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Die große Bibliothek

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Es war nichts Neues, dass sie missverstanden oder sogar als Wurzel allen Übels von anderen deklariert wurde. Nicht ohne Grund hatte man ihr damals den Spitznamen des Rabenmädchens verliehen... Raben waren schöne, ausgesprochen intelligente und stolze Vögel; allerdings sah man sie als Boten des Unglücks und ihre Sichtung machte die meisten Menschen nervös, weil es nichts Gutes bedeuten konnte, wenn sie in der Nähe waren. Damals hatte ihr dieser Name schwer zugesetzt, heute trug sie ihn mit stolz, wie eine Rüstung: sollte man in ihr doch den Unglücksraben sehen, das Rabenmädchen, welches über den Dingen schwebte und ihre eigenen Ziele verfolgte. Es war traurig - immerhin war sie Kunoichi geworden um stark zu werden und andere beschützen zu können, doch sie brauchte keine Anerkennung von Anderen - das hatte sie früh lernen müssen. Im Endeffekt...war sich jeder selbst am Nächsten und flog allein. Nun...so allein war die junge Hayabusa gar nicht, immerhin hatte sie stets Saku an ihrer Seite und dafür war sie dankbar, auch wenn sie den Rabengeist manches Mal verfluchte. Aber auch er war ein Rabe... oder hatte er aufgrund ihrer Prägung nur die Form eines Rabens angenommen? Sie wusste es nicht und hatte sich auch nie tiefer gehend mit Geistern beschäftigt: ein Fakt, den sie nun bereute.

Wenn sie sich mehr mit Tiergeistern beschäftigt hätte - mit diesem speziellen Teil ihres Bluterbes - dann hätte sie wenigstens gewusst, wie sie nun verfahren musste. Stattdessen hatte sie sich von diesem Aspekt der Hayabusa gänzlich abgewandt, insofern es mit Saku im Schlepptau möglich war. Es gehörte sogar zu ihren persönlichen Prinzipien, zu ihrem Mantra, wenn man so mochte - dass sie sich von Geistern fern hielt. Aber sie konnte doch nicht einfach den Blick abwenden, wenn dieser Ort heimgesucht wurde...oder? Dank Saku wusste sie, dass die Tiergeister keinen realen Schaden anrichten konnten, sie konnten kaum Einfluss auf ihre Umwelt nehmen. Das klang vielleicht beruhigend für die Menschen, war für die Tiergeister allerdings umso frustrierender, sodass sich in vielen Zorn und Missgunst anstaute. Hatten diese negativen Gefühle genug Ausmaß angenommen, war es ihnen durch aus möglich sich bemerkbar zu machen. Eine Gänsehaut, ein kühler Luftzug für jene, die für diese Dinge empfänglich waren. Ein Unwohlsein, das deutliche Gefühl, unerwünscht zu sein, ein nagendes Unbehagen ... das Gefühl, beobachtet, verfolgt zu werden. All das konnte einen einschüchtern und sorgte dafür, dass die einst so gemütliche Bibliothek stark an Besuchern eingebüßt hatte. Und Kaya hatte das dumme Gefühl, dass dieser Zorn des Geistes nur mehr werden würde und noch mehr Besucher vertreiben würden: sie hatte dieser Geist zumindest bisher erfolgreich von hier fern gehalten.

