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Die Ländereien des Bauern Nobu

Nara Akiko

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Leider - LEIDER musste Akiko nach einigen Wochen in Shirogakure schnell feststellen, dass es sich als junge Kunoichi nicht ganz so einfach lebte, wie sie es erwartet hatte. Nach den Genin-Prüfungen war eine große Anzahl frischgebackener Genins nach Shirogakure geschwemmt worden, die vorher in anderen Teilen des Feuerreiches gelebt hatten. Nicht alle würden bleiben, so viel war sicher. Manche waren auf der Durchreise, andere wollten ersten Erfahrungen sammeln - und Shirogakure war der ideale Ort für junge Ninja, um genau das zu tun. Nara Akiko gehörte ebenfalls zu dieser Gruppe Ninja - aber die niedrigrangigen Missionen, für die sie qualifiziert war, waren nicht so zahlreich, wie sie es sich erhofft hatte. Das führte dazu, dass man notgedrungen auch mal Zettel vom schwarzen Brett abriss, die nichts mit dem Ninja-Dasein zu tun hatten. Viele waren sich zu schade für diese Jobs - und wenn man bei Mama und Papa wohnte, konnte man sich das sicherlich erlauben, aber Akiko zahlte die Miete für das Zwei-Zimmer-Apartment nun mal gemeinsam mit Sayuri. Sayuri war bereits erfahrener als sie und deshalb oft auf Missionen unterwegs, die länger dauerten und schwieriger waren - dementsprechend gut wurde sie auch bezahlt, aber Akiko wollte ihren Teil zur Miete trotzdem beitragen. „Außerdem ist es gut, um Leute kennenzulernen“, sagte sie sich selbst. Zwar war ihr Schneckenhausimpuls dieser Tage außergewöhnlich stark, aber sie zwang sich dazu, ihn beiseite zu schieben. Es musste Geld reinkommen - und es war ungeheuer wichtig, gute Beziehungen zu anderen jungen Menschen in Shirogakure zu knüpfen. Dies war eine der Sachen, die sie sich fest vorgenommen hatte, als sie Konohagakure verließ: Raus aus der Komfortzone, rein in die Mythen und Irrungen der menschlichen Sozialisation.

Schafe hüten“, murmelte Akiko nachdenklich, als sie die Zettel durchging, die sie vom schwarzen Brett abgerissen und mitgenommen hatte. Schafe waren Tiere und Tiere waren keine Herausforderung für sie. Das war ein Pluspunkt. Außerdem wäre man wohl den ganzen Tag an der frischen Luft. Ebenfalls ein Pluspunkt. Zufrieden nickte Akiko - das hier war keiner dieser miesen Tellerwäscher-Jobs, die sie in den vergangenen Wochen gelegentlich absolviert hatte. Das versprach ein entspannter, zufriedenstellender Tag zu werden. Bereits bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen sollte es losgehen, deshalb packte Akiko ihre Sachen noch am Abend, packte ausreichend Proviant und Wasser ein und ging dann früh zu Bett.

Als Sayuri noch schlief, denn die hatte riesige Probleme mit dem frühen Aufstehen, schlich Akiko sich leise aus dem Haus und machte sich auf den Weg hinaus aus Shirogakure. Sie hatte eine grobe Skizze vom Weg zum Hof des Bauern Nobu auf eine Serviette eines Ramen-Imbisses gezeichnet und machte sich in aller Herrgottsfrühe auf den Weg. Es war frisch und Akiko schlang die dunkelgrüne, dünne Jacke enger um sich. Hoffentlich war sie warm genug angezogen. Ein Blick zum Himmel sagte ihr, dass es vielleicht regnen könnte. „So ein Mist“, dachte sie bei sich, hatte sie sich den Tag doch als idyllisch-sonnigen Tag im Grünen vorgestellt. Dennoch ging sie mit großen, zielstrebigen Schritten hinaus aus Shiros Toren und hinein ins Grüne. Mit der Zeit, die verstrich, wurde es etwas wärmer, aber ein warmer Sommertag war es noch immer nicht.
Nach einer Dreiviertelstunde Fußmarsch begegnete Akiko kurz vor ihrem Zielort einem älteren Mann, der einen Karren hinter sich herzog und offenbar in Richtung der Felder zu ihrer Rechten unterwegs war. „Entschuldigen Sie“, sprach sie ihn höflich an. „Ich suche das Gehöft des Bauern Nobu. Könnten Sie mir weiterhelfen?“. Sie lächelte milde. Der ältere Mann nahm den Strohhalm zwischen den Zähnen hervor, auf dem er herumgekaut hatte. „Aye, das bin dann wohl ich“, sagte er und ließ ein kratziges, kehliges Lachen vernehmen. „Du bist wohl wegen der Schafe hier. Wo ist denn dein Partner?“, fragte er und sah sich suchend hinter ihr um. „Partner?“, fragte Akiko überrascht. Sie hatte geglaubt - oder doch eher gehofft? - dass sie diese Aufgabe allein übernehmen würde. In der Anzeige war doch eine Person gesucht worden, oder? „Jaja, so ein junger Kerl, hab sein‘ Namen vergessen“, antwortete Nobu und gab einen Laut von sich, der wie ein Grunzen klang. „Wird wohl gleich eintrudeln. Würd vorschlagen wird warten ma‘ auf den jungen Mann. Bisschen Mannskraft schadet ja nich‘, wa?“. Er musterte Akikos schmale, unscheinbare Statur skeptisch und ohne einen Hehl daraus zu machen. Obwohl es sie verletzte, lächelte Akiko und nickte: „Da haben Sie sicherlich Recht, werter Herr“, gab sie zurück und Nobu nickte ebenfalls und lächelte zufrieden. „Klassischer Bauern-Mann-Stereotyp“, dachte Akiko und rollte innerlich mit den Augen. „Einfach zufriedenzustellen, wenn man ihm Recht gibt. Meine leichteste Übung“.
 

Manako Raku

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Schon witzig - Raku wusste es natürlich nicht, aber seine Beweggründe für seine Teilnahme an dem Job für heute waren im Prinzip gegensätzlich zu denen seiner heutigen Partnerin. Er machte es nicht, weil er das Geld benötigte, oder weil er Menschen kennenlernen wollte. Er machte es, weil Arbeit quasi sein Hobby war - und er es als Pflicht und Kür empfand, alles an Arbeit zu erledigen, was ihm in die Finger kam. Natürlich hätte er sich auch Besseres vorstellen können als einen Tag lang auf die Schafe eines Bauern aufpassen zu müssen, aber letztlich war ihm auch klar, dass jemand das tun musste, sollte Bauer Nobu eben Unterstützung benötigen. Und wer, wenn nicht er als Genin, konnte diese ja doch wichtige Aufgabe erledigen? Schafe waren wichtig, und gerade Raku konnte respektieren und unterstützen, dass mit die wichtigsten Wolllieferanten geschützt wurden. Soweit also zu seiner Motivation.​

Früh wie immer machte sich Raku auf. Die Zeit? Für ihn kein Problem, er stand immer so früh auf. Manchmal früher. Ausgestattet war der Bogenschütze wie immer ziemlich gut: Sein fester, nach außen hin zumindest wasserfester Mantel (wenngleich nicht ganz wasserabweisend, leider) bedeckt seinen Körper bis zu den Knien und versteckte somit die robuste, widerstandsfähige Kleidung darunter. Alles selbst gemacht, natürlich - und entsprechen für den Einsatz gedacht. Raku fand, dass man gerade bei so einem Job richtige Klamotten brauchte. Arbeit mit Tiere, im Freien und dann noch auf einem Hof war meistens unmittelbar, direkt und... nun ja, schmutzig. Der Hellhaarige war es auch gewesen, der den Zettel an das Schwarze Brett gehangen und für den heutigen Tag auf Unterstützung gehofft hatte. Allein zu arbeiten, war vielleicht in seiner Familie weit verbreitet, doch... selbst der junge Mann, dem man so selten ansah was er dachte und fühlte, war manchmal ein wenig einsam. So regte sich tatsächlich sowas wie ein Echo von Interesse in seiner Seele, mit wem er es heute zu tun bekommen würde. Es war tatsächlich das erste Mal, dass er einen Job geplant mit jemandem durchführte, dessen Namen er nicht einmal kannte. Das mit Kajiya Ayumi... war ja eher ungeplant und spontan gewesen, wenngleich auch nicht weniger erfolgreich. Vorsichtiger Optimismus, für's erste.​

Auf dem Weg zu der Farm des Bauen Nobu erspähte Raku zwei Personen - einmal den Mann selbst, Nobu höchstpersönlich. Und dazu: Eine junge Dame, wohl in seinem Alter. Schätzungsweise. Nicht, dass er gut darin war, das Alter von Personen zu schätzen. Seine Augenklappe verhinderte nicht, dass ihm sofort einige Details auffielen. Näherkommend scannte der Blick seines grasgrün blitzenden Auges das Mädel. Auf den ersten Blick erkannte sein geschultes Auge ihre Körperhaltung. Das war nicht der gebückte Gang von jemandem, dem Bewegung fremd war. Sie wirkte gestrafft, irgendwie fokussiert - sein Optimismus wurde ein wenig größer! Diese junge Dame schien ihm, schon rein von Körperhaltung und dem daraus schließbaren Trainingsregiment, deutlich konzentrierter zu sein als Chinatsu oder Asami. Raku mochte vielleicht nicht der sozial geschickteste oder kompatibelste Typ sein, aber seine Beobachtungsgabe war dafür umso besser - und diese sagte ihm, dass diese Kunoichi - wenn sie denn die Person war, die heute seine Partnerin sein sollte - eine angenehme Person in der Zusammenarbeit war. Alles in allem: Positiver erster Eindruck. "Morgen", ließ er hören, als er nähergekommen war, neigte seinen Kopf vor dem Farmer, dann vor der jungen Frau. Seine Stimme, recht tief und vor allen Dingen rau wie Schmirgelpapier, schien schon eine Weile nicht mehr benutzt worden zu sein. Die wettergebräunte Haut von Raku, die im Kontrast zu seinen hellen Haaren stand, war nur am Gesicht, Hals und Händen sichtbar - der Rest seines schlanken, drahtigen Körperbaus versteckte sich unter zumindest zwei Kleidungsschichten. Sein Blick fiel noch einmal auf die Dunkelhaarige, die eindeutig eine Sehschwäche hatte. Die leichte Verkrümmung der Optik an den Rändern ihrer Brille verriet es ihm. Das Gesicht des Genin verzog sich kein Stück. "Manako Raku. Bin wegen der Schafe hier", fasste er zusammen und sah zu Nobu, der auflachte. "Nicht so mürrisch, sie werden euch schon nicht die Kleidung vom Leib futtern! Obwohl es mal eine Kunoichi gab, die hier beinahe ihren Kapuzenpulli verloren hat...", sagte der Farmer etwas nachdenklich, grinste dann. "Diese junge Dame hier ist wohl deine Partnerin für heute, Manako-kun, eh? Kommt mit, ich zeig' euch den Stall - dann muss ich mich um den Rest des Hofs kümmern. In dieser Jahreszeit ist so furchtbar viel zu tun, wisst ihr? Haha!" Mit diesen Worten schob Nobu den Karren beiseite, winkte den Genin zu - und führte sie in Richtung ihres Gehöfts. Raku drehte sich noch einmal zu der Nara, deren Namen er ja noch nicht einmal kannte. "Auf gute Zusammenarbeit", sagte er höflich und neigte noch einmal leicht den Kopf. Seine ausdruckslose Miene verriet nicht, was er dachte - und da auch eines seiner Augen verdeckt war, machte es das noch schwieriger, ihn zu lesen.​

