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Job: Der heimliche Liebhaber

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Job: Der heimliche Liebhaber
In fragwürdigen Hauptrollen: @Manako Raku und Tsukigata Yamato

Es wurde Herbst in Jôsei. Ein böiger Wind pfiff durch die vier Bezirke und trieb die fallenden Blätter in unstetem Spiel vor sich her. Längst hatten die Bewohner Schals, Mützen, feste Schuhe und Regenmäntel wieder aus Schränken und Kleidertruhen geholt, um sich gegen das wilde Wetter zu schützen. So auch Yamato, der sich an diesem Morgen auf den Weg in den Seiryuu-Bezirk gemacht hatte. Gut sah er nicht aus. Also Yamato. Nicht der Bezirk. Nach einer halb durchwachten Nacht fühlte sich der Tsukigata wie dreimal durchgekaut und wieder ausgerotzt. Aber es hätte schlimmer kommen können, denn obwohl sich ein neuer Wachstumsschub ankündigte, waren die Schmerzen noch mehr als erträglich und Yamato hoffte, dass der Auftrag erledigt war, bevor sie schlimmer wurden. Blieb also nur noch die bleierne Müdigkeit, gegen die er sich mit einem großen Becher Milchkaffee gewappnet hatte. Der zweite an diesem Morgen. Vielleicht wäre in Perspektive auch noch ein Dritter notwendig, um die Augenschatten aus Yamatos heute etwas blassem Gesicht zu vertreiben, aber um irgendwie zu funktionieren, würde es schon genügen.

Während er ohne Eile durch die Straßen ging und dann und wann an seinem Kaffee nippte, ging der Tsukigata in Gedanken noch einmal den Job durch, den ihm die Verwaltung gestern zugestellt hatte. Ein Herr Nakazato Atsushi war ob der abendlichen Umtriebe seiner Ehefrau verunsichert. Nun, das war verständlich, fand Yamato. Schon gar, wenn Frau Nakazato sich selbst auf Nachfrage ihres Mannes in absolutes Schweigen hüllte. Ob man deswegen aber zwei Shinobi anheuern musste, war eine andere Frage. Vielleicht waren Genin einfach billiger als professionelle Privatdetektive. Sei’s drum. Irgendetwas würden er und sein noch unbekannter Mitstreiter schon herausfinden und Yamato hoffte nur, dass es eine harmlose Ursache hatte. Vorstellen konnte er sich ja viel...

Leidlich belebt vom Koffein beschleunigte der hochgewachsene Genin seine Schritte. Es war noch recht früh am Morgen, was etwas widersinnig erscheinen mochte, wenn Nakazato Akemi eher zu späterer Stunde abspenstig wurde. Aber es galt noch einige Vorbereitungen zu treffen, so dass der zeitige Termin wohl doch seinen Sinn hatte. Yamato war es nur recht. Bei ihm ging heute ohnehin alles etwas langsamer. Nichtsdestotrotz traf er einige Straßenzüge später unter dem Baum ein, der als Treffpunkt ausgemacht worden war. Von hier aus sollte das Haus ihres Auftraggebers zu sehen sein, auch wenn Yamato noch nicht wusste, welches es war. Er befand sich in einer mehr oder weniger nichtssagenden Wohngegend, in der die Einfamilienhäuser in einem erbitterten Wettstreit um ihre Beschaulichkeit lagen.

Yamato trank seinen Kaffee aus und verstaute den leeren Becher in seinem Rucksack. Die noch warmen Hände vergrub er tief in den Taschen des dunkelblauen Halbmantels, der ihn vor Wind und Wetter schützte. Er hatte sich heute etwas wärmer angezogen als sonst, denn wer wusste schon, wie lange sie draußen herumlaufen würden, um diese Frau zu beschatten? Versonnen blickte er hinauf in das schon halb kahle Geäst, um zu sehen, ob sein Jobpartner sich nicht vielleicht schon dort oben niedergelassen hatte.

 

Manako Raku

Genin
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Das hier war tatsächlich so eine dieser Aufgaben, wo sich selbst Raku fragte, ob sie einen Sinn für das Dorf als solches erfüllte. War das wirklich noch im Aufgabenprofil Shinobi enthalten? Der junge Mann, dessen feste Kleidung wie immer gut saß, ihn aber ein wenig fremd in der Stadt wirken ließ, ging mit sicheren Schritten durch die Straßen und hatte sich vorgenommen - wie immer - früher anzukommen als er musste. Seine Arbeit fing immer schon früher an als angesetzt war, alleine schon weil er sich gerne ein Bild der Umgebung machte, in der er sich aufhalten würde. Er war ausgeschlafen und verhältnismäßig gut drauf, auch weil das Wetter ihm die Möglichkeit gab, mal wieder mit seinen selbst gefertigten Kleidungsstücken zu glänzen - sie schlugen sich nämlich gerade in solchem Wetter ganz hervorragend, ganz besonders der grünbraune, sehr wetterfeste und aus Segeltuch gefertigte Mantel, den er sich übergeworfen hatte. Der hellblonde Wuschelkopf war heute vorerst nicht von einer Kapuze verdeckt, was wohl auch einfach daran lag dass er die Notwendigkeit nicht so recht erkennen wollte. Diese Aufgabe war... simpel. So an sich gesehen. Und auch wenn Raku stets der Meinung war, alle Aufgaben zur Zufriedenheit erledigen zu müssen, blieben da doch die vormals benannten leisen Zweifel in ihm. Na, sei's drum, sagte sich der Genin und ließ sich dazu hinreißen, ein wenig Informationsbeschaffung noch vor dem Zusammentreffen mit seinem Teamkameraden, einem gewissen Tsukigata Yamato, zu betreiben. Tsukigata... sagte ihm nichts. Bisher hatte er mit einer handvoll Kollegen zu tun gehabt, aber der war noch nicht drunter gewesen. Wie immer war da diese Hoffnung, dass er nicht wie eine gewisse Kumo-nin war. Würde sich wohl zeigen.

Vielleicht eine Stunde später und pünktlich traf auch Raku bei dem Treffpunkt ein, wo ein hochgewachsener, junger, irgendwie adrett erscheinender Mann stand, dessen schwarze Haare sehr viel ordentlicher wirkten als die von Raku. So generell hatte der Bogenschütze so viel Selbsterkenntnis das er zugeben musste, dass der Kollege da sehr viel zugänglicher wirken musste als er. Zumindest auf den ersten Blick, aber da konnte er sich auch täuschen - Raku war nicht furchtbar fantastisch in dem Spiel 'erkenne sofort wie der andere so tickt'. Yamato sah gerade hoch in die Baumkrone über ihm, weshalb Raku noch einen Moment Zeit hatte ihn zu beobachten. Recht blass wirkte der Schwarzhaarige, vielleicht ein wenig übernächtigt? "Tsukigata Yamato-san?", fragte Raku dann, und es waren die ersten Worte die er in den letzten zwei Tagen gesprochen hatte. Entsprechend rau kamen sie raus, und er näherte sich dem reagierenden Kollegen. "Manako Raku. Ich bin wegen dem Job hier", erklärte er und räusperte sich, um seine Stimmbänder ein wenig in Schwingung zu versetzen. Die Augenklappe über seinem linken Auge verdeckte die Sicht auf den darunter liegenden Augapfel, aber sein heller Wuschelkopf verdeckte das Auge sowieso halb. "Habe mich bereits umgesehen. Der Klient, Nakazato-san, wohnt dort vorne. Es brennt Licht im Haus." Informationen im Stakkato. Sein Finger deutete auf ein kleines Haus, aber es schien gut unterhalten zu sein. Ein sehr gepflegter Garten. Zu gepflegt für den Geschmack des Jägers, aber sein Urteil zählte da wohl nicht. "Auf gute Zusammenarbeit", sagte Raku dann noch, verneigte sich leicht, und sein wächserner Gesichtsausdruck taute noch nicht wirklich auf. Lag aber wohl auch daran dass er die Muskeln zum Lächeln nicht wirklich trainiert hatte. Ja, da war ein kleines Lächeln zu sehen, aber das war nur das eingebrannte. Als er wieder gerade stand (und das in dem Falle: schnurgerade!) sah er Yamato einen Moment an. Er war kurz davor zu fragen ob es ihm gut ging, aber richtig durchringen konnte er sich nicht. Raku rang mit sich. "Äh... hoffentlich bleibt das Wetter stabil."
 
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Hmmm, nein. Da oben war niemand. Yamato war schon kurz davor, sich zu ärgern, dass er seinen Kaffee zu schnell ausgetrunken hatte, da machte er eine Person aus, die sich dem Baum – und damit auch ihm – genähert hatte. Und tatsächlich, der junge Mann mit dem hellblonden Schopf und der verwegenen Augenklappe stellte sich als sein Mitstreiter beim heutigen Auftrag heraus. „Das bin ich. Guten Morgen!“, gab Yamato zurück und hob lächelnd die Hand zu einem kurzen Gruß. „Freut mich, Raku-san.“. Immerhin sah damit einer von ihnen nach einem kompetenten Shinobi aus. Der Manako wirkte, als könne man ihn mitten in die nächstbeste krokodilverseuchte Schlammgrube werfen und er käme im Handumdrehen wieder heraus – mit heiler Haut und einer ansehnlichen Fleischbeilage fürs Abendessen. Da sollte sich doch einer flüchtigen Ehefrau auf die Schliche kommen lassen, oder? Wie sich herausstellte, hatte Raku sogar schon damit angefangen und das Haus der Nakazatos ausfindig gemacht. Yamato hob erstaunt eine Braue. „Ja wunderbar, dann können wir doch direkt loslegen!“, meinte er ganz und gar unironisch (und in der Hoffnung, den Job zu bewältigen, bevor er sein Pulver für heute verschossen hatte). „An der guten Zusammenarbeit zweifle ich nicht.“, gab Yamato höflich zurück und erwiderte die Verbeugung. Dass Raku nicht sonderlich emotional, sondern eher zackig-militärisch auftrat, störte den Tsukigata nicht weiter. Aus seiner Warte sprach es für Pflichtbewusstsein und Zielstrebigkeit und damit rannte er bei ihm ohnehin offene Türen ein. „... was das Wetter angeht, schon.“ Yamato warf einen kritischen Blick in den grauen Himmel, an dem gerade ein paar weiße Wolkenfetzen Fangen spielten, dann fand ein leicht schief geratenes Lächeln den Weg in sein Gesicht. „Aber ich teile deine Hoffnung.“.

