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Gebirge Haome

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Verzweifelt half die Hinketsu bei der Suche nach ihrem Auftraggeber. Die beiden suchten die Umgebung gründlich ab, aber nichtsdestotrotz fanden sie ihn nicht. Wie sollte es also weitergehen? Sollten die beiden ohne ihren Auftraggeber wieder nach Hause zurückkehren? Was würde die Dorfverwaltung zu ihnen sagen? Würden sie nie wieder auf eine Mission gehen dürfen? All diese Fragen… wurden in der nächsten Sekunde weggewischt. Oita kam auf die Idee, nach Baika zu rufen, der sich auch sofort blicken ließ. Mit verdutztem Blick und einem Strauch in der Hand, stand er da, so wie ein kleines Kind, das sich keiner Schuld bewusst war. Aber bevor sich Aryane dem kleinen Kind widmen konnte, schnellte sie zu Oita rüber, der gerade so erschrocken wurde, dass er beinahe die Klippe runtergestürzt wäre, hätte die 18-Jährige nicht nach seinem Arm gegriffen hätte, um ihn festzuhalten. Obwohl der 14-Jährige nicht gerade schwer war, war sie dennoch überrascht, wie sehr sie von seinem Gewicht ebenfalls runtergezogen wurde. Nichtsdestotrotz konnte sie ihren Stand festigen und ihren Teamleiter wieder sicher auf den Boden der Tatsachen bringen. Danach lauschten die beiden den Ausführungen von Baika, warum und wohin er gerade verschwunden ist. Für Aryane völlig unnachvollziehbar, da dieser Strauch überhaupt keine Priorität hatte und sie schließlich für die Liebesblume auf diesen Berg stiegen. Die Frage, ob das die gesuchte Blume war, war durchaus berechtigt, fand Aryane. Dahingegen fand sie es echt gemein, wie Baika auf die Frage entgegnete. Abermals wurde die Hinketsu abgeschnitten, bevor sie etwas dazu sagen konnte – was wahrscheinlich auch besser so war – und Oita übernahm kurzerhand die Kontrolle über Baika, indem er diesem ein Seil um die Hüfte band. Gute Idee, so konnte er nicht mehr einfach so weglaufen. Ein Kichern entfuhr ihr, als Oita sein Handeln erklärte. Danach setzten die drei ihren Aufstieg wieder fort, wobei sich die beiden Ninja im Hintergrund hielten und Baika den Vortritt überließen.

„Das ist eine sehr gute Idee. Ich sehe schon, du lernst dazu. Gut, dass du dir das von dem Job gemerkt hast. Und nein, da hast du nichts falsch gemacht. Wenn wir es verhindern können, dass er sich selbst in Gefahr begibt, dann müssen wir das eben machen.“, antwortete sie und lächelte Oita dabei an. Um ehrlich zu sein, kam sie selbst gar nicht auf die Idee, ihr Blut auf Baika zu übertragen, sodass sie diesen jederzeit aufspüren konnte. Sie war begeistert, wie sehr der 14-Jährige schon mitdachte, wenn man sein Alter bedachte. Jetzt war es allerdings an ihr, mal etwas Kreativität in die Erziehung des kleinen Kindes vor ihnen einzubringen. Demnach schloss sie zu Baika auf – das unmittelbare Donnergrollen des aufziehenden Gewitters, hatte sie gar nicht bemerkt –, um diesen auf seinen vorherigen Ausflug anzusprechen: „Hey, Baika. Das vorhin… das muss doch gefährlich gewesen sein, oder nicht? Ich besitze die Fähigkeit, deine Wunden heilen zu können. Lass mich mal einen Blick drauf werfen.“ Bevor sich Baika allerdings wehren konnte, machte sich die Hinketsu schon auf Erkundungstour. Hierbei suchte sie ihn von oben nach unten ab, um schließlich am rechten Arm des Patienten fündig zu werden. „So, das wird jetzt nicht wehtun…“, kündigte sie an, ehe sie sich in den Daumen biss, damit dieser ein kleines Bisschen an Blut freigab. Dieses Blut träufelte sie auf die kleine, oberflächliche Schnittwunde von Baika, die dieser sich wahrscheinlich von den Dornen dieses Strauchs zugezogen hatte. Kurz wartete die Hinketsu, damit ihr Blut in den Kreislauf von Baika eindringen konnte, um nach wenigen Augenblicken das Akai Seppun wirken zu können. Hierfür nutzte sie das noch verbliebene Blut an ihrem aufgebissenen Daumen, um damit die Wunde in wenigen Sekunden wieder schließen zu können. Nach der getanen Arbeit, klatschte sie sich die Hände ab, lächelte ihren Patienten fröhlich an und ließ sich wieder zu Oita zurückfallen. Mit gesenkter Stimme, verkündete sie ihrem Teamleiter den erfolgreichen Abschluss ihres Vorhabens: „Alles klar, wenn alles funktioniert hat, dann kann ich ihn jetzt jederzeit aufspüren.“ Und ehe sie ihren Satz ausgesprochen hatte, prasselten auch schon die ersten Regentropfen auf die drei Wanderer hinab.
 
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„Alles klar, wenn alles funktioniert hat, dann kann ich ihn jetzt jederzeit aufspüren.“
Oita nickte seiner Begleiterin zu, bevor sich sein Blick wieder in den Rücken des Arbeitgebers der beiden bohrte. „Danke, echt.“
*Mit dem Seil und Aryanes Jutsu wird der uns sicher nicht mehr entkommen. Trotzdem…*
Geradezu paranoid fixierte der Genin den Mann mittleren Alters, welcher zwar weiterhin den Pfad hinauf ins Gebirge entlang schritt, aber dabei irgendwie weniger enthusiastisch wirkte als den bisherigen Rest des Tages. Hierfür wiederum war Oita einfach nur dankbar, anstatt die Baikas gedrückte Stimmung zu hinterfragen.
*Der Typ wirkt nicht so, als würde man ihm oft die Meinung sagen. Beneidenswert, aber für uns auch echt nervig…*
Noch immer fest auf Baika konzentriert hörte Oita abermals, wie ein tiefes Donnergrollen durch Haomes Täler rollte, und verzog das Gesicht. Der Himmel über den Köpfen der drei Wanderer war längst von einem tiefen, bleiernen Grau, während zwischen den Bergspitzen vor ihnen sogar deutlich das tiefe, durchdringende Schwarz einer fiesen Gewitterfront zu sehen war.
*Auch das noch, ugh!*
„Stopp!“
Wie bei einem Hund zog Oita etwas zu hart an dem Verbindungsseil zwischen sich und Baika, um gleich darauf seinen schweren Rucksack abzuwerfen, eilig darin herum zu wühlen und schließlich, als bereits die ersten Regentropfen auf das Trio niedergingen, ein Knäuel aus neonfarbenen Stoffen zutage zu fördern.
„Drei Regencapes, einmal für Baika-san…“, Oita warf Baika ein giftgrünes Jäckchen entgegen, das der sich etwas verdutzt und überraschend wortlos überstülpte, „…dann eines für mich…“, sagt’s und klemmte sich ein orangefarbenes Bündel unter den Arm, „…und einmal, ähm…“
Ein dicker Regentropfen traf Oitas Nasenspitze, wie er so die übrigen Mäntel anguckte und dann zu Aryane rübersah. „Ich hätte noch rot und blau, wenn du Interesse hast.“ Ein gequältes Grinsen huschte kurz über seine Lippen. „Ist nicht so dein Stil, denke ich, aber besser als nichts…?“
Doch so sehr sich Oita noch vor wenigen Stunden etwas darauf eingebildet hatte, auf alles vorbereitet zu sein, genau so wenig halfen die Capes, als das Gewitter so richtig loslegte. Mit jedem Schritt, den die drei tiefer ins Gebirge vordrangen, wurde der Regen stärker, doch natürlich war das nicht alles. Immer wieder, und besonders in immer kürzeren Abständen, zuckten helle Blitze über den Himmel über Haome, gefolgt von ohrenbetäubendem Donner. Und als wäre das nicht schlimm genug, zerrte der aufkommende Wind so extrem an den dreien, dass an die Fortsetzung ihres Aufstiegs eigentlich kaum zu denken war.
*Hier bleiben können wir aber auch nicht! Verdammte…*
„Da vorne!“
Baika, der seit das Gewitter in Fahrt gekommen war auf einer Höhe mit Oita und Aryane lief, meldete sich plötzlich und mit ernstem Ton zu Wort. „Ein paar Hundert Meter dürften es noch sein! Meinen Aufzeichnungen zufolge befindet sich irgendwo da vorne eine Hütte für Wanderer für exakt solche Notfälle!“
„Und warum hast du das nicht früher gesagt?!“, schrie Oita über eine besonders laute Windböe den Auftraggeber an, der erst eine Weile betreten dreinsah, bevor er zugab:
„Ich dachte nicht, dass es wichtig wäre…“
Oita beließ es bei einem schroffen Kopfschütteln, bevor er zu Aryane sah und brüllte: „Hast du gehört? Hütte! Ein paar Meter noch! Lass uns Tempo machen! Du voraus, dann Baika, ich mach die Nachhut!“

