Der Weg nach Taki no Kuni

Dieses Thema im Forum "Feuerreich" wurde erstellt von Hyuuga Mari, 27. Apr. 2015.

  1. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Die restliche Reise verlief unglücklicherweise ähnlich frostig, wie der Anfang. Ai hatte zwar kein Problem damit Yamato Gesellschaft zu leisten und zu jeder anderen Jahreszeit wäre ihr der Weg recht egal gewesen, aber es war nun einmal Winter und Winter hatte es so an sich arschkalt zu sein. Ein Zustand, dem Ai absolut gar nichts abgewinnen konnte. Da half es auch nicht, dass die Natur versuchte die Laune der Haemasu mit einem dichten in weiß gehüllten Wald zu heben, sie hatte kein Auge dafür. Zu viel Schnee und Kälte. Deswegen leuchteten ihre Augen geradezu, als Yamato ihr mitteilte, dass sie den Abzweig zur Hütte des Mannes, den sie abholen sollten, erreicht hatte. Der Weg sollte also nicht mehr lang sein und Hütte bedeutete meist auch, dass darin ein kleines Feuer prasselte und vielleicht etwas Essbares für die Shinobi heraussprang. Zwar hatte Ai kein Problem von Feldrationen zu leben, aber sie wahr da ganz ehrlich, normales Essen, wie in den Wirtshäusern der letzten Tage oder auch selbst gemachte Hausmannskost, waren um Welten besser.
    Mit steigender Vorfreude folgte die junge Kunoichi also dem Tsukigata den schmalen Pfad entlang. Die Schneeschicht sah noch unberührt aus, was darauf schließen ließ, dass der Weg nicht so oft genutzt wurde. Die Karte von Yamato hatte bestätigt, dass sie richtig waren, also schien der Kerl eher einsiedlerisch zu leben und nicht oft von seinem Haus Abstand zu nehmen. Alleine Im Wald, der Gedanke hatte etwas Entspannendes, aber gleichzeitig wusste Ai, dass sie nicht die richtige Person war, die sich an ein Einsiedler leben gewöhnen konnte. Sie brauchte Trubel und die Stadt war da ihre beste Wahl. Als sie also mit dem Tsukigata auf eine kleine Lichtung trat und eine Hütte vorfand, die gerade einmal groß genug für vielleicht zwei Wohnräume war, schwankte ihre Gefühlswippe zwischen Staunen und der dauerhaft drängenden Abneigung gegen die Kälte. Hier mitten im Wald stand eine kleine Einmannfestung. Verrammelte Fenster, dicke Wände und scheinbar Lebensmittelvorräte, die länger halten sollten. Die Kartoffeln würden den Winter wahrscheinlich überstehen. Während Yamato sich anschickte ihre Anwesenheit mittels Klopfens anzukündigen, griff die Haemasu in den Kartoffelsack und holte eine Knolle hervor. Sie wollte die Kartoffel nicht stehlen, aber es hatte etwas Beruhigendes einen Teil der Erde in der Hand zu haben. Die Früchte der Arbeit, wenn man so wollte. Zwar wusste Ai nicht, ob die Kartoffeln selbst gezogen wurden, aber das änderte nichts an der Sentimentalität, die die Haemasu damit verband. Ein wenig merkwürdig, aber wenn es um Pflanzen ging, konnte man das über jeden im Clan irgendwie sagen. Mit einer einfachen Handbewegung beförderte sie die Knolle wieder in den Sack, gerade als eine Stimme von drinnen erklang. W-wer ist daaa? Die Stimme klang schwach und unsicher, so gar nicht der Typ Mensch, mit dem Ai gut umgehen konnte. … Okay, den Typen musste man wahrscheinlich noch erfinden, aber dennoch, es gab Präferenzen. Und das hier war sicherlich keine. Und auch wenn eigentlich noch nicht einmal ein Blick getauscht worden war, die Tür war ja noch zu, wusste Ai, dass sie den Kerl nicht abkonnte. Die