In der hart umfochtenen Beschaulichkeits-Hitparade rangierte das Häuschen der Nakazatos in einem guten Mittelfeld. Es ähnelte einem traditionellen Yashiki, war aber in einem moderneren, betont schlichten Stil gehalten und selbst der Laie erkannte die hochwertigen Materialien, die für den Bau verwendet worden waren. Auch im Garten hatte man nichts dem Zufall überlassen. Vor dem Haus erstreckten sich kunstvoll bepflanzte Rabatten, die gerade den richtigen Klecks Wildheit trugen, um nicht langweilig zu wirken. „Wer hier wohnt, hat entweder Geld wie Heu oder versucht alles, um zu tun als ob...“, murmelte Yamato und warf Raku einen fragenden Blick zu. Was hielt er wohl von dieser Fassade, hinter der sich womöglich familiäre Dramen abspielten? So oder so, um das Gespräch mit dem Auftraggeber kamen sie nicht herum, also zog Yamato beherzt an der Türglocke und harrte der Dinge, die da kamen. Das einzige, aber auch wichtigste Ding, das kam, war der Hausherr. Nakazato Atsushi präsentierte sich als schmaler Mann mit hohen Wangenknochen, die etwas zu ausgeprägt für sein hageres Gesicht wirkten. Nüchtern starrte er die beiden Genin an. „Ja?“. ‚Buchhalter.‘, dachte Yamato, sprach seinen Verdacht aber nicht aus. Nicht zuletzt deswegen, weil er mit solchen Vermutungen gern einmal daneben griff. Stattdessen setzte der Tsukigata eine mildere Variante seines Schwiegersohnlächelns auf (nicht, dass er sonst groß Gelegenheit dazu gehabt hätte) und verneigte sich kurz. „Guten Morgen, Nakazato-san.“. Er wies auf seinen ernsten Begleiter. „Das ist Manako Raku-san und ich bin bin Tsukigata Yamato. Wir sind wegen Eures Auftrags hier.“. Beim Stichwort „Auftrag“ zogen sich die Brauen des Mannes für einen Moment zusammen, bevor seine Miene wieder glatt, ja beinahe ausdruckslos wurde. „Verstehe. Tretet ein, damit wir ungestört sprechen können.“. Atsushi gab den Weg frei und deutete mit einer Geste ins Innere des Hauses. Schon auf dem Weg ins Wohnzimmer setzte sich der sehr gepflegte Eindruck aus dem Garten fort. Klare Linien, exquisites Mobiliar und einige diskret platzierte Kunstwerke legten den Schluss nahe, dass Akemi wohl nicht wegen mangelndem Luxus das Weite suchte ...
 

Manako Raku

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Raku-san!? Oh nein! War er doch einer von der Sorte die sich ungefragt aufdrängten? So wirkte sein Gegenüber gar nicht! Hm... Raku blieb für einen Moment wachsam, konnte aber nicht erkennen dass Yamato so reagierte, wie Chinatsu es vielleicht getan hätte. Nein, im Gegenteil. Er blieb höflich, einigermaßen distanziert und vor allen Dingen wirklich dankbar für die Vorarbeit die Raku geleistet hatte. Das wiederum verschaffte dem Blauäugigen einen gewaltigen Schub an Pluspunkten und - das wusste Raku selbst natürlich gar nicht so richtig - ließ ihn auch gleich ein wenig mehr auftauen. Der Manako war wohl so jemand, dem man einfach auch mal sagen musste, wenn er etwas gut machte. Naja. Es gab ja solche Menschen. Und auch wenn sich der Hellhaarige bisher noch nicht dazu durchringen hatte können, seinen Kollegen nach seiner Befindlichkeit zu fragen: Raku fand ihn symphatisch. Ein wenig witzig. Yamato schien ein umgänglicher Kerl zu sein. Was das Wetter anging... da konnte man wohl nichts machen. Jedenfalls nicht Shinobi auf ihrem Level, davon ging Raku zumindest aus. "Guten Morgen", hatte Raku dann aber doch noch erwidert. Andererseits würde Yamato wohl noch ein wenig auf eine weniger förmliche Ansprache warten müssen, wenn er überhaupt Wert darauf legte.

Der Bogenschütze hingegen erlaubte sich überhaupt kein großes Urteil über das Haus des Klienten. Tatsächlich kannte er sich mit Häusern nicht wirklich aus... und da er selbst in seiner Wohnung eher selten war (und diese in Teilen einer Werkstatt glich) konnte er sich auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Die widerliche Gepflogenheit des Gartens fiel dem Jäger dann allerdings schon auf. Was für eine hochnäsige Zähmung von Natur, um seinem eigenen Garten einen Ausdruck von Überheblichkeit zu verleihen. Er hatte fast Respekt davor. Seine feine Ohren fingen etwas von den Worten seines dunkelhaarigen Mitstreiters ein und er drehte den Kopf leicht. "Sieht recht künstlich aus", urteilte Raku und sah etwas ratlos aus. "Viel investiert anscheinend, damit es so bleibt", ergänzte der junge Mann und war dankbar, dass Yamato das Klingeln übernahm. War nicht so, als hätte Raku davor Angst, aber sein Kollege hier ging deutlich gewohnter mit Worten um als er - und hatte gleichzeitig so eine zwanghafte Anziehungskraft, dass sich selbst der Genin dem nicht ganz entziehen konnte. Ihr Auftraggeber hingegen - Raku vermutete dass der Mann, der die Tür öffnete, das war - hatte nicht so viel Charisma. Im Gegenteil, er wirkte... gar nicht. Selbst auf Raku, der davon keine Ahnung hatte. Nichtssagend. Viele Menschen hatten irgendetwas, woran man sich erinnern konnte, der Typ hier hatte allerhöchstens Wangenknochen. Naja. Yamato schlug sich hervorragend und so ließ sich Raku ohne ein Wort zu sagen hereinbitten. Das Innere des Hauses bestätigte den ersten Eindruck, dass es hier nicht so aussah als würde hier jemand wirklich leben. Wohnen vielleicht, aber lebendig wirkte das Heim des Mannes nicht. Raku runzelte leicht die Stirn, aber es war so fein, dass es nur jemandem auffallen würde der ihn direkt ansah in diesem Moment. Der Auftraggeber orientierte sich noch am Schwarzhaar. "Folgt mir bitte in mein Arbeitszimmer. Bei einem solch diskreten Unterfangen möchte ich sicher gehen, dass man uns nicht belauscht", erklärte der Auftraggeber und geisterte vor. Er schien nicht interessiert zu sein den Shinobi groß etwas anzubieten, wogegen Raku nichts einzuwenden hatte. Im Arbeitszimmer angekommen, wurde Raku erneut erschlagen von der langweiligen, gradliniegen Nüchternheit der Einrichtung. Und die Farbwahl alleine. Grau in Grau auf Grau. Bisschen Schwarz. Bisschen weiß. Eine Rechenmaschine. Viel Papier. Der Bogenschütze war kein bisschen angemacht von der Aufmache. Sie ließen sich auf einigen harten Polstermöbeln nieder, die todschick waren (also... in anderen Augen als Rakus) und saßen daraufhin dem Mann gegenüber, der den Auftrag erteilt hatte. Raku merkte nicht, dass er ähnlich gerade saß wie Nakazato-san, der noch immer kaum einen Gesichtsausdruck hatte. Raku blieb sachlich. "Ihre Frau betrügt Sie also?", fragte Raku geschäftsmäßig und ein wenig pietätslos. "NEIN! Naja. Vielleicht. Doch? Ich denke schon", fing der Mann dann an und sah zur Seite. "Ich bin mir sicher, dass sie etwas vor mir verbirgt. In letzter Zeit arbeitet sie viel länger als noch zuvor... sie sagt 'Heute wird es wahrscheinlich wieder später, ich muss Überstunden machen'. Überstunden! Sie müsste überhaupt nicht arbeiten, wenn sie es nicht wollte. Und dann ist sie oft am Abend weg, und sagt nicht wohin sie geht. Shinobi-san, meine Verzweiflung ist endlos", sagte er und sein Gesicht regte sich kaum. Raku fand das albern, man sah überhaupt nicht was er fühlte. Dass er selbst ein wenig so war, war ihm in dem Moment unklar. Die Gesichtszüge des Langweilers wurden derweil wieder ein wenig fester, als er jetzt Yamato ins Auge fasste. "Nun, letztlich hat das keine Bedeutung. Ich möchte, dass ihr meine Frau beschattet. Ich bin mir sicher, sie missbraucht mein Vertrauen. Unter keinen Umständen darf sie davon erfahren. Solltet ihr auffliegen, ist keine Entlohnung vorgesehen, ich erinnere an den Vertrag mit der Dorfverwaltung." Er zeigte einen Zettel hoch, auf dem groß KOPIE stand - und der übliche Vertragstext. Der Mann war offenbar eine Koryphäe. Raku runzelte die Stirn. "Wieso heute? Was hat sie angekündigt?"
 
