Sumpfige Grenze zum Feuerreich

Dieses Thema im Forum "Reich des Regens" wurde erstellt von Mameha Junko, 9. Juni 2010.

  1. Kajiya Kei

    Kajiya Kei Guest

    Junkos Befehle waren kurz, knapp, eindeutig und gefielen dem Kajiya mal überhaupt nicht. Dennoch konnte er ja nun schlecht sagen, dass die Leute in Horrorfilmen immer sterben, wenn sie sich trennen, oder? Nein konnte er nicht. Außerdem war Junko ja ganz in der Nähe, wenn etwas sein sollte. Einfach auf der anderen Seite dieses Raumes. Sie schien überaus selbstbewusst und angstfrei zu sein, wenn man sich so ansah, wie die Gute schnellen Schrittes hinter der nächsten Tür verschwand und Itoe und ihn allein ließ. Doch auch diese ging ihres Weges und gab ihm nur noch ein paar beinahe schon höhnische Worte auf dem Weg. “Mach ich gerne, wobei der gesunde Menschenverstand hier wohl wichtiger zu sein scheint...“ Waren diese Worte nun an sie, oder ihn selbst gerichtet? Er wusste es nicht, aber sie dürfte ihn noch gehört haben, auch wenn sie im nächsten Moment schon verschwunden war.
    Nun stand er also alleine in der Eingangshalle. Draußen tobte noch immer der Sturm, das Kerzenlicht flackerte und das Wasser im Becken schwabte umher. Könnte es noch gruseliger sein? Vielleicht noch einige rasselnde Ketten und seltsames Geheule aus dem Nichts, das würde das Bild wunderbar abrunden. Gut jedoch, dass diese beiden Faktoren nicht mehr zur Liste hinzugefügt werden mussten. Das wäre wirklich zu viel des Guten gewesen. Einmal atmete der Junge noch tief durch, dann machte er sich auf den Weg. Er steuerte die Tür an, die der Eingangstür am nächsten war, so konnte er sich dann ganz einfach immer weiter nach hinten durch arbeiten. Gerade als er den ersten Schritt getan hatte, erhellte ein Blitz den Raum und zeitgleich grollte der Donner so laut, dass es ihm fast das Trommelfeld zerriss. Doch das ließ ihn vollkommen kalt, denn obwohl bereits der zweite Fuß dabei war sich zu erheben, war Kei in der Bewegung eingefroren. Einige Meter vor ihm, vor der Tür, durch die er gerade treten wollte, stand jemand. Doch nicht irgendjemand. Es war ein Henker, ein Henker wie aus dem Mittelalter und dieser Henker hatte eine große Axt über die Schulter gelegt und schaute zu ihm herüber. Beinahe glaubte der Shinobi einen Hauch von Erwartung und Vorfreude erkennen zu können, doch dann war das Licht des Blitzes schon wieder erloschen und die einzigen Lichtquellen waren die Kerzen.
    Noch ein paar Momente stand der Junge so da und versuchte den Schock zu verarbeiten. Dann erinnerte er sich an Itoes Worte und säße er jetzt hinter dem Bildschirm und dies wäre ein Film, würde er lachen. Da er aber selbst gerade die verarschte Person war, wischte er sich lediglich den Schweiß von der Stirn. Kalter Angstschweiß. War er wirklich so leicht zu verängstigen? Eigentlich nicht, aber das hier war Psycho-Terror. Irgendwie verstand er plötzlich, warum das Ganze eine B-Rang Mission war. Kein normaler Mensch würde jetzt noch bleiben, oder in diesem Raum gehen. Tür auf und Tschüss. Aber sie waren Shinobi und Kei war von der pflichtbewussten Sorte. Also würden sie ihren Auftrag ausführen und zwar gründlich.
    Vorsichtig hob er den Kerzenständer über seinen Kopf, um den Raum besser zu beleuchten und als er sich sicher war, dass dort definitiv kein Henker stand, ging er auf die Tür zu und öffnete sie sehr, sehr langsam. Nach einem prüfenden Blick in den Raum trat er schließlich auch ein. Irgendwie ein seltsamer Raum. Groß, viel Platz und verhältnismäßig wenig Mobiliar. Langsam ging er seines Weges durch den Raum und blickte sich weiter um. Nichts wirklich außergewöhnliches... allerdings schien die Wand hier ein wenig undicht zu sein, es war nämlich verflucht kalt. Moment, so kalt war es doch nicht mal draußen gewesen, er konnte hier seinen Atem sehen! Schon wieder wurde er nervös. Unnatürliche Kälte war definitiv kein gutes Zeichen. Jetzt wo er sich dieser Temperatur bewusst wurde merkte er auch erst ein leichtes Zittern seines Körpers. Das war doch alles nicht mehr normal! Am liebsten wollte er sofort zu Junko rennen, damit sie zu zweit dieses Gemäuer erkunden konnten. Sei Hirne waren nicht so leicht zu verwirren wie eins allein. Aber diese Schmach wollte er sich nicht erlauben. Er KONNTE sie sich nicht erlauben. Also atmete er wie schon zuvor tief durch und versuchte die Kälte einfach zu verdrängen. Das gelang ihm zwar mehr schlecht als Recht aber immerhin konzentrierte er sich nun wieder auf seine Aufgabe und weniger auf nicht vorhandene Geister.
    Zumindest für einen Moment denn im nächsten hörte er ein Klirren, wie als wäre eine Scheibe zersprungen, gepaart mit einigen anderen, eher undefinierbaren Geräuschen. Typisch, gerade als er sich wieder ein wenig gefangen hatte, machte irgendjemand Lärm. Geister oder Itoe? Der Verstand pochte auf Itoe, während seine Angst ihm die Geister schmackhaft machen wollte. Leider gab es für nichts von beidem wirklich beweisen, allerdings war das ja auch nicht sein Zuständigkeitsbereich, sondern der von Itoe. Also brauchte er sich auch keine Gedanken diesbezüglich zu machen, oder? Ja, er ging einfach seinen Aufgaben nach. Diese lauteten „Rechte Seite auf Geister überprüfen und dann Bericht erstatten.“ Er sollte sich wirklich sputen, sonst kam er gar nicht mehr hinterher. Also machte er seine Runde durch den Raum, nur um festzustellen, dass dieser Raum so unspektakulär war wie ein ganz normales Zimmer eines ganz normalen Hauses. Vielleicht ein wenig mottenzerfressen, verstaubt und gammelig, aber doch irgendwie normal. Von Geisterhaus keine Spur.
    Gerade machte er sich wieder auf den Weg zurück, hatte sogar schon beinahe die Hand auf die Türklinke gelegt, (Moment, wann hatte er die Tür eigentlich zu gemacht? Ach, bestimmt nur ein Windzug...) als ihm der Henker wieder einfiel. Er zögerte und schluckte hörbar. Vielleicht würde er ja, sobald er die Tür öffnete, von dem Henker überrascht und einen Kopf kürzer gemacht. Vielleicht würde dieser Geist auch von ihm Besitz ergreifen und die anderen beiden köpfen? Oder... Schlimmeres mit ihnen tun. Fakt war jedoch, dass er hier rumstehen und zittern konnte wie er wollte, das brachte ihn nicht weiter. Er hatte sich den Raum angeguckt, er hatte keine Geister gefunden, also ab zum nächsten Raum. Einmal wurde noch tief Luft geholt, dann stieß er die Tür auf und sah dort... nichts. Nichts Gruseliges. Zumindest sah er es nicht auf den ersten Blick. Denn irgendetwas störte ihn an dem Raum und erst nach wenigen Sekunden merkte er, dass kein Licht mehr brannte. Die Kerzen waren aus. Nun gut, ein Windzug mochte sie gelöscht haben, doch als er zu den Kerzenständern ging, um die Kerzen erneut zu entzünden, waren keine Kerzen mehr da. Nun wurde der Junge doch etwas nervös. Wer kam auf die bescheuerte Idee, die brennenden Kerzen mitgehen zu lassen? Hastig schüttelte Kei den Kopf. Er wollte diese ganze Mission einfach nur noch hinter sich bringen, also machte er sich auf zum nächsten Raum...
     
  2. Mameha Junko

    Mameha Junko Guest

    Tja, und so schnell konnte es gehen. Yuto hatte Himawari im wahrsten Sinne des Wortes abgeschüttelt, während die Yuudari im Nebenfenster ein ganz anderes Problem zu haben schien und Itoe gerade den Furchttod starb. Und jetzt machte der Rotschopf auch noch die Tür auf, nur um in Itoes Gesicht zu sehen. Noch eine Illusion? Nein, diesmal hatte er einfach nur die richtige Tür geöffnet, aber das konnte ja niemand ahnen. Die Geräuschkulisse war übrigens für seine Sora-Kameraden im Nebenraum weiterhin zu hören. Dabei waren sie doch so überzeugt, allein zu sein – sie waren doch allein in diesem Haus, oder? Und Geister gab es nicht.

    Für Kei hingegen stand eine neue Überraschung bereit – dieser öffnete nämlich die nächste Tür, nur damit ihm ein eisiger Lufthauch entgegenkam. Noch so ein architektonisch fragwürdiger Raum mit einigen Statuen im Raum, die erschreckend lebensecht schienen. Eine Frau im langen Kleid und furchtsamen Gesicht, ein dicklicher Mann mit Buchhalterweste, das Gesicht zum ewigen stummen Schrei verzerrt, zwei Kinder zusammengekauert, ein weiterer knieender Mann, der sein Gesicht in beide Hände bettete … wer bitteschön stellte so etwas mitten in den Raum? Nebenbei schien der Künstler ein wenig zuviel fürs Makabere übrig gehabt zu haben, denn er hatte diesen lebensgroßen und lebensnahen Statuen tatsächlich auch noch gestaltet wurden, als würde Wasser oder eine andere zähe Flüssigkeit an ihnen herabrinnen. Wenn Kei sich traute, diese Statuen anzufassen, würde er auch feststellen, dass die Oberfläche sich stumpf wie Wachs anfühlte – möglicherweise sogar Wachs. Hatte der Künstler einfach Statuen angemalt und dann mit Wachs übergossen? Das machte doch keinen Sinn, obwohl die Wachsreste in diesem Raum arg darauf hinwiesen. Waren die Statuen überhaupt farbig? In der Dunkelheit war das nicht so genau zu erkennen …

    Warum reagierte Junko eigentlich nicht auf die Geräuschkulisse der Damen und Herren, die hier in diesem Haus gerade das Fürchten lernten? Nun, es lag vor allem daran, dass die Kunoichi selbst gut mit ihren eigenen Dämonen beschäftigt war, die jetzt allesamt ihr hässliches Antlitz zeigten. Gerade, als die Chuunin die Tür hinter sich zuknallte (und dabei einigen Soras einen gehörigen Schrecken einjagte), bereute sie schon, die tapfere Itoe und den armen Kei alleine gelassen zu haben. Zum einen war die Umgebung dann doch gruselig, zum anderen war es nicht gerecht, insbesondere den frischen Genin von der Akademie alleine zu lassen. Doch, sogar Junko schaute sich die düsteren Wände, die Spinnweben und die klassischen Portraits an und fürchtete sich ein wenig, während draußen das Gewitter tobte und im Innenraum das Holz arbeitete, was natürlich ständig Schritte imitierte. Selbst der rationale Verstand war sich nicht mehr so ganz sicher, ob die Shiro-Nin ganz allein in diesem Haus waren. Und dabei war es doch so unwahrscheinlich, an diesem Ort zu dieser Zeit hier Gesellschaft zu haben, es sei denn, sie war unnatürlicher Art – und genau das wollte Junko nicht glauben.
    Und doch zuckte sie merklich zusammen, als sie plötzlich am Boden eine Gestalt liegen sah. Für einen Augenblick rutschte ihr wirklich das Herz in die Hose, während sie praktisch spüren konnte, wie ihre Beine anfingen zu zittern. Das war unmöglich! Geister gab es nicht … und gab es auch nicht, wie sie nach einem mutigen Schritt nach vorne feststellte. Das da war kein Geist, sondern einfach nur eine Leiche, Reste von etwas, was einmal eine Person gewesen war. Von den ledrigen Hautresten und dem deutlich sichtbaren Gerippe hier zu urteilen, lag diese halbwegs mumifizierte Person hier schon mehrere Jahre auf dem Boden – ob männlich oder weiblich war beim besten Willen nicht mehr zu erkennen. Auch die Todesursache war nur allzu deutlich, wenn sie sich das angespitzte Stuhlbein zwischen den Rippen der Leiche so ansah. Was war hier geschehen? Ob irgendwo noch die Überreste der anderen Bewohner zu finden waren? Wenn ja, dann musste ihr Auftraggeber dringend eine große Reinigung hier durchführen. Seltsamerweise fühlte sich Junko durch die Anwesenheit des Leichnams erleichtert, wies das doch nur allzu deutlich darauf hin, dass dieses Haus nicht nur aus komischen Geräuschen bestand. Hier war etwas geschehen, es war gruselig, aber es war greifbar. Punkt. Damit hatte der Schatten des großen Wolfes dort drüben an der Türschwelle wenig Bedeutung.
    Moment. Großer Wolf?
    Junko wirbelte herum, konnte aber nicht mehr entdecken, außer die weißen Streifen ihres beschleunigten Atems. Einmal wurde verwirrt geblinzelt, aber der Schatten war und blieb verschwunden – jetzt fing ihre Fantasie auch noch an, ihr Streiche zu spielen. Wahrscheinlich erinnerte sie das schlechte Wetter an den Geruch von nassem Hund, was sie wiederum an Hitomi, den Wolf im Besitz ihres Zimmergenossen erinnerte. Das Vieh war noch ein Überbleibsel aus ihrer allerersten Mission und natürlich ein ständiger Begleiter ihrer Teamkameradin gewesen.
    Doch Kaori war tot. Auf derselben ersten Mission gestorben. Alles, was von ihr blieb, war dieser stinkende überdimensionale Wolf, der jetzt Ryoichis Platz beschlagnahmte und Gäste verschreckte. Ob Kaori sich im Grabe umdrehte, wenn sie Junkos Gedanken so hörte? Wahrscheinlich nicht, denn Tote rotierten nicht, während Kaori ganz sicher was Besseres im Jenseits zu tun hatte, als die Gedankengänge ihrer ehemaligen Teammitglieder auszuspionieren. Aber hatte sie es verdient, jetzt nicht mehr am Leben zu sein? Nein, eigentlich nicht. Niemand verdiente den Tod, und doch schien er in letzter Zeit öfter zuzuschlagen, als es eigentlich richtig erschien.
    Düstere Gedanken.
    Düsterer Ort. Wer kann es mir verübeln?
    Kaori bleibt tot und ein Fest für die Würmer, egal wie viele Gedanken du an sie verschwendest.
    Richtig. Fair ist das trotzdem nicht.
    Fair? Was ist schon fair? Das Leben ist nicht fair … und er Tod auch nicht, wie du diesem Hiroshijungen bewiesen hast.
    Das ließ sich nicht vermeiden.
    Und dabei hattest du dir selbst doch so fest vorgenommen, nie wieder ein Teammitglied unter deinem Kommando sterben zu lassen. Wie schnell du doch selbst deine Prinzipien über Bord geworfen hast.
    Das ist nicht gerecht, und das weißt du auch. Hiroshi hat mir keine Wahl gelassen. Er war ein Verräter und damit technisch nicht mehr unter meinem Kommando.
    Oh, wir versuchen das mit Wortwichserei, hm? Technisch gesehen war auch deine Konversation mit Yuto ein Verrat.
    Das ist etwas anderes!
    Ist es das?
    Aber ja! Ich habe niemals meine Kameraden angegriffen oder ihnen geschadet …
    Ah, sicher hast du das nicht direkt getan. Aber du hast Informationen an einen Kiri-Nin herausgegeben.
    Aber diese Informationen waren nicht schädlich …
    Nein, nicht für ihn, da hast du vollkommen Recht.
    Das ist nicht der richtige Zeitpunkt …
    Es ist der perfekte Zeitpunkt, Herzchen. Du bist weit weg von Zuhause und wir unterhalten uns gerade so angenehm, da können wir auch gleich anknüpfen. Du hast Kaori sterben lassen, du hast Hiroshi selbst getötet – und warum? Sie waren nicht „anpassungsfähig“.
    Das ist gelogen und das weißt du auch.
    Kaori war deiner Meinung nach eine schlechte Kunoichi, und als sie starb, hast du gesagt „Niemand stirbt mehr unter meinem Kommando. Niemand hat den Tod verdient“. Aber ich weiß, was du tief im Inneren gedacht hast.
    Das habe ich NICHT gesagt. Das war es, was ich gedacht habe, und nichts weiter …
    Du dachtest „Sie ist tot – Glück gehabt.“
    Nein …
    Was, so ein schwaches „Nein“? Und Hiroshi, der unfähige Kerl, der ständig die Leitung an sich reißen musste, hat auch genervt, nicht wahr?
    E-e-er … hatte seine F-f-ehler …
    Uuuuuh, Fehler. Schlechte Idee, in der Nähe von Mameha Junko Fehler aufzuweisen. Und jetzt hat er den Fehler gemacht, zu falschen Zeit am falschen Ort um den falschen Menschen zu trauern. Er war gerade in einer Krise und du hast es ausgenutzt.
    Nein, es war meine Pflicht …
    Pflicht, Pflicht, Pflicht … natürlich war es deine Pflicht, ihn abzumurksen. Es war auch deine Pflicht, ihn den Anbu-Einheiten zu überlassen, ebenso wie es deine Pflicht war, ihm zu helfen, wenn er Probleme hat, ebenso wie es deine Pflicht war, ein Auge zuzudrücken. Aber das hast du nicht. Du hast deine Chance gesehen und sie genutzt.
    Nein …
    Irgendwie höre ich immer nur dasselbe. Aber das ist ja nicht mehr so wichtig. Jetzt ist er tot. Glück gehabt, was? Oh, ist dir schwindelig?
    Tatsächlich schwankte das Mädchen und musste sich an der Wand abstützen, um nicht umzukippen. Ihr war sehr blümerant zumute, was nicht nur ausschließlich an den abgenutzten Nerven lag. War hier irgend etwas anderes am Werk? Aber hier war doch nichts!
    Die Welt dreht sich und du hast ein flaues Gefühl im Magen. Nicht gut, gar nicht gut, ein Fehler.
    Vielleicht die Leichengase.
    Schätzchen, die Leiche da produziert schon lange keine Gase mehr. Was sagt uns das? Genau, nur frische Kadaver können furzen. Hähä.
    Ich glaube, ich muss mich einen Moment setzen.
    Nein, du bleibst jetzt stehen. Du tötest andere Leute, weil sie schlechte Shinobi sind, also sei jetzt gefälligst konsequent. Hast du Itoe gesehen? Sie hatte nicht einmal den Arsch in der Hose, deine kleinen Eskapaden zu petzen, und jetzt wagt sie es, ohne ihr Bluterbe zur Mission anzutreten. Unfähig. Unwürdig.
    Aber …
    Und hast du gesehen, wie der kleine Kajiya gezittert hat? Der will Shinobi werden? Vergiss es, das wird nichts. Und ich will kein Aber hören … sie verdienen es, zu sterben.
    Zu … sterben?
    Genau wie du, meine Liebe, genau wie du. Du bist eine Verräterin, das können wir nicht bestreiten, oder? Du hast für etwas Ähnliches Hiroshi die Kehle durchgeschnitten und für weitaus Geringeres Kaori sterben lassen. Dein Leben ist verwirkt, aber wenn du schon versagst, stell es wenigstens alles richtig, bevor du abtrittst. Es geht hier um Gerechtigkeit.
    Gerechtigkeit, ja. Damit … damit kann ich leben.
    Sie zwingen dich ja praktisch dazu, solch drastische Schritte zu ergreifen. Du solltest ihnen vorher noch eine Lektion erteilen. Bringt ihnen zwar auf lange Sicht nichts, aber so haben sie wenigstens die Erleuchtung, bevor sie abtreten.
    Das klingt logisch.
    Es ist schon fast Notwehr.
    Notwehr. Ja. Ich muss ihnen zeigen, wie falsch sie liegen. Das macht Sinn.
    Für die Gerechtigkeit. Gleiches Recht für alle!
    Das wiederum war der letzte Gedanke, bevor die Kunoichi sich allen moralischen und emotionalen Fragen verschloss und sich nur noch auf die Taktik konzentrierte – und auf die Frage, wie sie ihren Kameraden am besten vor ihrem Ende die Augen öffnete. Dann verschwand sie in den Schatten.
     