Mission würde also nochmal einen Schwung schlimmer werden, die Kälte plus diesen Typen den gesamten Rückweg ertragen. Doch erst einmal mussten sie sich Einlass verschaffen. Typisch Ai wurde der direkte Weg gewählt, kein herumschwafeln, sondern einfach geradeheraus auf den Punkt. Wir sind zwei Shinobi aus Shirogakure. Mein Name ist Haemasu Ai und mein Begleiter heißt Tsukigata Yamato. Wir wurden von ihrer Schwester beauftragt Sie zu ihrer Hochzeit zu begleiten. Und notfalls würde ich das auch mit Gewalt machen. Wobei K.O. Schlagen wahrscheinlich besser als Plan B aufgehoben wurde. Yamato würde wahrscheinlich eingreifen, wenn Ai jetzt anfing die Tür zu bearbeiten, um sich Einlass zu verschaffen und er würde garantiert etwas tun, wenn sie den Kerl da drinnen fesseln und mit sich schleifen würde. Auf Ais kurze Vorstellung erfolgte eine kurze Pause, die die Haemasu damit verbrachte mit ihrem ungeduldig auf dem Boden zu tippen. Weiterhin herrschte Stille im Haus, dass der Bewohner nicht gut schleichen konnte, hatte er den Genin schon vor dem Gespräch bewiesen, also musste er sich noch hinter der Tür befinden. Er machte nur scheinbar keine Anstalten diese zu öffnen. Machen Sie nun auf? Ein leises Klappern, als wäre etwas umgefallen war von drinnen zu hören und dann folgte wieder Stille. Ja, das würde doch anstrengender werden, als einen Mann einfach abzuholen.
     
  2. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Nach Ais Worten drang aus dem Inneren der Hütte zunächst nur ein weinerliches Wimmern. Yamato konnte sich einen vielsagenden Blick in Richtung seiner Begleiterin nicht verkneifen. Toshiro schien noch um einiges ängstlicher zu sein als sie befürchtet hatten. „Toshiro-san, Eure Schwester ist in großer Sorge um Euch. Und sie wäre überglücklich, Euch bei Ihrer Hochzeit dabeizuhaben.“, wagte der Tsukigata einen weiteren Versuch. Auch wenn er jetzt schon keine Lust mehr hatte, den Mann nach Shirogakure zu komplimentieren – Auftrag war Auftrag. Yamato mobilisierte rein prophylaktisch schon einmal alles, was er an Geduld aufbringen konnte. Er hatte so ein leises Gefühl, dass er sie benötigen würde. Hinter der Tür war es derweil still geworden. Nur das schwere Atmen drang weiterhin gut hörbar zu den Genin vor. „Toshiro-san?“, fragte Yamato vorsichtig nach. „Ho-Hochzeit? Hana-chan?“, klang es leise von drinnen, dann konnte man hören, wie jemand zitternd Luft holte. „Wie… wie viele Zapfen hängen an der obersten Astspitze der großen Fichte hinterm Haus?“. Das kolossale ‚Häh?‘, das Yamato bei dieser Frage durch den Kopf schoss, blieb zum Glück unausgesprochen, allerdings konnte Ai es sehr deutlich im Gesicht des Tsukigata sehen. Irritiert suchte und fand er die Fichte, die als einziger Nadelbaum zum Glück auch für ihn leicht auszumachen war. „Fünf. Fünf Zapfen sehe ich.“, gab er ruhig zurück. „Das ist gut...“. Toshiro klang erleichtert, dann konnten die Genin hören, wie jemand mit offenkundig sehr unsicherer Hand einen groben Schlüssel in ein Schloss manövrierte. Klack-klack-klack (er schien die Tür wirklich dreimal abgeschlossen zu haben), dann öffnete sich ein Spalt und ein großes, graublaues Auge starrte die beiden ShiroNin ängstlich an, dann an ihnen vorbei… und wieder zurück zu ihnen. Toshiro öffnete die Tür ein Stück weiter. „Kommt herein. Aber schnell. W-wegen der Füchse!“.

