luftiger Höhe, außerhalb kleiner Räume, trat diese Botschaft in ein ganz anderes Licht. Seufzend wandte die Frau den Blick ab. Sie beobachtete die Obdachlosen einen Moment und hörte einige Wortfetzen. Es schien so, als ob die drei in einer der anderen Scheunen hier genächtigt hatten und von etwas Lärm geweckt worden waren. Als sie dann wach waren, war bereits alles vorbei gewesen. Yuuka runzelte etwas die Stirn. Dieser Mann, diese Typen, sie waren schnell, effizient und stark. Wieso machten sie sich die Mühe, diese Kerle hier zu töten?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Diese Leiche schien noch nicht sehr lange da zu hängen, traute man den aufgebrachten Obdachlosen. War es möglich, dass die vor kurzem noch verfolgte Person es war, die diesen Mann an diese Wand hier gefroren hatte? Waren sie vor wenigen Momenten noch an den Fersen dieses kranken Mörders gewesen? War es zeitlich möglich gewesen? Warum die übereilte Flucht, das Verschwinden? [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka tat einen weiteren Schritt auf die Leiche zu. Sie wusste, dass es sinnlos war, doch tatenlos herum zu sitzen konnte sie nicht verantworten. „Kimihiro-san, suche bitte erneut die Umgebung ab. Vielleicht... findest du ja etwas.“ Würde er nicht, dessen war sich Yuuka beinahe sicher. Dafür waren diese Täter zu clever, zu gut. Es gab noch ein Opfer; die Formen eines nächtlichen Wettrennens wurden immer klarer. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Wir sollten demnächst unsere Ausrüstung holen.“ Ein Risiko einzugehen, das war jetzt einfach nicht besonders klug. Sie drehte den Kopf in Richtung Kimihiro und Junko. „Ideen?“ Nicht zur Ausrüstung, übrigens.[/FONT]


[FONT=Verdana, sans-serif][out. sry, gerade ist nichts besseres drin]
[/FONT]
 
M

Mameha Junko

Guest
Wo blieben eigentlich die Hyuuga, wenn man sie mal brauchte? Bei dieser Mission war ein Teilzeitaufklärer wie Kimihiro zwar unglaublich praktisch, weil er eine Menge Fußarbeit ersparte, aber ein Weißauge wäre soviel praktischer gewesen. Wie sehr wünschte sie sich doch Itoe dabei, die einfach ihre Äuglein aktivierte und dann in eine Richtung deutete, sodass man den Hyoutonnutzer, wer auch immer er sein mochte, davon abhalten konnte, andere Menschen zu ermorden oder kleinen Junkos den Schrecken ihres Lebens einzujagen.
Aber soweit war die Chuunin mit ihren Gedanken noch gar nicht. Als Kimihiro sich abrupt in Bewegung setzte, folgte sie ihrer Teamleiterin anstands- und widerstandslos, wobei sie bemerkte, dass ihr Körper sich wie mechanisch bewegte und sich dabei auch noch wie betäubt anfühlte. Wenn sie es recht bedachte, hatte sie auch Probleme, sich auf die momentane Problematik zu konzentrieren, weil ihre Gedanken etwas zähflüssiger liefen als sonst. Zusätzlich spürte sie die Ermüdung in den Gliedern, aber auch von dieser konnte und wollte sie sich gerade nicht aufhalten lassen.
Der Ort des Geschehens war nicht dazu erdacht, sie zu erschrecken oder vor Ehrfurcht erstarren zu lassen – zumindest hätte sie dieser Anblick an diesem Nachmittag eher fasziniert und auf intellektueller Ebene zu interessiert. Doch jetzt, zu dieser Stunde und nach dem abendlichen Schock erstarrte sie in der Bewegung, als sie wie im Traum hinter Yuuka und Kimihiro herwandelte und zuletzt die Leiche entdeckte.
Die Schönheit des Anblicks war unbestritten, jedoch zweifellos von morbider Natur, während sie sich selbst fragen musste, wie der Hyoutonnutzer dies zeitlich hinbekommen hatte und wo seine Motivation lag. Es war immer noch im Bereich des Möglichen, dass sie im Park dem Eisnutzer begegnet war, welche Verwandtschaftsverhältnisse auch immer gegeben sein mochte. Darüber wollte sie nicht nachdenken, allerdings musste sie sich selbst gestehen, dass sie davon ausging, dass es sich bei dem Suitonnutzer im Park auch um den mysteriösen Hyoutonnutzer handelte.
Aber er war geflüchtet. Warum sollte man auf einer Flucht einen Mord auf so bizarre Art und Weise begegnen? Um seine Verfolger abzuschütteln? Das war aber schon fast panikartig, und so schätzte sie den Eisnutzer nicht ein. Auch war sie sich sicher, dass er gar nicht zu dieser Methode hätte greifen müssen und einfach hätte untertauchen können, wenn ihm danach gewesen wäre. Eine Falle? Aber er hatte die Shinobi schon vorher verschont, warum sollte er sie jetzt in einer Falle locken und Explosionstags in einem Eisblock nebst Leiche verstecken? Nebenbei, Explosionstags im Eisblock waren keine schlechte Idee ... aber das nur nebenbei.
De facto: Sie hatte gerade keine Ahnung, was hier gerade geschah und konnte sich auch absolut keinen Reim darauf machen. Wenn man gezwungen wäre, Junkos Zustand mit dem eines handelsüblichen PCs mitsamt namenhafter Software zu vergleichen, so befand sie sich gerade im Zustand des blauen Bildschirms – der Punkt, an dem alles, aber auch wirklich alles schiefgegangen war und man kein einziges der Programme verwenden oder auf Daten zugreifen konnte, wenn man nicht alles neustartete oder im schlimmsten Fall neu formatierte. Man könnte auch sagen, dass dies der Punkt war, an dem man alles noch mal genau überdachte und entweder Tabula Rasa machte oder seufzte, die Scherben aufsammelte und dann anfing, die Sterne neu zu ordnen. Junko war gerade nicht in der Lage, diese Problematik zu lösen, selbst wenn sie zuvor die geistigen Kapazitäten besessen hatte (was zu bezweifeln ist).
„Ich habe keine Ahnung … es macht keinen Sinn.“ Sie versuchte, ruhig und gelassen zu klingen, aber unterschwellig würde die Yamanaka noch Aufregung wahrnehmen – wie eine geringfügige Wunde, die langsam und kaum wahrnehmbar durch den Verband blutete. Vielleicht war sogar eine Prise Verzweiflung herauszuhören – Mameha Junko hasste es, wenn sie die Geschehnisse nicht nachvollziehen konnte, und die Verhaltensweise ihrer Gegenspieler war einfach nicht logisch. So sehr sie es auch versuchte, sie konnte einfach keinen klaren Gedanken fassen. Die Instinkte und Reflexe funktionierten noch hervorragend, wie Yamanaka Yuuka gewiss schon festgestellt hatte, aber die Reaktion auf die Leiche im Eisblock war irgendwo zwischen bescheiden, abgelenkt und fahrig zu bezeichnen. Nachwirkungen eines Genjutsu konnten so etwas auslösen. Manchmal brauchte man Minuten, ja sogar Stunden, um sich wieder zu erholen. Und in diesem Fall half eine aus Junkos Sicht vollkommen sinnlose Aktion nicht weiter.
„Vielleicht sind es zwei Hyoutonnutzer. Vielleicht ist das da eine Falle. Vielleicht wollen sie uns irgendwo hinlocken, aber dann wäre die Ausführung sehr zufällig, riskant und undurchdacht gewesen. Ich … weiß es einfach nicht.“ War schon schwierig, das zuzugeben, und zumindest musste man der Chuunin zugute halten, dass sie zumindest den Versuch unternahm, sich auf die Mission zu konzentrieren, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
Es dauerte eine Weile, bis Kimihiro wieder einigermaßen bei sich war, doch die Stimme seiner Anführerin half ihm dabei, wieder in die Wirklichkeit zurückfinden. Rasch nickte er mit einem festen „Hai“, allerdings mehr automatisch denn überlegt, und wechselte den Blickwinkel erneut, um ein besseres Bild über die gesamte Situation eringen zu können.
Nun nicht mehr (ganz so stark) von der schimmernden Leiche abgelenkt begann Kimihiro zuerst einmal zu begreifen, wo die Dreiergruppe Shinobi sich mittlerweile befand: In einem düsteren Eckchen der Stadt, ziemlich weit weg von jeder Art von Trubel und nächtlicher Vergnügung. Viel eher befanden sie sich in einem von Lagern und Scheunen dominierten Viertel, welches in Zeiten eisiger Dunkelheit vor allem Obdachlosen und ihren provisorischen Lagerfeuern Zuflucht bot. Ein idealer Ort eigentlich, um sich zu verstecken, immerhin wären die engen Gassen, wahrscheinlich aber sogar auch die wenigen breiteren Straßen auch tagsüber so gering frequentiert, dass man sich keine Sorgen über das machen müssen würde, das einen hierher getrieben hatte.
Womöglich hatte das auch die Person gedacht, die nun an eisigen Ketten in der Luft hing, wenngleich ihr diese Idee augenscheinlich nicht viel gebracht hatte…
Ein paar Augenblicke behielt Kimihiro die Straßen noch aufmerksam im Blick, bevor er sich letztlich wieder größtenteils auf seinen eigentlichen Körper, du damit die direkte Umgebung konzentrierte. *Wer auch immer das hier angerichtet hat… wenn er hier in diesem zwielichtigen, verlassenen Fleckchen Erde nicht gefunden werden will, werden wir ihn sicherlich auch nicht finden.* Ein ehrlicher Gedanke, der die Stimmung des Künstlers allerdings ganz und gar nicht besserte. Wie lange mussten sie noch diesen schattigen Eis- und Schwertphantomen hinterher jagen?
Junko endete gerade mit ihrer eigenen, wenig hoffnungsvolleren Einschätzung der Dinge, als Kimihiro wieder fest und solide im Hier und Jetzt verankert war. Mit ernster Miene schaute er seine Kolleginnen an, bevor er kraftlos den Kopf schüttelte. Worte fielen ihm keine ein, die nicht schon gesagt worden wären – „Ich weiß es nicht“, „keine Ahnung“, „es macht keinen Sinn“. Nein, beim besten Willen vermochte der Künstler in diesen Ereignissen kein vernünftiges Muster zu erkennen.
*Erst die vielen wahllosen Leichen, dann die Explosion, die Aussagen dieses Gangsters… und jetzt das. Was sollen all die Toten bedeuteten?*
Die Frage nagte unaufhörlich an Kimihiros Gemüt, machte sie ihnen allen doch klar, dass das Morden wohl solange weitergehen würde, bis die Shinobi die Bedeutung hinter den Anschlägen geklärt, oder bis die rätselhaften Mörder ihr Ziel erreicht hatten – und dieses umfasste womöglich auch den Tod der Krieger aus Konohagakure.
Möglichst ohne allzu niedergeschlagen zu klingen – wobei er sich sicherlich weitaus kläglicher als Junko zuvor anstellte – wandte er sich an Yuuka: „Wer auch immer das war, im Moment werden wir ihm keinesfalls auf die Schliche kommen. Ich wäre tatsächlich dafür, dass wir vorerst einfach wieder auf unsere Zimmer zurückkehren.“ *So sehr das ganze auch nach dem Eingeständnis einer vernichtenden Niederlage aussieht.*
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Die beiden Genin hatten Recht: So gesehen machte das wirklich keinen Sinn. Eine Falle sah anders aus. Viel wahrscheinlicher war es, dass die drei Shinobi aus Shirogakure den Tätern schlichtweg auf der Spur gewesen waren und sie beinahe erwischt hatten. Aber wie das, ohne größere Anhaltspunkte? Diese Leiche zu finden war beinahe Zufall gewesen und hätte sich um einige Zeit verschoben, wären sie von diesem nächtlichen Besucher nicht in die Nähe des Verbrechens geführt worden. Yuuka beschloss, einige Szenarien im Kopf durchzuspielen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Sie nahm an, dass der Besucher zwar zu der Gruppe der Gesuchten gehörte, aber keinesfalls mit Eis hatte spielen wollen. Der Besuch bekam dadurch keine plötzlich klar werdende Bedeutung, Yuuka vereinfachte die Sache und legte für sich selbst fest, dass es keine Rolle spielte ob er sich umentschieden, sein Ziel erreicht hatte oder unterbrochen wurde. Fakt war, dass er Junko verschont hatte, was keinerlei Regelung zu folgen schien, denn es hatten einige Zivilisten ihr Leben bei dieser Sache gelassen. Auch hätte der Mann Junko wohl kaum so nahe an den Ort des Verbrechens geführt, oder? Das hier ergab nichts.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Wenn man festlegte, dass der Hyoutonnutzer selbst derjenige war, der die Shinobi im Hotel besucht hatte, war das Bild allerdings auch nicht viel besser, denn zu den obrigen Problemen kam noch hinzu, dass die Zeit sehr knapp gewesen wäre. Yuuka seufzte und spielte noch einige andere Konstellationen im Kopf durch. Unter anderem was geschehen würde, wenn es sich im Hyoutonnutzer tatsächlich um Junkos Vater handelte. Damit wäre zwar der Kampf gegen Junko erklärt, das wars dann aber auch. Yuuka hasste es, im Dunkeln zu tappen und blickte sich einige Male um. Das brachte doch nichts. Eine Spur von Ärger?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Jounin nickte entschlossen. Brutal Force Methode war angesagt, hm? „Danach stellen wir diese Stadt auf den Kopf.“ Noch ehe die vielen Wachleute eintrafen, war die kleine Gruppe aus Shirogakure bereits wieder verschwunden.[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Zurück im Hotel war die Angelegenheit klar: Verpflegung einstecken, Waffen einsatzbereit halten, ankleiden, Besprechung, Abmarsch. Eine Sache von wenigen Minuten, richtig? Nun, nicht ganz. Da jeder wusste, was zu tun war, hielt sich Yuuka in ihren Anweisungen gewohnt kurz, als sie zu dritt zu ihren Zimmern empor stiegen und die einfache Treppe des Gebäudes hinter sich ließen. Die tuschelnden Menschen vor dem Hotel waren komplett ignoriert worden; die Anwesenheit der Shinobi war wohl kein sonderlich gut gehütetes Geheimnis mehr.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Jounin würde es zwar nie zugeben, aber sie hatte Angst, dass diese Mission vorbei war, ehe die Täter gefasst waren. Die Informationen reichten vorne und hinten nicht aus, die Stadt selbst interessierte sich keinen Deut für die Geschehnisse und es gab keine wirklichen Anhaltspunkte. Eine Person fehlte noch, ein Punkt auf der Todesliste. Diesen mussten sie finden um überhaupt noch eine Chance zu haben, die Mission als erfolgreich abgeschlossen zu den Akten legen zu können. Yuuka steckte einige Schriftrollen in ihren Gürtel. Immer und immer wieder ließ sie Theorien und Fakten in ihrem Kopf rotieren, in der Hoffnung, irgend etwas zu sehen. Eine Weste wurde angelegt, ein Schwert auf dem Rücken befestigt. Sie versuchte sich an die verschiedensten Gesichter zu erinnern, war der Täter vielleicht zum Tatort zurückgekehrt? Hatte sie irgend eine unwichtige Äußerung versehentlich missachtet? Die Anzahl der Kunai und Senbon wurde geprüft, es klopfte an der Tür. Nein, auch das nicht. Sie war aufmerksam gewesen, weder sie noch ihr Team hatte einen Fehler gemacht. Hätten sie mehr machen können? Es klopfte erneut. Man konnte sich immer mehr anstrengen, aber... es hatte geklopft? Yuuka hob den Kopf und ging zur Tür. Sie hatte nicht erwartet, dass einer der Beiden vor ihr fertig war. Was nun? Sie würden sie Stadt durchkämmen, mit allem was sie hatten. Die Tür wurde geöffnet. Vögel, Nager, Tiere sämtlicher Form und Größe. Yuuka könnte in Köpfe kriechen, sich umhören. Die Frau blinzelte etwas überrascht. Weder Kimihiro noch Junko standen vor ihr, sondern eine etwas verwirrt drein blickende Rezeptionistin. Hinter ihr drückte sich ein versängstigter Mann an der Wand herum.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ja?“, fragte Yuuka, ihr Blick ruhte aber eher auf dem männlichen Besuch. Wie die Frau aussah, das wusste Yuuka inzwischen. Der Typ im Hintergrund war der interessante Teil. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Dieser Mann hier möchte zu ihnen. Er war sehr bestimmend. Wenn sie also...“ Yuuka winkte ab. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ist in Ordnung.“ Die Frau nickte und zog sich zurück. Yuuka indes blieb zwischen Tür und Angel stehen, den Neuankömmling nicht aus den Augen lassend. Die Kleidung, der Blick, der Schmutz. Hatten sie wirklich so unverschämtes Glück? Ein Plan, der tatsächlich funktioniert haben konnte? Das war doch mehr als absurd, oder?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuukas Augenbrauen waren erhoben, ein fragender Blick sollte genügen um die Absichten dieses Mannes herauszufinden. [/FONT]
„[FONT=Verdana, sans-serif]M-Mein Name ist Gensai Taku. I-Ich möchte, dass Sie mich beschützen.“[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Nun war die Katze also aus dem Sack und Yuuka musste sich zusammenreißen um ruhig zu bleiben. Eine Chance, endlich, es wurde auch Zeit. War diesem Mann namens Taku bewusst, was er da verlangte? Fast so, als ob dieser die Frage gehört hatte, öffnete er direkt wieder den Mund. „Goro und Botan sind t-tot. Ich will nicht auch so enden. Lieber gehe ich zurück in den Knast. B-Bitte.“, stammelte Taku und ein stummes Flehen war ihm ins Gesicht geschrieben. Doch war es wirklich so einfach? [/FONT]
„[FONT=Verdana, sans-serif]Kommen Sie rein.“ [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Es war niemals einfach.[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Währenddessen in einem anderen Zimmer.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Es gab einmal einen Mann, vor den Augen der Welt verborgen, bewaffnet mit den Tugenden der Medizin, der hatte ein Ziel. Ein hohes, vielleicht sogar nobles Ziel, doch der Weg war schmutzig und verdorben und schwer zu begehen. Das Bett sah bequem aus, doch angenehme Kleinigkeiten waren ein Luxus, den man sich in vielerlei Lagen nicht leisten konnte. Als die Tür aufging, erstab auch die Luft. Eine gefüllte Lunge musste reichen. Ein leiser, behutsamer Schritt. Lautlos näherte sich der Jäger seinem Opfer. Die Hand eng am Körper angelegt, wurde sie nach und nach weiter fort gestreckt, einer Gottesanbeterin gleich. Dann war der Zeitpunkt gekommen, das kalte Metall fuhr in den glatten Hals. Es dauerte keinen Wimpernschlag, bis die in der Spritze enthaltene Flüssigkeit sich in den Adern des Mädchens verteilte und sämtliche mystische Wirkung der Unsichtbarkeit verflog. Das Gleichgewicht entschwand mit der Realität, Dunkelheit umgab alles. Zurück blieb das kalte Antlitz eines Vaters.[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Einige Zeit später.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Es war ein kleiner Raum. Vernagelte Fenster, eine knarrende Tür und der hölzerne Boden war zum Teil aufgerissen. Hier und dort stand ein kleiner Tisch. Nach Plan war nichts gelaufen, auf keiner Seite der Medaille. Ein kalter Luftzug drang durch die kaputten Fenster ein und frischte das Zimmer etwas auf. Das kleine Kaminfeuer brauchte etwas Zeit um die stetig eindringende Kälte wieder zu vertreiben. Es war noch immer Dunkel draußen, doch die wenigen Kerzen im Raum spendeten genug Licht um alles nötige zu erkennen. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Mameha Junko lag ausgestreckt auf dem Bett. Sorgsam, beinahe liebevoll war eine schlichte Baumwolldecke über ihren Körper gezogen und ihr Kopf auf einem durchgelegenen Kissen gebettet worden. In der gegenüberliegenden Ecke befand sich ein einsamer Stuhl, auf dem ein einsame Mann saß, die Hände auf den Knien ruhend, das Gesicht hinter Sorgenfalten versteckt. Die weißen Haare Kaitos fielen ihm über Rücken und Schultern, seine Augen verloren sich gedankenversunken in der Ferne. Als der Schleier der Betäubung von Junko fiel, die Injektion ihre harte Wirkung verlor, regte sich etwas auf dem Stuhl. Der Kopf Kaitos fuhr empor, seine Züge verhärteten sich und wurden unleserlich. Eine Schale aus Eis und Gefühlslosigkeit verschleierte jede Regung, jedes väterliche Gefühl, das womöglich in ihm zu kriechen begann. [/FONT]
„[FONT=Verdana, sans-serif]Hallo, Junko-chan."[/FONT]
 