  3. Kaishira Asuka

    Kaishira Asuka New Member

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    Das Licht war plötzlich weg und alles was noch etwas Licht spendete war ihre glühende Zigarette. Gerade genug Licht das Asuka wenigstens wusste wo die Hand war mit der sie die Zigarette hielt, aber das reichte zumindest um einen Zug von ihr zu nehmen bevor das Licht wieder anging und sie sah was gerade gegen ihren Fuß gerollt war. Rund, rot und nass, ja das war definitiv ein Kopf und innerlich zuckte Asuka kurz zusammen, äußerlich hatte sie das Ding schon mit der freien Hand hoch gehoben und hielt es nun auf Augenhöhe. Fast arrogant blies sie dem Ding Rauch ins Gesicht, sah zu der Schneiderpuppe der, der Kopf fehlte und atmete auf. Es war beruhigend wenn das wovor man Angst haben sollte physische Form hatte wie dieser Kopf, denn dann konnte man ihn zum Beispiel mit voller Wucht aus dem erst besten Fenster schleudern, oder mit lautem Krachen durch dieses. Sie fühlte sich wesentlich besser, als dieses Ding weg war, das Licht zurück war und als sie sich endlich umdrehte ihr Teamleiter weg... Ja Yuto war weg, wie beruhigend... „Ninja sein suckt, ich kündige, das darf doch nicht wahr sein!“ Ein Problem weg und das nächste bereits da. Asuka sah zu den noch übrigen Teammitgliedern, als sie ein Stock unter sich ein Geräusch hörte. Am liebsten wäre ihr wenn sie wirklich nicht alleine wären, beinah schon enttäuscht realisierte sie allerdings, dass es vermutlich der Wind war, oder war es Yuto? Wenn es jemand anders war, hatte das Team mit genug Lärm auf sich aufmerksam gemacht, allein Asuka hatte nun zwei mal irgendetwas zerschlagen oder eingeworfen: Spiegel und Fenster. Interessanter war dennoch das Geräusch unter ihnen. „Wollen wir nachsehen?, fragte sie kurzerhand und nahm noch einen Zug von ihrer Zigarette, bevor sie den letzten Rest auf dem Tisch ausdrückte und dann in ihre Jacke verschwinden lies. Nichts geschah! „Hah dummes Haus!“ „Also ich bin zumindest neugierig.“ Kurzerhand ging sie vorran, nur mit dem unruhig flackernden Licht ihres Feuerzeuges. Sie sah den Gang herunter und sah gerade noch so ein rothaarigen Schatten erkennen. Dann war es zumindest nicht Yuto der den Lärm machte, allerdings hatte er befohlen zu warten, also ging ihm die dreiste Anfängerin einfach mal aus dem Weg und bog in Richtung Treppenhaus ab. Sie ging übertrieben geduckt um die Treppe zu beleuchten und nicht wieder in die selben Löcher wie zuvor zu treten, auch um das Geländer machte sie einen umweg. Doch auf diese Distanz zu der Treppe knarzte es nun in ihrem Kopf um so lauter bei jedem Schritt. Wurde schon erwähnt das Asuka extrem sensibel auf unangenehme Geräusche reagierte? Das Haus wusste wie man sie ärgern konnte... „Einfach ignorieren!“, redete sie sich ein und schritt weiter und weiter. Dabei merkte sie nicht einmal das sie schon bis ins Erdgeschoss gestiegen war.
     
  4. Iwamoto Yuto

    Iwamoto Yuto Chuunin

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    Fassen wir einmal kurz zusammen, was unserem Rotschopf in den letzten Stunden und Minuten alles widerfahren ist. Eine neue Mission führte ihn in das Reich des Regens, um genauer zu sein, irgendwo an ein Fleckchen Erde auf dem zuvor mal ein prächtiges Anwesen gestanden hatte. Dieses Anwesen war heutzutage jedoch leider nur noch ein heruntergekommenes Gemäuer, in welchem sich die Gegenstände scheinbar schon von selbst bewegten. Doch nicht nur die Gegenstände waren es, die hier seltsame Dinge vollführten, sondern auch das Gemäuer selbst und was auch immer noch sich in diesem befand. So kam es auch, das Yuto auf einen Geist seiner Vergangenheit gestoßen war, der es doch tatsächlich beinahe geschafft hätte, ihn für ewig in einer Scheinwelt gefangen zu halten. Was auch immer versucht hatte Yuto auszuschalten, völlig erfolglos war es nicht, denn einen brummenden Kopf hatte es allemal verursacht, ausgelöst durch unzählige Erinnerungen, die für lange Zeit in seinem Herzen verschlossen waren und nun teilweise wieder in seinen Kopf gelangten.

    Zu dem dumpfen Pochen seines brummenden Kopfes gesellte sich ein weiteres dumpfes Geräusch - Schritte. Nicht weit von ihm, scheinbar aber auch nicht auf dem selben Gang. Wie hellhörig es doch in diesem alten Gemäuer war. Ob in diesem Moment jedoch Neugierde oder Naivität siegte und ihn dazu verleitete dem Geräusch nachzugehen, wusste er selbst nicht. Zum einen dachte er schließlich, dass nur noch seine Teamkameraden in diesem Haus waren, zum anderen wollte er auch nicht wirklich an das glauben, das er gerade eben selbst erlebt hatte. Wie auch? Oder eher, wer würde ihm das glauben?
    "Asuka-kun? Yuudari-kun? Inoue-kun?" Während er bei jedem Schritt leise einen Namen in die Dunkelheit vor sich flüsterte, versuchte er mit Hilfe seiner Kerze möglichst viel des vor ihm liegenden Ganges zu beleuchten, jedoch erfolglos. Die Dunkelheit dieses Hauses schien geringe Lichtquellen scheinbar regelrecht zu verschlucken. Natürlich hätte Yuto auch einfach einen der unzähligen Bilderrahmen samt Bild, die hier scheinbar wirklich an beinahe jeder Wand hingen, als eine Art Fackeln benutzen können, doch mal ehrlich, wer würde so etwas machen? Yuto bestimmt nicht, auch wenn der Gedanke doch recht verlockend war. Momentan konnte er sich sowieso nicht wirklich entscheiden, ob denn nun mehr Licht besser für seinen Kopf wäre oder doch diese Dunkelheit. Letztere strengte zwar die Augen an aber nun ja, es war eben dunkel.
    Einige Schritte später kam er auch bereits an der Stelle an, an der die Schritte scheinbar geendet hatten. Eine Tür lag vor ihm. Für gewöhnlich nichts besonderes, doch nach den jüngsten Geschehnissen hatte er sichtlich einige Hemmungen die Türklinke zu berühren. Wohl niemand würde ihm dies verübeln, besonders dann nicht, wenn es noch mindestens zwei weitere bestimmte Personen aus seiner Vergangenheit gab, die er hier in diesem Haus bestimmt nicht erneut antreffen wollte. Schlussendlich jedoch gab er sich einen Rück und berührte mit seiner Hand das kühle Metall der Türklinke. Ein kleiner Seufzer durfte dabei natürlich nicht fehlen, ob die Person auf der gegenüberligenden Seite diesen vielleicht sogar hören würde?
    Als die Tür dann mit einem weiteren lauten Quietschen geöffnet wurde, staunte er nicht schlecht als er im schwachen Schein seiner Kerze, eine weitere ihm bekannte Person erblicken durfte oder wohl eher musste. Lange schwarze Haare, weiße Augen, eine Klinge in der Hand - Hyuuga Itoe. Den Fakt, dass sie eine lange Klinge in der Hand hatte und diese vor Schreck mal eben zwischen die Rippen von Yuto schieben konnte, mal eben bei Seite geschoben, musste er sich doch wirklich gerade die Frage stellen, was ausgerechnet sie hier machte. Ein kurzer Schwenk mit der Kerze, die mal wieder die Sicht des Iwamotos verbessern sollte, ließ Itoe leider nicht verschwinden, sondern machte es nur noch eindeutiger, dass sie es auch tatsächlich war.
    "Ich hab mich wohl in der Tür geirrt..." Seine Worte mochten wohl einen leicht amüsierten Tonfall gehabt haben, jedoch griff er nicht zur Tür um diese wieder zu schließen und dem Gang, auf der Suche nach seinen restlichen Mitstreitern, weiter zu folgen.
     
  5. Misumi Kimihiro

    Misumi Kimihiro New Member

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    Drei Mädchen alleine in einem Spukschloss. Gab es etwas schöneres für einen Haufen unzufriedener Geister?
    Lächelnd erinnerte sich "Inoue" daran, wie der einzige Junge im Team, ein eifriger Rotschopf, Hals über Kopf aus dem Zimmer gestürzt war, um eine der vielen Seelen durch die staubigen Flure des Anwesens zu jagen. Dass er dabei seine drei - oder besser gesagt zwei - Kolleginnen schutzlos zurückließ schien den Ninja offenbar nicht weiter zu interessieren.
    *Es ist so ungemein... typisch. Shinobi sind immer so selbstsüchtig, stets haben sie nur die Erfüllung ihrer Pflichten im Kopf. Wieviele Menschen dabei auf der Strecke bleiben ist ihnen völlig egal.*
    Das Holz knarrte bei jedem Schritt unter ihren Füßen, und das obwohl der Körper der blonden Yuudari an sich recht schlank war. Aus glitzernden Augen heraus hielt die falsche Inoue ihre beiden Kameradinnen im Blick, die mittlerweile das Nähzimmer wieder verlassen hatten und augenscheinlich auf dem Weg ins Erdgeschoss waren. Das Geräusch einer knallenden Tür hatte beide Mädchen aufgeschreckt, und entgegen der Anweisung des älteren Jungen waren sie nun auf dem Weg die Ursache für den befremdlichen Ton zu enthüllen. Die treibende Kraft hinter diesem närrischen Vorhaben war überraschenderweise das kleinste Mädchen der Gruppe, ein junges Ding mit ungewöhnlich hellem Haar, das eine Vorliebe für Glimmstängel zu haben schien. Schon einige Augenblicke bevor die Mädchen den Raum verlassen hatten war diese junge Ninja "Inoue" aufgefallen, als es den abgetrennten Kopf der Schneiderpuppe durch ein geschlossenes Fenster geworfen hatte.
    *Ein nervöses, trotziges Gör... die anderen werden ihren Spass mit ihr haben.*
    Das zweite Mädchen dagegen, eine ansehnliche junge Dame mit langem, schwarzem Haar, schien sich viel leichter ängstigen zu lassen. Bereits der blutige Kopf schien sie in Angst und Schrecken zu versetzen, hinzu kam die abrupte Flucht des Teamleiters, die ihr ganz eindeutig ebenfalls ein großes Stück Selbstsicherheit geraubt hatte. Das Kind würde sich mit Sicherheit nicht lange genug bei Bewusstsein halten können, um wahres Grauen erleben zu dürfen.
    Und doch... diese beiden Mädchen bildeten einen hübschen Kontrast, der für die Bewohner des Herrenhauses ebenso interessante Opfer aus ihnen machte wie die anderen Besucher, die diesen verfluchten Ort heimsuchten. Dieser würde sich "Inoue" allerdings erst widmen, wenn diesen beiden Mädchen das Fürchten gelehrt war.
    *Womit wir auch schon beim Thema wären, nicht wahr?*
    Richtig. Denn als gepeinigte Seele, die sich in den Körper einer unvorbereiteten Yuudari geschlichen hatte, war es für Ishida Rei ein Leichtes, sich an den vermeintlichen Kolleginnen zu vergehen. Mit der Übernahme des menschlichen Körpers hatte sie zwar einen Großteil ihrer eigenen Kräfte vorübergehend aufgeben müssen, die Möglichkeiten der Yuudari machten diese kleine Einbuße allerdings mehr als wett. Ein echter, lebendiger Körper... allein das warme Blut, das vom kleinen Herzen des Mädchens durch Adern und Venen gepumpt wurde, war ein erhebendes Gefühl, das die Inbesitznahme mehr als wert machte. Dazu überwältigten die Verstorbene bereits die einfachsten Gefühlsregungen: Der leichte Zug, der einige Nackenhärchen zu Berge stehen ließ, die staubige Luft, die in der Lunge kratzte, und das unangenehme Kribbeln im Magen... wie lange hatte sie schon keine einfachen Magenschmerzen mehr gehabt?
    *Ja, wie lange ist es eigentlich her, dass...*
    Der Gedanke an diesen Tag ließ den fremden Körper frösteln. Hastig schob Rei ihre Erinnerungen beiseite und konzentrierte sich wieder auf die beiden Mädchen vor sich. Mittlerweile war die dreiköpfige Gruppe in das tiefer gelegene Stockwerk gelangt, wo sie die zugeschlagene Tür vermuteten. Der seltsame Plan ließ Rei immernoch schmunzeln. Die Anweseiungen eines Ranghöheren zu missachten war bereits naiv genug, doch diesen Regelbruch in Kauf zu nehmen um einer lauten Tür willen? Soetwas war selbst für kurzsichtige junge Ninja eine ausgesprochen unüberlegte Tat.
    *Sie wollen es wohl einfach nicht anders. Welche nehmen wir zuerst...*
    Während Rei den anderen beiden mit ein, zwei Metern Abstand folgte sagte die Verstorbene in Gedanken einen kurzen Abzählreim auf. Das Los fiel wenig später auf das labilere, schwarzhaarige Mädchen. Schade um das hübsche Kind, aber das Schicksal wollte sie zuerst. Im Gehen stellte sie die Kerze, die sie von dem Rotschopf entgegengenommen und seitdem mit sich getragen hatte, mitten der Luft ab, wo der glimmende Wachsstab wie von Geisterhand gehalten schweben blieb und dem Körper der Blondine sogar nachflog. Dieses kleine Kunststückchen, zu dem selbst die einfältigsten Gespenster in der Lage waren, erlaubte es Rei, einige Fingerzeichen zu formen ohne die anderen dabei durch das wirkliche Abstellen ihrer Kerze auf sich aufmerksam zu machen. Mit der Stimme der Yuudari flüsterte sie ein leises "Magen - Narakumi no Jutsu", anschließend hatte sie bereits wieder ihre Kerze in der Hand und schlenderte ihren Kolleginnen hinterher, so als ob nichts gewesen wäre. Für sie selbst und das vorlaute Mädchen verhielt es sich auch genau so, die dritte Kunoichi würde allerdings demnächst eine böse Überraschung erleben...
     
