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Izakaya in der Seitengasse

Sakaida Mai

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Izakaya in der Seitengasse



Die örtlichen Wirte erfreuen sich an der Tatsache, dass der Besuch von Restaurants, Kneipen und Bars in Toshi no Kokka wieder möglich ist. Die Straßen sind sicherer und es kommen mehr und mehr Besucher in die Stadt. Wird der Stadtstaat wieder zu der Hafenmetropole erblühen, welche er einst war? Der Inhaber der Izakaya in der Seitengasse will es doch schwer hoffen! Er braucht die Einnahmen nämlich dringend, um sein Etablissement zu renovieren - die Kneipe hätte es durchaus nötig. Aber die Gäste kommen ja vor allem wegen des guten Essens und dem Sake, weniger wegen der Atmosphäre. Oder?
 

Sakaida Mai

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Mit gesenktem Blick flanierte Mai durch die Straßen dieses unbekannten Ortes. Sie hatte es gerade geschafft, das Stadttor passieren zu dürfen und fand sich nun in Toshi no Kokka wieder. Obwohl sie schon des Öfteren im Reich des heißen Wassers gewesen war, hatten ihre Wege sie jedoch noch nie in diesen Stadtstaat geführt. Bis vor einiger Zeit hätte Mai auch nicht gedacht, so bald dorthin zu kommen. Es war allgemein bekannt, dass in Toshi no Kokka ein Bürgerkrieg herrschte und daher wurde von Besuchen abgeraten. Doch die Lage hatte sich geändert und es schien langsam Ruhe in diesen Ort einzukehren. Zu dieser Jahreszeit dämmerte es um diese Uhrzeit bereits, weswegen die Blauhaarige leider nicht mehr allzu viel von diesem Ort zu sehen bekommen würde. Hinzu kam, dass es ziemlich regnete. Mai trug ihren pastelltürkisfarbenen Regenmantel, welcher sich um die Taille von innen schnüren ließ. Die Kapuze schützte das lange, blaue Haar vor dem Wasser und ihr Gesicht vor so manch neugierigem Blick.

Es gab einen Grund dafür, dass die Sakaida während der freien Tage die sicheren Mauern Shirogakures verlassen hatte. Vor zwei Wochen hatte sie einen Brief ohne Absender aus einem der unabhängigen Reiche bekommen. Und obwohl der Name des Verfassers nicht einmal genannt wurde, wusste die junge Frau, aus wessen Feder diese Zeilen stammten. Der Inhalt war unverkennbar und einmalig gewesen. Außer Mai gab es nur eine einzige andere Person, welche die Worte einer Erinnerung zuordnen konnte.

Der Brief beinhaltete auch den Vorschlag für ein Treffen. Einen Ort, einen Tag und eine Zeit. Die ganze Sache hatte nur einen Haken: Mai hatte nicht die Möglichkeit gehabt, eine Antwort zu senden, da sie sich nur noch in Shirogakure aufgehalten hatte. Es tat ihr Leid, dass Joudan nicht wusste, ob sie nun kommen würde oder nicht. Wahrscheinlich dachte er, sie würde seine Nachricht ignorieren. Doch dem war nicht so, auch der jungen Frau war nach einem Gespräch. Sie hatte Joudan schlichtweg zu gern, um die Sache einfach ruhen zu lassen. Und es waren sieben, acht Wochen ins Land gezogen seit jener Nacht. Mai konnte die Geschichte objektiver betrachten, als noch zu jenem Zeitpunkt. Es wäre schön, wenn offene Fragen beantwortet werden könnten.. Wenn man eine Lösung finden könnte.

Mai stellte sich durchaus die Frage, ob er nun überhaupt da sein würde. Die Blauhaarige würde es ihm nicht verübeln, wenn nicht. Schließlich war Toshi no Kokka nicht gerade ein Ort, den man ohne Weiteres besuchen sollte. Aber für zwei Ninja aus unterschiedlichen Fraktionen war er ein sicheres Fleckchen Erde. Mai konnte den blonden Shinobi aus Amegakure nicht so ganz einschätzen, doch hatte sie durchaus festgestellt, dass er manchmal ein zuversichtlicher Träumer war. Zuversichtlich genug, um auf gut Glück hierher zu kommen? Im Grunde war Mai gerade ja auch nicht besser. Wie auch immer das Vorhaben der Kumo-Kunoichi enden würde, notfalls stünde morgen früh eben nach einem Stadtbummel die sofortige Abreise an, dann hätte es sich auch gelohnt. Nicht jeder konnte behaupten, hier gewesen zu sein!

Mai bog um eine Ecke und stellte sich unter einem Vordach unter. Dann kramte sie den Zettel aus ihrer Manteltasche, auf welchem sie den Ort notiert hatte. Kurzerhand sprach sie daraufhin einen vertrauensvoll wirkenden Passanten an, welcher ihr den Weg zu jenem Etablissement erklärte. Da es nicht mehr weit war, fand sich Mai kurze Zeit später vor einer Izakaya wieder. Die Kneipe hatte eine beeindruckende Speisekarte, so viel war von außen zu erkennen, da der Wirt diese ausgestellt hatte. Ansonsten war das aber nicht besonders einladend, da sich die Kneipe in einer eher dunklen, unheimlichen Seitengasse befand. Doch Mai fasste sich ein Herz und legte ihre Hand auf die Türklinke der Eingangstür. Sie spürte die Nervosität plötzlich in sich aufkeimen und ihr Puls beschleunigte sich. Für einen Rückzieher war es aber nun zu spät! Und so betrat eine fremde Dame den Gastraum..

Etwas verloren stand Mai nun im Eingangsbereich. Sie bemerkte, dass die Einheimischen sie neugierig ansahen. Unangenehm! Die meisten wandten ihren Blick zwar schnell wieder ab, doch so manch Augenpaar blieb noch einen Moment länger an ihr hängen. Noch immer waren Reisende etwas Besonderes in Toshi no Kokka. „Ey!“, grunzte der Wirt sie von der Theke aus an, während er ein Glas polierte. Es stand kaum zwei Meter von ihr entfernt. Bedröppelt blickte Mai zu ihm. „Brauchste was, Kapuze?“ Oh! Kein Wunder, dass sie einen schlechten Eindruck machte. Sofort legte Mai ihre Hände an den Stoff um ihre Schläfen und zog die Kapuze ab, um danach ihren Zopf aus der Jacke zu fischen, sodass er wie üblich über ihren Rücken baumelte. Die Miene des dicken Wirts hellte sich sofort auf. „N’bisschen gefährlich hier allein für ne junge Dame, aber gut. Such dir n’Platz“ Sofort legte Mai ein herzliches Lächeln auf, nickte zögerlich und sagte mit einem: „Ist gut, vielen Dank!“, zu. Dann öffnete sie ihren Regenmantel, da es ganz schön warm in der Kneipe war und sah sich suchend um..

 

Kushou Joudan

Chuunin
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Zu spät. Joudan war nie zu spät. "10 Minuten vor der Zeit, ist des Händlers Pünktlichkeit.", hatte man ihn gelehrt. "Pünktlichkeit bedeuetet Respekt.", war ihm eingetrichtert worden. Darauf, meist der erste an Treffpunkten oder derart zu sein, legte der Kushou viel Wert. Aber heute, gerade heute, wenn es um etwas so bedeutendes ging, würde kein noch so schneller Schritt etwas daran ändern, dass Joudan zu spät zu seiner Verabredung mit Mai erscheinen würde.
Wie immer war Joudan vom Wasserreich mit einem Schiff angereist. Doch die Regenfälle, die hier im Toshi no Kokka zu spüren waren, waren nur die Ausläufer eines schlimmen Unwetters, das seine Überfahrt um viele Stunden verzögert hatte. Ein weiterer Grund für den Blondschopf, Regen zu hassen. Den Weg von der Küste des Reiches des heißen Wassers zum Treffpunkt hin, hatte Joudan nicht, wie geplant, gemütlich genossen, sondern war gerannt wie der Wind, um möglichst viel der Verzögerung wieder aufzuholen.
Das Izakaya im Toshi no Kokki hatte ein Freund, Joudans Schneider, ihm empfohlen. Nach der Wegbeschreibung Arumarus waren es nur noch ein paar Hundert Meter, doch gerade als Joudan Hoffnung schöpfte, doch noch rechtzeitig zu erscheinen, schlug irgendwo eine Uhr zur Achten Stunde und bedeutete dem Händlersspross damit, dass er sein Zeitfenster nicht mehr erreichen konnte.
Drei Minuten nach Acht stand der Blondschopf vor der Kneipe. Aus Arumarus Beschreibung heraus hatte der Chuunin sich das Etablissement ein wenig... weniger heruntergekommen vorgestellt. Doch ein lang anhaltender Bürgerkrieg machte im Toshi no Kokka allen das Leben schwer, so auch der Gastronomie. Unter dem Vordach des Izakayas gab Joudan sich einen Moment lang Zeit, wieder zu Atem zu kommen, und rubbelte sich zumindest die schlimmsten Wassermassen aus den weizenähren-blonden Haaren. Eine richtig ordentliche Frisur konnte der Chuunin nach der Anreise - und mit der allgemeinen Ungezügeltheit seiner Haarpracht - jetzt ohnehin vergessen. Stattdessen nahm er sich ein Herz und drückte die Türe nach innen auf.
Nur ganz kurz flammte in ihm ein Gedanke auf. "Wenn sie gar nicht da ist, bemerkt sie auch nicht, dass ich zu spät bin." Doch diesen schob Joudan gleich wieder zur Seite.

Wenn Mai seiner Einladung nicht nachgekommen war, das hätte den Blondschopf verheerend getroffen. Die blauhaarige Kunoichi aus dem Shiro-Verband war dem Kushou mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Bei ihrem letzten Treffen, einer gemeinsamen Mission in Yugakure, waren die beiden allerdings nicht wirklich im Guten auseinandergegangen. Die Anschuldigungen eines gemeinsamen Bekannten hatten die ohnehin schon recht unsichere "Beziehung" (konnte man das so nennen?) der beiden weiter ins Schwanken gebracht. Doch Joudan wollte es dabei nicht belassen. Er hatte es noch nicht geschafft, sich mit Shunsui auszusprechen, doch - da war Joudan ehrlich zu sich selbst - nach dessen Verhalten war es dem Händlersspross erst einmal wichtiger, die Dinge mit Mai wieder ins rechte Licht zu rücken. Danach würde Shunsui an die Reihe kommen.
Das Beste hoffend trat der Blondschopf also in das Izakaya ein und sein Herz tanzte vor Freude, als er den langen, azurblauen Zopf Mais erkannte. Außer der Sakaida waren vielleicht ein Duzend anderer Gäste anwesend, die meisten in Zweier- oder Dreiergruppen. Das laute Schleifen der Holztüre gemeinsam mit dem hereinziehenden Wind, als Joudan ebenjene geöffnet hatte, machte auf den Blondschopf aufmerksam. Einige der Anwesenden blickten kurz zu ihm, andere nicht. Schnell schloss der Händlersspross die Türe wieder und damit verstummte auch das Prasseln des Regens und das Zetern des Sturmes ein Stück weit. Joudan zog den nassen Mantel aus, sah sich nach einer Garderobe oder zumidest einem Jackenständer um, fand keinen und nahm das triefende Kleidungsstück deshalb mit, als er zu Mais Tisch herantrat.
"Ist hier noch frei, die Dame?", erkundigte er sich höflich und scherzend zugleich, hing den Mantel und seine Umhängetasche (von der er den Protektor mit dem Siegel Amegakures und die überdimensionierte Schriftrolle entfernt hatte) über die Stuhllehne, knöpfte sich die Weste auf und nahm dann Platz.
Joudan sah, bis auf die nassen Haare, aus wie immer: Weißes, langärmliges Hemd, dunkelbraune Hose, dunkelbraune Weste, wache Augen, nettes Lächeln. Er legte den Kopf ein klein wenig schräg und sprach erst einmal direkt das Wichtigste an:
"Verzeih die Verspätung, wir hatten rauen Seegang. Immer Ärger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.", klagte er scherzhaft, lies das Scherzen aber dann einen Moment lang sein. Die Miene weichte auf, Joudan suchte den Augenkontakt mit Mai und sprach ihr, mit ruhiger Stimme, zu: "Danke, dass du gekommen bist."