Aber was sollte sie tun? Eine Art Besänftigung? Exorzismus? Was sollte sie bitte ausrichten können? Sie konnte den schemenhaften, dunklen Geist wahrnehmen, ihn sehen - dank ihres Falkenblicks - aber mehr auch nicht. Das letzte Mal so hilflos gefühlt hatte sie sich damals... als ihre geliebte Großmutter erkrankt war und schließlich für immer die Augen schloss. Und dieses Gefühl, was tief in ihr nagte, machte es ihr unmöglich an irgendwas anderes zu denken oder irgendwas anderes zu fühlen. Sie musste einfach irgendwas tun, allein um dieses Gefühl los zu werden. Und um die Bücherei zu ihrem alten Glanz zu verhelfen, damit sich hier wieder mehr Besucher einfanden und auch länger blieben: nicht nur um eilig ein Buch zu suchen, es zu finden, auszuleihen und dann schnell das Weite zu suchen. Eigentlich lud dieser Ort zum Bleiben ein ... wenn da nicht diese Präsenz wäre. Aber was sollte sie dagegen tun? Sie kannte sich nicht aus und wusste nicht ansatzweise was zu tun war. Aber hey - wozu war sie denn hier in dieser gewaltigen Bibliothek? Wo, wenn nicht hier würde sie vielleicht einen zweckdienlichen Text finden, vielleicht sogar ein Buch über Tiergeister, welches ihr weiterhelfen konnte? Oder sollte sie direkt die harten Geschütze auffahren und nach einem Buch über Exorzismus suchen? War das nicht zu übertrieben...? Außerdem waren Tiergeister ja nicht gleich Geister... die gabs doch eigentlich gar nicht. Oder... vielleicht doch? Bei dem Gedanken rannte ihr ein kalter Schauer über den zierlichen Rücken. So ein verfluchter...! Was sollte sie nur tun? Ihre Kameraden durfte sie da nicht mit reinziehen - sie wüsste auch gar nicht wie. Als ob ihr einer von denen glauben würde...abgesehen davon, durfte sie auch gar nicht darüber sprechen. So wollten es die wenigen, doch strikten Gesetze ihres Clans... der Falkenclan.. die Hayabusa. So ein verdammter Mist...

Shunsui; er würde ihr glauben... oder? Aber sie durfte ihm ja nichts erzählen... Aber... aber! Er würde ihr sicher helfen, ihr glauben schenken, dass das was sie taten einen bestimmten Sinn verfolgte und sie nicht völlig übergeschnappt war. Wenn sie jemanden vertrauen konnte, dann ihm - oder nicht? Anders herum... hatte sie erst heute Morgen - zusammen mit zwei anderen - von seiner Beförderung erfahren... warum war er damit nicht gleich zu ihr gegangen? Warum hatte sie nicht zuerst davon erfahren? Waren sie sich doch nicht so...nah, wie sie gedacht hatte? Bei dem Gedanken schmerzte ihr Herz; ein heftiger Stich in der Brust verschlug ihr den Atem und sie biss sich leicht auf die Unterlippe. Verdammt...! Das war echt eine ätzende Situation. Und jetzt war sie auch noch an den Empfang verband worden...hier konnte sie keine Nachforschungen anstellen und war auch noch auf dem Präsentierteller; noch schlechter hätte es nicht laufen können. Außerdem wollte sie mit Shunsui reden...an seiner Seite sein... stattdessen fand sie sich neben Joudan wieder. Nicht, dass sie dessen Gesellschaft nicht mochte; ganz im Gegenteil! Sie mochte und schätzte den Größeren - vermutlich sogar mehr als gut war... aber er war ihr gerade keine große Hilfe. Oder...? Konnte sie ihm vertrauen? Darauf vertrauen, dass er ihr helfen würde ohne große Fragen zu stellen? Das er ihr vertrauen würde...? Oder war das zu viel verlangt...? Wieder schoss ihr die Stimme ihrer Großmutter in den Sinn, wie sie ihr eingebläut hatte niemals mit irgendwem über Saku oder allgemein über die Tiergeister zu sprechen... verflucht....! Was sollte sie nur tun?

Unsicher welches Ziel sie damit eigentlich verfolgte, begann sie am Empfang herum zu wühlen und nach irgendwas zu suchen. Irgendwas, was ihr irgendwie helfen würde. Dabei machte sie auch vor den persönlichen Dingen des alten Mannes keinen Halt - das ging vielleicht etwas zu weit, aber sie wusste sich einfach nicht zu helfen und irgendwas musste sie doch tun...! Saku hockte auf dem Tresen des Empfangs und hielt aufmerksam Wache ob sich der fremde Geist versuchte zu nähern - auch der Rabe war in höchster Alarmbereitschaft. Joudans ausgesprochene Gedanken zu der Einteilung ihrer Aufgaben nahm sie daher nur am Rande wahr. "Vermutlich sieht er in uns mehr Muskeln als Hirn." stellte sie gewohnt trocken fest. Hoffentlich ging es Shunsui und der Prinzessin gut... und der Geist ließ sie ihn Ruhe. Insgeheim hoffte die junge Hayabusa, dass Sakus Auftreten und ihre Aufmerksamkeit gereicht hatten um den Geist vorerst in die defensive zu drängen. Vermutlich würde er... oder es die Situation auch erstmal aus sicherer Entfernung beobachten. Endlich hatte sie eine schmalere, etwas versteckte Schublade entdeckt; vermutlich hielt der Alte hier seinen privaten Kram auf. Kaya schluckte, auch wenn man es ihr nicht zutraute - gerade im Bezug auf die früheren Ereignisse des Tages - hatte sie sehr wohl Respekt vor der Privatsphäre anderer. Deswegen zögerte sie auch die kleine Holzschublade einfach ungefragt zu öffnen. Joudans ungewohnt aussaglose Ansprache kam ihr daher ganz Recht. Noch in kniender Haltung sah sie zu ihm auf und eine leichte Röte stahl sich auf ihre Wangen: Was?! Wie kam er denn ausgerechnet jetzt auf so etwas zu sprechen...? Und was sollte das heißen...? Er war gern mit ihr zusammen unterwegs...? Worauf wollte er damit hinaus...? Sie war ihm eine gute Freundin... was meinte er damit?