  6. Ryuugu Inoue

    Ryuugu Inoue Guest

    Die Geräusche kamen eindeutig aus der unteren Etage, die das Team vor einigen Momenten verlassen hatte, um nach neuen Räumen Ausschau zu halten. Entweder hatte sich der Geräuschpegel aus Glasklirren, Türenschlagen und Frauengekicher vom Erdgeschoss bis zur unteren Etage hindurchgefressen, ODER aber es hatte sich in der unteren Etage manifestiert. Wo kam das alles überhaupt her? Immer eher bekam Inoue das Gefühl, dass sie nicht das einzige Team waren, jedoch handelte es sich dabei wohl kaum um ein Unterstützungsteam... sondern eher ein Team aus einem anderen Dorf oder gar einer anderen Fraktion. Mit einem kaum hörbaren Seufzen ignorierte sie für einen Moment die Geräusche und schaute einmal erwartungsvoll in die Runde, da es bisher niemand in Erwägung gezogen hatte, ihre Frage zu beantworten, die sie ihnen vor nicht allzu langer Zeit gestellt hatte. Nichts. Nicht mal irgendeine Form einer Antwort, sondern nur nichtssagende Blicke, die nicht mal ihr galten. Inoue spürte, wie die Wut langsam in ihr überkochte und am liebsten hätte sie die beiden Mädchen am Kragen gepackt und diese ein paarmal durchgeschüttelt, nur, um für eine Minute Aufmerksamkeit zu erlangen. Wie sollte das weitergehen? Wollten die ernsthaft warten, bis Mr. Ich-hau-mal-eben-ab wieder den Raum erreicht hat? Pah, als ob der zurückkommen würde. Bevor Inoue ihren Gedanken, die Mädels zu schütteln, in die Tat umsetzen konnte, schien sich zumindest eine von ihnen positiv zu regen. Asuka. Ihre Worten verrieten Inoue, dass sie neugierig war und unbedingt nachschauen wollte, was dort unten vor sich ging - und um ehrlich zu sein, erging es der Ryuugu nicht anders. Das Mädchen hasste Ungewissheit und wenn sie wusste, was die Geräusche hervorrief, so wäre es viel einfacher, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und wer jetzt noch mit irgendeinen ominösen Geisterkram dahergelaufen kam, konnte gleich verschwinden, denn es gab keine Geister. Ende Gelände. Ehe die Ryuugu aber noch etwas antworten konnte, war Asuka bereits mitsamt Feuerzeuglicht vorangegangen und hatte das Zimmer verlassen, um die untere Etage zu erkunden. Warten hätte sie nicht können, oder? Erneut seufzte Inoue, aber ihr Blick galt zuerst der blonden Yuudari, die mit ihr noch zusammen im Zimmer stand. Von Anfang an schon hatte sie eine gewisse Abneigung gegen sie gehegt... diese Ausstrahlung, dieser seltsame Blick und das seltsame Verhalten des Mädchens war nicht das, was die Ryuugu guthieß, weswegen sie die Blonde so gut wie möglich versuchte, zu ignorieren. Auch jetzt sagte sie nichts zu der Yuudari, sondern zuckte nur die Achseln, ehe auch Inoue den Raum verließ und das bereits verschwundene Mädchen aufholte. Lediglich die blonde Yuudari befand sich noch im Zimmer, aber nach den tapsenden Schritten zu urteilen, entschloss sie sich ebenfalls, der kleinen Mädchengruppe zu folgen..

    ...ehe der Ryuugu plötzlich anders wurde. Ihr Kopf fühlte sich seltsam schwer an und jedes Geräusch, das an ihre Ohren drang, schien viel lauter zu sein, als es üblicherweise sein sollte. Das Türschlagen im unteren Stockwerk schien in ihrem Kopf stattzufinden, genauso wie das Glasklirren und das ungemein nervtötende Lachen, das immer und immer wieder erklang, wenn die anderen Geräusche ihre Pause hatten. Das konnte doch gar nicht sein, oder? Fragend blickte sie auf den Rücken ihrer Vorgängerin und drehte sich dann auch kurz mal unauffällig zur Yuudari um... aber niemand von den beiden schien irgendetwas bezüglich der Geräusche zu bemerken. Dann musste Inoue kurz auflachen. Ja, so war das eben, wenn man sich nur auf die Dinge konzentriert, auf die man sich eigentlich gar nicht konzentrieren möchte. Es wurde alles lauter, je mehr man sich darauf beschränkte, weiter nichts. Inoue brauchte andere Gedanken, ablenkende Gedanken, die nichts mit diesem Haus zu tun hatten. "...wie wär's mit Eiscreme? Oh ja, Eiscreme. Eine große Kugel Erdbeereis mit süßer Sahne. Oder ein Fruchtbonbon? Vielleicht eine Portion Pommes. Hähnchen. Wurm... moment mal, WURM?!" Da war etwas, ganz sicher! Irgendwie in der Nähe ihres rechten Stiefels, klein und dick und länglich. Die Farbe hatte sie nicht erkannt, aber garantiert war da ein wurmähnliches Gebilde, dass sich schnell auf dem Boden fortbewegt hatte. Tief in Gedanken versunken, bemerkte Inoue nicht, dass sie das Schlusslicht der Gruppe bildete und sich als einzige noch im oberen Stockwerk befand, während die anderen beiden bereits die Treppe hinuntergestiegen waren. Ihre Aufmerksamkeit war auch gar nicht mehr auf das Wurmgebilde gerichtet, sondern auf den großen Wandspiegel, der ihr bis dato nicht aufgefallen war. Wie in Trance näherte sie sich dem Spiegel und starrte entsetzt auf das Schauspiel, das ich ihr nun bot. Natürlich war das, was sie sah, haargenau identisch mit dem Flur, in dem sie sich befand... nur spiegelverkehrt. Dennoch irritierten sie diese roten, wurmähnlichen Gebilde, die sich auf Boden und Wände des Flurs erkennbar machten und sich von Sekunde zu Sekunde rasch vermehrten. Erschrocken drehte sie sich um, doch da, wo sie sich befand, gab es nichts, das in irgendeiner Weise rot und wurmig war. Nur in diesem Wandspiegel. Inoue entschied sich, noch ein wenig genauer hinzuschauen. Wie kam sie eigentlich auf Wurm? Es handelte sich hierbei überhaupt nicht um einen Wurm, sondern um lange, feine Blutlinien, die sich ihren Weg über den Holzfußboden schlängelten und auch die morschen Wände komplett einnahmen. Wo schlängelten sie hin? Die Blutlinien schienen alle denselben Weg einzuschlagen und sich auf der rechten Wand einzufinden, ehe sie in der spiegelverkehrten Welt den kleinen Tisch einnahmen. Um sich zu vergewissern, dass es im echten Flur nicht zu war, schielte sie kurz zu dem Tischschen ...und im selben Moment wünschte sie sich, sie hätte es nicht getan. Pulsierende, rote Blutlinien schlängelten sich an dem Tisch hinunter und schienen ihn förmlich aufzufressen. Das konnte nicht sein! Das Herz der Ryuugu pochte unaufhörlich gegen ihren Brustkorb, schien diesen beinahe zu sprengen. Ruhig, sprach sie sich zu, ruhig. Das ist nur Einbildung, nichts von alledem ist real. Eigentlich wäre das ja jetzt die perfekte Gelegenheit, zu verschwinden, aber die gesamte Szenerie hatte Inoue so in ihren Bann gezogen, sodass sie gar nicht anders konnte, als dem Unwirklichen noch eine Weile zuzuschauen. Der nächste Blick galt wieder dem Wandspiegel. Ein kehliges Kreischen kam aus ihrem Mund, als sie sich selbst sah, eingehüllt von roten Blutlinien, die ihren ganzen Körper umspielten und verunstalteten. "Was...?" In der Realität war sie Gott sei Dank nicht davon betroffen, aber der Anblick im Spiegel genügte ihr. Inoue trat einen großen Schritt zurück, den Spiegel nicht aus den Augen lassend. Ein Fehler, denn die Blutströme vom Tisch hatten sich bereits gelöst und bahnten sich einen blutigen Weg zu den Beinen der Ryuugu, die das erst im letzten Moment bemerkte. "Das ist einfach komplett unmöglich!" Immer weiter bewegte sich die Ryuugu von den Blutströmen weg, wohl wissend, dass diese immer schneller wurden und nach einer kurzen Zeit den gesamten Boden und die Wände in der Realität eingenommen hatten. Überall pochte es, kreischte es und tröpfelte es. Ihre Beine waren schwer... heiß, heiß ! Geschockt blickte sie auf ihre nackten Beine, die dank ihrer Baggyshorts freilagen. Einige Blutströme pulsierten gefährlich auf ihrer Haut, brannten unerträglich... und dann, fiel sie.

    In der ganzen Aufregung war ihr entgangen, dass sie sich der Treppe genähert hatte, auf deren oberen Stufe sie den Halt verlor und nach hinten kippte. Wie in Zeitlupe schien sich der Treppenfall abzuspielen, ihre Hand streckte sich nach dem Geländer aus, fand aber keinen Halt und rutschte ab. Ein dumpfer Schmerz am Rücken, danach an der Hüfte... schließlich am Knie, ehe der fieseste Aufprall ihrem Kopf galt und sie für einen Moment ausschaltete. Es waren nur wenige Sekunden, ehe Inoue den pochenden Kopfschmerz realisierte, der alles andere in den Hintergrund stellte. Eine kleine Blutspur lief ihr an der Schläfe entlang und tropfte leise auf den Boden. Poch, poch. Ihre Hände griffen nach ihrem Kopf, die Fingerkuppen massierten leicht die Schläfen, um den Schmerz zu lindern, aber auch das half nicht viel. Die blutige Szene von gerade eben schlich sich während der Massage urplötzlich wieder ins Gedächtnis, sodass sie gar nicht anders konnte, als sich schnell aus ihrer sitzenden Position zu heben und den Blick nach oben zu richten. Da sie nicht viel sah, stieg sie eine der Treppenstufen empor... und noch eine, und noch eine, bis sie ein vollkommen normales Flurstück im Blickfeld hatte. Keine Blutlinien, nichts. Um sich zu vergewissern, dass der Horror wirklich vorbei war, stellte sie sich mutig erneut vor den Wandspiegel und wartete ab. Hastig glitten ihre aufmerksamen Blicke auf verschiedene Stellen des Flures, auf der Suche nach eventuellen Linien, aber nichts erschien. Und das, obwohl sie alleine war. Hatte sie sich das eventuell auch nur eingebildet? Dieser ganze Spuk hier? Und warum bemerkten Asuka und die Yuudari nichts, obwohl sie zusammen mit Inoue durch besagten Flur gingen und die Geräusche eigentlich auch hören mussten? Oder der plötzlich auftauchende Blutwurm, der sich quer über den Boden geschlängelt hatte? Hatte wirklich nur Inoue diese Erscheinungen gehabt? Zweifel kamen in ihr auf. Konnte es sein, dass...? Konnte es tatsächlich sein, dass man sie auf den Arm nahm? Warum gerade sie? Da Inoue nach alldem trotzdem nicht an Geister oder ähnliches glaubte - es gab für alles eine Erklärung - fielen ihre Gedanken auf ihre Mitstreiter. War einer von ihnen verantwortlich für das, was ihr gerade passiert war? Ihr erster Gedanke galt Yuto. Eigentlich hatte er das perfekte Motiv. Er war Teamleiter, verschwand plötzlich im Nichts und könnte all das getan haben, um seinem Team mal richtig Angst einzujagen. Wäre da nicht die Tatsache, dass lediglich Inoue davon betroffen war, was irgendwie keinen Sinn machte. Entweder alle oder keiner. Mit dieser Begründung fiel er aus ihrer Liste der möglichen Kandidaten, die für diesen Mist verantwortlich waren, heraus. Und was war mit Asuka? Die ganze Zeit war sie still, hatte nichts gesagt und schien auf das Haus ein bisschen empfindlich zu reagieren. Konnte sie sich dies erlaubt haben? Asuka war die erste, die den Raum verlassen hat, ohne auf Inoue oder die Yuudari einzugehen, ehe sie begann, die unteren Etagen anzusteuern. Der Ryuugu schien es so, dass Asuka mehr auf die Erkundung an sich konzentriert war, als auf das Piesacken ihrer Mitstreiter. Und somit wurde auch sie von der Liste gestrichen. Wer blieb denn jetzt noch übrig? Genau, die Yuudari. Auf sie trafen viel mehr Dinge zu... sie war ohnehin schon komisch veranlagt, düster gekleidet und ihr Clan schien einen Hang zum Übernatürlichen zu haben. Oder vielleicht auch nur sie, denn schon zu Beginn der Mission schien sie richtig davon angetan, hier Geister zu finden und Horrorabenteuer zu erleben. Außerdem war sie diejenige, die den Raum als Letztes verlassen hatte... Eigentlich nichts Ungewöhnliches, hätte die Yuudari nicht noch eine Zeit lang gebraucht, um über die Türschwelle zu treten, um sich den anderen anzuschließen. Auf Inoues Liste war sie diejenige, die das am ehesten hätte anzetteln können. Ihr traute sie sogar noch eine gewisse Antisympathie zu, nur leider konnte sich Inoue keinen Reim darauf machen, warum dies zu war. Ihr fehlten die Beweise, aber eines war klar: Dieses Mädchen würde sie nicht so leicht aus den Augen lassen! ...und wenn das stimmte, was sie dachte, dann war Asuka gerade nicht wirklich in guter Gesellschaft. Ein eventuelles anderes Team ließ sie mal außen vor, da sie sich partout nicht erklären konnte, wie sie zu dem fähig waren, wenn sie sich im unteren Geschoss befanden. Es war zu verwirrend. Es gab einfache zu viele Theorien, die auf diese ganzen Momente passten, sodass Inoue gar nicht mehr wusste, was sie eigentlich glauben sollte. Zugeben, dass es Geister gibt, wollte sie garantiert nicht... deswegen baute sie sich Erklärungen zusammen, um nicht mal in Erwägung zu ziehen, das Wort Geister überhaupt für irgendetwas zu benutzen. Und man merkte ja, was dabei alles herauskam: Ihre Teammitglieder waren potenzielle Verräter, ein weiteres Team oder irgendeine andere Gruppe hatte das Gebäude ebenfalls betreten... oder war es doch irgendetwas anderes? Ihre eigene Fantasie? Ihre Einbildung? Inoue wusste es nicht. Schlussendlich entschied sie sich dazu, einfach so zu tun, als wäre das nicht passiert. Es gab dafür sicherlich eine Erklärung.

    Die pochenden Kopfschmerzen weitgehenst ignorierend, stürmte sie die Treppe hinunter, in der Hoffnung, ihre Teamkameraden dort anzutreffen, allerdings schien die Etage leer zu sein. Verdammt. Wie lange hatte sie da oben mit sich selbst gehadert? Inoue gab es nicht gerne zu, aber sie hatte ihre Kameraden verloren und stand nun ohne jegliche Lichtquelle im dunklen Flur. Wo war die Kerze, die Yuto ihnen dagelassen hatte? Achja. Oben. Leider aber hatte der geniale Sturz, den sie hingelegt hatte, die Flamme gelöscht. Oben konnte sich Inoue wenigstens an das Mond- und Blitzlicht orientieren, dass der offene Raum noch in den Flur ließ... aber hier unten, waren die Türen zu und der Flur stockduster. Und ihr Team? Nirgends zu sehen. Trotzdem wäre es besser, einfach weiterzugehen, um nach dem verlorenen Team Ausschau zu halten. Während der kleinen Nachtwanderung ging sie alles Unwirkliche, was sie in diesem Haus erlebt hatte, noch einmal durch...
     
