Der Weg nach Taki no Kuni

Dieses Thema im Forum "Feuerreich" wurde erstellt von Hyuuga Mari, 27. Apr. 2015.

  1. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Die restliche Reise verlief unglücklicherweise ähnlich frostig, wie der Anfang. Ai hatte zwar kein Problem damit Yamato Gesellschaft zu leisten und zu jeder anderen Jahreszeit wäre ihr der Weg recht egal gewesen, aber es war nun einmal Winter und Winter hatte es so an sich arschkalt zu sein. Ein Zustand, dem Ai absolut gar nichts abgewinnen konnte. Da half es auch nicht, dass die Natur versuchte die Laune der Haemasu mit einem dichten in weiß gehüllten Wald zu heben, sie hatte kein Auge dafür. Zu viel Schnee und Kälte. Deswegen leuchteten ihre Augen geradezu, als Yamato ihr mitteilte, dass sie den Abzweig zur Hütte des Mannes, den sie abholen sollten, erreicht hatte. Der Weg sollte also nicht mehr lang sein und Hütte bedeutete meist auch, dass darin ein kleines Feuer prasselte und vielleicht etwas Essbares für die Shinobi heraussprang. Zwar hatte Ai kein Problem von Feldrationen zu leben, aber sie wahr da ganz ehrlich, normales Essen, wie in den Wirtshäusern der letzten Tage oder auch selbst gemachte Hausmannskost, waren um Welten besser.
    Mit steigender Vorfreude folgte die junge Kunoichi also dem Tsukigata den schmalen Pfad entlang. Die Schneeschicht sah noch unberührt aus, was darauf schließen ließ, dass der Weg nicht so oft genutzt wurde. Die Karte von Yamato hatte bestätigt, dass sie richtig waren, also schien der Kerl eher einsiedlerisch zu leben und nicht oft von seinem Haus Abstand zu nehmen. Alleine Im Wald, der Gedanke hatte etwas Entspannendes, aber gleichzeitig wusste Ai, dass sie nicht die richtige Person war, die sich an ein Einsiedler leben gewöhnen konnte. Sie brauchte Trubel und die Stadt war da ihre beste Wahl. Als sie also mit dem Tsukigata auf eine kleine Lichtung trat und eine Hütte vorfand, die gerade einmal groß genug für vielleicht zwei Wohnräume war, schwankte ihre Gefühlswippe zwischen Staunen und der dauerhaft drängenden Abneigung gegen die Kälte. Hier mitten im Wald stand eine kleine Einmannfestung. Verrammelte Fenster, dicke Wände und scheinbar Lebensmittelvorräte, die länger halten sollten. Die Kartoffeln würden den Winter wahrscheinlich überstehen. Während Yamato sich anschickte ihre Anwesenheit mittels Klopfens anzukündigen, griff die Haemasu in den Kartoffelsack und holte eine Knolle hervor. Sie wollte die Kartoffel nicht stehlen, aber es hatte etwas Beruhigendes einen Teil der Erde in der Hand zu haben. Die Früchte der Arbeit, wenn man so wollte. Zwar wusste Ai nicht, ob die Kartoffeln selbst gezogen wurden, aber das änderte nichts an der Sentimentalität, die die Haemasu damit verband. Ein wenig merkwürdig, aber wenn es um Pflanzen ging, konnte man das über jeden im Clan irgendwie sagen. Mit einer einfachen Handbewegung beförderte sie die Knolle wieder in den Sack, gerade als eine Stimme von drinnen erklang. W-wer ist daaa? Die Stimme klang schwach und unsicher, so gar nicht der Typ Mensch, mit dem Ai gut umgehen konnte. … Okay, den Typen musste man wahrscheinlich noch erfinden, aber dennoch, es gab Präferenzen. Und das hier war sicherlich keine. Und auch wenn eigentlich noch nicht einmal ein Blick getauscht worden war, die Tür war ja noch zu, wusste Ai, dass sie den Kerl nicht abkonnte. Die Mission würde also nochmal einen Schwung schlimmer werden, die Kälte plus diesen Typen den gesamten Rückweg ertragen. Doch erst einmal mussten sie sich Einlass verschaffen. Typisch Ai wurde der direkte Weg gewählt, kein herumschwafeln, sondern einfach geradeheraus auf den Punkt. Wir sind zwei Shinobi aus Shirogakure. Mein Name ist Haemasu Ai und mein Begleiter heißt Tsukigata Yamato. Wir wurden von ihrer Schwester beauftragt Sie zu ihrer Hochzeit zu begleiten. Und notfalls würde ich das auch mit Gewalt machen. Wobei K.O. Schlagen wahrscheinlich besser als Plan B aufgehoben wurde. Yamato würde wahrscheinlich eingreifen, wenn Ai jetzt anfing die Tür zu bearbeiten, um sich Einlass zu verschaffen und er würde garantiert etwas tun, wenn sie den Kerl da drinnen fesseln und mit sich schleifen würde. Auf Ais kurze Vorstellung erfolgte eine kurze Pause, die die Haemasu damit verbrachte mit ihrem ungeduldig auf dem Boden zu tippen. Weiterhin herrschte Stille im Haus, dass der Bewohner nicht gut schleichen konnte, hatte er den Genin schon vor dem Gespräch bewiesen, also musste er sich noch hinter der Tür befinden. Er machte nur scheinbar keine Anstalten diese zu öffnen. Machen Sie nun auf? Ein leises Klappern, als wäre etwas umgefallen war von drinnen zu hören und dann folgte wieder Stille. Ja, das würde doch anstrengender werden, als einen Mann einfach abzuholen.
     