Um sich über die Geschehnisse in Yugakure zu unterhalten, dazu würde noch genug Zeit sein. Für's erste fand Joudan es einfach schön, wieder in der Gesellschaft der bildhübschen Kunoichi zu sein. Der Blondschopf ertappte sich kurz dabei, wie er sie einen Moment lang einfach nur glücklich angeschaut hatte, und blinzelte dann ein, zwei Mal verlegen. "Wollen wir dinieren? Wenn ich mich recht entsinne, bin dieses Mal wieder ich an der Reihe, die Dame einzuladen." In Shinkusa hatte Joudan Mai zu Dangos eingeladen, in Yugakure hatte Mai die Rechnung mit Yakitori beglichen. An einigen der anderen Tische hatte Joudan Teller erspähen können, also musste das Izukaya wohl eine Küche haben, das würde doch passen. Und nach den Strapazen der Anreise wäre er über eine kräftigende Mahlzeit sehr dankbar.
Eine andere Sache gab es noch, die Joudan an den Anfang des Gespräches der beiden stellen wollte.
"Vor einigen Wochen schloss ich übrigens zwei neue Freundschaften. Leute aus deiner... Stadt." Der Blondschopf war unvercover hier und auch Mai trat, sofern Joundan das einschätzen konnte, nicht in ihrer Funktion als Chuunin Shirogakures auf. Deshalb wollte der Kushou in so öffentlichen Räumen nicht direkt aussprechen, wer oder was die beiden waren. Er zählte darauf, dass Mai verstand, dass er mit "ihrer Stadt" Shirogakure meinte. "Wenn die Dinge so weiterlaufen, wie sie das tun, muss ich vielleicht noch umziehen.", meinte er scherzhaft. Doch der Gedankengang, ob er vielleicht in Shiro besser aufgehoben wäre, war Joudan schon gekommen. Es war ein gefährlicher Gedanke, aber genauso gefährlich war es auch, sich mit Ninja des Feindes einzulassen - und da hatte Joudan bisher immer großes Glück gehabt. "Wie war dein Weg hier her?"
 
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Ist gut, vielen Dank!“, hatte sie dem Wirt freundlich zukommen lassen, ehe sie sich suchend im Gastraum umsah. Mai nickte kaum merklich für sich, als sie festgestellt hatte, dass Joudan nicht hier war. Sie spürte sofort, dass sie sich etwas anderes erwartet oder erhofft hatte, doch andererseits durfte sie sich nicht wundern. Er hatte keine Antwort bekommen und konnte daher das Risiko, hierher zu reisen, nicht eingehen. Die blauhaarige Kunoichi suchte sich einen Platz im hinteren Eck der Kneipe, zog ihren Regenmantel aus und hing ihn über den Stuhl, ehe sie Platz nahm. Im Grunde hätte sie ja auch nicht sicher kommen können! Man wusste nie, wann man auf eine Mission geschickt wurde. Ob Joudan deswegen nicht gekommen war? Sie wusste nicht, warum.. doch sie hatte fest damit gerechnet, dass er schon vor ihr da gewesen wäre. Es kam der Sakaida nicht einmal in den Sinn, dass der Shinobi aus Amegakure noch aufkreuzen würde. „Brauchste ‘ne Karte, junge Dame?“, riss der dickliche Wirt sie aus ihren Gedanken und hielt ihr das Geheft bereits unter die Nase. Ein freundliches Lächeln erzeugte Krähenfüße an seinen Augen und zeichnete die Lippen unter seinem buschigen Bart. Sofort erwiderte Mai diesen freundlichen Ausdruck herzlich. „Ja, das ist sehr nett!“ Kaum hatte sie die Speise- und Getränkekarte in der Hand, sprach der Mann mittleren Alters sie erneut an: „Wir ham‘ nen ausgezeichneten Koch! Kann ich nur empfehlen“ Anscheinend freute er sich über den Besuch der fremden Reisenden. „Das klingt toll, ich werde bestimmt fündig!“, versicherte sie ihm gut gelaunt, auch wenn sie eigentlich traurig darüber war, allein essen zu müssen. Zufrieden mit ihrer Antwort verzog sich der Wirt wieder hinter seine Theke.

Sie war wirklich hungrig. Ein gutes Essen sollte die Reise doch hoffentlich wert gewesen sein. Leider aber würde Mai wohl nicht so bald erfahren, warum Joudan ausgerechnet diese Izakaya- „Ist hier noch frei, die Dame?“ Hätte der Wirt sie angesprochen, wäre sie wohl kaum so zusammengezuckt, wie jetzt. Verdattert blickte sie von der Speisekarte auf und sah direkt in die Grasgrünen Augen von Joudan. Als hätte er wirklich eine Antwort erwartet (er schien ja wieder zu scherzen), entgegnete Mai dennoch perplex: „Äh, ja. Sicher“ Plötzlich war alles real. Sie wusste, warum sie einander trafen. Es standen Themen an, die schon in der Vergangenheit unangenehme Gefühle verursacht hatten und von denen Mai nicht einmal wusste, wie sie diese ansprechen sollte. Sie hatte Shunsui versprochen, niemandem auch nur ein Wort über ihre kurze, aber offene Unterhaltung zu sagen. Wie verhext saß Mai da und beobachtete den blonden Shinobi dabei, wie er seine Sachen ablegte und schließlich Platz nahm. Es tat ihr beinahe leid, dass auch ihr Gesicht gelähmt zu sein schien, doch die Nervosität ließ nichts anderes zu. Erst sein Witz über die „öffentlichen Verkehrsmittel“ befreite Mai aus ihrer Starre und ein Schmunzeln zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. Doch noch ehe sie etwas erwidern konnte, wurde Stimmung kurz wieder ernster. Er dankte ihr dafür, dass sie gekommen war. Augenblicklich erhöhte sich ihr Puls wieder. „Ich bin froh, dass es uns beiden gelungen ist“, antwortete sie aufrichtig lächelnd.

Verlegen senkte Mai den Blick, als sie merkte, dass Joudan sie länger ansah. Sie merkte die Hitze in ihrem Gesicht aufsteigen. Manchmal wunderte sie sich selbst darüber, wie anders ihr privates Ich im Gegensatz zu ihrem beruflichen Ich war. Seine Einladung ließ Mai wieder überrascht aufblicken. Ein Lächeln zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. „Ein Spiel für die Unendlichkeit“, lachte sie leicht auf. Dann wäre sie wohl beim nächsten- „Der Wirt hat den Koch bereits gelobt“, unterbrach sie ihren eigenen Gedankengang merklich aufgeregt. Mai war noch immer ziemlich steif, um nicht zu sagen mit der Situation überfordert. Der Smalltalk half aber bereits, ein wenig runterzukommen. So war es auch interessant zu hören, dass Joudan zwei andere Shinobi aus Shirogakure kennengelernt hatte. Das war zumindest die Interpretation von Mai, denn sie konnte sich kaum vorstellen, dass er außerhalb einer Mission diese Gelegenheit gehabt hatte. Vielleicht sollte die Blauhaarige sich aber auch besinnen, in welcher Situation sie sich gerade mit Joudan befand. Eine Mission war das nicht. Interessiert fragte Mai natürlich sogleich nach: „Du weißt ja, meine Heimatstadt ist groß, aber vielleicht kenne ich sie ja?“ Ein Vorname allein wäre vielleicht nicht so hilfreich, aber mehr könnte er ihr hier kaum nennen. Über seine Idee mit dem Umzug konnte Mai nur schwach auflachen. Es war nur ein Scherz gewesen, doch wussten sie wohl beide, dass es ein unmögliches Unterfangen wäre. Es war gut, dass Joudan bald darauf das Thema wechselte und Mai nach ihrer Anreise fragte.

Sie wollte sogleich antworten: „Hat der Dandy sich aufgedrängt, junge Dame?“ Nein, das kam nicht von ihr. Der Wirt stand am Tisch der beiden und sah Joudan nicht besonders freundlich an. Das hatte aber durchaus auch was komisches, daher grinste Mai entsprechend amüsiert. Dandy, hihi. „Ganz und gar nicht, wir waren verabredet“, entgegnete die Blauhaarige fröhlich, woraufhin der Wirt außerordentlich schnell eine weitere Speisekarte zückte und sie Joudan gefährlich nah unter die Nase hielt. „Was wollt ihr trinken?“, fragte er brummelig und verzog sich wieder, als der die Bestellung aufgenommen hatte. „Er ist sehr bemüht um seine Gäste!“, lachte Mai, noch immer amüsiert über das Wort Dandy.

Meine Reise war angenehm! Ich habe das genutzt um in einer kleinen Herberge an der Grenze zu übernachten. Dort war ich schon so oft, dass ich die Betreiberin ein wenig kennenlernen konnte. Sie ist wirklich nett und freut sich immer über Besuch“, erzählte Mai Joudan gut gelaunt. „Außerdem hat die Herberge eine heiße Quelle. Ein Geheimtipp!“, grinste sie dann verschmitzt. Und plötzlich fühlte es sich wieder wie immer an mit Joudan. Einen Augenblick lang sah Mai ihm in die Augen, ihr Lächeln aber schwand langsam, ihre Augen suchten nach seiner Hand. „Und.. wie geht es dir? Macht dir deine Hand noch zu schaffen? Oder hast du alles gut überstanden?“ Zögerlich nahm sie wieder den Blickkontakt auf. Mai war im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davongekommen. Man sah es natürlich nicht mehr, schließlich war mittlerweile alles verheilt. Doch die Bilder und Erinnerungen, das Wissen, zu spät gekommen zu sein, blieben..

So, zum Wohl!“ Der Wirt hatte ein echt schlechtes Timing..


 

Kushou Joudan

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Mai schien Joudan seine Verspätung nicht allzu krumm zu nehmen, zumindest gestattete sie ihm, sich zu setzen. Das war doch ein guter Anfang. Und dass sie froh war, den Blondschopf hier zu treffen, stimmte Joudan zuversichtlich. Der Ame-Nin setzte sich Mai gegenüber an den Tisch und warf einen kurzen Blick nach links und rechts. Besonnen hatte Mai einen Tisch in einer etwas ruhigeren Ecke des Izakayas herausgesucht, sodass die beiden sich unterhalten konnten, ohne dass gleich das ganze Establishement es mitbekam. Die meisten Gäste scherten sich nicht mehr um die Neuankömmlinge, nur ein, zwei Blicke von Neugierigen konnte Joudan erhaschen, die sich jedoch sofort abwandte, als sie bemerkten, dass der Händlersspross zurückblickte. Zufrieden wandte er sich wieder seiner Tischgesellin zu.
Leider waren Mai und Joudan am heutigen Tag nicht einfach nur zusammen gekommen, um ein wenig zu turteln. Es standen ernste Gesprächsthemen zwischen den beiden Chuunin an und Joudan war ein wenig mulmig dabei, jetzt, da er Mai so vor sich sitzen sah. Der Blondschopf hatte schon lange keinen "Beziehungsdrama" mehr gehabt, und die Dinge zwischen Mai und ihm waren ohnehin eine etwas andere Hausnummer wie andere Beziehungen, die Joudan bereits geführt hatte. Doch dass Mai den Weg ins Toshi no Kokka auf sich genommen hatte, zeigte dem Händlersspross wenigstens, dass ihr auch etwas daran lag, aufzuklären, was zwischen den beiden in der Luft stand.

Joudans Plan, sich nicht Kopf voran in die wirklich ernsten Themen zu stürzen, schien Mai zu passen. Zumindest stimmte sie dem Vorschlag, etwas zu Essen zu bestellen, zu. "Ein Freund hat mir diese Lokalität empfohlen, er schwärmte ebenfalls über die Küche.", pflichtete Joudan Mai bei und warf verstohlen einen Blick auf die Speisekarte, die Mai schon hatte. Der Blondschopf hatte schon eine genaue Idee, was er Essen würde: Ein Gericht, das er vor gar nicht allzu langer Zeit für Hei und Mari, seine Schwester und sich selbst gekocht hatte. Der Blondschopf wollte sich zur Angewohnheit machen, mehr regionale Spezialitäten zu essen, wenn er in der weiten Welt unterwegs war, und heute war dazu ein guter Zeitpunkt.
Mai horchte auf und zeigte sich interessiert, dass Joudan auch noch Bekanntschaft zu anderen Shiro-Nin geschlossen hatte. Als sie jedoch weiter nach den beiden fragte, zog Joudan instinktiv scharf Luft ein und schüttelte langsam den Kopf.
"Sowie ich den beiden nichts über dich erzählt habe, erwähne ich am besten nicht mehr von den beiden. Du weißt, wie es ist..." Joudan seufzte. Kompliziert war es. Aber Mai und Joudan hatten schon im Voraus gewusst, dass das, was sie gemeinsam versuchten, kompliziert werden würde.