  7. Iwamoto Yuto

    Iwamoto Yuto Chuunin

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    Sora
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    Der zunächst amüsierte Tonfall von Yuto, sollte ihm ziemlich bald im Halse stecken bleiben, denn die Szene entwickelte sich etwas anders als man es sich hätte vorstellen können. Bevor er - oder eben sie - auch nur ein weiteres Wort sagen, geschweige denn eine weitere Bewegung hätten machen können, konnte Yuto in einer Entfernung schräg hinter Itoe eine Bewegung ausmachen. Im nächsten Augenblick fiel ihm Itoe auch schon mehr oder weniger in die Arme, was für beide wohl sicherlich genauso überraschend wie ungewollt geschah. Trotz allem natürlich, fing er sie auf und lies sie nicht auf den morschen Holzboden fallen. Während er sie nun zwischen Tür und Angel stützte, konnte er erkennen, was diesen Fall verursacht hatte - mehrere Kunai steckten im Rücken der schwarzhaarigen Kunoichi. Seltsamerweise jedoch, schien keiner der Kunai wirklich tief im Fleisch zu stecken, sondern schienen Yuto eher eine Art Warnschuss zu sein. Für wen dieser Warnschuss sein sollte, konnte er sich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vorstellen, auch dann nicht, als in der Dunkelheit für einen winzigen Augenblick ein weißer Haarschopf aufblitzte und wieder verschwand. Unser Rotschopf kannte nur zwei Personen mit weißen Haaren, eine davon männlich, die andere weiblich. Während der Name der ersteren Daisuke war und etwas derartiges nie machen würde, sondern eher mit vollem Karacho auf Itoe zugestürmt wäre, so traf dieses Verhalten viel eher auf Person zwei zu - Junko. Seltsames taktierendes Verhalten, welches man nicht auf den ersten Gedanken genau deuten konnte, war exakt ihre Handschrift. Das einzige Problem an dieser Sache jedoch war, dass Itoe ihre geschätzte Teamkameradin war und sie diese wohl sicherlich nicht verletzen würde... außer natürlich diese Situation entsprach einem sehr perfiden Plan bzw. einem abgekarteten Spiel.
    Was auch immer es war, Yuto konnte nicht anders als der Sache auf den Grund zu gehen, jedoch natürlich nicht bevor er sich um Itoe gekümmert hatte. Sorgsam entfernte er die Kunai und schloss die Wunden mittels seiner Medic-Jutsu. Da die Wunden nicht besonders tief waren und die Kunai allen Anscheins nach tatsächlich recht willkürlich geworfen worden waren, war das ganze Prozedere schnell vorbei und auf Itoes Rücken würden wohl nichtmals Spuren von diesem kleinen Angriff übrig bleiben. Bevor es ihn daraufhin erneut in die Dunkelheit verschlug, lies er Itoe noch ein kleines Vesperpaket da, welches grünen Tee samt einigen Reisbällchen enthielt, sowie einige Worte. "Es sind noch weitere Mitglieder meiner Fraktion hier im Haus, du solltest dich vielleicht also eher ruhig verhalten." Daraufhin lies er sie zurück, samt seiner Kerze.
    Während Yuto nun in die Richtung ging, in der er vorher scheinbar den weißen Haarschopf erblickt hatte, lies er den Schein der Kerze und damit auch Itoe, immer weiter hinter sich zurück. Man wunderte sich sicherlich darüber, dass er eine Shiro-Kunoichi versorgt hatte, doch sein Charakter würde es nicht zulassen, sie einfach verwundet in solch einer Umgebung zurück zu lassen. Und wer weiß, vielleicht sollten sich später in seinem Leben oder gar in einem anderen Leben, all diese Taten einmal auszahlen. Möglich wäre es, doch selbst er würde an dieser Theorie wohl zweifeln. Dennoch war es kein Grund für ihn sich diesbezüglich zu ändern.
    Plötzlich stoppte er, in völlige Dunkelheit gehüllt stand er da und bemerkte, dass er gerade unter Umständen einen Fehler begangen hatte. Die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass diese Kunai keinen Warnschuss symbolisieren sollten, sondern ein reines Lockmittel waren und wie man sah, hatte er den Köder geschluckt. Als Antwort auf diesen Gedanken hin, legte er mit einigen kurzen Bewegungen seinen flüssigen Mantel über seine Haut, den man Dank den sowieso schon feuchten Klamotten, die vom Regnen durchnässt worden waren, nicht wirklich wahrnehmen konnte. Die Frage war nun lediglich, ob er diesen auch tatsächlich brauchen würde, sofern sich seine Vermutung jedoch bestätigen sollte, dann bestimmt.
    "Junko...?", sprach er nun einfach in die Dunkelheit hinein, die ihn ebenfalls wie ein Mantel umgab und das einzig wahrnehmbare in diesem Augenblick war, abgesehen des morschen Holzbodens und dem muffigen den das Haus scheinbar wie ein Parfum trug.
     
  8. Mameha Junko

    Mameha Junko Guest

    Zwei Fliegen mit einer Klappe – wisse von mindestens zwei Personen in diesem Haus, baue eine Falle in einem etwas tiefer im Haus gelegenen Raum und versuche dann, sich möglichst ohne große Mühe und Gefährdung der eigenen Sicherheit des Feindes zu entledigen. Was die Daten anging, so hatte die Kunoichi das Gefühl, so klar zu sehen wie schon lange nicht mehr. Die Hyuuga verließ sich außerordentlich stark auf ihr Bluterbe und hatte demzufolge alle anderen Sinne vernachlässigt. Sie war eine kompetente Taijutsuka, was aber zugleich bedeutete, dass sie alle anderen Bereiche vernachlässigt hatte. Keine wirklichen Variationen in ihrem Können – sie war eine gefährliche Gegnerin, wenn sie alles sah. War sie blind, war sie auch taub, stumm und zahnlos, wenn man sie von der richtigen Seite attackierte. Der ursprüngliche Plan beinhaltete also, Itoe aus dem Hinterhalt entweder zu verletzen oder zu töten und sodann den Körper als Köder für den Kajiya zu benutzen. Dieser mochte zwar frisch von der Akademie sein, besaß aber ein Bluterbe, mit welchem sich Junko nicht auskannte, ebenso wie seine anderen Fertigkeiten bisher ungetestet waren. Demzufolge musste sie ein wenig mehr Vorsicht walten lassen – wenn man mal ganz davon absah, dass sie durchaus daran interessiert war, sein Kekkai in Aktion zu sehen, ohne dass sie sich selbst damit in Gefahr bringen wollte.
    Ferner war die Reihenfolge günstig. Verglich man den Kajiya und die Hyuuga miteinander, so wirkte Itoe nicht nur von der Persönlichkeit her stabiler, sondern verfügte auch über mehr Kampferfahrung und Training als der Geninfrischling – sie war „stärker“ in diesem Sinne, was sie in der Reihenfolge ganz oben ansetzte. Wollte man eine Gruppe, sei sie auch noch so klein, erst demoralisieren und dann vernichten, so isolierte und eliminierte man erst die stärksten Glieder in der Kette. War der Erfolg des Unternehmens nicht sicher, zielte man auf das schwächste Glied der Kette ab, was hier nicht notwendig war. Junko war sich in dieser Hinsicht ihres langfristigen Erfolges recht sicher.
    Somit hatte sie ihre Vorbereitungen getroffen und hatte sich Itoes möglicher Position genähert, um ihren Plan in die Tat umzusetzen, als sie ein Gespräch wahrnahm. Noch mehr Eindringlinge in diesem Haus? Skandalös. Dieser Umstand musste korrigiert werden, weswegen sie ihre Pläne einfach geringfügig modifizierte, aber den Anfang erst einmal beließ, wie er war, bis sie den zweiten Eindringling nebst einer möglichen Gruppe identifiziert hatte. Ein paar geworfene Kunai später eilte sie die Gänge entlang, stets darauf bedacht, dass ihr Verfolger, den sie noch nicht hatte bluten lassen, sie auch sah und ihr folgen konnte. Sie nahm sein Aussehen noch nicht einmal wahr, stellte nur mit Verärgerung fest, dass er die Hyuuga offenbar medizinisch versorgen konnte und sich ein wenig Zeit mit der Verfolgung ließ – wie lästig. Das Problem musste schnell behoben werden. Den besagten verfallten Raum hatte sie schon bald erreicht, wich geschickt einigen dünnen gespannten Drähten aus, die in der Dunkelheit kaum auszumachen waren und drückte sich hinter einen Vorhang in eine Nische, den Raum im Blick und jederzeit bereit, das Siegel zu formen. Ärgerlicherweise musste sie nunmehr aufpassen, den Neuling nicht zu töten, wenn sie aus ihm noch Informationen herauskriegen wollte. Andererseits war abzuwägen, ob eine Befragung dieses Menschlings dort überhaupt notwendig erschien, wenn es wahrscheinlich viel schneller ging, das Gebäude zu durchforsten.
    Als Yuto also das Zimmer betrat, eröffnete sich ihm ein Kinderspielzimmer – ein Himmelbett, viele Vorhänge, Holzspielzeuge, ein Schaukelpferd, viele Regale mit allerlei Krimskrams, sogar ein Schlitten stand in irgendeiner Ecke. Die Fenster schlossen zwar das tobende Gewitter draußen aus, konnten aber die Zugluft, welche die Vorhänge zum Wehen brachten, nicht verhindern, während Regen gewaltsam gegen die Scheiben prasselte. Junko schätzte die Person, die den Raum betrat ab, ohne sie wirklich anzusehen und wartete darauf, dass er eine bestimmte für ihn unsichtbare Grenze überschritt. Die kühle Berechnung wurde allerdings jäh unterbrochen, als sie ihren eigenen Namen hörte. Sie wusste nicht, was genau sie so erschreckte – war es die Tatsache, dass sie sich vorher nicht bewusst gewesen war, einen Namen gehabt zu haben oder doch eher die damit zusammenhängende Identität? Vielleicht, vielleicht spielte auch der Umstand, dass sie den Sprecher nur allzu gut kannte und jetzt auch erkannte eine nicht unwichtige Rolle. In jedem Fall setzte ihr Herzschlag für einen Moment aus, während ein unwillkürlicher Schauer sie frösteln ließ. Zugleich fühlte sie sich elektrisiert, gelähmt und betäubt, geschwächt und aufgerüttelt zugleich.
    „Yuto?“ Sie hörte sich diesen Namen selbst sagen, als höre sie ihn nur aus der Ferne. In Wirklichkeit klang ihre Stimme schwach, verunsichert und erschöpft. Yuto seinerseits konnte das Mädchen auch entdecken und dürfte angesichts seiner medizinischen Kenntnisse ein wenig überrascht sein. Die Kunoichi wirkte unnatürlich blass, ihre Augen glasig und er konnte sogar einen dünnen Schweißfilm auf ihrer Haut perlen sehen. Ihre Bewegungen wirkten seltsam hölzern, was aber durchaus auch ein Irrtum sein konnte, bedachte man, dass sie gerade starr in der Ecke stand und hinter ihrem Vorhang hervorlugte. Als sie ihn ansprach, fasste sie ihn nicht direkt ins Auge, sondern sah an seinem Gesicht vorbei, was sie orientierungslos und verwirrt erscheinen ließ. Rein äußerlich war sie ein Wrack, während innerlich ein Kampf tobte.
    „Worauf wartest du noch? Form’ das Siegel.“
    „Lass den Quatsch!“
    „Was? Wer? Aber … „
    „Tief durchatmen und einfach stillhalten, Liebes. Der Typ da treibt es ein wenig zu weit, wenn er glaubt, uns für seine Zwecke benutzen zu können. Aber jetzt reicht es. NIEMAND stiehlt mir Yutos Leben oder Tod, ist das klar? Das ist mein Freund, mein Feind, mein Ziel. Wenn ihm jemand das Herz rausreißt, dann werde ICH es sein. Nicht du.“
    „Ordinäre Selbstsucht. Hätte nicht gedacht, so etwas hier finden zu können.“
    „Ich verstehe nicht …“
    „Welch Überraschung. Ich geb’ dir einen Tipp: Versuch mal, das Wort „Ich“ zu benutzen und auch zu verstehen.“
    „Das ist schwer.“
    „Lauter, wir können dich ja kaum noch hören.“
    „Ist das jetzt nicht völlig egal? Form’ das verdammte Siegel!“
    „Warum machst du das hier?“
    „Es ist so schwierig, klar zu denken. Alles ist wie in einem Nebel, oder wie Sand.“
    „Es ist deine Pflicht.“
    „Nein, die Hyuuga auszuschalten war nicht deine Pflicht. Das war noch nicht einmal spaßig, das war einfach nur noch unnötig.“
    „Sie hat gegen die Regeln verstoßen.“
    „Nicht mehr als du, nebenbei.“
    „Du kommst als Letztes dran, aber vorher musst du diesen Schandfleck bereinigen“
    „Blödsinn, du willst leben und du bist menschlich. Das hat Itoe auch gesagt und du tätest gut daran, ausnahmsweise mal auf andere Leute zu hören.“
    „Menschlichkeit ist Schwäche. ER ist deine Schwäche. Form’ das Siegel und vernichte sie endlich!“
    „Du bist mit dem da noch nicht fertig. Du liebst ihn. Du hasst ihn. Du magst es, zu lieben und zu hassen, also wäre es doch jammerschade, jetzt dieses Siegel zu formen, nicht wahr?“
    „Das … das ist alles so wirr …“
    Langsam driftete der Blick der Chuunin ab, während sie innerlich mit sich rang, ohne wirklich ein Ziel vor Augen zu haben. Wie gut, dass sie währenddessen vergaß, sich auf Yuto oder auf etwaige Attacken zu konzentrieren – zumindest für den Moment.
     
  9. Kajiya Kei

    Kajiya Kei Guest

    Immer noch stand der Kajiya in der Eingangshalle und betrachtete verwirrt die leer geräumten Kerzenständer. Während der Wind an der Tür rüttelte und der Regen im Zusammenspiel mit dem Donner einen unglaublichen Lärm veranstalteten, kam dem Jungen alles unnatürlich ruhig vor. Warum waren sie eigentlich nicht mit Funkgeräten ausgestattet worden? In solch einem Haus – wie sollte man sich denn jemals wiederfinden? Weder Itoe noch Junko hatten einen Grund die Kerzen, die verflucht nochmal gebrannt hatten mitzunehmen! Sie hatten ihre eigenen Kerzen! Sie hätten sie vielleicht wieder anzünden können, oder beide Kerzenständer zur Hälfte ausbeuten können, sollte eine von ihnen aus irgendeinem mysteriösen Grund ihre Kerzen verloren haben. Aber alle Kerzen? Einfach weg? Logische Schlussfolgerung: sie waren nicht alleine hier. Geister? Nein, die gab es nicht. Ein weiteres Shinobiteam? Sie wären über Verstärkung informiert worden. Feindliche Shinobi aus Sora? Ja klar, wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team aus Sora und eins aus Shiro zur gleichen Zeit zur gleichen Mission geschickt worden waren? Null Prozent, oder eher noch weniger?
    Ein weiteres Mal schüttelte Kei seinen Kopf, um sich wieder konzentrieren zu können. Dieser Ort machte ihn noch wahnsinnig! Ohne weiter nachzudenken öffnete er die nächste Tür und ohne Vorwarnung kam ihm ein Lufthauch entgegen, der ihm sofort eine Gänsehaut verpasste. Eiskalt. Glücklicherweise flackerten die Flammen der Kerzen nur, erstarben aber nicht. Verdammte Zugluft, ja mit Sicherheit war es die Zugluft. Ganz davon abgesehen konnte dieses Haus gar nicht mehr ganz dicht sein, in den oberen Stockwerken kam bestimmt auch das Wasser durchs Dach. Ohne weiter darüber nachzudenken, welche Schäden dieses Haus wohl noch hatte, betrat er diesen wieder recht großen Raum. Allerdings war dieser weit besser... oder sagen wir eher mehr eingerichtet. Besser konnte man diese Form der Einrichtung nämlich wirklich nicht nennen und langsam aber sicher war sich Kei sicher, dass der ehemalige Besitzer dieses Hauses einen SEHR eigentümlichen Geschmack hatte. Wobei eigentümlich hier für abartig bis absolut pervers stand. Denn trotz des schwachen Lichtes erkannte der Junge genau, was für einen Gesichtsausdruck diese Statuen hatten, welche überall im Raum verteilt waren. Langsam ging er auf die Statuen zu, einen gewissen Ekel in seinem Gesicht konnte er dabei nicht verbergen. Bei genauerem Hinsehen sah es so aus, als wären es Wachsfiguren – allerdings verdammt schlecht gearbeitet, denn überall an der Oberfläche waren noch Tröpfchen zu sehen. Oder konnte es sein, dass es normale Statuen waren und damit sie nicht von Feuchtigkeit oder ähnlichem angegriffen, also praktisch konserviert wurden, mit Wachs übergossen worden waren. Bei dem Wort konserviert lief ihm allerdings ein kalter Schauer über den Rücken, immerhin konnte man auch Menschen... nein! Daran wollte er gar nicht denken!
    Er ging zwischen den einzelnen Figuren umher und musste feststellen, dass der Künstler vielfältig arbeitete, von Kindern bis Greisen war alles dabei, Frauen und Männer, schön und hässlich. Doch eines hatten sie alle gemeinsam: sie sahen verängstigt aus, bisweilen schauten sie sogar gequält oder wollten sich die Seele aus dem Leib schreien – und das in alle Ewigkeit. Noch ein Schauer. Aus diesem Haus sollte man eine Geisterbahn bauen, aber hier wohnen? Nicht mal für Geld. Plötzlich stieß er gegen eine unsichtbare Wand, zumindest kam es ihm so vor. Als er jedoch genau hinsah, merkte er, dass er in sein eigenes verdutztes Gesicht blickte. Nach kurzem Handausstrecken, Tasten und Umblicken realisierte er, dass sich vor ihm ein einziger großer Spiegel befand, der die gesamte Wand einnahm. Geschickt, er fiel gar nicht auf, da man sich zu sehr auf die Statuen konzentrierte. Über seine eigene Blindheit grinsend, betrachtete er sich und den Raum noch ein wenig weiter im Spiegel. Spiegelverkehrt sahen die Statuen allerdings auch nicht weniger unheimlich aus und der Raum an sich erst recht nicht. “Man, du lässt dich viel zu leicht verängstigen heute...“, meinte der Junge grinsend zu seinem Spiegelbild, welches ihn - selbstverständlich - ebenfalls angrinste. Doch das Grinsen verging ihm ganz schnell, als ihm plötzlich merkwürdige Tropfen auf der Haut seines Ebenbildes auffielen. Doch nicht nur auf der Haut, der gesamte Körper war von ihnen übersät und das Gesicht war zu einem stummen Schrei verzerrt. Aber er schrie doch gar nicht! Geschockt berührte er sich selbst an der Wange. Keine Tropfen, sah man mal von den kalten Schweißperlen ab, die sich inzwischen auf seiner Haut gebildet hatten. Ein weiterer Blick in den Spiegel und das Bild des Horrors war wieder verschwunden. Dafür hatte er das merkwürdige Gefühl, beobachtet zu werden. Schleunigst bahnte er sich seinen Weg zwischen den Statuen hindurch und verließ den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen.
    Das war doch nicht mehr normal. Er keuchte. Er schwitzte. Litt er jetzt etwa unter Verfolgungswahn? Nein, so labil war er nicht und diese fehlenden Kerzen bildete er sich nicht ein. Ein Scherz seiner Teamkameraden? Seine Menschenkenntnis war vielleicht nicht die beste, aber er war sich sicher, dass diese Beiden niemals so etwas mit ihm machen würden. Auch wenn er vielleicht der Neuling war. Plötzlich kam ihm allerdings die Erleuchtung. Er bildete sich Dinge ein, die nicht da waren. Er war plötzlich übermäßig empfindlich im Bereich der Angst. Dinge verschwanden, während er nicht hinschaute und er fühlte sich beobachtet. Ganz klar – hier waren Shinobi am Werk, genauer gesagt Genjutsu-Spezialisten. Leider kannte Kei sich mit dieser Art der Jutsus so gut wie gar nicht aus und den Bereich des Möglichen konnte er nur erahnen, aber er hatte hier eine Chunin in der Nähe, welche sich zumindest grob damit auszukennen hatte. Für einen Moment zögerte der Kajiya noch, dann stürmte er zur anderen Seite des Raumes und riss die erste Tür auf. “Ahhm... Junko-san?!“ Eine Sekunde verging, zwei... drei... die Tür wurde wieder zugeschlagen und die nächste geöffnet. Das Ganze wurde wiederholt, bis er mit allen Türen durch war. Verdammt, wo war seine Teamleiterin abgeblieben? Hatte er Zeit, sich darum zu kümmern? Nein, außerdem gab es noch ein anderes Teammitglied hier, das helfen konnte.
    Gerade wollte er sich in Bewegung setzen, als ihm etwas eiskaltes den Rücken runter lief und er zu einer Salzsäule erstarrte. Würde er jetzt auch zu einer Statue werden, so wie die anderen? Oder wäre ihm ein noch schlimmeres Ende geweiht? Er wartete, doch das Phänomen wiederholte sich nicht. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, immerhin hatte er kurz zuvor noch drüber nachgedacht. Regen. Wütend über seine eigene Dummheit machte er sich umso zügiger auf den Weg, wobei seine Kerzen, die er die ganze Zeit bei sich trug, gefährlich flackerten. Irgendwo musste hier doch eine Treppe sein und dann musste er das Mädchen nur noch rufen, weil ein ganzes Stockwerk abzusuchen wäre Irrsinn. Ihm war klar, dass er damit seine Position verraten würde, aber so wie er seine Feinde einschätzte, hatten sie ihn sowieso die ganze Zeit im Blick. Beängstigende Vorstellung, aber nicht zu ändern. Da war die Treppe! Der Junge flitzte hinauf und nahm immer zwei Stufen auf einmal. In seiner Hast und bei dem schlechten Licht übersah er ganz einfach die Person, die dort stand und bemerkte sie erst, als er mit voller Wucht in sie hinein rauschte. Dabei flog ihm der Kerzenständer aus der Hand und das ohnehin schon schwache Licht wurde noch schwächer. Als wäre das noch nicht genug, knackte es auch noch und der Jugne verlor den Boden unter den Füßen und stürzte in die Dunkelheit.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Juli 2010
  10. Misumi Kimihiro