Farmer Nobu interessierte sich herzlich wenig dafür, ob und wenn ja: Wie viel die Genin überhaupt kommunizierten. Der Weg zu seiner Farm war nicht mehr lang gewesen, und der ausladende Stall, vor dem sie kurze Zeit später standen, war erfüllt von lautem Geblöke und Hufengescharre. "Ah, die Mädels und Jungens sind heute ein wenig unruhig! Könnt' sein, dass es heut' noch regnet, aber das macht ihnen nich's! Sie müssen heute auf die Weide um zu grasen und sich zu bewegen, aber in letzter Zeit gab's immer mal wieder Meldungen über Wölfe und große Adler, die der Herde ein wenig zusetzen. Die Lämmer sind mittlerweile nich' mehr so klein, aber ein wenig hilflos doch noch." Wieder lachte er und schob mit erstaunlicher Leichtigkeit den Riegel zum großen Gatter vor dem Stall auf. "Ihr könnt' geh'n, wenn heute Nachmittag die Schafe alle wieder da sind, heil und im Stall. Es sind 42 Schafe, in Ordnung? 42!" Mit diesen Worten nahm er zwei lange Stöcke in die Hand, drückte jeweils einen den Ninja in die Hand und grinste leicht. "Eure Vorgänger haben das auch immer fantastisch hinbekommen! Keine Sorge, ihr seht kompetent genug aus, und ihr habt ja auch ein wenig Hilfe." Laut pfiff der Farmer durch die Zähne, und sofort kamen drei Hunde angehetzt, die sich brav um Farmer Nobu scharrten. "Unsere Schäferhunde! Die besten, die's gibt, garantiert! Gehorchen jedem, wenn er weiß wie. Und die Schafe halten sie fast alleine zusammen." "Nobu-san", sagte Raku und räusperte sich leicht, als der Name des Farmers eher aus seiner Kehle zu brechen schien als alles andere. "Aye, junger Mann?" "Welche Weide ist denn das Ziel?"
 

Nara Akiko

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Nobu hörte recht bald auf zufrieden zu lächeln, weil Akiko ihm Recht gegeben hatte mit seiner Aussage bezüglich der unabdingbaren „Mannes“kraft für diesen Job. Stattdessen musterte er Akiko ein wenig unsicherer als zuvor und wusste ganz offensichtlich nicht, was er sagen sollte. Gerade als er sich räusperte, um den von Stille erfüllten Raum zwischen den beiden zu füllen, hörte Akiko hinter sich ein „Morgen“. Erfreut über die Pünktlichkeit ihres Partner - denn um den schien es sich zu handeln - drehte Akiko sich um und lächelte. Sie grinste nicht und sie strahlte auch nicht übers ganze Gesicht. Es war lediglich ein höfliches Lächeln auf einem ansonsten konzentriert musterndem Gesicht. Und zu mustern gab es hier einiges. Akiko war bereits einigen Menschen in ihrem Leben begegnet und sie hatte sich bereits mehr als einmal ein Bild von einer Person gemacht, noch ehe diese drei Worte gesprochen hatte. Aber die äußere Erscheinung dieses jungen Mannes war wie eine kleine Reizüberflutung für Akikos Gehirn - so viele verschiedene Aussagen konnte man gar nicht schnell genug erfassen, bevor der Neuankömmling schon das Gespräch mit Nobu suchte. Ziemlich schnell registrierte sie, dass ihr gegenüber ein drahtiger junger Mann etwa in ihrem Alter war - vielleicht sogar etwas älter. Dann war da natürlich die eigentümliche Augenklappe, die den Blick auf sich zog. Auffällig fand Akiko auch, dass er im Gegensatz zu ihr, die vom Fußmarsch warmgelaufen im kurzärmeligen, schwarzen T-Shirt dastand, lange Kleidung trug. Die ersten Adjektive die Akiko zum Aussehen ihres Gegenübers einfielen waren „elegant“ und irgendwie… „geschmeidig“? Sie wunderte sich selbst, wie sie auf diesen Gedanken kam, vertraute jedoch ihrer Intuition, was diesen Ausdruck anging. Obwohl sie bei ihren Beobachtungen natürlich stets versuchte alle Bewertung außen vor zu lassen, war sie letzten Endes eben doch noch eine frischgebackene Kunoichi und durch ihren Blutkreislauf strömten ziemlich sicher noch die letzten Hormone der Pubertät. So kam es, dass sie nicht umhin konnte, Rakus Haare zu bewundern und die Farbwahl seiner Kleidung als sehr ansprechend wahrzunehmen. „Mein Vater würde mich vermutlich für diese subjektive Betrachtungsweise schelten - na zum Glück ist das hier nur ein Job und kein Ernstfall“, dachte sie sich und presste kurz die Lippen aufeinander, um sich das flüchtige Lächeln zu verkneifen, das sich auf ihren Mund schleichen wollte. „Manako Raku“, stellte sich der Fremdling gerade vor und bestätigte, was Akiko schon vermutet hatte: Dieser Kerl war heute die starke Manneskraft an ihrer Seite, die Nobu sich erhofft hatte.

"Nicht so mürrisch, sie werden euch schon nicht die Kleidung vom Leib futtern! Obwohl es mal eine Kunoichi gab, die hier beinahe ihren Kapuzenpulli verloren hat... Diese junge Dame hier ist wohl deine Partnerin für heute, Manako-kun, eh? Kommt mit, ich zeig' euch den Stall - dann muss ich mich um den Rest des Hofs kümmern. In dieser Jahreszeit ist so furchtbar viel zu tun, wisst ihr? Haha!".

Nobu stellte den Karren am Wegesrand ab und bedeutete beiden ihm zu folgen. "Auf gute Zusammenarbeit", sagte Raku höflich und Akiko erwiderte ein höfliches Nicken. Auf dem kurzen Weg zur Farm verlor Akiko kein Wort gegenüber Raku - auch weil sie wenig Lust hatte sich vor dem, ihrer Meinung nach eher einfach gestrickten, Farmer zu offenbaren. Recht bald hörte man Hufscharren, Geblöke und Gemuhe. Als Nobu begann sie auf die Gefahren des Schafehütens hinzuweisen, nickte Akiko und hörte ihm aufmerksam zu. Sie schweifte nicht ab und wollte dem Farmer durch und durch das Gefühl geben, dass sie aufmerksam und vor allem wertschätzend gegenüber seinem Fachwissen über die Schafhaltung war. Bereitwillig ließ sie sich auch den Hütestock in die Hand drücken, obwohl sie nicht recht wusste, was sie damit tun sollte. Als er von den Lämmern zu sprechen begann leuchteten Akikos Augen sicherlich ein wenig auf und weiteten sich - als er die drei Hütehunde herbeipfiff lächelte sie sogar offen und ging beinahe sofort auf ein Knie herunter, um sich von ihnen die Hände beschnüffeln zu lassen. Alle drei Hunde wedelten aufgeregt mit dem Schwanz und einer leckte ihre Hand ab. „Was für herrliche Tiere“, staunte Akiko innerlich und hoffte, dass es ein wundervoller Tag werden würde. Was sollte denn bitte schiefgehen?

Nobu-san“, sagte Raku in diesem Moment und Akiko schaute zu ihm hoch, während noch ein Hund an ihrer Hand schnupperte. „Welche Weide ist denn das Ziel?“. „Gute Frage, ich kenne mich hier noch überhaupt nicht aus“, dachte Akiko und wartete Nobus Antwort ab. „Nojo, ihr könnt euch entscheiden, ob ihr hoch auf die südlichen Weiden wollt oder ob ihr runter ins Tal an den Westhang geht. Is‘ im Prinzip euch überlassen. Am Westhang wird’s halt frisch am Mittag, wenn die Sonne übern Berch ist“, sagte Nobu und zuckte mit den Schultern. „Dann lass uns lieber hoch auf den Südhang gehen“, meinte Akiko und hatte dabei einen bittenden Unterton, während sie Raku ansah. „Was hältst du davon?“, setzte sie nach und gab ihm die Möglichkeit zu antworten.

Egal wie er sich entschied stapften sie bald darauf los in Richtung grüner, saftiger Weiden. Nobu hatte das Tor zum Schafstall geöffnet und es schien als hätten die Schafe und Lämmer nur darauf gewartet sich ins Freie zu stürzen. Die drei Hütehunde empfingen sie mit lautem Gebell und obwohl die Schafe kurze Zeit alle in verschiedene Richtungen strömten, hielten die Hunde sie gleich darauf wieder beisammen. Akiko nahm zwei Finger in den Mund und pfiff probeweise, woraufhin die Hunde in ihre Richtung gelaufen kamen. „Wow, das ist leichter, als ich dachte“, sagte sie erstaunt zu niemand bestimmten. Nobu grinste zufrieden und ließ sie ziehen. Als sie außer Hörweite des Farmers waren und Akiko sich sicher war, dass die Herde brav beisammen blieb, wandte sie sich Rai zu. „Hey. Ich bin Akiko, Nara Akiko“, stellte sie sich vor und reichte ihrem Gegenüber höflich die Hand. Dann schob sie sich die Brille ein wenig höher auf die Nase und fragte: „Du siehst aus wie ein wirklich spannender, junger Ninja und ich weiß gar nicht, was ich dich zuerst fragen will“, sie hielt kurz inne. „Hast du deine Kleidung selbst genäht oder hast du sie dir anfertigen lassen?“, fragte sie. Eine halboffene Frage für den Beginn. Nicht überschwänglich, sondern lediglich interessiert - vielleicht ein wenig neugierig. Wenn er wollte, konnte er einsilbig antworten, obwohl Akiko ihn so nicht einschätzte. Auf der anderen Seite konnte er auf diese Frage hin auch eine ausladende Geschichte erzählen. Akiko hoffte, dass sie ein Einstiegsthema gefunden hatte, dass ihren Gegenüber freudig stimmen würde. Die meisten Menschen schätzten es, wenn man etwas Positiv-Auffälliges an ihnen wertschätzte. „Psychologie-Lehrbuch-Band 1“, dachte Akiko scherzhaft.
 