  2. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Nach Ais Worten drang aus dem Inneren der Hütte zunächst nur ein weinerliches Wimmern. Yamato konnte sich einen vielsagenden Blick in Richtung seiner Begleiterin nicht verkneifen. Toshiro schien noch um einiges ängstlicher zu sein als sie befürchtet hatten. „Toshiro-san, Eure Schwester ist in großer Sorge um Euch. Und sie wäre überglücklich, Euch bei Ihrer Hochzeit dabeizuhaben.“, wagte der Tsukigata einen weiteren Versuch. Auch wenn er jetzt schon keine Lust mehr hatte, den Mann nach Shirogakure zu komplimentieren – Auftrag war Auftrag. Yamato mobilisierte rein prophylaktisch schon einmal alles, was er an Geduld aufbringen konnte. Er hatte so ein leises Gefühl, dass er sie benötigen würde. Hinter der Tür war es derweil still geworden. Nur das schwere Atmen drang weiterhin gut hörbar zu den Genin vor. „Toshiro-san?“, fragte Yamato vorsichtig nach. „Ho-Hochzeit? Hana-chan?“, klang es leise von drinnen, dann konnte man hören, wie jemand zitternd Luft holte. „Wie… wie viele Zapfen hängen an der obersten Astspitze der großen Fichte hinterm Haus?“. Das kolossale ‚Häh?‘, das Yamato bei dieser Frage durch den Kopf schoss, blieb zum Glück unausgesprochen, allerdings konnte Ai es sehr deutlich im Gesicht des Tsukigata sehen. Irritiert suchte und fand er die Fichte, die als einziger Nadelbaum zum Glück auch für ihn leicht auszumachen war. „Fünf. Fünf Zapfen sehe ich.“, gab er ruhig zurück. „Das ist gut...“. Toshiro klang erleichtert, dann konnten die Genin hören, wie jemand mit offenkundig sehr unsicherer Hand einen groben Schlüssel in ein Schloss manövrierte. Klack-klack-klack (er schien die Tür wirklich dreimal abgeschlossen zu haben), dann öffnete sich ein Spalt und ein großes, graublaues Auge starrte die beiden ShiroNin ängstlich an, dann an ihnen vorbei… und wieder zurück zu ihnen. Toshiro öffnete die Tür ein Stück weiter. „Kommt herein. Aber schnell. W-wegen der Füchse!“.

    Yamato war sich sicher, während des gesamten Weges keinen einzigen Fuchs gesehen zu haben, ließ sich aber nicht zweimal bitten. „Danke, Toshiro-san.“. Er lächelte den Mann ehrlich dankbar (und hoffentlich beruhigend) an und trat ein. Dass er Ai dabei nicht den Vortritt ließ, war simpler Vorsicht geschuldet. Hinter ihnen lag nur ein Winterwald (voll unsichtbarer Füchse!), aber vor ihnen…? Nun, das klärte sich schnell. Auf den ersten Blick schien Toshiros Heim einfach eine recht behagliche Hütte zu sein. Sehr… sehr behaglich. Denn nahezu alles hier war auf irgendeine Art gepolstert. Die Kanten und Beine von Tischen und Stühlen waren mit Schaumstoff umwickelt, vor den Wänden, ja sogar vor den Fenstern hingen dicke, weiche Teppiche und auch der Boden fühlte sich an als würde man über eine saftiggrüne Wiese gehen. Nur dass es eben doch nur ein weiterer Flokati war. Wohlige Wärme strahlte von einem kleinen Kamin ab, um den herum eine besonders breite Abdeckung aus Metall die empfindlichen Teppiche vor Funkenflug schützte. Auch standen für den Fall des Falles mehrere Eimer mit Wasser daneben. „D-die Schuhe aus, bitte.“, ließ Toshiro vernehmen. Der Mann war so dünn, dass er vor dem halbdunklen Hintergrund seines Domizils auch gut und gerne eine sehr besorgt dreinschauende Stehlampe hätte sein können. Wie Hana ihnen erzählt hatte, zählte er gerade vierunddreißig Lenze, doch die Angst, die sich tief in seine Züge gegraben hatte, ließ ihn älter wirken. Dennoch schien Toshiro sehr gepflegt. Das braune Haar war sorgfältig gekämmt und seine Kleidung war schlicht, aber sauber. So stand er vor ihnen und knetete sich nervös die Hände. „H-hana heiratet…?“, vergewisserte er sich noch einmal und schien hin und her gerissen zwischen einem Anflug von Freude über diese Nachricht und der Konsequenz, die daraus folgte. Für ihn. „Ich hatte ja keine Ahnung…“. Ratlos sah er Ai und Yamato an. „Eure Schwester meinte, sie hätte Euch mehrere Briefe geschickt. Habt Ihr sie nicht erhalten?“, fragte der Tsukigata vorsichtig nach. Der Mann begann ihm allmählich leid zu tun. „Ich… hab‘ nicht mehr in den Briefkasten geschaut, seit mir eine Ratte daraus entgegen gesprungen kam.“, gestand Toshiro unglücklich. Wie viele Jahre das her sein musste, konnten sich die Genin an einer Hand abzählen. „Ich möchte gern zu Hanas Hochzeit kommen. Aber… aber wie soll das gehen?“. Allein der Gedanke, sein sicheres Heim zu verlassen, ließ einen Funken Panik in den Augen des Mannes aufblitzen.
     