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    Ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken, und Rei genoss dieses Gefühl ungemein. Überhaupt wieder etwas fühlen zu dürfen war zwar bereits ein Geschenk, doch dieses warme Gefühl, das ihr eigenes Herz einen Sprung machen ließ, wenn sie nur daran dachte, was die kleine Ryuugu Inoue dank ihr und den anderen Geistern durchmachen musste… Herrlich! Wie hatte sie nur so lange darauf verzichten können? Diese ganzen Jahre, in denen die ehemaligen Bewohner dieses Ortes in gefühlloser Starre durch die Korridore schwebten und sich um die vereinzelten Fremden zankten, die auf der Suche nach einer trockenen Schlafstatt oder dem Ursprung verschiedener Gerüchte hier eingekehrt waren… was waren sie schon anderes als vergeudete Zeit? Was war denn schon eine Existenz, oder die Fähigkeit zu fühlen? Ein weiterer Schauer ließ den ehemaligen Körper der Yuudari erzittern. Dieses Mal handelte es sich jedoch um die Auswirkungen einer eiskalten Böe, die durch den Gang fegte. Unbeeindruckt setzte Rei ihren Weg fort, was im Moment lediglich bedeutete, dass die Asuka hinterherlief. Das kleine Mädchen schien ganz versessen darauf zu sein, das Haus weiter zu erkunden, und es juckte der Ishida in den Fingern, diese Neugier zu bestrafen.
    Doch so langsam war es an der Zeit, seine Prioritäten zu verschieben. Körperlose Kehlen raunten ihr zu, was sich gerade im ersten Stock abspielte, und Rei sollte verflucht sein wenn sie verpasste, wie Yuto und die kleine, weißhaarige Besserwisserin einander Seele und Leben raubten. Das Gör schien bereits dem Ende nah zu sein – soweit lief alles nach Plan. Doch wie Rei ebenfalls zu Ohren gekommen war hatte das andere Mädchen, ein schwarzhaariges Ding aus der anderen Gruppe, den Angriff ihrer Kameradin allein durch das Eingreifen dieses dreimal verfluchten Iwamoto überlebt. Beim Gedanken an den Jungen entfuhr der Brust der Yuudari ein Seufzer. Oben gab es genug Gespenster, die sich um die Kinderchen kümmern konnten, und trotz allem schafften sie es partout nicht, ein oder zwei von ihnen auszuschalten. Ganz offensichtlich musste sie, Rei, sich selbst um die Angelegenheit kümmern. Mit ihrer eigenen Macht, die ihr das Haus verlieh, sowie den Techniken der jungen Yuudari sollten einige Bälger kein wirkliches Problem darstellen.
    Alles erstes galt es allerdings, sich um das rauchende etwas vor sich zu kümmern. Das Mädchen war beschäftigt genug, um der Ishida eine geschickte Flucht zu erlauben, weshalb der nächste Windstoß lediglich „ganz zufällig“ die Kerze, die in der Hand der Yuudari steckte, löschte. Sollte sich Asuka deshalb umdrehen und den Gang mit ihrem Feuerzeug erleuchten wollen, so wäre es bereits zu spät – mit geisterhafter Schnelligkeit zog sich der Körper der Yuudari in die Schatten des Spukschlosses zurück. Bevor Rei das Mädchen jedoch völlig allein zurückließ übergab sie ihm noch ein kleines Geschenk: Ein Senbon, aufgeladen mit der Kunst der Irrlichtwerdung, Onibi no Henshin. Die Nadel durchzuckte die Luft, traf einen der Geister, die sich an Asuka geheftet hatten, und ließ diesen in einem hellen Schein Schwarzlicht aufgehen. Die weitere Flugbahn des Senbons führte das Wurfgeschoss in die Decke, was die Chance, dass Asuka die Nadel bemerken würde, gegen Null gehen ließ. Gleichzeitig würde jedoch die Aufmerksamkeit aller Geister des Erdgeschosses von dem ungewöhnlichen Licht angezogen werden, was jede weitere Einmischung seitens Rei unnötig machte…
    Mit geschmeidigen Bewegungen glitt der junge Körper mit der fremden Seele zurück durch den Gang, bis hin zur Treppe, auf der die Ryuugu geholt worden war. Wie ihr die anderen mittlerweile berichteten hatte sich Inoue schon wieder von dem kleinen Vorfall erholt, was im Grunde allerdings nicht weiter schlimm war. Das Mädchen war noch immer verwirrt und verletzt, und sie hätte selbst im besten Zustand Reis eigenem, neuen Körper nicht das Wasser reichen können, schon gar nicht hier. Um Asuka wurde sich ebenso gekümmert, weshalb nur noch Yuto und das fremde Team übrig blieben. Die Mitglieder des letzteren waren allesamt verstreut – der einzige Junge war durchs Kabinett gestolpert, schickte sich nun allerdings an, über eine andere Treppe in den ersten Stock zu gehen; das schwarzhaarige Mädchen schien vom Angriff ihrer Kameradin noch recht benommen zu sein und stellte dementsprechend ebenso keine Gefahr mehr da; das weißhaarige Etwas dagegen schien zwar verwirrt zu sein, andererseits hatte ihr Körper noch keinen Schaden davontragen müssen, sollten die körperlosen Stimmen recht haben. Sie und Yuto bildeten dementsprechend die größte Gefahr – eine Gefahr, derer man sich allerdings annehmen konnte…
    Eilig hastete Rei hinauf in den ersten Stock, doch blieb sie dort nicht stehen. Über einen weiteren Aufgang betrat sie das zweite Stockwerk, um von dort durch die Decke der Etage, in der die jämmerlichen Kindlein herumirrten, auf das Geschehen einwirken zu können. Zwar brauchte Rei etwas Zeit, um direkt über den beiden Turteltauben Position zu beziehen, allerdings konnte sie am Ende ihrer kleinen Reise durch die unzähligen Schlitze und Löcher im Holz problemlos in das reich geschmückte Kinderzimmer sehen. Damit sich die anderen nicht allzu schnell in die Szene einmischten ließ Rei zudem den geisterhaften Nebel des Magen – Tokasu Yogiri Kasumi aufziehen, der in den Gängen um das Kinderzimmer die Flure in schwarzgraue Schwaden hüllte, die das Licht einer Kerze unbarmherzig schluckten.
    Ein Lächeln umspielte die Lippen der Yuudari, doch es war Rei, die eine diebische Freude verspürte. Zwei Mädchen waren verletzt und verwirrt, zwei andere und ein Junge irrten durch verrauchte Gänge, und die beiden größten Gefahren standen sich in einem geschützten Raum von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Es fehlte nur noch eine kleine Prise Wahnsinn, und die Seelen der Kinder würden genauso wie unzählige andere auf ewig hier im Haus gefangen sein.
     
  11. Kaishira Asuka

    Kaishira Asuka New Member

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    Fast hatte Asuka das Erdgeschoss erreicht als sie von etwas in der Dunkelheit überrannt wurde, stürzte und Instinktiv nach dem das sie umgerissen hatte griff. Die Treppe gab nach, krachte und Asuka samt Person die sie gerade gepackt hatte stürzten ein Stock tiefer auf eine steinerne Treppe. „Sie führt wohl zum Keller, war das erste das Asuka dachte nachdem ihre Augen aufhörten sich zu drehen, ihre Zigarette wieder in ihrem Mund steckte. Ihr Feuerzeug hatte sie natürlich verloren... dabei war es teuer gewesen, ein echtes Silber Feuerzeug mit eingraviertem Tiger und Drachen, bekam man nicht so oft, auch wenn man gut befreundet war mit den Gaunern in Getsurin. Schlimmer noch als das es nun kein Licht mehr gab, war dass es nun kein Feuer mehr gab, wie sollte sie sich eine weitere Zigarette anzünden, wenn sie diese verlor?! Zögerlich räumte sie aber erst einmal die kleinen Holzstücke von ihrem Körper, dabei nur die Glut ihrer Kippe als Lichtquelle nutzend. Gebrochen oder sonstig verletzt war wohl nichts an ihrem Körper, ob ihre Kleidung zerrissen war konnte sie nicht wirklich sehen, das erste was sie neben der Treppe sah war aber der Verursacher dieses Unfalles. Knapp vor ihrer Nase und somit nur wenige Zentimeter von der Licht spendenden Glut entfernt blickte sie direkt in das Gesicht eines Jungens und atmete direkt den ersten Rauch mitten in dieses. „Wer ist das nun? Bestimmt hat er den Lärm gemacht!“ „Alles in Ordnung?“, brummte sie ihm genau so gefühllos wie ihr Gesichtsausdruck entgegen.
    Dann richtete sie sich langsam auf, zog eine Zigarette aus ihrer Jacke und zündete sie vorsichtig an der Glut der fast zu ende gerauchten an. Den Stummel warf sie vor sich die Treppe herab und folgte mit den Augen dem schwachen Licht bis es einige Meter weiter unten liegen blieb, wo wohl der Keller anfing. Bei so einem Haus konnte man ein Folterkeller erwarten, alles andere wäre fast enttäuschend und auf alle Fälle war dies ein Grund nicht weiter nach unten zu gehen. Aber Moment, da reflektierte doch irgendetwas das Schwache licht. „Feuerzeug!“, rief ihre Innere Stimmer erfreut und beinah wäre sie direkt herab gerannt, wenn ihr nicht wieder einfiel, dass sie ja nun nicht alleine war und ihre Hand in ihrer Jackentasche ein Kunai umfasste und ihre Augen den schwachen Schatten des Shironinjas fixierten, aber diesen noch nicht als solchen erkennen konnte..

    ((Kei das nächste mal bitte lesen das jemand auf der Treppe steht bevor du diese hinauf rennst))
     
  12. Kajiya Kei

    Kajiya Kei Guest

    Der junge Kajiya rieb sich den Kopf, als er sich von dem glücklicherweise nicht allzu tiefen Sturz erholt hatte. Leider war es hier nahezu stockdunkel. Ganz langsam atmete der Junge ein paar mal ein und aus und versuchte sich zu beruhigen. Prüfend bewegte er zuerst seine Finger und Zehen, dann Knie und Ellenbogen und schließlich ließ er noch Schultern und Kopf kreisen. Soweit schien alles in Ordnung zu sein. Schmerzen hatte er trotzdem und er fühlte vorsichtig, worauf er hier gelandet war. Stein. Ganz klasse. Warum kann nirgendwo da Stroh oder etwas Ähnliches rumliegen, wo man es gebrauchen könnte? Er murrte und erst als ihm ein kleines Licht in der Dunkelheit auffiel, fiel ihm auch wieder ein, dass er ja in jemanden oder etwas hinein gerauscht war. Typisch für ihn. Er war wohl mal wieder so sehr auf sein Ziel fixiert gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass jemand auf der Treppe gestanden hatte. Er blickte die Lichtquelle an und als er plötzlich eine kleine Rauchwolke ins Gesicht gepustet bekam, wurde ihm klar, dass es sich hierbei um eine Zigarette handeln musste. Kurz musste er husten, dann zwang Kei sich jedoch dazu dem Hustenreiz nicht mehr nachzugeben. Wäre die Frage nach seinem Befinden nicht so eiskalt gewesen, hätte das Ganze fast etwas Erleichterndes gehabt. Aber wenigstens war die Person vor ihm kein Geist. Geister rauchten immerhin nicht und in Geister konnte man auch nicht reinrennen. Wenigstens passte der Gesichtsausdruck des Mädchens zu ihrer Stimme.
    “Ja ich denke schon... und bei dir?“ Fast ein wenig dreist pustete er dem Mädchen einfach ins Gesicht. Einerseits um den Rauch loszuwerden, andererseits um sich für den Rauch zu rächen. Dann stand er vorsichtig auf und kämmte sich mit der Hand noch ein paar Holzsplitter aus den Haaren. Dreckshaus. Erst jetzt realisierte er langsam aber sicher, dass hier eine Person war, die weder Itoe noch Junko war und insofern fragte er sich zurecht, woher dieses Mädchen kam. War das etwa diese geheimnisvolle Genjutsu-Nutzerin, welche die ganze Zeit ihre Spielchen mit ihm gespielt hatte? Nein, so dumm sich zu zeigen wäre sie wohl nicht gewesen. Immerhin waren Genjutsu-Nutzer angeblich sehr intelligent und so blöd sich auf der Treppe von ihrem Ziel anrempeln zu lassen... naja, er hatte eine gewisse Mitschuld. Trotz allem, die Situation war beunruhigend und die Dame vor ihm schien das ähnlich zu sehen, denn beide blickten sich nur stumm an. Das konnte allerdings nicht ewig so weiter gehen, immerhin war es durchaus möglich, dass noch weitere Teile der Treppe hinab stürzten und dann hätten ihre Köpfe ein kleines Problem. Das größte Problem für ihn war jedoch, dass er seinen Kerzenständer verloren hatte und somit keine Lichtquelle mehr besaß, außer sein Feuerzeug und seine Streichhölzer... und natürlich die Zigaretten des Mädchens. Ihnen blieb wohl keine andere Wahl, als für den Moment zusammen zu arbeiten, sonst würden sie sich entweder gegenseitig umbringen, oder... naja, es würde wohl in jedem Fall darauf hinaus laufen. Was er jetzt tat, würden viele andere Shinobi als überaus dumm bezeichnen, aber einen Versuch war es immerhin wert. Er holte sein Feuerzeug hervor und entzündete es. Sogleich hüllte das flackernde Licht ihn und seine nahe Umgebung in einen schon fast unheimlichen Schein, während sich Kei mit der freien Hand noch ein wenig Dreck und Staub und den Klamotten klopfte. Dann musterte er das Mädchen vor ihm noch einmal... oder war es doch ein Junge? Nein, ihre Stimme klang eindeutig nach Mädchen. Aber das war auch egal.
    “Okay, ich denke wir sollten ein wenig zusammenarbeiten, um hier wieder rauszukommen. Wenn wir einfach hochspringen oder klettern, wird vermutlich nur noch mehr Treppe hinab stürzen, insofern sollten wir diese Treppe hier hinauf gehen und schauen wo wir landen. Einverstanden?“ Klang das souverän? Von seiner Angst gerade eben war jetzt nichts mehr zu hören. Scheinbar war sie ihm mitsamt Kerzenständer einfach verloren gegangen, aber das war gut so. Klarer Kopf, feste Stimme und wieder ein rationales Ziel vor Augen. Doch vorher musste noch etwas geklärt werden. “Mein Name ist übrigens Kajiya Kei, ich komme aus Shirogakure und bin hier auf Mission... darf ich erfahren wer du bist?“ Seine Muskeln spannten sich für einen Moment an. Wenn sie ein Feind war musste er schnell reagieren. Doch wer würde sich in dieser Situation noch gerne einen unnötigen Feind machen wollen? Er tippte einfach mal auf niemand, beziehungsweise hoffte er das. Gleichzeitig hoffte er darauf, dass es Junko und Itoe besser erging als ihm, dann könnten sie ihn bei Gelegenheit aus dieser misslichen Lage heraus holen. Andererseits hatte er keine Lust auf das Gelächter der Beiden, wenn sie ihn hier mit einer jungen Raucherin vorfanden. Dieses Haus war wirklich ein komischer Ort, wobei komisch hier noch untertrieben war, es hatte auf einer Gruselskala von eins bis zehn definitiv mindestens neun. Sollte dieses Mädchen jetzt kein Mensch sein – herzlichen Glückwunsch! Mit zehn von zehn Punkten haben sie die volle Punktzahl erreicht! ...er hoffte inständig, dass das Mädchen menschlich und lebendig war.