In diesem Gänsemarsch versuchte die Gruppe fortan, sich gegen den Wind, der ihr heulend um die Ohren blies, den Regen, der allen dreien wie Nadeln in die Gesichter stach, und die immer beschwerlichere Steigung des Wanderpfads anzukämpfen. Das klappte auch, größtenteils zumindest, denn hintereinander laufend hatte jeder von ihnen gut Platz, um sich mit aller Kraft den Weg hinauf zu hieven. Allerdings verlor man sich bei Wind und Regen auch leicht aus den Augen, und so kam es etwa auf halbem Weg zur Hütte so, wie es wohl kommen musste: Zwischen einer besonders lang anhaltenden Windböe und dem dröhnenden Widerhall eines ausgesprochen monströsen Donnerschlags suchte und fand Baika die Aufmerksamkeit von Aryane und zeigte ihr wortlos das Seil, das sich um seine Hüfte schlang und nach etwa einem Meter einfach… aufhörte.
 
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„Ähm, ich nehme den gerne, wenn ich nicht nass werde.“, meinte sie und schnappte sich das rotblaue Regencape, um sich das sofort überzuwerfen, ehe ihre komplette Montur noch nasser werden konnte. Sie warf sich die Kapuze über den Kopf und zog diese zusammen, sodass der Regen nicht in ihre Augen gelangen konnte. Aber nichtsdestotrotz halfen die Capes nicht gerade viel, da der Regen tatsächlich immer stärker wurde. Die Regentropfen, die ins Gesicht gelangten, fühlten sich wie kleine Nadeln an, die sich in den Körper zu bohren versuchten. Noch nie in ihrem Leben hatte die Hinketsu so ein heftiges Gewitter miterlebt, geschweige denn darin gewandert. Die Tatsache, dass laut Baika eine kleine Hütte in der Nähe war, ließ Hoffnung in der 18-Jährigen aufkeimen. Sie wollte so schnell wie möglich zu dieser Hütte gelangen, woraufhin sie zunächst all ihre Kraft zusammennahm und die Führung der Dreierkonstellation bildete. Und so gingen die drei auch einige Zeit weiter; mit vereinten Kräften, trieben sie sich gegenseitig immer weiter an. Der Wind und der immer stärker werdende Regen, zerrte an den letzten Kraftreserven, aber dennoch ging es immer weiter – Schritt für Schritt. Trotzdem war es schwer, den Weg zu erkennen, da der Regen die Sicht immer weiter trübte. Um dem entgegenzuwirken, versuchte die 18-Jährige, die ankommenden Regentropfen mittels ihrer beiden Arme irgendwie von ihrem Gesicht abzuschirmen, indem sie sie schützend davorhielt. Anfangs half das auch ein wenig, aber zugegebenermaßen war das eher ein Placebo, der ihr noch den letzten Funken an Hoffnung bescherte.

Getragen von ihrer Hoffnung und letzten Kraftreserve, bemerkte sie zunächst gar nicht, dass Baika nach ihrer Aufmerksamkeit suchte. Erst nachdem sie fast gestolpert war, als sie in ein Schlagloch am Boden trat, warf sie einen Blick über ihre Schulter. Hinter ihr konnte sie Baika erkennen, der ihr wortlos das abgerissene Seil präsentierte. Als sie realisierte, was er ihr damit zeigen wollte, weiteten sich ihre Augen unnormal weit und blankes Entsetzen stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Da-das… heilige Scheiße.“, entglitt es ihren Lippen. Ratlos stand sie da, nicht wissend, wie sie jetzt verfahren sollte. Naheliegend war es ja, nach ihrem Teamleiter zu suchen, aber sie war wie angewurzelt und konnte sich nicht bewegen. Erste Gedanken kreisten in ihrem Kopf herum. War er jetzt tot? Konnte sie ihn wirklich retten… bei diesem Wetter? Wider Erwarten, war es Baika, der die Hinketsu aus ihren Gedanken riss und sie wie wild schüttelte und anschrie. Nichtssagendes Blinzeln stellte ihre Antwort dar, ehe sie einen Moment später wieder in die Realität zurückkehrte. Als Baika das bemerkt hatte, ließ er von ihr ab. „Baika… danke. Wir müssen Oita finden, oder nein, ICH muss Oita finden. Du gehst den Weg weiter zur Hütte und ich suche ihn. Alleine bin ich viel schneller und du musst dich nicht unnötig in Gefahr begeben. Los jetzt, was stehst du da noch rum?!“, brüllte sie ihn an. Als sie sich vergewissert hatte, dass Baika seinen Weg zur Hütte fortsetzte, drehte sich Aryane um und begann mit der Suche nach Oita. Immer wieder rief sie seinen Namen, in der Hoffnung, dass er sie hören konnte. Die Wassermassen, die ihr entgegenkamen, zogen haufenweise Matsch mit sich und sie musste aufpassen, nicht auch davon mitgerissen zu werden. Mittels des Kinobori versuchte sie weiterhin am Boden haften zu bleiben. Sie untersuchte jede Klippe, jeden Vorsprung, alles woran er sich hätte festhalten können…. aber sie fand ihn nicht. „OIIITAAAA?! WO BIST DU?“, brüllte sie – gefühlt brüllte sie dabei ihre Lunge mit hinaus – und allmählich stieg Angst in ihr auf. Aber da, als sie schon kurz vorm Durchdrehen war, konnte sie einen leisen Hilferuf erhaschen. Schnell versuchte sie den Ursprung des Rufs auszumachen, was sich aber als schwierig herausstellen sollte. Hoffentlich schaffte sie es noch rechtzeitig zu ihrem Partner zu gelangen…
 
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Einige Minuten zuvor…

*Blöder Mist, blöder!*
Den linken Arm schützend vors Gesicht haltend, fuhr Oita mit der rechten Hand haltsuchend die glitschige Felswand neben sich entlang, während er quasi blind dem Zug des Seils folgte, das ihn mit Auftraggeber Baika und dadurch vielleicht auch mit Aryane verband, die als Vorhut hoffentlich mehr sah als ihr klitschnasser Anführer.
*Und was für einen schönen Anführer ich abgebe!*
Oita stolperte leicht, zum etwa zweidutzendsten Mal seit Anbruch des Gewitters, und verfluchte dabei leise dieses verdammte Wetter, diesen blöden Weg, seinen bescheuerten Auftraggeber und zu guter Letzt sich selbst.
*Ich hätte es bei Jobs belassen sollen! Für ne Mission war’s viel zu früh! Ich hätte mindestens noch ein oder zwei Einsätze gebraucht… Wobei ich ja net mal eine Wahl hatte! Es ist die Dorfleitung, ja, die hat Mist gebaut!*
Eine besonders freche Windböe fegte Oita die Kapuze vom Kopf, und nur mit Mühe und nachdem seine Haare bereits einen gewaltigen Schwall Regenwasser abbekommen hatten, der ihm alsbald fies den Rücken herunter floss, schaffte er es sie sich wieder überzuziehen.
*Und das alles bloß wegen einer blöden Blume! Will mir doch echt keiner erzählen, dass Ninjas für sowas ausgebildet werden! Werden sie nämlich nicht! Ich hab zwar viel geschwänzt, aber ich könnt mich sicher dran erinnern, wenn mieses Wetter mal in der Akademie besprochen worden wäre!
Und da wir schon bei Verarsche sind: Wo zum Teufel ist jetzt eigentlich diese verblödete Hütte?!*

