Job: Der heimliche Liebhaber

Dieses Thema im Forum "Seiryuu-Bezirk" wurde erstellt von Tsukigata Yamato, 13. Okt. 2019.

  1. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Job: Der heimliche Liebhaber
    In fragwürdigen Hauptrollen: @Manako Raku und Tsukigata Yamato

    Es wurde Herbst in Jôsei. Ein böiger Wind pfiff durch die vier Bezirke und trieb die fallenden Blätter in unstetem Spiel vor sich her. Längst hatten die Bewohner Schals, Mützen, feste Schuhe und Regenmäntel wieder aus Schränken und Kleidertruhen geholt, um sich gegen das wilde Wetter zu schützen. So auch Yamato, der sich an diesem Morgen auf den Weg in den Seiryuu-Bezirk gemacht hatte. Gut sah er nicht aus. Also Yamato. Nicht der Bezirk. Nach einer halb durchwachten Nacht fühlte sich der Tsukigata wie dreimal durchgekaut und wieder ausgerotzt. Aber es hätte schlimmer kommen können, denn obwohl sich ein neuer Wachstumsschub ankündigte, waren die Schmerzen noch mehr als erträglich und Yamato hoffte, dass der Auftrag erledigt war, bevor sie schlimmer wurden. Blieb also nur noch die bleierne Müdigkeit, gegen die er sich mit einem großen Becher Milchkaffee gewappnet hatte. Der zweite an diesem Morgen. Vielleicht wäre in Perspektive auch noch ein Dritter notwendig, um die Augenschatten aus Yamatos heute etwas blassem Gesicht zu vertreiben, aber um irgendwie zu funktionieren, würde es schon genügen.

    Während er ohne Eile durch die Straßen ging und dann und wann an seinem Kaffee nippte, ging der Tsukigata in Gedanken noch einmal den Job durch, den ihm die Verwaltung gestern zugestellt hatte. Ein Herr Nakazato Atsushi war ob der abendlichen Umtriebe seiner Ehefrau verunsichert. Nun, das war verständlich, fand Yamato. Schon gar, wenn Frau Nakazato sich selbst auf Nachfrage ihres Mannes in absolutes Schweigen hüllte. Ob man deswegen aber zwei Shinobi anheuern musste, war eine andere Frage. Vielleicht waren Genin einfach billiger als professionelle Privatdetektive. Sei’s drum. Irgendetwas würden er und sein noch unbekannter Mitstreiter schon herausfinden und Yamato hoffte nur, dass es eine harmlose Ursache hatte. Vorstellen konnte er sich ja viel...

    Leidlich belebt vom Koffein beschleunigte der hochgewachsene Genin seine Schritte. Es war noch recht früh am Morgen, was etwas widersinnig erscheinen mochte, wenn Nakazato Akemi eher zu späterer Stunde abspenstig wurde. Aber es galt noch einige Vorbereitungen zu treffen, so dass der zeitige Termin wohl doch seinen Sinn hatte. Yamato war es nur recht. Bei ihm ging heute ohnehin alles etwas langsamer. Nichtsdestotrotz traf er einige Straßenzüge später unter dem Baum ein, der als Treffpunkt ausgemacht worden war. Von hier aus sollte das Haus ihres Auftraggebers zu sehen sein, auch wenn Yamato noch nicht wusste, welches es war. Er befand sich in einer mehr oder weniger nichtssagenden Wohngegend, in der die Einfamilienhäuser in einem erbitterten Wettstreit um ihre Beschaulichkeit lagen.

    Yamato trank seinen Kaffee aus und verstaute den leeren Becher in seinem Rucksack. Die noch warmen Hände vergrub er tief in den Taschen des dunkelblauen Halbmantels, der ihn vor Wind und Wetter schützte. Er hatte sich heute etwas wärmer angezogen als sonst, denn wer wusste schon, wie lange sie draußen herumlaufen würden, um diese Frau zu beschatten? Versonnen blickte er hinauf in das schon halb kahle Geäst, um zu sehen, ob sein Jobpartner sich nicht vielleicht schon dort oben niedergelassen hatte.

     
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  2. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Das hier war tatsächlich so eine dieser Aufgaben, wo sich selbst Raku fragte, ob sie einen Sinn für das Dorf als solches erfüllte. War das wirklich noch im Aufgabenprofil Shinobi enthalten? Der junge Mann, dessen feste Kleidung wie immer gut saß, ihn aber ein wenig fremd in der Stadt wirken ließ, ging mit sicheren Schritten durch die Straßen und hatte sich vorgenommen - wie immer - früher anzukommen als er musste. Seine Arbeit fing immer schon früher an als angesetzt war, alleine schon weil er sich gerne ein Bild der Umgebung machte, in der er sich aufhalten würde. Er war ausgeschlafen und verhältnismäßig gut drauf, auch weil das Wetter ihm die Möglichkeit gab, mal wieder mit seinen selbst gefertigten Kleidungsstücken zu glänzen - sie schlugen sich nämlich gerade in solchem Wetter ganz hervorragend, ganz besonders der grünbraune, sehr wetterfeste und aus Segeltuch gefertigte Mantel, den er sich übergeworfen hatte. Der hellblonde Wuschelkopf war heute vorerst nicht von einer Kapuze verdeckt, was wohl auch einfach daran lag dass er die Notwendigkeit nicht so recht erkennen wollte. Diese Aufgabe war... simpel. So an sich gesehen. Und auch wenn Raku stets der Meinung war, alle Aufgaben zur Zufriedenheit erledigen zu müssen, blieben da doch die vormals benannten leisen Zweifel in ihm. Na, sei's drum, sagte sich der Genin und ließ sich dazu hinreißen, ein wenig Informationsbeschaffung noch vor dem Zusammentreffen mit seinem Teamkameraden, einem gewissen Tsukigata Yamato, zu betreiben. Tsukigata... sagte ihm nichts. Bisher hatte er mit einer handvoll Kollegen zu tun gehabt, aber der war noch nicht drunter gewesen. Wie immer war da diese Hoffnung, dass er nicht wie eine gewisse Kumo-nin war. Würde sich wohl zeigen.