    (Tut mir sorry, hab einfach den Überblick verloren wer wo steht und ich hätte schwören können, du seist bei Inoue (zumindest einer der Beiden) in der Nähe. Kommt nicht wieder vor v.v")
     
  13. Iwamoto Yuto

    Iwamoto Yuto Chuunin

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    Als Yuto die scheinbar undurchdringbare, alles an Licht verschluckende Dunkelheit verließ, schien er in einem nahezu unbedrohlichen Raum gelandet zu sein - einem gewöhnlichen Kinderzimmer. Durch die teilweise ramponierten Fensterläden und dadurch entstandenen Schlitze und Lücken im Holz, konnte man genügend in diesem Zimmer erkennen, wie gesagt jedoch, gab es nicht wirklich etwas besonders. Zumindest nicht auf den ersten Blick, bei dem man Vorhänge, ein Bett, Spielzeug und Regale erkennen konnte. So ziemlich das übliche in einem Kinderzimmer eben. Auf den zweiten Blick jedoch, der durch eine leise Stimme die seinen Namen flüsterte, ausgelöst wurde, erkannte er ein ihm bekanntes Gesicht hinter einem der Vorhänge. Lustigerweise fiel ihm im selben Moment auch auf, dass der Raum scheinbar mit Fallen gespickt war, denn als ein Blitz durch die Wolken fuhr, wurde der Raum für einige Momente spärlich beleuchtet und lies die im Raum gespannten Drähte gefährlich aufblitzen. Dass er es überhaupt unbeschadet in den Raum hineingeschafft hatte kam ihm für diesen einen Moment geradezu erstaunlich vor.
    Die erste Reaktion unseres Rotschopfes war nun verständlicherweise zunächst reine Überraschung und Unsicherheit. Die Frage, was genau hier denn nun eigentlich vor sich ging, dirigierte seine unbeholfenen Bewegungen. Zu seinen Taschen glitten seine Finger, langsam und gleichmäßig, wie ein Tropfen Wasser der an einer Oberfläche hinabglitt und all dies nur um schlussendlich erschrocken mit seiner Hand zurückzuzucken als ob er auf eine heiße Herdplatte gefasst hätte. Der Vergleich an dieser Stelle war sicherlich nicht unangebracht, immerhin war der Auslöser für solche Aktionen und Reaktion - wie immer - Junko. Ohne ein kühles Stück Metall in der Hand stand er also da, ungewappnet, jedoch mit der Gewissheit noch ein solches im Ärmel versteckt zu haben. Doch auch hier konnte man nur wieder auf Junko verweisen, denn wenn schließlich etwas hätte geschehen sollen, so wäre dies längst geschehen und ein wappnen einige Minuten zu spät.
    Die zweite Reaktion galt natürlich ganz seiner Umgebung. Als nicht außergewöhnlich wurde diese bereits abgestempelt, gar als scheinbar gefahrlos, doch was war in diesem seltsamen Haus nicht gefährlich? Eine eindeutige Gefahr zumindest waren die Drähte die ein Jemand fast im ganzen Raum gespannt hatte, scheinbar aber nicht großartig mit Explosionssiegeln gespickt waren, zumindest nicht offensichtlich. Die Bewegung des Rotschopfes würden sie jedenfalls mit Sicherheit einschränken, doch ebenfalls würden sie eine gewisse Distanz zwischen ihm und der Gestalt hinter dem Vorhang ermöglichen.

    Um genau jene Person ging es schlussendlich bei Reaktion Nummer drei, eine Portion Emotionen mochte natürlich auch noch mit dabei sein. Vom Aussehen her deutete alles auf Junko hin, die Statur, die weißen Haare, die Größe... alles eindeutig. Doch einige Dinge schienen hier definitiv aus der Reihe zu tanzen, denn Junko wirkte nach außen hin schwach. Schweiß, eine Blässe die selbst die "gesunde" Blässe von Yuto übertraf, sowie die seltsamen ungelenkigen Bewegungen und glasigen Augen. Beinahe hätte man denken können, dass sich lediglich eine Junko-Puppe hinter dem Vorhang verstecken würde, doch diesen Gedanken wollte unser Rotschopf gar nicht erst fassen was ihm nach den jüngsten Ereignissen natürlich nicht zu verübeln war. Nach wie vor jedoch stand die Frage, was hier vorging, zwischen ihnen. Jegliche Logik schien er aus seinem Kopf zu verbannen, als er folgende Frage mit unsicheren Worten zwischen seinen Lippen hervor presste. "Junko? Bist du es... wirklich? Ist... alles in Ordnung mit dir?"
    Auch wenn er eigentlich nicht annehmen wollte, dass sich etwas anderes als Junko hinter diesem Vorhang versteckte, so konnte er doch nicht ausschließen das dieser Jemand ziemlich verwirrt war und in einem schlechten Zustand zu sein schien. Einen Schritt in Richtung dieser Person jedoch wollte er nicht wagen, zumindest noch nicht, auch dann nicht, wenn es tatsächlich Junko war. Im jetzigen Moment gab es einfach einige suspekte Punkte, die selbst Yutos Naivität nicht hinwegfegen konnten und eben jene hinderten ihn daran sich ihr zu nähern. Seine altbekannte Neugierde hingegen stellte sich zwischen ihn und den Ausgang.

     
  14. Mameha Junko

    Mameha Junko Guest

    Aus wie vielen Szenarien kann man hier schöpfen? Yuto hatte so viele Möglichkeiten, was die derzeitige Situation anging: Er hätte schreien und weglaufen können, seine Freundin in den Arm nehmen, ihr Schimpfworte und Tiernamen um die Ohren werfen … all dies wäre innerhalb normaler Reaktionszeit möglich gewesen. Es wäre noch nicht einmal verwunderlich, hätte er die bizarre Situation genutzt, um sich ein wenig zu rächen und sich endgültig der Konoha-Chuunin zu entledigen. Mehr als einmal war sie ihm nun mehr oder weniger sprichwörtlich in den Rücken gefallen und es war eine Tendenz zur Wiederholung vorhanden. Was also hielt Yuto um Himmels Willen davon ab, jetzt einfach die Konsequenz zu ziehen und den Moment der Verwirrtheit seitens Junko zu nutzen, um ihre Verrätereien ein für allemal zu beenden?
    Tatsächlich war die Kunoichi in der Lage, das Stimmengewirr in ihrem Kopf für einen Moment auszublenden, um sich dieser Tatsache gewahr zu werden. Sie war ohnehin schon verwirrt – es sei an dieser Stelle verraten, dass der alte Notar der Stadt sich in ihre Hirnwindungen eingeschlichen hatte, aber im Gegensatz zu Rei bei Inoue sich außerstande sah, irgend jemanden oder irgend etwas zu besetzen. Das war nur möglich, wenn eine Sensibilität für etwaige geisterhafte Phänomene bestand, wie zum Beispiel bei der armen Yuudari. Schon zu Lebzeiten war der Notar ein sehr pragmatischer, aber geduldiger Mensch gewesen. Er hatte ein Ziel und er hatte Zeit. Dass er seinen Namen schon längst vergessen hatte, war in diesem Moment nicht relevant. Es war auch nicht wichtig, dass die alte Schneiderin gerade wie eine Irre handelte. Alles, was er wollte, war in Ruhe gelassen zu werden, und diese Kinder hier waren entschieden zuviel für sein ohnehin schon strapaziertes Nervenkostüm, weswegen er sie zwar langsam, aber bestimmt dieses Ortes verweisen wollte, sei es nun auf die eine oder andere Weise. Er hätte sich nicht träumen lassen, durch Verwechslung einen ohnehin schon verwirrten Geist so gut beeinflussen zu können. Zunächst hatte es ihn erfreut, jetzt ermüdete ihn die gesamte Diskussion mit diesem störrischen Mädchen. Wie lästig war das denn? Er selbst war eher für Gemütlichkeit, und dieses Mädchen hier schien sich ihr eigenes Leben wirklich selbst schwer zu machen. Warum ging sie eigentlich den komplizierten Weg? Rätsel, die der Notar gar nicht erst beantwortet haben wollte – er wollte sie einfach nur wieder funktionstüchtig haben, wie eine Marionette.
    Ich weiß, das hier ist alles furchtbar verwirrend, aber könnten wir die Sache aussortieren, wenn wir die akute Gefahr beseitigt haben? Wie zum Beispiel diesen Kiri-Nin da drüben?
    Der ist gerade SO niedlich. Schau nur, wie er sich um uns sorgt.
    Es ist dir unmöglich, einfach beim Thema zu bleiben, oder?
    Junko hob mit einem gehetzt wirkenden Blick den Kopf. Das war Itoes Stimme, welche in ihrem Kopf eigentlich nichts zu suchen hatte. Das war neu, definitiv.
    Die Situation ist vollkommen klar. Hier ist ein Feind, und wir sollten ihn vernichten.
    Hiroshi?
    Und Itoe einfach liegenlassen, was? Du bist das LETZTE! Kaori. Wer sonst. Das wurde ja immer besser.
    In Schuldgefühlen wälzen hilft niemandem weiter. Zusammenreißen, sage ich, und zwar schnell! Du bist keine Chuunin, um dich gehen zu lassen.
    Genau! Schande über dich, Schande über deine Kuh und Schande über …
    Schnauze.
    Sensei-sama so charmant wie eh’ und je. Die Angelegenheit wurde langsam außerordentlich bizarr und Junko sah sich außerstande, auch nur irgendeiner dieser Stimmen angemessen zu lauschen, zumal diese auch gerade anfingen, sich lautstark zu streiten. Kampf oder Flucht? Kampf oder Flucht? Kampf oder Flucht? Junko wählte immer Kampf, aber dieses Mal sah sie sich vollkommen außerstande, dieser halben Armee von niederträchtigen Persönlichkeiten, die eigentlich nur einen Teil ihrer Gedankenwelt wiederspiegelten, standzuhalten. Es fühlte sich an, als lege man ihr tonnenweise Gewicht auf die Schultern, welches sie langsam aber stetig herunterzog. Das Gewicht bestand hier aus vielerlei: Zweifel, Zuneigung, Schuld, Angst, Sturheit, Trauer, Frustration. Wieviel Druck konnte ein Mensch ertragen? Junko wollte es nicht wissen und wählte Option drei: Erstarren.
    Somit durfte Yuto beobachten, dass die Chuunin seine Worte und seine Besorgnis offenbar nur am Rande wahrnahm und sich an der Wand einfach herabgleiten ließ, auf den Boden setzte und die Knie an sich zog, vollkommen passiv, als ginge sie die gesamte Situation oder gar die Fallenlage in diesem Raum so gar nichts an. Schade, dass der innere Konflikt äußerlich nicht zu sehen war, was?


    A/N Schlechtester Post ever plus schwere Geburt. Sorry Jungs und Mädels.
     
  15. Kaishira Asuka

    Kaishira Asuka New Member

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    „SHIRO!!!!!!!!“, knallte es laut in Asukas Kopf und sie griff das Kunai in ihrer Tasche fester. „Wenn ich ihn einfach umbringe...“, war ihr erster Gedankengang darauf, gut das man es ihrem Gesicht wirklich nicht ansah. Es musste dennoch schnell eine Antwort her, bevor es Verdächtig wurde. Ein Haufen Lügen sammelten sich in ihrem Kopf. Ihr Blick huschte dabei eilig durch die Finsternis bis sie endlich eine Idee hatte... nicht die beste... Abrupt sackte sie auf den Stufen der Kellertreppe zusammen und hielt sich den Kopf. „Wer...wer bin ich?“ Ihr ausdrucksloser Blick sah dabei fest nach unten, ihr Gesicht musste nicht auch noch die fehlende Panik in ihrer Stimme betonen. Sie begann darauf direkt mit monotonem Schluchzen und wühlte sich durch die Haare. „Ich... ich weiß es nicht mehr...“ Warum hatte diesem Mädchen eigentlich noch niemand gesagt das sie keine Emotionen vorspielen konnte? Nicht einmal ein wenig Verzweiflung. Es war nur zu hoffen das der Junge vor ihr noch dümmer war. Oder die Finsternis reichte um ihr schlechtes Theater zu verbergen. Innerlich rechnete sie sich schon aus was passieren würde, Schritt für Schritt. Noch war es aber nicht zu spät für eine neue Idee! Doch war es, Asuka hatte begonnen sich auf zu richten, zu taumeln, nach Kei zu greifen und nach hinten die Treppe herab zu fallen. Gleichzeitig hatte sie bereits im Dunkeln einige Siegel geformt und ihre freie Hand an die Wand gelegt. Die Wand bebte kurz während Asuka ihr Gleichgewicht zu verlieren schien und den Shirogakure Ninja mit sich die Treppe herunter riss um so der einstürzenden Wand zu entgehen. Mit einem lauten Krachen, welches ihr eigenes Schreien fast übertönte, füllte sich die Treppe mit Staub und Steinen, als Asuka nur knapp neben ihrem Feuerzeug auf den feuchten Kellerboden schlug und ihr neuer Begleiter wohl irgendwo daneben.Der Plan war übrigens das einstürzende Haus dafür zu nutzen um von ihrem schlechten Schauspiel ab zu lenken, außerdem hatte Asuka nichts dagegen das Haus etwas zu zerstören! Oder? „Was war das?!“, hustete sie voller Baustaub im Mund. Toller Plan, Asuka verpasste sich innerlich eine. Vermutlich war das ganze Haus daran schuld das ihr Kopf nicht mehr richtig funktionierte, irgendwo musste Sand zwischen die Zahnräder gekommen sein, denn sie hörte nun auch noch singende Kinderstimmen. War vielleicht auch Staub in ihren Kopf gekommen und vernebelte ihre Gedanken so wie gerade ihre sowieso schon eingeschränkte Sicht? „Lalala“, schallte es in ätzend hoher Tonlage durch ihren Kopf. Ohne überhaupt auf zu stehen griff sie nach ihrem Feuerzeug und zündete sich erneut eine Kippe an, die vorige hatte beim Fall dran glauben müssen und sie brauchte alle Ruhe die sie haben konnte um allein ihre eigenen Gedanken zu verstehen, wobei sie doch eigentlich den nächsten Schritt gegenüber dem Shiro-Nin planen musste. Bei dem versuch sich zurück zu erinnern an ihre Taten schien es ihr mittlerweile fast so als ob sie diese nicht selbst begangen hatte... bis auf den Fall von der Treppe... als wäre sie ihrem eigenen Mordversuch gerade so entkommen. „Lalala“ RUHE! Den Zigaretten Rauch durch den Staub blasend lag sie weiter da und grübelte, ihren Blick irgendwie in Richtung Decke, oder zumindest da wo sie eine Decke vermutete hinter den Schatten und den Wolken. „Dreck...“, bemerkte sie und hustete eine große Portion eben diesem heraus. Fast beiläufig fragte sie zum zweiten mal ihren Begleiter nach dessen Befinden: „Immer noch alles in Ordnung?“ Alles in Ordnung huh? Gerade eben war der einzige Weg zurück aus dem Keller verschüttet worden, weniger in Ordnung konnte es wohl kaum sein, mit etwas Pech würden sie als nächstes hier unten ersticken... Ein Ausgang musste also her und Asuka wusste schon wie man diesen finden konnte, nur musste erst der ganze aufgewirbelte Staub weg oder sie weg vom Staub. Langsam mit leichten schmerzen richtete sie sich endlich auf, klopfte noch etwas Dreck von ihrer Jacke und Hose und hielt ihr Feuerzeug vor sich um wenigstens etwas zu sehen. „Jetzt weiß ich es übrigens wieder... ich bin Kaishira Asuka, aus Iwagakure“, teilte sie kurz darauf Kei mit und streckte zeitgleich ihre Hand zu ihm herab. „Aber ich schlage vor wir arbeiten zusammen, um hier raus zu kommen“, fügte sie noch monoton hinzu. Dass sie es war die die Treppe zum Einsturz gebracht hatte musste sie nicht extra erwähnen, zumindest nicht solange sie zusammen arbeiten wollten. „Sehen wir uns am besten nach einem zweiten Ausgang um.“ „Lalalaaaa“
     