Mai wollte gerade auf Joudans nächste Frage antworten, da schnürte der Wirt des Izakayas ihr das Wort ab. Und wie unverschämt er das tat. Der Blondschopf konnte zwar den guten Willen hinter der Sorge des Wirtes erkennen, doch was war das bitte für eine Art mit Gästen umzugehen? Joudan? Ein Dandy? Nur, weil er sich orderntlich kleiden konnte? Zum Glück entschärfte Mai, die das ganze Wohl erheiternd fand, die Situation mit diplomatischen Worten und stimmte den Wirt damit mehr oder weniger zufrieden. Joudan nickte der Aussage Mais zu und musste schon im nächsten Moment ruckartig den Kopf zurückziehen, denn der Wirt hätte ihm fast die Speisekarte gegen die Nase gezimmert, so nah hielt er das in braunes Leder gebundene Büchlein vor das Gesicht des Blondschopfes.
"Ähm... Danke...", brachte der Ame-Nin ein wenig zögerlich und nicht ganz so überzeugend hervor, was ihm einen misslichen Blick des Wirtes erntete. Wenn das hier so weiter ging, würde der Kerl Joudan noch rausschmeißen, bevor dieser sich hatte mit Mai aussprechen können. Schnell blätterte der Händlersspross durch die Karte zu den Getränken, ließ Mai den Vortritt, suchte sich einen Weißwein, der einen halbwegs lokalen Namen trug und teuer genug war, dass der Wirt Joudan hoffentlich wenigstens des Geldbeutels wegen in seiner Stube behalten würde, und legte dann die Karte zurück auf den Tisch.

Als der Wirt wieder den Tisch verlassen hatte, musste Mai herzlich lachen.
"Sicher. Um manche mehr, um manche weniger.", gab der Blondschopf zurück und warf einen Blick über die Schulter zum Wirt, der sich daran machte, die Getränke für Mai und Joudan herauszusuchen. Dann lehnte er sich ein wenig über den Tisch, bedeutete Mai mit einem kleinen Fingerzeig, es ihm gleichzutun und ihm so ein wenig näher zu kommen. Verschwörerisch und leise sprach er dann zu seiner Verabredung: "Um als Dandy durchzugehen bräuchte ich doch einen Hut. Und eine Fliege. Oder?", wollte er sich versichern, ließ Mai dann jedoch von ihrer Reise berichten.
Während die Blauhaarige über eine kleine Herberge mit heißer Quelle berichtete, zwang Joudan sich selbst, das eigene Atmen ein wenig zu verlangsamen. Mai eben für einen kurzen Moment derart nahe gekommen zu sein hatte sein Herz in Wallungen gebracht. Er merkte, wie ihm die Öhrlein ganz warm wurden. Und er merkte, dass er die blauhaarige Kunoichi wirklich vermisst hatte.
"Lass mich wissen, wo ich dieses nette Örtchen finden kann. Geheimtipps nehme ich natürlich gerne mit.", fragte er Mai und griff dann ihren Blick auf, als sie sich nach seinem Wohlergehen erkundigte.
Wie ging es Joudan? Das war eine komplizierte Frage, die nicht einfach mit ein, zwei Sätzen beantwortet werden konnte. Zum Glück spezifizierte Mai ihre Frage und erkundigte sich speziell nach seiner Hand.
"Ah, die ist gut verheilt.", versicherte Joudan ihr und präsentierte zur Demonstration den Handrücken seiner rechten Hand. Die Haut in Gegend um seine Fingerknöchel und auf den ersten Fingergliedern hatte einen etwas fleischigeren Farbton als die umliegende Haut: Narbengewebe. Doch das lag nicht an Mais Behandlung sondern an der Tatsache, dass Joudan sich die Stelle öfter aufriss (wenn auch bisher noch nicht so schlimm wie in Yugakure). "Zum Glück hatte ich eine gute Ärztin.", beteuerte er ihr und legte die Hand auf die Tischmitte, sodass Mai sie genauer betrachten konnte. Oder sie ergreifen. "...und gutaussehend war sie auch noch.", fügte Joudan grinsend hinzu. Doch noch ehe Mai dazu kommen konnte, irgendwas mit Joudans Hand zu machen, klatschte der Wort förmlich ein Tablett mit den Getränken der beiden auf den Tisch und Joudan musste Arm und Hand erschrocken zurückziehen. Irritiert zuckte er mit den Augenbrauen und fragte sich, was der Typ denn für ein Problem mit Joudan hatte. "Habt ihr euch schon mit dem Essen entschieden?", fragte er und Joudan nickte. Wie schon zuvor ließ er Mai den Vortritt und bestellte danach Tomaten-Risotto. Das hatte Arumaru ihm empfohlen, weshalb der Blondschopf - außer zur Weinwahl - nicht in die Karte hatte blicken müssen. Der Wirt nahm die Bestellung der beiden Gäste auf und verließ dann den Tisch, nicht aber ohne Joudan dabei noch einen finsteren Blick zuzuwerfen.

Schwer ausatmend verdrehte Joudan die Augen, als der Wirt vom Tisch verschwunden war, und lenkte seine Aufmerksamkeit zurück auf Mai. Von ihrem geschwollenen blauen Auge war nichts mehr zu sehen, sie schien die Mission in Yugakure also - zumindes körperlich - gut überstanden zu haben. Dennoch, die letzte Mission der beiden war keine, an die der Blondschopf gerne zurückdachte. Er hatte einen guten Freund und Mai beinahe verloren. Er hatte eine Tat begangen, die schrecklich und - im Nachhinein betrachtet - ziemlich unnötig gewesen war. Und für Mai war es schon die zweite schlimme Erfahrung in Yugakure gewesen, von dem Anschlag auf ihr Gasthaus hatte sie Joudan ja berichtet.

"Auch ansonsten geht es mir gut, Mai. Danke. Ich wurde mittlerweile befördert und meine kleine Schwester hat ihre Abschlussprüfung bestanden." Joudan legte den Kopf ein wenig schräg und überlegte, was er Mai denn noch über sich selbst berichten konnte. "Ich bin schon lange auf der Suche nach etwas und... nein." Joudan presste verlegen die Lippen aneinander. Mai hatte die ganze Wahrheit verdient, und außerdem fühlte es sich richtig an, ihr ein wenig mehr über sich selbst preiszugeben. Er wollte, dass sie ihn verstand. "Ich bin schon lange auf der Suche nach jemandem. Meinem Vater.", korrigierte sich der Blondschopf und nahm tief Luft. "Vor kurzem habe ich einen Hinweis auf ihn gefunden. Diesem werde ich bald nachgehen." Erleichtert darüber, das ausgesprochen zu haben, blickte der Blondschopf zu Mai auf. "Entsprechend ist bei mir vieles gerade im Wandel. Aber alles in allem glaube ich, dass es sich in eine gute Richtung wandelt. Und wie geht es dir? Wie waren deine letzten Wochen?" Verstohlen rückte Joudan mit seinem Stuhl ein wenig näher an den Tisch heran, warf einen Blick zum Wirt, der gerade mit einem anderen Gast am Theken Münzen austauschte, und legte dann die rechte Hand mit der Handfläche nach oben auf die Tischfläche. "Schnell, lass uns ein paar Augenblicke Händchen halten, bevor der Wirt es bemerkt.", witzelte der Blondschopf und sah weiter in Richtung des Wirtes. Nicht nur gestaltete er so die Situation ein wenig lustig, er musste Mai auch nicht ansehen und unter Druck setzen. Innig hoffte er natürlich trotzdem, dass die Blauhaarige sich an seiner Hand "vergreifen" würde.

@Sakaida Mai
 

Sakaida Mai

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Ein Freund hatte ihm dieses Lokal also empfohlen? Da wäre es nun interessant zu erfahren, unter welchen Umständen es diesen Freund wohl nach Toshi no Kokka verschlagen hatte. Bis vor kurzem war ein Besuch in dieser Stadt noch kaum möglich gewesen. Doch Mai würde nicht weiter danach fragen, wahrscheinlich würde sie auch darauf keine Antwort bekommen.. Als Joudan auf ihre Frage nach den Leuten aus ihrer Heimat natürlich keine Auskunft geben konnte und wollte, blickte Mai ihm für einige Sekunden gedankenverloren in die Augen. Zwar waren ihre Lippen zu einem Lächeln geformt, doch die blauen Augen konnten dies nicht ausstrahlen. Sie würden derart normale, belanglose Dinge niemals teilen können. Der Großteil des Lebens des jeweils anderen würde unter Verschluss bleiben müssen. „Ja. Ich weiß wie es ist“, versicherte sie ihm ebenfalls seufzend und blickte dann für einen Moment auf die Tischplatte.
Der grummelige Wirt hatte es aber geschafft, die Stimmung wieder ein wenig aufzulockern, wenn auch auf Kosten des Blonden. Mai hatte sich für ein Glas Wasser und einen grünen Tee entschieden, von alkoholischen Getränken ließ sie in unbekannter Umgebung grundsätzlich die Finger. Als Joudan ihr näher kam, setzte sie sich erwartungsvoll und mit großen Augen auf. Doch er kam lediglich auf den Dandy zu sprechen, was Mai nichtsdestotrotz kichern ließ. „Hier sind Hut und Fliege wohl nicht ausschlaggebend“, entgegnete sie verschmitzt lächelnd. Hier machten ordentliche Klamotten wohl schon zum Dandy, wobei es vielleicht auch an der subjektiven Wahrnehmung des Wirts lag.

Neugierig begutachtete die Iryōnin die Hand von Joudan, welche sie vor vielen Wochen mit Hilfe eines Jutsus so gut wie möglich geheilt hatte. Natürlich konnte man erkennen, dass die Haut stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, doch alles in allem durfte man wohl zufrieden sein. Die ganze Zeit über hatte Mai die einst verletzte Hand des Shinobi begutachtet, bis er ihr dann zwei Komplimente machte. Besonders das zweite ließ sie verlegen aufblicken und sie spürte sofort, wie sich - wie immer - ihre Wangen rot färbten. Und plötzlich, noch bevor Mai etwas darauf erwidern konnte, kamen die Getränke und der Wirt erkundigte sich nach dem Essenswünschen. Dabei sah er zuerst zu der Blauhaarigen und lächelte sie herzlich an. Mai entschied sich für ein traditionelles Gericht und wählte daher Tonkatsu. Wenn die Küche hier wirklich so gut war, dann konnte sie damit wohl kaum etwas verkehrt machen.

Es war schön zu hören, dass es Joudan ansonsten gut ging. Vor allem über seine Beförderung und die bestandene Abschlussprüfung seiner Schwester freute Mai sich. Sofort hellte sich ihre Miene wieder auf (als der Wirt so grantig davon gestampft war und Joudan so geschafft wirkte, war sie kurzzeitig etwas verunsichert) und sie sprach ihre aufrichtigen Glückwünsche aus: „Das klingt ja toll! Ich freue mich wirklich für euch“ Dann würden aber nun schwere Zeiten auf Joudan zukommen, denn nun könnte er Rin nicht mehr rund um die Uhr schützen, sondern müsste sie ziehen lassen. Die Stimmung änderte sich wieder, der kurze Smalltalk wich einem ernsten Thema. Joudan war auf der Suche nach jemandem? Gespannt sah sie ihm in die grasgrünen Augen und stutzte, als er offenbarte, dass dieser Jemand sein Vater sei. Tatsächlich verstand Mai im ersten Moment nicht, warum er ihr ohne Vorwarnung etwas derartiges anvertraute. Doch da fiel ihr ein, dass sie ihm von ihrem Bruder erzählt hatte. Ob es daran lag? Wie dem auch sei, es war ein enormer Vertrauensbeweis und Mai ging mit solchen Informationen stets höchst vertraulich um. „Ich wusste nicht, dass dein Vater vermisst wird“, begann sie zögerlich und das Bedauern darüber war ihr deutlich anzumerken. „Ich hoffe, dass sich diese Hinweise als hilfreich erweisen werden. Aber sei vorsichtig“, bat sie ihn eindringlich, schließlich gingen solche Geschichten nur selten gut aus. „Ich werde nun nicht weiter danach fragen, um dich nicht in die Verlegenheit zu bringen, diesen Fragen ausweichen zu müssen. Aber du weißt, du mir gerne mehr darüber erzählen kannst“, versicherte Mai ihm dann herzlich lächelnd, woraufhin sie sich in ihrem Stuhl zurücklehnte und kurz aus dem Fenster blickte. „Die letzten Wochen..“, wiederholte sie, ehe sie sich wieder Joudan zuwandte. „Ich könnte nichts Außergewöhnliches erzählen, der Berufsalltag hatte mich schnell wieder eingeholt. Irgendwie geht es immer weiter, als wäre zuvor nichts gewesen“, erklärte Mai ihm nachdenklich. In dem Bergwerk, allein in der Zelle.. Shunsui so zugerichtet zu sehen.. die eigenen Taten.. es war, als würde die Zeit stehen geblieben sein. Als würde sich von nun an alles ändern. Doch die Welt hatte nie wirklich aufgehört, sich zu drehen. Die Zeit nahm keine Rücksicht auf Momente. „Oh, doch“, fiel Mai dann plötzlich ein und ihre blauen Augen funkelten begeistert. „Ich war auf einem Maskenball! In Fukumen. Du hättest mich sehen sollen! Wobei.. ich bin überzeugt, du hättest mich nicht wiedererkannt“, lachte sie und grinste dabei, als säße ihr der Schalk im Nacken.