    Yamato war sich sicher, während des gesamten Weges keinen einzigen Fuchs gesehen zu haben, ließ sich aber nicht zweimal bitten. „Danke, Toshiro-san.“. Er lächelte den Mann ehrlich dankbar (und hoffentlich beruhigend) an und trat ein. Dass er Ai dabei nicht den Vortritt ließ, war simpler Vorsicht geschuldet. Hinter ihnen lag nur ein Winterwald (voll unsichtbarer Füchse!), aber vor ihnen…? Nun, das klärte sich schnell. Auf den ersten Blick schien Toshiros Heim einfach eine recht behagliche Hütte zu sein. Sehr… sehr behaglich. Denn nahezu alles hier war auf irgendeine Art gepolstert. Die Kanten und Beine von Tischen und Stühlen waren mit Schaumstoff umwickelt, vor den Wänden, ja sogar vor den Fenstern hingen dicke, weiche Teppiche und auch der Boden fühlte sich an als würde man über eine saftiggrüne Wiese gehen. Nur dass es eben doch nur ein weiterer Flokati war. Wohlige Wärme strahlte von einem kleinen Kamin ab, um den herum eine besonders breite Abdeckung aus Metall die empfindlichen Teppiche vor Funkenflug schützte. Auch standen für den Fall des Falles mehrere Eimer mit Wasser daneben. „D-die Schuhe aus, bitte.“, ließ Toshiro vernehmen. Der Mann war so dünn, dass er vor dem halbdunklen Hintergrund seines Domizils auch gut und gerne eine sehr besorgt dreinschauende Stehlampe hätte sein können. Wie Hana ihnen erzählt hatte, zählte er gerade vierunddreißig Lenze, doch die Angst, die sich tief in seine Züge gegraben hatte, ließ ihn älter wirken. Dennoch schien Toshiro sehr gepflegt. Das braune Haar war sorgfältig gekämmt und seine Kleidung war schlicht, aber sauber. So stand er vor ihnen und knetete sich nervös die Hände. „H-hana heiratet…?“, vergewisserte er sich noch einmal und schien hin und her gerissen zwischen einem Anflug von Freude über diese Nachricht und der Konsequenz, die daraus folgte. Für ihn. „Ich hatte ja keine Ahnung…“. Ratlos sah er Ai und Yamato an. „Eure Schwester meinte, sie hätte Euch mehrere Briefe geschickt. Habt Ihr sie nicht erhalten?“, fragte der Tsukigata vorsichtig nach. Der Mann begann ihm allmählich leid zu tun. „Ich… hab‘ nicht mehr in den Briefkasten geschaut, seit mir eine Ratte daraus entgegen gesprungen kam.“, gestand Toshiro unglücklich. Wie viele Jahre das her sein musste, konnten sich die Genin an einer Hand abzählen. „Ich möchte gern zu Hanas Hochzeit kommen. Aber… aber wie soll das gehen?“. Allein der Gedanke, sein sicheres Heim zu verlassen, ließ einen Funken Panik in den Augen des Mannes aufblitzen.
     
  3. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Es war gut, dass den beiden Shinobi Einlass in das flauschige Wunderland gewährt wurde, denn andernfalls hätte Ai ohne Rücksicht auf Verluste ein Explosionssiegel ausgepackt und die Tür zu Splittern dezimiert. Es war kalt, sie war angepisst und der Kerl war ein Weichei, da konnte sie nicht auch noch Geduld aufwenden. Es gab Grenzen und die Haemasu erreichte ihre recht schnell. Das Innere der Hütte war warm, sehr warm sogar und während sie es genoss, nicht mehr zu frieren, stieg ihr bereits nach wenigen Momenten der Schweiß auf. Das hier war eine kuschelige Sauna, wenn man es betrachtete. Das Haus war überall voller Polster und jegliche Kante schien irgendwie abgerundet oder eingepackt zu sein. Besonders lächerlich empfand Ai die Matratze, die der Kerl vor einen Geschirrschrank gestellt hatte. Was sollte das bringen? Sicherheit war wichtig, aber das hier war lächerlich. Nachdem sie, wie gebeten, die