  3. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Es war gut, dass den beiden Shinobi Einlass in das flauschige Wunderland gewährt wurde, denn andernfalls hätte Ai ohne Rücksicht auf Verluste ein Explosionssiegel ausgepackt und die Tür zu Splittern dezimiert. Es war kalt, sie war angepisst und der Kerl war ein Weichei, da konnte sie nicht auch noch Geduld aufwenden. Es gab Grenzen und die Haemasu erreichte ihre recht schnell. Das Innere der Hütte war warm, sehr warm sogar und während sie es genoss, nicht mehr zu frieren, stieg ihr bereits nach wenigen Momenten der Schweiß auf. Das hier war eine kuschelige Sauna, wenn man es betrachtete. Das Haus war überall voller Polster und jegliche Kante schien irgendwie abgerundet oder eingepackt zu sein. Besonders lächerlich empfand Ai die Matratze, die der Kerl vor einen Geschirrschrank gestellt hatte. Was sollte das bringen? Sicherheit war wichtig, aber das hier war lächerlich. Nachdem sie, wie gebeten, die Schuhe an der Tür hatte stehen lassen, beugte sie sich zu Yamato und flüsterte ihm ins Ohr. Crazy. Der Typ hat nicht mehr alle Schrauben beisammen. Die Meinung der Haemasu war feststehend, diese Mission war irre oder besser, der Bruder war es. Wenn der schon so merkwürdig mit seiner eigenen Einrichtung war, wie sollten die beiden ihn dann durch den Wald voller … Geisterfüchse? … und den ganzen Weg nach Jôsei transportieren? Wenn wir einen Karren oder so hätten, würde ich vorschlagen den Kerl einfach bewusstlos zu schlagen und gewaltsam nach Jôsei zu karren. Sicher nicht die Lösung, die die Auftraggeberin, der Bruder, die Dorfverwaltung oder Yamato bevorzugen würden, aber auf jeden Fall einfacher, als das, was jetzt vor den beiden Genin lag. Sie warten beide nicht lange Ninjas und sollten die Genin dann nicht einfachere Jobs bekommen? Wahrscheinlich klang diese Mission auf dem Papier unkompliziert. „Eskortiert meinen Bruder, ihr müsst das Reich nicht verlassen und könnt den längsten Teil der Reise größere Straßen verwenden. Er hat keine Feinde und es geht nur um eine Hochzeit.“ Die Anfrage hatte bestimmt machbar geklungen. Es waren aber mal wieder Details, die alles kaputt machten. Die Auftraggeberin hatte sicher nicht erwähnt, wie mental instabil die zu eskortierende Person scheinbar war.
    Wie schlimm es um den Kerl scheinbar stand, offenbarte er, als er erwähnte, dass er den Briefkasten nicht mehr geleert hatte, seit ihm eine Ratte entgegengesprungen war. Jetzt war nur die Frage, war die Ratte real gewesen oder ein Freund von den Füchsen? An sich egal, weil Ai sicher war, dass das Vieh weg sein musste. Okay, Sie sind ein Waschlappen. Ich geh raus und hole ihre Post, wenn es sein muss. Yamato, bleib du hier und versuch eine Lösung für den „Transport“ zu finden, ich bin mir sicher, du hast da besseres Fingerspitzengefühl, was das angeht. Um nicht zu sagen, überhaupt welches. Daher zog Ai sich wieder zur Eingangstür zurück und schlüpfte in ihre Schuhe, bevor sie wieder raus in die Kälte schritt. Der Winter begrüßte sie mit seiner kalten Umarmung, aber alles war besser, als mehr Zeit als nötig mit dem verrückten zu verbringen, die Reise zurück würde lange genug dauern. Einer Sache war sich Ai aber sicher, für den Rückweg konnte sich der Typ andere Volltrottel suchen. Noch in Gedanken stapfte sie durch den unberührten Schnee auf den Briefkasten des Mannes zu, der etwas abseits vom haus an einem Baum befestigt worden war. Der etwas flachere Schnee am Baum deutete darauf hin, dass der Postbote ab und an kam und den Weg mit seinen Schritten freiräumte, aber seit einigen Tagen kein neuer Brief eingetrudelt war. Die Umschläge quollen förmlich aus dem Kasten und die „frischere“ Post war bereits bedeckt vom Schnee, da die Briefe nicht mehr in den Kasten passten. Vorsichtig öffnete Ai den Postkasten und versuchte zu verhindern, dass die Sendungen auf den Boden fielen. Sie hatte keine Lust jetzt auch noch im Schnee nach der Post zu wühlten. Nach etwas herumprobieren, wie sie die Klappe in Position halten konnte, schaffte sie es die Briefe aus dem überfüllten Kasten zu klauben und irgendwie unter ihren Arm zu klemmen. Würde sie sich jetzt bewegen, würde alles auf den Boden fallen, aber sie musste zum Glück nur die Klappe schließen und dann könnte sie umgreifen. Mit dem Fuß, da ihre Hände mit der Post beschäftigt waren, drückte sie den Kasten zu und machte sich dann mit Post in beiden Armen auf den Weg zum Haus.
    Drinnen, sich wieder den Schuhen entledigend, legte sie den Stapel Briefe auf einen niedrigen Tisch, an dessen Ecken der Bewohner scheinbar Tennisbälle aufgeschnitten und drüber gestülpt hatte. Das müssen Jahre von Post sein, mich wundert, dass hier noch kein Geldeintreiber war, um Sie aus der Hütte zu scheuchen, da müssen doch unbezahlte Rechnungen bei sein. Mit diesen Worten ließ sich Ai auf das Sofa des Mannes fallen und bemerkte, dass unter dem Stoff noch eine Lage Schaumstoff platziert worden war, der das eigentliche Sofa bedeckte. … War das wirklich notwendig? Keine Rechnungen. Ich versorge mich hier selbst. Es muss keiner kommen, ich komme gut alleine klar. Ob die Haemasu das so wirklich glauben wollte? Zweifelhaft. Ein hilfesuchender Blick wurde Yamato entgegengeworfen, hatte er in der Zeit, die sie draußen war, Fortschritte gemacht? Je schneller sie loskonnten, desto schneller war der Alptraum hier vorbei.
     