Welches Ziel auch immer er mit dem plötzlichen Geständnis verfolgte; er hatte sich zumindest ihre volle Aufmerksamkeit gesichert. Gerade als sie sich wieder erhoben hatte um ihm gegenüber nicht noch kleiner zu sein, als sie es eh schon war, traf sie sein alle entwaffnendes Lächeln. Dieser Chameur...!! verfluchte sie ihn innerlich, während ihre glühenden Wangen und Ohren jedoch verrieten, dass es sie dezent aus dem Kontext gerissen hatte. Sie wusste nicht, wie sie dem entgegnen sollte, sondern spürte nur deutlich wie ihr Blut und Hitze zu Kopf stiegen. Sie hatte mir so ziemlich Allem gerechnet...aber nicht damit! Ihre Hand hatte sich von der verdächtigen Schublade gelöst und sich nun stattdessen auf ihre Lippen gelegt, sie unterstrich ihre offensichtliche Überraschung. Es war das erste Mal, dass ihr neben Shunsui jemand sagte, dass er gerne Zeit mit ihr verbrachte oder ihre Gesellschaft schätzte - nein, das stimmte nicht...! Ray hatte es ihr auch schon mal gesagt. Aber das...war irgendwie etwas anderes gewesen. Vielleicht, weil sie verwandt waren...? Oder so? Sie wusste es nicht: jedenfalls war sie nun auf eine ganz andere Art und Weise überfordert; wie sollte sie reagieren? Was sollte sie erwidern? Ja - sie genoss es auch Zeit mit dem Größeren zu verbringen und sie würde wohl genau so weit gehen ihn als Freund zu bezeichnen ... oder? War er ihr Freund? Waren sie Freunde...?

Während sie ihm eine Antwort schuldig blieb, wechselte er das Thema und kam auf Shunsui zu sprechen: Aha...! Darauf wollte er eigentlich hinaus...dieser Fuchs. Langsam senkte sich ihre Hand wieder und lehnte sich leicht, ohne jeden Druck gegen den Rand des Tisches. Er wollte sie wohl aushorchen und mehr über ihre Verbindung zu Shunsui erfahren - unwillkürlich musste sie grinsen: Was für ein manipulativer Dachs er doch war...! Anerkennend sah sie zu ihm auf; immerhin wusste er was er wollte und das konnte sie akzeptieren. Doch ehe sie antworten konnte, öffnete der alte Mann die breite Eingangstür und ließ die ersten Besucher herein. Das war es jedoch nicht, was Kayas Aufmerksamkeit schlagartig in Anspruch nahm - Saku stieß sich plötzlich wie aufgescheucht vom staubigen Tresen ab und stieg in die schwere Lust empor - die aufgewirbelten Staubkörner glänzten im einfallenden Sonnenlicht beinahe wie kleine Sterne. Irgendwas hatte ihn aufgescheucht und dieses etwas ließ Kaya reflexartig zu Joudan aufschließen. Ohne zu zögern warf sie sich ihm entgegen um ihn vor dem, was kam zu beschützen - doch dieser unfassbar schnelle, wendige Schatten wich nicht nur den Sonnenstrahlen aus, sondern schoss auch knapp an Kayas Rücken vorbei an die hinter ihnen gelegene Wand. Dieser...Geist, dieses schemenhafte Geschöpf hatte es irgendwie geschafft ein Bild von der Wand zu reißen, welches nun scheppernd zu Boden krachte und dessen Glas lautstark zerbrach.