M

Mameha Junko

Guest
Es gab Momente in Leben, in denen sich der rationale Verstand, sobald er wieder eingeschaltet war, ernsthaft fragte, wie es zu dieser Situation überhaupt hatte kommen können. Junko besaß durchaus einen analytischen, scharfen Verstand und zögerte auch nicht, diesen zu benutzen, zumal die meiste Zeit ihres Shinobidaseins ihre eigene Stärke im Kampf nicht ausgereicht hatte. Also hatte sie kompensiert, gut kompensiert und konnte sich nicht nur einer gewissen Geistesschärfe, sondern auch Wahrnehmung und Sensibilität rühmen, die ihr das Leben und ihre Arbeit maßgeblich erleichterten. Wie also konnte es dieser wachsamen Kunoichi passieren, dass ausgerechnet sie, von allen Leuten, gerade von einem nicht ganz so gut vorbereiteten Gegner einfach betäubt und gefangen genommen wurde, obwohl sie gerade zum Gegenschlag gegen ihn ausholte?
Man konnte immer noch behaupten, sie habe das Team nicht angeführt. In ihrem Kopf bestand auch immer noch die (absolut geringfügige) Möglichkeit, dass ihr bekannte Sora-Ninjas in die Angelegenheit involviert waren, in welchem Falle sie nicht unbedingt in Gefahr schwebte. Zuletzt gab es auch noch das Argument der körperlichen Ermüdung, die natürlich die Reflexe lähmte und auch das Urteilsvermögen trübte. Auch konnte durchaus anhand der Beschreibung herausgelesen werden, dass selbst Yuuka, die allmächtige Jounin, sich wahrscheinlich dieser raffinierten Attacke nicht hätte erwehren können.
Junko ihrerseits hatte da eine ganz andere Theorie, denn es gab nur einen Gedanken, der ihr Bewusstsein dominierte, bevor sie in die Bewusstlosigkeit glitt.
Sie hatte einfach für einen Moment nicht aufgepasst.