  4. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Tja, mein Werkzeugkasten ist zuhause…“, brummte Yamato leise aus dem Mundwinkel zurück. Auch ihm war beim Anblick von Toshiros Behausung – und mehr noch beim Anblick von Toshiro selbst – ein wenig die Hoffnung geschwunden, dass das hier auch nur ansatzweise unproblematisch zu lösen wäre. Andererseits waren sie schon einmal einen Schritt weiter als eben noch und standen ihrer Zielperson direkt gegenüber. Wenn also alle Stricke rissen… Nein, schüttelte Yamato innerlich den Kopf. Es musste irgendwie anständig gehen, sonst konnte Hana ihre Hochzeit gleich in die Klapsmühle verlegen. „…irgendwie kriegen wir‘s schon hin.“. Yamato lächelte seine Kollegin vielsagend an (oh, er verstand sie gut…) und wandte sich dann dem Gespräch mit Toshiro zu.

    …und das gestaltete sich alles andere als einfach. Die surreale Umgebung konnte er noch einigermaßen ausblenden – wenn man so leben wollte, bittesehr -, aber mit dem dünnen, ängstlichen Mann ging das schlecht. Toshiro schien wirklich vor allem Angst zu haben und Yamato wusste nicht, wie er am besten damit umgehen sollte. Am Ende hatte ihn das Dorf geschickt, weil irgendjemand dachte, er als der Adoptivsohn eines Diplomaten hätte Ahnung von solchen Dingen. Ha. Falsch gedacht. Unnötig zu erwähnen, dass der Tsukigata sich bei diesem Gedanken einmal mehr wie ein Totalversager vorkam, aber hier und jetzt musste es irgendwie weitergehen, wenn er die Sache nicht noch unendlich viel schlimmer machen wollte. Ai hatte schließlich die Schnauze voll (für einen Moment dachte Yamato, er wäre mit dem Waschlappen gemeint gewesen) und verzog sich nach draußen, um die Post zu holen. Gute Idee. „S… sie hat gesagt, dass ich ein Waschlappen bin!“. Toshiro sah den verbliebenen Genin aus entsetzten Augen an, klang aber hörbar gekränkt …und auch ein bisschen vorwurfsvoll. Yamato guckte leicht ratlos zurück und setzte zu einer Antwort an, ohne recht zu wissen, was er denn sagen sollte. ‚Geduld, Yamato, Geduld…‘. So atmete er erst einmal aus, ohne etwas zu sagen. So wie Toshiro ihn ansah, suchte er in ihm einen Verbündeten und vielleicht war das ein Ansatz, an dem er den Mann packen konnte. „Nehmt es ihr nicht übel.“, setzte er an und lächelte entschuldigend – stellvertretend für die Haemasu. „Das frische Wetter hat uns beiden ein wenig zugesetzt. Aber Ihr könnt ihr jetzt das Gegenteil beweisen, indem Ihr uns nach Jôsei begleitet. Und Hana-san würde sich wirklich freuen, Euch wiederzusehen.“. Hoffnungsvoll und ermutigend blickte Yamato den älteren Mann an. Toshiro jedoch schien sich einen Fingerbreit in sein Schneckenhaus zurückzuziehen. „W-wie… zugesetzt?“, fragte er nervös. ‚Himmela…undzwirn, das ist ja schlimmer als Mäusemelken.‘, schoss es dem Genin durch den Kopf, aber er wahrte die Beherrschung. Mission war Mission. „Es war nur ein wenig kalt und wenn wir Euch gut einpacken, werdet Ihr davon nichts merken. Die Wege sind alle frei und sicher.“, versuchte er beschwichtigend auf Toshiro einzuwirken. „Und die Füchse?“ - „…werden sich an eine Gruppe Menschen nicht herantrauen. Wenn Ihr wollt, trage ich Euch auch, Toshiro-san.“. Vermutlich mussten sie unterwegs dann und wann Pause machen, denn der Stärkste war Yamato nicht. Noch nicht. Da der alte Ren ihm aber ohnehin mehr Krafttraining aufgebrummt hatte, machte er nun eben Nägel mit Köpfen.

    Toshiro schien derweil einen inneren Kampf mit sich auszufechten und es war noch völlig unklar, welche Seite gewinnen würde – die Liebe zu Hana oder die Angst, die ihn seit Jahren im Griff hatte. Unweigerlich musste sich der Tsukigata fragen, wie sich so ein Leben wohl anfühlte. Vermutlich so furchtbar, dass er sich lieber einen Monat am Stück in Schmerzen wälzen würde, als auch nur drei Tage in ständiger Angst vor allem und jedem zu leben. Zum Glück kündigten Geräusche an der Tür Ais Rückkehr an, auch wenn Toshiro daraufhin erst einmal zusammenzuckte. Als er aber die vielen Briefe sah, die die Haemasu auf dem Tisch verteilte, wurden seine Augen groß. Vorsichtig – sehr, sehr vorsichtig – setzte er sich und sah die Post der vergangenen Jahre durch. Yamato fing derweil Ais Blick auf und nickte ihr unauffällig zu. „Oh, Hana-chan…”, schniefte es leise vom Tisch, nachdem raschelnd der eine oder andere Brief geöffnet worden war (mit feinen weißen Stoffhandschuhen, denn… Papierschnitte!). „Ich möchte sie so gern wiedersehen…“. Ratlos und traurig sah Toshiro auf und blickte zuerst Yamato und dann Ai an. „Dann begleitet uns.“, bestärkte ihn der Tsukigata noch einmal. „Wir bringen Euch sicher zu Eurer Schwester.“. Gut, dass Ai die Briefe gebracht hatte. Ohne die, so fürchtete er, hätte der entscheidende Anstoß wohl gefehlt. Toshiro schluckte und schwieg für einige, angespannte Momente. Dann nickte er schwach, aber doch entschlossen. „Also g-gut. Aber ihr tragt mich… und passt ganz genau auf!“. Yamato atmete innerlich auf und warf Ai einen erleichterten Blick zu. „Wir beschützen Euch, Toshiro-san.“. So versichernd der Genin nach außen gerade wirkte, hatte er doch so seine Zweifel, dass die Reise ohne Zwischenfälle verlaufen würde. Aber sobald der Yagami einmal auf seinem Rücken war und sie die Hütte verließen, hatte er etwas mehr Kontrolle über die Situation.