Kayas Hände hatten sich an Joudans Brust gelegt, ihr zierlicher, doch muskulöser Körper hatte sich eng an den seinen geschmiegt - wenn er ihr nicht entgegen gehalten hätte, hätten sie ob ihres Schwungs sicherlich eine ähnliche Bruchlandung auf dem Boden hingelegt. "Was zum?!" fluchte der alte Mann lautstark, es war sicher in der gesamten Bücherei zu vernehmen, wie er seine Stimme erhob: "Ist euch Turteltauben denn noch zu helfen?!" schimpfte er sichtlich beiquert. Einige der eintretenden Gäste wurden Zeuge von der vermeintlich ertappten Zweisamkeit und glucksten vielsagend. "Hört auf zu kuscheln und macht euch an die Arbeit...!" fuhr er fort und tapste in überraschend schnellen, wütenden Schritten auf die Beiden zu: "Seid Ihr denn von allen guten Geistern verlassen...! Stoßt mein Bild von der Wand...! Seht nur..es ist zu Bruch gegangen." mit bekümmerter Miene sah er über den Tresen hinweg auf den Boden. Kaya hatte gerade überhaupt keinen Kopf für die Peinlichkeit dieser Situation - ihr Interesse galt dem Bild: konnte es sein...? Hatte der Geist sie absichtlich darauf aufmerksam gemacht...? Fasziniert betrachtete sie das Portrait, welches hinter dem zerbrochenen Glas zu ihr empor sah: darauf war eine ausgesprochen flauschige, edle Katze zu sehen mit bemerkenswert gepflegtem Fell - es war auf dem ersten Blick zu sehen wie viel Liebe diesem Tier zu teil geworden war. "Meine arme Sissy..." nuschelte der Alte betrübt. Kaya hob das Bild behutsam auf und versuchte auf dem Weg zurück zum Tresen das Bild nicht nur genauer zu betrachten, sondern auch die einen oder anderen Scherben zu entfernen. "Ist das ihre Katze?" fragte das Rabenmädchen und reichte ihm das Bild: konnte es sein das...? "Nein. Das war mein Esel." zischte er empört und riss ihr das Bild aus der Hand, wodurch sie sich an einer der Scherben schnitt. "Au...!" fluchte die Hayabusa und steckte sich den Daumen reflexartig in den Mund um das aufkommende Blut direkt aufzufangen. Es war ein sauberer Schnitt, der nichts besonders tief war: aber am Finger blutete sowas halt immer recht gern. Obwohl es durch aus schmerzte, konnte sie sich gerade nicht darum kümmern - es war also seine Katze gewesen... "Meine arme...kleine...Sissy." Konnte es sein das?! Ihre tiefschwarzen Augen weiteten sich, während ihr Blick auf dem in der Luft schwebenden und stumm vor sich hin zeternden Raben Saku fiel: Konnte es sein das der Tiergeist, der die Bücherei heimsuchte, diese Sissy war...?!
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Shunsui wollte direkt mit der Arbeit beginnen, doch ehe er das erste Buch auch nur in die Hand nehmen konnte, wurde er schon unterbrochen, denn Nanami wollte sich zunächst einen Plan zurechtlegen! Interessiert beugte sich der Jirokou vor und betrachtete die junge Frau dabei, wie sie sich schnell Schreibutensilien besorgte und einen entsprechenden Plan skizzierte. Während ihrer Erklärungen nickte der Jirokou bestätigend, immerhin ergaben ihre Worte mehr als nur ein bisschen Sinn. Dank ihrer Planung würde es ihnen sicher gelingen, ihre Aufgabe schneller als gedacht zu Ende zu bringen. „Guter Plan, dann lass uns zunächst mal damit beginnen, die Bücher in verschiedene Gruppen und Kisten zu sortieren.“, bestätigte Shunsui ihren Plan und rückte sich seine falsche Hornbrille zurecht. „Sobald das erledigt ist, werde ich die Kisten zu den jeweiligen Abteilungen bringen, und du kannst schon mal damit beginnen, die Bücher einzuordnen.“ Man sollte nicht vorschnell aufgrund des Äußeren urteilen, doch der Blondschopf konnte mehr als nur eine kleine Kiste heben, weshalb er diesen lästigen Teil der Aufgabe schnell und effizient übernehmen würde, anstatt dass Nanami mit diesen Kisten durch die halbe Bibliothek rumlaufen musste. Zufrieden mit ihrem Plan, drehte sich der Jirokou um, damit er die ersten Bücher inspizieren konnte, als er von ihrer Frage überrascht wurde. “Sag mal ... kennst du eigentlich diese Hayabusa Kaya? Ich werd aus ihr irgendwie nicht richtig schlau.” Der junge Mann zögerte einige Augenblicke, ehe er sich ihr wieder zuwandte. Dann war er also nicht der Einzige, der Kayas seltsames Verhalten bemerkt hatte! Also war wirklich etwas mit ihr los und es lag nicht etwa an ihm und seiner Beföderung. Eine Welle der Erleichterung brach über ihn ein, sodass sich ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht bildete. „Ja, ich kenne sie. Wieso? Was ist mit ihr?“ Immerhin war der Jirokou ja als Letztes dazugekommen, weshalb Nanami wohl einen besseren Eindruck vom seltsamen Verhalten der Hayabusa bekommen hatte.