Oita hob den Kopf, um vielleicht, ganz vielleicht einen Blick auf die vermutlich windschiefe Bretterbude zu werfen, die trotz allem sicherlich besser sein würde als das Gewitter im Freien aussitzen zu müssen, doch natürlich sah er nicht nur nichts, nein, genau in diesem Moment spuckte ihm der Regen regelrecht ins Gesicht und klatschte ihm einen Eimer eisiges Wasser mitten in die Visage.
„Argh!“ *prust* „Verdammter…! Ukh… Mist!“
Oita hustete und prustete, um das Wasser, von dem kein geringer Teil seinen Weg direkt in die klapprige Lunge des Jungen gefunden hatte, irgendwie aus seinem sowie schon angeschlagenen Körper zu vertreiben.
*Auch… das noch…! Wenn dieser Mist so… so weitergeht…*
Den linken Arm noch immer vors Gesicht haltend keuchte Oita hilflos in seine Armbeuge, folgte geistesabwesend dem Zug des Seils um seine Hüfte, und sah das Gebirge um sich herum bloß in durch heftiges gegen den Wind Anblinzeln und hin und wieder grell zuckende Blitze zerhackte Einzelbilder. Naturgemäß schaute er dabei hauptsächlich nach unten links, knapp an seinem Arm vorbei, auf den Rand des steilen Wanderpfads.
*…dann können wir froh sein, wenn wir überhaupt wieder gesund nach Hause finden! Diese mistige Blume ist echt… echt…*
All die Zeit über hatte Oita dabei nichts anderes gesehen als den zackigen Rand des schmalen Wanderpfads, jenseits dessen die klaffende Dunkelheit einer tiefen, tiefen Schlucht lauerte. Doch dann, in einem einzelnen, flüchtigen Moment, war da etwas anderes. Etwas kleines, helles, zartes.
*Echt… unser kleinstes… Problem?*
Vom Seil gezogen stolperte Oita vorwärts, doch der Blitz hatte das wundervolle Bild wortwörtlich in sein Gedächtnis gebrannt. Denn was der Knabe eben am Wegesrand gesehen hatte war…
„Die blöde Blume!“
Kurz ploppte ein breites Grinsen auf Oitas Gesicht auf, bevor ein abermaliges Zerren am Seil ihn noch ein Stückchen nach vorne trieb.
„Mist!“
Oita senkte den Arm, schielte das Seil entlang in die Dunkelheit, doch da war nur Regen und noch mehr Regen, der ihm böse in die Augen stach. Rasch vergrub der Junge sein Gesicht wieder in der Armbeuge und schrie stattdessen: „Stopp! Halt! Mist, Baika, Mensch, HALT!“ Doch natürlich hörte der ihn nicht. Ohne zu denken stolperte Oita ein paar hastige Schritte nach vorne. *Wenn ich ihn einhole, kann ich ihm Bescheid geben!* Doch ein Blick zum Wegesrand, an dem Wind und Regen genauso heftig zerrten wie an den drei Wanderern, ließ Oita zweifeln.
*Was, wenn das Ding weg ist, bis ich ihn eingeholt hab? Nein, nein, das wäre arges Pech. So wie das, das uns den ganzen Tag schon verfolgt. Mist… Aber halt, nein, diese einzelne Blume ist es nicht wert. Baika hat gesagt, dass es dort, wo er uns hinführen will, jede Menge von diesen Dingern gibt. Genauso wie er gesagt hat, dass das Wetter schön bleiben wird. Doppelt Mist…!*
Unglücklich schüttelte Oita letztlich den Kopf, riss sich eines der vielen Kunai aus der Tasche an seinem Bein, und durchschnitt mit einem Hieb das Seil, das sich zwischen Baika und ihm eben noch gespannt hatte. Dann setzte er seinen riesigen Rucksack ab und machte kehrt.
*Pippi drauf. Der Spatz in der Hand is besser als sie Taube auf dem Dach, lieber heute das Ei als morgen die Henne, und noch irgendein drittes Sprichwort! Jetzt wird die Mission gerettet!*

„OIIITAAAA?! WO BIST DU?“
Kaum hatte Aryane gegen den Regen nach ihrem Teamleiter geschrien, da entdeckte sie Oita auch schon in einer etwas… irreführenden Haltung. Als sie den Knaben nämlich fand, lag der bäuchlings auf dem Boden, mitten auf dem Wanderpfad, den sie hinaufgestapft waren. Ein erster Schock, dass Oita vielleicht bewusstlos war – oder schlimmer – mag sich allerdings gelegt haben, als er den Kopf hob, Aryane angrinste, sich auf den Rücken drehte und dabei die einzelne Blume vorzeigte, die er zu schützen versucht hatte.
Eine einzelne Blume im Übrigens, die sich bei genauerem Hinsehen als ein kleines, zartes Ding entpuppte, das der eigentlichen Liebesblume nur zum Verwechseln ähnlich sah, aber eben keine war...
Oita, der genau das wohl auch schon bemerkt hatte, rief seiner Partnerin schließlich zu: „Die ist für dich! Könntest du mir im Gegenzug zur Hütte helfen? Irgendwie will mein Körper grad nicht so ganz, wie ich will…!“
Womit Oitas Arm auch schon zur Seite klappte und der Junge kraftlos liegen blieb. Ansprechbar war er zwar noch, und ein bisschen stehen konnte er gerade so ebenfalls, doch in gutem Zustand war Oita nun wirklich längst nicht mehr.
 
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Kaum hatte die 18-Jährige nach ihrem Begleiter gerufen, fand sie ihn auch schon in einer äußerst ungewöhnlichen Haltung vor, die man nicht alle Tage sah, wenn man nicht gerade schmutzigen Gedanken nachging. Obgleich es wie aus Eimern regnete, hielt sie kurz inne, um verdutzt und erstaunt zugleich, dieses Schauspiel zu begutachten. Als Oita ihr diese Blume überreichen wollte, die einer Liebesblume tatsächlich sehr ähnlich sah – das hatte sie kurz innerlich aufhüpfen lassen, aber große Enttäuschung übermannte sie schließlich – wurde sie aus ihrem Staunen herausgerissen und in die Realität zurückgeholt. Seiner Bitte kam sie klarerweise nach und sie half ihm dabei, wieder auf zwei Beinen zu stehen. Danach warf sie sich seinen linken Arm um die Schultern und stützte ihn damit weitestgehend beim Gehen ab. Schleppend kamen die beiden voran, was nicht nur an Oitas Kraftlosigkeit lag, sondern auch an den sehr ungünstigen Wetterbedingungen, die ein Vorankommen sehr erschwerten. Dennoch konnten sich beide Ninjas durch den Regen kämpfen und zur sicheren Berghütte gelangen. Als sie nur wenige Meter von der Tür entfernt waren, riss Baika diese schon auf und unterstützte Aryane dabei, den erschöpften Oita in die Hütte zu bringen, wo er sich schließlich auf ein Bett legen konnte. Endlich in Sicherheit, warf Aryane ihren nassen Regenponcho ab, ehe sie noch krank wurde. Enttäuscht musste sie feststellen, dass auch der Rest ihrer Kleidung komplett durchnässt war. Zum Glück hatte sie Ersatzkleidung in ihrem Rucksack, aber das Umziehen… war schwieriger als gedacht. Die Hütte war klein, wirklich sehr klein, und bot keinen eigenen Raum, in den sie kurz entschwinden konnte, um sich umzuziehen. Das brachte sie in eine Zwickmühle, denn sie war nicht gerade ein Fan von der Idee, sich vor den beiden Männern umzuziehen. Trotzdem sollte sie ihre nassen Klamotten wechseln, denn schließlich wollte sie nicht krank werden… was für eine beschissene Situation. Naja, das konnte vorerst aber warten, denn bevor sie sich und alle Anwesenden in eine peinliche Situation bringen wollte, fragte sie bei Oita nach, wie es ihm jetzt geht: „Na, du schießt den Vogel auch immer ab, was? Auf dem Schiff und jetzt hier… was hast du dir dabei gedacht? Mach das nie wieder! Wir haben uns Sorgen um dich gemacht…“ Eigentlich wollte sie dabei nicht so gebieterisch wirken, wie es vielleicht den Anschein machte, aber anders konnte sie ihren Emotionen gerade nicht freien Lauf lassen. Was für ein Teufelskerl…

Wie dem auch sei, ihm schien es vorerst gut zu gehen. Jetzt war es an der Zeit, die Kleidung zu wechseln… Bevor sie zu ihrem Rucksack ging und die frischen Klamotten rauskramte, fuhr sie sich durch die nassen Haare, um sie zu einem Pferdeschwanz zusammenzubinden. So störten sie nicht weiter und trockneten auch etwas schneller. Als sie nun die frischen Klamotten nach der Reihe aus dem Rucksack holte, begann sie die beiden Männer im Bunde vorzuwarnen: „Also, ähm, ich würde mich gerne umziehen wollen.“ Sie konnte nicht fortfahren, ohne rot im Gesicht anzulaufen. Was für eine peinliche Situation… Aber Baika hatte sofort verstanden und lockerte die Situation etwas auf, indem er sich sofort umdrehte. „Oh, kein Problem! Wir sehen einfach weg, oder nicht, Oita-san?“ Das lockerte die Hinketsu etwas auf. Um keine Zeit zu verschwenden, warf sie ihre nassen Klamotten ab und ihre trockenen gleich über – das hat nicht mal eine Minute gedauert. Als sie fertig war, wandte sie sich an die beiden: „Ich bin fertig, danke. Ihr könnt euch wieder umdrehen. Ich denke, dass wir das Unwetter hier ausharren sollten? Die Hütte scheint stabil zu sein und ich habe nicht gerade Lust, da nochmal rauszugehen. Was sagst du dazu, Oita?“
 