    Vielleicht eine Stunde später und pünktlich traf auch Raku bei dem Treffpunkt ein, wo ein hochgewachsener, junger, irgendwie adrett erscheinender Mann stand, dessen schwarze Haare sehr viel ordentlicher wirkten als die von Raku. So generell hatte der Bogenschütze so viel Selbsterkenntnis das er zugeben musste, dass der Kollege da sehr viel zugänglicher wirken musste als er. Zumindest auf den ersten Blick, aber da konnte er sich auch täuschen - Raku war nicht furchtbar fantastisch in dem Spiel 'erkenne sofort wie der andere so tickt'. Yamato sah gerade hoch in die Baumkrone über ihm, weshalb Raku noch einen Moment Zeit hatte ihn zu beobachten. Recht blass wirkte der Schwarzhaarige, vielleicht ein wenig übernächtigt? "Tsukigata Yamato-san?", fragte Raku dann, und es waren die ersten Worte die er in den letzten zwei Tagen gesprochen hatte. Entsprechend rau kamen sie raus, und er näherte sich dem reagierenden Kollegen. "Manako Raku. Ich bin wegen dem Job hier", erklärte er und räusperte sich, um seine Stimmbänder ein wenig in Schwingung zu versetzen. Die Augenklappe über seinem linken Auge verdeckte die Sicht auf den darunter liegenden Augapfel, aber sein heller Wuschelkopf verdeckte das Auge sowieso halb. "Habe mich bereits umgesehen. Der Klient, Nakazato-san, wohnt dort vorne. Es brennt Licht im Haus." Informationen im Stakkato. Sein Finger deutete auf ein kleines Haus, aber es schien gut unterhalten zu sein. Ein sehr gepflegter Garten. Zu gepflegt für den Geschmack des Jägers, aber sein Urteil zählte da wohl nicht. "Auf gute Zusammenarbeit", sagte Raku dann noch, verneigte sich leicht, und sein wächserner Gesichtsausdruck taute noch nicht wirklich auf. Lag aber wohl auch daran dass er die Muskeln zum Lächeln nicht wirklich trainiert hatte. Ja, da war ein kleines Lächeln zu sehen, aber das war nur das eingebrannte. Als er wieder gerade stand (und das in dem Falle: schnurgerade!) sah er Yamato einen Moment an. Er war kurz davor zu fragen ob es ihm gut ging, aber richtig durchringen konnte er sich nicht. Raku rang mit sich. "Äh... hoffentlich bleibt das Wetter stabil."
     
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  3. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Hmmm, nein. Da oben war niemand. Yamato war schon kurz davor, sich zu ärgern, dass er seinen Kaffee zu schnell ausgetrunken hatte, da machte er eine Person aus, die sich dem Baum – und damit auch ihm – genähert hatte. Und tatsächlich, der junge Mann mit dem hellblonden Schopf und der verwegenen Augenklappe stellte sich als sein Mitstreiter beim heutigen Auftrag heraus. „Das bin ich. Guten Morgen!“, gab Yamato zurück und hob lächelnd die Hand zu einem kurzen Gruß. „Freut mich, Raku-san.“. Immerhin sah damit einer von ihnen nach einem kompetenten Shinobi aus. Der Manako wirkte, als könne man ihn mitten in die nächstbeste krokodilverseuchte Schlammgrube werfen und er käme im Handumdrehen wieder heraus – mit heiler Haut und einer ansehnlichen Fleischbeilage fürs Abendessen. Da sollte sich doch einer flüchtigen Ehefrau auf die Schliche kommen lassen, oder? Wie sich herausstellte, hatte Raku sogar schon damit angefangen und das Haus der Nakazatos ausfindig gemacht. Yamato hob erstaunt eine Braue. „Ja wunderbar, dann können wir doch direkt loslegen!“, meinte er ganz und gar unironisch (und in der Hoffnung, den Job zu bewältigen, bevor er sein Pulver für heute verschossen hatte). „An der guten Zusammenarbeit zweifle ich nicht.“, gab Yamato höflich zurück und erwiderte die Verbeugung. Dass Raku nicht sonderlich emotional, sondern eher zackig-militärisch auftrat, störte den Tsukigata nicht weiter. Aus seiner Warte sprach es für Pflichtbewusstsein und Zielstrebigkeit und damit rannte er bei ihm ohnehin offene Türen ein. „... was das Wetter angeht, schon.“ Yamato warf einen kritischen Blick in den grauen Himmel, an dem gerade ein paar weiße Wolkenfetzen Fangen spielten, dann fand ein leicht schief geratenes Lächeln den Weg in sein Gesicht. „Aber ich teile deine Hoffnung.“.