Ehe das Gespräch fortgesetzt werden konnte, ertönte mit einem Mal eine laute und empörte Stimme. "Was zum?!" Das war definitiv die Stimme des alten Mannes, ihres Auftraggebers? Eiligen Schrittes und besorgt um Kaya – auch wenn sich Shunsui sicher war, dass sie gut auf sich aufpassen konnte und immerhin war ja Joudan auch noch da – unterbrach der junge Mann das Gespräch und machte einen Satz zur Quelle des Urprungs. Die Bücher rauschten an ihm vorbei, als seine Beine sich federleicht und mühelos vom Boden abstießen, sodass er kaum eine Sekunde nach Ertönen der empörten Stimme um die Ecke schaute. Und was er da sah und hörte, sorgte dafür, dass es ihm eiskalt den Rücken herunterlief. Einerseits gab es da die Kunoichi, die sich eng an Joudan geschmiegt hatte. Ihre Hände ruhten auf seiner Brust und mit einem Stich in seinem Herzen stellte er fest, dass sie ihn doch normalerweise auch so berührte. Andererseits gab es da den alten Mann, der wirklich sein Bestes gab, um seiner Empörung ob zwei turtelnder Jungspunde Ausdruck zu verleihen. Das Wort Turteltauben sowie kuscheln fiel, doch für den Jirokou fühlte es sich ganz so an, als ob er alles durch einen rauschenden Filter vernahm. Seine Augen starrten wie gebannt auf die Hayabusa und den Kushou, nicht in der Lage, das was er sah, wirklich zu verarbeiten. *Ich dachte … es istetwas Besonderes zwischen uns.*, ertönte ein schmerzhafter Gedanke in seinem Verstand, während sein Herz immer lauter pochte. *Was … soll das?* Neben einem kalten Schmerz, mischte sich plötzlich auch brodelnder Zorn in ihm – eine Kombination, die der junge Mann seit Monaten nicht mehr gefühlt hatte. Seitdem er dank Kaya einen neuen Weg eingeschlagen hatte. Aber war das etwa alles nur eine Lüge gewesen?!