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Bei alledem, über das sich Oita den Kopf hätte zerbrechen können – inwieweit das fiese Wetter ihre Mission weiterhin bedrohen würde, ob er sich bei seiner dämlichen Blümchen-Aktion eine Erkältung eingefangen hatte, dass er sich schämen sollte, Aryane Sorgen bereitet zu haben – war es erstaunlich, dass sein erster Gedanke beim Anblick der Hütte der Folgende war:
*Baika hat sich mal net getäuscht… Wow.*
Dass sich Oita tatsächlich wenig Sorgen um beispielsweise seine Gesundheit machte, war teils der allgemeinen Sorglosigkeit des Jungen zu schulden, teils aber auch der Tatsache, dass es dem Knaben vergleichsweise – vergleichsweise! – gut ging. Er war durchgefroren, durchnässt und durch den Wind, aber sobald die Tür der Hütte hinter ihm zufiel und das Gewitter wortwörtlich ausgesperrt wurde, fühlte sich der Junge schon ein ganzes Stück besser.
*Wenn dieses Ding hier… Diese Hütte…*
Oita strauchelte leicht, während er sich umzusehen versuchte, und bekam gerade noch so einen einsamen Tisch zu fassen, an dem er sich aufrecht halten konnte. Für einen kurzen Moment verschwamm das staubige Innere der Hütte vor seinen Augen, dann war da aber auch schon Aryane, die ihn wortlos zum Bett führte.
„Mein Rucksack“, murmelte der Knabe dabei, bevor er sich geistesabwesend die nassen Klamotten vom Leib zu reißen begann. Im Gegensatz zu Aryane hatte der Junge offensichtlich keine Skrupel, sich vor versammelter Mannschaft bis auf den extra kleinen Oita zu entblättern. Zum Abschluss fuhr sich der Knabe noch mit dem am wenigsten nassen Stück seiner Kleidung, ausgerechnet der Unterhose, über Arme und Beine, um sich zumindest ein bisschen abzutrocknen.
Dann, endlich, gab Oita der Schwere seines Körpers nach und viel quer ins Bett… wo er sofort aufblühte wie eine Primel in der Sonne. Genüsslich wickelte er sich in die kratzige Decke, vergrub sein Gesicht im schal müffelnden Kissen und stieß einen freudigen Seufzer aus, als läge er im Himmelbett irgendeines Luxushotels.
Aryanes Rüffel nahm der Junge entsprechend entspannt entgegen; man könnte sogar sagen, dass er relativ unsensibel reagierte, als er lax antwortete: „Is doch nix passiert, hm?“ Gleiches galt für ihren Hinweis darauf, dass sie sich gleich umziehen würde. Den implizierten Vorwurf, er könne das Mädchen beim Entkleiden beobachten wollen, kommentierte Oita lediglich so: „Eh, kein Interesse.“ Und auch als es schließlich um die Frage ging, ob sie das Gewitter in der Hütte aussitzen sollten, gab Oita nicht einmal mehr eine wörtliche Antwort zum Besten, sondern reagierte stattdessen mit einem zufriedenen Schnarcher.
Jap, Oita war eingeschlafen, und daran würde sich in nächster Zeit wohl auch nichts ändern.

Baika hingegen hatte offensichtlich Schwierigkeiten damit, zur Ruhe zu kommen. Nervös sah er sich in der Hütte um und suchte nach einem Sitzplatz, den er schließlich in einem klapprigen Stuhl fand. Als jedoch der Wind plötzlich aufheulte und die Fensterläden der Hütte beinahe aus den Angeln riss, sprang der junge Mann furchtsam auf und stieß sogar ein mädchenhaftes „Hiiih!“ aus.
Ungern, aber auch wohl wissentlich, dass es keinen Weg drumherum gab, widmete sich Baika deshalb Aryane, die er nach einem kurzen Seitenblick auf Oita ansprach.
„I-ich dachte wirklich, dass es heute schönes Wetter gäbe. Das müsst ihr mir glauben! Alle Hinweise waren eindeutig! Die Wetterberichte, der Verlauf der letzten Tage, alles deutete darauf hin…“
Unsicher leckte sich Baika über die Lippen, bevor er enthusiastisch fortfuhr: „A-aber was das Habitat der Liebesblume angeht, d-da bin ich mir wirklich sicher!“
Ein weiterer Seitenblick zu Oita, eine Weile Stille, dann: „Ihm geht es doch gut? U-und euch auch? Ich meine, sie beide sind ausgebildete Shinobi… So ein Wetter ist doch… doch gar nichts…“ Eine weitere kurze Pause. „Entschuldigt bitte, aber… ihr hättet nicht zufällig…?“ Und mit einer allseits verständlichen Geste, in der er sich die Hand zum Mund führte, bat Baika Aryane tatsächlich um eine Zigarette.
 
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Oh, da war er wohl tatsächlich eingeschlafen. Die Hinketsu wertete das als Antwort auf ihre Frage und machte sich darauf bereit, das Wetter in dieser Hütte auszuharren. Bevor Baika sie nach einer Zigarette fragte, machte sie sich einen Schlafplatz in einer der gemütlicheren Ecken der Hütte zurecht. Dabei gedachte sie ihren Rucksack als Kopfkissen und eine mitgebrachte Jacke – ja, der Rucksack war wirklich groß – als Decke zu benutzen. „Das wird schon so gehen“, dachte sie sich und wandte sich von der etwas lieblos eingerichteten Ecke ab. Daraufhin wurde sie just von Baika angesprochen, der sich aufrichtig bei ihr entschuldigte. Für was denn? Für das Wetter? Auf das Wetter hatte so ziemlich niemand einen Einfluss, es sei denn man besaß dementsprechende Fähigkeiten, aber diese besaßen die beiden Ninja garantiert nicht. Wenn Oita zu sowas fähig war, dann würde die 18-Jährige das sicherlich wissen. Nun, zumindest ging sie von einem vertrauten Verhältnis zwischen ihnen aus, denn Fremde waren sie keine mehr. Aber das war jetzt egal, denn nun sollte sie ihre Aufmerksamkeit dem besorgten Baika zuwenden, der umgehend nach einer Zigarette fragte. Nach kurzem Überlegen, ob sie ihm wirklich eine Zigarette geben wollte -sie wusste schließlich nicht, ob er tatsächlich Raucher war – entschied sie sich doch dazu, ihm eine zu überreichen. Also zückte sie ihre Schachtel aus ihrer Hosentasche hervor und warf sie ihm lässig zu. Wollte sie jetzt tatsächlich cool wirken? Eine wirklich schräge Situation.

Nachdem sich Baika eine Zigarette aus der Schachtel rausgefummelt hatte, nahm Aryane die Schachtel wieder zurück, um sich ebenfalls eine anzuzünden. Beim Öffnen der Schachtel bemerkte sie, dass bloß drei Zigaretten für dieses Abenteuer verblieben. Das war schlecht, denn wie sollte sie jetzt Zeit totschlagen? Auf ein andauerndes Gespräch mit Baika war sie nicht gerade scharf, aber wie es aussah, führte gerade nichts dran vorbei. Mit einem Seufzer steckte sie sich ihren Glimmstängel an, um Baika nach dem ersten, tiefen Zug eine Antwort zu geben: „Für das Wetter kannst du nichts, dafür kann keiner was. Das ist einfach passiert und deswegen sind wir dir auch nicht böse. Wir sind einfach erledigt, fertig, müde. Das ist alles.“ Eine kurze Pause folgte, die sie mit einem Lungenzug füllte. „Wir werden die Blume schon finden, das versichere ich dir. Ich schätze, dass wir uns morgen auf die Suche machen werden. Da ist das Wetter sicher besser und wir können ganz entspannt nach der Liebesblume suchen. Aber Baika, sag mal, wie hast du eigentlich von der Liebesblume erfahren? Was bringt es dir, oder euch, wenn du deiner Freundin diese Blume schenkst? Glück, Wohlstand? Mich würde das interessieren.“, fragte sie interessiert. Wahrscheinlich hatte er das schon während der Anreise dutzende Male erzählt, aber dem hatte sie damals keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt, wo Baika sich in einer für ihn ungewohnten Situation befand, reagierte er hoffentlich anders auf eine solche Frage. Vielleicht wurde er nicht allzu ausfallend? Wer weiß, aber zumindest irgendwie musste sie Zeit totschlagen, ehe sie wieder aufbrechen konnten.
 