Fragend blickte Mai den blonden Shinobi aus Amegakure an, als er seine Hand auf den Tisch legte und sich nach dem Wirt umsah. Doch die Erklärung für sein Verhalten folgte prompt und während die Kunoichi im ersten Moment noch leicht auflachen musste, war sie im nächsten Moment plötzlich ziemlich unschlüssig. Sie erinnerte sich an die Stunden in Yugakure, an den Eklat vor dem Daimyō, als Shunsui ausrastete und an seine Worte, als er wieder klarer war. Aber vor allem erinnerte Mai sich an das flaue Gefühl, welches sich daraufhin in ihrer Magengegend ausgebreitet hatte. Enttäuschung, Ärger über sich selbst und Scham. Und dann die Frage, ob sie dafür ihren Weg als Kunoichi und ihr gesamtes Leben in Shirogakure aufs Spiel gesetzt hat. Ohne wirklich zu wissen, was sie nun eigentlich tun sollte, hob Mai ihre Hand und wollte sie tatsächlich in Richtung Joudans ziehen lassen, doch da es sich bei ihr um einen unverbesserlichen Tollpatsch handelte stieß sie dabei versehentlich ihr Wasserglas um. „Ups!“, entkam es ihr erschrocken über ihr Missgeschick und so schnell wie möglich stellte sie das Glas wieder auf. „Das tut mir wirklich leid!“, entschuldigte sie sich hektisch und spürte bereits, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Wenigstens war es nur das kalte Wasser gewesen und nicht der heiße Tee. Mit ein paar Servietten wollte sie das Malheur schnell beheben und biss sich dabei auf die Unterlippe. „Es war wirklich keine Absicht! Auch kein versteckter Hinweis oder dergleichen!“, versicherte sie ihm noch immer hektisch, lächelte ihn aber dann entschuldigend an.

 

Kushou Joudan

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"Ja. Ich weiß, wie es ist.", sprach Mai und seufzte dabei schwer. Auch Joudan stieß ein wenig Luft durch die Nasenlöcher aus und schloss für einen Moment die Augen. Das war wohl etwas, was immer zwischen den beiden stehen würde - ihre Loyalität zu verschiedenen Ländern. Die Hürden, die sich daraus ergaben, machten es schwierig, selbst einfachen Smalltalk zu führen oder über die vergangene Zeit zu reden - das war etwas, was Joudan so zwar bewusst gewesen war, ihm jedoch jetzt gerade zum ersten Mal so richtig auffiel.
Zum Glück war das Verhalten des Wirtes ein Gesprächsthema, bei dem weder Mai noch Joudan etwas verbergen mussten. Der Blondschopf war es mittlerweile gewohnt, für seinen Kleidungsstil ab und an schräg angesehen zu werden, doch die beinahe offene Feindseligkeit des Gastwirtes verwunderte den Ame-Nin doch ein wenig. Vielleicht lag es ja an der jüngeren Vergangenheit des Landstriches? Das Toshi no Kokka war in einen Bürgerkrieg verwickelt gewesen, oftmals polarisierten derartige Ereignisse die Bewohner eines Landes. Vielleicht schlummerte im Wirt ja eine Verabscheuung gegen die Oberschicht, die er nun auf Joudan projizierte?
Vielleicht war er aber auch einfach nur pissig, weil Joudan das hübscheste Mädchen im Izakaya abbekommen hatte.

Mai drückte ihre Freude über die guten Nachrichten Joudans aus. Auch seiner Erzählung über das Schicksal seines Vaters lauschte die Blauhaarige und wünschte dem Blondschopf für seine weitere Suche alles Gute. Joudans Vater war auf einer Mission verschollen, bis heute trug der Blondschopf beinahe überall die Oinin-Maske seines alten Herren in der Manteltasche bei sich - einer der Gründe, warum Joudan bei beinahe jedem Wetter den braunen Ledermantel anzog. Große Taschen. Der Gedankengang, dass sein Vater vielleicht in die Hände Shirogakures gefallen war, war Joudan schon oft gekommen und er graute den Ame-Nin. Gegen einen Haufen Banditen oder abtrünniger Ninja würde er sich behaupten können. Sich alleine mit Shirogakure anzulegen, das lag dann wiederum doch ein wenig außerhalb seiner Fähigkeiten. Glücklicherweise deuteten Joudans Nachforschungen - ein alter Zeitungsbericht, den er in einem Archiv gefunden hatte - darauf hin, dass das Verschwinden seines Vaters mit einem neutralen Gegenspieler zu tun hatte.
Mai bot Joudan an, weiter darüber zu reden, stellte aber keine Fragen mehr. Das war vielleicht eine gute Taktik.
"Er ist Arzt...", erklärte er der Blauhaarigen, die einen Moment lang aus dem Fenster blickte. "Genau so wie du." Seufzend tat Joudan Mai es gleich und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Da er kein Fenster in seinem Blickfeld hatte, starrte er stattdessen die Decke an. Eichenholz, lautete sein Urteil. "Er war viel unterwegs, du versehst das sicher. Eines Tages kam er einfach nicht heim, damals war ich elf Jahre alt. Ich..."
Joudan stockte, er wusste nicht so recht, wie er formulieren sollte, was er fühlte. Und er begann normalerweise keine Sätze mit dem Wort "Ich". "Ihn zu finden oder zumindest herauszufinden, was mit ihm geschehen ist, darauf arbeite ich schon lange hin. Das ist auch der Grund, warum ich diesen... ähm... Karriereweg eingeschlagen habe." Zufrieden lehnte der Ame-Nin sich wieder nach vorne und auch sein Blick wanderte wieder zu seiner Gesprächspartnerin. Ein wenig offen mit jemandem zu reden tat gut. Joudan war froh, dass er Mai genug vertraute, um auch über Derartiges mit ihr sprechen zu können.

Als die Blauhaarige über den Maskenball in Fukumen redete, schlich sich ein Grinsen auf die - für die letzten Momente untypisch dunkle - Mine Joudans. Er war auch dort gewesen und hatte sie nicht erkannt.
"Da kann ich dir zustimmen, ich habe dich wirklich nicht wiedererkannt, auch wenn ich mir sicher bin, dass wir uns wohl das ein oder andere Mal begegnet sein müssen. Das Kurhaus war nicht so groß." Joudan ließ Mai wissen, dass er ebenfalls anwesend gewesen war. Die beiden hatten sich dort verpasst, wie Schiffe in der Nacht. Joudans aufkeimender Missmut, eine Gelegenheit, einen Abend mit Mai zu verbringen, verpasst zu haben, wurde aber zugleich wieder verweht vom Lachen der Blauhaarigen. Joudan mochte es, wenn sie lachte. "Sicher sahst du bezaubernd aus." Ein Gedanke kam dem Blondschopf. "Irgendwann muss ich dich mal in einem Kleid sehen, das kann ich mir bei dir sehr gut vorstellen."

Mai schien Joudans Idee, ein wenig Händchen zu halten, ein wenig zögerlich aufzugreifen. Nicht nur das, sie stieß bei dem Versuch, den Händen des Händlerssprosses ein wenig näher zu kommen, auch noch ihr Glas Wasser um. Die Blauhaarige war wohl ein wenig nervös zu sein. "Alles gut.", versicherte Joudan ihr und half Mai zugleich dabei, das verschüttete Wasser wieder ein wenig mit Servietten abzutupfen. Der Wirt würde das sicher dem Blondschopf anhängen. Einige hektische Augenblicke wurden Mai und Joudan dem verschütteten Mineralwasser Herr, danach setzten sie sich zurück auf ihre Plätze. Joudan kniff die Lippen zusammen, irgendwie hatte ihm das den Wind aus den Segeln genommen. Einen Augenblick lang herrschte bedrückende Stille zwischen den beiden und das Essen würde noch einen Moment auf sich warten lassen, würde die Stille also auch in absehbarer Zeit nicht brechen. Vielleicht war es nun an der Reihe, das anzusprechen, was der Grund für das Treffen der beiden war. "Ich..." Schon wieder. "...würde gerne über das Reden, was in Yugakure passiert ist. Speziell über das, was Shunsui-san mir vorgeworfen hat. Ist das für dich in Ordnung?"
 
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Sakaida Mai

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Beinahe hätte sich Mai in ihren eigenen Gedanken verloren, da riss Joudans Erzählung über seinen Vater sie wieder zurück ins Hier und Jetzt. Ja, sie verstand. Er schien kein normaler Arzt gewesen zu sein, wenn er ständig und viel unterwegs war. Joudans Vater war allem Anschein nach ein Iryōnin, genau wie sie. Und sein Sohn vermisste ihn schrecklich, das bemerkte Mai. Jedes Wort, welches Joudan über die Lippen kam, schien so schmerzlich zu sein. Auch seine Augen sprachen Bände und die Blauhaarige konnte diesen unerträglichen Zustand nur zu gut nachvollziehen. Die beiden Shinobi waren noch Kinder gewesen, als sie von Menschen verlassen wurden, die ihnen so nah standen. Mai konnte sein Bedürfnis nach Antworten verstehen, allerdings war dies ein gefährliches Unterfangen. Mai fuhr gut damit, die Geister der Vergangenheit ruhen zu lassen. Doch eine Nachricht über das plötzliche Auftauchen jener Räuberbande, welche ihren Bruder umgebracht hatte, hatte auch in ihr das Bedürfnis geweckt, Fragen zu stellen. Doch für den Moment konnte Mai ihr Gegenüber nur aufrichtig anlächeln. „Du bist so entschlossen, nach all den Jahren. Ich hoffe wirklich, dass du nicht enttäuscht wirst“, teilte sie ihm ehrlich mit. Lieber hätte sie gesagt, dass alles gut werden würde oder dass er auf ihre Hilfe zählen könnte, doch beides wäre nicht authentisch.

Diese Thematik war schwer, daher war es durchaus erleichternd, als die beiden wieder zu ein wenig Smalltalk wechselten. Vor allem der Maskenball in Fukumen sorgte für Überraschung, denn auch Joudan hatte an dieser Veranstaltung teilgenommen - ohne ihr Wissen. Schade.. Der Gedanke, dass sie einander dennoch dort begegnet sind, ließ Mai verschmitzt grinsen. „Meine Maske verbarg lediglich einen Teil meines Gesichts“, verriet sie ihm. „Wenn dir also eine Brünette mit Schmetterlingsmaske und goldgelben Augen begegnet ist, dann war ich das!“, lachte sie amüsiert. Noch immer fand Mai ihre Idee, die Maskerade hauptsächlich auf ihre besonderen Merkmale zu legen, clever. Es hatte Spaß gemacht, für einige Tage dunkelbraunes Haar zu haben. Doch auch Joudan schien seine Identität gut verborgen zu haben. „Es ist wirklich schade, dass wir einander nicht erkannt haben

Natürlich freute Mai sich über Komplimente, doch Bewunderung dieser Art machten sie immer regelrecht verlegen. Er benutzte das Wort „bezaubernd“, da sah Mai eine halbe Sekunde lang überrascht in die grasgrünen Augen Joudans, ehe sie lächelnd den Blick abwandte, da sie ihm nicht länger standhielt. Sie merkte, wie ihr wärmer wurde und ihr Puls sich beschleunigte. „Wer weiß, was die Zukunft bringt. Es scheint kein unmöglicher Wunsch zu sein“, entgegnete Mai und lächelte neckisch. Erst wenige Sekunden später seufzte sie innerlich auf. Nicht unmöglich, aber kaum umzusetzen, wenn sie beide ehrlich waren. Selbst ihr Missgeschick, welches für einen Moment lang für Chaos sorgte, konnte kurze Zeit später nicht das Unaufhaltsame verhindern. Joudan und Mai mussten reden.