    In der hart umfochtenen Beschaulichkeits-Hitparade rangierte das Häuschen der Nakazatos in einem guten Mittelfeld. Es ähnelte einem traditionellen Yashiki, war aber in einem moderneren, betont schlichten Stil gehalten und selbst der Laie erkannte die hochwertigen Materialien, die für den Bau verwendet worden waren. Auch im Garten hatte man nichts dem Zufall überlassen. Vor dem Haus erstreckten sich kunstvoll bepflanzte Rabatten, die gerade den richtigen Klecks Wildheit trugen, um nicht langweilig zu wirken. „Wer hier wohnt, hat entweder Geld wie Heu oder versucht alles, um zu tun als ob...“, murmelte Yamato und warf Raku einen fragenden Blick zu. Was hielt er wohl von dieser Fassade, hinter der sich womöglich familiäre Dramen abspielten? So oder so, um das Gespräch mit dem Auftraggeber kamen sie nicht herum, also zog Yamato beherzt an der Türglocke und harrte der Dinge, die da kamen. Das einzige, aber auch wichtigste Ding, das kam, war der Hausherr. Nakazato Atsushi präsentierte sich als schmaler Mann mit hohen Wangenknochen, die etwas zu ausgeprägt für sein hageres Gesicht wirkten. Nüchtern starrte er die beiden Genin an. „Ja?“. ‚Buchhalter.‘, dachte Yamato, sprach seinen Verdacht aber nicht aus. Nicht zuletzt deswegen, weil er mit solchen Vermutungen gern einmal daneben griff. Stattdessen setzte der Tsukigata eine mildere Variante seines Schwiegersohnlächelns auf (nicht, dass er sonst groß Gelegenheit dazu gehabt hätte) und verneigte sich kurz. „Guten Morgen, Nakazato-san.“. Er wies auf seinen ernsten Begleiter. „Das ist Manako Raku-san und ich bin bin Tsukigata Yamato. Wir sind wegen Eures Auftrags hier.“. Beim Stichwort „Auftrag“ zogen sich die Brauen des Mannes für einen Moment zusammen, bevor seine Miene wieder glatt, ja beinahe ausdruckslos wurde. „Verstehe. Tretet ein, damit wir ungestört sprechen können.“. Atsushi gab den Weg frei und deutete mit einer Geste ins Innere des Hauses. Schon auf dem Weg ins Wohnzimmer setzte sich der sehr gepflegte Eindruck aus dem Garten fort. Klare Linien, exquisites Mobiliar und einige diskret platzierte Kunstwerke legten den Schluss nahe, dass Akemi wohl nicht wegen mangelndem Luxus das Weite suchte ...
     
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  4. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Raku-san!? Oh nein! War er doch einer von der Sorte die sich ungefragt aufdrängten? So wirkte sein Gegenüber gar nicht! Hm... Raku blieb für einen Moment wachsam, konnte aber nicht erkennen dass Yamato so reagierte, wie Chinatsu es vielleicht getan hätte. Nein, im Gegenteil. Er blieb höflich, einigermaßen distanziert und vor allen Dingen wirklich dankbar für die Vorarbeit die Raku geleistet hatte. Das wiederum verschaffte dem Blauäugigen einen gewaltigen Schub an Pluspunkten und - das wusste Raku selbst natürlich gar nicht so richtig - ließ ihn auch gleich ein wenig mehr auftauen. Der Manako war wohl so jemand, dem man einfach auch mal sagen musste, wenn er etwas gut machte. Naja. Es gab ja solche Menschen. Und auch wenn sich der Hellhaarige bisher noch nicht dazu durchringen hatte können, seinen Kollegen nach seiner Befindlichkeit zu fragen: Raku fand ihn symphatisch. Ein wenig witzig. Yamato schien ein umgänglicher Kerl zu sein. Was das Wetter anging... da konnte man wohl nichts machen. Jedenfalls nicht Shinobi auf ihrem Level, davon ging Raku zumindest aus. "Guten Morgen", hatte Raku dann aber doch noch erwidert. Andererseits würde Yamato wohl noch ein wenig auf eine weniger förmliche Ansprache warten müssen, wenn er überhaupt Wert darauf legte.