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Auf dem Weg durch das Haus sah der Tsukigata sich unauffällig um. Alles hier wirkte nobel und ausgewählt. Nichts hatte man dem Zufall überlassen und jede noch so kleine Unwägbarkeit nahezu pedantisch vermieden. Yamato war sich sicher – hätten sie die Unverfrorenheit besessen, einen Blick hinter die Edelholzschränke oder das teure Sofa zu werfen, wäre dort noch nicht einmal der Schatten einer Staubfluse zu sehen gewesen. Zugegeben, ganz ungewohnt war ihm ein solches Territorium nicht und vermutlich fühlte er sich nur deswegen nicht von dem strengen Ambiente eingeschüchtert. Vor allem seine Mutter legte ebenfalls großen Wert auf ein repräsentatives Erscheinungsbild, aber niemals hätte sie zugelassen, dass ihr Zuhause so grau und erstarrt gewirkt hätte. Das Haus der Nakazatos war formvollendet, aber ohne Leben und stimmte auf eine ungreifbare Weise traurig. Ein Empfang, wie seine Eltern ihn mindestens einmal im Monat gaben, wäre hier nicht vorstellbar gewesen. Und auch sonst nicht viel, was irgendwie Freude bereitet hätte. Yamato freute sich allenfalls darauf, hier so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Aber zuerst stand das Gespräch mit dem Hausherrn auf dem Plan.

Und das begann direkt mit einem Knall. Nur gut, dass Atsushi ihnen nichts angeboten hatte und der Kaffee längst getrunken war, denn Yamato hätte sich bei Rakus Einstiegsfrage unweigerlich daran verschluckt und den teuren Schreibtisch in einen feinen Sprühnebel gehüllt. Es blieb bei einem überraschten (und nur leicht alarmierten) Seitenblick zu seinem hellhaarigen Begleiter. Raku ... war zielstrebig. Sehr sogar. Noch konnte Yamato nicht einschätzen, ob er aus reiner Berechnung handelte oder einfach jemand war, der gern schnell zum Punkt kam (und hier ebenfalls schnell wieder wegwollte). Aber wie es auch sein mochte, es hatte den großen Vorteil, dass er Atsushi kalt erwischte und ihm eine ehrliche Antwort entlockte – und die erste wirkliche Gefühlsregung seit ihrem Eintreffen. Yamato rückte sich auf seinem Sitzhocker (oder wie auch immer sich das quadratische Sitzmöbel nannte, auf dem er Platz genommen hatte) zurecht und fand zu seiner freundlich-interessierten Miene zurück, die ihm eben doch ein wenig entglitten war. „Es entspricht dem Muster ihrer ... Unternehmungen.“, gab Atsushi geschäftsmäßig auf Rakus Frage zurück. „Vor etwa einem halben Jahr hat es angefangen. Sie hat sich zu dieser Zeit unregelmäßig etwa einmal pro Woche verspätet. Dann zweimal, dienstags und donnerstags. Und nun ist sie dreimal weg. Wieder jeweils mit einem Tag Pause dazwischen ...“. Man sah Atsushi an, dass er gerade ein Seufzen unterdrückte. Aber das hätte nur seiner Haltung geschadet. „Es gibt durchaus Abweichungen von diesem Schema, aber sie sind selten, so dass Ihr heute gute Chancen habt, ihre Aktivitäten zu verfolgen.“. Yamato atmete innerlich tief durch. „Wir werden tun, was wir können, um Euch Gewissheit zu verschaffen, Nakazato-san.“. Ob das so gut war, stand auf einem anderen Blatt. Aber sie wurden nicht dafür bezahlt, diese Frage zu erörtern. Und Yamato war auch nicht die geeignete Person dafür. Keiji war noch nicht lange genug her, als dass er Atsushi nicht doch irgendwo verstanden hätte. „Aber helft uns zuvor noch mit ein paar Auskünften.“, versuchte er sich stattdessen nützlich zu machen. „Wo finden wir Eure Frau denn und habt Ihr ein Bild von ihr, das wir mitnehmen können?“. Atsushi nickte knapp, holte aus einer Schublade eine kleinformatige Fotografie und reichte sie dem Tsukigata über den Tisch. Das Bild zeigte eine hübsche Frau mit dunklen, wohlfrisierten Locken und einem verschmitzten Lächeln. Sie wirkte ein wenig jünger als ihr Ehemann und strahlte wesentlich mehr Leben aus. Yamato reichte das Foto an Raku und konnte dabei nicht ganz verbergen, was er angesichts dieser nahezu klassischen Konstellation dachte. „Akemi arbeitet in Teilzeit bei der Byakuren Shinbun.“, fuhr ihr Auftraggeber derweil fort. „Ihre Tätigkeit dort ist hauptsächlich administrativer Natur. Sekretariatsarbeiten ...“. Atsushi war anzusehen, was er davon hielt. „Aber ab und zu veröffentlicht sie auch kleinere Artikel über lokale Ereignisse. Gartenmärkte, Kaninchenschauen ... Ihr wisst, was ich meine.“. Ja. Wussten sie. Yamato hätte noch viele Fragen stellen können, um der Sache auf den Grund zu gehen, aber Akemi zu beschatten, führte wohl wesentlich schneller und zuverlässiger zum Ziel als weiter in ihrer Biografie zu wühlen und am Ende doch die falschen Schlüsse zu ziehen. So wie er Atsushi einschätzte, hatte er ohnehin bereits jede Eventualität mehrfach umgewälzt. „Also gut, Nakazato-san.“, schloß der Tsukigata, nachdem sie noch eine Liste mit Akemis üblichen Arbeitszeiten und Aufenthaltsorten abseits der Arbeit bekommen hatten. „Wir gehen der Sache nach und versichern Euch höchste Diskretion.“. Was um einiges professioneller klang als es sich anfühlte. Yamato hatte einmal wieder das Gefühl, ohne Umweg in die nächste Katastrophe zu laufen. So sein Begleiter keine weiteren Fragen hatte, konnten sie beide zunächst jedoch ihrem Fluchtinstinkt nachgeben und Nakazatos Mausoleum heimeligem Zuhause den Rücken zukehren. Geordneter Rückzug und so.

„Meine Güte...“, murmelte Yamato, als sie wieder auf der Straße waren. Er unterdrückte das dringende Bedürfnis, sich die schmerzenden Schläfen zu massieren. Der Blick, den er Raku zuwarf, sprach jedoch Bände. Ganze Reihen von Enzyklopädien in verschiedenen Auflagen. „Ich frage mich gerade eher, warum Akemi-san überhaupt noch nach Hause kommt. Bis zum Abend haben wir noch jede Menge Zeit, aber wenn wir uns langsam auf den Weg machen, erwischen wir sie zur Mittagspause.“. Was ihnen durchaus einige Optionen eröffnete, vorab an ein paar Informationen zu kommen. „Was meinst du?“.
 

Manako Raku

Genin
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Hm. Raku war nicht für so eine Art von Job gemacht. Zumindest es noch mehr um diese direkte Kommunikation ging - es war ihm lieber eine Aufgabe zu haben, die er verfolgen konnte, wo Durchführung und Ziel klar waren. Aber Informationen sammeln gehörte wohl irgendwie auch zum Job - wenngleich er hoffte, dass das Beschatten nicht mehr lange auf sich warten ließ. Da konnte man zumindest irgendwie Mühe zeigen, viele Dinge zu erfassen. So war es einfach ein wenig deprimierend... den Blick von Yamato bekam er kaum mit, und wenn, dann hätte er ihn nur bedingt deuten können. Dass seine Frage vielleicht zu direkt hätte sein können, darauf kam er nicht. Es war doch so: Man kam schneller zum Ziel, wenn man Klartext sprach. Aber Atsushi schien nicht der Meinung zu sein dass seine Frau ihn betrügte... oder doch? Seine Antwort war so uneindeutig. Ihre Aktivitäten sollten sie also verfolgen... gut, das sollte wohl kein Problem sein. Raku fiel auf wie sicher sich sein Kollege in diesem kommunikativen Kontext bewegte, wie viel normaler und sicherer er als alle anderen Kollegen vorher war. Irgendwie fast schon beeindruckend. Und es gefiel dem Bogenschützen, dass Yamato nach so praktischen Dingen wie einem Bild fragte. Vielleicht konnte er sich von dem Dunkelhaarigen ja noch etwas abschauen.

"Guter Plan", antwortete Raku verbindlich und nickte. Kurz überlegte er, ob er noch mehr von seinen Gedanken preis geben sollte, warf einen Blick in Richtung seines Kollegen. Dieser warf ihm einen Blick zu, aber Raku konnte nicht so recht lesen, was er ihm sagen sollte. Und er steckte auch zu wenig in dieser ganzen Beziehung drin, als sich ein großes Urteil zu erlauben, aber trotzdem versuchte er sich an so etwas wie einer Beobachtung. "Schwierig. Keine Spur von Kindern, auch kein Wort. Spielzeuge waren auch nicht zu sehen. Generell recht nichtssagend", überlegte Raku im üblichen Stakkato. Er fühlte sich noch immer sehr unwohl dabei, zu viele Worte zu verschwenden. Seine Stimme war aber bereits jetzt ein wenig weniger rau als noch am Anfang des Tages. "Akemi-san scheint Verpflichtungen oder Verabredungen wahrzunehmen. Vielleicht Überstunden. Er finanziert keinen extravaganten Lebensstil. Nur wegen Geld wird sie nicht bleiben." Oder? Gott, war das schwierig! Rakus Kopf hätte geraucht, hätte er es vermocht. Es war ihm nahezu peinlich, sich so tief in die Angelegenheiten dieser Leute einzumischen, aber sein Ehrgeiz der Aufgabe gegenüber machte das wett. "Hast du...", fing er dann an und riss sich ein wenig am Riemen. Yamato schien ein vertrauenswürdiger Kerl zu sein. Wahrscheinlich würde er verzeihen, wenn er ein wenig... offener war? Zumindest schien er nicht aufdringlich. "... Erfahrungen auf diesem Terrain? Ich gebe zu, Beschattungen mögen mir liegen, aber mir fällt es leichter, Tatsachen zu beobachten. Die Schlüsse musst du ziehen... möglicherweise", setzte er noch nach und zuckte mit den Schultern, sah dann nach vorne. "Beeilen wir uns. Wir müssen sie erstmal finden." Er setzte sich in Bewegung, warf dann aber noch einmal ein Blick zu Yamato. "Aber ihre Beziehung muss ja irgendeine Grundlage haben, oder?" Das Bild der Frau kam ihm wieder in den Kopf. Vielleicht ergänzten sie sich ja einfach so gut - oder so?
Der Weg der Genin führte sie ein Stück tiefer in den Seiryuu-Bezirk hinein, in Richtung ihres Zieles. Jetzt, kurz vor Mittag an diesem Tag, war hier ein geschäftigtes Treiben in den eher geschäftlich geprägten Straßen zu erkennen. Sie fielen nicht groß auf, das war das Gute daran wenn man sich in Shirogakure - oder eben Jôsei - bewegte. Alles war voll mit Menschen die sich nicht 'normal' kleideten. Arbeiter die auf Baustellen schufteten; Ninja, die Utensilien kauften und sich ausrüsteten, vielleicht für die nächste Mission; Geschäftsleute mit Koffern; Eltern mit Kindern, Boten und Händler waren unterwegs, alte und junge Menschen... Raku war mal wieder ein wenig überwältigt, auch weil er automatisch versuchte möglichst viele Informationen einzufangen. Während sie sich dem Gebäude des Lokalanzeigers näherten, fiel ihm ob seiner Abgelenktheit nicht die hübsche Frau auf, die fast noch jünger in echt wirkte als auf dem Bild, die mit einem breiten Grinsen die Straße entlang ging, mit weiten Schritten. Die angeregte Unterhaltung mit ihrem Kollegen bekam er ebenso wenig mit. Gesprächsfetzen drangen an das Ohr des Genin. "... denke nicht... Atsushi... heute Nachmittag?"
 