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„Nein, ich kann nicht mehr… kein Stück Kuchen mehr… ngh… na gut… aber… das is das Letzte…!“
Oitas im Schlaf gemurmelte Worte ließen Baika zwar immer wieder nervöse Blicke in Richtung des kleinen Genin werfen, doch spätestens seit Aryane ihm eine ihrer Kippen spendiert hatte, schien der junge Mann ein bisschen ruhiger. Ein geübter Raucher war er allerdings keineswegs, und es hatte ihm einige krächzende Hustenanfälle abgerungen, die Zigarette irgendwann doch genießen zu können.
Sich an dem schlanken Glimmstängel festhaltend, als wäre er eine Art Sicherheitsseil, saß der Mann zusammengekrümmt am einzigen Tisch der kleinen Hütte und starrte ins Feuer. Aryanes Frage nach der Blume stand schon eine Weile unbeantwortet im Raum, bevor der junge Mann schließlich unzufrieden zu erzählen anfing:
„Ihr habt mich durchschaut, wie es scheint, Fräulein Hinketsu. Dabei ist, was ich euch zu Beginn unserer Reise anvertraut habe, die reine Wahrheit. Es gibt eine Legende, die sich um die Blume rankt. Eine, die den Paaren, die sich im Angesicht der Blüte trauen, ewiges Glück verspricht. Ebenso entspricht es der Wahrheit, dass ich diese Reise nicht nur wegen dieser Legende auf mich genommen habe, sondern vor allem, um meiner Liebsten und insbesondere mir selbst zu beweisen, dass ich es mit meinen Gefühlen ernst meine.“
Baika zog verträumt an seiner Zigarette. „Ich kenne Harako schon mein halbes Leben lang. Meine Eltern haben mich nie draußen spielen lassen… Ich war… bin… ihr einziges Kind, der Erbe, der Kronprinz. Wenn mir etwas passieren würde, nicht auszudenken. Ein Spielplatz, das war für meine Eltern nichts weiter als eine Todesfalle, in der die dreckigen Kinder der Armen einander ins Krankenhaus schickten. Ein Mal, ein einziges Mal, hatte ich mich entgegen den Wünschen meinen Eltern aus dem Haus geschlichen… Sie war praktisch das erste Kind in meinem Alter, das ich hatte kennenlernen dürfen. Sie war ein grauenhafter Wildfang, zerrte mich hierhin und dorthin…“
Das Lagerfeuer spiegelte sich deutlich in Baikas glasigem Blick, als der junge Mann mit seiner verworrenen Geschichte fortfuhr. „Der letzte gute Tag meiner Kindheit ist das gewesen. Erst Jahre später haben sich meine Eltern wieder getraut, mich aus den Augen zu lassen, und das auch nur, weil man ihnen verboten hatte, mich während meiner Ausbildung zu begleiten. Ausgerechnet dort hab ich sie wieder getroffen… Sie hatte sich so verändert, aber ich erkannte sie auf den ersten Blick.“
Baika blinzelte angestrengt, während die Zigarette in seinen zitternden Fingern tanzte. „Jahrelang versuchte ich erfolgslos, sie um den Finger zu wickeln. Ich hab ihr jedes erdenkliche Geschenk gemacht… Sie hat immer wieder abgelehnt, wollte sich kein einziges Mal mit mir treffen…“
Der junge Mann schüttelte den Kopf, als wolle er eine Fliege vertreiben, die um seinen Kopf schwirrte. „Es hat so lange gedauert, sie davon zu überzeugen, mit mir auszugehen, geschweige denn mich zu heiraten… Was, wenn es mir von Anfang an nur darum ging? Zu gewinnen? Wollte ich es lediglich nicht auf mir sitzen lassen, dass sie mich nicht mochte? Ging es mir nie um sie, sondern immer nur um mich?
Ich dachte, diese Reise… diese Reise würde mir… Gewissheit verschaffen. Und irgendwie… irgendwie hat sie das auch…“
Baika lächelte traurig und schloss dabei die Augen. „Das hier w-war eine schreckliche Idee. Sie hat w-was Besseres verdient…“
Baikas Kopf kippte nach vorn und schlug polternd auf die Tischplatte, als er in einen unruhigen, fiebrigen Schlaf fiel. Der junge Mann zitterte plötzlich am ganzen Körper, und eine leichte Berührung seiner schweißnassen Haut genügte, um zu ertasten, dass der Auftraggeber unter einer extrem erhöhten Temperatur litt.
Im selben Moment war ein zufriedener Seufzer aus Richtung Bett zu hören. Oita streckte sich genüsslich, richtete sich umständlich auf, rieb sich die Augen und sah dann erst zu Aryane und Baika hinüber, die beide reichlich seltsam wirkten. „Ich hab nix verpasst, oder?“
 
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Verwirrt und interessiert zugleich, lauschte die 18-Jährige den Erzählungen ihres Auftraggebers. Ein wahrlich anstrengendes Leben hatte dieser gehabt, soweit Aryane das verstanden hatte, und doch war er zutiefst traurig. Es war ein filmreifes Drama, welches er ihr erzählte und hätte Aryane nicht diesen Berufsweg eingeschlagen und wäre sie Drehbuchautorin geworden, dann wäre das gerade ein wahrlich gefundenes Fressen für sie. Aber eigentlich wollte sie ihm nichts Böses; er war ein einfacher, gebrochener Mann. Umso mehr erschrak es sie, als er plötzlich auf die Tischplatte aufschlug und das Bewusstsein verlor. Gerade war er noch am Erzählen gewesen und jetzt lag er plötzlich da? Da musste etwas nicht stimmen. Ohne großartig nachzudenken, drückte sie ihre Zigarette auf der Tischplatte aus und warf den Stummel achtlos zur Seite. Seinem schweren Atmen vernehmend, eruierte sie, dass es ihm ganz und gar nicht gut ging. In Sorge um seine Gesundheit, tastete die 18-Jährige seine schwitzende Stirn ab, um festzustellen, dass er womöglich gerade an Fieber litt. Unterdessen erwachte Oita aus seinem Schlaf und erkundigte sich sogleich, ob er etwas verpasst hätte. So ruhig sie in dieser Situation bloß sein konnte, gab sie ihm mit zitternder Stimme eine Antwort auf seine Frage: „Nun, ähm, ich denke, dass Baika krank ist. Dem geht’s gar nicht gut… vielleicht sollten wir die Mission abbrechen und ihn in ein Krankenhaus bringen?“ So wie sie Oita kannte, würde dieser die Mission garantiert nicht abbrechen wollen. Er würde sich wieder Hals über Kopf in Gefahr begeben, um die Blume zu suchen, während sie selbst hier zurückblieb, um auf Baika aufzupassen. Ja, man sollte im Auftrag seines Dorfs handeln und die Mission zu einem Abschluss bringen, aber dennoch wollte sie nicht das Leben von ihrem Auftraggeber aufs Spiel setzen, nur um so eine blöde Blume zu finden, die es vielleicht gar nicht gab. Kurz dachte sie nach, was sie nun tun sollte.