    Der Bogenschütze hingegen erlaubte sich überhaupt kein großes Urteil über das Haus des Klienten. Tatsächlich kannte er sich mit Häusern nicht wirklich aus... und da er selbst in seiner Wohnung eher selten war (und diese in Teilen einer Werkstatt glich) konnte er sich auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Die widerliche Gepflogenheit des Gartens fiel dem Jäger dann allerdings schon auf. Was für eine hochnäsige Zähmung von Natur, um seinem eigenen Garten einen Ausdruck von Überheblichkeit zu verleihen. Er hatte fast Respekt davor. Seine feine Ohren fingen etwas von den Worten seines dunkelhaarigen Mitstreiters ein und er drehte den Kopf leicht. "Sieht recht künstlich aus", urteilte Raku und sah etwas ratlos aus. "Viel investiert anscheinend, damit es so bleibt", ergänzte der junge Mann und war dankbar, dass Yamato das Klingeln übernahm. War nicht so, als hätte Raku davor Angst, aber sein Kollege hier ging deutlich gewohnter mit Worten um als er - und hatte gleichzeitig so eine zwanghafte Anziehungskraft, dass sich selbst der Genin dem nicht ganz entziehen konnte. Ihr Auftraggeber hingegen - Raku vermutete dass der Mann, der die Tür öffnete, das war - hatte nicht so viel Charisma. Im Gegenteil, er wirkte... gar nicht. Selbst auf Raku, der davon keine Ahnung hatte. Nichtssagend. Viele Menschen hatten irgendetwas, woran man sich erinnern konnte, der Typ hier hatte allerhöchstens Wangenknochen. Naja. Yamato schlug sich hervorragend und so ließ sich Raku ohne ein Wort zu sagen hereinbitten. Das Innere des Hauses bestätigte den ersten Eindruck, dass es hier nicht so aussah als würde hier jemand wirklich leben. Wohnen vielleicht, aber lebendig wirkte das Heim des Mannes nicht. Raku runzelte leicht die Stirn, aber es war so fein, dass es nur jemandem auffallen würde der ihn direkt ansah in diesem Moment. Der Auftraggeber orientierte sich noch am Schwarzhaar. "Folgt mir bitte in mein Arbeitszimmer. Bei einem solch diskreten Unterfangen möchte ich sicher gehen, dass man uns nicht belauscht", erklärte der Auftraggeber und geisterte vor. Er schien nicht interessiert zu sein den Shinobi groß etwas anzubieten, wogegen Raku nichts einzuwenden hatte. Im Arbeitszimmer angekommen, wurde Raku erneut erschlagen von der langweiligen, gradliniegen Nüchternheit der Einrichtung. Und die Farbwahl alleine. Grau in Grau auf Grau. Bisschen Schwarz. Bisschen weiß. Eine Rechenmaschine. Viel Papier. Der Bogenschütze war kein bisschen angemacht von der Aufmache. Sie ließen sich auf einigen harten Polstermöbeln nieder, die todschick waren (also... in anderen Augen als Rakus) und saßen daraufhin dem Mann gegenüber, der den Auftrag erteilt hatte. Raku merkte nicht, dass er ähnlich gerade saß wie Nakazato-san, der noch immer kaum einen Gesichtsausdruck hatte. Raku blieb sachlich. "Ihre Frau betrügt Sie also?", fragte Raku geschäftsmäßig und ein wenig pietätslos. "NEIN! Naja. Vielleicht. Doch? Ich denke schon", fing der Mann dann an und sah zur Seite. "Ich bin mir sicher, dass sie etwas vor mir verbirgt. In letzter Zeit arbeitet sie viel länger als noch zuvor... sie sagt 'Heute wird es wahrscheinlich wieder später, ich muss Überstunden machen'. Überstunden! Sie müsste überhaupt nicht arbeiten, wenn sie es nicht wollte. Und dann ist sie oft am Abend weg, und sagt nicht wohin sie geht. Shinobi-san, meine Verzweiflung ist endlos", sagte er und sein Gesicht regte sich kaum. Raku fand das albern, man sah überhaupt nicht was er fühlte. Dass er selbst ein wenig so war, war ihm in dem Moment unklar. Die Gesichtszüge des Langweilers wurden derweil wieder ein wenig fester, als er jetzt Yamato ins Auge fasste. "Nun, letztlich hat das keine Bedeutung. Ich möchte, dass ihr meine Frau beschattet. Ich bin mir sicher, sie missbraucht mein Vertrauen. Unter keinen Umständen darf sie davon erfahren. Solltet ihr auffliegen, ist keine Entlohnung vorgesehen, ich erinnere an den Vertrag mit der Dorfverwaltung." Er zeigte einen Zettel hoch, auf dem groß KOPIE stand - und der übliche Vertragstext. Der Mann war offenbar eine Koryphäe. Raku runzelte die Stirn. "Wieso heute? Was hat sie angekündigt?"
     
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  5. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Auf dem Weg durch das Haus sah der Tsukigata sich unauffällig um. Alles hier wirkte nobel und ausgewählt. Nichts hatte man dem Zufall überlassen und jede noch so kleine Unwägbarkeit nahezu pedantisch vermieden. Yamato war sich sicher – hätten sie die Unverfrorenheit besessen, einen Blick hinter die Edelholzschränke oder das teure Sofa zu werfen, wäre dort noch nicht einmal der Schatten einer Staubfluse zu sehen gewesen. Zugegeben, ganz ungewohnt war ihm ein solches Territorium nicht und vermutlich fühlte er sich nur deswegen nicht von dem strengen Ambiente eingeschüchtert. Vor allem seine Mutter legte ebenfalls großen Wert auf ein repräsentatives Erscheinungsbild, aber niemals hätte sie zugelassen, dass ihr Zuhause so grau und erstarrt gewirkt hätte. Das Haus der Nakazatos war formvollendet, aber ohne Leben und stimmte auf eine ungreifbare Weise traurig. Ein Empfang, wie seine Eltern ihn mindestens einmal im Monat gaben, wäre hier nicht vorstellbar gewesen. Und auch sonst nicht viel, was irgendwie Freude bereitet hätte. Yamato freute sich allenfalls darauf, hier so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Aber zuerst stand das Gespräch mit dem Hausherrn auf dem Plan.