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Yamato nickte versonnen auf die Einschätzung seines Jobpartners. Oh ja, schwierig war es... Oder machten sie es am Ende doch komplizierter als es eigentlich war? Im Grunde sollten sie nur observieren, keine Fragen stellen. Aber sie kamen wohl beide nicht umhin, es eben doch zu tun, und irgendwie beruhigte es den Tsukigata. Keiner von ihnen würde sich nach außen hin über die Anweisungen hinwegsetzen, doch im Inneren fühlte er sich mit der Rolle des stumpfen Befehlsempfängers nicht recht wohl. Und Raku? Nun, der Wuschelkopf teilte seine Gedanken gerade mit und Yamato konnte nur zustimmend nicken. „Ziemlich undurchsichtig, ja. Nakazato-san scheint sich schon sehr auf eine Affäre eingeschossen zu haben. Aber aus unserer Perspektive gibt es im Moment einfach viel zu viele Möglichkeiten und einen richtigen Reim kann ich mir auch noch nicht drauf machen.“. Umso wichtiger, dass sie ein paar Hinweise ausfindig machten, um ein paar Optionen auszuschließen. Oder im Idealfall gleich den Deckel drauf zu machen. Yamato konnte nicht leugnen, dass er allmählich auch neugierig wurde, was hinter der ganzen Sache steckte. Auch wenn er immer noch auf ein gutes und harmloses Ende hoffte.
Die nächste Frage ließ den dunkelhaarigen Genin zusammenzucken. Erfahrungen?! „A-auf diesem Terrain...?“. Reichlich überrumpelt glotzte er Raku an. Womit hatte er sich denn jetzt wieder verraten? Ja. Oh ja. Er verstand Atsushi besser als ihm lieb war. Aber diese Erinnerungen gehörten in einen gut verschnürten Pappkarton, der in seinem Oberstübchen gefälligst ungestört einstauben sollte. Erst einige fatale Sekunden zu spät realisierte Yamato, dass sein Jobpartner es ganz anders gemeint hatte. Verdammt. „Äh ...“, machte er erst einmal, während er versuchte, sich innerlich zu sortieren und seinen entgleisten Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle zu kriegen. Schließlich schüttelte er den Kopf und atmete tief durch. „Tschuldigung ... ich hab das grad falsch verstanden.“, trat er die Flucht nach vorn an. „Erfahrung mit solchen Aufträgen ... nicht so wirklich. Ich bin zwar öfter mal unter Leuten und da kriegt man schon einiges an Drama mit.“. Wenn das eigene nicht schon reichte... „Aber gut geht das nur, wenn ich schnell genug wieder weg bin, bevor ich voller Zuversicht in die erstbeste Landmine trete.“. Entschuldigend lächelte er Raku an. Der arme Kerl musste ihn doch inzwischen für den letzten Idioten halten. Und Recht hatte er. Yamato nickte bekräftigend auf die Bemerkung, dass sie sich besser beeilen sollten, und sah zu, dass er mit dem Manako Schritt hielt. Irgendwie kam es ihm vor als seien seine Gliedmaßen in den letzten fünf Minuten schwerer geworden. „Hm ... heiraten kann man ja aus den unromantischsten Gründen.“, griff er Rakus letzte Worte auf. „Aber wenn die Ehe rein geschäftlich wäre, würde Nakazato-san sich bestimmt nicht solche Gedanken machen. Was immer die beiden miteinander haben – ich hoffe, es ist stark genug, damit sie das hier überstehen.“.

Auf dem Weg zum Verlagshaus der Zeitung fand Yamatos Innenleben allmählich wieder zu etwas mehr Ruhe zurück. Was vor allem daran lag, dass das geschäftige Treiben zur Mittagszeit die beste Ablenkung bot. Heute abend würde er noch genug Zeit haben, sich herunterzuputzen, jetzt hieß es aufpassen. Jemanden in einer Menschenmenge ausfindig zu machen, war dem Tsukigata nicht ungewohnt, auch wenn es hier auf der Straße noch einmal etwas anderes war. Sein Blick blieb an einem unverschämt gut aussehenden Mann mittleren Alters hängen. Er trug einen perfekt sitzenden Anzug samt Krawatte, die Yamato sofort als schweineteuer erkannte, und wirkte wie jemand, mit dem man gern befreundet wäre. Mindestens. Der Mann war in ein angeregtes Gespräch mit einer anderen Person vertieft, doch erst als ein sehr bekannter Name fiel, fühlte sich der Tsukigata genötigt, sie auch anzuschauen. Akemi! Zweifellos hatte der Manako sie längst- ... nein? „Da...!“, flüsterte Yamato alarmiert und stieß seinen Kollegen sacht und möglichst unauffällig mit dem Ellenbogen an. Klischeehafter ging es wohl kaum noch, kritisierte eine leise Stimme in Yamatos Hinterkopf. Aber egal. Da war die Frau und jetzt wurde sie verdammtnochmal beschattet!
Unauffällig folgten die Genin den beiden und konnten die Konversation nun besser verstehen, wenngleich das eine oder andere Wort im allgemeinen Straßenlärm unterging. „Pass auf, am Ende ... dein Mann noch Spione auf den Hals.“, scherzte der Mann, der sich dafür direkt einen Knuff von Akemi einfing. „Ach, Unsinn ... doch nicht.“, lachte sie, warf aber dennoch einen prüfenden Blick über ihre Schulter. „Also, was essen wir?“ - „Ich ... Leichtes. ... kein gutes Bild, wenn wir später nur in ... rumstochern...“. Die Wahl fiel auf ein kleines Soba-Restaurant auf der anderen Straßenseite, auf das die beiden nun schnurstracks zuhielten. Yamato warf Raku einen Seitenblick zu. „Wie weiter? Sollen wir mit rein?“, fragte er leise. „Um die Zeit ist da drin bestimmt die Hölle los.“. Was es schwierig machen würde, irgendetwas zu verstehen. Aber vielleicht hatte Raku als der Erfahrenere von ihnen eine Idee.
 

Manako Raku

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Raku blinzelte ein wenig verwirrt, als Yamato ihn irgendwie seltsam ansah. Klar, so richtig interpretieren konnte er das nicht, aber das fiel selbst Raku auf… irgendwie schien er da seinen Finger in eine Wunde gelegt zu haben. Aber was sollte das sein? Das war nicht Yamatos erster Auftrag, das konnte es also nicht sein. Seltsam. „Falsch verstanden? Wie meinst du?“, fragte Raku perplex und rein aus Reflex, schüttelte dann aber den Kopf um anzudeuten, dass er die Frage nicht ganz ernst gemeint hatte. „Entschuldige. Schlecht formuliert, vermutlich.“ Der Hellhaarige nahm sich vor, noch vorsichtiger zu sein was die Ansprache von Yamato betraf. Er hatte ihn offenbar verunsichert und das war nie gut um einen Auftrag vernünftig zuende zu bringen. Raku war aber dankbar, dass der Dunkelhaarige ihm das nicht übel nahm und verzog kaum eine Miene als ihn sein Kollege entschuldigend anlächelte. Vielmehr machte er sich Gedanken darum wie sie beide – offenbar sozial zumindest leicht dysfunktional – mit diesem Job klarkommen sollten. „Hm“, brummte der Manako. „Du bist zumindest weiter als ich“, murmelte er, nicht aber unbedingt laut genug um es offensichtlich an Yamato zu adressieren.
Gesagt getan: Raku hatte bisher also noch nicht bemerkt, dass ihre Zielperson in unmittelbarer Reichweite war, sondern benötigte erst einmal einen ordentlichen Hieb mit dem Ellenbogen. Zumindest erschreckte sich Raku über die plötzliche Berührung so sehr, dass es durchaus ein Nierenhieb hätte sein können. Yamato war sogar verhältnismäßig sanft gewesen, Raku zuckte trotzdem zusammen. „W-“, fing er an, hielt sich dann aber zurück. Sein Blick huschte erst zu dem Dunkelhaarigen, dann zu der Frau zu der er zeigte – und wieder einmal wurde es um die Nase von Raku ein wenig röter. Das…. Das war jawohl die Höhe! Schon wieder wurde er ausgestochen bei einer Sache, die er eigentlich besser können sollte! War er nicht stolz darauf ein Bogenschütze und Späher zu sein? War das nicht wenigstens etwas, von dem er behauptete, es eingermaßen gut zu können? Verdammt! Der junge Mann ärgerte sich über sich selbst, und seine Mundwinkel zuckten kurz nach unten. Dann aber nickte er dem Kollegen zu und sie fingen an, Akemi zu beschatten. Das war schon vielmehr nach dem Geschmack des Manako, denn jetzt musste er sich auf eine bestimmte Sache konzentrieren und konnte sich dem auch widmen – das fiel ihm einfacher als das hin- und herüberlegen. Nicht dass er zu dumm dafür war, es schien ihm einfach immer nur als würde man eine Nadel im Heuhaufen suchen.