    Bis zum Aufbruch dauerte es natürlich noch eine Weile. Toshiro musste das Feuer löschen – sicherheitshalber dreimal – und seine Hütte gegen alle möglichen und unmöglichen Gefahren absichern. Zumindest konnten die beiden Genin dabei helfen, die gefühlt tausend Verrichtungen etwas zu beschleunigen. Aber auch Toshiro selbst musste sich gegen die Gefahren der Welt absichern und glich schließlich eher einem wandelnden Kleiderberg als dem schmalen Mann, der er eben noch gewesen war. ‚Der hat doch locker sein Gewicht nochmal in Klamotten angezogen…‘, wunderte sich Yamato und freute sich nicht unbedingt darauf, den ganzen Wust nach Jôsei zu schleppen. „Ai, kannst du meinen Rucksack nehmen?“, bat er die Haemasu und bedeutete Toshiro, dass er auf seinem Rücken klettern konnte. Der Mann zitterte wie Espenlaub. „Gut festhalten, es geht los!“.
     
  5. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Haemasu Ai, Königin des Stoizismus. Das wäre der Titel, den sie bekommen musste nach diesem ganzen Theater, wenn sie es schaffte den Yagami nicht zu verprügeln, aber wahrscheinlicher war eher, dass der jungen Frau nur ihre, bei einer D-Rang Mission eher mickrige, Entlohnung gegeben wurde und sie vielleicht noch eine Rüge absahnte, weil sie unhöflich gegenüber dem Bruder der Auftraggeberin war und es wahrscheinlich auch den Rest der Reise über bleiben würde. Die Welt war halt manchmal äußerst unfair und Ai fragte sich ab und an, ob es irgendeine höhere Kraft gab, die ihr und anderen das leben absichtlich schwer machte oder unangenehme Situationen heraufbeschwor. Irgendetwas in der Richtung musste einfach existieren.
    Während der Yagami mehr als nur penibel dafür sorgte, dass in seiner Hütte auch rein gar nichts passieren konnte, seufzte die Haemasu deutlich hörbar alle paar Sekunden. Sie war angepisst, der Kerl hatte sie nicht alle und als dieser erwachsene Mann auch noch darum bat getragen zu werden, schien sich Ai beinahe so hart auf die Zähne zu beißen, dass Stücke absplittern würden. Tief durchatmen würde wohl nicht ausreichen. Geht’s noch? Zurückhaltung war nicht mehr und daher ließ die Haemasu diesen kurzen Ausruf völlig unbekümmert raus. Ein Mann seines Alters bat einen Teenager ihn zu tragen? Wo waren sie denn hier? Das musste doch ein schlechter Witz sein. Natürlich ahnte Ai nicht, dass Yamato dies nicht ganz uneigennützig tat. Wenn sie gewusst hätte, dass der Tsukigata dies auch zuließ, damit er etwas mehr Kontrolle über die Reise und besonders die Reisegeschwindigkeit hatte, wäre Ai sicherlich vergebender, aber Gedankenlesen war nicht in ihrem Repertoire. Da würde sie schon Arata fragen müssen, falls sie ihn wiedersah. Nein, Ai zog gerade ihren Frust vor. Zwar nahm sie den Rucksack des Tsukigata entgegen und drapierte ihn so über ihrem Rücken, dass er ihrem eigenen Gepäck nicht im Weg war, aber sie sagte nichts mehr. Blieb nur zu hoffen, dass diese Stimmung nicht den ganzen Weg bis Jôsei anhielt, denn das war mehrere Tage Reise von hier entfernt und mit dem Extragewicht von Yagami und circa drei metrischen tonnen Kleidung nochmal schwerer zu erreichen. Das noch ein paar Tage aushalten? Das schaff‘ ich nicht. Niemals. Ich muss mich irgendwie absetzen. Yamato alleine zu lassen, war keine wirkliche Option, aber gleichzeitig wollte sie das Riesenbaby, keine andere Bezeichnung hatte ein Mann verdient, der herumgetragen wurde, so wenig, wie möglich um sich zu haben. Eine Zwickmühle.
    Gerade als sich die kleine Gruppe endlich auf den Weg machen wollte, erhob das Baby seine Stimme. Was machen wir, wenn die Füchse uns attackieren? Der Schwachsinn wieder? Ai hätte sich am liebsten mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen, aber mit dem zusätzlichen Gewicht von Yamatos Rucksack würde sie sich so nur aus der Balance bringen. Ein weiterer Seufzer, Ai hatte heute viele davon von sich gegeben. Wollen Sie, dass ich vorgehe und sie verscheuche? Ein rationaler Mensch würde verneinen, aber andererseits würde ein rationaler Mensch auch keine Angst vor unsichtbaren Füchsen haben, also was wusste Ai schon, wie der Yagami reagieren würde. W-w-würdest du das tun? J-ja, bitte. Eine komische Mischung von Gefühlen breitete sich bei der Antwort in Ai aus, Verwirrung, dass er wirklich ernsthaft antwortete, Freude, weil sie die Gruppe etwas hinter sich lassen konnte und Mitleid mit dem fahrbaren Untersatz von Toshiro, den manche vielleicht einmal Yamato genannt haben. Die Freude obsiegte jedoch eindeutig. Kurz berührte sie den Tsukigata mit der rechten Hand am Oberarm, um ihr Mitgefühl anzudeuten und sich gelichzeitig zu verabschieden und dann lief sie den Waldweg entlang und verschwand im Wald. Hier und dort deviierte sie vom Pfad und hinterließ spuren, die es so aussehen ließ, als jagte sie die Füchse, die noch immer nichts weiter als bescheuerte Hirngespinste waren, davon. Dabei achtete sie darauf, dass sie nicht zu weit vorlief, aber doch genügend Abstand behielt, um nicht sofort von den beiden, aber hauptsächlich Toshiro, gesehen zu werden. Die Ruhe im Wald war ihr gerade deutlich lieber. Das konnten ihr nicht einmal die Kälte und der Schnee ruinieren.
     