Nun, sicherlich hätte Shunsui beim Anblick der Beiden einen kleinen Stachel der Eifersucht gespürt, aber was hatte es gerade mit dieser ungewöhnlich heftigen Reaktion auf sich? Die Antwort darauf war unsichtbar und vermutlich nur für Kaya und Saku zu sehen, denn eine wabernde, dunkle und katzenförmige Gestalt hatte es sich auf den Schultern des falschen Brillenträgers gemütlich gemacht. Von allen Anwesenden hatte er nämlich aufgrund seiner vergangenen Erlebnisse die meiste negative Energie, von welcher der Tiergeist scheinbar wie Motten vom Licht magisch angelockt wurde. Und diese Energie nutzte der Katzengeist als Katalysator und gewann dadurch sogar noch an Größe dazu! Shunsui indes hatte genug gesehen und stapfte wütend davon, zurück zu den Büchern in den Kisten. Das nächste Buch, dass in Reichweite war, griff er sich und pfefferte es durch den ganzen Gang, wobei es gegen ein Regal klatschte und dieses aufgrund der Wucht des Aufpralls ordentlich durchgeschüttelt wurde. Die Faust des jungen Mannes hatte sich so stark geballt, dass seine Knöchel am Handrücken weiß hervorstachen. „Ich dachte, dass ich sie kenne.“, revidierte der junge Mann seine Aussage gegenüber Nanami, ohne ihr in die Augen zu schauen. „Lass uns einfach weiter machen.“ Dieser blöde Job, warum zum Teufel hatte er ihn überhaupt angenommen?! Während er die Bücher begutachtete, mahlten seine Kiefer und hätten bei diesem Druck wahrscheinlich eine Metallkugel zermalmen können. Das war also der Grund, warum sich Kaya ihm gegenüber so kalt verhalten hatte! Sie hatte nun genug von ihm und hatte ihre Aufmerksamkeit nun dem Kushou geschenkt. *Ich dachte, wir wären Freunde.*, dachte sich Shunsui verbittert, während er an den gutmütigen und netten jungen Mann dachte, den er als eine der wenigen Personen zu seinen Freunden zählte. *Du hast keine Freunde.*, ertönte eine leise und dunkle Stimme in ihm, die vom Aufkommen der negativen Energie durch den Katzengeist geweckt worden war und die Chance sah, Shunsui von seinem törichten Weg ins Licht abzubringen und sich erneut seinem dunklen Selbst hinzugeben.
 
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“Ausgezeichnet” Nanami freute sich, dass ihr kleiner Plan auf Zuspruch gestoßen war und von Shunsui als gut empfunden wurde – sie liebte es, wenn ein Plan funktioniert. Außerdem wären die beiden auf diese Weise wesentlich effizienter. Dass der Blondschopf vorschlug, all die schweren Bücherkisten durch die gesamte Bibliothek zu schleppen, überhörte die Hōzuki nicht. Vielleicht schätzte er die Weißhaarige mit ihrer zierlichen Erscheinung als nicht stark genug ein, oder er wollte den Gentleman spielen, vielleicht sah er es aber auch nur selbst als kleines Training für sich selbst an. Was auch immer es wohl gewesen sein mag, Nanami schätzte eine Diskussion an dieser Stelle als nicht zielführend ein, schließlich war dies blos ein kleiner Job und sie war sich sicher, dass sie dem Jirokou noch früh genug in einer richtigen Mission beweisen konnte, was in ihr steckte! Als sie dann auf Kaya zu sprechen kam, zeichnete sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen ab. “Sie hat sich nur etwas son..” wollte sie ihm ihre Gedanken zu der Schwarzhaarigen äußern, als sie plötzlich von einem lautstarken Ausruf der Empörung unterbrochen wurde. Die Stimme hatte sie zuvor bereits gehört, sie entstammte ohne Zweifel dem alten Herren, der die Vier zuvor empfangen hatte. Erschrocken über den plötzlichen Tumult erhob sie sich reflexartig und war überrascht wie schnell und flink Shunsui auch schon auf den Beinen war und sich an der nächsten Ecke hinter einem großen Bücherregal versuchte ein Bild von dem zu machen, was sich dort am Eingangsbereich abspielte. Alles, was Nanami mitbekommen hatte, war, dass der Bibliothekar die Eingangspforte für seine Besucher geöffnet hatte und anschließend fielen Worte wie Turteltauben und kuscheln. Außerdem irgendetwas mit einem Bild. Der Rest ging im allgemeinen Geräuschewirrwar unter und Shunsui sah ja bereits nach dem Rechten, für Nanami gab es also keinen Grund ihren Posten auch noch zu verlassen. Also entschied sie sich einfach ihrer Arbeit nachzugehen und die ersten Bücher in eine Kiste zu stapeln. Es wird schon nichts Ernstes passiert sein. Vielleicht irgendwelche Besucher, die sich etwas daneben benommen hatten und versehentlich ein Bild von der Wand gestoßen hatten, worüber sich der Alte dann vermutlich zurecht aufgeregt hatte.