Ob es für sie in Ordnung wäre, über das Geschehene zu sprechen? „Sicher“, antwortete sie beinahe stimmlos und gab sich Mühe, seinem Blick standzuhalten. Seit den Ereignissen in Yugakure war viel Zeit vergangen und Mai hatte oft über alles nachgedacht. Das, was sie in den Stunden der Mission ohne Umschweife unterdrücken und verdrängen musste, da der Auftrag im Vordergrund stand, kam einige Tage darauf zum Vorschein. Die Blauhaarige war wütend gewesen, verletzt, verärgert, enttäuscht. Und sie hätte den Shinobi aus Amegakure auch sobald nicht wieder sehen wollen. Doch als diese Gefühle überwunden waren und sie wieder klar sehen konnte, wurde es leichter. Beinahe beschämt biss sie sich auf die Unterlippe, als sie Joudan etwas gestand: „Um ehrlich zu sein, war ich in den ersten Tagen sehr enttäuscht und wütend auf dich. Aber ich will gar nicht näher auf die Vorwürfe, die ich dir gemacht habe, eingehen“ Dann lächelte sie ihn wieder an. „Ich weiß jetzt, dass ich dir Unrecht getan habe. Zum einen schien Shunsui in einem Ausnahmezustand gewesen zu sein. Und zum anderen.. sind wir in Shinkusa keine Verpflichtungen eingegangen“ Doch das war nicht alles, was es zu sagen gab. Und dennoch vorerst genug, denn sicherlich wollte Joudan sich dazu äußern.
 

Kushou Joudan

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Joudan wusste nicht, wohin der Abend Mai und ihn noch führen würde. Konnten sie, was derzeit zwischen ihnen stand, aus dem Weg räumen? Oder würde die wacklige Verbindung zwischen den beiden zwischen der Distanz, den Umständen und der Anspannung reißen? Der Blondschopf konnte es nicht absehen. Dennoch fasste er sich zum Ziel, es irgendwie einmal zu schaffen, Mai in einem hübschen Kleid zum Tanz zu bitten. Das wäre wirklich ein wahrhaftig bezaubernder Anlass.
Leider gab es aber im Hier und Jetzt Dinge zu klären, die diesen Wunsch vielleicht in weite, weite Zukunft rückten.
Mai erklärte Joudan, dass sie verletzt und enttäuscht, mittlerweile aber darüber hinweg war. Das war unfair. Ihr gegenüber. Joudan hatte nicht die Zeit gehabt, ihr noch in Shinkusa Rede und Antwort zu stehen. Nachdem das Team die Stollen verlassen hatten, war alles wahnsinnig schnell gegangen. Shunsui musste ins Krankenhaus gebracht werden, der Daimyo war da um seinen Sohn in Empfang zu nehmen und dann waren Chinatsu und Mai auch schon wieder aufgebrochen gewesen, während Joudan noch einige Tage an Shunsuis Seite verbracht hatte, bis dieser für die Heimreise wieder fit war. Seinem Teamleiter nicht den Hals umzudrehen oder ihn wegen seinem Verhalten zu Rede zu stellen, hatte Joudan einiges an Überwindung gekostet.

Mais Mine spiegelte ihren Zwiespalt wieder. Mal sah sie betroffen zur Seite, mal lächelte sie den Kushou freundlich an. Nachdem sie ausgesprochen hatte, blickte sie Joudan erwartungsvoll an, war nun scheinbar für seine Aussage bereit. Der Blondschopf holte tief Luft, seufzte dann genauso tief aus.
"Wir sind in Shinkusa keine Verpflichtung eingegangen, ich habe mich dennoch so verhalten, Mai. Dass ich es mit uns versuchen möchte, wie ich es damals im Steingarten gesagt habe, meinte und meine ich ernst." Kein guter Start, das hörte sich ja fast vorwurfsvoll an. "Kaya... das ist eine gute Freundin von mir. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt im Reich des heißen Wassers hat Shunsui mir offenbart, dass er wohl romantische Gefühle für Kaya hat." So viel für die Vorgeschichte. Joudan hielt sich so kurz wie möglich, wollte Mai nicht mit langen Erzählungen langweilen, aber das, was er erzählte, war seiner Meinung nach wichtig. "Shunsui, Kaya und ich waren wenige Tage vor der Mission in Yugakure zusammen auf einem Job, dort hat Kaya mich umarmt. Wie Freunde das manchmal tun, wenn man sich begrüßt oder verabschiedet, wenn etwas Gutes oder Schlechtes passiert ist. Mehr ist nicht vorgefallen, das will ich dir versprechen." Nun war Joudan doch ein wenig nervös. Er kneifte die Lippen zusammen, suchte Mais Blick, spähte in ihren Augen, ihren Augenbrauen, ihrem Mundwinkel nach Regungen, die ihm verrieten, ob sie ihm glaubte. "Dass Shunsui - vorsichtig ausgedrückt - etwas schräg drauf war, ist mir auch aufgefallen. Ich sprach allerdings seitdem nicht mehr mit ihm, kann mir also sein Verhalten noch nicht erklären. Was ich vermute ist, dass er in seiner seltsamen Stimmung unterbewusst nach Gründen suchte, wütend zu sein, und dass er deshalb in eine harmlose Geste zwischen Freunden mehr hineindeutete." Joudan schluckte herb, kratzte sich unter der Tischplatte nervös über den Oberschenkel. Das war sein Verteidigungsplädoyer gewesen. Gerne hätte er Beweise oder Zeugen mitgebracht, doch Kaya mit anzuschleppen schien dem Blondschopf nicht wie sonderlich großartige Idee. Zerknischt legte Joudan die Hand auf den Tisch und blickte von ihr kurz zu Mai hinauf. "Ich weiß, dass dir Yugakure Schwierigkeiten bereitet hat, du hast mir davon erzählt. Dass du dich zudem so verletzt gefühlt hast, tut mir wahnsinnig leid. Ich wünschte, ich hätte dir das im Moment direkt erklären können, aber du weißt ja selbst, wie schnell dann alles gegangen ist..."

Der Wirt des Izakayas räusperte sich lautstark und Joudan erschrak. Den hatte er gar nicht kommen hören. Schnell zog er die Hand zurück, dass der grummelige Herr die Speisen der beiden auftischen konnte. So wenig Sympathie der Blondschopf auch für den Besitzer der Lokalität übrig hatte (was - Joudans Meinung nach - total auf Gleichseitigkeit beruhte), musste er beim Anblick des dampfenden Reises und der feurig-scharf verlaufenden Tomatensoße, erntete dem Wirt doch ein paar Pluspunkte. Joudan schaffte es sogar, ein "Herzlichen Dank." über die Lippen zu bringen, und sah dann neugierig zu Mais Teller. Ob ihr Essen wohl auch so gut aussah?
 

Sakaida Mai

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Gebannt saß Mai auf ihrem Stuhl, in einer aufrechten, regelrecht angespannten Haltung und die Hände in den Schoß gepresst. Ihre Finger waren verkrampft, als suchten sie Halt an ihren Beinen. Sie konnte ihre Nervosität nicht leugnen, allgemein konnte man die Blauhaarige oftmals lesen wie ein Buch. Ihre Augen funkelten gespannt, während sie aufmerksam jedem Wort Joudans lauschte. Er hatte sich also verpflichtet, so wie Mai es getan hatte? Es war schön, das zu hören. Aber die junge Frau wusste, dass Worte allein manchmal einfach nicht genug waren. Als hätte er ihre Zweifel erkannt, klärte er jene Situation auf, welche ihr lange im Magen gelegen hatte. Es war eigenartig, über eine Fremde zu sprechen, zu welcher man kein Gesicht hatte. Tatsächlich aber war Mai dieser Kaya schon einmal begegnet, nämlich auf dem Maskenball. Aber natürlich wusste sie davon nichts - und ihr Gesicht hatte sie ebenso wenig gesehen. Es überraschte Mai dabei nicht, dass Shunsui Gefühle für diese unbekannte Dame hegte, schließlich wäre er anderenfalls nicht derart ausgerastet. Außerdem hatte er so etwas angedeutet damals. Und so klärte Joudan die Geschichte weiter auf und erzählte seine Version des Ganzen. „..plötzlich sehe ich sie vor meinen Augen, eng umschlungen mit Joudan? War das etwa alles eine List? […] Ich dachte Joudan wäre mein Freund, […] einer von den Guten…“, hallten Shunsuis Worte in ihren Gedanken wieder. Aber er stimmte, auch Joudan sprach von diesem Ausnahmezustand, in welchem Shunsui sich befunden hatte. Er war so außer sich gewesen, dass er Mai sogar ein dunkles Geheimnis anvertraut hatte - wenn es auch mehr ein Versehen gewesen zu sein schien.

Mai bemerkte schnell, wie sehr ihr Gegenüber gerade litt. Sie sah ihm an, wie sehr ihn die Situation belastete, wie zerknirscht er dadurch war. Joudan tat ihr leid.. Allem Anschein nach war er wirklich das Opfer eines unglücklichen Ereignisses geworden. Am liebsten würde sie aufstehen, um den Tisch herum gehen und ihn in die Arme schließen. Ihn trösten und ihm sagen, dass alles in Ordnung ist. Aber sie wusste nicht, ob auf lange Sicht wirklich alles in Ordnung sein würde. Doch das Bedürfnis danach war immens. Allerdings schickte es sich einfach nicht, sich so in einer Kneipe zu verhalten. Also verharrte Mai in ihrer Position und sah Joudan einfach nur stumm an. Dann entschuldigte er sich bei ihr, für all die Umstände.. Als wäre das Leben in sie zurückgekehrt, bildete sich ein warmherziges Lächeln in ihrem Gesicht. Sie schüttelte leicht den Kopf, um ihm zu deuten, dass er sich nicht entschuldigen müsse und setzte zu einer Antwort an: „

Der Wirt räusperte sich.

Während er Joudans Teller wortlos serviert hatte, bekam Mai zusätzlich zum Tonkatsu noch ein Lächeln und ein: „Lass es dir schmecken, junge Dame!“ Das sah toll aus! Und es roch so gut! Strahlend vor Glück blickte Mai zu dem Wirt auf. „Vielen Dank!“ Zufrieden schlurfte der Mann wieder davon und die Blauhaarige musste ehrlich auflachen, als sie außer Hörweite waren. „Was hast du ihm nur getan?“, lachte sie weiter, da sie dieser Umstand wirklich amüsierte. Mai war ja auch so harsch von dem Wirt angeredet worden, da sie sein Etablissement verhüllt mit einer Kapuze betreten hatte. Doch seither war alles gut! Als sie ihr Gelächter hinter sich lassen konnte, sah sie kurz zu ihrem Gericht, dann wieder zu Joudan. „Bevor wir essen, möchte ich dir noch etwas sagen“, begann sie. Vorhin hatte sie nicht die Möglichkeit gehabt, etwas auf seine Ansprache zu erwidern. Das wollte sie nun nachholen. „Ich wollte dich nicht dazu nötigen, dich zu entschuldigen. Wahrscheinlich waren die Ereignisse einfach zusätzlich zu unserer Situation belastend. Wir sehen einander kaum, kennen nicht den Alltag des anderen.. geschweige denn dessen Freunde oder Familie. Das ist nicht einfach und wahrscheinlich hat es mich deswegen so getroffen“, erklärte Mai, ehe sie zum springenden Punkt kam, „aber ich habe dir in Shinkusa diesen Vertrauensvorschuss gegeben und dabei bleibe ich auch. Ich glaube dir also, was du mir jetzt offenbart hast“, sprach Mai und meinte damit die Geschichte um Kaya und Shunsui. Ihre Worte waren ehrlich, doch ihr Lächeln ein wenig zögerlich. Sie hatte Joudan unheimlich gern und wünschte sich, dass ihre Situation anders wäre. Es tat weh, dass sie die Umstände hinnehmen musste, ohne etwas daran ändern zu können. So weh, dass sie merkte, wie sich ein Schleier aus Tränen auf ihren Augen bildete. Seufzend senkte sie den Blick, um sich wieder zu beruhigen. Als ihr das gelungen war, sah sie wieder zu Joudan und lächelte herzlich wie immer. „Lass uns essen, bevor es noch kalt wird! Ich habe lange genug geredet“, lachte sie leicht auf, ehe sie den ersten Happen nahm. Wow! Mai konnte sich nicht erinnern, dieses Gericht jemals besser zubereitet verzehrt zu haben. „Das ist wirklich köstlich! Um ehrlich zu sein, hatte ich meine Zweifel, als ich hier ankam“, gestand sie Joudan grinsend. Für den Moment wollte sie einfach zusammen mit ihm essen und all den Schmerz vergessen.