Zu einem Entschluss richtigen Entschluss kam sie nicht, ob man nun die Mission fortsetzen oder abbrechen sollte, aber immerhin wusste sie, wie man fieberhafte Symptome lindern konnte. Zumindest wusste sie das, was ihre Mutter stets gemacht hatte, als es sie und ihre Geschwister erwischt hatte. Wichtig war es zu schwitzen! Ganz viel! Also umrundete sie kurzerhand den Tisch, um Baika auf seine holprigen und zitternden Beine zu verhelfen. Seinen linken Arm legte sie um ihren Nacken, um ihn so beim Gang zum nun freien Bett zu helfen. Dort angekommen, setzte sie ihn langsam im Bett ab. Als Baika sich ins Bett hineingelegt hatte, bat sie Oita um Hilfe: „Such mir alle Decken, die du in diesem Haus finden kannst. Da hinten sind noch ein paar Truhen, vielleicht sind da welche drin. Er muss schwitzen und das möglichst viel. Ich mache ihm derweil einen warmen Umschlag für seine Stirn.“ Um keine Zeit zu verlieren, machte sie sich schnellstmöglich daran, den Kamin zum Laufen zu bringen – vorher stellte sie einen Eimer vor die Tür, damit dieser mit Regenwasser gefüllt wurde –, damit sie den Eimer darüber erhitzen und ein Stück Stoff darin tränken konnte. Das würde sie Baika auf die Stirn legen, damit dessen Körper zum Schwitzen angeregt wird. So lautete zumindest der Plan, aber es scheiterte ihr gerade daran, das Feuer im Kamin zu entfachen. Vielleicht konnte Oita dabei behilflich sein? „Hey, Oita, hilf mir bitte mal. Ich krieg das mit dem Feuer einfach nicht hin…“
 
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„Nun, ähm, ich denke, dass Baika krank ist. Dem geht’s gar nicht gut… vielleicht sollten wir die Mission abbrechen und ihn in ein Krankenhaus bringen?“
Im einen Moment rieb sich Oita noch träge das Auge, nur um im nächsten erschrocken und splitterfasernackt aus dem Bett zu springen.
„WAS?!“, brüllte der Knabe, schlug sich sofort die Hand vor den Mund, und fragte dann wesentlich leiser noch einmal dasselbe: „Was? Wie? Warum?“
*Ja, warum wohl? Der Kerl ist genauso wie wir durch den Sturm gelatscht.*
Oita biss sich auf die Unterlippe, während er einige Augenblicke hilflos zu Aryane und Baika hinübersah.
„Mission, Schmission! Wenn’s ihm schlecht geht, dann bringen wir Baika hier weg, koste es, was…“
Plötzlich zuckte ein greller Lichtblitz durch die Hütte, dicht gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnergrollen. Gleichzeitig peitschte der Wind gegen die Hütte, und Regen und vielleicht sogar Hagel prasselten so heftig auf die dünnen Holzwände ein, dass der Junge ernsthaft befürchtete, die klapprige Behausung würde wohl bald über ihnen zusammenbrechen.
„W-was es… was es wolle… Ach Mist, wir kommen hier nich weg, oder?“
Die Mission der beiden Genin hatte damit eine folgenschwere Wendung genommen: Anstatt nur irgendeine blöde Blume ausfindig machen zu müssen, lag nun das Leben eines Zivilisten in ihren Händen.
*Großartig, großartig, musste ja sein, jetzt auch noch das, was wenn Baika draufgeht, wie kommt das; ach, wen juckt das, wie das kommt, wenn er draufgeht, dann, dann, oh Mann, nein, nicht darüber nachdenken, der geht schon nicht drauf, das ist bloß eine Grippe, bloß eine Grippe –*
„Ist bloß eine Grippe, oder?“
*Ja, ganz sicher, kein Problem, dagegen hab ich was in meinem Rucksack, mein Rucksack, wo, wo, ach ja, der ist draußen, ich geh mich schnell anziehen und dann, dann geh ich raus in den Sturm, was eine Schwachsinnsidee ist, vielleicht ist das Teil schon weggeweht, und so dunkel wie’s da draußen ist finde ich ihn sowieso nicht und oh Mann warum steh ich hier eigentlich noch ohne Hose…*
Übereilt grabschte sich Oita sein Hemd, steckte seine Beine durch die zwei Ärmel, wunderte sich, warum das Ding immer wieder von seiner Taille rutschte, bemerkte viel zu spät, dass das ja sein Hemd war, und nicht seine Hose, weshalb er sich das Ding kurzerhand um die Hüfte band, was immer noch daneben war, aber zumindest im Moment funktionierte.
„Such mir alle Decken, die du in diesem Haus finden kannst.“
Oitas Kopf wirbelte zu Aryane, die bereits eifrig daran war, Baika zu versorgen, ganz im Gegenteil zu ihrem Teamleiter.
„Ja!“, rief der nervös, „ja, gute Idee, hervorragend, Decken, kommen sofort!“
Und innerhalb weniger Augenblicke steckte Baika tatsächlich unter einem schier gewaltigen Knäuel aus Decken, Oitas Jacke, zwei Teppichen, einem Bettlaken und einem bestickten Tischtuch.
„Perfekt, besser geht’s nicht, ja, so wird er wieder, wäre doch gelacht, haha, ha!“
„Hey, Oita, hilf mir bitte mal.“
„Iiiih, w-was?“
„Ich krieg das mit dem Feuer einfach nicht hin…“
*Feuer?*
Für einen kurzen Moment fror Oitas verwilderter Gedankengang fest. Sein Blick hingegen zuckte zu Aryane, zu Baika, zum zart glimmenden Lagerfeuer, und dann zu seinen eigenen, kleinen Händen.
„He… Hehe… AHAHAHAHAHAHAHA!“
In einer Schaueinlage für die Götter sprang Oita an Baikas Seite, schlitterte einen Meter über den kratzigen Holzboden, formte ein paar Fingerzeichen, stoppte kurz vor der Feuerstelle, streckte seine rechte Hand an die sterbende Flamme, und erweckte sie mit einer wohl dosierten Menge Feuerchakra schlagartig zu neuem Leben. Gleich darauf zog er seine rechte Hand, die in Flammen zu stehen schien, zurück, nur um sie nach ein paar weiteren Fingerzeichen gemeinsam mit der linken in die Nähe von Baikas Gesicht zu halten. Wie ein Bettler hielt Oita dem Auftraggeber seine Hände hin, wobei eine Flamme von der Größe einer Blumenvase über seinen Fingern schwebte.
„Ich muss die Kunst immer mal wieder erneuern, aber an Hitze wird’s uns garantiert nicht mangeln, garantiert nicht!“

„Garantiert… nich… garantiert…“

Als der Morgen über dem Gebirge von Haome anbrach, war Oita längst in einen unruhigen Schlaf gefallen. Der junge Genin saß zwar immer noch im Schneidersitz neben seinem Auftraggeber, doch das Feuer in seinen Händen war längst erloschen. Zumindest der Kamin brannte noch immer, vermutlich am Leben erhalten von Aryane, die hatte mit ansehen können, wie Baika über Nacht sein Fieber erfolgreich ausschwitzte. Auch der etwas ältere Mann schlief, tief verbuddelt unter dem gewaltigen Berg an Decken und anderem Krimskrams.
Für eine Weile war es ein reichlich ruhiger Tagesbeginn. Das Gewitter hatte abgeklungen, spärliches Licht fiel durch die verschlossenen Fensterläden der Hütte, und die ehemalige schwüle Hitze war einer angenehmen Zimmertemperatur gewichen. Diese Ruhe hielt allerdings nicht lange vor.
Ein lautes Scheppern an der Tür riss Oita unsanft aus seinem Schlaf. Der Knabe zuckte hoch, sah unruhig hierhin und dorthin, und rieb sich schließlich unzufrieden den Kopf.
„Oh Mann, was für ein Mist…“
Erneut krachte etwas oder jemand gegen die Tür der Hütte, was dem Genin ein grummeliges Grunzen abrang. Erst beim dritten Mal erinnerte sich Oita langsam an seine Situation, und dass es doch reichlich seltsam war, dass jemand hier oben im Gebirge an der Tür rüttelte.
*Vielleicht hat sich Aryane ja ausgesperrt…*
Doch nein, die junge Frau befand sich noch immer mit ihm in der Hütte, genauso wie Baika.
*Also andere Wanderer… die können nen Moment warten.*
Ächzend rappelte sich Oita auf, warf sich zum ersten Mal seit einem halben Tag die richtigen Klamotten über, und überprüfte kurz Baikas Körpertemperatur, indem er dem Kerl und sich abwechselnd an die Stirn fasste.
„Hmm, passt… Und atmen tut er auch noch.“
Dann streckte sich der Junge genüsslich, seufzte glücklich, und warf schließlich seiner Partnerin einen zögerlichen Blick zu, wobei er das andauernde Scheppern an der Tür weiter ignorierte.
„Äh… gute Arbeit gestern. Also mit Baika und so. Ich war ja etwas, äh, neben der Spur und so.“
Oita zögerte, leckte sich die Lippen, verschränkte die Arme vor der Brust, und wirkte allgemein extrem unentschlossen. Doch dann atmete der Knabe tief durch, verbeugte sich ungeschickt vor Aryane und quasselte:
„Danke! Nächstes Mal, ich meine, ich gehe schwer davon aus, dass es ein nächstes Mal gibt, wenn nicht, dann isses auch egal, aber wenn doch, und wenn ich dann wieder Leiter wäre, was super dumm wäre, aber wenn ich es wäre, dann würde ich mich mehr anstrengen, also nicht mehr-mehr, sondern anders, besser, umsichtiger, vorsichtiger, nachsichtiger, der ganze Kram halt, damit du mir nich nochmal den Hintern retten musst, denn ich meine, das hast du ja, denke ich, mehr oder weniger, wobei ich ja nich weiß, wie fies es Baika erwischt hatte, aber halt, nein, vergiss das, das klang grade bisschen undankbar, und außerdem hattest du mir ja auch selber im Sturm geholfen, und, ähm, äh… Ja. Danke jedenfalls. …jap. Danke… und so…“
Und dann, in einem ungeschickten Versuch, das Thema zu wechseln, wirbelte der Knabe zur Tür und streckte anklagend seinen Zeigefinger aus. „Wer zum Geier rüttelt da eigentlich so bescheuert an der Türe?“
Womit Oita auch schon zu ebenjener Türe stürzte, das Schloss löste, öffnete, und…
„Mäh-äh-äh-äh!“
…sie sofort wieder schloss. Denn was der Junge in dem Sekundenbruchteil, den er nach draußen hatte schauen können, erblicken musste, war die absolute Krönung für diese lächerliche Mission. Die Hütte, in der die beiden Genin Unterschlupf gesucht hatten, war nämlich umringt von einer blühenden Wiese, die einer frechen Herde übergroßer Bergziegen gerade als Frühstücksbuffett diente. Und nicht nur das: Verdächtig viele dieser Ziegen hatten sich ausgerechnet an denjenigen Blüten gütlich getan, die Baikas Beschreibung der Liebesblume verdächtig nahe kamen…
„Nein. Ah-ah. Ne. Nein, nein, nein. Nich mit mir. Nein. Nein!“
 