Manako Raku

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Eine besondere Bindung zu Hunden hatte Raku nicht, wohl aber schätzte er wohl erzogene Tiere, die einem die Arbeit erleichterten. Manchmal war es ja eher so, dass diese es noch ein wenig schwerer machten, wenn man sie nicht kontrollieren konnte... diese Tiere aber schienen ihm sehr erfahren zu sein. Schön! Das war doch eine gute Nachricht. Akiko kniete sich zu den Hunden herunter und begann sofort damit, eine gewisse Bindung zu ihnen aufzubauen. Interessant. Raku kannte zwar noch immer nicht den Namen der jungen Frau, aber sie schien zumindest kein Problem damit zu haben, mit diesen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen. Die Aufmerksamkeit von seiner Missionspartnerin zurück zu Farmer Nobu lenkend nickte er. "In Ordnung." Seine Kollegin hatte ja eindeutig einen Wunsch geäußert, und Raku war es vollkommen egal, welchen der Weiden sie nehmen würden. Es schien ihm nicht so, als wäre eine besser oder schlechter bezüglich Missionserfüllung, insofern hatte er nichts dagegen, dem Wunsch nachzukommen. "Wir werden zum Südhang gehen. Vor Sonnenuntergang werden alle Schafe wieder zurück im Stall sein", versprach Raku, und damit war es spätestens besiegelt: Selbst wenn es ihm ein Arm und ein Bein kosten würde, er würde sein Wort wahr machen. Entschlossen stapfte der Genin, nachdem der Farmer sich verabschiedet hatte, zu den Schafen und begann sie loszutreiben. Diese blökten und trippelten los, und die Hunde begannen wie von selbst mit der Hütetätigkeit. Beeindruckend. Zufrieden ließ sich der Manako zu einem Nicken hinreißen. Der Tag würde noch lang werden, aber er fing immerhin ganz gut an. Er war an der frischen Luft, fühlte sich wohl - und genoss die Strahlen der erst am Anfang ihrer Reise stehenden Sonnenscheibe auf seinem Gesicht, während sich seine Kollegen mit der Handhabung der Hunde bekannt machte. Er wollte sie gerne fragen, ob sie generell so eine gute Beziehung zu Tieren aufbaute oder ob es nur bei Hunden der Fall war - aber der hellhaarige Wuschelkopf war wie immer ziemlich verklemmt. ​

Umso mehr erstaunte es ihn irgendwie, dass ihn die Dunkelhaarige mit einem Mal ansprach. Warum auch immer er erwartet hatte, dass sie kaum ein Wort wechseln würden - es erwies sich jedenfalls als Fehleinschätzung. Und die gereichte Hand zum Handschlag verdutzte ihn doch noch ein wenig mehr. Irgendwie nicht ungewöhnlich, hatte es ihm noch keiner seiner Kollegen so angeboten. Also stockte er einen Moment, blinzelte, nahm dann aber die delikate Hand der feingliedrigen Kunoichi und drückte sie einmal fest, aber nicht übermäßig stark. Nur um seinen Respekt auszudrücken, und so. "Hallo. Freut mich, Nara-san. Manako Raku", sagte er noch einmal und legte den Kopf leicht schief, während sie ihre Brille hoch schob. Ob sie dieses Accessoire, welches für sie wohl keines war, sie einschränkte? Während sie in Richtung des Südhangs stapften und sich die Tiere ebenso in diese Richtung begaben, erwischte Akiko den jungen Mann dann doch ein wenig unerwartet. Zugegeben: Letztlich war es eine angenehme Überraschung, eine Kunoichi kennenzulernen die irgendwie... normal wirkte. Keine aufgezwungene Freundschaft von Sekunde eins, keine Vorwürfe ob seiner Kurzangebundenheit, irgendwie wirkte sie ehrlich interessiert. Und das hatte Raku so bisher noch nie gehabt. Vor allen Dingen hatte noch nie ein Mensch - männlich oder weiblich - in seinem Alter ihn als spannenden, jungen Ninja betitelt. Es hatte den umgekehrten Effekt, dass er sich seltsam gealtert fühlte, obwohl er erst achtzehn war. Sein Blick schweifte in die Ferne, einen Moment lang nur, wie als wolle er die Herde überblicken, sein Gesichtsausdruck unbewegt. Kein Ausfragen, bitte! - Das war so in etwa der Gedankengang in seinem Kopf. Er wollte doch nur arbeiten! Andererseits... die Umgebung und die Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht ließen ein sehr, sehr kleines Bedürfnis Platz genug, um ein wenig an die Oberfläche zu kommen. Er fühlte sich nicht so sehr unter... Zug- und Erfolgszwang wie sonst. Fast so, als wolle er reden. Wie unerwartet. Rakus Mundwinkel zuckte unwillkürlich ein kleines bisschen, hob sich aber noch nicht so wirklich. Höchstens die Idee eines Lächelns war auf seinem Gesicht zu erkennen, aber diese Muskeln waren bei ihm auch nicht wirklich ausgeprägt. Er hatte gerade antworten sollen, da spürte er dass seine Stimme in seinem Hals brechen würde - und räusperte sich erst einmal. Seine raue Stimme erlangte mit mehr Worten mehr Geschmeidigkeit und schien sich ihre Funktion zurück zu erkämpfen. "Selbst gemacht", antwortete er. "Ich mache Ausrüstung und Kleidung selbst, wenn ich kann. Metall kann ich nicht. Leder und Stoff." Er strengte sein Hirn an. Normalerweise hätte er es bei der Hälfte belassen, aber die unaufdringliche Art des Mädchens verlangte es ihm ab, sich ein wenig zu bemühen und nicht nur auf die Arbeit zu schauen. "Bin viel draußen unterwegs - ist gut zu wissen, was man an seiner Ausrüstung hat... inklusive Kleidung. Angepasst auf das, was ich brauche.", ergänzte er und stupste ein etwas langsameres Schaf an, dass es ein wenig schneller ging. Insgesamt machten sie sich gut, sodass sie nach kurzer Zeit beim Südhang ankamen, gemeinsam das große Gatter öffneten und die Schafe wie von selbst auf die Wiese strömten. Die Hunde kamen hechelnd zu den Genin, als das Gatter geschlossen waren, und schienen etwas zu erwarten. "Möchten sie belohnt werden?" Raku war ein wenig ratlos. "Nara - wie der alte Konoha-Clan?" Das war tatsächlich etwas, was ihn interessierte. "Du scheinst mir ganz gut mit Tieren umgehen zu können. Hast du einschlägige Erfahrungen?"

Nun, so oder so: Die Sonne würde nach und nach weiter aufgehen und die Wiese in ihr Licht tauchen - auch wenn der Wind manchmal recht kühl über die Wiese pfiff und die Wolken sich am Horizont zu verdichten schienen. Aber zumindest ein, zwei Stunden würden sie wohl gutes Wetter haben. Die Schafe würd's wohl nicht jucken, diese streunten grasend über die Wiese. Einige von ihnen schienen sich an den Genin zu interessieren, andere wiederum gar nicht. "Nara-san, auf die Gefahr hin unhöflich zu sein... bist du für eventuelle Regengüsse ausgestattet?"
 

Nara Akiko

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Manako Raku, wiederholte Akiko in Gedanken. Sie wiederholte den Namen ein paar Mal, damit sie ihn sich einprägen konnte. Ihres Wissens nach gab es keinen bekannten Ninja-Clan, der diesen Namen trug, dementsprechend war seine Augenklappe vermutlich nicht nötig, um ein Kekkei-Genkai oder ähnliches zu verstecken. Dennoch meinte sie den Namen schon einmal gehört zu haben. Innerlich machte sie sich eine Notiz, dass sie nach dem Familiennamen suchen wollte. Zwar interessierte sie die Sache mit dem Auge brennt - direkt danach zu fragen erschien ihr aber zu offensiv. Wenn sich hinter der Augenklappe eine ernsthafte Erkrankung oder gar ein fehlendes Auge verbarg, dann war es nicht klug eine solche Frage schon so früh zu stellen. Im Gegenteil konnte es dazu führen, dass der Gegenüber sich verschloss und zurückzog, weil nun mal niemand intime Informationen gerne mit Fremden teilt. Bei ihrem Handschlag fiel ihr auf, dass er kurz, statt ihr direkt in die Augen zu schauen, ihre Brille musterte. Nach ihrer Frage zögerte er einen Moment zu lang, als dass es natürlich oder überlegt hätte wirken können. Akiko machte sich keine Sorgen: Viele Menschen, insbesondere Ninjas, waren sehr verschlossen und manche mochten es entweder nicht oder waren es nicht gewöhnt, dass man ihnen ehrliche Fragen zu ihrer Person stellte. Im Gegenteil hatte sie es leider als übliche Praxis kennengelernt, dass man über den Tellerrand des Auftrags hinaus keinerlei Kontakt miteinander knüpfte. Insbesondere in ihren letzten Jobs war ihr deshalb förmlich ein kleines Licht aufgegangen: Wenn sie Kontakte wollte, dann musste sie sich darum bemühen. Bekannte, Verbündete oder sogar Freunde, die wurde man selten per Zufall - es sei denn eine größere Fügung wie das Schicksal oder das Universum fügte Menschen wiederholt zusammen - nein, meistens musste man sich anstrengen, investieren und aufmerksam sein, um eine gute Beziehung zu etablieren. Bevor Raku begann zu sprechen meinte Akiko, dass er lächeln wollte, doch offenbar hatte sie sich damit geirrt. Während er sprach sah er sie nicht an, was für Akiko ein typisches Zeichen für die Art von Mensch war, an die sie zuvor gedacht hatte. Er schien der Unterhaltung nicht abgeneigt zu sein, wusste aber nicht, wie er reagieren sollte. Obwohl er scheinbar sehr konzentriert ein Schaf anstupste, statt sie in den Blick zu nehmen, ließ Akiko ihn nicht aus den Augen und ihre Miene zeigte sich sichtlich beeindruckt. „Wow, das würde ich auch gern können“, gab sie zu und musterte noch einmal Rakus Kleidung. „Deine Farbwahl gefällt mir sehr“, fügte sie hinzu und sagte dann: „Ich mag diese erdigen Töne unheimlich gern“. Gib ein kleines bisschen von dir Preis…, dachte sie - keinesfalls so manipulativ-berechnend, wie es im ersten Moment vielleicht scheinen mochte. Im Gegenteil. Sie hatte lediglich niemals eine Art von intuitiver sozialen Interaktion gelernt, weshalb sie Rückgriff nehmen musste auf bestimmte Muster, die sie erkannt, sich angelesen und verinnerlicht hatte. Und etwas von sich preiszugeben, damit der Gegenüber einem Vertraute, war ein Preis, den sie auf jeden Fall zahlen würde, wenn sich dafür eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufbauen ließ.