„Ein Soba-Restaurant? Zur Mittagspause? Verdächtig.“
Raku runzelte die Stirn. Was für ein ineffizientes Mittagessen, vor allen Dingen in einem Job wie den, den Akemi anscheinend hatte. Höchst suspekt, fand er. Ein wenig Gemüse in Rohkost-Form wäre doch viel besser – machte schneller satt, hatte weniger Kohlenhydrate und war generell ein wenig gesünder. Hmpf. Yamato allerdings schien sich keine Gedanken um die seltsame Location zu machen, sondern stellte eine viel praktischere Frage, die Raku hart traf und ihm ein wenig den Schweiß auf die Stirn trieb. "Da rein?" Seine Stimme klang eigentlich wie immer, doch leichte Panik machte sich dann schon breit. Es war nicht so als hätte er eine echte Phobie gegen das Gedränge in dem Laden, vor dem sich die Genin wiedergefunden hatten - er war es nur weder gewohnt noch mochte er sich so einengen lassen. "Wir haben noch keine Erkenntnis", brummte der junge Mann und kaute kurz auf seiner Unterlippe herum. "Wir haben sie schon entdeckt. Beobachten bringt nichts. Wir müssen hören." Auch wenn das ebenso wenig einfach werden würde. Raku grübelte. Dann seufzte er. "Mit rein. Da drin sollten wir nicht auffallen." Also... Yamato nicht. Raku sah man wohl an dass er nicht einfach ein normaler Jugendlicher war. Immerhin hatte er genug Selbstbewusstsein, seine Augenklappe abzunehmen, wusste er doch, dass das ein unbedingt auffallendes Merkmal war. Darunter kam ein zweites, normales und intaktes grünes Auge zum Vorschein. Schnell verstaute er das Kleidungsstück in seinem Mantel und sah in dem Moment wirklich nicht so glücklich aus. "Wir gehen rein", stellte er fest und zog Yamato dann mit in den sehr vollen Laden. Eine gute Sache hatte das Ganze: Ein kleines Mittagessen war vielleicht wirklich nicht verkehrt und außerdem waren die Dienstleister hier sehr professionell. Lange warten musste man nicht, der Laden war dafür umso voller. Als sie hereinkamen wurden sie erschlagen von der Luftfeuchtigkeit und der verbrauchten Luft in dem Restaurant; Essens- und Menschengerüche, lautes Gesabbel und Geplapper, Teller, Schüsseln und Besteck klirrten, hier und da ein Lachen... es war für Raku eine Reizüberflutung par excellence. Er bestellte sich 'irgendwas ohne Nudeln und mit viel Gemüse', bekam im Grunde eine Schüssel Soba ohne Soba (und einen etwas pikierten Blick der mittelalten Frau hinter dem Tresen) und wartete dann noch einen Moment auf Yamato. "Unerträglich", beschwerte sich der Manako und sah sich um. Es gab eben auch kaum mehr Platz. Einige der Leute standen sogar schon und hatten ihre Schüsseln auf der Dekoration abgestellt - ja, es war die Hölle los. "Du hattest Recht. Da hinten." Er nickte unauffällig mit dem Kinn in eine Ecke, wo Akemi unglaublicherweise einen Platz gefunden hatte, mit dem Rücken zum Laden. Wie praktisch. "Versuchen wir dahinter zu kommen", stellte er fest und balancierte seine Schüssel elegant durch den Laden. Eine gute Sache hatte seine Ausbildung und seine Geschicklichkeit: Es wirkte so, als würde er sich durch kleinste Lücken zwischen den Leuten einfach durchschlängeln und berührte dabei noch nicht einmal jemanden. Ob Yamato ihm folgen konnte? "... neues. Er... mich. Langsam fürchte ich, das...", schnappte er auf, dann lachte jemand neben ihm so laut dass er Akemi nicht mehr verstehen konnte. Der Mann neben ihr schüttelte bedauernd den Kopf, aber es dauerte noch einen Moment, bis Raku wieder etwas verstehen konnte, sah sich kurz um, ob sein Kollege wieder da war. "Aber ich will mich nicht beschweren... er hat sich noch nichts bemerkt. Dafür müsste er mich ja ansehen, wenn ich heim komme", sagte die hübsche, jung anmutende Dame, die in diesem Moment ihre Nudeln as. Es sei mal dahingestellt, wie viel Raku und Yamato verstehen konnten.
 
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Oh ... oh verdammt. Irgendwas lief doch schon wieder schief, aber dieses Mal konnte Yamato nicht ergreifen, was es war. Was er falsch gemacht hatte. Vielleicht war es daher ein glücklicher Umstand, dass weder ihm noch Raku die Zeit blieb, sich weiter mit inneren, äußeren und zwischenmenschlichen Abgründen (und wie man mit vollem Anlauf in sie hineinsprang) zu beschäftigen. Denn sie hatten ihre Zielperson ausgemacht und ebendie verschwand samt ihrem gut gekleideten Trabanten gerade in einem Restaurant. Jegliche Kommentare oder Entschuldigungen mussten also warten, bis dieser akuten Situation Sorge getragen war. Raku schien das zum Glück ähnlich zu sehen und so erwiderte der Tsukigata das Nicken zur Bestätigung und folgte seinem Begleiter in Richtung des Soba-Restaurants. Wirklich begeistert war Yamato auch nicht, sich in das überfüllte Lokal zu quetschen, aber welche Wahl blieb ihnen auch groß ...

Kurz bevor sie sich ins Getümmel stürzten, folgte schon die nächste Überraschung: Raku nahm seine Augenklappe ab und offenbarte darunter ein zumindest dem äußeren Anschein nach völlig gesundes Auge. Yamato hatte das Vorhandensein der Augenklappe bisher gar nicht hinterfragt (nicht einmal sich selbst gegenüber), aber es war doch gut zu sehen, dass ... naja, auch Raku gut sehen konnte. Gut möglich, dass er sein Auge aus irgendeinem Grund einfach etwas schonen musste. Oder, oder, oder. Egal. Akemi. Soba-Schuppen.

Und der hatte es im wahrsten Sinn des Wortes in sich. Allem voran hatte er eine Unmenge an hungrigen Gästen in sich und solchen, die diesem Zustand gerade entgegenwirkten. Die vielstimmigen Gespräche und das Geklapper mit Tellern und Besteck mischte sich mit dem dampfschwangeren Ambiente einer Garküche im Dauerbetrieb. Was dabei herauskam, fasste Raku treffend zusammen: unerträglich. Wenigstens sah das Essen recht gut aus und die verschiedenen Aromen, die durch das Lokal zogen, dufteten recht einladend (auch wenn Yamato sich in einem Hinterwinkel seines Gedankenstübchens fragte, ob sie sich später durch den Essensmief, der unweigerlich in ihren Klamotten hängen würde, nicht verraten konnten). Anders als Raku bestellte sich der Tsukigata die Soba mit Soba, schränkte aber das Gemüse auf „viel grünes Gemüse, nur bitte keinen Fenchel, wenn es keine Umstände bereitet“ ein. Dazu kam noch ein großes Glas Milch, das nun nebst der Sobaschüssel unbeschadet durch die engen Gänge zwischen den Tischen balanciert werden wollte. Unter tausendfachem „Pardon!“, „Entschuldigung!“, „Sumimasen!“ hoppelte er ziemlich ungelenk hinter seinem Kollegen her, der sich und sein Essen mit beneidenswerter Eleganz an allen Hindernissen vorbei manövrierte. Yamato hingegen schien es da wie ein kleines oder mittleres Wunder, dass er Nudeln und Milch niemandem übers Revers kippte. Er konnte sich den tiefen Erleichterungsseufzer nicht verkneifen, als er Raku unbeschadet erreichte. Und auch nicht das entschuldigende Lächeln, mit dem er den hellhaarigen Genin bedachte. Was musste er nur schon wieder von ihm denken? Dilettantismus, dein Name ist Tsukigata Yamato! Aber sie waren zu nah am Ziel, um ausgerechnet jetzt die Kunai ins Korn zu werfen. Im Gegenteil. Die Hoffnung, hier endlich ein paar brauchbare Informationen aufzuschnappen, war sogar noch gewachsen. Er lehnte sich neben Raku an die Wand, stellte das Glas auf einem Sims ab und spitzte die Ohren.
Der Mann im teuren Anzug legte derweil eine Hand auf die von Akemi und drückte sie sacht. „Das wird schon.“, versuchte er die junge Frau aufzumuntern. „Wir sind doch inzwischen schon halbe Shinobi, was die Geheimhaltung angeht.“. Er lachte leise und auch auf Akemis Gesicht zeigte sich ein zaghaftes Lächeln. „Es geht nur schon so lange und ... ich möchte, dass es ein gutes Ende findet. Dass wir beide glücklich sind.“. Uh-oh, das klang nicht gut. Yamato warf Raku über den Rand seiner Nudelschüssel einen fragenden Blick zu. „Du bist ganz dicht dran, Akemi. Sie haben versprochen, dass die Entscheidung heute abend-“. Just in diesem Moment erhob sich eine Fünfergruppe junger Frauen am Nachbartisch und was immer Akemis Kollege noch sagte, ging in dem spontan anschwellenden Geräuschpegel unter. Innerlich rollte Yamato mit den Augen. War ja klar... Aber kurz bevor Schnattern und Geschirrklirren den Informationsfluss hatten abreißen lassen, hatte das Gespräch eine andere Nuance bekommen. Wer wollte heute Abend worüber entscheiden? Der Tsukigata nutzte die akustische Zwangspause, um seine Nudeln in sich hineinzuschaufeln und dabei nicht allzu barbarisch auszusehen. Dem äußeren Anschein nach schwebte Akemi noch immer zwischen Sorge und Hoffnung. „- einen guten Eindruck machen.“, war dann wieder zu vernehmen. „Atsushi muss diesen Job kriegen, sonst weiß ich nicht weiter... und ich hoffe, die Stiftung hält dicht, dass ich da meine Hände im Spiel hatte.“. Oha, das war neu. Also doch nicht der Scheidungsanwalt, den Yamato insgeheim befürchtet hatte. „Es wird klappen. Die sind begeistert von dir! Aber jetzt sollten wir los, mh?“. Zumindest dem letzten Teil konnte Akemi zustimmen und so brachen nun auch die beiden auf. „Das klingt schon mal nicht nach Betrug, aber ganz kapiert hab ich es noch nicht.“, bemerkte Yamato so leise wie es in einem lauten Lokal eben möglich war. „Sollen wir dranbleiben?“.
 