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  6. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Der Rückweg begann gleich mit einem von Toshiros fünfundzwanzigtausend Zweifeln. Aber jetzt war es zu spät, dachte Yamato sich grimmig. Jetzt hatte er den Mann auf dem Rücken und würde ihn nach Jôsei bringen, komme was wolle. Innerlich stellte er sich schon darauf ein, einfach loszulaufen, ganz gleich wie sehr das dicke Klamottenbündel mit dem dünnen Mann in der Mitte protestierte. Wenn er etwas konnte, dann ja wohl Leid ertragen. Ha. Es war jedoch Ai, die die Situation zu ihren Gunsten auflöste, obwohl sie wohl noch um einige Ecken genervter war als der Tsukigata. Yamato schenkte ihr ein verständnisvolles, aber auch dankbares Lächeln, als sie sich in den Wald verabschiedete. So war es wohl das Beste für sie alle. Ai bekam ein wenig dringend benötigten Abstand und Toshiro lief nicht Gefahr, dass die Kunoichi ihn kurzerhand mit irgendeiner Schlingpflanze erwürgte.

    Während die Haemasu sich todesmutig mit unsichtbaren Füchsen herumschlug, stapfte Yamato also mit der Bürde der Verantwortung und Toshiro auf dem Rücken voran. ‚Immer schön weiter.‘, sagte er sich in Gedanken. ‚Jeder Schritt bringt dich dem Ziel näher.‘. Noch immer spürte er den Yagami durch die vielen Kleiderschichten zittern und dann und wann ließ der Mann ein leises Wimmern vernehmen. „Ich weiß, das verlangt Euch gerade viel ab, Toshiro-san.“, versuchte Yamato sich an einigen beschwichtigenden und vielleicht sogar ablenkenden Worten. „Aber Ihr macht das wirklich gut. Und Hana wird sich sehr freuen, Euch wiederzusehen.“. Ein wenig tat er es auch, um sich selbst ins Gedächtnis zu rufen, dass Toshiro wohl nicht wirklich etwas für seinen Zustand konnte. Blieb nur zu hoffen, dass Ai und er selbst nicht auch noch anfingen am Rad zu drehen… Schritt um Schritt arbeitete sich der Tsukigata auf dem verschneiten Waldweg voran, bis ihn ein hoher Aufschrei direkt neben seinem Ohr zusammenzucken und innehalten ließ. „Alles o-“ - „WASWARDAS?“, japste Toshiro atemlos. Yamato spürte deutlich wie der Brustkorb des Mannes bebte. „Hast du das gehört?!“. Angespannt lauschte der Tsukigata in die Umgebung, doch außer dem angestrengten Atem seines Mitreisenden und den Geräuschen, die Ai beim Füchseverscheuchen machte, konnte er nichts hören. War aber auch egal, ob das tatsächlich etwas gewesen war oder nicht. Wichtig war jetzt nur, Toshiro ruhig zu halten. „Das war nur Ai-san. Sie vertreibt die Füchse.“, versicherte Yamato ihm also. „Macht Euch bitte keine Sorgen. In ein paar Stunden sind wir aus dem Wald raus und in Sicherheit.“. Er wandte den Kopf ein wenig zur Seite, damit der Yagami sein zuversichtliches Lächeln sehen konnte. „Mir ist nicht so gut…“, jammerte der aber nur und sackte ein Stück auf Yamatos Rücken zusammen. Wenn es irgendwie ging, wurde er dadurch nur noch schwerer.

    Der weitere Weg verlief in mehrerlei Hinsicht beschwerlich. Einerseits merkte Yamato sehr genau, dass er sich dem Ende seiner körperlichen Kraft näherte, andererseits… konnte man das gleiche über seine geistige Stärke sagen. Toshiros unablässiges Jammern sägte zuverlässig an seinen Nerven und es war nur eine Frage der Zeit, bis ihm auch noch der letzte Strang reißen würde. „Pass bloß auf, da vorn war eine Eiche, das weiß ich noch genau! Nicht, dass du auf den Eicheln ausrutschst und wir fallen!“ – „Hastdudasgehört?! HASTDUDASGEHÖRT?! Das war eindeutig ein Wolf! Was machen wir, wenn…“ – „Oooh, mir wird ganz schwindelig...“ – „Wir schaffen es doch nie bis nach Jôsei! Jämmerlich erfrieren werden wir. Oder von Banditen gehäutet!“. „Das wär‘ schön…“, entfuhr es Yamato kraftlos, während er zunehmend langsamer auf dem Weg vorankam. „WAS?!“, schnappte Toshiro entsetzt. Bevor der Tsukigata aber zu einer Antwort ansetzen konnte, spielte das Schicksal mal wieder unfair. Ein kleiner Windhauch fuhr durch die Baumkronen hoch über ihnen und schickte eine Handvoll Schnee aus dem Geäst geradewegs in Toshiros Kragenöffnung. Ein schrilles Kreischen zerriss Yamatos Trommelfelle, während seine Last panisch von ihm herunterzappelte. Stöhnend fiel der Genin auf die Knie und bekam gerade noch mit, wie der Yagami planlos und kreischend in den Wald rannte. „Toshiro-san…. Nicht!”, rief er ihm heiser nach und versuchte sich aufzurappeln. Was ihm nach dem anstrengenden Marsch mehr schlecht als recht gelang. „Ai!“, rief er die Haemasu zu Hilfe. Zweifellos hatte sie das Kreischen ebenfalls gehört…
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2019
    Sumiya Saki und Kinzoku Kenta gefällt das.
  7. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Sie musste lächerlich aussehen, wie sie durch den Schnee stapfte und unsichtbare Füchse mit Rufen verscheuchte. Sie fühlte sich auf jeden Fall lächerlich. Gut, dass hier im Wald niemand war, der sie sehen konnte, abgesehen von Yamato und dem Irren, der den Rücken des anderen Genin gerade für sich bunkerte. Schlimm genug. Nach einiger Zeit wurde AI aber immer nachlässigerr, sie machte weniger Geräusche und streifte seltener vom geplanten Pfad ab. Sie wollte in diesem kalten Wald nicht ihre Ganze Energie darauf verschwenden etwas zu verscheuchen, dessen Existenz mehr las nur zweifelhaft war. Ganz besonders nicht für einen Mann, dessen Oberstübchen so aus den Fugen geraten war, wie es bei dem Yagami der Fall war. Schon komisch, so sicher und ordentlich er sein Haus gemacht hat, für Ai kam es so vor, als sei das wahre Chaos im Kopf des Mannes und der einzige Ort, der wirklich gesichert werden müsste. Nicht, dass es ihr Job war die Angelegenheit zu übernehmen. Vielleicht konnte sie Toshiro ja den Yamanakas aufbürden. Ihn vor Aratas Tür stellen, klingeln und dann die Düse machen. … Wunschdenken, aber das war gerade alles, was Ai hatte, sie war allein im Wald und konnte daher nur ihre Gedanken frei umherschwirren lassen. Immer noch tausendmal besser, als ein Riesenbaby zu beaufsichtigen.