Nach diesem Gespräch schwiegen sie eine kurze Weile, bis sie den Südhang erreichten. In der Zwischenzeit hatte Akiko sich ihre eigene Kleidung angesehen und ein wenig den Stoff zwischen den Fingern hindurchgleiten lassen. Ihre Hose war in Ordnung, die hatte sie schon wirklich sehr lange… aber das Oberteil hatte bereits ein Loch unter dem Arm, wenn sie sich recht entsann und war insgesamt eher weniger geeignet für Kämpfe oder beispielsweise eine Reise durch Dornengestrüpp und andere undankbare Umgebungen. Hab bisher gar nicht so über Kleidung nachgedacht…, dachte sie und ertappte sich dann selbst dabei, wie sie an ihrer Ausrüstung herumfummelte. Ein wenig peinlich berührt presste sie die Lippen aufeinander und ein Hauch Rot schlich sich auf ihre Wangen. „Jetzt, wo du mich darauf aufmerksam gemacht hast, sollte ich mir vielleicht auch einen guten Schneider zulegen. Nimmst du auch Aufträge entgegen?“, sie schmunzelte ein wenig, damit Raku die Frage wenn er wollte auch scherzhaft verstehen konnte. Sicherlich wäre es praktisch, jemanden zu kennen, der sich mit Ninja-Kleidung auskannte und wohlmöglich nicht nur in zwischenmenschlicher Hinsicht eine Bereicherung sein konnte.

Während Akiko und Raku das Gatter schlossen sprangen die drei Hunde um sie herum und schienen tatsächlich, wie Raku sagte, eine Belohnung zu erwarten. Akiko ging wieder auf die Knie, kraulte jeden der Hunde einmal hinter den Ohren und am Hals und setzte ihren Rucksack ab. Während sie darin herumkramte und ständig einer der Hunde seine Nase hineinsteckte, beantwortete sie Rakus Fragen: „Genau, mein Onkel zweiten Grades ist das Clanoberhaupt der Nara, ich bin also seine Großnichte, wenn du so willst“. Sie hatte ein paar Streifen Trockenfleisch aus einem luftdicht verschlossenen Beutel geholt und jedem der Hunde einen hingeworfen. Die drei überschlugen sich beinahe vor Freude, tollten sich aber dann in Richtung der Schafsherde. Akiko rappelte sich wieder auf und legte den Riemen des Rucksacks über eine Schulter. „Wir züchten Hirsche, aber damit kenne ich mich eher weniger aus. Ich glaube Tiere riechen einfach, ob sie dir vertrauen können oder nicht. Ob du Angst hast oder nicht… oder Hemmungen“, sie zuckte mit den Schultern und sah ihm wieder direkt in die Augen. „Das schätze ich so an ihnen“. Sie lächelte schief und wirkte kurz ein wenig verträumt.

Als Raku den Blick gen Himmel wandte tat sie es ihm nach und schaute ebenfalls nach oben. Weit im Westen sammelten sich dunkle Wolken, aber die schienen noch einige Zeit entfernt zu sein. „So gut gegen Regen gerüstet wie es einem ohne die Fähigkeiten eines Schneiders sein kann“, sagte sie halbernst und zog ein durchsichtiges Regencape aus ihrer Tasche, das den gröbsten Regen abhalten würde. „Ich kann aber auch ganz gut nass werden“, fügte sie hinzu und stopfte das Regencape zurück in die Tasche. „Ich hab irgendwie das Gefühl wir müssen die Schafe etwas besser im Auge haben… ich weiß nicht, ob es hier nicht doch ein paar Wildtiere gibt, die Lust auf ein kleines Lamm als Mittagssnack haben. Das fänd ich echt nicht cool“, ihre Miene wurde wieder ernst und konzentriert und die Leichtigkeit wich aus ihrer Miene, während sie sich umsah. „Vielleicht gehen wir ein wenig den Hang hinauf, bis unter die Bäume dort drüben, von da müssten wir auf die Schafsherde herabschauen können“. Sie deutete den Hang hinauf, wo das Gras etwas lichter und der Untergrund etwas steiniger wurde. Dort war es sicherlich nicht so gemütlich, wie im saftig-grünen Gras, aber trotz der vermeintlichen Einfachheit des Jobs wollte sie kein Risiko eingehen. Während sie losstiefelten überlegte Akiko sich eine weitere Frage, um Raku aus der Reserve zu locken, entschied sich dann jedoch anders. Sie sah ihm ins Gesicht und sagte: „Ich möchte ganz ehrlich zu dir sein: Ich tu mich etwas schwer damit, neue Leute kennenzulernen, deshalb wirke ich vielleicht etwas zu… bemüht“, sie wirkte ein wenig verlegen und ihr Blick verirrte sich kurz auf den Boden. „Aber ich hab wirklich nicht vor dich hier auszuquetschen. Wenn du nicht mit mir reden magst, dann können wir das auch gerne machen. Ich fänds schön, wenn du dich wohlfühlst“, sie zögerte. „Also, wenn wir uns beide wohlfühlen“. Sie nickte und wandte sich ab, damit er sich nicht gezwungen fühlte zu antworten. Ihr selbst hätte sich bei einer solchen Ansage vermutlich der Hals zugeschnürt und sie hätte überhaupt nicht zu reagieren gewusst. So konnte sie ihm Zeit geben zu reagieren, ohne ihn unter Druck zu setzen.
 

Manako Raku

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Es war ein seltsames Gefühl: Einerseits war er es überhaupt nicht gewohnt, dass jemand ihn so genau beobachtete, andererseits war es eine seltsam angenehme Abwechslung. Einerseits wollte er nur den Auftrag erledigen, andererseits wirkte Akiko so ehrlich, dass es ihm sehr schwerfiel, seine normalerweise sehr direkte Art auch durchzuziehen. Direkt im Sinne von: Einfach das Ding durchziehen und wieder nach Hause gehen. Höflich zwar, aber unverbindlich. Ihre Komplimente brachten ihn aus dem Konzept, und so ganz genau wusste er nicht wieso. Etwas verwirrt ging er einfach weiter, nahm sich vor, erst einmal nur auf die Tiere zu achten. Raku war wirklich kein schüchterner Mensch, im Gegenteil. Eigentlich kannte er so etwas wie Scham überhaupt nicht, aber irgendwie fühlte er sich fast ein wenig ertappt. Vielleicht hätte er nicht so genau sagen sollen, was ihm gefiel... naja, war ja auch nicht so wild. Was sollte Akiko schon machen? Dann aber folgte noch eine Frage, die ihn fast noch ein wenig mehr kalt erwischte. Ja... ja, eigentlich irgendwie schon, oder? Es war zumindest etwas, worüber er schon des Öfteren nachgedacht hatte. Bisher hatte es sich noch nie ergeben, und danach gefragt hatte ihn in dem Sinne noch nicht wirklich jemand, aber vielleicht war das ja seine Chance, mal etwas wirklich gutes und nützliches für einen Kollegen herzustellen. Bisher hatten die Leute das eher beiläufig aufgenommen - Akiko war die Erste, die sich so direkt erkundigte. Noch suchte er nach Worten, hatte zum Glück einen Moment Zeit, während sie sich erst einmal mit den Hunden und den anderen Fragen auseinandersetzte. Onkel... zweiten Grades? Raku überlegte einen Moment, was das genau bedeutete, und nickte dann verständnisvoll. Es war sehr interessant, jemanden aus dem Nara-Clan kennenzulernen, das konnte er nicht leugnen. Unterschiedliche Arten mit dem Ninja-Dasein umzugehen kennenzulernen war immer faszinierend. Und die Hunde fertigte die junge Frau auch mit spielender Leichtigkeit ab. "Hirsche?", murmelte der junge Mann und meinte sich zu erinnern, dass die Nara eine gewisse Bindung zu den Tieren hatten. Der Blick aus seinem einen grünen Auge erwiderte ihren, und er fragte sich, ob mehr hinter ihrer Antwort steckte, als sie direkt preisgab. "Erstaunliche Fähigkeit", stellte Raku fest, eindeutig zustimmend. "Wäre nützlich, diese Fähigkeit selbst zu haben."