Manako Raku

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Yamato war irgendwie schon ein seltsamer Kerl! Raku hatte seinem Kollegen noch einen fragenden Blick zugeworfen, konnte sich aber definitiv keinen Reim darauf machen, was der Dunkelhaarige, dessen Farbschema übrigens lustigerweise irgendwie gegensätzlich zu seinem war, ihm hatte sagen wollen. Wer konnte auch schon auf den Gedanken kommen, dass ihre Kommunikationsmethoden und –fähigkeiten einfach gegenseitig aufhoben und so dabei rauskam, dass die beiden jungen Männer zwar miteinander redeten, aber es irgendwie nicht wirklich schafften, zu vermitteln, was sie sagen wollten. Raku war einfach schwer empfänglich für solche Schwingungen, während Yamato das viel besser draufzuhaben schien. Glücklicherweise musste sich der Hellhaarige keine Gedanken mehr darüber machen, als sie sich ins Getümmel stürzten und in den Laden förmlich eintauchten. Dass Yamato das Abnehmen seiner Augenklappe verwirrte, merkte er nicht. Warum auch, für ihn war es mittlerweile eine absolut normale Art und Weise geworden zu leben. Sein vormals im Dunkeln befindliches Auge stellte sich schnell scharf, auch das war Teil des Trainings. In einer Sache schien er seinem Kollegen allerdings voraus zu sein: Raku stellte sich recht geschickt an dabei, durch das Restaurant zu kommen, tatsächlich hätte wohl keiner der Gäste behaupten können ihn überhaupt groß bemerkt zu haben. Sein Kollege hingegen? Raku beobachtete ein wenig perplex wie er wie ein Elefant im Porzellanladen durch den Raum purzelte und sein Essen mit Mühe und Not in Sicherheit brachte. Der Manako blinzelte und legte den Kopf ein wenig zur Seite, erwiderte das Lächeln von Yamato nicht wirklich, auch wenn sein einer Mundwinkel verdächtig zuckte. Passierte ihm sonst nicht – irgendwie hatte der junge Mann etwas durchaus Sympathisches. Irgendwie weckte er ein bisschen den Beschützerinstinkt in Raku, was irgendwie total komisch war – nicht unbedingt, weil er ein Kerl war, Raku machte sich um sowas keine Gedanken. Es war eher die Situation die das eigentlich nicht verlangte. Vielleicht war es weil der Tsukigata so hilflos wirkte in dem Moment. Na, was auch immer.

Die Ohren des Manako spitzten sich. Es gab verdächtige Berührungen! Und nette Zusprache! Raku war jetzt schon beinahe überzeugt. Diese Frau war wahrscheinlich untreu und das auch noch in aller Öffentlichkeit? Jetzt wurde es erst richtig interessant, und der Hellhaarige war im Prinzip nicht sonderlich diskret bei seinem Zuhören – letztlich war es aber auch nur dem Umstand geschuldet, dass hier einhunderttausend Leute zu Mittag aßen. Den Frauen warf er einen etwas empörten Blick zu, aber das konnte nur ein Profi erkennen. Von außen sah es eher so aus als würde er eine Sekunde lang stumpf auf die Gruppe der jungen Damen starren, absolut keine Miene verziehen und sich dann wieder seiner Schüssel widmen. Nein, Raku konnte nicht gut zeigen was er fühlte. Die nächsten Worte wiederum verwirrten Raku. Was war das denn jetzt? Die hatten aber schnell das Thema gewechselt. Ihm kam nicht in den Sinn dass sie noch beim gleichen Thema sein könnten und so sah er seinen Kollegen verwirrt an, als dieser seine Meinung kundtat – natürlich nachdem die Beschatteten das Lokal verlassen hatten. „Nicht?“ Der Bogenschütze vernichtete den Rest seiner Suppe und stellte die Schüssel schnell auf ein Tablett in der Nähe. „Klingt doch höchst verdächtig, finde ich. Dieser Typ könnte doch ihr Liebhaber sein?“ Raku schien einen Moment zu grübeln, aber er entschied sich, dem Bauchgefühl von Yamato zu vertrauen. „Gut. Ich glaube dir. Wir gehen hinterher, aber auf Distanz.“ Sie verließen also das Lokal und draußen spürte Raku förmlich, wie seine Trommelfelle sich entspannten und der Pegel draußen war so unfassbar viel ruhiger, dass er sich einen Moment fast wie taub spürte. Als er sprach, hallte seine eigene Stimme seltsam durch seinen Kopf. Akemi und ihr Begleiter gingen definitiv wieder zur Arbeit, insofern folgten sie ihnen zwar, aber Raku glaubte nicht dass sie noch groß etwas herausfinden würden. Nicht hier auf der Straße. Also hatten sie Zeit die Infos zusammenzufassen. „Sie heckt was aus“, urteilte Raku. „Was genau wissen wir nicht. Irgendeine Entscheidung steht an, heute Abend. Wir müssen aber noch dem Mann berichten. Das schränkt uns ein.“ Kurz schwieg er. „Glaubst du an einen Zusammenhang zwischen diesem Job und unserer Aufgabe?“ Prüfend musterte er Yamato. Raku wusste um seine Grenzen, aber das hier war eben auch kein Job bei dem es wichtig war einen Pfeil in ein winziges Ziel zu versenken, sondern um Kombinationsgabe und um Einfühlungsvermögen. Eines davon hatte er ein wenig, das andere gar nicht. „Warum braucht der denn einen neuen Job? Wirkte nicht, als bräuchte er das“, fragte Raku sich dann nachdenklich, stoppte, als sie in den Dunstkreis des Bürogebäudes kamen. Er zermarterte sich sein Hirn. „Die Untreue ist laut Aussage des Klienten abends zu erwarten. Wir warten einfach.“ Für ihn schien es keinen Schrecken zu haben, stundenlang herumzuhocken und abzuwarten, und er drehte seinen Kopf Yamato zu. „Dann verfolgen wir sie weiter.“ Sie zogen sich ein Stück zurück. Ob Yamato drei Stunden Wartezeit wohl auch so locker wegsteckte wie der mechanisch funktionierende Raku?
 
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Obwohl es schade darum war, das gute Essen nicht angemessen genießen zu können, tat Yamato es seinem hellhaarigen Begleiter gleich und schlürfte schnell die restlichen Nudeln weg. Das Letzte, das der Tsukigata gewollt hätte, war dass sie den Anschluss an ihre Zielpersonen verloren. Das Vorletzte war allerdings, die guten Soba und die Milch zu verschwenden. Wer weiß, wie lange sie heute noch auf den Beinen wären. So waren Glas und Schüssel in Windeseile geleert und Yamato stolperte Raku genau so elegant hinterher wie auf dem Hinweg. Wenigstens hatte er dieses Mal nichts in den Händen, was zerbrochen oder verschüttet werden konnte. Außer seiner Zuversicht, verstand sich. In den wenigen Momenten, die die beiden brauchten, um das Lokal zu verlassen, hatten sich nämlich wieder einige kleine, gemeine Zweifel eingeschlichen. Was, wenn Raku doch Recht hatte und Akemi und der Anzugtyp wirklich eine Affäre unterhielten? Er hatte ja selbst lange Zeit nicht den Hauch eines Verdachts gehegt, als Keiji ... Genug. Die frische klare Luft, die sie draußen umfing, war ein willkommenes Mittel, um die unschöne Erinnerung zu vertreiben, bevor sie sich vollends manifestieren konnte. Yamato nahm einen tiefen Atemzug, dann sah er zu Raku und nickte sacht. „Ganz sicher bin ich mir nicht.“, gestand er, nachdem der Entschluss gefasst worden war, den beiden vorerst weiter zu folgen. „Er könnte immer noch ihr Liebhaber sein, aber ...“. Irgendetwas passte daran nicht ins Bild und der Tsukigata hatte eine ganz leise Ahnung, was es war. „Ich glaube fast, er ist ... nicht an Akemi interessiert.“. Weiter ging er nicht ins Detail, aber es war auch irrelevant. Selbst wenn es hier doch einen Betrug gab, hatten sie noch keinen wirklichen Beweis. Nach wie vor ließ sich die ganze Geschichte in beide Richtungen interpretieren. Yamato seufzte leise und richtete sich den Schal. Im Eifer des Gefechts hatte er seinen Mantel noch gar nicht zugeknöpft. „Aber du hast Recht ... irgendwas ist im Busch und wir müssen noch irgendwie rausfinden, ob es zu Nakazatos Gunsten oder Ungunsten ist.“. Der Tsukigata streckte sich die dumpf schmerzenden Knochen und sah fragend zu Raku. „Oder sollten wir ihm die bisherigen Ergebnisse berichten? Ich fürchte nur, er könnte vielleicht voreilige Schlüsse daraus ziehen.“. Langsam wusste Yamato selbst nicht mehr, was richtig und falsch war. „Das mit dem Job... Er hat nichts davon erzählt, dass er etwas sucht, aber gut ... das Gespräch hatte auch einen anderen Fokus. Vielleicht will Akemi ihren Mann auch überraschen? Frischen Wind in sein Leben bringen?“. Der Genin zuckte mit den Schultern und sah an dem hell verputzten Betonklotz herauf, der die Redaktion der Lokalzeitung beherbergte. Akemi und ihr Begleiter waren just im Inneren verschwunden. „Warten wir.“, stimmte Yamato schließlich zu. Das Nicken, das seine Worte begleitete, war beinahe grimmig zu nennen. Die Aussicht auf stundenlanges Warten war für ihn zwar keine besonders erfreuliche, aber er war entschlossen, endlich Licht in dieses schwammige Beziehungschaos zu bringen.