Nanami spürte nur den Windhauch eines Gegenstandes, das nur etwa einen Meter an ihr Vorbei sauste, sowie das Geräusch von flatterndem Papier, gefolgt von einem dumpfen Knall. Erschrocken drehte sie sich um und wollte bereits reflexartig an ihre Kunaitasche am Bein greifen, die sie jedoch nicht bei sich trug. Ein Regal weiter hinten im Gang bebte und knarzte gefährlich, doch seine Verankerung am Boden und in der Wand hielten es fest und davon ab zu kippen. Auf dem Boden lag ein völlig lediertes Buch und ein paar Seiten flatterten langsam zu Boden. Aus der Richtung, aus der das Buch geflogen kam, stapfte ein wütender Shunsui zurück an seinen Arbeitsplatz und begann damit einige Bücher zu inspizieren und sie anschließend lieblos in eine Kiste zu werfen. “Ich dachte, dass ich sie kenne. .. Lass uns einfach weiter machen.” kommentierte er wortkarg. Ihm war deutlich anzusehen, dass ihm gerade nicht nach einem netten Pläuschen war. Er knirschte seine Zähne laut hörbar und sein gesamter Körper wirkte unglaublich angespannt. Was hatte sich da vorne nur abgespielt? Nanamis Blick fiel zurück zu dem ledierten Buch und sie entschied, dass es das Beste sei die Spuren der kleinen Verwüstung lieber verschwinden zu lassen oder sie lieber direkt dem Bibliothekar zu melden, bevor es deswegen noch ärger gab. Doch als sie sich daran machte die losen Seiten aufzusammeln, war es bereits zu spät. “Was ist denn hier schon wieder los?!” rief die aufgebrachte Stimme des alten Herren, der sich vor der Weißhaarigen aufgebaut hatte. “Ich hatte um Unterstützung gebeten! Doch alles, was ich bekomme, ist eine Gruppe Halbstarker, die es nicht nur nicht schaffen die einfachsten Aufbaben zu erledigen, sondern auch noch glauben dies hier wäre ihre private Wohnstube, in der sie ungestört herumturteln können und obendrein auch noch die Einrichtung demolieren!” Herumturteln? Kuscheln? War es das, was Shunsui gesehen hatte? Hatte Joudan etwa was mit dieser Hayabusa? Das hatte vorhin, als wir alle vor der Bibliothek standen aber noch nicht so gewirkt .. seltsam .. Das Luftholen des aufgebrachten Alten nutzte die Kunoichi um selbst das Wort zu ergreifen und sich in einer tiefen Verbeugung vor ihm auf die Knie niederzulassen. “Gomen nasai Kobayashi-sama. Mein Name ist Hōzuki Nanami und ich möchte mich im Namen meines Teams bei ihnen in aller Förmlichkeit entschuldigen. Sie sind nur etwas durcheinander, ich bin mir sicher, dass wir die Aufgaben, die sie uns aufgetragen haben zu ihrer vollsten Zufriedenheit erledigen werden. Es tut mir außerdem furchtbar leid, dass dieses Buch hier leider etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es ist mir wohl aus der Hand gerutscht, als ich es ins Regal räumen wollte ..” Den Blick noch immer zu Boden gerichtet, hörte sie den Alten nur grummelig schnauben. “Jetzt steh schon auf Mädchen .. mach dich lieber wieder an die Arbeit ..” knurrte er missmutig. “Leg mir das Buch einfach ins Büro, ich werde sehen, ob ich Ersatz dafür finde..” Phu nochmal Glück gehabt. Irgendwie hatte die Weißhaarige es geschafft, ihn zu besänftigen. Nun durfte dem Viererteam jedoch keine weiteren groben Fehler mehr unterlaufen, sonst würde Kobayashi-san sie alle rauswerfen und dieser Auftrag wäre dahin. Sie beobachtete den Alten, wie er wütend vor sich hin grummelnd davon stapfte und blickte dann hinüber zum Empfangstresen, an dem Joudan und Kaya saßen. Von diesem Ende des Ganges aus hatte man wieder ein freies Sichtfeld über den Eingangsbereich. Was war nur auf einmal los mit allen? Waren Kaya, Shunsui und Joudan von allen guten Geistern verlassen?
 