Schuhe an der Tür hatte stehen lassen, beugte sie sich zu Yamato und flüsterte ihm ins Ohr. Crazy. Der Typ hat nicht mehr alle Schrauben beisammen. Die Meinung der Haemasu war feststehend, diese Mission war irre oder besser, der Bruder war es. Wenn der schon so merkwürdig mit seiner eigenen Einrichtung war, wie sollten die beiden ihn dann durch den Wald voller … Geisterfüchse? … und den ganzen Weg nach Jôsei transportieren? Wenn wir einen Karren oder so hätten, würde ich vorschlagen den Kerl einfach bewusstlos zu schlagen und gewaltsam nach Jôsei zu karren. Sicher nicht die Lösung, die die Auftraggeberin, der Bruder, die Dorfverwaltung oder Yamato bevorzugen würden, aber auf jeden Fall einfacher, als das, was jetzt vor den beiden Genin lag. Sie warten beide nicht lange Ninjas und sollten die Genin dann nicht einfachere Jobs bekommen? Wahrscheinlich klang diese Mission auf dem Papier unkompliziert. „Eskortiert meinen Bruder, ihr müsst das Reich nicht verlassen und könnt den längsten Teil der Reise größere Straßen verwenden. Er hat keine Feinde und es geht nur um eine Hochzeit.“ Die Anfrage hatte bestimmt machbar geklungen. Es waren aber mal wieder Details, die alles kaputt machten. Die Auftraggeberin hatte sicher nicht erwähnt, wie mental instabil die zu eskortierende Person scheinbar war.
    Wie schlimm es um den Kerl scheinbar stand, offenbarte er, als er erwähnte, dass er den Briefkasten nicht mehr geleert hatte, seit ihm eine Ratte entgegengesprungen war. Jetzt war nur die Frage, war die Ratte real gewesen oder ein Freund von den Füchsen? An sich egal, weil Ai sicher war, dass das Vieh weg sein musste. Okay, Sie sind ein Waschlappen. Ich geh raus und hole ihre Post, wenn es sein muss. Yamato, bleib du hier und versuch eine Lösung für den „Transport“ zu finden, ich bin mir sicher, du hast da besseres Fingerspitzengefühl, was das angeht. Um nicht zu sagen, überhaupt welches. Daher zog Ai sich wieder zur Eingangstür zurück und schlüpfte in ihre Schuhe, bevor sie wieder raus in die Kälte schritt. Der Winter begrüßte sie mit seiner kalten Umarmung, aber alles war besser, als mehr Zeit als nötig mit dem verrückten zu verbringen, die Reise zurück würde lange genug dauern. Einer Sache war sich Ai aber sicher, für den Rückweg konnte sich der Typ andere Volltrottel suchen. Noch in Gedanken stapfte sie durch den unberührten Schnee auf den Briefkasten des Mannes zu, der etwas abseits vom haus an einem Baum befestigt worden war. Der etwas flachere Schnee am Baum deutete darauf hin, dass der Postbote ab und an kam und den Weg mit seinen Schritten freiräumte, aber seit einigen Tagen kein neuer Brief eingetrudelt war. Die Umschläge quollen förmlich aus dem Kasten und die „frischere“ Post war bereits bedeckt vom Schnee, da die Briefe nicht mehr in den Kasten passten. Vorsichtig öffnete Ai den Postkasten und versuchte zu verhindern, dass die Sendungen auf den Boden fielen. Sie hatte keine Lust jetzt auch noch im Schnee nach der Post zu wühlten. Nach etwas herumprobieren, wie sie die Klappe in Position halten konnte, schaffte sie es die Briefe aus dem überfüllten Kasten zu klauben und irgendwie unter ihren Arm zu klemmen. Würde sie sich jetzt bewegen, würde alles auf den Boden fallen, aber sie musste zum Glück nur die Klappe schließen und dann könnte sie umgreifen. Mit dem Fuß, da ihre Hände mit der Post beschäftigt waren, drückte sie den Kasten zu und machte sich dann mit Post in beiden Armen auf den Weg zum Haus.