Man sollte es nicht glauben, aber die Nachwirkungen von Medikamenten konnten denen von übermäßigem Alkoholgenuss sehr ähnlich sein, auch wenn kundige Personen behaupteten, den Unterschied zwischen den beiden Katern zu kennen. Tatsächlich sorgten Medikamente für ein Gefühl, als ginge eine Art wunder Schmerz von den Knochen, speziell der Wirbelsäule aus, während sich der Betroffene des Gefühls nicht erwehren konnte, er habe viel zu lange geschlafen, während er sich zugleich erschöpft und ausgelaugt fühlte. Der Kopf war nicht etwa von pochendem Schmerz, sondern eher von zähflüssiger Trägheit angefüllt, als hätte der gesamte Organismus sich noch nicht entschieden, ob er nun schlafen oder wachen wollte und demzufolge sich erst einmal mit einem Dämmerzustand abfand.
Genau in diesem Zustand nahm die Kunoichi ihre Umgebung wie durch einen Nebelschleier war. Sie spürte die Kälte durch das offene Fenster, das geringfügige Gewicht der Decke, sah das Kaminfeuer, die Tische und selbstverständlich auch die Person, die dort saß und fühlte sich einmal mehr matt und elend, als die Schwere der Situation mit ein wenig Verzögerung und langsamer als sonst in ihr Bewusstsein drang.
Während sie sich langsam aufrichtete, blinzelte sie verwirrt und benommen, als könne sie das Bild, welches sich ihr gerade eröffnete, dadurch zum Verschwinden bringen, doch nichts geschah. Dies war offenkundig die grausame Realität.
Zu ihrer Überraschung war die unterschwellige, beklemmende Unruhe, die sie noch vor nicht allzu langer Zeit allein bei dem Gedanken an die entfernte Möglichkeit dieses Szenarios empfunden hatte, vollkommen verschwunden. Momentan fühlte sich ihr Körper, ebenso wie ihre Emotionen seltsam taub an, was zunächst positiv gehandhabt wurde – bis sie bemerkte, dass sich das Taubheitsgefühl auch auf ihren Verstand ausgeweitet hatte, zumindest ein wenig. Seltsam, dabei hatte sie immer gedacht, in so einem Moment würden die Gedanken einfach nur so rasen, aber nichts dergleichen.
Sie beschloss, dass Ungläubigkeit nunmehr keinerlei Option mehr sein konnte, ebenso wie Verleugnung. Ein Genjutsu nutzte, wenn es sich schon des Erinnerungsvermögens bediente, die hässlichste Erinnerung, die sie finden konnte, und diese Ehre blieb in diesem Fall Hiroshi, nicht etwa ihrem Vater vorbehalten, zumal sie sich geweigert hatte, sich dieses Szenario überhaupt auszumalen. Jetzt allerdings hatte sie keine Wahl mehr, wie es schien.
Warum war sie nur nicht überrascht? Es war so seltsam, dass der anfängliche Schreck und dieses Überraschungsgefühl sich vollkommen vermissen ließen – immerhin hatte Junko große Anstrengungen unternommen, damit man ihr derartige Gefühle nicht ansah, und jetzt war sie irritiert, wenn sie diese nicht kaschieren brauchte. Auch hier schien das Taubheitsgefühl zugeschlagen zu haben.
Die Situation musste doch so langsam unangenehm werden, wenn sie jetzt keine schlagfertige Antwort parat hatte – oder überhaupt eine Antwort wäre schon genehm. Wie sollte sie reagieren? Vielleicht mit Rage? Nein, dafür empfand sie gerade nicht genug. Ungläubigkeit war auch gestrichen, ein verwirrtes „Wer bist du?“ war eine Verschwendung von Atem … wie ging sie dann vor? Kampf, Flucht oder Erstarren standen zur Verfügung, und das erste Mal in ihrem Leben hielt Junko Erstarren für eine äußerst attraktive Lösung.
Warum empfand sie eigentlich keine Freude? Ihr Leben lang hatte sie gehofft, diesen Mann, den sie so verehrt hatte und anscheinend immer noch verehrte lebend wiederzusehen, war aber von der Annahme ausgegangen, dass er verstorben war. Und doch empfand sie keine Freude, nur tiefe, schmerzliche Trauer, weil gleichzeitig die Erkenntnis in ihr dämmerte, dass diese Begegnung an diesem Ort zu dieser Zeit nur Leid hervorrufen konnte. Was immer hier auch geschehen war, wie auch immer diese verworrenen Stränge Sinn machten, beide Parteien würden am heutigen Tag einen Verlust erleiden – einmal mehr.
„Hm.“, der sachte Laut hörte sie vage bestätigend an. Sie hörte ihn, gar keine Frage, schien aber nach außen hin immer noch benommen. In diesem Moment, als sie nicht wusste, wie sie weiter verfahren sollte, ging sie gemäß ihrer wahren Natur vor – Auskundschaften, Analysieren, Agieren. Den Teil mit der Handlung verschob sie auf später und versuchte, zunächst so viel wie möglich durch stille Beobachtung herauszufinden, während sie scheinbar nicht willens war, zu handeln. Ironisch, in diesem Augenblick handelte es sich dabei um die Wahrheit.
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
„Bah…!“
Schlaff ließ sich Kimihiro der Länge nach auf das recht harte Bett fallen, wo er mit dem Gesicht in die Matratze vergraben einige Augenblicke liegen blieb, bevor er seinen Kopf um Luft holen zu können etwas drehte.
*Mhm, dabei wäre alles viel einfacher, wenn ich mich jetzt einfach von diesem Hartholz-Etwas ersticken lassen würde…*
Trotzdem drehte sich Kimihiro am Ende ganz auf den Rücken und starrte müßig an die fleckige Zimmerdecke. Leider verschwand der Mörder, der sich noch immer auf den Straßen Yakusokus herumtrieb, ja nicht einfach so, wenn eine Brillenschlange sich von Staubflusen den Todesschuss geben ließ, und am Ende war es doch genau das, was seine Kolleginnen und er wollten: Das Dorf von diesen kaltblütigen Killern zu erlösen.
Einige Atemzüge später fand Kimihiro erstmals die Kraft, sich in seinem Bett aufzusetzen und etwas umständlich nach seiner eigenen Beintasche zu greifen, die vergessen auf dem Schreibtisch gegenüber lag. Als seine Finger den schwarzen Stoff erreichten, angelte er unbeholfen nach einer der Schlaufen und zog so sein persönliches Ninjawerkzeug zu sich. Anschließend befreite er sein Bein von der Tasche, die ihm seine Lehrerin gereicht hatte, doch statt sich einfach beiseite zu legen, schaute er sie ein paar Augenblicke lang gedankenverloren an.
Noch immer war der junge Künstler ziemlich baff ob der eingeübten Handgriffe seiner Lehrerin, als diese das erste Mal von dem Besuch des Fremden gehört hatte. Ohne auch nur einen winzigen Augenblick lang überlegen zu müssen, war sie bereits nach ein paar Handgriffen startklar gewesen, ganz so als hätte sie den ganzen Abend lang mit nichts anderem gerechnet.
*Vielleicht hat sie das ja sogar. Irgendwann mussten diese Killer ja Wind von uns bekommen, und dass wir in dem Moment auf ihrer Abschussliste stehen würden war klar. Dennoch…*
Im Vergleich zu Yuuka schnitt Kimihiro alles andere als glorreich ab. Während die Yamanaka schon fast roboterartig alle nötigen Vorkehrungen getroffen hatte, war er wie ein aufgescheuchtes Huhn umher getingelt, ohne überhaupt einen vernünftigen Satz auf die Reihe zu bekommen. In dieser Hinsicht würde er noch viel lernen müssen. Vielleicht sogar direkt von Yuuka?
Mit einem Satz sprang Kimihiro von seinem Bett auf und ging zu seiner Tür. Eigentlich war es die perfekte Idee: Seit dem Training mit seinem Großvater hatte er keinen festen Lehrer mehr gehabt, worunter seine Fähigkeiten sicherlich gelitten hatten. Wie viele Nachmittage hatte er den faul auf irgendeiner Wiese gelegen, anstatt sich um seine Jutsus zu kümmern? Selbst mit tausend Händen hätte Kimihiro die Tage wohl nicht an den Fingern abzählen können… Mit einer Privatlehrerin wie der Yamanaka jedoch würde er sicherlich nicht mehr so schnell Zeit für ein gemütliches Nickerchen haben. Er würde Tag und Nacht seinen Körper und seinen Geist stählen, trainieren, trainieren und weiter trainieren, und dann, dann…!
Seine Hand, die bereits auf der Klinke lag, wurde plötzlich schlaff und rutschte von dem kühlen Eisen. Tag und Nacht trainieren? Keine Nickerchen mehr?
*Dagegen klingt der Tod durch Staubflusen ja noch richtig verlockend.*
So schnell die Idee mit dem Training bei der erfahrenen Yamanaka in Kimihiro aufgekommen war, so schnell hatte sie sich bereits wieder verflüchtig, und mit ihr die seltsame Vorfreude. Trotz allem musste er nun allerdings vor die Türe treten, immerhin hielt er in der anderen Hand noch immer die Beintasche der Jounin. Also griff der Künstler doch wieder nach der Klinke, öffnete seine Tür, und schritt langsam und zögerlich unter dem Rahmen hindurch. Yamanaka waren berühmt dafür, Experten im Erahnen der Gedanken Anderer zu sein, und wenn Yuuka ihm auch nur irgendwelche Anzeichen seines fixen Einfalls ansah, würde man ihm seine Nickerchen am Ende womöglich doch noch rauben – und diese Vorstellung jagte dem Künstler einen unangenehmen Schauer über den Rücken.
*Keine Sorge, du gibst ihr einfach Jacke und Mantel, und fertig.*

Wenige Augenblicke später stand Kimihiro allein vor der Zimmertür der Yamanaka. Einige Minuten zielloser Überlegungen verstrichen, bevor der Junge schlussendlich den Mut fand, vorsichtig gegen das Holz zu klopfen. Das Geräusch war absichtlich leise gehalten, denn wenn Yuuka ihren Schüler in spé nicht hörte genügte das als Ausrede, um die Rückgabe ihrer Sachen auf später zu vertagen.
Zu seinem Verdruss erklang jenseits der Tür jedoch ein harsches „Wer ist da?“, auf das Kimihiro möglichst standfest mit seinem Namen antwortete. Ein deutlich weicheres „Komm rein“ ertönte anschließend, und nachdem der Künstler einmal leer geschluckt hatte, trat er in das fremde Zimmer.
Überrascht von der Szene vor sich blieb Kimihiro zuerst einmal verdutzt stehen, bevor er mit unsicherer Stimme fragte: „Was… Sumimasen, komme ich ungelegen?“
Sein Blick, zunächst auf Yuuka geheftet, die gesittet am einzigen Tisch des Zimmers saß, glitt zu dem verlottert wirkenden Mann ihr gegenüber, der Kimihiro angsterfüllt ansah. Bevor einer von ihnen sich jedoch nach dem anderen erkundigen konnte, erhob Yuuka erneut die Stimme, und setzte zu einer ausführlichen Erklärung an, die es in sich hatte.

*Endlich hat sich das Blatt gewendet!*
Beinahe euphorisch verließ Kimihiro auf Befehl der Yamanaka das Zimmer der Jounin, um Junko aus ihrem Raum abzuholen. Tatsächlich brachten allein die neuen Erkenntnisse, die die Dreiergruppe der Angst des heruntergekommenen Mannes namens Gensai Taku verdankten, ihre Ermittlungen einen riesenhaften Schritt voraus, doch der wahre Trumpf war der Mann selbst: Solange sie nämlich in der Nähe dieser letzten Zielperson blieben, würden sie irgendwann unweigerlich auf die Killer stoßen.
Und dann wäre es mit dieser sinnlosen Mordserie endgültig vorbei.
Energiegeladen klopfte Kimihiro dreimal deutlich lauter gegen die Tür der Mameha, bevor er beinahe dagegen hämmerte und immer wieder ihren Namen sagte. „Mameha-san? Mameha-san!“ Als sich auch nach einer Weile nichts hinter der Türe zu regen schien, klopfte Kimihiro immer nervöser noch kräftiger. „Junko, los, mach auf, wir haben sie! Wir haben sie, hast du gehört? Wir haben sie!“
Doch noch immer erklang keine Antwort. Verwundetr hielt Kimihiro kurz inne, bevor ihm ein ungutes Gefühl beschlich. Was, wenn nach ihm nun Junko einen Besuch…?
*Nein, zieh keine voreiligen Schlüsse. Vorhin war sie auch nur einfach einen Spaziergang machen. Sicherlich ist es jetzt dasselbe. Also, keine Sorge. Geh zu Yuuka und sage ihr einfach, das das Mädel unterwegs ist.*
Der Gedanke, der Kunoichi könnte etwas zugestoßen sein, nagte dennoch an ihm. Und obwohl das, was er zu tun im Begriff war, sich als ungeheuerlich unangenehm entpuppen könnte, griff er nach der Türklinke des Zimmers und sagte laut: „Ich komme jetzt rein, also…“ Seine Finger schlossen sich fest um das Metall, drückten es herunter, schoben die Tür auf… und gaben letztlich den Blick auf ein hell erleuchtetes Zimmer frei. Doch obwohl Licht brannte schien das Zimmer verlassen. Unsicher betrat Kimihiro den Raum mit einem kleinen Schritt und schaute sich ausgiebig nach der Einwohnerin um, doch nichts. Das Zimmer war tatsächlich komplett leer.
*Seltsam. Wenn sie unterwegs ist, hätte sie sicherlich das Licht ausgemacht.*
Nun nicht mehr von Angst davor erfüllt, auf eine halb nackte Kunoichi zu treffen, lehnte Kimihiro hinter sich die Türe an und schaute sich ausgiebiger um. Dabei fiel sein Blick auf das etwas verzogene Bett des Mädchens, auf dem ein weißes Rechteck lag. Schwarze Schriftzeichen bedeckten das schmale Stück Papier, und ehe ihm die Idee kam, dass es sich bei dem Brief um eine Privatsache handeln könnte, sog er die Worte bereits mit den Augen auf. Was er aber las, ließ sie ihm fast aus den Höhlen fallen.
„Halbe Stunde. Park.“
Mit zitternder Hand griff Kimihiro nach dem unscheinbaren Schriftstück, wobei seine Finger die Beintasche der Yamanaka, die er noch immer bei sich hatte, fallen ließen und sich gewalttätig in den Schreibstoff krallten. Dann, ohne darüber weiter nachzudenken, stürmte er aus dem Zimmer, platzte in das der Teamleiterin, und knallte den Brief lautstark vor Yuuka auf den Tisch. Seine Stimme überschlug sich fast, als er sie anschrie: „Sie haben Junko! Wir müssen etwas tun, jetzt, schnell! Wir haben nur eine halbe Stunde, und es gibt noch so viel… wir müssen… Junko…“
*Ja was denn? Was können wir denn schon machen? Diese Mistkerle wollen uns erst in dreißig Minuten treffen, und bis dahin können wir doch nichts machen, absolut gar nichts, nichts, nichts, nichts.*
Schock und Wut verrauchten ganz plötzlich, und zurück blieb ein junger Künstler, der seine Lehrerin verwirrt und überfordert anstarrte. Mit belegter Stimme fragte er die Frau: „Was sollen wir jetzt machen?“
 