    Und das begann direkt mit einem Knall. Nur gut, dass Atsushi ihnen nichts angeboten hatte und der Kaffee längst getrunken war, denn Yamato hätte sich bei Rakus Einstiegsfrage unweigerlich daran verschluckt und den teuren Schreibtisch in einen feinen Sprühnebel gehüllt. Es blieb bei einem überraschten (und nur leicht alarmierten) Seitenblick zu seinem hellhaarigen Begleiter. Raku ... war zielstrebig. Sehr sogar. Noch konnte Yamato nicht einschätzen, ob er aus reiner Berechnung handelte oder einfach jemand war, der gern schnell zum Punkt kam (und hier ebenfalls schnell wieder wegwollte). Aber wie es auch sein mochte, es hatte den großen Vorteil, dass er Atsushi kalt erwischte und ihm eine ehrliche Antwort entlockte – und die erste wirkliche Gefühlsregung seit ihrem Eintreffen. Yamato rückte sich auf seinem Sitzhocker (oder wie auch immer sich das quadratische Sitzmöbel nannte, auf dem er Platz genommen hatte) zurecht und fand zu seiner freundlich-interessierten Miene zurück, die ihm eben doch ein wenig entglitten war. „Es entspricht dem Muster ihrer ... Unternehmungen.“, gab Atsushi geschäftsmäßig auf Rakus Frage zurück. „Vor etwa einem halben Jahr hat es angefangen. Sie hat sich zu dieser Zeit unregelmäßig etwa einmal pro Woche verspätet. Dann zweimal, dienstags und donnerstags. Und nun ist sie dreimal weg. Wieder jeweils mit einem Tag Pause dazwischen ...“. Man sah Atsushi an, dass er gerade ein Seufzen unterdrückte. Aber das hätte nur seiner Haltung geschadet. „Es gibt durchaus Abweichungen von diesem Schema, aber sie sind selten, so dass Ihr heute gute Chancen habt, ihre Aktivitäten zu verfolgen.“. Yamato atmete innerlich tief durch. „Wir werden tun, was wir können, um Euch Gewissheit zu verschaffen, Nakazato-san.“. Ob das so gut war, stand auf einem anderen Blatt. Aber sie wurden nicht dafür bezahlt, diese Frage zu erörtern. Und Yamato war auch nicht die geeignete Person dafür. Keiji war noch nicht lange genug her, als dass er Atsushi nicht doch irgendwo verstanden hätte. „Aber helft uns zuvor noch mit ein paar Auskünften.“, versuchte er sich stattdessen nützlich zu machen. „Wo finden wir Eure Frau denn und habt Ihr ein Bild von ihr, das wir mitnehmen können?“. Atsushi nickte knapp, holte aus einer Schublade eine kleinformatige Fotografie und reichte sie dem Tsukigata über den Tisch. Das Bild zeigte eine hübsche Frau mit dunklen, wohlfrisierten Locken und einem verschmitzten Lächeln. Sie wirkte ein wenig jünger als ihr Ehemann und strahlte wesentlich mehr Leben aus. Yamato reichte das Foto an Raku und konnte dabei nicht ganz verbergen, was er angesichts dieser nahezu klassischen Konstellation dachte. „Akemi arbeitet in Teilzeit bei der Byakuren Shinbun.“, fuhr ihr Auftraggeber derweil fort. „Ihre Tätigkeit dort ist hauptsächlich administrativer Natur. Sekretariatsarbeiten ...“. Atsushi war anzusehen, was er davon hielt. „Aber ab und zu veröffentlicht sie auch kleinere Artikel über lokale Ereignisse. Gartenmärkte, Kaninchenschauen ... Ihr wisst, was ich meine.“. Ja. Wussten sie. Yamato hätte noch viele Fragen stellen können, um der Sache auf den Grund zu gehen, aber Akemi zu beschatten, führte wohl wesentlich schneller und zuverlässiger zum Ziel als weiter in ihrer Biografie zu wühlen und am Ende doch die falschen Schlüsse zu ziehen. So wie er Atsushi einschätzte, hatte er ohnehin bereits jede Eventualität mehrfach umgewälzt. „Also gut, Nakazato-san.“, schloß der Tsukigata, nachdem sie noch eine Liste mit Akemis üblichen Arbeitszeiten und Aufenthaltsorten abseits der Arbeit bekommen hatten. „Wir gehen der Sache nach und versichern Euch höchste Diskretion.“. Was um einiges professioneller klang als es sich anfühlte. Yamato hatte einmal wieder das Gefühl, ohne Umweg in die nächste Katastrophe zu laufen. So sein Begleiter keine weiteren Fragen hatte, konnten sie beide zunächst jedoch ihrem Fluchtinstinkt nachgeben und Nakazatos Mausoleum heimeligem Zuhause den Rücken zukehren. Geordneter Rückzug und so.

    „Meine Güte...“, murmelte Yamato, als sie wieder auf der Straße waren. Er unterdrückte das dringende Bedürfnis, sich die schmerzenden Schläfen zu massieren. Der Blick, den er Raku zuwarf, sprach jedoch Bände. Ganze Reihen von Enzyklopädien in verschiedenen Auflagen. „Ich frage mich gerade eher, warum Akemi-san überhaupt noch nach Hause kommt. Bis zum Abend haben wir noch jede Menge Zeit, aber wenn wir uns langsam auf den Weg machen, erwischen wir sie zur Mittagspause.“. Was ihnen durchaus einige Optionen eröffnete, vorab an ein paar Informationen zu kommen. „Was meinst du?“.
     
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  6. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Hm. Raku war nicht für so eine Art von Job gemacht. Zumindest es noch mehr um diese direkte Kommunikation ging - es war ihm lieber eine Aufgabe zu haben, die er verfolgen konnte, wo Durchführung und Ziel klar waren. Aber Informationen sammeln gehörte wohl irgendwie auch zum Job - wenngleich er hoffte, dass das Beschatten nicht mehr lange auf sich warten ließ. Da konnte man zumindest irgendwie Mühe zeigen, viele Dinge zu erfassen. So war es einfach ein wenig deprimierend... den Blick von Yamato bekam er kaum mit, und wenn, dann hätte er ihn nur bedingt deuten können. Dass seine Frage vielleicht zu direkt hätte sein können, darauf kam er nicht. Es war doch so: Man kam schneller zum Ziel, wenn man Klartext sprach. Aber Atsushi schien nicht der Meinung zu sein dass seine Frau ihn betrügte... oder doch? Seine Antwort war so uneindeutig. Ihre Aktivitäten sollten sie also verfolgen... gut, das sollte wohl kein Problem sein. Raku fiel auf wie sicher sich sein Kollege in diesem kommunikativen Kontext bewegte, wie viel normaler und sicherer er als alle anderen Kollegen vorher war. Irgendwie fast schon beeindruckend. Und es gefiel dem Bogenschützen, dass Yamato nach so praktischen Dingen wie einem Bild fragte. Vielleicht konnte er sich von dem Dunkelhaarigen ja noch etwas abschauen.