    Wie aufs Stichwort kreischte eine männliche Stimme hinter der Haemasu. Da sich die Haemasu ziemlich sicher war, dass der Tsukigata nicht so kreischen würde, wenn etwas passiert sein, konnte sie nur auf das Riesenbaby schließen. So viel zu ihrer ruhigen Einsamkeit im Wald. Mit einem tiefen Seufzer machte sie auf der Stelle kehrt und joggte, wenn nur der Yagami schrie war die Chance eines Notfalls bei vielleicht zehn Prozent, in Richtung des Schreis. Erst als dann auch Yamato nach Ai rief beschleunigte sie ihren Schritt. Es musste doch etwas passiert sein, wenn der Tsukigata es nicht allein handhaben konnte. Aus den Augenwinkeln bemerket sie, wie sich etwas großes, rundes nach Süden durch den Wald schlug, beachtete es aber nicht, da sie auf die beiden Männer zu hielt. Jedoch bemerkte sie, als sie einem Baum umrundete, dass aus beiden Männern nur noch Yamato geworden war. Wo war Toshiro? Shit Der Ball, der sich entfernt hatte, musste Toshiro gewesen sein, die vielen Schichten Kleidung hatten seine Form verzerrt und Ai daher nicht einmal daran denken lassen, dass dort ein Mensch durch den Wald unterwegs war. In vollem Lauf griff sie nach einem jungen Baum und nutze den Schwung ihres Laufes, um die Richtung ihres Sprints zu verändern. Der Stamm bog gefährlich zur Seite und schien sogar kurz vor dem brechen zu sein, als Ai losließ. Schnell schnellte der kleine Setzling zurück und schüttelte den gesamten Schnee von seiner noch kleinen Krone. Doch Ai bekam davon nicht mehr mit, sie raste durch das Unterholz. Sie versuchte den Weg des fliehenden Mannes nach zu vollziehen und wo möglich abzuschneiden. Leider kannte sie die Umgebung des Waldes nicht gut genug, sodass sie nur eine hoffentlich gerade Linie in Richtung der vermuteten Person entlanglief. Yamato würde den Spuren des Fliehenden folgen können, Ai war noch darin begriffen Querfeldein zu laufen. Mit einem Satz sprang sie gegen den Stamm einer alten Eiche und drückte sich davon ab, um über einen dichten Holunderbusch zu springen, der ihr im Weg war. Ein Fehler, wie sie bemerkte, als sie gerade in der Luft war. Hinter dem Busch sackte der Grund auf einmal mehrere Meter ab und ein schmales Tal öffnete sich unter der Haemasu. Ein schmaler Bach floss darin und hatte sich wahrscheinlich in den Grund gegraben. Linker Hand war ein flacher Abhang, der sicherlich einen leichteren Abstieg ermöglich hätte, aber Ai musste ja über den Busch springen, der die Steilwand als Heim ausgewählt hatte. Ohne Möglichkeit sich irgendwie abzufedern, Gras war nicht die beste Option und der Baumlauf war ohne eine Oberfläche nutzlos, machte sie sich bereit auf den Grund in Empfang zu nehmen. Ihr Gesicht mit den Armen schützend, landete sie eher ungeschickt am Ufer des Baches. Das Wasser federte nicht wirklich den Sturz ab und ihre Beine sackten unter ihr zusammen, sodass sie auf dem groben Kies am Rande des Gewässers mit dem Gesicht voran landete. Es schmerzte, fühlte sich aber nicht so an, als sei etwas verdreht oder gebrochen. Ihr Linker Arm blutete etwas stärker, da sich ein schärferer Kiesel tief in den Arm gebohrt hatte und dann bei der ersten Bewegung wieder auf den Boden gefallen war. Doch gerade hatte Ai keinen Blick dafür, denn sie sah das runde Etwas, das Toshiro gerade war. Er lief am Ufer des Baches entlang und schien auf nichts richtig zu achten. Mühsam rappelte sich Ai auf und bevor sie die Verfolgung wieder aufnahm, rief sie noch ihrem Teamkollegen eine Warnung zu. Yamato, ich sehe ihn. Aber pass auf, hier ist eine Steilwand.
     