  16. Misumi Kimihiro

    Misumi Kimihiro New Member

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    *Na los... macht schon... steht nicht bloß herum!*
    Zunehmend nervös beobachtete Rei das Schauspiel durch einen Schlitz im Boden unter sich. Mit Leichtigkeit hielt sie währenddessen den Nebel aufrecht, der das Kinderzimmer umwaberte, doch wozu? Damit niemand kam, der verhindern konnte, dass absolut gar nichts passierte? Statt sich um den Hals zu fallen, einen Streit vom Zaun zu brechern oder sich an die Kehle zu springen, standen die beiden Shinobi sich einfach nur gegenüber. So viel Potenzial knisterte zwischen dem Jungen und dem Mädchen, doch beide waren zu perplex, um auch nur einen Finger zu rühren. Yuto war ganz offenbar verblüfft, das Mädel überhaupt zu sehen, und Junko... Rei brauchte nicht einmal einen zweiten Blick auf sie zu werfen um erkennen zu können, dass sich bereits ein anderer Geist an ihr verging. An sich eine gute Sache, würde in Junko nicht die langweiligste Socke des ganzen Anwesens stecken: Der Notar, ein griesgrämiger, alter Greis ohne die Ambition, mit den Eindringlingen Schabernack zu treiben.
    *Und sowas schimpft sich Poltergeist!*
    Hätte sie dadurch nicht ihre Position verraten, würde der Finger der Yuudari schon längst ungeduldig auf das morsche Holz klopfen. Dort unten, direkt vor Reis Augen, tat sich nichts. Das musste sch ändern, und zwar schnell! Jede Minute, die sie den Nebel draußen länger aufrecht erhielt, sickerte mehr Chakra aus dem Körper der Yuudari, und mit dieser Energie löste sich auch das Band zwischen dem Gör und der Geisterwelt. Ausgepumpt wäre sie zwar eine hübsche Hülle, dafür aber leider auch ohnmächtig - und was nutzte ein fähiger Körper ohne Bewusstsein? Er gab ein stimmiges Stück Deko für die alte Villa ab, mehr jedoch nicht.
    *Es muss etwas passieren, und zwar schnell! Ein weiterer Blick in die Hölle? Nein, das Mädchen ist so schon zu verwirrt, und der Notar würde die Illusion als Außenstehender sowieso erkennen. Der Junge dagegen... auch nicht, die Gefahr wäre zu groß. Der Geist hat ihn schon misstrauisch gemacht. Nebeldiener? Genau dasselbe... verflucht! Zu was ist dieser Körper eigentlich in der Lage?!*
    Abrupt stand Rei auf und verließ ihren Posten. Ihr Ziel: Ein Raum zwei Türen weiter, durch den sie über eine klapprige Leiter einen Stock tiefer gelangen können würde. Auch wenn Rei noch nicht genau wusste, was sie zu tun hatte, es war klar, dass sie nicht länger einfach nur auf den richtigen Moment lauern durfte, sondern die Zügel in die Hand nehmen musste!

    Während sich die Schneiderin einige Augenblicke später durch den schwarzen Nebel kämpfte - ihre eigene Kreation - war sie im Gegensatz zu vorher erneut dankbar für das kleine Opfer der echten Blondine. Die seltsamen Augen des Mädchens wirkten bei der Illusion wahre Wunder. Das allein brachte sie zwar einer Lösung des eigentlichen Problems nicht näher, doch machte es eines erneut klar: Der Frage Antwort lag in den Fähigkeiten der Yuudari, ganz bestimmt.
    Auf dem Weg ins Kinderzimmer passierte die falsche Inoue erneut ihr eigenes Zimmer, das nun alleine vor ihr lag. Beim Anblick der im Schatten stehenden, kopflosen Schneiderpuppe kam Rei plötzlich eine Idee...

    Eine Minute später...
    Schwere Schritte klopften durch den Gang, der Kinder- und Schneiderzimmer miteinander verband, begleitet von geisterhaftem Rascheln. Verwaschene Schatten huschten durch das Anwesen, die Geräusche ihrer Bewegungen durchdrangen das faulige Holz wie das Flüstern der Seelen aus dem Jenseits.
    Das seltsame Zusammenspiel aus Klopfen und Rascheln schlich durch den Gang, bis zur Tür des Kinderzimmers. Ein Moment der Stille, dann ein weiterer, und noch einer...
    "Jetzt!"
    Die Stimme der Yuudari schlug in der Stille ein wie einer Blitze vor den Fenstern des Hauses. Wie auf Kommando stürzte mit einem Mal ein halbes Dutzend lebendiger Kleider ins Zimmer, angeführt von einer wandelnden Schneiderpuppe ohne Kopf, deren Arme in grotesken Winkeln von dem künstlichen Körper abstanden. Durch die "Niedrige Geisterverschließung - Gegenstand" mit einigen Geistern des Hauses beseelt schwebten die sauber gearbeiteten Kleidungsstücke geisterhaft durch die Luft, während die Puppe mit kräftigen Schritten auf dem Boden verblieb. Unabhängig davon jedoch stürzten sich die beseelten Objekte gemeinsam auf die Kunoichi und den Rotschopf - leere Ärmel verzehrten sich danach, sich um den blanken Hals eines Lebewesens wickeln zu dürfen, und plumpe Fäuste wedelten durch die Luft, stets auf der Suche nach dem weichen Fleisch der Eindringlinge. Durch das Geraschel und Geklopfe hörte man deutlich das Kichern einer kleinen Blondine hindurch, die neben der Türe an der Wand lehnte und auf eine gehörige Portion Trubel wartete - dafür zumindest sollten die schwebenden Ball- und Sommerkleider samt Zombiemarionette doch gut sein, oder nicht?
     
  17. Iwamoto Yuto

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    Nun, man könnte sagen, dass Yuto wirklich mit allem gerechnet hätte, egal ob ein spitzer Kommentar, eine schnittige Windkugel, einen gewiss noch höheren Metallanteil in der Luft oder sogar einfach nur eine Bewegung. Doch nichts von all dem geschah und er wurde von Junko anscheinend mit seinen Gedanken alleine gelassen. Wie dem auch sei, es schien tatsächlich so als ob Yuto - regelrecht passiv - auf eine Reaktion von Junko warten würde. Sein Atem flach, kaum wahrnehmbar und seine Bewegungen waren ebenso erstarrt. Poetisch gesehen konnte man wohl sagen, dass sich hier gerade zwei Eissäulen gegenüberstanden, die sich ähnlich waren und doch von Grund auf verschieden, etwa wie zwei Blätter an einem Baum im Herbst. Welches würde zuerst fallen?
    Fallen schien lustigerweise sogar das Schlagwort in diesen Sekunden zu sein, denn während Yuto noch erstarrt an seinem Platz zwischen den gefährlich glänzenden Drähten stand, schien Junko plötzlich an der Wand, die sie im Rücken hatte, hinabzugleiten. Langsam. Stilvoll. Wie ein Blatt im Herbst das sachte von einem Baum herabfiel. Während nun wohl jeglicher "feindliche" Shinobi dies nicht nur als einen Akt der Schwäche, sondern auch als eine Chance auf einen sicheren Sieg ansehen würde, so empfand Yuto dies zwar sicherlich auch als ersteres doch das zweite blieb völlig aus. An der Stelle der Chance hingegen machte sich Besorgnis unter den roten Haaren breit, denn wann zeigte Junko schon einmal viel von ihren Gefühlen oder auch nur einen kleinen Anteil an Schwäche? So gut wie nie, denn scheinbar war ihr Ziel ja immer die Oberhand zu behalten. Wie wohl jeder wusste, kümmerte dies Yuto überhaupt nicht, besonders dann nicht, wenn sie scheinbar zusammenklappte und er sich auf dem Weg zu ihr durch die Drähte wandt. An dieser Stelle sollte man vielleicht noch erwähnen, dass Junko wirklich gute Arbeit geleistet hatte; hoffentlich jedoch waren diese Drähte das einzige an Fallen in diesem Raum, denn sie waren das einzige das man deutlich erkennen konnte.
    Als er endlich an Junkos Seite angekommen war, blieb ihm für einen kurzen Augenblick die Luft weg. Was er sah, hatte ihm einen leichten Schlag in die Magengrube verpasst, denn mittlerweile lehnte sie nicht mehr nur noch an der Wand, sondern hatte sogar die Knie an sich gezogen. Ein noch deutlicheres Zeichen dafür, das hier etwas - oder eben direkt mir ihr - ganz und gar nicht stimmte. Selbst wenn es tatsächlich Junko war, die dort vor ihm an der Wand lehnte, so konnte es doch nicht Junko sein. Nicht die die er kannte und doch die, die er kennen gelernt hatte? Der Part seines Hirns der versuchte logisch zu denken und von einem kleinen Puzzlestück auf ein anderes zu schließen, wurde daraufhin kurzerhand verdrängt um Platz für den Teil seines Hirns zu machen, der darüber nachdachte was er machen könnte.
    Was nun jedoch folgte, war eine typische Yuto-Aktion, die durch den Zustand von Junko ausgelöst wurde, denn diese war blass, schien zu schwitzen und rührte sich kaum. Die angezogenen Beine außerdem konnten bedeuten, dass sie frierte. Sein erster Gedanke daraufhin war, dass sie vielleicht Fieber bekommen haben könnte, was bei diesem Wetter nun bestimmt nicht auszuschließen war. Eine kurze, behutsame Bewegung in Richtung Stirn später, auf der seine Hand dann für eine Weile verweilte, wurde die Möglichkeit Fieber jedoch ausgeschlossen. Dass sie womöglich fror stand jedoch noch immer im Raum, da sie auch auf weitere Worte die an sie gerichtet waren, scheinbar nicht reagierte, griff seine Hand zum Vorhang hinter ihr. Ein kurzer Ruck, ein leises Klacken und schon hatte man für eine Art Decke gesorgt, die er ihr auch gleich umlegte. Nachdem seine Hand dann auch noch etwas in seiner Jackentasche gefischt hatte, kam auch noch eine unbenutzte Flasche, die mit grünem Tee gefüllt war, zum Vorschein. Diese wurde jedoch nicht einfach neben sie gestellt, sondern ihr in die Hand gedrückt, was etwa gleichbedeutend mit "Trink etwas" war.
    Das Problem nun an der Situation war, dass wirklich nichts von Seiten Junko aus passierte. Keine große Regung, keine Worte, kein gar nichts. Es verwirrte Yuto sichtlich, denn er konnte mit der Situation nicht viel anfangen. Das verwirrenste an der ganzen Sache war jedoch wohl das er Junko so nicht kannte und daher auch nicht wirklich wusste was er tun sollte oder eben konnte. Alles was das Kinderzimmer momentan mit Leben zu füllen schien, war ihr leiser Atem und schwere Schritte die sich dem Kinderzimmer näherten. Moment. Schritte? Etwa Itoe, die sich wieder aufgerappelt hatte und nun ihrer Freundin etwas auf den Zahn fühlen wollte? Was dann jedoch durch die Tür ins Zimmer gestürmt kam war keinesfalls menschlicher Natur, sondern bestand aus Stoff. Vielleicht war auch etwas mit 100% Baumwolle dabei, man wusste es nicht, denn plötzlich wirbelten einige Kleidungsstücke durch den Raum. Wirklich weit kamen diese Dank den Drähten jedoch nicht, sorgten dafür aber, dass Yuto etwas erschrocken und alamiert aufsprang. Dass sich die Wäsche alleine aufgehängt hatte amüsierte unseren Rotschopf für einige Sekunden, wesentlich weniger witzig war es dann jedoch, als diese wieder begann zu zappeln. Mehr aus Reflex, als durch Schlussfolgerungen, bündelte Yuto daraufhin etwas Chakra und spuckte daraufhin eine gut fünf Meter breite Windkugel in Richtung der Wäschestücke. Das Renkugan musste wohl genug für sie sein und auch die kopflose und seltsam verdrehte Kleiderpuppe, die er erst nach der Windkugel bemerkte, bewegte sich durch jene eher wieder aus dem Raum hinaus, als zu Junko und Yuto hin.
    Jedoch... die Dinge schwebten eher als das sie sich mit schweren Schritten fortbewegt hatten. Steckte da etwa jemand dahinter, der sich bis jetzt nicht wirklich bemerkbar gemacht hatte? Nun, außer einem seltsam Lachen, welches man hinter den Wäschestücken ausmachen konnte und ganz bestimmt einen Körper hatte, sollte wohl nichts für diesen Spuk verantwortlich sein. Oder etwa doch?
     
  18. Kajiya Kei

    Kajiya Kei Guest

    Es herrschte Stille, nachdem er sich vorgestellt hatte. Mit jeder Sekunde die verstrich, wurde Kei nervöser, während das Mädchen keine Anstalten machte sich irgendwie zu regen. Plötzlich jedoch sackte sie zusammen und für einen Moment dachte der Shiro-nin sie sei ohnmächtig geworden und wollte nach vorne stürzen, um sie vor dem Fall in die Tiefe zu bewahren. Jedoch erhob sie fast im gleichen Moment die Stimme, sie klang apathisch, beinahe sogar absolut geistesabwesend. Was sie sagte, war ebenso wenig gut, wie die fehlenden Emotionen in ihrer Stimme. Es klang unheimlich. Jeder normale Mensch würde in solch einer Situation anders reagieren, aber kurz zuvor sie auch so geklungen... war das für dieses Mädchen einfach normal? Nein, jeder würde panisch werden, wenn man die eigene Identität verliert und nicht emotionslos auf den Boden klatschen und diesen anstarren. Etwas stimmte hier nicht und er würde das Einzige tun, was er in diesem Moment tun konnte: vorsichtig bleiben.
    Leichter gesagt als getan, wie er allerdings feststellen sollte, denn taumelnd erhob sich die junge Dame vor ihm wieder, womit seine Angst um einen möglichen Sturz wiedergekehrt war. Plötzlich griff sie nach ihm, während sie gleichzeitig den Halt verlor. Allerdings konnte auch Kei, aufgrund der plötzlichen Bewegung nicht schnell genug reagieren und so verlor auch er sein Gleichgewicht. Dass die Wand neben ihm zusammen brach, nahm er nur beiläufig wahr. Alles lief merkwürdig verzerrt vor seinen Augen ab, während seine Gedanken unnatürlich klar waren. Warum konnte ich eigentlich nicht reagieren, oder sie festhalten? Seltsam. Eigentlich hätte beides drin sein müssen, oder zumindest eins von beidem. Aber ich habe mich einfach packen und mitziehen lassen, so schlecht meine Reflexe doch sonst nicht? Erst als er gemeinsam mit dem Mädchen dumpf auf dem Boden aufschlug, wurde die Welt wieder normal. Erst jetzt fiel ihm auf, dass seine Hand krampfhaft das erloschene Feuerzeug festhielt und ebenfalls nahm er erst jetzt wahr, dass ihm die Gute wohl das Leben gerettet hatte. Die ganze Luft war von Staub erfüllt und sämtliche Lichtquellen verschwunden. Kei lag einfach nur da und war noch immer leicht paralysiert. Zwar spürte er, dass ihm nichts fehlte, allerdings schmerzte sein ganzer Körper von dem Aufprall und Steinen, die er abbekommen hatte. Nichts Ernsthaftes, aber störend. Allerdings war er sich ziemlich sicher, dass seine Klamotten reif für die Wäsche- , oder sogar den Müll waren. Auf die Frage des Mädchens antwortete er nicht, ganz einfach weil er keine Antwort wusste und stattdessen lieber seine Gehirnwindungen wieder in die richtige Position brachte.
    Erst als er plötzlich ein Licht sah, wurde ihm seine Umwelt wieder ein Stück bewusster. Natürlich, die Kleine hatte sich eine neue Kippe angesteckt. Nun reagierte er auch endlich wieder auf ihr Gesagtes. “Ja... abgesehen davon, dass ich fast zermatscht worden wäre. Dir scheints ja auch noch gut zu gehen, wenn du da so ruhig rauchen kannst.“ Ouh, das hatte vielleicht patziger geklungen als gewollt. Aber irgendwie war es doch seltsam, dass die Wand aus heiterem Himmel eingestürzt war. Blieb nur zu hoffen, dass dies die Stabilität des Hauses nicht beeinflusste, ansonsten würde bald gar nichts mehr in Ordnung sein. Durch das Licht des Mädchens, konnte er wieder ein wenig sehen und so hörte er nicht nur, wie sie sich vorstellte, sondern sah auch die Hand, die ihm entgegen gestreckt wurde. Dankbar nahm er sie an und stand mit etwas Hilfe wieder auf den Beinen. Sein Schädel brummte und ihm war schwindelig, aber das „Iwagakure“ hatte er mitbekommen. Dennoch, hier jetzt zu kämpfen wäre sinnlos und er war auch nicht in bester Verfassung, also wäre ein Waffenstillstand tatsächlich angebracht.
    Auch er zündete nun sein Feuerzeug wieder an und was er sah gefiel ihm gar nicht. Die Treppe über ihnen war komplett versperrt, also bleib ihnen nur der Weg durch den Keller, wo auch immer sie dieser hinführen mochte. Nun gut, was hatten sie schon für eine Wahl? Noch ein wenig wackelig auf den Beinen tat er die ersten Schritte, bis er sich wieder vollständig von seinem Sturz erholt hatte. Dann schritt er rasch vorwärts, ohne dabei auf die unheimliche Dunkelheit um sie herum zu achten. Überhaupt, Keller waren unheimlich, muffig, dunkel und feucht. Wenn er sich so umsah und einen tiefen Atemzug tat, war das hier wohl wirklich der Inbegriff für diese Ansichten. Es stank hier wirklich abartig nach feuchter, abgestandener Luft. Aber was sollten sie dagegen schon tun? Ein Fenster aufmachen? Noch dazu war es unangenehm kalt, kälter noch, als es draußen gewesen war. Auf einmal musste er wieder an Itoe und Junko denken, welche ja immer noch verschwunden waren. Er dachte an das, was bisher geschehen war und es fröstelte ihn. Diese merkwürdigen Figuren, dieses Wasserbecken, dieser Henker... dads alles machte ihn nachdenklich. Das war eigentlich viel zu sehr Klischee, das konnte unmöglich die Wirklichkeit sein. Immerhin war das mehr ein Filmset, als alles andere. Ja! Das war die Lösung! Der Vorbesitzer hatte dieses Haus als Horrorhaus oder so verwendet und damit Geld verdient! Ha! War er genial oder was?
    Über all diese Gedanken vergaß er total, dass er nicht allein war und lachte laut auf. Als ihm dies bewusst wurde, blickte er Asuka beinahe schon überrascht an. Frei nach dem Motto „Hey... was machst du denn noch hier?“. Eigentlich konnte er gar nicht darüber reden, was er gerade herausgefunden hatte, immerhin war sie von der gegnerischen Fraktion aber... was machte überhaupt ein Iwa-nin hier? Höchste Zeit zu fragen. “Sag mal, wieso bist du eigentlich hier? Oder sollte ich sagen ihr? Ich glaube nämlich nicht, dass du alleine hier bist, nur um dir die schöne Inneneinrichtung anzusehen.“ Die Ironie war offensichtlich, dieses Haus und seine Einrichtung waren hässlich und unheimlich. Beeindruckend zwar, aber definitiv nicht wünschenswert. Wieder einmal fragte sich der Kajiya, was für ein komischer Vogel ihr Auftraggeber sein musste, dass er sich ein solches Haus zum Objekt seiner Begiede gemacht hatte. Aber was noch komischer war, war diese Kunoichi aus Iwa, oder besser gesagt die Tatsache, dass sie hier war. Ihre Antwort würde also vermutlich auch dementsprechend interessant ausfallen.
     