 

Kushou Joudan

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Was hatte Joudan dem Wirt nur getan? Das war sicher das größte Rätsel des heutigen Abends. Vermutlich sah der Besitzer des Izakayas im Blondschopf einen schmierigen, schleimigen Aufreißer, der sich an die arme, unschuldige, wehrlose Mai heranmachte. In diesem Szenario war der Wirt der heldenhafte Retter, der Mai vor dem großen Fehler bewahrte, sich auf Joudan einzulassen.
Der Gedanke ließ den Blondschopf kurz schmunzeln, doch eine Überlegung erschloss sich darauß, die ganz und gar nicht zum Lächeln war: Beging Mai (und auch Joudan) vielleicht nicht tatsächlich einen großen Fehler mit all dem hier?
Der Ame-Nin hatte sein Bestmögliches gegeben, die Situation mit Kaya und ihm selbst irgendwie aufzuklären und Mais Antwort auf seinen Versuch ließ kurz warten, folgte erst einer Erklärung ihrerseits. Aufgeregt und ängstlich lauschte der Blonde den Worten der Kunoichi und klammerte sich dabei unter dem Tisch an den eigenen Oberschenkeln fest. Es waren Momente wie dieser, in denen er bemerkte, wie viel Mai ihm bedeutete.
Sie wollte ihm Glauben schenken. Eine Last fiel von den Schultern des Blonden ab, als er erleichtert ausatmete.
"Danke, Mai...", sprach er aus und fühlte sich dabei überglücklich. Dennoch entging ihm die kurze Pause der Blauhaarigen nicht, die dann vorschlug, zu essen. Alles war also noch nicht geklärt, doch die Sakaida hatte einen guten Punkt erwähnt: Joudan wollte auch essen. Arumaru hatte in höchsten Tönen von dem kleinen Restaurant geschwärmt, das er auf einer Geschäftsreise entdeckt hatte, und Joudan wollte die Empfehlung seines vermutlich besten Freundes nun auf die Probe stellen. "Lass es dir gut schmecken!", sagte er beinahe euphorisch zu Mai bevor er selbst zu den Essstäbchen griff und sich einen ersten Happen in den Mund manövrierte.
Im Schock riss der Blonde die Augen weit auf, seine Backen plusterten sich auf. Der Shinobi meinte, beinahe schon spüren zu können, wie ihm die Röte auf die Wangen schoss. Irgendjemand hatte sich da mit der Schärfe ganz und gar nicht zurückgehalten. Tränen füllten die Augen des Blondschopfes, der sein Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse verzog und damit zu kämpfen hatte, den ersten Bissen herunterzuschlucken. Als er dies dann nach wenigen Augenblicken doch geschafft hatte, wurden dem Ame-Nin zwei Dinge bewusst. Erstens passte seine Wein-Wahl ganz und gar nicht zur Schärfe des Gerichtes, zweitens schmeckte es einfach herausragend. Sicher, der Blonde fühlte jetzt schon seinen Mundraum schmerzen, doch neben der Schärfe, die nach Cayennepfeffer, Zimt und Chilli schmeckte, spielte die Säuerlichkeit der Tomaten ein wildes Spiel mit den Geschmacksknospen des Blondschopfes. Und da war noch mehr, irgendetwas frisches, spritziges. Limette vielleicht? Das schien auf den ersten Blick (oder viel mehr: den ersten Biss) kontraintuitiv, doch der Hobbykoch nahm sich vor, das Geheimnis dieses Risottos zu lüften.
"Schmeckt echt herausragend.", brachte er, noch immer von der Schärfe mitgenommen, heraus. Dass er schon bei seinem ersten Biss einen lustigen Anblick abgegeben haben musste, war dem Blonden egal.
Auch Mai war von ihrem Essen begeistert, was den Blondschopf glücklich stimmte. Sie durch die halbe Welt reisen zu lassen, nur um dann in einem schlechten Lokal zu sitzen, das hätte Joudan sich nicht verziehen. Alles in allem war er der Blonde mit Arumarus Empfehlung mehr als zufrieden. Sicher, der Kundenservice ließ ein klein wenig zu wünschen übrig, doch das Essen machte das locker wieder wett. Wie ein Mönch, der sich selbst geiselte um Erleuchtung zu finden, nah Joudan den nächsten Bissen seines schmerzhaft-scharfen Gerichtes zu sich. Danach knöpfte er sich die obersten zwei Knöpfe seines Hemdes auf, es wurde ihm arg hitzig.
"Bisschen scharf.", erklärte er Mai.

Der Blondschopf war sich bewusst, dass es zwischen Mai und ihm noch einiges zu reden gab. Und selbst wenn nicht, dann gab es noch einiges zwischen den beiden, über das sie nicht reden wollten. Doch hier, jetzt, in diesem Moment war das nicht so wichtig. Der Ame-Nin fühlte sich in den Steingarten in Shinkusa zurückversetzt, wo er und Mai sich zum ersten Mal näher gekommen waren. Die Momente, die die beiden gemeinsam verbringen konnten, waren bisher meist so wundervoll gewesen. Es war nur schade, dass sie so selten waren. Und das war kein Problem, für das der Kushou eine ordentliche Lösung parat hatte. Der Dandy in spe wollte sich darüber aber jetzt keine Gedanken machen.
"Kochst du selbst auch?", streute er zwischen ein paar Happen als kleine Frage ein. Es war nie verkehrt, etwas mehr übereinander herauszufinden. "Für Rin und mich koche ich beinahe täglich. Aber es ist eine gute Abwechslung, mal etwas zu essen, das man sich nicht selbst gemacht hat, meine ich."

@Sakaida Mai
 

Sakaida Mai

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Mai schwebte auf Wolke 7, gemeinsam mit ihrem japanischen Schnitzel. Wann hatte sie zuletzt etwas so köstliches gegessen? Das war bestimmt schon eine ganze Weile her. Eigentlich blickte sie nur nebenher einen Augenblick auf, um zu Joudan zu sehen. Doch ihre blauen Augen blieben sogleich an ihm haften, egal wie unhöflich es sein mochte. Verwundert beobachtete sie ihn dabei, wie er sein Gesicht verzog. Erst eine Sekunde später verstand sie, was gerade mit ihm passierte: Sein Essen verbrannte ihn innerlich. Im ersten Moment war sie noch hilflos, doch kurz darauf merkte sie bereits, wie sie sich das Lachen verkneifen musste. Eine Weile gelang ihr das auch, doch als ihm bereits das Wasser in die Augen stieg, konnte sie nicht mehr an sich halten. „Du Armer, dir kommen sogar die Tränen!“, lachte sie und hatte kurzzeitig das Bedürfnis, ihm tröstend über die Wange zu streichen, wenngleich diese Geste auch etwas Spöttisches gehabt hätte. Doch er hätte den Scherz mit Sicherheit verstanden. Und auch wenn sein Resümee über sein Essen ernst gemeint war, so konnte Mai nur erneut auflachen, als Joudan es als „echt herausragend“ bezeichnete. So mitgenommen wie er gerade aussah und wie mühevoll er das hervorgebracht hatte, kam es einer Ironie gleich. Doch sie glaubte ihm schon, dass es eigentlich gut schmeckte.

Mai hatte wirklich Mühe, diesem lustigen Anblick zu widerstehen und Joudan nicht ständig beim Essen zu beobachten. Natürlich beobachtete sie ihn nicht wirklich, sondern sah immer wieder amüsiert zu ihm auf, verkniff sich das Lachen und schmunzelte vor sich hin. Erst, als Joudan sich die oberen beiden Hemdknöpfe öffnete, gelang es Mai, nicht mehr aufzublicken. Stattdessen war sie nun ähnlich rot im Gesicht wie Joudan und starrte auf ihr Essen, welches sie sich dennoch schmecken ließ. Doch lange hielt ihre Verlegenheit nicht an, denn als der Shinobi aus Amegakure sein Essen mit „Bisschen scharf“ umschrieb, konnte Mai schon wieder nur noch lachen. „Ach was!

Bei der Frage, ob sie denn selbst auch koche, hätte Mai sich beinahe verschluckt. Jetzt kämen also die negativen Seiten an ihr zur Sprache. „Also..“, begann sie ganz leise. Doch dann erzählte Joudan zunächst, wie es dabei so um ihn stand. Er kocht also beinahe täglich für zwei.. „Dann hast du ja viel Übung darin“, meinte sie und nahm einen Schluck von ihrem Tee, um Zeit zu schinden. Mai konnte nicht kochen und auch nicht backen. Wann immer sie es versuchte, misslang es ihr. Woran das lag, wusste sie nicht.. Aber irgendwie war sie schlecht darin. „Naja.. ich koche nicht wirklich“, gestand sie verlegen. „Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bin ich viel unterwegs, zum anderen habe ich oft nicht die Zeit.. Aber der Hauptgrund ist wohl, dass ich es nicht besonders gut kann“, offenbarte sie dann doch zum Schluss ihr Geheimnis. Erwartungsvoll, als käme gleich die verbale Ohrfeige, sah sie Joudan an. „Ich glaube es liegt daran, dass ich es nie wirklich gelernt habe. Du musst wissen, dass ich aus einer Familie komme, in welcher Personal für uns gekocht hat. Und als ich dann nicht mehr bei meinen Eltern war, hatte ich andere Dinge im Kopf“ Zum Beispiel die Akademie und das Dasein als Genin. Und mittlerweile war Mai eben nicht mehr so oft zuhause. Joudan hatte bis dato wohl nicht gewusst, dass die Blauhaarige überaus gut betuchte Eltern hat.

Doch dieses Thema ließ Mai in Erinnerungen schwelgen. Gedankenverloren griff sie nach ihren Essstäbchen, um sie aber nicht wirklich zu benutzen. „Ich weiß noch genau, wie eitel und selbstverliebt ich früher war“, beinahe entschuldigend blickte sie Joudan an, während sie ihm einen kleinen Einblick in ihre Vergangenheit gab. „Als hätte sich die Welt nur um mich gedreht“, tadelte sie sich selbst und schüttelte dann lächelnd den Kopf, ehe sie sich wieder dem Essen widmete. Ein Glück, dass diese Zeiten vorbei waren! Denn hätte Mai sich nicht so verändert, dann hätte Joudan sie sicherlich nicht so gern gehabt. Die beiden Shinobi, die an diesem Abend keine sein wollten, beendeten ihr Essen und waren schließlich absolut zufrieden. Zu schade, dass es in der Stadt doch nicht so sicher war, wie gedacht, weswegen Mai wohl nie mehr hierher kommen könnte, um der doch nicht aufstrebenden Wirtschaft ein wenig unter die Arme greifen zu können.

Nur weil das Essen beendet war, musste das nicht bedeuten, dass der Abend ein Ende hatte. Es wäre schön, wenn sie noch ein wenig Zeit verbringen könnten, schließlich war die Anreise für beide beschwerlich gewesen. Und die Ungewissheit, wann und ob die beiden einander wiedersehen würden, trug ebenfalls zu dem Wunsch bei, noch ein wenig zu bleiben. Und diese Zeit mussten sie nutzen, so schmerzhaft es auch war. Deswegen formulierte Mai nun jene Frage, deren Worte sie schon einmal in Form einer Befürchtung ausgesprochen hatte. Damals, als Joudan und Mai das alte Bergwerk verlassen hatten. „Denkst du, dass wir zu naiv waren?