    Drinnen, sich wieder den Schuhen entledigend, legte sie den Stapel Briefe auf einen niedrigen Tisch, an dessen Ecken der Bewohner scheinbar Tennisbälle aufgeschnitten und drüber gestülpt hatte. Das müssen Jahre von Post sein, mich wundert, dass hier noch kein Geldeintreiber war, um Sie aus der Hütte zu scheuchen, da müssen doch unbezahlte Rechnungen bei sein. Mit diesen Worten ließ sich Ai auf das Sofa des Mannes fallen und bemerkte, dass unter dem Stoff noch eine Lage Schaumstoff platziert worden war, der das eigentliche Sofa bedeckte. … War das wirklich notwendig? Keine Rechnungen. Ich versorge mich hier selbst. Es muss keiner kommen, ich komme gut alleine klar. Ob die Haemasu das so wirklich glauben wollte? Zweifelhaft. Ein hilfesuchender Blick wurde Yamato entgegengeworfen, hatte er in der Zeit, die sie draußen war, Fortschritte gemacht? Je schneller sie loskonnten, desto schneller war der Alptraum hier vorbei.
     
  4. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Tja, mein Werkzeugkasten ist zuhause…“, brummte Yamato leise aus dem Mundwinkel zurück. Auch ihm war beim Anblick von Toshiros Behausung – und mehr noch beim Anblick von Toshiro selbst – ein wenig die Hoffnung geschwunden, dass das hier auch nur ansatzweise unproblematisch zu lösen wäre. Andererseits waren sie schon einmal einen Schritt weiter als eben noch und standen ihrer Zielperson direkt gegenüber. Wenn also alle Stricke rissen… Nein, schüttelte Yamato innerlich den Kopf. Es musste irgendwie anständig gehen, sonst konnte Hana ihre Hochzeit gleich in die Klapsmühle verlegen. „…irgendwie kriegen wir‘s schon hin.“. Yamato lächelte seine Kollegin vielsagend an (oh, er verstand sie gut…) und wandte sich dann dem Gespräch mit Toshiro zu.

    …und das gestaltete sich alles andere als einfach. Die surreale Umgebung konnte er noch einigermaßen ausblenden – wenn man so leben wollte, bittesehr -, aber mit dem dünnen, ängstlichen Mann ging das schlecht. Toshiro schien wirklich vor allem Angst zu haben und Yamato wusste nicht, wie er am besten damit umgehen sollte. Am Ende hatte ihn das Dorf geschickt, weil irgendjemand dachte, er als der Adoptivsohn eines Diplomaten hätte Ahnung von solchen Dingen. Ha. Falsch gedacht. Unnötig zu erwähnen, dass der Tsukigata sich bei diesem Gedanken einmal mehr wie ein Totalversager vorkam, aber hier und jetzt musste es irgendwie weitergehen, wenn er die Sache nicht noch unendlich viel schlimmer machen wollte. Ai hatte schließlich die Schnauze voll (für einen Moment dachte Yamato, er wäre mit dem Waschlappen gemeint gewesen) und verzog sich nach draußen, um die Post zu holen. Gute Idee. „S… sie hat gesagt, dass ich ein Waschlappen bin!“. Toshiro sah den verbliebenen Genin aus entsetzten Augen an, klang aber hörbar gekränkt …und auch ein bisschen vorwurfsvoll. Yamato guckte leicht ratlos zurück und setzte zu einer Antwort an, ohne recht zu wissen, was er denn sagen sollte. ‚Geduld, Yamato, Geduld…‘. So atmete er erst einmal aus, ohne etwas zu sagen. So wie Toshiro ihn ansah, suchte er in ihm einen Verbündeten und vielleicht war das ein Ansatz, an dem er den Mann packen konnte. „Nehmt es ihr nicht übel.“, setzte er an und lächelte entschuldigend – stellvertretend für die Haemasu. „Das frische Wetter hat uns beiden ein wenig zugesetzt. Aber Ihr könnt ihr jetzt das Gegenteil beweisen, indem Ihr uns nach Jôsei begleitet. Und Hana-san würde sich wirklich freuen, Euch wiederzusehen.“. Hoffnungsvoll und ermutigend blickte Yamato den älteren Mann an. Toshiro jedoch schien sich einen Fingerbreit in sein Schneckenhaus zurückzuziehen. „W-wie… zugesetzt?“, fragte er nervös. ‚Himmela…undzwirn, das ist ja schlimmer als Mäusemelken.‘, schoss es dem Genin durch den Kopf, aber er wahrte die Beherrschung. Mission war Mission. „Es war nur ein wenig kalt und wenn wir Euch gut einpacken, werdet Ihr davon nichts merken. Die Wege sind alle frei und sicher.“, versuchte er beschwichtigend auf Toshiro einzuwirken. „Und die Füchse?“ - „…werden sich an eine Gruppe Menschen nicht herantrauen. Wenn Ihr wollt, trage ich Euch auch, Toshiro-san.“. Vermutlich mussten sie unterwegs dann und wann Pause machen, denn der Stärkste war Yamato nicht. Noch nicht. Da der alte Ren ihm aber ohnehin mehr Krafttraining aufgebrummt hatte, machte er nun eben Nägel mit Köpfen.