Als Akiko ein Regencape aus der Tasche zog, blinzelte Raku ein wenig, und dann, das erste Mal, hob sich sein Mundwinkel wirklich ein wenig. Sichtbar, nicht viel, aber ein bisschen. "Ein Handwerker könnte einen Unterstand bauen. Man rüstet sich immer so, wie man kann und muss. Aber was meinst du mit nass werden?" Das hatte er nur so halb verstanden. Wollte sie nass werden? Es machte ihr nichts aus? Akiko sah tatsächlich, ähm... naja... ihm fiel kein besseres Wort als 'saftig' ein, aus. Gesund, halt. Vielleicht juckte es sie wirklich nicht. "Eine Lungenentzündung würde ich trotzdem nicht riskieren", ergänzte Raku und nickte. "Du hast Recht. Wir sollten uns wieder auf die Arbeit konzentrieren." Unglaublicherweise spürte er eine leichte... Enttäuschung. Aber, andererseits, war er damit auch wieder auf der sicheren Seite, oder? Aber der Nara-Sprössling war wohl noch nicht fertig mit ihm, denn als sie in Richtung ihres neuen Platzes stapften, sprach sie ihn noch einmal an. Sein Kopf drehte sich mechanisch zu der jungen Frau, und er erwiderte den Blick mit unbewegter Miene. Einen Moment starrte er ihr ins Gesicht, blinzelte ein wenig, dann sah er wieder nach vorne und richtete sich ein wenig auf. Die wuscheligen Haare wurden ein wenig zurückgestrichen, und Raku spürte wie er so überfordert war wie lange nicht mehr. Seid wann kümmerte man sich so um seine Kollegen? Das hatte bisher noch keiner gemacht, wenn er sich richtig erinnerte. Alle waren sie irgendwie ein wenig forsch gewesen, manchmal übergriffig, manchmal einfach frech, manchmal schimpfend, manchmal kompetetiv, aber Akiko hatte eine Art ehrlich zu sein, die Raku vor ganz neue Herausforderungen stellte. Er atmete einmal ein und aus, entschied sich dann, dass es wohl der Auftragserfüllung nicht im Weg stand, und schüttelte den Kopf, dass die Haare ein wenig hin- und herflogen. "Ähm... nein, es... alles gut", meinte er und schien nachzudenken. "Verzeih' bitte, Nara-san, ich wollte nicht unhöflich sein. Ich habe dich nicht als aufdringlich empfunden. Im Gegenteil." Sein grasgrünes Auge schaute nach links, nach rechts, dann fing er ihren Blick wieder auf. "Es ist nur ungewohnt für mich", gab er dann zu, und fühlte sich reichlich blöd dabei. Andererseits war es eben auch so, dass noch nie jemand wirklich gefragt hatte, was er denn wollte. Oder, dass er sich wohlfühlen sollte. Wohlfühlen. Was war das überhaupt für ein Wort? In seiner Karriere hatte Raku - gefühlt - bisher nur gelitten. Und das war nicht einmal übertrieben: Er wäre manchmal beinahe gestorben, manchmal nur verletzt, manchmal hatte er mehr gegen eigene Kameraden anarbeiten müssen als an der Aufgabe. Und dann kam Akiko und sprach davon, dass sie sich wohlfühlen sollte. Es war ein exotisches Konzept. Raku schüttelte den Kopf, deutete zum Ort, wo sie sich platzieren hatten wollen. "Gehen wir erstmal dort hin. Ich möchte die Herde nicht aus den Augen lassen." Und das war immer noch so: Die Aufgabe war Raku wichtig. Ihrer Erfüllung galt sein Drang. Doch, und das war ein Novum, er wollte Akiko auch ein wenig zugewandt erscheinen. War ja nicht so, als wolle er nicht kommunizieren. Er war nur kein Held darin. Lieber räusperte er sich erstmal, als sie unter den Bäumen angekommen waren. "Vorab: Danke für deine Komplimente", sagte der Bogenschütze dann, neigte seinen Kopf vielleicht ein wenig zu tief. "Wenn du wirklich Interesse hast, kann ich dir gerne etwas anfertigen. Ich, ähm..." Er kratzte sich am Kopf. "Müsste allerdings deine Maße nehmen." Das war aber wahrscheinlich klar. "Musste mir aber schon sagen lassen, dass meine Kleidung nicht modisch ist", meinte er dann nur als Warnung - Chinatsu hatte da ja ihre ganz eigene Ansicht zu gehabt. Als das aus dem Weg war, auch wenn er damit nicht übereinstimmte, ließ er seinen Blick wieder über die etwas ausgeschweifte Herde gleiten. "Es gibt hier Wölfe", fuhr der junge Mann fort. "Manchmal sehe ich sie. Wenn ich jage." Kurz schwieg er ein wenig. So viel hatte er lange nicht mehr auf einmal gesprochen.

"Nara-san, wenn ich fragen darf... du bist noch nicht lange Kunoichi, richtig? Hab' deinen Namen bisher nicht wahrgenommen."
Ein paar Kollegen hatte er ja schon gehabt - und keiner hatte den Namen Nara Akiko erwähnt. Dann sah er wieder in ihr Gesicht, und es wirkte ein wenig gelockerter. Nicht ganz so wachsig wie sonst. Fast ein wenig nachdenklich. Dann nestelte er hinten an seinem Gürtel herum, holte eine Schriftrolle hervor - und entsiegelte einen einfach gehaltenenen Mantel. Eine der Sorte, die er immer dabei hatte - für den Fall, dass. Er hatte eine dunkle, grüne Farbe, war fest und wind- wie wasserabweisend. Für Akiko sicher ein wenig zu lang, aber da er Raku normalerweise nicht bis zu den Füßen ging... würde er die junge Dame wohl gut bedecken. "Nimm ihn. Wenn es regnet, brauchst du nicht nass werden, und er hält warm." Und dann zuckte seine Augenbraue ein wenig, fast wie zum Schmunzeln. "Nun, falls du nicht trotzdem nass werden möchtest."
 
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Nara Akiko

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"Ein Handwerker könnte einen Unterstand bauen. Man rüstet sich immer so, wie man kann und muss. Aber was meinst du mit nass werden?". Akiko zögerte, weil sie sich nicht sicher war, ob er sie richtig verstanden hatte. „Naja, ich meinte nur, dass es mir nichts ausmacht, nass zu werden“, sagte sie und zuckte mit den Schultern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei einem einzigen Regenguss um diese Jahreszeit ernsthaft krank werden würde war verschwindend gering. Als Raku jedoch seine Sorge äußerte, sie könne sich eine Lungenentzündung holen, lächelte sie geschmeichelt. Akiko wurde eigentlich niemals krank, sie bekam nicht einmal eine Erkältung. Allerdings aß sie auch sehr gesund und versuchte Stress zu vermeiden, was ihrem Immunsystem sicherlich zuträglich war. Während sie den Hang hinauf zu dem Fleck Erde stapften, den Akiko ausgesucht hatte, spürte sie Rakus Angespanntheit. Offenbar hatte sie ihn verunsichert, was sicherlich nicht ihre Absicht gewesen wäre, aber sie würde jetzt sicherlich nicht zurückrudern und ihre Aussage entschärfen. Als sie ihn dann sagen hörte: "Es ist nur ungewohnt für mich", fühlte sie sich mehr als bestätigt in ihren ersten Annahmen. Ohne es zu merken runzelte sie leicht die Stirn und wirkte nachdenklicher denn je. „Was ist es nur, weshalb all diese jungen Ninja, die ich kennenlerne, ehrliches Interesse an ihrer Person nicht nachvollziehen oder damit umgehen können? So viele, die nervös werden oder, was noch viel häufiger passiert, sich hinter irgendwelchen lauten, exotischen oder leisen, unscheinbaren Mauern versteckten… Wie soll man solchen Menschen vertrauen?“. „Danke, für deine Ehrlichkeit“, sagte Akiko schlicht und beließ es dabei. Vielleicht kroch er ja noch aus seinem Schneckenhaus - ob vor oder nach dem Regen, wenn Akiko so nach Westen schaute, war leider nicht absehbar.

Raku griff das Thema mit der Kleidung noch einmal auf und Akikos Herz machte einen kleinen Hüpfer. „Oh!“, sagte sie überrascht darüber, dass er eine solche Auftragsarbeit tatsächlich in Erwägung zog. „Oh ja klar, das wäre fantastisch! Natürlich kannst du meine Maße nehmen“, sie nickte und lächelte. Zum ersten Mal an diesem Tag wirkte sie ein wenig unsicher, immerhin ging es hier darum, dass ein fremder junger Mann alle Werte in die Hand bekam, die ihn ihren BMI bestimmen ließen. „Oh Gott Akiko, was ist denn los mit dir? Die Pubertät ist ja wohl allmählich vorbei!“, ermahnte sie sich selbst. „Wir könnten uns an einem anderen Tag treffen um darüber zu sprechen, was hältst du davon?“. Ein plötzlicher Windstoß, der über den kahler werden Hügel pfiff, riss sie zurück in die eigentliche Gegenwart. Kurz darauf erzählte Raku etwas von Wölfen, die in der Gegend ihr Unwesen trieben. „Oh man, ich lasse mich zu leicht ablenken“, ermahnte Akiko sich selbst. „Wenn das hier eine echte Mission wäre… nicht auszudenken, was hätte passieren können während ich hier über Klamotten rede…“. Sie ärgerte sich über sich selbst und ihre fehlende Selbstdisziplin.

Um ein Haar wäre Akiko die wichtige Information entgangen, die Raku soeben über sich geäußert hatte, doch irgendwie schlich sie sich dennoch in ihr Unterbewusstsein. „Er jagt also…“. Sie speicherte die Information in der Raku-Schublade ihrer Bekanntschaften ab, falls sie sie benötigen würde.
"Nein, ich bin noch nicht lange Genin
Erst ein paar Monate und vor ein paar Wochen bin ich nach Shirogakure gezogen. Ich habe noch so gut wie keine anderen Genin kennengelernt, seit ich hier bin...
", beantwortete sie seine Frage und klang dabei etwas enttäuscht.
Als sie die Hügelkuppe erreicht hatten, wandte Akiko sich um und machte es sich auf dem Boden bequem, während Raku Anstalten machte eine Schriftrolle zu entsiegeln. „Nimm ihn“, sagte er und sie fühlte sich peinlich berührt. Wieder wurde sie ein wenig rot im Gesicht, nickte dann aber dankend und drückte den Mantel an sich, den er ihr entgegenstreckte. Akiko gefiel wieder die Farbe, die der Mantel hatte und sie schmunzelte, während sie ihn sich in den Schoß legte und ihren Blick über die Herde schweifen ließ. Im Kopf zählte sie die Schafe, kam auf 42 und lehnte sich beruhigt ein wenig zurück. Zum ersten Mal am heutigen Tag schien es um sie herum wirklich still zu sein. Die drei Hunde fegten um die Schafsherde herum oder lagen im Gras, wenn sie keine Aufgabe zu erfüllen hatten. Die Regenwolken zogen näher und näher heran und der Wind pfiff langsam stärker werdend über den Hügel. „Ganz schön friedlich“, dachte Akiko sich, froh einmal weit weg vom Treiben in Shirogakure zu sein, an das sie sich noch nicht gewöhnt hatte und es wohl auch nie tun würde. Konoha war ruhiger gewesen, nicht so hektisch, nicht so laut, nicht so voll. „Man weiß oft erst zu schätzen, was man hatte, wenn es einem fehlt“, dachte sie melancholisch und starrte, ohne sie recht wahrzunehmen, auf die Schafsherde unter sich.