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Sie war schon stolz auf den kleinen Racker, dass der sich so reinhängte. Schnell hatte er alles zusammengesucht, was einer Decke nur ähnlich war und Wärme spendete. Auch das, was er mit dem Feuer anstellte, damit sie ihrem kranken Auftraggeber einen heißen Lappen aufs Gesicht legen konnte, war einfach großartig. Obwohl Oita vorhin selbst noch im Bett gelegen hatte und nicht ganz gesund war, so war er jetzt topfit und hing sich mit jeder nur erdenklichen Kraft in die Pflege von Baika rein. Das ging die ganze Nacht so weiter; während die 18-Jährige sich um den heißen Lappen kümmerte, übernahm der 14-Jährige den Rest, der es ihr ermöglichte, überhaupt an das heiße Wasser zu kommen – Teamwork vom Feinsten! Es war nicht ganz abwegig, dass die Hinketsu auch das ein oder andere Mal kurz wegnickte, um nach 15 Minuten wieder aufzuwachen, aber das war ihr doch vergönnt, oder nicht? Schließlich kümmerte sie sich mit allergrößter Mühe um Baika! Nun, es fiel er aber auch nicht schwer wach zu bleiben, denn der Regen hämmerte mit größter Gewalt gegen die Fensterscheiben, als würde dort ein Mensch stehen und dagegen schlagen. Das ließ sie einige Male aufschrecken und ängstlich werden, denn eine solche Situation war doch typisch für einen Horrorfilm; drei vereinsamte Wandere, die Schutz in einer Hütte suchten, während ein Killer die Gelegenheit nutzte, um seinem schmutzigen Handwerk nachzugehen. Mit hundertprozentiger Sicherheit würden sich zukünftige Alpträume aus dieser Mission entwickeln…

Aber diese wollten die Hinketsu diese Nacht noch nicht heimsuchen. Am nächsten Morgen wachte sie mit schweren Augen auf. „Wie lange habe ich geschlafen?“, dachte sie sich sobald sie die ersten Sonnenstrahlen ihre Haut kitzelten. Eigentlich war sie doch die meiste Zeit wach gewesen… oder etwa nicht? Vermutlich hatte sie es gar nicht bemerkt, wie sich der Schlaf in ihren Körper geschlichen und sie schließlich übermannt hatte. Just begann ihr Magen zu knurren, als sie ihre ersten Gedanken in Richtung zu Hause schickte, wo sie jetzt ein ausgewogenes Frühstück erwarten würde. Nicht dass es ihr etwas ausmachen würde, aber ein belegtes Brot mit einer Tasse Kaffee wäre jetzt schon… ihre mit Essen gefüllten Gedankengänge wurden soeben von Oita unterbrochen, der sich bei ihr unaufhörlich bedankte. Eigentlich hätte sie ihn in seinem Monolog unterbrechen wollen, aber dafür war es ihr nicht wert, ihre wertvolle Energie zu verschwenden, die sich erst noch aufbauen musste. Als er schließlich geendet hatte, bekam er bloß ein müdes „Kein Problem“ zurück, ehe sie sich dem kranken Baika widmete. Nachdem sie seine Stirn abgetastet hatte und festgestellt hatte, dass es ihm besser ging, wich sie von seiner Seite ab und schickte sich daran, ebenfalls sie Tür nach draußen zu öffnen, damit wieder frische Luft den Raum füllen konnte. Aber als Oita vor ihr dort war und schnell wieder die Tür schloss, guckte sie verdutzt drein und hielt inne. „Was ist los?“, fragte sie verwirrt, ehe sie sich selbst einer Antwort bemühte und aus einem der Fenstern guckte: Überall waren Bergziegen! Und die machten sich über die vermeintlichen Liebesblumen her – zumindest hatte Baika diese so beschrieben –, was richtig schlecht fürs Geschäft werden könnte! Ohne nachzudenken, warf die Hinketsu sich ihre Ausrüstung über. Danach begab sie sich zur Tür, wo Oita noch immer mit sich selbst redete, um ihre Hand um den Türknauf zu legen, der den Weg zu den Bergziegen freimachen würde. „Ich gehe da jetzt raus und hole uns eine Blume. Wenn die uns alle wegfressen, haben wir ein großes Problem! Bleibst du hier oder kommst du mit?“ Sie wartete kurz, schüttelte schließlich den Kopf und richtete ihre vollste Konzentration auf die Beschaffung einer Blume. „Ach, egal. Ich gehe raus.“, meinte sie, ehe sie die Tür öffnete und raustrat.

Mit einem Mal wurde die Geräuschkulisse um das Tausendfache lauter. Das Mähen dröhnte in ihren Ohren und machte es schwierig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Eine dieser Blumen holen. Allerdings stellte sich die Frage, wie sie das anstellen sollte? Die Ziegen wirkten vorerst unbelustigt von ihrem Auftritt und zeigten keine Andeutung, sie zu attackieren. Trotzdem wollte sie sichergehen, dass sie zumindest irgendeine Art der Verteidigung mit sich brachte, ehe sie sich in den Kampf stürzte. Deswegen formte sie ein paar Fingerzeichen, die für das Suiton: Namida Seki Tenshi nötig waren und sogleich erhoben sich kleine Perlen aus einer nahegelegenen Pfütze. Obwohl sich die Perlen nicht mit ihr mitbewegten, während sie sich ihren Weg durch die Ziegen bahnte, war es dennoch beruhigend zu wissen, dass, sollte sie attackiert werden, sie zumindest eine Verteidigung parat hatte. Und so suchte sie sich einen Weg durch die Ziegen, ohne diese möglichst nicht zu provozieren, um eine dieser Liebesblumen zu ergattern. Eine solche hatte sie sich schon ins Auge gefasst, aber kurz bevor sie diese erreicht hatte, fiel kurzerhand eine Ziege über die Blume her. "Boah, das gibt's doch nicht!", rief sie verärgert. Aber ihr Ärgernis sollte nur von kurzer Dauer sein, da sie, gleich neben der Blume zuvor, ebenfalls eine heile Liebesblume entdeckt hatte. Abermals wollte sich eine Ziege über diese hermachen, aber bevor sie die Blume erreichen konnte, jagte Aryane ihr ihre Wasserperlen auf den Hals. Das hatte gesessen! Die Ziege ergriff mit einem meckerten Ausruf die Flucht. "Du gehörst mir!", richtete sie an die Blume, bevor sie urplötzlich von einer Ziege zur Seite gerammt wurde. Allerdings reagierte die Hinketsu schnell, denn als sie die nasse Erde zu spüren bekommen hatte, griff sie nach den Hinterbeinen der Ziege und hielt diese somit fest im Griff. Bevor sich eine andere Ziege über die Blume hermachen konnte, musste Hilfe her... in Form von Oita! "Los, Oita, hol die Blume!", animierte sie ihren Teamleiter, der sich mit einer astreinen, heldenhaften Einlage in die Richtung der Blume begab.
 