Zuletzt bearbeitet:
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka hob erstaunt den Kopf. Kimihiro war aufgewühlt und durcheinander. Ihr Blick senkte sich auf den Zettel, den er ihr auf den Tisch gepfeffert hatte und ihre Miene verfinsterte sich etwas. Doch anstatt wie Kimihiro Panik zu schieben, zwang sich die Jounin dazu, Ruhe zu bewahren. Es half nichts, wenn sie jetzt gemeinsam mit ihm mit den Händen wedelte und dabei im Kreis rannte. Er war unerfahren, sie erfahren. Er war ein Genin, sie eine Jounin. Er stand unter ihrem Kommando, sie hatte Junko zu retten. Nicht er. Es lag also an Yuuka und Zeit für Panik war nicht gegeben. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Auf Kimihiros Frage antwortete sie also nicht sofort und unser kleiner Besucher wurde nicht großartig beachtet. Die Formulierung auf dem Zettel war dürftig, eine Uhrzeit wäre klüger gewesen. Wann war der Zettel dort deponiert worden? Ab wann galt die halbe Stunde – wie viel Zeit hatten sie überhaupt noch? Der Junge hatte Recht, es mussten Vorbereitungen getroffen werden. Den Köder hielten sie in der Hand, sie mussten ihn nur nutzen. Daher war die relativ simple Antwort, die Kimihiro zu hören bekam: „Ruhe bewahren. Und ihn festhalten.“[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Das Gesicht des Mannes zu Yuukas Rechten entgleiste ein wenig, als er den letzten Satz hörte, doch das Gesicht der Jounin ließ ihm eigentlich keine Wahl.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Abmachung war: Schutz gegen Informationen. Da wir keine Zeit mehr haben, werde ich mir die Informationen jetzt holen, damit ich Sie anschließend schneller schützen kann. Sie sehen also, es ist alles nur zu ihrem Besten.“, erklärte Yuuka und nickte Kimihiro zu und als dieser den Körper des Mannes fixierte, legte Yuuka eine Hand auf dessen Kopf. Die Augen Takus verdrehten sich und das Weiße wurde sichtbar. Ob es den Anwesenden klar war oder nicht: Yuuka ging gerade über Leichen. Nicht im wörtlichen Sinne, doch solch ein erzwingen von Informationen, solch ein Durchforsten eines Verstandes hinterließ seine Spuren. Weshalb Yuuka dies trotzdem tat war folgender: Dieser Mann war ihr vollkommen egal. Wenn sie sein Leben gegen das von Junko eintauschen konnte, dann würde sie es ohne zu zögern tun. In einigen Minuten hatte sie, was sie wollte und konnte sich voll und ganz darum kümmern, Junko heil wieder zu bekommen. Es war ihr Auftrag, die Mordserie hier zu beenden. Niemand verlangte ausdrücklich, dass man die Täter bestrafte oder hinrichtete – wenngleich das natürlich gerne gesehen wurde. Yuuka hatte in ihrer Zeit als Jounin schon oft bemerkt, dass die Probleme selbst den Menschen eigentlich egal waren. Die Symptome sollten weg, der Rest interessierte nicht. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Als Yuuka nach ein paar Minuten die Hand vom Kopf Takus zog, hatte dieser das Bewusstsein verloren. Die Yamanaka hatte alles was sie brauchte und nun war ihr das Leben dieses Mannes wirklich vollkommen egal. Ob er den Tod verdiente spielte keine Rolle, denn das Leben hatte er nicht verdient. Ihn gegen Junko einzutauschen war kaum fair.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Doch genau darum musste man sich nun kümmern. Yuuka ging nicht von einer reibungslosen Übergabe aus, allein deswegen, weil ihre Gegner nicht genau wissen konnten, was die Shinobi aus Shirogakure in Erfahrung gebracht hatten. Sie mussten sich auf einen Kampf einstellen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka strich über den Rücken des Mannes und auf seiner Haut erschien eine kleine Siegelkette. Anschließend zückte die Frau ein kleines Stück Papier und wiederholte dort den Vorgang. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Kimihiro-kun, wir werden gleich in den Park aufbrechen und gehen nicht ohne Junko. Wir müssen uns allerdings auf einen Kampf einstellen, also bereite dich vor. Ich will Vögel überall um uns herum positioniert haben – auf einen Hinterhalt habe ich keine Lust.“ Yuuka traf noch einige weitere Vorbereitungen, unter anderem manifestierte sich aus einigen energiegeladenen Blitzen ein Doppelgänger neben ihr und sie formte ein merkwürdiges Fenster vor ihrem Körper.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Kimihiro-kun. Richtig, ich habe den Mund nicht bewegt. Du kannst mich hören, weil ich in deinem Kopf bin – oberflächlich.“ Yuuka erklärte die Grundlagen dieser Kunst, erzählte, dass sie klare Gedanken von dem Jungen hören konnte und alles andere in einem Kampf eh nicht wahr nahm, er sich also nicht genieren musste. Auch erläuterte sie die strategischen Möglichkeiten – eine Absprache ohne Töne, unabhörbar? Das erhöhte die Überlebenschancen drastisch.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Dieser Zettel wurde mit der gleichen Siegelkette präpariert, die du noch auf deinem Arm trägst. Ich kann mich jeder Zeit zu einer solchen Siegelkette hinbewegen – deine Aufgabe wird es sein, diesen Zettel später irgendwo zu positionieren, falls nötig. Lass uns nun keine Zeit mehr vergeuden, alles weitere besprechen wir unterwegs.“, sprach Yuuka in die Gedanken Kimihiros hinein, schulterte den bewusstlosen Körper Takus und die vier Gestalten machten sich auf den Weg in den Park, umringt von schwarzen Vögeln.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuukas Blitzdoppelgänger hatte sich ziemlich zügig von der Gruppe entfernt und verfolgte seinen anderen Weg, während Yuuka und Kimihiro samt Last nach kürzerer Zeit den Park erreichten. Yuuka mied die Nähe zu Zivilgebäuden und das direkte Ufer, stattdessen bevorzugte sie eine teilweise geöffnete Rasenfläche. Einige Bäume boten Schutz, solange sie überwacht und gesichert waren. [/FONT]
„[FONT=Verdana, sans-serif]Nun warten wir.“[/FONT]


[FONT=Verdana, sans-serif]Währenddessen war Kaito von der herzerwärmenden Reaktion seiner Tochter beinahe zu Tränen gerührt. In diesem Satz stimmt ziemlich viel nicht, hm? Aber wer wäre dieser Vater, wenn er tatsächlich das Verhalten Junkos in diesem Moment verurteilen oder überhaupt bewerten würde? Leider sah man seinem Gesicht nichts an, keinerlei Gefühlsregung, nicht einmal ein ungewolltes Zucken der Augenbraue – selbst die Zeit in der er blinzelte schien gewollt. Dieser Mann erweckte den Eindruck, als ob alles nach seinem Plan lief, als ob er alles, was geschah, so vorausgesagt hatte und sämtliche Fäden zog. Doch was im Inneren dieser Person vor ging, das war ein großes Fragezeichen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Hatte er etwas anderes erwartet? Ohne ein Wort war Mameha Kaito verschwunden, hatte seine Familie im Unklaren gelassen und tauchte nun aus dem Nichts wieder auf, tötete Menschen und war, grob gesagt, als Feind abzustempeln. Eine Sicherheitslücke, dass Junko sämtliche Waffen gelassen worden waren? Vielleicht war Kaito aber auch einfach nur der Meinung, keinen Angriff erwarten zu müssen oder hatte begriffen, dass ein echter Shinobi keine Waffen benötigte um einen Feind zu gewinnen. Der Verstand reichte meist schon aus und war die schärfste aller Klingen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Der starre Körper Kaitos richtete sich etwas auf und lehnte sich zurück, doch von Entspannung schien keinerlei Spur zu sein. Seine Muskeln waren beinahe schon angespannt, wie bei einem Tier, dass erwartete, gleich flüchten zu müssen – nur ohne jede Spur von Angst oder Verwirrung. Aus seinen Augen stach kalte Aufmerksamkeit, nicht mehr, nicht weniger.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ich möchte, dass du noch etwas hier bleibst.“, war also der erste Satz, den der verschollene Vater seiner Tochter gab. Ohne Wärme, ohne Erklärung, gar nichts. War da keine Spur von väterlicher Zuneigung zu entdecken, keinerlei Menschlichkeit, kein Schmerz? [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Du bist groß geworden.“ Nein, da war nichts. Leere Worte, Floskeln der Höflichkeit, an solch einem Ort? Wohl kaum. Simple Beschäftigungstherapie? Dafür war alles jedoch zu bizarr. Vielleicht tat sich hier einfach jemand schwer? [/FONT]