Es dauerte nicht lange, bis der erste Regentropfen fiel. „Früher, als ich dachte“, merkte Akiko an und zog sich vorsichtshalber bereits den Mantel über, den Raku ihr gegeben hatte. Er passte wie angegossen und endete quasi direkt über dem Boden. Gut, dass Akiko kaum kleiner war als Raku. „Danke“, sagte sie lächelnd zu ihm gewandt. Mit den heranziehenden Regenwolken war es dunkler geworden und sie konnten nicht mehr so weit sehen wie zuvor. Obwohl es erst Mittag war, schien es urplötzlich Abend zu werden und die Sonne war nahezu vollständig verschwunden. Akiko schnalzte ein wenig angespannt mit der Zunge. „Jetzt wäre es praktisch ein Fernglas oder so etwas dabei zu haben“, sagte sie und starrte angestrengt auf einen dunklen Fleck, der sich hinter dem Weidegatter abzeichnete. „Raku?“, fragte sie und deutete in die ungefähre Richtung, während sie ihre Brille höher auf die Nase schob, als könne sie dann besser sehen. „Siehst du das? Kannst du erkennen, was das ist?“. Seine Worte über die Wölfe in der Gegend hallten noch in ihr nach und sie machte einige Schritte den Hügel herab. Bisher rührte sich noch keiner der Hunde, was eher gegen Wölfe sprach… andererseits stand der Wind auch genau so, dass sie ein herannahendes Tier vermutlich schwerlich wittern könnten.
 
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Manako Raku

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"Das wäre gut. Ich habe die Sachen dafür nicht dabei", erklärte Raku und nickte. Für ihn war das eigentlich keine Peinlichkeit - er wollte Akiko ja nicht zu nahe kommen, nur ihre Maße nehmen. Es wäre anmaßend gewesen, auch nur andere Gedanken zu haben - was Raku nicht merkte war, dass alleine dieser Gedanke natürlich schon Gedanken bestätigte, die er sich machte. Eine Zwickmühle! Der junge Mann richtete sich ein wenig auf seinem Platz ein, war sich aber nicht ganz sicher, was er noch sagen sollte. Was Akiko nicht wusste war, dass Raku nicht unbedingt verschlossen war, weil er es wollte - sondern weil er sich in einem ewigen Zwiespalt mit sich selbst befand. Der Hellhaarige war sich dessen ja selbst nicht so ganz bewusst; was ihm aber klar wurde war, dass ihm die kleine Anerkennung, die Akiko ihm durch ihre Worte schon gegeben hatte, doch recht gut tat. Sie hatte seinen Mantel angenommen, hatte dabei doch einigermaßen zufrieden ausgesehen und jetzt saßen sie erst einmal in Stille da, beobachteten die Herde und sprachen nicht weiter. Das störte Raku an sich nicht. Er war neugierig, und er hätte es sogar zugegeben, wenn Akiko ihn danach gefragt hätte - aber von selbst aussprechen, dass er ein gewisses Interesse hatte, das war dann doch ein wenig zuviel verlangt. Ab und zu schielte er aus den Augenwinkeln zu der jungen Dame hinüber. Raku war sich nicht ganz sicher, was er von ihr halten sollte, wenn er ganz ehrlich war. War sie ehrlich interessiert und so offen, wie es schien? Andererseits gab es auch nichts, was gegen die These sprechen würde. Raku mochte keine Menschen, die aufdringlich waren, und das hatte sich in seiner Zeit als Ninja eigentlich nur verfestigt. Sie wirkte aber anders. Sie wirkte selbst eher so, als wäre sie ein wenig verschlossen, oder zumindest in sich gekehrt. Und ihre ehrlichen Worte von vorher bestätigten ihn darin, dass sie sich Mühe geben musste, die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Und er antwortete wie immer in Stakkatto. Ein wenig ärgern tat er sich über sich selbst, und entschloss sich zu versuchen, zumindest ein kleines bisschen aktiver zu sein. Seine lethargisch wirkende Art war wohl manchmal wirklich schwer im Umgang.​

Die Tropfen rissen ihn aus seinen Gedanken, und er sah nach oben. Kommentarlos schlug er sich die Kapuze über den Kopf, sah dann zu seiner Kollegin - und blinzelte ein wenig verwirrt. Tatsächlich... passte ihr der Mantel ganz gut. Er hatte es überhaupt nicht so genau gesehen, aber sie war wirklich recht groß für junge Frau - bisher hatte Raku tendentiell eher mit kleineren Vertretern ihres Geschlechts zu tun gehabt. Dafür konnte sie natürlich nichts, aber vielleicht lag es auch an ihrem definitiv trainierten Körper. "Sitzt ziemlich gut", meinte er dann und es schien ihn ein wenig zu verwundern. "Umso besser. Man könnte ihn wohl noch ein kleines Stückchen kürzen, aber insgesamt... sehr gut." Nachdenklich betrachtete er die eingepackte Nara und sein Gesicht zeigte ein kurzes Schmunzeln. "Gern", antwortete er schlicht und schien tatsächlich zufrieden zu sein. Es war ein schönes Gefühl, wenn jemand die Ausrüstung nutzte, die er anfertigte. Das hatte er schon auf den Gewitterfeldern gemerkt, wo es das erste Mal wirklich relevant gewesen war. Das Szenario hier ähnelte diesem Vorfall sogar ein wenig: Es wurde dunkler, die Wolken bauten sich über den beiden Genin auf und es fing langsam an, ein wenig zu regnen. Noch war es kein Sturzbach, aber... es würde wahrscheinlich auch nicht so schnell wieder aufhören. Rakus Blick war eben noch über die Herde geglitten, dann hörte er das Geräusch von Akikos Zunge - und sofort drehte sich sein Kopf zu ihr. Es hatte einen Ton von Unruhe in sich gehabt. Einen Moment lang zögerte der Bogenschütze, und dann... huschte tatsächlich ein winziges Lächeln über seine Züge. "Wäre das praktisch?", fragte er, und es war das erste Mal, dass er bewusst Amusement in seiner Stimme zuließ - auf einem Auftrag, natürlich. Der Blick seines offen liegenden Auges huschte zu dem Ort, den die Dunkelhaarige ihm gezeigt hatte - aber in dem Dämmerlicht und dem anfangenden Regen verschwamm es auf die Entfernung wirklich etwas. Mechanisch hob sich seine Hand, er löste etwas an seiner Augenklappe, klappte die lederne Abdeckung beiseite und offenbarte, dass es sich überhaupt gar nicht um eine echte Augenklappe handelte - sondern nur um etwas, was wie einige Linsen übereinander aussah. Geschickt folgten ein, zwei Handgriffe, dann drehte er an einem der Linsen und man konnte sehen, wie sich die optische Verzerrung änderte. Darunter war ein vollkommen gesundes Auge mit einer grasgrünen, strahlenden Pupille zu erkennen. Der junge Mann runzelte die Stirn. Ein leises Brummen entfuhr ihm, als er das Fernglas ein wenig genauer einstellte, um schließlich die Gerätschaft vorerst von seinem Auge zu lösen und in eine Innentasche seines Mantels zu schieben. Jetzt sah er Akiko mit seinen beiden Augen direkt an, und es wirkte ein wenig... nervös. "Ich bin mir nicht ganz sicher. Verschwand wieder im Waldstück. Möglicherweise war es ein Bär." Der Hellhaarige mochte nicht raten, hätte das gerne bestätigt gehabt. "Weiß nicht, wann ich das letzte Mal so nah an Jôsei einen Bären gesehen habe." Kurz schwieg er, sah in den Himmel. Der Regen war mittelstark, nicht allzu schlimm, aber weder Tiere noch Menschen mochten sich besonders gerne in solch einem Klima bewegen. Der junge Mann ließ es sich nicht nehmen, seinen längeren Bogen zu entsiegeln und mit einigen Handgriffen einsatzbereit zu machen. "Glaube nicht, dass sich ein Tier auf die Weide traut, selbst wenn es Hunger hat. Die Hunde und wir sollten genug sein." Seine Teampartnerin würde aber die Reaktionen der Hütehunde ein wenig besser einschätzen können als er, wenn er das so richtig gedeutet hatte. "Wir sollten nachschauen. Gehen wir zusammen und nehmen einen Hund mit?", fragte er - und überließ tatsächlich Akiko die Entscheidung. Vielleicht mochte sie ja auch lieber hierbleiben und auf die Herde aufpassen - oder anders herum. Ihm war es prinzipiell gleich. Schnell zählte er die Schafherde noch einmal durch. "Vierzig... einundvierzig..." Seine Augen weiteten sich ein wenig. "Eines fehlt." Die Feststellung klang sicherer, als er war. Sein Brustkorb zog sich ein wenig zusammen. Hatte er erneut einen krassen Fehler gemacht und aufgrund von Unachtsamkeit seine Mission gefährdet? Seine Augen huschten über die Weide, und tatsächlich - tiefer am Hang tapste ein jüngeres Schaf, fast noch ein Lamm, durch das grüne Gras und verschwand immer mal wieder hinter den Erdhügeln, die die Heide so uneben machten. Es war halt auch ein Hang mit Überhängen. Raku wurde unruhig. "Nara-san, das Lamm zuerst", stellte er fest und ging in dessen Richtung. Vielleicht war es seine schnelle Bewegung gewesen, aber es kam ein wenig Unruhe in die Herde, und die Hunde fingen an, schwer zu arbeiten - und die Schäfer wieder zusammenzutreiben. Das Kleine weiter unten am Hang aber bewegte sich von ihnen weg - in Richtung des Waldstückes. Schlechter Scherz.​
 

Nara Akiko

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Da war es! Das war der Gesichtsausdruck, auf den Akiko gewartet hatte. Das Schmunzeln in Rakus Gesicht, als er zufrieden sah, wie gut ihr der Mantel passte. Das war Ehrlichkeit, ganz ohne Maske. Ein kleiner Moment, in dem Raku sich offenbar nicht im Zwiespalt mit irgendwelchen Erwartungen und Ansprüchen sah oder womit auch immer er sich herumplagte: Er freute sich schlicht und ergreifend, dass seine Handwerkskunst so ankam, wie sie es nun mal tat: Äußerst passend in vielerlei Hinsicht.
Und dann, gerade als Akiko so hochkonzentriert und angespannt war wie den ganzen Tag noch nicht, hörte sie doch tatsächlich so etwas wie „Humor“ aus dem jungen Mann herauspurzeln? Beinahe hätte sie ihn entgeistert und amüsiert zugleich angesehen, aber dafür war in ihren Augen die Lage einfach zu ernst. Trotzdem verbuchte sie es als Erfolg, dass sich Raku plötzlich so gelöst verhielt. Keine zwischen den Zähnen hervorgestoßenen Worte mehr, keine abgehackten, stakkatoähnlichen Antworten. Das hier war wie ein Flow im Yoga - es kam einfach so aus ihm heraus, ohne vorher durch irgendwelche Windungen und über irgendwelche Hürden gegangen zu sein. Es verwunderte Akiko, wie sehr sie dieses Verhalten freute. In letzter Zeit hatte sie immer öfter bemerkt, dass Menschen sich in ihrer Gegenwart so verhielten: Vorsichtig, beinahe scheu und dann, plötzlich, öffneten sie sich und zeigten sich. Natürlich wusste sie, dass sie auch bewusst Gespräche so lenkte und steuerte, dass die Menschen sich in ihrer Gegenwart wohlfühlten - doch sie war keine Psychologin. Beim besten Willen nicht. Und aus irgendeinem Grund erfreute es sie bei Raku besonders, dass er sich öffnete.