    Toshiro schien derweil einen inneren Kampf mit sich auszufechten und es war noch völlig unklar, welche Seite gewinnen würde – die Liebe zu Hana oder die Angst, die ihn seit Jahren im Griff hatte. Unweigerlich musste sich der Tsukigata fragen, wie sich so ein Leben wohl anfühlte. Vermutlich so furchtbar, dass er sich lieber einen Monat am Stück in Schmerzen wälzen würde, als auch nur drei Tage in ständiger Angst vor allem und jedem zu leben. Zum Glück kündigten Geräusche an der Tür Ais Rückkehr an, auch wenn Toshiro daraufhin erst einmal zusammenzuckte. Als er aber die vielen Briefe sah, die die Haemasu auf dem Tisch verteilte, wurden seine Augen groß. Vorsichtig – sehr, sehr vorsichtig – setzte er sich und sah die Post der vergangenen Jahre durch. Yamato fing derweil Ais Blick auf und nickte ihr unauffällig zu. „Oh, Hana-chan…”, schniefte es leise vom Tisch, nachdem raschelnd der eine oder andere Brief geöffnet worden war (mit feinen weißen Stoffhandschuhen, denn… Papierschnitte!). „Ich möchte sie so gern wiedersehen…“. Ratlos und traurig sah Toshiro auf und blickte zuerst Yamato und dann Ai an. „Dann begleitet uns.“, bestärkte ihn der Tsukigata noch einmal. „Wir bringen Euch sicher zu Eurer Schwester.“. Gut, dass Ai die Briefe gebracht hatte. Ohne die, so fürchtete er, hätte der entscheidende Anstoß wohl gefehlt. Toshiro schluckte und schwieg für einige, angespannte Momente. Dann nickte er schwach, aber doch entschlossen. „Also g-gut. Aber ihr tragt mich… und passt ganz genau auf!“. Yamato atmete innerlich auf und warf Ai einen erleichterten Blick zu. „Wir beschützen Euch, Toshiro-san.“. So versichernd der Genin nach außen gerade wirkte, hatte er doch so seine Zweifel, dass die Reise ohne Zwischenfälle verlaufen würde. Aber sobald der Yagami einmal auf seinem Rücken war und sie die Hütte verließen, hatte er etwas mehr Kontrolle über die Situation.

    Bis zum Aufbruch dauerte es natürlich noch eine Weile. Toshiro musste das Feuer löschen – sicherheitshalber dreimal – und seine Hütte gegen alle möglichen und unmöglichen Gefahren absichern. Zumindest konnten die beiden Genin dabei helfen, die gefühlt tausend Verrichtungen etwas zu beschleunigen. Aber auch Toshiro selbst musste sich gegen die Gefahren der Welt absichern und glich schließlich eher einem wandelnden Kleiderberg als dem schmalen Mann, der er eben noch gewesen war. ‚Der hat doch locker sein Gewicht nochmal in Klamotten angezogen…‘, wunderte sich Yamato und freute sich nicht unbedingt darauf, den ganzen Wust nach Jôsei zu schleppen. „Ai, kannst du meinen Rucksack nehmen?“, bat er die Haemasu und bedeutete Toshiro, dass er auf seinem Rücken klettern konnte. Der Mann zitterte wie Espenlaub. „Gut festhalten, es geht los!“.
     
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