 
M

Mameha Junko

Guest
Sicherheitslücke? Junko ihrerseits ging davon aus, dass es Absicht war, dass man ihr die Waffen, hier speziell ihren kleinen Fächer, gelassen hatte. Allerdings war sie gerade recht ratlos, was den Grund anging. Vielleicht ging dieser Mann dort ja davon aus, dass sie sich nicht wehrte? Vielleicht dachte er auch, dass er sie mühelos aufhalten konnte – Können hatte er ja bereits zur Genüge bewiesen. Möglicherweise sogar ein Hauch von Zuneigung. Auch sehr gut möglich – warum sonst wäre sie hier?
Auf der anderen Seite musste sie sich auch gerade vor Augen halten, dass sie sich gerade in der Hand „des Feindes“ befand, wobei sie allerdings aufgrund der Abwesenheit etwaige Komplizen darauf den Verdacht, dass Papa Mameha diese Aktion hier gerade im Alleingang und möglicherweise sogar ohne Wissen seiner Komplizen durchführte. Huh, sie hatte sie „Komplizen“ genannt, ein Begriff, mit dem man normalerweise nur Verbrecher betitelte. Was machte das dann aus dem Mann dort, der gerade auf dem Stuhl dort saß und seltsam trockene Aussagen tätigte?
Instinktiv glaubte sie zu begreifen, dass die Situation nicht nur für sie allein schwierig sein konnte – ihr werter Gesprächspartner, der gerade versuchte, sich gerade so würdevoll wie möglich aus der Affäre zu ziehen. Konnte sie es ihm verdenken? Sie selbst fühlte sich auch nicht gerade wohl dabei, wenn man dem allgemeinen Taubheitsgefühl und dem Anflug eines Hauchs von Übelkeit in der oberen Bauchgegend Beachtung schenkte. Sie selbst war aufgewühlt und bewunderte Kaito aufgrund seiner Schauspielkunst, die sie noch zu erreichen glaubte – sie selbst hatte die Kontrolle über ihre Gesichtszüge schon längst verloren, sodass nunmehr ein latent trauriger Ausdruck vorherrschte.
„Kinder machen so was mit der Zeit.“ Soviel zum Wachsen, wobei der Kommentar wohl im Gedankengang ansatzweise ironisch gewesen war, aber jeden Witz verlor, sobald er ausgesprochen wurde. Es war schon frustrierend, sich mit einem Gesprächspartner abzugeben, der absolut keinen Ansatz zur Analyse gab, keine verräterische Bewegung, kein Zucken der Gesichtsmuskeln, nichts. Langsam verstand sie, warum ihre Kameraden manchmal Schwierigkeiten hatten, mit ihr zurechtzukommen – ein derart abweisendes Verhalten musste auf sie einschüchternd wirken, wenn nicht sogar beunruhigend.
Wo blieb eigentlich ihre Stimme der Selbstkritik, oder die andere Stimme, wo sie schon einmal dabei war, in dieser Situation? Bisher hatten die beiden es nie versäumt, bei Problemen aufzutauchen und ihre nicht gewollte Meinung kundzutun. Vielleicht war dieses Problem sogar für sie eine Nummer zu groß, vielleicht allerdings ließen sie sie auch im Stich. So war das also – letztendlich war sie doch allein und musste sich dieser Situation stellen. Sie hatte bereits aufgrund der Anspannung des Gegenübers begriffen, dass er gerade viel verstecken musste – sie selbst würde dies nicht anders machen, und irgendwoher mussten die Gene ja stammen, ebenso wie ihr selbst anerzogenes Verhalten. War er selbst es nicht gewesen, der sie darauf hingewiesen hatte, dass Disziplin der wichtigste Faktor im Dienste der Pflicht war? Und dass er deshalb manchmal vergaß, zu lächeln? Oder bildete sie sich das Ganze nur ein und ihre Erinnerung spielte ihr einen Streich?
Fest stand, dass er mindestens genauso verwirrt war wie sie selbst – warum sonst diese überstürzte „Entführung“? Ihr fiel ein, dass ihre Teamkameraden in der Zeit in potenzieller Gefahr gewesen waren, aber um deren Wohlbefinden wollte sie sich in diesem Augenblick keine Gedanken machen – unter anderem, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ihnen etwas zugestoßen sein könnte. Noch nicht. Später.
Aber es schien, als würde der schwierige Teil des Gesprächs wieder auf ihr lasten. Etwas umständlich veränderte sie ihre Sitzposition in den Schneidersitz, bevor sie alle Ruhe, die noch übrig hatte, zusammennahm und den Mann auf dem Stuhl genau betrachtete.
„Ich denke nicht, dass du dir wegen mir Gedanken machen brauchst.“ Hätte sie ihn siezen sollen? Nee, zuviel des Guten. „Auch, wenn diese Aussage doppelt und dreifach hinterfragt werden wird: Ich gedenke, im Bezug auf diese Situation einen höchst ungewöhnliche Haltung einzunehmen. Du wärst überrascht, wie wenig ich vorhabe, gegen dich in Aktion zu treten, nämlich gar nicht.“ Das war es, was sie zu tun gedachte. Nichts. Diese Entscheidung hatte sie schon längst getroffen, bei ihrem nächtlichen Spaziergang, man erinnere sich?
„Ich wäre sehr dankbar, wenn du mir erzählen würdest, was vorgefallen ist.“ So, der Verrat an Shiro, die Geschehnisse in der Zeit seiner Abwesenheit, die Morde in dieser Stadt und so weiter. Die ganzen Kleinigkeiten hier. Ob sie eine Antwort erhalten würde, war fraglich – immerhin würde sie selbst der Ankündigung, die sie soeben getätigt hatte, am allerwenigsten trauen und sich erst recht auf Schwierigkeiten einstellen. Auf ein „Entspann’ dich, ich werde nichts tun.“ War grundsätzlich mit Misstrauen zu reagieren. Oder? Kam auf die Person an. Aber wusste sie, was für eine Person sich da vor ihr befand. Auf der anderen Seite wusste er auch nicht, wie sie sich entwickelt hatte, von daher Pattsituation. Sie war viel zu müde und viel zu erschöpft, um sich jetzt noch clevere Lügen und Taktiken auszudenken, und ganz nebenbei auch nicht willens. Sie hätte jetzt nur gerne Antworten … nein, das war zweitrangig. Eigentlich hätte sie sich am liebsten zusammengerollt und geschlafen, während sich dieses ganze Horrorszenario in einen bösen Traum verwandelte. Warum hatte sie sich kurz vor der Mission mit Hiroshis Mutter auseinandergesetzt, nur um zu erfahren, dass sie dem armen Burschen die Kehle durchgeschnitten hatte, weil er nichts anderes wollte, als Papa wieder sehen. Und in welcher Situation befand sie sich gerade? Nein, dies war keine Zeit zu handeln. Jetzt wollte sie nur noch Klarheit, zumindest ein klein wenig in diesem ganzen Durcheinander. Den Gedanken an Hiroshi schob sie lieber beiseite, damit sie sich später weiter in Schuldgefühlen suhlen konnte.
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
„Ruhe bewahren. Und ihn festhalten.“
Da war es schon wieder: Diese unerhörte Ruhe im Angesicht einer mehr als beunruhigenden Situation. Eine ihrer Kameradinnen war gekidnappt worden, doch anstatt wie er selbst mit jedem weiteren Augenblick sichtlich nervöser zu werden, dachte Yamanaka Yuuka erst eine ganze Weile nach, bevor sie sich ruhig, doch bestimmt an die Arbeit machte.
Mit dem lauten Schlagen seines Herzens im Ohr, das vermutlich sogar noch der nervöse Informant hören können würde (hätte der nicht gerade andere Sorgen gehabt), schien die Idee, die Yamanaka um Unterricht zu bitten, erneut deutlich besser.
*Wenn sie dafür sorgen könnte, dass ich in solchem Chaos auch genauso ruhig bleibe, könnte ich meinerseits vermutlich einem frühzeitigen Tod dank Herzinfarkt entgehen.*
Doch so rasch ihm die Idee wieder in den Sinn gekommen war, so hurtig schob er sie erneut von sich, als Kimihiro beobachten durfte, wie Gensai Taku unter einer simplen Berührung Yuukas die Augen verdrehte. Neugierig, ehrfürchtig und irgendwie auch ein wenig ängstlich sah der Künstler mit großen Augen dabei zu, wie der Körper des Mannes erst leicht zu zittern begann, und dann mehr und mehr erschlaffte, bis er wie tot auf seinem Stuhl hing. Yuuka zog ihre Hand allerdings nicht zurück, sondern hielt sie unverwandt an den Kopf ihres Gegenübers gepresst. Steif, an Ort und Stelle festgefroren wie die beiden Hyouton-Opfer, stand Kimihiro einfach nur da und wohnte dem unheimlichen Ritual der Yamanaka bei.
*Was macht sie da? Und… will ich das wirklich wissen?*
Was der Junge bisher vond en Fähigkeiten der Frau gesehen hatte konnte man kaum mit dem vergleichen, was sie gerade tat: Diese merkwürdige Teleportation und die Blitzklinge waren eindrucksvoll und merkwürdig, aber davor gefürchtet hatte sich Kimihiro in keiner Hinsicht. Diese Technik jedoch, bei der sich Kunoichi und Opfer einfach nur schweigsam gegenübersaßen, die eine hochkonzentriert, der andere völlig reglos, jagte dem Misumi einen Schauer über den Rücken.
Als Yuuka dann schließlich ihre Hand vom Kopf des unbewegten Mannes nahm, atmete Kimihiro hörbar auf – tatsächlich musste er eine ganze Weile den Atem angehalten haben, so wie seine Lunge kribbelte. Anschließend lauschte er so aufmerksam den Befehlen der Teamführerin, wie es mit einem lauten Klopfen in den Ohren möglich war, und nickte als Antwort knapp und mit zu einem Strich aufeinander gepressten Lippen. Während seine Lehrerin nun ihrerseits Vorbereitungen traf, konzentrierte sich Kimihiro möglichst stark auf seine eigene Ausrüstung – hauptsächlich auch mit der Absicht, sich ein wenig zu beruhigen.
*Also, mal sehen… Beintasche haben wir, Flöte, Pinsel und Block sind im Armband. Shuriken, Kunai, Draht, Briefbomben, da. Alles klar soweit. Hoffe ich.*
Mit einem raschen Griff Richtung Handgelenk schnappte er sich sein Schreibgerät und schlug willkürlich eine der leeren Seiten auf. Schwarze Flüssigkeit begann, seine Zunge zu benetzen, bevor er einen seiner Pinsel an die Lippen führte und die weiche Spitze in die tintenähnliche Substanz tauchte, mit der sein Mund angefüllt war. Noch bevor er jedoch den ersten Strich setzen konnte, hörte er die Stimme seiner Lehrerin. Wobei, hören war vielleicht nicht das richtige Wort, vielmehr klang sie direkt in seinem Kopf wieder, anstatt sich erst durch seine Ohren und den Gehörgang zu kämpfen. Es war seltsam, die weibliche Stimme so zu hören, doch noch seltsamer war sein lächerlicher Gedanke, dass er aus den Augenwickeln nicht gesehen hätte, wie Yuuka die Lippen bewegt.
Richtig, ich habe den Mund nicht bewegt. Du kannst mich hören, weil ich in deinem Kopf bin – oberflächlich.“
Bei dieser Bemerkung zuckte Kimihiros Kopf nach oben, nur um erneut völlig verwirrt die Jounin zu fixieren. Dann rollte schon wieder ein Schauer seinen Rücken hinunter.
*In… in meinem Kopf? Heißt das, ihr könnt… ihr könnt meine Gedank-*
Dieser Zettel wurde mit der gleichen Siegelkette präpariert,…“
Ohne auf seine Frage einzugehen fuhr Yuuka einfach mit ihrer Erklärung fort, doch womöglich war genau das ja die Antwort, die er sich für einen kurzen Moment wohl mehr gewünscht hatte als alles andere: Dass die Kunoichi nicht seine Gedanken lesen konnte. *Zugetraut hätte ich es ihr aber. Wer weiß denn schon genau, was der Yamanaka-Clan für merkwürdige Jutsus beherrscht, außer den Angehörigen?* Kimihiro schluckte. *Die, die sie am eigenen Leib erfahren dürfen…*
Mit diesem unschönen Gedanken widmete sich Kimihiro gezwungenermaßen wieder seinem Block, in der Hoffnung, Yuuka würde nicht allzu genau bemerken, wie zunehmend unwohl sich der Genin in ihrer Anwesenheit im Moment fühlte. Dabei gab es doch eigentlich keinen Grund, im Gegenteil: Hatte er als Shinobi auf Mission tatsächlich nichts Besseres zu tun, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was seine Teamleiterin mit ihm oder Taku angestellt hatte? Oder hatte er irgendeinen Grund daran zu zweifeln, dass Yuukas Taten nicht ausschließlich der Rettung ihrer gemeinsamen Partnerin dienten?
Mit dieser Frage öffnete sich ein schier bodenloses Loch voller weiterer Fragen vor dem Künstler, von dem Kimihiro mit seinen nächsten Pinselstrichen rasch Abstand nahm. *Wenn du anfängst, darüber nachzudenken, kannst du eine Zusammenarbeit gleich vergessen – und ohne die verringern sich die Chancen, Junko zu retten, dramatisch. Vertrau der Yamanaka einfach, sie weiß, was sie tut.*
Und tatsächlich viel die Unruhe des Jungen mit jedem weiteren Strich, den er auf dem weißen Papier setzte, nach und nach von ihm ab. Es gab eine Mission zu erfüllen, und das war im Moment das wichtigste.
„Chōjū Giga!“
Mit diesen Worten erhob sich ein Dutzend schwarzer Vögel um die mittlerweile Vierköpfige Gruppe und platzierte sich mit rauschenden Flügeln überall im Raum. Einige neigten neugierig ihre Köpfe, andere schauten sich müßig in dem Raum um, und andere nestelten mit dem Schnabel an ihrem Gefieder. Einem von ihnen knotete Kimihiro den zusammengefalteten Zettel, den ihm die Yamanaka gegeben hatte, um das schlanke Bein, dann wandt er sich mit seiner inneren Stimme an all seine Tiere. Sofort blickten die Kreaturen alle gemeinsam zu ihrem Schöpfer.
*Heute Nacht müssen wir eine Kameradin retten, also darf es keine Fehler geben, verstanden? Acht von euch werden sich in maximaler Entfernung gleichmäßig um uns herum halten, einer hält sich an diesem bewusstlosen Mann dort, einer bleibt bei der echten Yuuka, und einer bei dem Doppelgänger. Nummer zwölf…*, sein Blick wanderte zu dem kleinen Vogel mit dem Zettel am Bein, *…du hältst dich so nahe wie möglich, aber so entfernt wie nötig vom Geschehen, damit dir nichts passiert. Alles verstanden?* Ein fröhliches, einhelliges Zwitschern aus zwölf Kehlen erklang als Antwort.
*Gut, dann los.*

Als die Dreiergruppe – der Doppelgänger hatte sich früh abgesetzt, allerdings nicht so weit, dass Kimihiro den Kontakt zu seinem Vogel verloren hätte – letztlich nach einem angespannten Gewaltmarsch in die Nähe des Parks kam, lösten sich auf Befehl Kimihiros die hinteren vier Vögel aus der bisherigen Sternenformation und umflatterten den Park ein ums andere Mal, doch da die Schatten der Nacht Bäume, Wiesen und Wasser in Dunkelheit tauchten, konnte Kimihiro kaum etwas erkennen. Vor allem einige Baumgruppen machten ihm Sorgen, da diese als schwarze Flecken ihnen wie ihren Mördern eine hervorragende Deckung boten.