Ein kleiner nahegelegener Park, der sich zu dieser Zeit des Jahres noch recht kahl präsentierte, bot ihnen einen guten und nicht zu auffälligen Beobachtungsstützpunkt. Yamato ließ sich auf einer Bank nieder und äugte in Richtung des Bürogebäudes. Die Eingangstür hatte man von hier aus gut im Blick. Blieb zu hoffen, dass Akemi und Trabant-san nicht durch irgendeinen Hinterausgang verschwanden. Es verging ein wenig Zeit und dann ein wenig mehr, ohne dass sich zwischen den beiden Genin großartig ein Gespräch entsponnen hätte. Ein bisschen Stille tat ihnen beiden nach der geschäftigen Atmosphäre des Lokals wohl auch ganz gut. Irgendwann aber ergriff Yamato doch das Wort. „Willst du nen Kaffee? Oder Tee?“. Wenn sie hier noch einige Stunden im Kalten herumstanden oder -saßen, schadete etwas zum Aufwärmen bestimmt nicht. Und für ein paar Minuten reichte es hoffentlich auch, wenn nur einer von ihnen das Haus im Blick behielt. Je nachdem, wie die Entscheidung ausfiel, kehrte Yamato wenig später mit einem oder zwei dampfenden Bechern zurück, wovon Nummer zwei den Weg in Rakus Hände finden würde. Auf diese Weise einigermaßen gegen die Kälte gewappnet, zog Stunde um Stunde dahin, bis die ersten Angestellten aus dem Eingangsbereich tröpfelten. Als sich daraus schließlich ein kleines Rinnsal entwickelte, war klar: Feierabendzeit! Leider nicht für Raku und Yamato, die sich jetzt ganz besonders auf die Lauer legen mussten. „Da.“, bemerkte der Tsukigata leise, als die nunmehr vertraute Silhouette Akemis sichtbar wurde. Natürlich war sie nicht allein. Ein Nicken in Rakus Richtung genügte und die beiden Genin setzten sich in Bewegung.

Yamato hatte schon bald eine Ahnung, wohin der Weg führte. Je weiter sie dem mysteriösen Pärchen folgten, umso bekannter wurde ihm die Umgebung. Sie hatten den Genbu-Bezirk erreicht und hielten auf den großen Park zu. Nur einige Straßenzüge weiter war das Heim einer gewissen Familie Tsukigata ... aber das war hier und heute nicht das Ziel (was Yamato insgeheim beruhigte). „Die gehen ins Higoi...“, stellte er fest, nachdem ihre beiden Zielpersonen auf ein von weißen Papierlaternen erleuchtetes Holzhaus im Yashiki-Stil zuhielten. Die schlichte, elegante Fassade ließ ahnen, dass das Essen hier etwas mehr kosten würde als im Soba-Laden. „Meine Eltern kennen den Inhaber...“. Und er selbst hatte den „Goldkarpfen“ schon oft genug besucht, dass man ihn erkennen würde. „... was aber auch ein Vorteil sein kann. Normalerweise muss man reservieren. Aber vielleicht kriegen wir noch nen Tisch, wenn ich nett frage?“. Vorausgesetzt, sie brauchten oder wollten überhaupt einen. Ein wenig ahnungslos sah Yamato zu Raku. Ob er einen zweiten Restaurantbesuch an nur einem Tag mitmachen würde? „Es ist auch nicht so laut da drin. Ansonsten müssten wir zusehen, dass wir irgendwie ungesehen über die Küche reinkommen. Was meinst du?“. Derweil wurden Akemi und ihr Begleiter am Eingang des Higoi begrüßt und eine Garderobiere nahm ihnen die Mäntel ab. Wie durch die halboffen stehende Tür zu erkennen war, hatte sich die junge Frau umgezogen und trug nun etwas, das sich am ehesten noch mit „geschäftlicher Abendgarderobe“ beschreiben ließe. Nicht unbedingt etwas, das Yamato auf einem netten Stelldichein erwartet hätte. Ihr Begleiter trug noch den gleichen Anzug wie zuvor. Ob er das Hemd gewechselt hatte, war auf die Distanz nicht zu erkennen. Zumindest nicht für den Tsukigata. „Oder doch lieber draußen warten?“. Vor allen Gästen würden Akemi und Herr Unbekannt ja hoffentlich nicht übereinander herfallen, wenn überhaupt...
 

Manako Raku

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Raku kam nicht umhin, doch Interesse daran zu spüren was Yamato zu der ganzen Sache zu sagen hatte. Er schien in irgendeiner Art und Weise Erfahrung zu haben und selbst der Bogenschütze merkte das, wenn er sprach. Dieser Mann sollte nicht an Akemi interessiert sein? Raku verstand nicht so recht, woher er diese Sicherheit nahm, aber letztlich… immerhin eine Sache war ihm ja selbst klar, nämlich dass er nicht besonders gut war darin, andere Menschen einzuschätzen. Insofern – wie er ja auch schon gesagt hatte – musste er da Yamato vertrauen. Aber der Dunkelhaarige war auch sehr kreativ in seinen Gedanken, das musste ihm der Hellhaarige des Duos ja auch lassen. Frischen Wind? Überraschen? „Nun, so oder so… müssen wir einfach die Informationen besorgen“, brummte Raku nachdenklich und ließ sich zusammen mit Yamato in einen kleinen Park zurückfallen, in dem sie die Wartezeit überbrücken wollten. Ein Gesprächsthema zu finden fiel Raku – nicht ungewöhnlich – schwer, und so überprüfte er noch einmal alle seine Werkzeuge und Utensilien und sah etwas überrascht zu seinem Kollegen, als dieser ihn fragte, ob er ein Getränk wolle. Den Instinkt, sofort nein zu sagen, unterdrückte Raku erfolgreich für den Moment und stockte trotzdem einen Moment. Was würde Chinatsu jetzt tun? Er überlegte einen Moment, entschied sich dann aber, dass einen anzüglichen Witz zu machen nicht die richtige Art zu reagieren war und nickte nur. „Danke. Heißes Wasser genügt vollkommen. Ich passe derweil auf.“ Tatsächlich war es keine schlechte Idee, die Wasserreserven noch einmal aufzufüllen, denn dehydriert war man unkonzentrierter. Raku wärmte schließlich seine Finger an dem von seinem Kollegen mitgebrachtem Becher, sah ein wenig nachdenklich auf das durchsichtige Wasser, welches sich darin befand und sanft vor sich hindampfte. Nachdem er die Flüssigkeit ausgetrunken hatte suchte er schnell nach einem Mülleimer, denn Umweltverschmutzung konnte er nun wirklich nicht befürworten. Und dann kam endlich auch Akemi wieder, Raku bemerkte sie auch – und doch blieb es wieder an Yamato hängen die Führung zu übernehmen. Naja, der Schütze beschwerte sich nicht. Er sah es als Gelegenheit zu lernen.

„Higoi?“ Der Manako blinzelte. Er hatte keinen Schimmer was das sein sollte – und stellte sich als Restaurant oder Lokalität heraus. Von außen war nicht so gut erkennbar wie wertig es darin aussah, aber Yamato schien es bekannt zu sein. Seine Worte ließen darauf schließen, dass es ein wenig gehobener war. Also ein Laden, in den Raku nie gehen würde, vermutlich. „Den Inhaber? Gut.“ Raku nickte überzeugt. Das war doch was ganz Anderes. Das war einfach Handwerk. „Bring uns rein." Der junge Mann mit den grünen Augen schien wieder sehr viel überzeugter zu sein. Es dauerte nicht lange, da hatte Yamato ihn und Raku in den ‚Schuppen’ reingebracht. Offenbar kannte man ihn hier wirklich, und tatsächlich ließen sie die Service-Kräfte auch über einen Nebeneingang rein – natürlich nicht ohne, dass ein wenig Überzeugungsarbeit notwendig war. Aber sein Kollege war gut darin, und Raku beneidete ihn ein wenig um seine Fähigkeiten und seine Vernetzung. Das war etwas was er bitter gebrauchen konnte, und vielleicht konnte Yamato ihm ja auch im Nachhinein damit helfen. In Raku hatte sich eine fixe Idee festgesetzt, und auch wenn sie ihm eigentlich gar nicht gefiel: Es war einfach zu gut um es nicht zu probieren. Das war Erfahrung, die man einfach sammeln musste, und so erklärte er seinem dunkelhaarigen Kollegen die Idee. Sie würden vermutlich zu sehr auffallen, wenn sie in diesem Restaurant zu zweit ein Tisch genau in der Nähe von Akemi hätten – zwei junge Kerle, zu dieser Zeit, in so einer Lokalität würden zumindest auffallen. Und es durfte auf keinen Fall dazu kommen, dass Verdacht geschöpft wurde, also… schlug Raku vor, dass sie kurzzeitig als Hilfskräfte beim Service einsprangen.