  19. Mameha Junko

    Mameha Junko Guest

    Fühlte sich so Wahnsinn an? Diese Frage musste sich Junko stellen, als die Furcht vor dem eigenen geistigen Verfall sich wie eine nackte, kalte Hand um ihren Hals schloss und drohte, ihr die Kehle abzuschnüren, während sie in einem wahren Meer von Stimmen zu versinken drohte. Wo kam das alles her? Offenbar hatte sie so häufig ihre Gefühle unterdrückt, dass diese explosionsartig hervorschossen und auch noch die Gestalt von Stimmen und Gestalten aus ihrer Vergangenheit annahmen. Eigentlich hätte sie es kommen sehen müssen, doch jetzt war es zu spät.
    Das ganze Durcheinander war so überwältigend, dass die Kunoichi ihre Umwelt nur noch wie durch einen fahlen Nebelschleier wahrnahm, als hätte irgend jemand die Welt noch einmal zusätzlich ausgepolstert und sie in sich selbst eingemauert. Sie spürte eine warme Hand auf ihrer Stirn, Gewicht auf ihren Schultern und wie ihr irgend etwas in die Hand gedrückt wurde. Sie spürte auch, wie sie ihre Augen schloss, um die Umwelt noch weiter auszusperren, um sich nicht mehr um die in Nebelschwaden gehüllten Eindrücke kümmern zu müssen, während sie sich zugleich gegen die chaotischen Verhältnisse im Inneren wappnete.
    Viel zu laut, viel zu viel.
    Die Flasche mit Tee wurde beiläufig in einer unterbewussten Bewegung abgestellt, während sich Junko immer weiter von der Außenwelt abkoppelte, bis sie nichts mehr wahrnahm. Weder Yuto, noch ihre Fallen, noch das Zimmer, noch die Wärme des Vorhangs – all das war nicht mehr wichtig. Es spielte keine Rolle mehr. Sogar das Gesicht verbarg Junko in den Händen, um sicherzustellen, dass nicht der kleinste Lichtschein zu ihr drang, während sie sich voll und ganz auf die chaotischen Verhältnisse in ihrem Inneren konzentrierte.
    Der Lärm war ohrenbetäubend und lähmend, als würde man seine Gedanken eigenhändig durch eine zähflüssige Teermasse ziehen müssen, während sich ein schmerzliches Gefühl des Erstickens vom Hals aus über den gesamten Brustkorb ausbreitete und diesen zuschnürte.
    Es war so lästig, intelligent zu sein und Ansprüche an sich selbst zu haben. Hatte irgend jemand schon einmal einen dummen Menschen an sich selbst zerbrechen sehen? Nein. Somit war der Kurs sehr deutlich: Sie musste aufhören zu denken und für Stille sorgen, um sich aus Fürst Wahnsinns kalten Klauen zu winden, vor denen sie momentan mehr Angst hatte als je in ihrem Leben zuvor. Konnte sie das? Konnte sie das wirklich und war das die Lösung?
    Was immer die Lösung war, sie wollte wenig nachdenken.
    Das Stimmengewirr hatte noch eine Steigerung in der Lautstärke erfahren. Hiroshi machte ihr nunmehr haltlose Vorwürfe, Sensei schalt sie verbittert, Kaori schrie sie aus vollem Hals an, Yuto redete beruhigend auf sie ein, Itoe wurde schnippisch – Es war nicht auszuhalten.
    RUHE!
    Und siehe da, die Stimmen verstummten sofort, nebst dem alten Notar, der durch das Chaos und durch den mentalen Donnerhall hin einfach ausgesperrt wurde – nicht, dass er noch ein gesteigertes Interesse hatte, sich hier weiter aufzuhalten, denn ehrlich gesagt hatte er die Geduld und Lust verloren, weil sich diese Vorgehensweise als ineffektiv herausgestellt hatte. Stille, absolute Stille. Sie war nicht greifbar, wie ein längst vergessenes Lied, an dessen Text, aber Melodie man sich vergeblich erinnert.
    Einfach nur Stille.
    War das die Lösung? Nein, der Druck auf der Brust und das schmerzliche Zuschnüren der Kehle war immer noch da, nur dass die Stille jetzt noch zusätzlichen Druck ausübte, als würden sich unsichtbare Ketten um sie legen und langsam festziehen.
    Nun, wo sie in ihrer eigens erschaffenen Dunkelheit und Stille saß, musste sie sich fragen, in einfachen, simplen Sätzen, wie es eigentlich so weit kommen konnte. Was hatte sie so aus der Bahn geworfen, dass sie sich jetzt noch nicht einmal in der Lage sah, zu handeln. Was war es gewesen? Die lebenslustige Mutter? Nein, sie hatte ihr Verantwortung beigebracht. Die sterbenden Kameraden?
    Die bittere Erkenntnis ihrer Zukunft traf sie in diesem Stadium vollkommen unerwartet – wie sah ihre Zukunft denn bitteschön aus? Sie würde irgendwann als eiskalte, emotionslose Assassine eingesetzt werden, hinterhältig, gerissen und kompetent. War das wirklich, was sie wollte? Sie würde mit jedem Tag ein bisschen mehr sterben, je mehr sie zuließ, dass sie sich selbst an andere Menschen band, die dann auch noch die Frechheit besaßen, aus ihrem Leben zu treten. Nicht wahr, Hiroshi?
    Aber wenn man schon Hiroshi die Schuld an ihrem Leiden gab, wo blieb dann Yuto? Der Bursche war tatsächlich eine weitere Quelle ihres Übels, soviel war sicher. Das große Problem an dieser Beziehung war nicht allein die Unmöglichkeit – das hätte Junko ja aufgehalten, wäre da das allgemeine Verhalten des Sora-Nins nicht gewesen. Eigentlich lag das Problem bei ihm. Sie wäre so leicht in der Lage, ihn zu hassen, wenn er es nur endlich übers Herz brächte, ihr nicht immer wieder aufs Neue zu verzeihen.
    Warum konnte Yuto sie nicht ganz einfach wie ein braver Sora-Nin hassen? Unwillkürlich strich sie sich mit den Fingerspitzen über das Gesicht. Was passierte, wenn sie nun kratzte? Das Gesicht, welches Yuto offenkundig aus bisher unbekannten Gründen mochte, wäre dann entstellt – wäre das eine Lösung?
    Es wäre Wahnsinn.
    Und es gab nichts, was sie mehr fürchtete.
    Nicht heute. Mit diesem Gedanken schüttelte Junko alle düsteren Gedanken und Ketten ab. Nicht heute, mein Freund. Eines Tages, aber nicht heute.
    Als sich die Chuunin wieder ihrer Umwelt öffnete, wieder Wahrnehmung zuließ. Tanzende Kleider und Puppen, ein Luftgeschoss und ein rothaariger, ihr bekannter Kiri-Nin. Sie wusste immer noch nicht, warum genau er den Fehler immer wieder machte. Sie wusste auch nicht, wie genau sie zu ihm stehen sollte, verschob aber diesen Gedanken auf später, ehe Fürst Wahnsinn sich erneut die knochigen Hände reiben konnte. Jetzt galt es erst einmal, in diesem albernen Spukhaus den Tag – oder eher die Nacht – zu retten.
    Die Kunoichi erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung, in der auch der Vorhang von ihr herabfiel und zog lautlos ihren Fächer. Yuto hatte sie offenkundig noch nicht bemerkt – kein Wunder, er konzentrierte sich wie immer auf das offensichtliche, während Junko in gewohnter Manier die Umgebung wahrnahm – schwebend, also Genjutsu, Fuuton oder Kekkai. Genjutsu erschien wahrscheinlich, wenn dann Flächengenjutsu. Auflösung wahrscheinlich unmöglich, aber weitere Informationen mussten eingeholt werden.
    Außerdem gab es hier Geister, aber schienen diese gerade in der Lage, ihr zu schaden? Nein, sonst wären sie nicht darauf angewiesen, die Anwesenden hier zu Angriffen zu manipulieren.
    Mit lautlosem Schritt trat Junko hinter den Kiri-Nin heran und tippte einmal mit der Spitze ihres Fächers auf seinen Nacken – eine Erinnerung, dass er doch gefälligst einmal lernen sollte, ihr nicht immer den Rücken zuzudrehen und ihr damit ein ideales Ziel zu bieten.
    Souverän trat sie sodann neben den Sora-Chuunin. Er war hier, also hatte er einen Auftrag, wenn er sie nicht gerade stalkte, was nicht in sein Persönlichkeitsprofil passte. Ergo hatte er hier ein Team, genau wie sie. Junko verschob die Überraschung über diesen Zufall auf später.
    „Das da kann keiner von meinen Leuten. Wie sieht’s mit deinen aus? Vielleicht ist das hier auch nur ein ordinärer Poltergeist.“ Das letzte Wort wurde spöttelnd verwendet. Na Rei? Beleidigt? Junko baute ein wenig darauf.
     
  20. Iwamoto Yuto

    Iwamoto Yuto Chuunin

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    Fraktion:
    Sora
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    Während sich Junko um die Frage kümmerte, ob sie denn nun tatsächlich Wahnsinn verspüren würde, fragte sich unser Rotschopf zur selben Zeit wohl leider immer noch, was genau hier eigentlich los war.
    Es genügte ja schließlich nicht, dass dieses Gebäude hier schon so ziemlich merkwürdig, wenn nicht sogar überaus seltsam war, sondern auch die Ereignisse im Inneren waren definitiv direkt aus dem ein oder anderen Buch mit dem man versuchte kleinen Kindern Angst einzujagen. Dumm nur, dass man diese Geschehnisse nun nicht einfach mit einem kurzen Kopfschütteln verjagen konnte, sondern ein ernsthaftes Problem zu haben schien, wenn man denn tatsächlich versuchte mit Logik etwas zu erreichen. Doch vonwegen Logik? War da nicht etwas? Oh doch, denn mittlerweile versuchte sich der auf Logik versierte Teil seines Gehirns zurückzumelden was nun definitiv kein guter Zeitpunkt war. Der erste Gedanke, nachdem die Luftkugel verschossen wurde, war also, warum zur Hölle diese Dinger durch die Gegend flogen. Drähte konnte man nirgends erkennen, außer natürlich jene die Junko so schön im ganzen Raum gespannt hatte, etwas anderes war aber definitiv nicht zu erkennen. Von Techniken die Dinge so gezielt und koordiniert schweben lassen konnten, hatte er ebenfalls noch nicht gehört, genauso wenig von einem Fuuton Jutsu, welches sich in dieser Weise - und Masse - einsetzen ließ. Zusätzlich war auch kein Luftzug zu spüren, alle Möglichkeiten um diese fliegenden Stoffgestalten zu bändigen, zumindest durch Logik betrachtet, wurden damit ausgeschlossen. Es sollte doch nicht wirklich etwas okkultes dahinterstecken?
    Ein kurzes Knarren hinter ihm ließ ihn jedoch recht schnell wieder aus seinen Gedanken aufschrecken. Eine weitere Person, Einbildung oder etwa doch... Junko? In einer solchen Situation war es für gewöhnlich schlecht weiterhin nur nach vorne zu blicken, aber eben ebenfalls auch sich umzudrehen - die klassische Zwickmühle. Da hinter ihm aber eigentlich nicht mehr als Junko, Staub, Holz und Kinderspielzeug sein konnte und er innerlich darauf vertraute, dass es tatsächlich Junko war, die hinter ihm an der Wand lehnte, entschied er sich dafür den Blick weiterhin nach vorne gerichtet zu halten. Ein klarer Fehler wie ihm leider schlagartig bewusst wurde als er kühles Metall in seinem Nacken fühlen konnte. Für einen Bruchteil eines Moments versetzte ihn dieser Impuls zurück in die Szene im Wald im Feuerreich. Das letzte was er in eben jener Szene spüren konnte war kühles Metall in der Nähe seines Schulterblattes. Sollte die Szene nun etwa schon wieder mit einem bewusstlosen Rotschopf enden? Eine bestimmte blasse Person die ihn mit Blut versorgen würde gab es hier dummerweise auch nicht. Wenn man alles zusammenzählte sah es also recht schlecht für unseren Rotschopf aus, jedoch geschah ausnahmsweise mal etwas gutes.
    Junko trat an seine Seite, scheinbar in ihrer bekannten und wohl auch gefürchteten Verfassung, mit Fächer bewaffnet und scheinbar bereits dazu den Spuk im wahrsten Sinne des Wortes auffliegen zu lassen. Was nur würde passieren, wenn es tatsächlich spukte? Würde da ein scharfer Windstoß helfen? Man würde sehen.
    Während sie also an seine Seite schritt, machte Yuto einen kurzen Schritt zurück, vor einer Frau mit Fächer im Anschlag sollte man schließlich möglichst nicht stehen. Immerhin dies hatte er gelernt, seinen Rücken zu decken, besonders vor ihr jedoch überhaupt nicht. Dazu hatte er eben keinen Grund, denn wenn sie ihn attackieren wollte, dann würde sie dazu wohl oder übel auch einen Weg finden.
    "Nicht das ich wüsste, wenn doch, dann sollte ich mich vor der nächsten Mission wohl besser informieren." Antwortete er ihr schließlich in einem recht nüchternen Tonfall, der seiner Aussage eine gewisse Ernsthaftigkeit verleihen sollte. Wahrscheinlich aber würde dies mal wieder völlig unwirksam sein, für diese Dinge war er einfach nicht geschaffen. "Ich weiß nicht wie du Poltergeist definieren willst, irgendetwas stimmt hier jedenfalls nicht." Bei seiner zweiten Antwort war sein Tonfall immerhin ehrlich, denn er hatte weder eine Ahnung davon was vor sich ging, noch was er genau mit der Situation anfangen sollte.
    Erfreut darüber, dass Junko scheinbar wieder sie selbst war - was er mit einem kurzen Blick über die Schulter bestätigte, immerhin war es ja möglich, dass ihm seine Sinne nun völlig einen Streich spielten -, konnte er nun auch wieder seine Gedanken in eine nötige Ordnung bringen. Doch noch immer schwebte über ihm, drohend im Raum, die Frage der Stunde. Was ist hier los?!
     
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