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  8. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Shiro
    Dorf:
    Shiro
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    Yamatos Knochen knackten laut und hässlich als er sich endlich aufrichtete und streckte. Trotz aller Nachteile, die sein Bluterbe mit sich brachte, war er hier und heute doch froh, stabiler gebaut zu sein als der Durchschnittsmensch. Sonst hätte er Toshiro sicherlich den einen oder anderen Bandscheibenvorfall zu verdanken gehabt. So aber war er einfach nur bis auf die Knochen (haha) erschöpft und als er sich endlich wieder beieinander hatte, war der Yagami schon über alle Berge. Während sich der Tsukigata schwerfällig in Bewegung setzte, musste er sich doch fragen, wie jemand, der so viele Klamotten am Leibe trug, derart schnell sein konnte. Aber die hochgradige Panik, die von Toshiro Besitz ergriffen hatte, mobilisierte wohl ungeahnte Kraftreserven. Schön, dachte Yamato zerknirscht. Das durfte ihm jetzt auch mal passieren. Letzten Endes waren es wohl Pflichtgefühl, Frust und … nun, vielleicht auch ein Funken Sorge um den gestörten Yagami, die ihn vorankommen ließen.

    Es war Glück im Unglück, dass Toshiro eine breite Schneise hinterlassen hatte, die Yamato nun gut nutzen konnte, um einigermaßen zügig folgen zu können. Um wie Ai von Baum zu Baum zu springen, fehlte ihm gerade schlichtweg die Kraft. Von der Haemasu hatte er gerade noch ein paar türkisfarbene Haarsträhnen zwischen den Stämmen verschwinden sehen, dann hatte er sie auch schon aus den Augen verloren. Nun ja, sie hatten ein und dasselbe Ziel… dem hoffentlich schneller die Puste ausging als ihnen beiden. Schon jetzt brannte die Luft in Yamatos Lunge und seine Bewegungen wurden zusehends träge. Der Tsukigata musste sein Tempo etwas drosseln, um nicht selbst noch Gefahr zu laufen, unzeremoniell aus den Latschen zu kippen. Das wäre nicht nur endlos peinlich, sondern auch unfair gegenüber Ai, die sich dann nicht nur mit dem hypernervösen Toshiro (…gut, den würde sie eher früher als später ausknocken), sondern auch mit einem nutzlosen Kollegen herumschlagen durfte. Und es wäre unfair gegenüber Hana, die ihre Hoffnung in sie beide gesetzt hatte. Also weiter!

    Yamato war noch ein gutes Stück von dem Steilhang entfernt, als Ai stürzte und bekam über sein eigenes Schnaufen zunächst gar nichts von ihrem Dilemma mit. „Verstanden!“, beantwortete er ihren warnenden Ruf, der aber ebenso hoffnungsvoll stimmte, hieß es doch, dass der Sichtkontakt zu Toshiro noch nicht abgerissen war. „Bin unterwegs…“, schob er keuchend nach, doch es war so leise, dass die Haemasu es wohl nicht mehr hörte. Toshiros Schneise führte freundlicherweise den sanfter absteigenden Abhang hinunter, so dass dem Tsukigata wenigstens Sturz oder Kletterei erspart blieben. Auch wenn er sich insgeheim fragte, wie in aller Welt der Yagami so ein unverschämtes Glück haben konnte, dass er trotz seines vor Panik blinden Laufs und der nicht gerade leichten Bekleidung nicht nur völlig unfallfrei, sondern auch noch erschreckend schnell vorankam. Auch Yamato erreichte schließlich außer Atem, sonst aber wohlbehalten die Talsohle und sah gerade Ai vorbeilaufen, die im Gegensatz zu ihm ziemlich ramponiert aussah. Daher also die Warnung… Ein Gutes – wenn man es denn so wollte – hatte der Sturz jedoch gehabt: Yamato hatte dadurch zu der Haemasu aufschließen können und lief nun wieder an ihrer Seite. „Bist du in Ordnung?“, fragte er die Kunoichi zwischen zwei schweren Atemzügen und folgte dann ihrem Blick den Bachlauf entlang. Toshiro. Da lief er! „Jetzt reicht’s…“, knurrte Yamato. Dass jetzt auch noch seine Teampartnerin verletzt worden war, ließ ihm endgültig die Hutschnur reißen, selbst wenn er den Großteil seiner Geduld schon irgendwo zwischen Toshiros Hütte und hier verloren hatte. Er strich sich das verschwitzte schwarze Haar aus der Stirn und legte noch einmal einen Zahn zu. „Toshiro!“, brüllte er dem fliehenden Yagami nach. „Jetzt! Bleib! Stehen!“. „Neiiiiiiiiiin!!“, heulte es nur von weiter vorn und der Klamottenhaufen rannte weiter. Der Kerl konnte sie also doch hören! Kurz darauf kreischte es schon wieder – Toshiro war in den eisig kalten Bach getreten und verlangsamte sich für einen kleinen, aber fatalen Moment, der den beiden Shiro-Nin die Chance gab, einiges an Strecke gutzumachen. Fast hatten sie ihn erreicht. Fast! Mit dem Mut der Verzweiflung und der Koordinationsfähigkeit einer Kartoffel stürzte Yamato sich mit einem Sprung auf den Yagami, um ihn zu Fall zu bringen. Lieber riskierte er, Toshiro mit ein paar blauen Flecken abzuliefern als gar nicht. „NEEEIIIIIIIN!!!“, schrie der Flüchtende, als etwas Schweres (namens Yamato) in ihn hineinkrachte, und zappelte sich aus seinem Mantel heraus – denn mehr hatte der Tsukigata von ihm auf die Schnelle nicht zu fassen bekommen. Sowie Toshiro erneut davonwitschte, klatschte Yamato der Länge nach zwischen Schlamm und Steine am Ufer. Ein nicht ganz jugendfreier Fluch ließ zwar ahnen, dass der Tsukigata nicht ernstlich verletzt war, aber auf die Beine kam er noch nicht. Nun lag alles an Ai.
     
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