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„Nein. Ah-ah. Ne. Nein, nein, nein. Nich mit mir. Nein. Nein!“
Oita hatte eben erst die Türe zugeschlagen und sich lautstark über die Frechheit seines Schicksals beschwert, da kam auch schon Aryane, trat wacker neben ihn, öffnete besagte Tür erneut und stapfte mit einem tapferen „Ach, egal. Ich gehe raus“ vor die Hütte.
„Was zum, h-hey, warte!“
Doch Aryane war schon mittendrin, es mit den frechen Tieren aufzunehmen. Mithilfe einiger geschickter Fingerzeichen beschwor sie erst einen glitzernden Schleier aus glasklaren Wassertröpfchen, um gleich darauf mit beeindruckender Anmut so um die Ziegen herumzutanzen, dass keine von ihnen auch nur ansatzweise eine Gelegenheit hatte, nach der jungen Frau zu schnappen. Eine der begehrten Liebesblumen zu ergattern fiel Aryane dennoch schwer, denn die Ziegen waren in etwa so hungrig wie Oita gerade, dessen Bauch ordentlich rumorte, während sein Besitzer gedankenverloren im Türrahmen der Hütte stand und mit den Anstrengungen seiner Kollegin mitfieberte.
*Links, nein, rechts! Duck dich! Ja, so ist’s gut! Weiter so, gleich hast du’s…! Oh, nein, dieses verfluchte Tier!*
Dass Oita nicht nur Zuschauer sein, sondern seiner Kollegin vielmehr unter die Arme greifen sollte, begriff der kleine Genin erst, als Aryane lautstark nach Hilfe verlangte. Als würde er erst in jenem Augenblick wirklich aufwachen, schreckte der Knabe bei Erwähnung seines Namens hoch, sah sich kurz verwirrt um, und preschte dann Hals über Kopf aus der Hütte, direkt auf Aryane und ihr Ziegenopfer zu.
„Ich bin hier, ich bin gleich da, keine Sorge!“
Jedes Hindernisrennen, das der Junge während seiner Zeit auf der Akademie hatte absolvieren müssen, war ein Dreck gegen den kurzen Sprint von der Hütte zu Aryane. Erstmal bewegten sich Hürden nicht nur nicht, sie besaßen auch garantiert keinen eigenen Willen, der scheinbar nur ein einziges Ziel kannte: Den schwarzhaarigen Genin umzuhauen. Von allen Seiten stürmten plötzlich miesepeterige Ziegen auf Oita zu, von denen sich einige mit gewieften Hechtsprüngen ausmanövrieren ließen. Andere hingegen antizipierten Oitas Ausweichmanöver wesentlich besser und zwangen den Jungen ein ums andere Mal, das jeweilige Tier bei den Hörnern zu packen und unwirsch wegzustoßen.
„Bin gleich… da…! Nur noch ein paar… Meter…!“
Der Höhepunkt von Oitas Wettlauf mit der Zeit kam allerdings, als sein Blick den einer Ziege traf, die es ganz offensichtlich auf die Blume abgesehen hatte, in deren Richtung Aryane gewunken hatte. Die ganze Welt um Ziege und Genin schien mit einem Schlag zu verblassen, und plötzlich waren da nur noch die beiden und die einsame Blume.
*Na warte… Das Ding mag nicht die letzte Blume auf dieser bescheuerten Wiese sein, und sehr wahrscheinlich ist das, was ich hier mache, super albern… Aber verdammt nochmal, ich lass mir das Teil garantiert nicht von irgendeinem dahergelaufenen Meckervieh vor der Nase wegschnappen!*
Es gab allerdings ein Problem: Je näher Oita der besagten Blume kam, desto geringer wurde auch die Distanz zwischen ihr und der Erzfeindziege. Darüber hinaus wurde immer deutlicher, dass das zottige Wesen schneller als der kleine Genin war, und sicherlich früher an der Blume sein würde.
„Aryane!“, rief Oita deshalb, „Schieß mich ab!“
Und auch wenn Physik eigentlich nicht so funktionierte, fühlten sich die Wasserperlen, die Oita gleich darauf in den Rücken donnerten, wie eine Art Extra-Sonder-Zusatzantrieb an, der ihm den nötigen Schub gab, um zumindest zeitgleich mit der Ziege an der begehrten Liebesblume anzukommen.
Im letzten Moment, bevor das Tier und der Knabe so die Blume erreichten, schien für einen Augenblick die Zeit um die beiden still zu stehen. Der glasige Blick der Ziege traf dabei den des Jungen, der anerkennend nickte.
*Eine großartige Leistung, Mädchen, das muss ich dir lassen. Aber wir wissen beide, wer dieses Rennen gewinnen wird. Nimm’s mir also bitte nicht übel, wenn ich dich mit deinen eigenen Waffen schlage!*
Krach! In Oitas Kopf explodierte ein gewaltiger Schmerz, als seine Stirn den harten Schädel der Ziege traf. Kopf an Kopf prallten Tier und Mensch aufeinander, doch letzterer hatte einen entscheidenden Vorteil: Hände mit Fingern. Während also die Ziege verzweifelt versuchte, ihren Kopf zur Liebesblume herunterzubewegen, presste Oita ihn mit seinem eigenen zurück, nur um gleichzeitig blind nach der Liebesblume zu grabschen. Und tatsächlich, da war irgendetwas zwischen seinen Fingern, etwas Zartes, Schlankes…
*Und wenn das nicht die Liebesblume ist…?*
Mühsam drehte Oita seinen Kopf gerade weit genug, um aus den Augenwinkeln seine Beute zu erhaschen. Er hatte die richtige Pflanze erwischt, tatsächlich!
„Hahahahahahaha!“
Und mit einem letzten Aufbäumen stieß der Junge die Ziege zurück, die die Situation rasch begriff, der Blume in Oitas Hand einen neidischen Blick zuwarf, und sich schließlich zu einer kleinen Gruppe ihrer Kolleginnen zurückzog. Tatsächlich schienen die meisten Ziegen die Machtdemonstration von Aryane und Oita zum Anlass zu nehmen, andernorts ihr Frühstück zu beenden, und überließen den beiden Genin nicht nur das Feld, sondern auch eine ganze Menge weiterer Liebesblumen.
„Ja, da habt ihr’s, ihr blöden Viecher! So machen wir das in Iwa, haha! Verpieselt euch, und kommt gefälligst niemals wieder, verstanden! Ich bin der neue König der Berge, der König der Ziegen, ja, merkt’s euch, merkt’s euch gefälligst, wuuuh!!“

…und damit war die Mission also bestanden, so schien es. Aryane und Oita hatten nicht nur eine, sondern einen ganzen, gewaltigen Strauß an Liebesblumen erkämpfen können. Baika, der mittlerweile aufgewacht war und die Anstrengungen der beiden aus großen Augen mit angesehen hatte, konnte sein Glück kaum fassen. Auf ekstatische Glückwunsche seinerseits folgten weinerliche Geständnisse und peinliche Bitten, man möge doch bitte niemandem davon erzählen, wie er sich auf dieser Reise angestellt hatte.
„Oh, keine Sorge!“, winkte Oita ab, dankbar, dass seine eigene Verfehlungen wohl ebenso unter den Tisch fallen würden. „Wir werden uns mit dem Bericht richtig Mühe geben, damit ihr als waschechter Held dastehen werdet!“
Ganz so sauber verlief das Nachspiel der Mission allerdings nicht. Unfähig, seiner Geliebten etwas Anderes als die Wahrheit zu sagen, gestand Baika seiner Partnerin alles und war sogar drauf und dran, ihre Beziehung zu beenden. Anstatt sich jedoch von der zarten Seite ihres Gefährten abschrecken zu lassen, konnten die Bürger von Soragakure wenige Tage später eine Fotografie in der Zeitung bewundern, auf der Baika von seiner frischgebackenen Verlobten wortwörtlich auf Händen getragen wurde. Die Bildunterschrift wiederum verkündete neben dem Datum der Hochzeit noch ein zweites, wichtiges Detail: Dass die zwei mutigen Ninja der Sora-Fraktion, denen dieser fröhliche Anlass zu verdanken war, als Ehrengäste auf dem Hochzeitsfest begrüßt werden würden.
Ob sich Aryane und Oita dieser absurden Mission allerdings tatsächlich stellen würden, bleibt abzuwarten…


D-Rang: Die Liebesblume
Feat. Furasaki Oita (L), Hinketsu Aryane
~ Ende ~
 
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