Die junge Nara bemerkte es nicht, aber ihr stand leicht der Mund offen, während Raku an seiner Augenklappe herumnestelte. „Jetzt offenbart sich wohl doch sein geheimes Kekkei-Genkai“, dachte sie ehrfürchtig und hielt die Luft an, so gespannt war sie. Als sie dann jedoch ein strahlend grünes Auge erblickte, das genauso aussah wie Rakus anderes, verzog sich ihr offener Mund zu einem stummen Lachen. Die Wölbung der Linse sagte ihr, dass Raku wohl so etwas wie ein Fernglas in seiner Augenklappe verborgen hielt. Plötzlich wirkte er nur noch halb so mystisch auf sie, wie er es zuerst getan hatte, aber dafür im Gegenzug wesentlich nahbarer. „Ganz schön exzentrisch… und praktisch“, kommentierte sie scherzhaft und grinste breit. Dann wandte sie sich jedoch sofort wieder der Herde zu. Als Raku in Erwägung zog, dass es sich möglicherweise um einen Bären handelte, wurde ihr etwas mulmig in der Magengegend. Wenn sie es hier mit einem ausgewachsenen Braunbären zu tun hätten, die für gewöhnlich aber in den Wäldern weiter westlich herumstromerten, dann wollte sie ungern eine Auseinandersetzung riskieren. Seinen Vorschlag nachschauen zu gehen und einen Hund mitzunehmen nickte sie ab. Halb zu sich selbst und halb zu ihm sagte sie: „Das Problem ist der Regen und der Westwind… die Hunde würden ein Wildtier gerade nicht wittern können“. Sie realisierte erst, dass Raku die Schafe zählte, als er bei „einundvierzig“ angekommen war. „Scheiße“, kommentierte sie, blieb jedoch ruhig und suchte die Hänge konzentriert nach dem fehlenden Schaf ab. „Das alles nur, weil deine Augen mich so abgelenkt haben“, murmelte sie, mehr wütend auf sich selbst. „Ähh“ - in ihrem Kopf entstand kurz ein kleines, leeres Vakuum, ehe sie realisierte, was sie gerade gesagt hatte. „Äh ich meine… egal, da ist es!“. Raku hatte das Lamm längst entdeckt und lief bereits darauf zu, was Akiko entgangen war. „Man, das sieht dir gar nicht ähnlich… konzentrier dich!“, rief sie sich selbst zur Ordnung.

Auf dem Weg den Hang hinab pfiff Akiko einmal durch die Zähne, zwischen die sie ihre Finger gelegt hatte, so wie sie es auch schon am Stall der Herde gemacht hatte. Sofort zuckten die Ohren der drei Hunde und der nächste trottete auf sie zu, nachdem sie sich gegen den Oberschenkel geklopft hatte. Sie hatte keine Ahnung, auf was für Kommandos die drei hörten, aber scheinbar raffte der Hund, dass er zu ihr kommen sollte (oder er erwartete mehr von dem leckeren Trockenfleisch). „Das ist doch nicht sein Ernst“, kommentierte Akiko halb genervt, halb angespannt die kleinen Hüpfer, die das Lamm in Richtung Waldrand machte. Obwohl ein marodes Gatter den Wald von der Weide trennte, würde das Lamm ohne Probleme unter der untersten Strebe her huschen können, wenn es das wollte. Jetzt erst realisierte Akiko, dass Raku einen Bogen entsiegelt und in die Hand genommen hatte. Na so hatten sie dem Bären immerhin etwas entgegen zu setzen. Ihre Techniken würden hier wirklich nicht weiterhelfen.

Das Lamm blieb stehen, als es mit dem Kopf gegen das Holz des Gatters stieß. Offenbar verwirrt blieb es stehen und gab ein Blöken von sich. Der Hund, der zwischen Akiko und Raku lief, begann plötzlich zu bellen, lief zu dem Lamm hin und knurrte dann in Richtung Wald. „Raku…“, sagte Akiko und ihre Stimme zitterte. Man sie hatte echt keinen Bock auf einen wilden Bären, wirklich nicht. Zur Sicherheit formte sie einige Fingerzeichen und sammelte ihr Chakra - sie bereitete ihr Kagemane no Jutsu vor. Vielleicht konnte sie den Bären damit zumindest davon abhalten das Lamm zu reißen. Aber würde sich das Tier überhaupt aus dem dichten Gebüsch wagen, derart nah an einem wütenden Hund und zwei Menschen? „Ich…“, sie wollte sagen „ich trau mich nicht“, aber brachte es nicht über sich das zuzugeben. „Kannst du das Lamm holen?“ - denn das machte keinerlei Anstalten sich zu bewegen, obwohl der Hund mittlerweile zu ihm gelaufen war und es vom Gatter wegzudrängen versuchte. Das Lamm aber tapste nur ungeschickt von links nach rechts, blökte hin und wieder und verhielt sich auch ansonsten eher dümmlich. „Vielleicht hat’s ne Behinderung“, dachte Akiko und seufzte innerlich.
 

Manako Raku

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Raku hätte sich selbst niemals als exzentrisch bezeichnet, aber jetzt wo Akiko es sagte... ja, vielleicht war es das ja wirklich. So hatte er nie darüber nachgedacht, es hatte einfach immer zwei Zwecke erfüllt und irgendwie hatte es sich so eingebürgert. Einerseits hatte er so immer ein wichtiges Werkzeug für die Jagd dabei, andererseits war es eine gute Übung, immer mal wieder das Auge zu wechseln, welches hinter der Augenklappe verborgen wurde. Direkt eingehen auf ihre Aussage tat der junge Mann allerdings doch nicht mehr. So ganz sicher, warum er eben diese Anmerkung gemacht hatte, war er selbst nicht, und jetzt mochte er sich lieber wieder auf den Auftrag konzentrieren. Immerhin gab es hier offenbar wirklich ein wenig feinliche Faune zu beachten. Raku machte ein zustimmendes Geräusch. Die Hunde waren ja auch nur die halbe Miete, man konnte nicht verlangen dass die Tiere alles von alleine machten - vor allen Dingen, wenn sie alle Pfoten mit den Schafen zu tun hatten. Man konnte schon sagen, dass Raku ein Fan von Arbeitsteilung, auch von fairer Arbeitsteilung, war. Es tat ihm allerdings Leid, dass er sie abgelenkt hatte... vielleicht hätte er nicht so sehr mit seiner kleinen Gerätschaft angeben und es einfach klar auf den Tisch klatschen sollen. Diese Gedanken huschten ihm durch den Kopf, während sie beide in Richtung des Lammes pirschten. Je näher sie kamen, desto eher erschien das Lamm ein wenig verwirrt. Das verstärkte sich nur noch als es mit dem Kopf gegen die Begrenzung des Feldes stieß, tapste nach links und rechts. Aufmerksam wurde Raku allerdings mehr auf den Hund gemacht, oder besser: Er machte auf sich aufmerksam. Bellend und knurrend stellte er sich neben das Lamm, schaute in Richtung Wald. Dorther konnte man gerade nichts hören und auch nicht wirklich etwas sehen... Raku runzelte die Stirn. Das war schon ein wenig seltsam... er war sich sicher, dass dort etwas gewesen war. ​

Kurz irritiert schaute er zu Akiko. Irgendwie löste ihre Stimme etwas in ihm aus. Es war bisher sehr selten gewesen, dass Raku jemandem eine Emotion hatte ablesen können. Normalerweise war das nicht sein Steckenpferd - er war nicht dumm, aber eben auch nicht immer furchtbar aufmerksam oder sozialschlau. Die junge Frau aber war eindeutig ein wenig... erschüttert. Das war sehr selten. Bisher war das in seiner Karriere - soweit er das erinnern konnte - nicht vorgekommen. Die meisten Ninja gaben sich furchtlos, mutig, unerschrocken. Und er war ja selbst nicht besser, wenngleich das eher auf einem gewissen, etwas fehlendem Selbsterhaltungstrieb basierte. Sein Beschützerinstinkt, schon wieder seit einiger Zeit tief in ihm verborgen, wurde ein wenig geweckt. Es war nicht so, als würde er Akiko nicht zutrauen das Lamm nicht selbst zu holen. Raku hatte nur überhaupt kein Problem damit, ihr ein wenig Last von den Schultern zu nehmen... wie sie vorhin angemerkt hatte, war sie ja auch noch nicht lange Ninja. Auf früheren Streifzügen war er vor Bären so schnell davongelaufen, wie er konnte. Ein ausgewachsener, hungriger Bär war etwas, was auch ein Shinobi nicht gerne auf sich zurennen sah. Das Lamm machte jetzt irgendwie gar nichts mehr, es schien seinen Mut ein wenig verloren zu haben. Blök blök, das schaffte es... der Bogenschütze warf Akiko einen Blick zu, nickte. "Ja", antwortete er, atmete einmal durch. Er hatte keine Angst, er traute sich zu, einem Bären zu entwischen. Das Problem war dieses Lamm, welches das eigentliche Ziel war. Und es regnete noch immer. "Halt mir den Rücken frei", ergänzte der Manako und bewegte sich dann nach vorne - anders noch als zuvor. Er ging zwar noch, aber in so einer fließenden Bewegung, mit so wenig ruckartigen Bewegungen und so wenig Geräuschentwicklung, dass man meinen konnte, er schwebte über die Wiese. Wilde Tiere mochten keine ruckartigen Bewegungen, wusste Raku. Ein wenig wirkte es, als würde er sich statt durch Luft durch Wasser bewegen, ein Schatten in einem Mantel, der keine Geräusche verursachte. Schließlich war er neben dem Lamm angekommen, beugte sich zu dem Tier herunter und fragte sich, wie er es überhaupt anfassen sollte. Er sah, dass es ein wenig humpelte... möglicherweise hatte es sich ja am Fuß verletzt? Sein Blick huschte über die Szenerie vor sich - ein verregneter Waldabschnitt, und sonst nichts. Oder? ​