 

Kushou Joudan

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Die Frage nach Mais Kochkünsten lößte eine andere Reaktion aus, als das Joudan das erwartet hätte. Im Schreck wurden ihre Augen kurz groß und sie biss besonders herzhaft in ihr Schnitzel. Da hatte der Blondschopf wohl einen wunden Punkt getroffen.
Die eigenen Kochkünste würde Joudan als "passabel" bezeichnen. Er hatte mit Rin eine harsche Kritikerin im Hause, doch seine Ausbilderin war streng und weise gewesen. Um ein wenig Luft zu schnappen ließ Joudan den Löffel einige Augenblicke im Essen stecken und erklärte Mai, wie es zu seinen Fähigkeiten in der Küche gekommen ist - einfach weil es eine lustige Anekdote war.
"Als Bedingung, dass ich mit meiner Schwester von Zuhause ausziehen durften, musste ich kochen lernen. Großmutter hat mich jeden Tag in der Küche schuften lassen, und wehe es war nicht gut abgeschmeckt oder mit zu wenig Liebe zubereitet... Dann wurde der Kochlöffel anderswohin geschwungen.", erzählte er mit breitem Lächeln im Gesicht. Der Gedanke an die vielen Tage unter der Aussicht der lieben Omi in der Küche waren eine tolle Zeit gewesen. Damals war die alte Kushou-Dame noch fit genug gewesen, selbst zu kochen. Mittlerweile ging das nicht mehr.
Als Mai dann ein wenig mehr über sich selbst auspackte, wurden Joudans Augen groß. Sie stammte also aus einem guten Haus? Bis zu dem Zeitpunkt, als Joudan seinen Zwangskochkurs aufgebrummt bekommen hatte, war der Blondschopf auch nicht wirklich selbst in der Küche tätig gewesen.
"Oh, Madmoiselle kommen also von einer wohlhabenden Familie?", witzelte Joudan mit arrogat-näselnder Stimme, imitierte einen typischen Aristokraten. Zu sehr wollte der Blondschopf aber nicht auf das Thema eingehen. Wenn er sich zurecht besann, dann hatte Mai ihre Familie als "nicht einfach" bezeichnet. Kein allzu schönes Thema für einen so schönen Abend.
Dennoch merkte der Kushou einen kleinen Stich im Herzen. Ihre Eltern würde er wohl eine ganze Weile lang nicht kennen lernen können, wenn überhaupt. So einfache Dinge konnte es zwischen Mai und ihm nicht geben. Lächelnd legte er den Kopf ein wenig schief und blickte Mai durchdringend an, als sie beichtete, eitel und selbstverliebt gewesen zu sein.
"Von 'eitel' bist du mittlerweile weit weg, Mai. Aber so wundervoll und großartig und bildhübsch wie du bist, ist ein wenig Selbstverliebtheit sehr nachvollziehbar." Okay, das war Joudan ein wenig rausgerutscht, aber es zwang ihn, quasi als Erklärung den nächsten Satz zu sagen. Joudan holte Luft. Irgendwann musste es so weit sein und das war halt eben jetzt.. "Immerhin bin ich ja auch ziemlich in dich verliebt. Das beweist zumindest, dass du einen guten Geschmack hast." Selbst in einen kleinen Scherz verpackt waren die Worte schwer und gewichtig gewesen, und nun, da sie ausgesprochen waren und Joudan sie nicht mehr zurück nehmen konnte, war es noch schlimmer. Er spürte, wie ihm das Herz bis zum Hals pochte, als er auf eine Antwort von Mai wartete.

Doch dann stellte sie eine Frage. Eine, die sich auch in Yugakure schon gestellt hatte. Die erste Frage, die eigentlich zwischen den beiden aufgekommen war. Denn "Waren wir zu naiv?", auch wenn es eine in die Vergangenheit gerichtete Frage war, erkundigte sich eigentlich nach der Zukunft. Was Mai fragte, war in Wahrheit, ob das, was sie und Joudan versuchten, Sinn machte und bestehen könnte.
Joudan schlug die Augen nieder und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Das tat er immer, wenn er nachdachte. Eigentlich gab es auf diese Frage nur eine Antwort, so sehr sie den Blondschopf auch schmerzte.

"Glaube schon...", sagte er trocken, zog die Lippen zu einem schmalen Strich und blickte Mai ein wenig betroffen an. "Du kannst dir sicher sein, ich wünsche mir nur sehr wenig mehr, als das, was wir versuchen, dass Wir funktionieren wird. Ich mag dich, wirklich wirklich sehr, Mai. Als du in Yugakure verschwunden warst, ich wäre beinahe gestorben vor Sorge." Das waren keine schönen Minuten gewesen. Und es hatte Joudan dazu gebracht, etwas grauenvolles zu tun, das er sich eigentlich selbst nicht zugetraut hätte. "Ich meine es mit uns sehr ernst. Ich wollte vorschlagen, ob wir uns hier vielleicht gemeinsam ein Gaststättenzimmer für die Nacht teilen wollen... Drittes Date und so..." Das machte Joudan nun doch arg verlegen, ein wenig errötet blickte er zur Seite und rang kurz nach Worten. "...aaaber ....realistisch betrachtet ...ähm." Der Blondschopf seufzte, zuckte mit den Schultern, zwang seinen Geist, ihm Worte in den Mund zu legen, wenngleich er hasste was er sagte. Was er sagen würde. Er suchte den Blick Mais erneut "Schau, Mai, ich will dich nicht nur einmal alle paar Monate sehen. Ich will dich meiner Schwester vorstellen und deine Familie kennen lernen. Ich will keine Angst haben, als Verräter gebrandmarkt zu werden, wenn das mit uns rauskommt. Ich will für dich kochen, wenn du viel unterwegs bist. Und wenn du Lust hast, dann will ich dir auch zeigen, wie das geht. Aber das geht alles nicht. Das können wir alles nicht machen. Alles, was eine Beziehung ausmacht, können wir nicht haben." Ein Zitat aus einer Geschichte schwirrte dem Blondschopf dazu in den Sinn. "Mache Sachen kann man eben selbst mit Liebe nicht erkämpfen..." Es passte so herausragend und das machte es so schrecklich traurig. "Also... glaube ich, dass wir zu naiv sind. Aber wenn du mich vom Gegenteil überzeugen kannst, wenn du eine Möglichkeit siehst, die ich nicht sehe, wenn du irgendeinen Weg weißt... Bitte, sag es mir. Ich will mich vom Gegenteil überzeugen lassen.", flehte Joudan Mai beinahe schon an. Er hatte sich in die Antwort hineingesteigert, auch wenn er sich Mühe gegeben hatte, seine Stimme gesenkt zu lassen. Dennoch war sein sonst immerfröhliches Gesicht gerade von Sorge und Verzweiflung geprägt. Er legte erneut die Hand auf den Tisch, bat Mai damit an, danach zu greifen. Ihm irgendwie entgegenzukommen. Doch die Blauhaarige hatte die Probleme, die eine Verbindung wie diese brachte, schon viel früher als Joudan hatte kommen sehen. Ihre ersten Worte nach dem ersten Kuss waren kein Ausdruck der Freude sondern einer der Sorge gewesen. "Was sollen wir denn jetzt machen?" hatte sie gesagt. Und Joudan war sich langsam nicht mehr sicher, nicht das falsche getan zu haben.

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Sakaida Mai

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Das breite Lächeln und die Geschichte Joudans, wie er das Kochen unter den strengen Augen seiner Großmutter erlernt hatte, ließen Mai ebenfalls lächeln. Sie konnte sich richtig gut vorstellen, wie das wohl gewesen sein musste. Und es hatte ihm anscheinend nicht geschadet, denn nun konnte der Blonde seine Schwester und sich selbst versorgen. Etwas, das Mai nicht unbedingt von sich behaupten konnte. Aber sie hatte Joudan die Gründe dafür dargelegt, welcher diese sogleich als Steilvorlage für eine, wenn auch scherzhaft gemeinte, Spitze in ihre Richtung verwandte. Mademoiselle aus wohlhabender Familie - ja, das traf wohl zu. Peinlich berührt legte Mai sich die Hand auf die Stirn, biss sich auf die Unterlippe und wandte den Blick von Joudan ab, um ihre Verlegenheit ein wenig dramatischer darzustellen, als sie war. Aber dennoch hatte sie sich dazu durchringen können, Joudan zu beichten, dass sie nicht immer eine angenehme Person gewesen war. Doch diesmal zog er sie nicht mehr damit auf, nein. Stattdessen sagte er ihr etwas anderes.

Die Komplimente ließen die Blauhaarige aufblicken, ihn anlächeln. Sie merkte, dass ihr Herz schneller schlug und wie sehr sie sich darüber freute, dass Joudan sie wundervoll, großartig und bildhübsch fand. Es machte sie glücklich und ließ sie für einen Moment die schweren Umstände vergessen. Doch es sollte nicht bei diesem einen Geständnis bleiben. Ihr Lächeln wich der Überraschung, ihre Augen wurden groß. Joudan hatte den Mut zusammen genommen, und ihr seine Gefühle gestanden. Er war also ziemlich verliebt in sie? Ihr Herz schlug so stark gegen ihren Brustkorb und ihr Bauch kribbelte so sehr, dass sie glaubte, keinen Bissen mehr runter zu kriegen, da er bereits mit Schmetterlingen überfüllt war. Mai bemerkte natürlich, dass er auf eine Antwort wartete. Es war nicht einfach, schließlich war sie gerade sprachlos. Doch konnte sie erahnen, wie sehr er unter ihrem Schweigen leiden musste und wollte ihn daher erlösen: „Du warst jetzt mutiger, als ich es je sein könnte.. aber das macht es mir leichter. Ich glaube, dass ich mich bereits in Shinkusa Hals über Kopf in dich verliebt habe“, gestand sie ihm lächelnd und driftete sogleich in Erinnerungen ab. Warum war das nur so gewesen? Wie hatte ihr das passieren können? Ausgerechnet in jemanden der feindlichen Fraktion! Sie war doch so pflichtbewusst, so bemüht um Erfolg. So loyal und zielstrebig. Wieso nur war sie auf Joudan getroffen? Auf diesen Shinobi, dem sie so misstrauisch gegenüber getreten war. Der so freundlich, so offen und zugänglich gewesen war. Der seiner Schwester ein Geschenk mitbringen wollte. Der einer ihm fremden Kunoichi etwas zu Essen spendierte und es geschafft hatte, ihr weiche Knie zu bescheren, als er ihr ein Kompliment am Schmuckstand gemacht hatte.

Unbewusst verzerrte Mai ihr Gesicht, sah durch Joudans grasgrüne Augen hindurch. Ihre Sicht verschwamm in den Tränen, welche aufstiegen.

Und dann führte sie der Zufall in einer sternklaren Nacht zusammen. Sie verstanden sich auf Anhieb so gut, waren auf derselben Wellenlänge. Er hatte ihr den Mantel umgelegt, als ihr kalt wurde. Und sie kamen einander näher, er hatte sie geküsst.. Sie versprachen einander, über das, was sie verband, zu schweigen. Und es zu versuchen, weil die Sehnsucht zu unerträglich wäre.

Und dennoch musste Mai ihm diese furchtbare Frage stellen, ob sie wohl zu naiv waren. Leider reichte ein Blinzeln ihrerseits aus, sodass sich nun doch Tränen ihren Weg über die Wangen der Blauhaarigen bahnten. Doch bei diesem Ausrutscher sollte es bleiben und Mai wischte sie schnell mit ihren Fingern weg.

Die Pläne des Blonden, sich hier gemeinsam mit ihr ein Zimmer für die Nacht zu teilen, ließen ihr Herz kurzzeitig in die Hose rutschen. Das überraschte sie nun wirklich. Nicht, dass sie sich nicht bereits gefragt hatte, wo die beiden überhaupt verbleiben würden heute.. aber das überforderte sie nun ein wenig. Was sollte sie denn jetzt sagen?! Schamesröte stieg ihr ins Gesicht. Vor einiger Zeit gab es jemanden in ihrem Leben, noch bevor sie Joudan traf. Ein Kollege aus Shirogakure, mit welchem sie für ein paar Monate immer wieder mal aus war. Aus dieser gemeinsamen Zeit nahm Mai jene Erfahrungen mit, welche ihr nun dabei halfen, nicht einfach umzukippen. Aber letztendlich war diese Affäre flüchtiger, als erwartet und verlief sich im Sande. Würde sie mit Joudan ebenfalls so weit.. Er wechselte das Thema. Er sagte „aber“.

Es war so schwer, die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. Mai konnte sich nicht erinnern, etwas Vergleichbares je erlebt zu haben. Zweimal war sie in den dunklen Raum eines Bergwerks gesperrt worden, stand jedes Mal Todesängste aus. Sie musste mit ansehen, wie ein Teammitglied unter ihrer Leitung so schwer verletzt worden war, dass er den Beruf als Shinobi aufgeben musste. Ein Freund hatte sie vergiftet. Riesenspinnen musste sie häuten. Angst, Ekel, Trauer, Enttäuschung, Vorwürfe, Wut. Doch das, was Joudan ihr gerade bescherte, war ihr neu. Es war, als würde ein tiefes, schwarzes Loch in ihrem Inneren alle Hoffnung, allen Frohsinn.. ja sogar alle Traurigkeit nehmen. Es blieb nur noch Leere. Immer wieder rollten ihr stille Tränen über die Wangen, während sie seinen ehrlichen Worten lauschte. Den Worten, welchen sie zustimmen musste, so schmerzlich es auch war.