    "Guter Plan", antwortete Raku verbindlich und nickte. Kurz überlegte er, ob er noch mehr von seinen Gedanken preis geben sollte, warf einen Blick in Richtung seines Kollegen. Dieser warf ihm einen Blick zu, aber Raku konnte nicht so recht lesen, was er ihm sagen sollte. Und er steckte auch zu wenig in dieser ganzen Beziehung drin, als sich ein großes Urteil zu erlauben, aber trotzdem versuchte er sich an so etwas wie einer Beobachtung. "Schwierig. Keine Spur von Kindern, auch kein Wort. Spielzeuge waren auch nicht zu sehen. Generell recht nichtssagend", überlegte Raku im üblichen Stakkato. Er fühlte sich noch immer sehr unwohl dabei, zu viele Worte zu verschwenden. Seine Stimme war aber bereits jetzt ein wenig weniger rau als noch am Anfang des Tages. "Akemi-san scheint Verpflichtungen oder Verabredungen wahrzunehmen. Vielleicht Überstunden. Er finanziert keinen extravaganten Lebensstil. Nur wegen Geld wird sie nicht bleiben." Oder? Gott, war das schwierig! Rakus Kopf hätte geraucht, hätte er es vermocht. Es war ihm nahezu peinlich, sich so tief in die Angelegenheiten dieser Leute einzumischen, aber sein Ehrgeiz der Aufgabe gegenüber machte das wett. "Hast du...", fing er dann an und riss sich ein wenig am Riemen. Yamato schien ein vertrauenswürdiger Kerl zu sein. Wahrscheinlich würde er verzeihen, wenn er ein wenig... offener war? Zumindest schien er nicht aufdringlich. "... Erfahrungen auf diesem Terrain? Ich gebe zu, Beschattungen mögen mir liegen, aber mir fällt es leichter, Tatsachen zu beobachten. Die Schlüsse musst du ziehen... möglicherweise", setzte er noch nach und zuckte mit den Schultern, sah dann nach vorne. "Beeilen wir uns. Wir müssen sie erstmal finden." Er setzte sich in Bewegung, warf dann aber noch einmal ein Blick zu Yamato. "Aber ihre Beziehung muss ja irgendeine Grundlage haben, oder?" Das Bild der Frau kam ihm wieder in den Kopf. Vielleicht ergänzten sie sich ja einfach so gut - oder so?
    Der Weg der Genin führte sie ein Stück tiefer in den Seiryuu-Bezirk hinein, in Richtung ihres Zieles. Jetzt, kurz vor Mittag an diesem Tag, war hier ein geschäftigtes Treiben in den eher geschäftlich geprägten Straßen zu erkennen. Sie fielen nicht groß auf, das war das Gute daran wenn man sich in Shirogakure - oder eben Jôsei - bewegte. Alles war voll mit Menschen die sich nicht 'normal' kleideten. Arbeiter die auf Baustellen schufteten; Ninja, die Utensilien kauften und sich ausrüsteten, vielleicht für die nächste Mission; Geschäftsleute mit Koffern; Eltern mit Kindern, Boten und Händler waren unterwegs, alte und junge Menschen... Raku war mal wieder ein wenig überwältigt, auch weil er automatisch versuchte möglichst viele Informationen einzufangen. Während sie sich dem Gebäude des Lokalanzeigers näherten, fiel ihm ob seiner Abgelenktheit nicht die hübsche Frau auf, die fast noch jünger in echt wirkte als auf dem Bild, die mit einem breiten Grinsen die Straße entlang ging, mit weiten Schritten. Die angeregte Unterhaltung mit ihrem Kollegen bekam er ebenso wenig mit. Gesprächsfetzen drangen an das Ohr des Genin. "... denke nicht... Atsushi... heute Nachmittag?"
     
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  7. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Yamato nickte versonnen auf die Einschätzung seines Jobpartners. Oh ja, schwierig war es... Oder machten sie es am Ende doch komplizierter als es eigentlich war? Im Grunde sollten sie nur observieren, keine Fragen stellen. Aber sie kamen wohl beide nicht umhin, es eben doch zu tun, und irgendwie beruhigte es den Tsukigata. Keiner von ihnen würde sich nach außen hin über die Anweisungen hinwegsetzen, doch im Inneren fühlte er sich mit der Rolle des stumpfen Befehlsempfängers nicht recht wohl. Und Raku? Nun, der Wuschelkopf teilte seine Gedanken gerade mit und Yamato konnte nur zustimmend nicken. „Ziemlich undurchsichtig, ja. Nakazato-san scheint sich schon sehr auf eine Affäre eingeschossen zu haben. Aber aus unserer Perspektive gibt es im Moment einfach viel zu viele Möglichkeiten und einen richtigen Reim kann ich mir auch noch nicht drauf machen.“. Umso wichtiger, dass sie ein paar Hinweise ausfindig machten, um ein paar Optionen auszuschließen. Oder im Idealfall gleich den Deckel drauf zu machen. Yamato konnte nicht leugnen, dass er allmählich auch neugierig wurde, was hinter der ganzen Sache steckte. Auch wenn er immer noch auf ein gutes und harmloses Ende hoffte.
    Die nächste Frage ließ den dunkelhaarigen Genin zusammenzucken. Erfahrungen?! „A-auf diesem Terrain...?“. Reichlich überrumpelt glotzte er Raku an. Womit hatte er sich denn jetzt wieder verraten? Ja. Oh ja. Er verstand Atsushi besser als ihm lieb war. Aber diese Erinnerungen gehörten in einen gut verschnürten Pappkarton, der in seinem Oberstübchen gefälligst ungestört einstauben sollte. Erst einige fatale Sekunden zu spät realisierte Yamato, dass sein Jobpartner es ganz anders gemeint hatte. Verdammt. „Äh ...“, machte er erst einmal, während er versuchte, sich innerlich zu sortieren und seinen entgleisten Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle zu kriegen. Schließlich schüttelte er den Kopf und atmete tief durch. „Tschuldigung ... ich hab das grad falsch verstanden.“, trat er die Flucht nach vorn an. „Erfahrung mit solchen Aufträgen ... nicht so wirklich. Ich bin zwar öfter mal unter Leuten und da kriegt man schon einiges an Drama mit.“. Wenn das eigene nicht schon reichte... „Aber gut geht das nur, wenn ich schnell genug wieder weg bin, bevor ich voller Zuversicht in die erstbeste Landmine trete.“. Entschuldigend lächelte er Raku an. Der arme Kerl musste ihn doch inzwischen für den letzten Idioten halten. Und Recht hatte er. Yamato nickte bekräftigend auf die Bemerkung, dass sie sich besser beeilen sollten, und sah zu, dass er mit dem Manako Schritt hielt. Irgendwie kam es ihm vor als seien seine Gliedmaßen in den letzten fünf Minuten schwerer geworden. „Hm ... heiraten kann man ja aus den unromantischsten Gründen.“, griff er Rakus letzte Worte auf. „Aber wenn die Ehe rein geschäftlich wäre, würde Nakazato-san sich bestimmt nicht solche Gedanken machen. Was immer die beiden miteinander haben – ich hoffe, es ist stark genug, damit sie das hier überstehen.“.