Plötzlich blökte das Lamm auf, und stellte sich an, wegzuhoppeln. Raku bewegte sich sehr, sehr schnell, schnappte sich das Tier und hob es auf seine Arme, um es zu sichern. Der Hund fing wieder an zu knurren, doch da war auch ein anderes Geräusch. Ein tiefes, grummelndes Schnaufen. Aus dem Regen und dem Wald vor dem Genin schälte sich ein dunkel gefärbter Bär. Bedrohlich stand er da, bewegte sich nur sehr langsam, tat fast so, als würde er sich nicht für Raku und das Lamm interessieren - dabei, so wusste der Bogenschütze, war das nur eine ganz normale Verhaltensweise für Bären. Er näherte sich bestätig. Ganz langsam wich Raku zurück, behielt das große, pelzige Tier jenseits des Gatters im Auge. Es folgte langsam, schien sich von der Barriere aber erst einmal aufhalten zu lassen. Im Verhältnis zum Gatter wirkte der Bär nicht gewaltig, aber er musste eine Schulterhöhe von mindestens einen Meter fünfzig haben - Raku wollte sich nicht vorstellen, welche überwältigende Kraft im Körper dieses Kolosses steckte. Die kleinen Augen, wie schwarze Perlen, starrten den Hellhaarigen unentwegt an - bis er wieder bei Akiko ankam. Erst da merkte der junge Mann mit den grünen Augen, dass er den Atem angehalten hatte und seine Hände ein wenig schwitzten. Sein Herz klopfte mehr als gedacht. Der Bär zog sich zurück, langsam. Raku atmete, vollkommen unwillkürlich und von ihm selbst unbemerkt, erleichtert auf. "Er beobachtet uns", behauptete er leise zu Akiko gewand. "Wir müssen sehr achtsam sein beim Rückweg." Man hörte eine gewisse Nachdenklichkeit in seiner Stimme. Wie konnten sie sicherstellen, dass das Lamm - und alle anderen Schafe - heil zum Stall kamen? "Planen wir das gut", murmelte er, hielt das Lamm ein Stück vor sich. "Es scheint verletzt. Kannst du dir das ansehen? Vielleicht wittert er das." Er nickte zu dem Platz unter den Bäumen, wo der Rest der Herde in ihre Richtung starrte, sehr still mit einem Mal. "Ich trage es." Sein Bogen hing in seiner einen Hand, was sich als ein wenig hinderlich herausstellte. Während sie den Hügel hinaufgingen, bat er Akiko darum, seinen Bogen kurz zu nehmen, und sah dann ausdruckslos auf das Lamm in seinen Armen herab. "Ich jage, aber... ich war einem Bären sehr lange schon nicht mehr so nahe", sagte er. "Fast vergessen, wie furchterregend sie sein können."
 

Nara Akiko

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Akiko hätte niemals gedacht, dass sie einmal mehr Angst vor einem (potentiellen) gefährlichen Tier haben würde, als vor einem Menschen oder einer anderen Art von Gefahr, aber hier stand sie, die Finger zum Fingerzeichen „Ratte“ verschränkt und hatte Angst. Gleichzeitig, und sie wusste selbst nicht, wie genau sie dieses Gefühl parallel haben konnte, war es ihr entsetzlich unangenehm, dass Raku ihre Angst sehen konnte. Die meisten Ninja gaben sich unerschrocken und mutig, aber Akiko hatte wenig Talent darin ihre Angst zu verstecken. In sozialen Situationen versteckte sie sich einfach, mied die Situation, dann konnte auch niemand ihre Angst sehen. Wer einem Bären gegenüberstand und ein kleines, verirrtes und vermutlich verletztes Schaf retten musste, der konnte sich schwerlich verstecken. Also ging es jetzt ums Mutigsein und Raku war zum Glück wesentlich mutiger, als sie es in der Situation war. Der Regen erschwerte ihr zwar die Sicht ein wenig, weil er auf ihrer Brille große Tropfen bildete, aber dennoch konnte sie noch alles sehen, was vor sich ging. Leise und lautlos wie eine Wildkatze auf der Pirsch schlich Raku sich an das Lämmchen an und Akiko erwischte sich dabei, wie sie die Luft anhielt. „Atmen, Akiko, du musst atmen“, ermahnte sie sich selbst und beruhigte sich mit dem Kommen und Gehen ihrer Atemzüge so gut sie es eben konnte. Als Raku sich das Lamm schnappen musste erinnerte er Akiko einmal mehr an eine Wildkatze auf der Jagd - mit dem Unterschied, dass es dieses Lamm heute nicht zum Abendessen geben würde. Akikos Augen huschten zum Wald - den Bruchteil einer Sekunde bevor der Hund begann zu bellen und ein Grummeln aus dem Unterholz zu hören war. Der Bär, der sich aus dem Schatten löste, war kleiner, als sie befürchtet hatte, wenngleich nicht weniger furchteinflößend. Akiko erkannte, dass ihre Angst deshalb so groß war, weil Tiere so unberechenbar waren. Insbesondere Wildtiere. Die Verletzung des Lammes, die Raku erwähnte, erklärte zumindest, warum hier überhaupt ein Bär aufgekreuzt war. Seltsamerweise wurde sie nun ruhiger, da sie dem Bären gegenüberstand. Sie vermied es ihm in die Augen zu sehen und rührte sich nicht. Sie wartete, bis der Bär sie wahrgenommen hatte, dann noch ein paar Sekunden und dann ging sie langsam zurück - die Hände noch immer verschränkt. „Ich hab noch nie einen gesehen“, sagte Akiko leise. Ihre Augen glänzten und sie war selbst überrascht, wie wenig ängstlich und wie sehr fasziniert ihre Stimme klang. „Ein Bär, ein echter Braunbär“, sagte sie zu sich selbst und konnte den Blick kaum losreißen.

„Wir müssen sehr achtsam sein beim Rückweg“, hörte sie Raku sagen, der sie aus ihren Gedanken riss. Ein wenig schneller und zielstrebiger ging sie nun rückwärts und tastete mit den Füßen vorsichtig über die Wiese, die allmählich wirklich nass wurde. Der Bär zog sich seinerseits zurück und wirkte dabei etwas wie ein Spaziergänger, der sich nur kurz verlaufen hatte. Er sah sich um, schwenkte den Kopf und trottete dann dahin zurück, woher er gekommen war. Noch einige Schritte ging Akiko rückwärts, dann dreht sie sich um, um mit Raku und dem Lamm mithalten zu können. Schweigend nahm Akiko ihm den Bogen ab, als er sie darum bat. Gedankenverloren ließ sie die Finger über den Griff des Bogens streichen ohne hinzuschauen. Das Gefühl des glatten Holzes unter ihren Fingern beruhigte sie. „Ich kenn mich mit Verletzungen nicht aus…“, gab Akiko leise sprechend zu, aus Angst der Bär könne noch einmal umdrehen und ihnen folgen. Doch alles was zu hören war, war das Prasseln des Regens auf ihren Köpfen. Akiko war nun wirklich froh um den Mantel, den Raku ihr gegeben hatte. Sie zog ihn enger um sich und verschloss ihn fest, weil sie mit einem Mal fröstelte. „Klar, das Adrenalin lässt nach“, erklärte sie es sich selbst. „Wirklich furchterregend… aber auch wunderschön“, ergänzte Akiko Rakus Aussage.

Nahe beim Rest der Herde hielten sie inne. Der Hund, den sie nutzloserweise mitgenommen hatte, kläffte einige Male hier und dort und trieb die Schafe wieder etwas enger zusammen. „Lass mal schauen“, bat sie Raku, der noch immer das Lamm trug. Sie ließ sich auf alle Vieren unter einem Baum nieder und bat Raku, das Lamm festzuhalten, während sie sich den Huf ansah, der blutete. „Das Vieh hat einen Splitter im Huf“, sagte sie. Mit geübtem Griff holte sie ein Kunai aus ihrer Gürteltasche und hielt mit der rechten Hand den Huf fest. Mit dem Daumen und der Schneide des Kunais holt sie einen langen Holzsplitter aus dem Huf des Lamms und betrachtete ihn nachdenklich. „Könnte vom Zaun sein“, meinte sie, war sich aber nicht sicher. Wie es sich für eine brave Kunoichi gehörte hatte sie ein Erste-Hilfe-Kit im Rucksack, das natürlich eher für Menschen denn für Tiere gedacht war. „Ich mach einfach einen Verband drum, dann soll Nobu sich das ansehen“, erklärte sie und begann mit der Prozedur. Sie hatte ruhige Hände und einen sehr konzentrierten Blick bei dem, was sie tat. Obwohl sie noch nicht oft Verbände angelegt hatte, sah dieser wirklich sehr gut aus und wurde am Ende fest verknotet, damit er nicht flöten ging. Akiko schob sich die Brille wieder auf die Nase und blickte zu Raku auf. Dank des Mantels war sie trotz des Kniens auf der nassen Erde trocken geblieben. Durch die regenverdeckten Gläser lächelte sie ihn an und sagte nichts. Dann fiel ihr ein, dass sie seinen Bogen beim Hinknien neben sich gelegt hatte und sie gab ihm das Ding eilig zurück. „Hier“, sagte sie. „Du kannst das Lamm jetzt loslassen denke ich“, fügte sie hinzu, denn das Lamm hatte wieder angefangen zu Blöken. Mit einem weiteren Blick auf Rakus Bogen sagte sie: „Eine wirklich schöne Waffe. Ich hab noch nie mit etwas anderem außer mit Kunai und Shuriken gekämpft“. Der Gedanke machte sie etwas nachdenklich. Vielleicht sollte sie sich auch eine Waffe zulegen?

Der Himmel war mittlerweile wirklich dunkel geworden und die Schafsherde, die Akiko in der Zwischenzeit mehrere Male durchgezählt hatte, versammelte sich unter den vereinzelt stehenden Bäumen. Wenn es nach ihr ginge könnten sie langsam mal den Rückweg antreten, aber der Nachmittag war noch nicht ganz vorüber und Nobu würde sie wohl erst bei Sonnenuntergang zurück erwarten.
 
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