War das ambitioniert und vielleicht sogar dreist? Nun, als Yamato sich dem Inhaber anvertraute und sie ihm das Wappen von Shirogakure unter die Nase hielten, willigte dieser widerwillig ein, machte aber auch klar, dass sie nicht wirklich bedienen sollten, sondern nur wie auf Abruf dastehen sollten. Wenn Gäste nach Bedienung verlangten, sollten sie wenn möglich den richtigen Kellnern Bescheid geben. Raku und Yamato fanden sich in der Umkleide wieder, in der der Hellhaarige die Uniform studierte, die ihm gegeben worden war. „Gute Qualität“, behauptete er. „Die Nähe sind sehr kunstvoll. Das ist Handarbeit. Respekt. Der Stoff fällt wie von selbst glatt, der Schnitt ist perfekt. Wenn man Stoff nicht entlang der Webbahnen schneidet, kann das sonst zu schlechten Ergebnissen führen, aber hier wurde sehr genau darauf geachtet. Und die Stickereien erst!“ Raku wusste offenbar, wovon er sprach - und redete mit einem Mal mehr als noch zuvor, rief sich aber kurze Zeit darauf schnell zur Vernunft. Schnell legte er erstmal seine normale Kleidung nahezu vollständig ab und warf sich in die Schale der Dienstkräfte. Währenddessen hatten Akemi und ihr Herr Kollege bereits zu ihrem Tisch gefunden, an dem bereits einige andere Menschen darauf warteten, der hübschen Dame zu begegnen und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Was Raku zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Die Stiftungsmitglieder waren sehr geneigt, Akemi und ihrem Mann ein wenig unter die Arme zu greifen, da die beflissene Arbeit des Mannes sehr geschätzt wurde.
„Könntest hier auch so arbeiten“, urteilte Raku währenddessen, als er seinen Kollegen in dem Outfit sah. „Passt wie angegossen.“ Raku selbst passte die Kleidung auch ganz gut, es sah nur absolut ungewohnt aus, fand er – weil er sonst immer einen Mantel trug, wenn es ging, und eben wetterfeste und robute Kleidung. Das hier war eben viel förmlicher. „Suchen wir uns einen guten Platz zum zuhören.“
 
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Hilfskräfte im Service? Das war nun etwas, worauf Yamato nicht gekommen wäre. Obwohl er ein kurzes Stoßgebet an die nächstbeste hilfswillige Entität in der Nähe richtete, dass niemand unter den Gästen ihn erkennen möge, stimmte er Rakus Idee zu, denn so kamen sie wohl am besten an ihre Zielpersonen heran. Der Tsukigata verschwieg dabei, dass es nicht das erste Mal wäre, dass er in männlicher Begleitung hier zum Abendessen aufschlug. Am Ende hätte er den Manako nur vor den Kopf gestoßen und dazu hatte er ihn in den vergangenen Stunden zu sehr zu schätzen gelernt. Marui, der Inhaber des Goldkarpfens war zwar nicht wenig verwundert gewesen, dass die beiden jungen Männer sich unters Personal mischen wollten, aber das Argument „Wir sind auf einem Undercover-Auftrag für die Dorfverwaltung.“, hielt seinem kritischen Blick letzten Endes doch stand. Halb erleichtert, halb beunruhigt fand Yamato sich wenig später mit Raku in der Umkleide wieder. ‚Augen zu und durch.‘, dachte er sich und war schon halb in die Livree geschlüpft, als der Manako etwas anmerkte, das sich Yamatos Aufmerksamkeit nun ganz und gar entzogen hatte. „Oh... öh... ja, du hast Recht.“. Verdattert sah er auf das Hemd, das er sich gerade zuknöpfen wollte. Gut, dass es nicht der allerletzte Fetzen war und ihm die Hosen auch nicht wie ein schief zusammengestückelter Kartoffelsack an den Beinen hingen, merkte er selber, aber nie hätte er das gesehen, was Raku sah. „Wow... du hast nicht nur eine verdammt gute Auffassungsgabe, sondern auch noch Ahnung vom Schneidern.“, bemerkte er das Offensichtliche, doch seine Worte transportierten dabei nicht wenig Anerkennung für seinen scharfsinnigen Begleiter. Eigentlich wäre das eine wunderbare Gelegenheit gewesen, ein wenig ins Gespräch zu kommen, nachdem sie die vergangenen Stunden doch weitgehend schweigsam zugebracht hatten. Aber die Pflicht rief ...

Sie rief zumindest nicht so laut, dass es in dem noblen Restaurant zu Unannehmlichkeiten geführt hätte. Der Geräuschpegel war angenehm gemäßigt, was nicht nur Nerven und Ohren der beiden Genin schonte, sondern die Observation auch wesentlich einfacher gestaltete. Hier war die Gefahr, dass plötzlich eine schnatternde Damenclique in den Raum bracht, so gut wie ausgeschlossen. „Hm?“, machte Yamato, den der unerwartete Kommentar seines Kollegen kurz aus den Gedanken riss. „Oh ... heh. Na, solange es nicht ans Servieren geht.“, wiegelte er das Kompliment direkt ab und erinnerte sich seines schmachvollen Slaloms durch die volle Soba-Bude. Es stand zu vermuten, dass sich seine Fähigkeiten seitdem nicht unbedingt verbessert hatten. „Du machst aber auch eine sehr gute Figur.“. So wie er Raku bisher kennengelernt hatte, war das zwar vielleicht nicht ganz sein übliches Pflaster, aber optisch machte er in der Dienstkleidung jedenfalls einiges her. Keine schlechte Voraussetzung also für einen Shinobi auf Infiltrationsmission.

Bald darauf hatten sich die beiden in bequemer Hörweite positioniert und wurden Zeugen des typischen Smalltalks wie ihn die ... nennen wir sie „gehobenere Gesellschaft“ gern pflegte. Die junge, hübsche Akemi strahlte inmitten der im Durchschnitt doch etwas älteren Männer und Frauen hervor wie eine exotische Blume und hatte es nicht schwer, sie für sich zu gewinnen. Ihr Kollege saß derweil neben einem Mann, mit dem er sehr vertraut schien. Vielleicht mehr als das, wenn Yamato die Blicke und Gesten richtig deutete. Ob Akemi so an die Stiftungsleute gekommen war? Gewundert hätte es ihn nicht. Die Verflechtungen der High Society und ihrer Aspiranten...

Der Abend floss weitgehend in Belanglosigkeiten vor sich hin und es war bereits weit nach dem Hauptgang, als eine Frau mit strenger Frisur – die Stiftungsvorsitzende, wie sich mittlerweile herausgestellt hatte – das Gespräch auf Atsushi lenkte und dass ein so erfahrener und überaus korrekter Mensch wie er im Vorstand sicher hervorragende Arbeit leisten würde. Man musste kein großer Menschenkenner sein, um zu sehen, wie Akemi ein Hochgebirge mittlerer Größenordnung vom Herzen fiel. Sie schickte ein wortloses „Danke!“ in Richtung ihres Kollegen und richtete eine letzte Bitte an ihre künftigen Gönner: dass ihr Mann nur nichts von ihrer Rolle bei den Anbahnungsgesprächen erfahren würde, damit kein Schatten auf seinen Erfolg fiele. Yamato fragte sich, wie lange das Geheimnis Bestand haben würde, aber für den Moment hatten sie genug erfahren, um Atsushi sicher Bericht erstatten zu können. „Die brechen bestimmt bald auf.“, raunte er Raku zu. „Schauen wir, dass wir schnell zu Nakazato-san kommen.“.

Nun?“. Nach einem Sprint durch Jôsei, bei dem sich der Tsukigata mal wieder wie ein Klotz am Bein seines Missionspartners vorgekommen war, standen sie wieder in Atsushis Arbeitszimmer. Der Mann wirkte noch verhärmter als am Morgen. Kein Wunder, wenn er seine Frau gerade in den Armen irgendeines Liebhabers vermutete. „Wir können Entwarnung geben, Nakazato-san.“, teilte Yamato ihm etwas atemlos, aber sehr erleichtert mit. „Eure Gattin ist Euch treu und ihr abendliches Fernbleiben hat keinen schlimmen Hintergrund.“. Soweit so gut. Aber das genügte dem Buchhalter natürlich nicht, auch wenn sich seine Erleichterung in einem leisen Seufzer Platz geschaffen hatte. „Was tut sie denn?“. Yamato warf Raku einen fragenden Blick zu. Wie sollte er das denn jetzt ausdrücken, ohne zu viel zu verraten? Die brutale Wahrheit würde Akemis monatelange Bemühungen am Ende noch zunichtemachen ... „Nun, sie... arbeitet an einer beruflichen Perspektive.“. Das war noch nicht mal gelogen, aber hoffentlich unscharf genug, um Atsushis Rolle dabei zu verschleiern. „Aber unter Achtung ihrer Privatsphäre möchten wir nicht zu viel sagen. Und bitten Euch auch, sie nicht darauf anzusprechen.“. Womit er seine Spitzeleien ohnehin verraten hätte und so leichtfertig war der Mann hoffentlich nicht. Für einige Momente blickte Nakazato stumm auf die Platte seines Schreibtischs, dann nickte er. „Gut. Das soll mir genügen. Ich werde der Verwaltung bestätigen, dass ihr eure Aufgabe erfüllt habt.“. In dem Moment war am Eingang das Klappern von Schlüsseln zu hören. Nur gut, dass das Haus noch über einen Hintereingang verfügte ...

Draußen und in sicherer Entfernung des Hauses ließ Yamato mit einem leisen „Uff...“ die bis dahin angespannten Schultern sacken. „Ich hoffe, das sorgt nicht noch für Zündstoff zwischen den beiden. Aber wir haben es erstmal katastrophenfrei hinter uns gebracht.“. Insgeheim fragte sicher Tsukigata schon, ob Raku den Auftrag nicht auch hätte allein schmeißen können. Mit Sicherheit hätte er das. „Hat mich gefreut, mit dir zusammenzuarbeiten, Raku-san.“, schloss der Dunkelhaarige und lächelte seinem Kollegen anerkennend zu. „Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.“.

~ Fin ~
 
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