    Auf dem Weg zum Verlagshaus der Zeitung fand Yamatos Innenleben allmählich wieder zu etwas mehr Ruhe zurück. Was vor allem daran lag, dass das geschäftige Treiben zur Mittagszeit die beste Ablenkung bot. Heute abend würde er noch genug Zeit haben, sich herunterzuputzen, jetzt hieß es aufpassen. Jemanden in einer Menschenmenge ausfindig zu machen, war dem Tsukigata nicht ungewohnt, auch wenn es hier auf der Straße noch einmal etwas anderes war. Sein Blick blieb an einem unverschämt gut aussehenden Mann mittleren Alters hängen. Er trug einen perfekt sitzenden Anzug samt Krawatte, die Yamato sofort als schweineteuer erkannte, und wirkte wie jemand, mit dem man gern befreundet wäre. Mindestens. Der Mann war in ein angeregtes Gespräch mit einer anderen Person vertieft, doch erst als ein sehr bekannter Name fiel, fühlte sich der Tsukigata genötigt, sie auch anzuschauen. Akemi! Zweifellos hatte der Manako sie längst- ... nein? „Da...!“, flüsterte Yamato alarmiert und stieß seinen Kollegen sacht und möglichst unauffällig mit dem Ellenbogen an. Klischeehafter ging es wohl kaum noch, kritisierte eine leise Stimme in Yamatos Hinterkopf. Aber egal. Da war die Frau und jetzt wurde sie verdammtnochmal beschattet!
    Unauffällig folgten die Genin den beiden und konnten die Konversation nun besser verstehen, wenngleich das eine oder andere Wort im allgemeinen Straßenlärm unterging. „Pass auf, am Ende ... dein Mann noch Spione auf den Hals.“, scherzte der Mann, der sich dafür direkt einen Knuff von Akemi einfing. „Ach, Unsinn ... doch nicht.“, lachte sie, warf aber dennoch einen prüfenden Blick über ihre Schulter. „Also, was essen wir?“ - „Ich ... Leichtes. ... kein gutes Bild, wenn wir später nur in ... rumstochern...“. Die Wahl fiel auf ein kleines Soba-Restaurant auf der anderen Straßenseite, auf das die beiden nun schnurstracks zuhielten. Yamato warf Raku einen Seitenblick zu. „Wie weiter? Sollen wir mit rein?“, fragte er leise. „Um die Zeit ist da drin bestimmt die Hölle los.“. Was es schwierig machen würde, irgendetwas zu verstehen. Aber vielleicht hatte Raku als der Erfahrenere von ihnen eine Idee.
     
  8. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Raku blinzelte ein wenig verwirrt, als Yamato ihn irgendwie seltsam ansah. Klar, so richtig interpretieren konnte er das nicht, aber das fiel selbst Raku auf… irgendwie schien er da seinen Finger in eine Wunde gelegt zu haben. Aber was sollte das sein? Das war nicht Yamatos erster Auftrag, das konnte es also nicht sein. Seltsam. „Falsch verstanden? Wie meinst du?“, fragte Raku perplex und rein aus Reflex, schüttelte dann aber den Kopf um anzudeuten, dass er die Frage nicht ganz ernst gemeint hatte. „Entschuldige. Schlecht formuliert, vermutlich.“ Der Hellhaarige nahm sich vor, noch vorsichtiger zu sein was die Ansprache von Yamato betraf. Er hatte ihn offenbar verunsichert und das war nie gut um einen Auftrag vernünftig zuende zu bringen. Raku war aber dankbar, dass der Dunkelhaarige ihm das nicht übel nahm und verzog kaum eine Miene als ihn sein Kollege entschuldigend anlächelte. Vielmehr machte er sich Gedanken darum wie sie beide – offenbar sozial zumindest leicht dysfunktional – mit diesem Job klarkommen sollten. „Hm“, brummte der Manako. „Du bist zumindest weiter als ich“, murmelte er, nicht aber unbedingt laut genug um es offensichtlich an Yamato zu adressieren.
    Gesagt getan: Raku hatte bisher also noch nicht bemerkt, dass ihre Zielperson in unmittelbarer Reichweite war, sondern benötigte erst einmal einen ordentlichen Hieb mit dem Ellenbogen. Zumindest erschreckte sich Raku über die plötzliche Berührung so sehr, dass es durchaus ein Nierenhieb hätte sein können. Yamato war sogar verhältnismäßig sanft gewesen, Raku zuckte trotzdem zusammen. „W-“, fing er an, hielt sich dann aber zurück. Sein Blick huschte erst zu dem Dunkelhaarigen, dann zu der Frau zu der er zeigte – und wieder einmal wurde es um die Nase von Raku ein wenig röter. Das…. Das war jawohl die Höhe! Schon wieder wurde er ausgestochen bei einer Sache, die er eigentlich besser können sollte! War er nicht stolz darauf ein Bogenschütze und Späher zu sein? War das nicht wenigstens etwas, von dem er behauptete, es eingermaßen gut zu können? Verdammt! Der junge Mann ärgerte sich über sich selbst, und seine Mundwinkel zuckten kurz nach unten. Dann aber nickte er dem Kollegen zu und sie fingen an, Akemi zu beschatten. Das war schon vielmehr nach dem Geschmack des Manako, denn jetzt musste er sich auf eine bestimmte Sache konzentrieren und konnte sich dem auch widmen – das fiel ihm einfacher als das hin- und herüberlegen. Nicht dass er zu dumm dafür war, es schien ihm einfach immer nur als würde man eine Nadel im Heuhaufen suchen.