In der Nähe einer dieser Gruppen blieb das Trio schließlich stehen und legte sich auf die Lauer. Zwei Vögel kehrten an den Himmel zurück, zwei ließen sich dagegen an unterschiedlichen Punkten auf Bäumen des Park nieder. Kimihiro legte Wert darauf, vor allem den See im Blick behalten zu können, da ihm die Erinnerung an das aufschäumende Wasser noch lebhaft im Kopf steckte.
Als letztlich alle Vorbereitungen getroffen waren, atmete Kimihiro einmal tief durch, bevor er durch seine eigenen Augen die Wiese beobachtete, vor der sie im Schutz einiger Bäume Stellung bezogen hatten. Einige Male wechselte er die Perspektive, doch ohne etwas auffälliges entdecken zu können. Der Park lag trügerisch friedlich da, eine sanfte Brise strich durch die Bäume, die sich schwarz vom dunklen königsblau der Nacht abhoben. Doch am trügerischsten erschien Kimihiro der funkelnde See, auf dem sich leichte Wellen kräuselten. Seine Oberfläche zeigte, genauso wie der bedeckte Himmel, weder Sterne noch Mond, doch das Licht genügte dennoch, um die schwarzen Wogen betrachten zu können. Über alledem hing eine klare, frische Luft, die zwar nicht unangenehm, aber doch einschläfernd auf den Künstler wirkte.
*Nicht darüber nachdenken. Wachbleiben und die Umgebung ganz genau im Auge behalten. Wachbleiben und die Umgebung ganz genau im Auge behalten. Wachbleiben und die Umgebung ganz genau im Auge behalten.*
Immer weder sagte Kimihiro in Gedanken auf, während er zu einem Vogel nach dem anderen wechselte, um durch dessen Augenblicken, doch es geschah schlichtweg gar nichts. Wieviel Zeit mochte schon vergangen sein? War eine halbe Stunde schon vorbei? War es nur eine Viertelstunde? Oder warteten sie erst ein paar Minuten?
Langsam mischten sich Zweifel unter die bleierne Müdigkeit. Vielleicht war Junko etwas passiert, vielleicht kamen die Entführer nicht mehr, vielleicht gab es schon gar nichts mehr, um das es sich zu feilschen gelohnt hätte.
*Quatsch, selbst in dem Fall wären sie hier aufgetaucht, immerhin wollen sie ja etwas – oder besser jemanden – von uns, und selbst wenn Junko etwas geschehen ist… Nein, Schluss damit, ihr ist nichts passiert. Ihr geht es gut. Den Umständen entsprechend zumindest, denke ich. Hoffentlich.*
Quälend langsam floss die Zeit dahin, doch letztlich, ja schlussendlich, da tat sich doch etwas: Schatten kamen in Bewegung, neue Geräusche drangen an die Ohren einiger Vögel. Mit einem Schlag wurde Kimihiro hellwach, spitzte die Ohren, und starrte angestrengt in die Nacht.
Und am Ende sah er, wie zwei Gestalten sich näherten.
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Es heißt, wenn es in der Welt nur Schwarz und Weiß gäbe, so wäre sie grau. Bäume, Gras, Wasser, alles sprach dafür, denn Kimihiro und Yuuka befanden sich mitten in dem grauen Sumpf, der stets vor der Morgendämmerung die Welt eroberte. Diese trostlose Umgebung regte nur zu Gedankengängen an, die eigentlich ziemlich fehl am Platz waren – man hatte schließlich ernsthafte Sorgen und Aufgaben, die erledigt werden mussten. Dennoch dachte Yuuka über den Jungen neben ihr, ihren neusten Bewunderer, angestrengt nach. Hatte er sie nicht gehört oder ignoriert? War es einfach an ihm vorbei gezogen, dass Yuuka seine Gedanken lesen konnte? Erst jetzt, einige Momente später, fiel ihr diese Tatsache wieder ein und sie runzelte leicht die Stirn. Hatte sie sich nicht klar genug ausgedrückt?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Vermeide bitte im Kampf sämtliche Kommunikation. Alles was wir besprechen müssen wird über diese Verbindung laufen, du musst einfach nur denken.“, flüsterte sie in den Kopf des Genin und war sich nun eigentlich sicher, dass er verstand und hoffte, dass er ihr nun keine Spionage vorwarf – war ja alles schon vorgekommen. Sie musste aber zugeben, dass es unter anderen Umständen durchaus amüsant gewesen wäre, seinen Gedankengängen zu folgen, sie zeigten nämlich nur allzu deutlich mit was sich Kimihiro beschäftigte, wo seine Sorgen lagen und sagten allgemein eine Unmenge über ihn aus. Besonders interessant war seine Verbindung zu seinen Schöpfungen – Yuuka spürte diese Verbindung, konnte jedoch nicht darauf zugreifen. Sie hörte zwar die Befehle, die Kimihiro weitergab (schließlich musste er sie in seinem eigenen Kopf ausformulieren), doch konnte sie selbst keine Befehle verschicken. Ob das mit einer vollen Kontrolle möglich war? Falscher Ort um das zu testen – definitiv.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Auch sein kleines Mantra zauberte ein sachtes Schmunzeln ins Gehirn der Frau. Der Junge hatte zu kämpfen, schlug sich aber wacker und wollte sich nichts anmerken lassen. Nur keine Schwäche zeigen, wenn eine Autoritätsperson anwesend war, hm? Deshalb konnte sich Yuuka folgenden Kommentar (selbstverständlich in Kimihiros Kopf gedacht) nicht verkneifen: „Wach bleiben und die Umgebung ganz genau im Auge behalten.“ [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Offensichtlich musste er das noch üben, denn wo Kimihiro zwei Gestalten sah, entdeckte Yuuka drei – eine hing über der Schulter eines hochgewachsenen Mannes, hatte einen zierlichen Körperbau und erinnerte ganz stark an Junko. Die Jounin hatte eigentlich eher einen Hinterhalt erwartet, weshalb sie das da vorne entweder für ein Trugbild oder einen Köder hielt. Schnell und im Geheimen versuchte sie sich an einem simplen Kai, doch als das keinen Erfolg brachte, fielen die Möglichkeiten rapide auf Zwei herunter: Köder oder Verhandlungen. Yuuka war Letzterem nicht abgeneigt, rechnete aber dennoch mit Ersterem. Was tat man also in so einem Moment? Richtig, Ego pushen. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Kimihiro-kun. Nummer eins: Ich passe auf dich auf. Nummer zwei: Ich verlasse mich auf dich. Nummer drei: Selbstzweifel unnötig, du hast bereits gezeigt, dass du dir diesen Platz verdient hast. Alles was du machen musst ist weiterhin auf deinem Niveau zu spielen.“ Zu dick aufgetragen? Yuuka hatte das Gefühl, dass einige Selbstzweifel den Jungen plagten und auch schwächten und wollte das im kommenden Kampf ungern kompensieren müssen. Deshalb die kleine Bestätigung, die sicherlich gut tun würde. Gelogen hatte die Jounin nicht, sie hatte es vielleicht nur etwas ausgeschmückt.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Doch zurück zu unseren zwei (drei) Besuchern, die inzwischen in einiger Entfernung gestoppt und den Körper Junkos unsanft auf den Boden hatten fallen lassen. Gesprochen wurde kein Wort, alles war still, nur ein kalter Luftzug raschelte durch die Bäume und ließ Yuuka frösteln. Nicht, dass das ihre Miene auch nur im Entferntesten beeinflusste. Nach einigen endlos erscheinenden Sekunden regte sich endlich etwas – Yuuka zog ein Kunai und ging zum Bewusstlosen Taku. Eine rasche Bewegung und Blut floss über den Grauen Boden. Erschreckt, Kimihiro? [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Keine Angst, alles was Yuuka getan hatte, war den Arm des Mannes etwas aufzuschlitzen. Keine ernsthafte Verletzung, nur schmerzhaft – aber Taku ruhte ja in der entspannenden Bewusstlosigkeit. Der Grund für dieses Vorgehen offenbarte sich, als Yuukas Lippen sich voneinander lösten. Doch die Worte mochten den Genin womöglich noch weiter erschrecken. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ihr seid dran.“ Yuuka verlangte allen ernstes, dass ihre werte Untergebene, Junko, verletzt wurde? Soviel zur Besorgnis, hm? War die Jounin also doch nur ein herzloses Miststück?
„Der Beweis, dass es sich bei keinem der Beiden um einen Bunshin handelt.“, erklärte sie Kimihiro im Stillen. Die beiden unbekannten Männer müssten mit dieser Prozedur eigentlich vertraut sein, schließlich fand diese Taktik relativ oft Anwendung, zumindest wenn beide Parteien sich nicht vertrauten und ein gewisses Maß an Erfahrung in solchen Übergaben besaßen. Yuuka tat das, sie hatte aufgrund eines Fehlers ihrerseits sogar einmal jemanden auf diese Weise verloren. Den Fehler machte sie nicht nochmal.
[/FONT]

[FONT=Verdana, sans-serif]Doch die beiden Männer zögerten und blickten sich an. Letztendlich seufzte einer von ihnen deutlich hörbar und Junko löste sich in Wasser auf. „Scheiß drauf. Soll er den Mist doch selber machen, wenn er es „subtil und effektiv“ haben möchte. Ich bin für sowas echt nicht gemacht, eh?“, erzählte er grinsend und in Yuuka passierten zwei Dinge. Erstens, sie realisierte, dass Junko nicht in Reichweite war und somit mindestens einer der beiden zur Befragung überleben musste. Zweitens, sie hatte es hier entweder mit taktischen Genies zu tun oder beide waren in dieser Hinsicht eher auf niedrigerem Niveau angesiedelt. Der Grund dafür war ja wohl offensichtlich, nicht?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka zog ihr Schwert einige Zentimeter aus der Scheide; die beiden Männer schienen gerade noch ziemlich trocken über einen Witz lachen zu müssen, den wohl nur sie verstanden. Yuuka war nicht zum Lachen zumute. Echt nicht. Diese Typen redeten über eine dritte Person laut Wortwahl wohl im Rang höher und somit im Besitz der Befehlsgewalt. Junko befand sich höchst wahrscheinlich bei diesem Kerl oder war bereits tot. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Unterdessen spannte sich der Körper des Raibunshins immer weiter an. Er lauerte in einer der Baumkronen und wartete auf seinen Einsatz. Er würde kommen. Im richtigen Moment, schnell und präzise. Yuuka war niemand der großen Wert auf einen langen Kampf legte. Wenn sich eine Möglichkeit bot, würde sie ihrem Gegner den Kopf abschneiden und sein Herz herausreißen, ohne großes Drama und Tamtam. Ein Kampf war dann perfekt, wenn niemand wusste was geschehen war. Das hatte nichts mit Ehre und Stolz zu tun, sondern mit Überleben. Das Gesetz des Stärkeren galt und nichts anderes. Es gab keine Zusatzklauseln, auch wenn Samurai-fehlgeleitete Leute stets versuchten etwas anderes zu behaupten.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Sie werden vermutlich versuchen dich zu fokussieren.“ Wenn man eine Kette brechen will, schlägt man schließlich auf das schwächste Glied. „Halte den Zettel bereit, den ich dir gegeben habe. Wenn du ihn unbemerkt hinter einen dieser Kerle bringst, kann ich zuschlagen. Alles klar? Ich kaufe dir Zeit und Ablenkung.“ [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Wenn diese Typen ihre Zeit nicht nutzen wollten, so war das ihre Sache. Yuuka würde kaum den Fehler begehen und sich mit diesen Leuten zum Gespräch zu setzen. Sie wollten die Shiro-Nins täuschen und hatten versagt. Zeit, etwas gegen diese Plage zu unternehmen. Yuuka setzte sich in Bewegung und entfernte sich etwas von Kimihiro. Glücklicherweise erlaubte ihr das Hiraishin no Jutsu, in keinem Fall den Schutz Kimihiros aufgeben zu müssen. In solchen Fällen extrem praktisch. Taku lag übrigens noch immer, beachtungslos auf dem Boden und stellte eine weitere Falle da, die Yuuka für diese beiden Männer gelegt hatte. Fingerzeigen flogen nur so dahin und als sich ihre Hände zum Mund bewegten, floss bereits das erste Feuer aus Yuuka heraus. Es dauerte kaum einen Augenblick, da hatte sich dieser kleine Funken bereits zu einem ausgewachsenen Feuerball, einer greifbaren Bedrohung, entwickelt und breitete die Flügel aus. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Gestalt eines riesigen Phönix raste nun auf die beiden Männer zu, ließ die Luft um ihn herum wild flimmern und zeigte seine Hitze indem er das Gras unter ihm im vorbeifliegen versengte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Als sich der Feuervogel in einer weitläufigen Explosion entlud, hatte Yuuka bereits das nächste Jutsu vorbereitet und eine Unmenge an gegabelten Blitzen verließ ihren Mund. So deckte sie ein großes Gebiet ab und zwang ihre Gegner zu Ausweich- oder Verteidigungsmanövern. Sie hatte nicht die Hoffnung, dass sie damit tatsächlich einen Treffer landete, aber sie beschäftigte ihre Ziele zumindest so sehr, dass Kimihiro die wahre Attacke vorbereiten konnte, die ihr Ziel selten verfehlte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Was hatte Yuuka dem Jungen zuvor gesagt? „Ich verlasse mich auf dich.“[/FONT]