Mai presste die Lippen aufeinander. Mittlerweile waren ihre blauen Augen rot umrandet. Sie sah Joudan an, bemerkte, wie er sie um eine Möglichkeit anflehte. Langsam, wie in Zeitlupe, schüttelte sie den Kopf und senkte den Blick, um ihre Finger dabei zu beobachten, wie sie sich in ihre Oberschenkel krallten. „Ich sehe keine Möglichkeit“, hauchte sie stimmlos. „Ich habe mir wirklich den Kopf darüber zerbrochen, aber ich finde keinen Ausweg“ Wenn sie nun ihre Hand in seine legen würde, würde sie erst recht in Tränen ausbrechen. Es war ihr peinlich genug, so ungehalten zu sein. Sie brauchte einen Moment Zeit. Ein, zwei Schlucke Tee, um sich zu beruhigen. Irgendwann fühlte die Kunoichi sich gefestigt genug, um wieder sprechen zu können. Gequält sah sie Joudan an, ein bitteres Lächeln zierte ihre Lippen dennoch. „Das heißt, wir werden wieder nur Bekannte sein“, schlussfolgerte sie und hasste es, das aussprechen zu müssen. „Zumindest so lange es uns möglich ist, gute Bekannte zu sein“, hing sie verunsichert an. Im Moment war sie sich sicher, ziemlich schnell wieder schwach zu werden, wenn sie ihm noch einmal begegnen würde. Dafür müsste schon Zeit ins Land ziehen, um Distanz zu diesen Gefühlen für Joudan zu entwickeln. Wäre der heutige Abend nun ihr Abschied? Die Auflösung ihrer Bande? Ja, das traf wohl zu. War es den beiden jungen Shinobi denn noch möglich, wenigstens diese Stunden noch zu genießen? Ganz so, als gäbe es deren Leben außerhalb nicht? Wenigstens für diese Stunden. „Lass uns einen schönen Abend verbringen“, schlug sie lächelnd vor, wenn ihr auch noch immer die Tränen in den Augen standen. Und dann legte sie ihre Hand in Joudans.
 

Kushou Joudan

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Dass Mai Joudan ebenfalls gestand, sich Hals über Kopf ihn ihn verliebt zu haben, half nicht wirklich, es machte nur schlimmer, was folgte. Der Blondschopf redete viel. Er sprach sich vor Mai die Seele frei, ließ alles los, was sich über die letzten Wochen und Monate in ihm angestaut hatte. All die Angst, all die Hoffnung, all die Hoffnungslosigkeit. Und er sah, dass es die Blauhaarige ebenso traf wie ihn selbst. Die wunderschönen Augen der Kunoichi füllten sich mit Tränen, ihre Lippen begannen zu zittern. Joudan wollte aufhören, wollte nicht mehr weiter reden, wollte sie einfach nur in die Arme nehmen und ihr, wie damals in Shinkusa, sagen, dass es schon irgendwie funktionieren würde. Doch das wäre gelogen und unfair. So musste er weiter reden, musste Mai alles sagen, was er zu ihr und ihm gedacht und geplant und gehofft hatte, und zu dem Schluss kommen, dass es nicht gehen würde.
Beinahe schon flehend blickte er Mai an, als er zu Ende geredet hatte. Vielleicht hatte sie ja eine Lösung, eine Idee wenigstens?

Aber die hatte sie nicht.

Herb sog Joudan Luft durch den Mund ein und merkte, wie sich seine Hände unter der Tischplatte angespannt zu Fäusten geballt hatten. Die Gesrpäche im Izakaya um ihn herum wurden mehr und mehr zu einem monotonen Rauschen, als ihm bewusst wurde, dass er und Mai gerade so irgendwie Schluss gemacht hatten. Emotional erschöpft senkte der Blondschopf den Blick, sah die Tischdecke an, die noch immer ein paar nasse Flecken von Mais Missgeschick zuvor aufwiesen. Und auf einmal waren da noch zwei nasse Flecken, nur kleiner. Und dann noch einer, und noch einer.
Als er merkte, dass er zu Weinen begonnen hatte, hon Joudan eine Hand und rieb sich mit dem Unterarm über die Augen.
"Tut mit leid...", sprach er mit brüchiger Stimme zu Mai und ließ dabei offen, wofür er sich denn überhaupt entschuldigte. Irgendwie fühlte es sich an, als wäre es sein Fehler gewesen. Mai hatte damals in Shinkusa schon gesehen, welche Härden im Weg des unwahrscheinlichen Paares stehen würde, Joudan hatte ihr Hoffnung gegeben. Und nun hatte er sie enttäuscht.
Nun stand dann noch im Raum, wie es zwischen den beiden weitergehen würde. "Gute Bekannte", schlug Mai vor. Joudan nickte wortlos. "So lange es möglich war", fügte sie hinzu. Joudan seufzte, er hasste diesen Gedanken. Shiro und Sora waren nunmal verfeindet, wenn sich die politischen Spannungen zwischen den beiden Großmächten versteiften und es früher oder später zu einem Krieg kommen würde, dann wären Mai und Joudan gezwungen, Feinde zu sein. Doch so viel war gar nicht einmal nötig, es genügte nur eine Mission, bei der es darum ging, vor der anderen Fraktion etwas zu sichern, oder etwas zu stehlen oder dergleichen, und Mai und Joudan standen sich eventuell findlich gegenüber. Dann würden sie entscheiden müssen, ob sie einander mehr mochten als ihr Land, ihren Beruf, ihre Kameraden, ihre Familien.
Das war doch unfair. Joudan atmete ein, sammelte Kraft.
"Ich hoffe wirklich, dass wir Gut miteinander bleiben können.", ließ der Blondschopf die Blauhaarige wissen und stimmte dann ihrem Vorschlag zu: "Ja, das machen wir auf jeden Fall." Und endlich, endlich konnte er Mais Hand greifen. Er hielt sie fest (wenngleich er sich auch Mühe gab, die schlanken Finger nicht allzu doll zu quetschen) und hob den Blick wieder an. Wie er sicher selbst auch hatte Mai noch Tränen in den Augen, doch eine andere, seltsame Empfindung war da auch noch. Es war, jetzt da es vorbei war, als wäre dem Blondschopf ein Stein vom Herzen gefallen. Er musste mit Mai eine derart schwere Entscheidung treffen und sicher fiel es der Kunoichi nicht weniger schwer, mit dem Gesagten klar zu kommen, doch dass sie den Kushou noch immer anlächelte, dass sie noch immer Zeit mit ihm verbringen wollte und dass sie die Last hoffentlich ebenfalls losgeworden war, das erleichterte den Blondschopf.
Ein vorerst letztes Mal drückte er die Hand Mais sanft und nahm dann wieder die Essstäbchen zu Hand.
"Erstmal aufessen und dann können wir ja vielleicht die Stadt ein wenig erkunden? Du weißt, ich muss auf jeden Fall ein Mitbringsel für Rin besorgen. Vielleicht kannst du mir ja wieder helfen, über die Kette hat sie sich sehr gefreut. Hört sich das nach einem Plan an?" Mit dem aufzuhören, mit dem alles begonnen hatte, das klang für den Blondschopf nach einem guten letzten Abend.

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Sakaida Mai

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Die Stimmung am Tisch der beiden war so niederschmetternd und traurig, dass Mai das Gefühl hatte, um sie und Joudan herum wurde es immer dunkler. Ganz so, als wäre nur noch ihr Tisch mit einer schwachen Kerze erleuchtet, sodass sie einander in gedimmten Licht in die hilflosen Gesichter blickten. Die Tränen ihres Gegenübers waren der letzte Beweis dafür, dass es ihm genauso schlecht ging, wie ihr. Dass sie ihr halsbrecherisches und zugleich wundervolles Vorhaben aufgeben mussten, schmerzte Mai sehr. Die Vernunft war derzeit noch kein Trost, das würde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Und dann sprach Joudan etwas an, worüber Mai noch gar nicht nachgedacht hatte. Er hoffte, sie könnten Gut miteinander bleiben. Es gab nicht nur Aufträge, bei welchen ein gemeinsames Ziel verfolgt wurde, nein. Es gab auch viele Missionen, welche einen feindlichen Kontakt provozierten, da die Interessen beider Fraktionen zu weit auseinandergingen. Was wäre dann? Mai könnte ihm ein Haar krümmen. Ein Glück, dass ein brachiales Vorgehen sowieso wider ihrer Natur war. Aber erlaubte eine derartige Situation überhaupt, gut mit dem Gegner zu sein? Doch Mai war zuversichtlich, dass sie eine knifflige Ausgangslage wie diese meistern könnte, sollte es je soweit kommen.

Die Erleichterung, welche Joudan verspürte, war auf Mai noch nicht gänzlich übergegangen. Sie würde noch ein wenig Zeit brauchen, diese Situation zu akzeptieren. Die Tatsache hinzunehmen, nicht frei zu sein. Es war in diesen Minuten vermutlich nicht nur Joudan, um welchen sie trauerte. Es war mehr. Es war das Wissen, zum Wohle der Heimat und Loyalität die eigene Freiheit aufgegeben zu haben. Nicht an diesem Abend, nicht vor einigen Monaten. Es war an dem Tag geschehen, als Mai zur Kunoichi ernannt wurde. Die Berührung durch Joudan holte sie aus diesem schwarzen Strudel, woraufhin sie schwach lächelnd ihre Finger mit seinen verschränkte. Der Blickkontakt zu ihm tröstete sie und vielleicht verspürte sie für einen Augenblick ebenfalls das Gefühl von Erleichterung. Sie hatten eine gemeinsame Entscheidung getroffen und das ließ hoffen, dass der Schmerz bald abklingen würde.

Sie waren sich darüber einig, das Beste aus der gemeinsamen Zeit zu machen. Wer weiß, wann sie einander wiedersehen würden? Wahrscheinlich wäre es auch besser, wenn es nicht allzu bald soweit kommen würde. Sie würden den Abstand sicher nötig haben, auch wenn es nicht einfach werden würde. Tatsächlich war Mai der Hunger ein wenig vergangen, doch sie würde aufessen, da es wirklich zu schade wäre, dieses gute Essen zu verschmähen. Die Tränen waren allmählich getrocknet und die blauhaarige Kunoichi hatte sich soweit wieder beruhigt, dass ihre Atmung ruhig geworden war. Der Vorschlag ihres Gegenübers gefiel Mai, sie würde sich durchaus in dieser Stadt umsehen wollen. Gemäß der letzten Erfolge ihrer Kollegen sollte das ja auch möglich sein und notfalls würde sie sich schon zu helfen wissen. Sie nickte sofort bejahend. „Das können wir sehr gerne machen! Aber nur, wenn mir diesmal nicht ständig gesagt wird, dass rot nicht zu mir passt“, hing sie schmunzelnd an. An diesen Tag in Shinkusa erinnerte Mai sich noch sehr gut. Es würde so enden, wie es begonnen hatte.

Hat’s geschmeckt, junge Dame?“, fragte der brummelige Wirt Mai freundlich. „Ja, es war köstlich!“, versicherte sie ihm sogleich erfreut. Er schien ihr allerdings anzusehen, dass ihre Augen von den vielen Tränen noch gerötet waren. Der sowieso schon finstere Blick des Wirts wurde noch grantiger. „Ist alles in Ordnung, junge Dame?“ Ohne ihre Antwort abzuwarten, wandte er sich Joudan bösen Blickes zu. Er sah nun auch nicht besser aus, ehrlich gesagt. „Ja, alles gut. Ich habe sein Risotto gegessen. Wirklich unsagbar scharf, da kamen mir direkt die Tränen“, löste Mai die unbehagliche Situation und der Wirt brummelte wieder davon. Es wäre sicherlich einfacher, sich außerhalb seiner Reichweite aufzuhalten. Vor allem für Joudan.

Bald darauf fanden sich die beiden Shinobi, welche heute keine sein wollten, auf der Straße wieder. Der Regen hatte endlich nachgelassen und wich einem strahlend blauen Himmel. Erwartungsvoll blickte Mai zu Joudan, woraufhin sie lächelnd in eine Richtung zeigte. „Ich kam vorhin am Markt vorbei, lass uns hier entlang gehen“, meinte sie und so setzten sich die beiden in Bewegung. Ein wenig unschlüssig ging Mai neben Joudan her. Sie hatte das Bedürfnis, wenigstens für heute noch einmal seine Hand zu nehmen, den Kopf vielleicht für ein paar Schritte lang auch an seine Schulter zu lehnen. Aber sie war nicht sicher, ob das nach diesem Gespräch noch angebracht wäre. Wie definierten sie ihren Plan, einen schönen Abend zu verbringen? Wie standen sie während dieser Stunden zueinander? Ein wenig unbeholfen suchte Mai den Blickkontakt zu Joudan und lächelte ihn verunsichert an. „Der Regen hat nachgelassen“ ..falls es ihm noch nicht aufgefallen ist. Und ja, nun sprach Mai hilflos übers Wetter.
 
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