    „Ein Soba-Restaurant? Zur Mittagspause? Verdächtig.“
    Raku runzelte die Stirn. Was für ein ineffizientes Mittagessen, vor allen Dingen in einem Job wie den, den Akemi anscheinend hatte. Höchst suspekt, fand er. Ein wenig Gemüse in Rohkost-Form wäre doch viel besser – machte schneller satt, hatte weniger Kohlenhydrate und war generell ein wenig gesünder. Hmpf. Yamato allerdings schien sich keine Gedanken um die seltsame Location zu machen, sondern stellte eine viel praktischere Frage, die Raku hart traf und ihm ein wenig den Schweiß auf die Stirn trieb. "Da rein?" Seine Stimme klang eigentlich wie immer, doch leichte Panik machte sich dann schon breit. Es war nicht so als hätte er eine echte Phobie gegen das Gedränge in dem Laden, vor dem sich die Genin wiedergefunden hatten - er war es nur weder gewohnt noch mochte er sich so einengen lassen. "Wir haben noch keine Erkenntnis", brummte der junge Mann und kaute kurz auf seiner Unterlippe herum. "Wir haben sie schon entdeckt. Beobachten bringt nichts. Wir müssen hören." Auch wenn das ebenso wenig einfach werden würde. Raku grübelte. Dann seufzte er. "Mit rein. Da drin sollten wir nicht auffallen." Also... Yamato nicht. Raku sah man wohl an dass er nicht einfach ein normaler Jugendlicher war. Immerhin hatte er genug Selbstbewusstsein, seine Augenklappe abzunehmen, wusste er doch, dass das ein unbedingt auffallendes Merkmal war. Darunter kam ein zweites, normales und intaktes grünes Auge zum Vorschein. Schnell verstaute er das Kleidungsstück in seinem Mantel und sah in dem Moment wirklich nicht so glücklich aus. "Wir gehen rein", stellte er fest und zog Yamato dann mit in den sehr vollen Laden. Eine gute Sache hatte das Ganze: Ein kleines Mittagessen war vielleicht wirklich nicht verkehrt und außerdem waren die Dienstleister hier sehr professionell. Lange warten musste man nicht, der Laden war dafür umso voller. Als sie hereinkamen wurden sie erschlagen von der Luftfeuchtigkeit und der verbrauchten Luft in dem Restaurant; Essens- und Menschengerüche, lautes Gesabbel und Geplapper, Teller, Schüsseln und Besteck klirrten, hier und da ein Lachen... es war für Raku eine Reizüberflutung par excellence. Er bestellte sich 'irgendwas ohne Nudeln und mit viel Gemüse', bekam im Grunde eine Schüssel Soba ohne Soba (und einen etwas pikierten Blick der mittelalten Frau hinter dem Tresen) und wartete dann noch einen Moment auf Yamato. "Unerträglich", beschwerte sich der Manako und sah sich um. Es gab eben auch kaum mehr Platz. Einige der Leute standen sogar schon und hatten ihre Schüsseln auf der Dekoration abgestellt - ja, es war die Hölle los. "Du hattest Recht. Da hinten." Er nickte unauffällig mit dem Kinn in eine Ecke, wo Akemi unglaublicherweise einen Platz gefunden hatte, mit dem Rücken zum Laden. Wie praktisch. "Versuchen wir dahinter zu kommen", stellte er fest und balancierte seine Schüssel elegant durch den Laden. Eine gute Sache hatte seine Ausbildung und seine Geschicklichkeit: Es wirkte so, als würde er sich durch kleinste Lücken zwischen den Leuten einfach durchschlängeln und berührte dabei noch nicht einmal jemanden. Ob Yamato ihm folgen konnte? "... neues. Er... mich. Langsam fürchte ich, das...", schnappte er auf, dann lachte jemand neben ihm so laut dass er Akemi nicht mehr verstehen konnte. Der Mann neben ihr schüttelte bedauernd den Kopf, aber es dauerte noch einen Moment, bis Raku wieder etwas verstehen konnte, sah sich kurz um, ob sein Kollege wieder da war. "Aber ich will mich nicht beschweren... er hat sich noch nichts bemerkt. Dafür müsste er mich ja ansehen, wenn ich heim komme", sagte die hübsche, jung anmutende Dame, die in diesem Moment ihre Nudeln as. Es sei mal dahingestellt, wie viel Raku und Yamato verstehen konnten.