[FONT=Verdana, sans-serif]Während im Park Feuer und Blitze die Szenerie beherrschten, tauchte sich das kleine Zimmer am anderen Ende der Stadt in emotionale Kälte. Vater und Tochter saßen sich nicht sonderlich herzlich gegenüber, was zwar verständlich aber auch nicht sehr schön zum Ansehen war. Kaitos Blick war immer wieder für kurze Momente auf den Boden gerichtet und stellten das erste Anzeichen dar, dass dieser Mann doch nicht so beherrscht war, wie er vorgab. Der erste Hinweis darauf, dass in seinem Innenleben mehr als nur ein eisiger Block zugegen war. Doch was war schon ein kleiner Hinweis in solch einer Situation? Weniger als das Mindeste.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Er schien auf ihre Worte nicht einmal groß zu reagieren, wenn man von einem weiteren Senken des Kopfes absah. Junko wollte ihm nichts tun? Schön, das machte die Sache einfacher und angenehmer. Das Mädchen hatte sicherlich schon im Park festgestellt, dass, egal wie kaltherzig und verräterisch Mameha Kaito war, er seine Tochter ungern attackieren würde. Viel interessanter war die folgende Frage nach der Vergangenheit – oder Gegenwart? Kaito bezog es selbstverständlich auf sein Verschwinden aus dem Dorf, das im Stich lassen seiner Familie. Eine Entscheidung die er... ja, was eigentlich? Leider Gottes war dem Mann klar, dass er nicht frei heraus plaudern konnte. Aber erwartete Junko das eigentlich? Oder wollte sie doch nur wissen warum hier unter anderem Zivilisten ihr Leben gelassen hatten?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Kaito schwieg und sah lange Zeit die Lehne eines Stuhls an. Gedanken kreisten in seinem Kopf umher und irgendwie schien er nicht so Recht zu wissen, was er erwidern sollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann hob sich endlich sein Kopf und er blickte seiner Tochter wieder in die Augen. Er öffnete den Mund, doch die Worte kamen stockend, als ob sie eigentlich gar nicht raus wollten. Soviel zur perfekten Fassade. „Es... tut mir - Leid.“, sagte er und in seiner Stimme schwang eine unendlich leise Prise von Leid mit, ob Junko sie hören würde? Oder wollte sie einfach nur sehen was sie wollte und alles andere ignorieren, ganz im Sinne des Affen mit dem Regenschirm?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Fakt war, dass Kaito gesagt hatte, was er wollte – oder konnte, je nachdem. Er entschied sich dazu, vorerst wohl zu schweigen, wenngleich es dann doch nicht so lange dauerte, bis einige weitere Worte seinen Mund verließen. Dieses Mal etwas fester und bestimmter. Dennoch, dieser leise Unterton war immer noch vorhanden. „Ich habe - euch vermisst.“ [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Schon wieder so eine Aussage, die eigentlich viel mehr sein wollte. Und dann erneut dieses Schweigen. Es war nicht einfach. Nichts war einfach. Nie.[/FONT]
 
M

Mameha Junko

Guest
Die letzte Aussage war beinahe dazu erdacht, Junko ein bitteres Lächeln abzuringen. Er hatte seine Familie vermisst? Nun, Mutter Mameha hatte ihn nicht vermisst, keineswegs. Sie hatte kurze Zeit nach seinem Verschwinden eine neue Familie gegründet, einige Kinder in die Welt gesetzt und sich auch ansonsten nicht viel mit ihrem verschwundenen Ehegatten beschäftigt. Junko hatte ihr dieses Verhalten sehr übel genommen – ein Grund, weswegen das Mutter-Tochter-Verhältnis rechtschaffen als zerrüttet bezeichnet werden konnte. Aber das war eine andere Geschichte, und ganz nebenbei eine, welche die Kunoichi nicht zu erzählen gedachte. Sie erfasste nicht nur instinktiv, sondern auch rational, dass der Mann dort gerade arge Probleme hatte, sich selbst unter Kontrolle zu halten. Sie kannte diese Verhaltensweise von sich selbst, kannte die Zeichen, von den verräterischen Blicken zum Boden, bis hin zu den merkwürdig erscheinenden, einsilbigen Aussagen. Von daher wusste sie, dass er momentan am besten von den kleinen Exkursionen Mameha Kumikos verschont bleiben sollte. Aber sie machte sich wieder Gedanken um andere – wie war es um sie selbst bestellt?
Sie selbst sah, dass sie ihrem Vater um einiges wohlgesonnener war als der Mutter – wie Papakinder es nun einmal so an sich hatten – obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall sein müsste. Immerhin war der Vater ohne weiteres verschwunden, ohne ein Wort des Abschieds und ohne Erklärung. Er hatte Zorn verdient und doch hatte Junko keinen für ihn übrig, nie gehabt. Wahrscheinlich, so mutmaßte sie, verschwendete sie allen Hass, den sie in sich trug, an die Mutter und vergaß dabei, auch die sprichwörtlichen Sünden des Vaters einzuberechnen.
Möglicherweise aber glaubte sie auch zu erahnen, dass es einen wirklich guten Grund für sein Handeln geben musste und vertraute ihm dahingehend. Aber wenn ausgerechnet Mameha Kaito die einzige Person war, die Junkos volles Vertrauen genoss, war es dann weiter verwunderlich, dass sie so sparsam damit umging?
Es tat ihm also Leid, was?
„Ja, mir auch.“ So lautete die trockene Antwort darauf, und sie traf haargenau zu, auf so vielen Ebenen, die Kaito vermutlich gar nicht erfassen konnte. Normalerweise war eine solche Aussage mit einer überraschenden Attacke verbunden, mit dem Eintreffen der Kavallerie oder einer überraschenden Wendung, aber nichts dergleichen geschah.
Sie sah ein, dass es in einem solchen Gespräch keinen Sinn machte, zu lügen. Sie war nicht hier, um irgendwelche Lügen zu hören, die irgendein Ego befriedigten oder ein Gewissen beruhigten. Wäre dies der Fall, wäre ihr Vater jetzt woanders, nur nicht hier. Gleichwohl schien er ein ehrliches Interesse an ihr zu haben, sonst hätte er sich schlichtweg nicht offenbart und sie ganz nebenbei nicht entführt, um sich mit ihr alleine unterhalten zu können. Demzufolge hatte er gerade nichts davon, sie anzulügen – sonst hätte er es schon längst getan und würde nicht so offensichtlich nach Fassung ringen.
Er hatte sie also vermisst, hm?
„Ich glaube dir.“ Drückende Pause, um den Kloß im Hals zu ignorieren und die unterschwellige Traurigkeit zu vertreiben – letzteres erfolglos. „Ich verstehe, wenn du nicht darüber reden kannst. Du brauchst nicht über die Vergangenheit zu reden, wenn du nicht willst.“ Auch wenn es schwer fiel, diese Worte auszusprechen und obwohl es sie brennend interessierte und irgendwo eine innere Stimme in Agonie aufschrie, als sie dieses Angebot aussprach – auf der anderen Seite sah sie, dass es schwer war und beschloss schweren Herzens, dass es die Sache nicht wert war. Lieber verbrachte sie ihr weiteres Leben in Ungewissheit, als diese Sache jetzt gewaltsam zu verfolgen und beide, sowohl Vater als auch Tochter, in diesem Gespräch noch weiter leiden zu lassen. Der Druck konnte schon schwer auf die Seele lasten, nicht wahr? Ferner kostete es sie Überwindung, abermals dieses Vertrauen aufzubringen, von dem sie doch so arg wenig zu verschenken hatte.
„Aber ich muss wissen, was jetzt gerade geschieht.“ Was geschah in dieser Stadt, was hatte er damit zu tun, warum tötete er wildfremde Leute und vor allem – was war aus ihren Teamgefährten geworden? Selbst, wenn sie jetzt eigentlich Besseres zu tun hatte, als ihre Gedanken an Nasty Yuuka und Schlaftablette Kimihiro zu richten, so war es ihr dennoch ein Bedürfnis, zu wissen, dass diese beiden nicht gerade von den Kollegen ihres Vaters hinterrücks gemeuchelt wurden.
 

Misumi Kimihiro

New Member
Beiträge
575
Größe
1,81 m
Die Situation war angespannt, der Feind näherte sich, die Lage spitzte sich zu. Grund genug für einen jungen Genin, zunehmend nervös zu werden, doch wahrscheinlich hätte Kimihiro allein diese Belastung nicht so zu Boden geschmettert, wie die wenigen Worte, die mit der Stimme Yuukas in seinem Kopf erklangen und ihm eines ganz, ganz, ganz deutlich vor Augen führte:
Und ob die Yamanaka seine Gedanken lesen konnte!
Wie vom Donner gerührt verkrampfte sich sein Körper plötzlich, während er die Augen starr auf die beiden Personen gerichtet hielt, welche sich langsam näherten. Die ganze Zeit hatte er seine Gedanken ziehen lassen, nichts Böses ahnend…
*Und dabei hat sie alles mit angehört, diese…!*
Mitten im gedachten Satz hielt der Künstler inne. Egal, an welches Wort er dachte, Yuuka bekam es mit, als würde er es ihr direkt ins Gesicht schleudern – der erfahrenen, im Töten bewanderten Schattenkämpferin, die im Rang weit über ihm stand. Selbst der manchmal etwas langsame Künstler verstand an dieser Stelle sofort, dass es für die Mission (und seine Gesundheit) deutlich förderlicher wäre, von jetzt an seine Gedanken etwas im Zaum zu halten.
*Und das geht am besten, wenn man sich auf eine einzige Sache konzentriert. Die Mission zum Beispiel.*
Offenbar sah das auch Yuuka so, denn als hätte die Frau seine Gedanken gelesen (*Nicht witzig!*), erklang ihre Stimme erneut in Kimihiros Kopf. Voll und ganz darauf bedacht, seine Sinne zusammenzuhalten, konzentrierte er sich gedanklich auf die Worte, während sein Blick auf den schleichenden Schatten ruhen blieb. Was Yuuka allerdings sagte zwang ihn beinahe, über allerlei Dinge nachzudenken, für die es weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit war, weshalb der Künstler seine Bemühungen, nicht abzuschweifen, noch intensivierte. An und für sich konnte es doch nicht so schwer sein, sich einfach auf eine einzige Sache zu konzentrieren, und einmal nicht vor sich hin zu träumen! Für einen notorischen Träumer auf der anderen Seite konnte so etwas eine ernstzunehmende Schwierigkeit darstellen, sich auf nur eine Sache zu konzentrieren, sah man mal von einer einzigen Situation ab, in der Kimihiro…
Natürlich. Eigentlich war es ganz einfach. Geradezu lächerlich einfach! Es gab nur eine einzige Situation, in der Kimihiro wirklich voll und ganz mit dem Kopf bei der Sache war: Beim Zeichnen. Allzu oft hatte er schließlich mit ansehen müssen, wie ein einziger falscher Gedanke den nächsten Strich in die falsche Richtung hatte gehen lassen, womit ein weiteres Werk verschandelt worden war. Wenn man sich aber wirklich konzentrierte, die eigentlichen Gedanken verblassen ließ und ganz in dem Tier, der Pflanze oder der Szene aufging… dann bewegte sich der Pinsel ganz plötzlich fast wie von selbst.
Aber was ist die Moral von der Geschichte? Sollte der Künstler die beiden Entführer jetzt einfach zeichnen? Bestimmt nicht. Doch wobei, eine Karikatur vielleicht um die beiden abzulenken? Ha, sehr witzig. Nein, es ging ja nicht um das Zeichnen an sich, sondern um das Vergessen des eigenen Ichs, indem man sich auf die Umgebung einließ. Und Kimihiro hatte wahrlich genug, auf dass er sich einlassen konnte: Dunkle Bäume, die tiefschwarze Schatten warfen; schartige Zweige, die im kalten Nachtwind gegeneinander schlugen; zwei, nein, drei Schatten, die durch die Finsternis schritten; graue Wogen eines Sees, der leise flüsterte; schwarze Flügel, deren Schläge von den eisigen Böen fortgetragen wurden… Kimihiro kam nicht umhin sich zu fragen, wie man einer solchen Fülle an Informationen und Bildern überhaupt noch an etwas denken konnte, als an diesen Park und die Menschen, die sich leise in ihm bewegten?
Und mit einem Mal ging der Künstler einfach so voll in der Situation auf, ganz so wie es sich für einen Shinobi in diesem Moment wohl auch gehörte. Die Umrisse der beiden Männer, von denen einer tatsächlich eine reglose Mameha Junko mit sich trug, wurden unter den Blicken dreier Tintenvögel vor Kimihiros Augen schärfer und schärfer, genauso wie die Gestalt seiner Teamführerin, die unvermittelt ein Messer zog und ihrem unfreiwilligen Begleiter eine Wunde zufügte. Kimihiro wunderte sich über diese Tat nur kurz, lieferte Yuuka doch direkt eine völlig einleuchtende Erklärung nach, natürlich ohne dabei die Lippen zu bewegen. Als sich anschließend „Junko“ zur Antwort in Wasser verwandelte, wunderte sich der Künstler nicht einmal mehr für einen kurzen Moment. Eigentlich war von Anfang an klar gewesen, dass Menschen, die so viele Zivilisten kaltblütig umgebracht hatten, nicht einfach so zu einem vernünftigen Austausch bereit waren. Kurz gesagt musste es einfach in einem Kampf enden.
Und Kimihiro war dafür so bereit, wie er nur sein konnte.
Den Anweisungen von Yuuka hörte der Künstler somit aufmerksam zu und speicherte sie direkt ab. Den Siegelbrief hinter die Männer zu bringen würde nicht schwierig sein: In der Dunkelheit des Waldes war es fast unmöglich, einen einzigen, kleinen Vogel auszumachen. Die einzige Gefahr wäre, dass das Tier von einem Querschläger des kommenden Scharmützels getroffen wurde, was sich allerdings leicht dadurch umgehen ließ, das Geschöpf den Kampfplatz in einem großzügigen Bogen umrunden zu lassen. Ein halbes Auge auf den feurigen Vorstoß von Yuuka gerichtet flüsterte Kimihiro diesen Befehl seinem Vogel direkt zu, während seine Finger Block und Pinsel fest umklammerten. Tintenähnlicher Schleim sammelte sich in seinem Mund, und keinen Augenblick später begann ein Bild Yuukas Gestalt anzunehmen. Ein einhändiges Fingerzeichen folgte, und ein halbes Dutzend weiterer Frauen brach aus dem Unterholz hervor und sammelte sich so um die echte Yamanaka, dass die Kunoichi selbst in ihrer Sicht nicht behindert wurde, dafür aber ihre Kontrahenten, für die die Frau nun wohl wie eine Art flimmernder Fata Morgana wirken musste. Während Kimihiro sich nicht lange mit der Steuerung der Nebeldiener aufhielt, sondern sie lediglich bei Yuuka hielt, um hin und wieder eine Finte anzubringen, um ein Tier nach dem anderen auf Papier zu bannen, damit er für jede Eventualität gerüstet war, hatte der Vogel inzwischen seine Reise zu einem bemerkenswerten Teil hinter sich gebracht. Womöglich bildete sich der Künstler dies auch nur ein, doch er hätte in diesem Moment schwören können, dass das Tier sich den Befehl seines Meisters tatsächlich zu Herzen nahm. Geschickt und ungesehen flatterte es in Bodennähe durch Büsche und Sträucher, wich geschickt etwaigen Bäumen aus, und kam seinem Ziel immer näher. Als dann endlich die Zeit gekommen war, Yuuka über den baldigen Erfolg des Plans zu unterrichten, mochte die Yamanaka in der Gedankenstimme des Künstlers womöglich den Stolz heraushören, den Kimihiro in diesem Augenblick ob all seiner Tintentiere verspürte:
„Es ist fast so weit. Gebt das Zeichen, wenn das Tier aus seiner Deckung vorpreschen soll.“
 
Y

Yamanaka Yuuka

Guest
[FONT=Verdana, sans-serif]Jeder Yamanaka, der sich schon öfters im Geiste anderer Menschen herumgetrieben hat, lernte, dass es manchmal eine Diskrepanz zwischen Gedachtem und Gesagtem gab. Dies hatte aber mehr als nur den Grund einer Lüge beziehungsweise konnte man sagen, dass nicht jede Lüge schlecht war. Dinge wurden in Gedanken sofort erfasst, man wurde von niemandem kontrolliert und die echte, unverfälschte Meinung trat ans Tageslicht. Das hieß aber nicht, dass man deswegen gleich beleidigt sein oder sich gar angegriffen fühlen sollte. Denn wurden diese Dinge nicht ausgesprochen war dies oft der Fall weil andere Dinge oder Emotionen das Gedachte überlagerten. Man sagt einem Freund nicht, dass er ein totaler Idiot ist – auch wenn er es manchmal ist. Einfach nur deshalb, weil man ihn nicht verletzen möchte. Der Clan der Yamanaka legt großen Wert auf solche charakterlichen Eigenschaften und das war auch der Grund weshalb Kimihiro denken konnte was er wollte, Yuuka würde es ihm kaum übel nehmen (mit einigen Ausnahmen, versteht sich).[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Zudem tat er genau das und nur das, was er tun sollte. Er positionierte einen seiner Vögel so, dass Yuuka bald ein einschneidender Angriff ermöglicht wurde und sorgte gleichzeitig auch noch für einiges an Verwirrung. Da gab es aber folgendes Problem: Wenn man sich zwei Gegnern gegenüber sah und einer davon in unzähliger Ausführung vor kam, dann konzentrierte man sich nicht fälschlicherweise darauf, den echten darunter zu finden, sondern attackierte jemanden, von dem man sich sicher war, dass er ein Original ist – in diesem Falle Kimihiro. Seine Technik schützte also Yuuka vor einem Angriff, machte ihn selbst allerdings zur Zielscheibe. Feuer und Blitz war bereits vergangen, die Umgebung glich nun sehr viel mehr einem Kampffeld denn zuvor und alles war vorbereitet. Da war nur diese eine Sache mit den Nebeldienern, die für Kimihiro ein Problem darstellten. Solche Dinge lernte man nur durch Ausprobieren und jetzt wusste es Kimihiro sicherlich besser. Wenn ihm das zuvor noch nie geschehen war, so lag es vermutlich daran, dass sich seine Gegner falsch verhalten hatten. Diese hier begingen diesen Fehler nicht, denn die beiden Männer, dicht beieinander positioniert um sich gegenseitig zu decken, starteten nun einen Angriff.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Während der größere, dunkelhaarige Kerl ein massiges Schwert von seinem Rücken zerrte mit dem man sicherlich auch Bäume fällen konnte, begann der zweite Fingerzeichen zu formen. In just diesem Moment ging es um Sekunden. Chakra durchflutete den Körper Yuukas und sammelte sich in ihrer Klinge an, welche sie inzwischen wieder fest in der Hand hielt. Sie bereute die Investition in keinem Fall. Schon bald darauf zuckten Blitze über die Waffe, schnell und kraftvoll. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Jetzt.“, ertönte die drängende Stimme Yuukas im Kopf des Genin und fast zeitgleich flatterte der schwarze Vogel in den Rücken der beiden Männer. Leider war die Situation nicht mehr so gut wie Yuuka gehofft hatte, denn ihre Gegner standen nicht mehr so dicht beieinander. Ursprünglich sollte nun der Raibunshin aus seinem Versteck springen, sich selbst in einer großen elektrischen Ladung auf seine Gegner stürzen und damit den Überraschungsmoment perfekt machen, doch war dies nun unnötig. Stattdessen kümmerte sich Yuuka nun um den zurückgeblieben Shinobi, der gerade seine Fingerkette beendet und damit ein ziemlich ekliges Genjutsu auf Kimihiro losgelassen hatte.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Der kleine Piepmatz hatte seine wertvolle Fracht endlich in Position gebracht, als der schwertschwingende Berserker gezielten Kurs auf Kimihiro machte. Eine Entscheidung musste gefällt werden? Es gab noch genug Zeit. Die Kette von Schriftzeichen auf dem kleinen Stück Papier flammte kurz auf, als Yuuka plötzlich verschwand und im gleichen Moment hinter dem vermeindlichen Genjutsuka wieder auftauchte. Sie hatte nicht vor sich Zeit zu lassen oder dem Mann welche zu geben. Als dieser merkte, dass man ihm in die Flanke gefallen war, bohrte sich Yuukas Klinge bereits von hinten durch seinen Brustkorb und sein Körper krampfte, während Blitze über ihn hinweg zuckten. Blut rann das Metall herunter und sammelte sich in Yuukas Händen, doch sie hatte wichtigeres zu tun. Nun, da ein Gegner ausgeschaltet war blieb noch ein weiterer übrig. Yuuka konzentrierte sich darauf, keine weitere Energie mehr in den Körper ihres jüngsten Opfers zu pumpen sondern fokussierte die geballte Ladung an der Schwertspitze. Keine Sekunde später entlud sich die angesammelte Energie in einem gleißenden Strom aus Elektrizität, der in den Rücken des Schwertschwingers fahren sollte – es aber nicht tat. Er war bereits zu weit entfernt und Yuuka musste fluchend feststellen, dass der Blitz sich aufgelöst hatte, ehe er sein Ziel erreichte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Damit jedoch blieb Kimihiro nicht einfach sich selbst überlassen, denn aus den entfernten Baumkronen preschte erneut pure Energie auf das Schlachtfeld zu. Yuuka indes zog ihr Schwert mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Körper des Mannes, welcher reglos zu Boden fiel, dort jedoch noch einige Male zuckte und gluckerte. Ein regelrechter Blutschwall schoss aus der Wunde und deckte Yuukas Vorderseite beinahe komplett ein, doch mit der Zeit lernte man die stinkende Substanz zu ignorieren, auch wenn sie einem, wie jetzt, mitten im Gesicht klebte. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Als sie die brenzlige Szenerie vor sich ins Auge gefasst hatte, drehte sich der groß gewachsene Mann gerade zur Seite und beschwor mit kräftigen Armen eine gewaltige Barriere aus Erde und Stein, in die der Blitz des Doppelgängers, gespeist aus dessen eigener Energie, mit einem lauten Schlag einfuhr und Erde in alle Richtungen explodieren ließ – dennoch war die Attacke aufgehalten. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Yuuka nutzte den günstigen Moment und wendete ein einfaches, aber im passenden Moment sehr effektives Jutsu an, das Zunzun Memai. Der Gegner wurde bei dieser Kunst von einem plötzlichen Schwindel heimgesucht, der ihn in den meisten Fällen zu Fall brachte. Die perfekte Einleitung für einen entscheidenden Schlag – ob Kimihiro ihn ausführen würde, nun, da er die Gelegenheit dazu hatte? Das zuvor auf ihn gewirkte Genjutsu war schließlich mit der Bewusstlosigkeit oder auch dem Tod des Anwenders wieder von ihm abgefallen.[/FONT]


[FONT=Verdana, sans-serif]Um ehrlich zu sein war Kaito etwas überrascht. Wer hätte erwartet, dass Junko mit Verständnis reagierte? Kalte Abneigung vielleicht oder ein simples „Du bist mir inzwischen egal.“-Schulterzucken. Aber Verständnis? Das zeigte dann wohl, dass die wenigsten Menschen so waren wie man sie auf den ersten Blick einschätzte, auch Junko nicht. Im Gesicht zeigte sich diese Überraschung deutlich, aber es war eine freudige, denn seinen Lippen entwich ein spontanes: „Danke.“[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Offensichtlich realisierte er erst kurz darauf, dass er inzwischen aufgehört hatte, seiner Tochter etwas vorzuspielen. Die harte, eisige Schale wich immer mehr einem normalen Menschen. Ob Junko ihn noch in Erinnerung hatte und viel wichtiger: Glich er dieser Person eigentlich noch, nach allem was geschehen war?[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]In seinem Inneren kämpften zur Zeit mehrere Emotionen um die Vorherrschaft und es war unmöglich sie alle zu definieren. Am besten wäre es als emotionales Chaos zu beschreiben, ziemlich glaubhaft in dieser Situation. Den wenigsten Menschen würde es wohl anders ergehen. Als Junko ihn nach den aktuellen Ereignissen fragte, blinzelte er einige Male und stellte beinahe schockiert fest, dass er trotz aller Vorsätze, Pflichten und seiner heraus stechenden Professionalität darum bemüht war, dass seine Tochter gut von ihm dachte. Nach all dem? Ein merkwürdiger Zug.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]In Ordnung, das ist nur fair.“, sagte er und lächelte matt. Das erste und vermutlich auch einzige Lächeln, das Junko von ihrem Vater an diesem Tag sehen würde. Ob es auch das Letzte war? „Jetzt gerade treffen sich deine und meine Kameraden im Park.“ Einfach, knapp, die Wahrheit. Kaito sprach konzentriert; keinerlei falsche Information durfte seinen Mund verlassen und das wussten sowohl er selbst als auch seine Tochter, doch zuvor hatte sie sich ja bereit erklärt, nicht nachzufragen. Sie musste sich nur daran halten. „Die Beiden schienen mir fähig, nicht?“, fügte Kaito hinzu und ein anderer Mensch hätte sich nun wohl zu einem kurzen Schmunzeln hinreißen lassen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Diese Männer, sie haben den Tod verdient, glaub mir. Alles andere... mein Interesse an zivilen Verlusten ist ziemlich gering.“ Kaito achtete darauf nicht zu viel zu verraten und Junko gleichzeitig ein Bild der ganzen Sache zu geben, wenngleich das wohl nur dann geschehen würde, wenn das Mädchen zwischen den Zeilen lesen konnte. Eine klare, endgültige Stellungnahme würde sie nicht erhalten, sie konnte nur Vermutungen anstellen. Dann schwieg Kaito, aber auf seiner Zunge lag noch viel mehr. Seufzend schüttelte er den Kopf und besah seine Tochter erneut. Er hatte so viele Fragen, es sehnte ihn nach so vielen Antworten, doch konnte er keine erhalten – aus sehr unterschiedlichen und sich teilweise sogar widersprechenden Gründen. Besonders die folgenden Worte schienen ihm schwer zu fallen.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Ich werde dich nicht aufhalten, wenn du gehen möchtest, Junko-chan.“ Doch bekanntlich machte ja der Ton die Musik und genau dieser verriet, dass Kaito seine Tochter keineswegs aus der Tür befördern wollte sondern lediglich etwas Klarheit schaffte, sie informierte und vielleicht auch sogar sie darum bat. Nicht mehr, nicht weniger.[/FONT]
 
Oben