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Kaya blieb still, keine Antwort belohnte Joudans Frage. Sie gab ihm auch kein Kommentar zu Shunsui, kramte in stattdessen Schubladen herum. Joudans Blick ruhte auf der Schwarzhaarigen, sah ihr bei ihrem Treiben zu. Wonach sie wohl suchte?
Dann plötzlich schreckte Kaya auf. Joudan hatte absolut nicht bemerkt, was denn für die Reaktion des Rabenmädchens verantwortlich sein konnte, doch wie sie ihren Kopf plötzlich herumriss, wie ihr plötzlich Sorge in den rabenschwarzen Augen stand und wie sie dann zielsicher Joudan ansah, zweifelte der Gentleman-Shinobi keineswegs daran, dass irgendetwas hier nicht stimmte.
Dann machte Kaya einen Satz auf den Blonden zu und schubste ihn rückwärts. Sein erster Schritt nach hinten war noch taumelnd, doch mit dem zweiten hatte er sicheren Stand gefunden, hielt Kayas Ansturm inne, sodass ihr sportlicher Körper nun an Joudans Brust drückte. "Holla.", dachte ein primitiver Teil seines Wesens, doch schon im nächsten Herzschlag klirrte es Laut und ein Bild ging zu Bruch. Der alte Herr Kobayashi schimpfte Kaya und Joudan, machte sie wohl für den Sturz verantwortlich, doch Joudan hatte das besser beobachten können. Weder Kaya noch er wahren in der ähe der gerahmten Fotografie gewesen. Es wirkte mehr, als hätte etwas - oder jemand - sie umgeworfen. Seine Gedanken schossen zurück an die unsichtbare Hime, die in Shinkusa für Unruhe gesorgt hatte. Wie damals schon war seine erste Reaktion, das dritte Auge zu öffnen. Zwei schnelle Fingerzeichen später schoss eine kaum spürbare Chakrawelle von seinem Körper aus, wurde von Kaya und ein, zwei der Besucher reflektiert und fand seinen Weg zu Joudan zurück. Doch nichts deutete auf einen unsichtbaren Übeltäter, zumindest nicht in der Reichweite von Joudans
Mezame San-gan: Kawanami.
Stirnrunzelnd wandte Joudan sich an Kaya, griff sie vorsichtig an beiden Schultern (Die Fingerzeichen für sie Jutsu hatte er quasi um sie herum hinter ihrem Rücken gebildet) und sorgte für einen kleinen Anstands-Abstand zwischen dem jungen Herren und der jungen Dame.
"Danke, Kaya..", war das erste, was er ihr sagte, denn im Gegensatz zum Bibliothekar hatte Joudan die Intention des Rabenmädchens verstanden, Joudan zu beschützen.

Bei der anschließenden Standpauke blieb Joudan wortkarg.
"Wird nicht wieder vorkommen...", war alles, was er zu erwidern hatte. Nun galt es nicht, sich groß zu rechtfertigen, sondern die Ursache dieses Phänomens ausfindig zu machen. Während er sich aus der Westentasche ein violettes Seidentuch zog und es ganz beiläufig Kaya zusteckte.... "Für den blutenden Finger." ...grübelte er. Und er kam zu einem Schluss. "Du siehst etwas, was ich nicht sehe, richtig?" Anders konnte es nicht sein. Kaya hatte reagiert, noch bevor das Bild in die Brüche gegangen war. Sommerwiesengrüne Augen lagen erforschend auf den nimmerhellen Seelenspiegeln der Hayabusa. Dort fand er keinen Widerspruch. "Such Nanami und Shunsui, warne die beiden. Ich verbleibe hier, kümmere mich um den Verleih und bleibe achtsam." Joudan schenkte Kaya ein Lächeln, legte sanft und aufmunternd seine Hand auf ihre Schulter. Dann zwinkerte er ihr zu. "Flieg, Rabe."

Mezame San-gan: Kawanami (Erwachtes drittes Auge: Flusswelle)

Element:
keines
Typ: Ninjutsu
Rang: C
Chakrakosten: C
Reichweite: 20m

Anmerkung: Persönliches Jutsu von Kushou Joudan

Voraussetzung: Chakrakontrolle 4, Chakramenge 2

Beschreibung: Der Anwender hält mit einer Hand das Tora-Handzeichen und streckt die Handfläche der zweiten Hand in eine bestimmte Richtung. Von dieser zweiten Hand aus breitet sich eine Welle aus Chakra aus, die etwa 20m Reichweite hat und kegelförmig ist (deckt etwa 90° ab). Personen, die eine gewisse Menge an Chakra in sich tragen, "reflektieren" einen Teil dieser Welle und werfen sie an den Anwender zurück. Dieser kann so einschätzen, wo sich, innerhalb des Kegels, Ninjas befinden. Eine andere Wirkung (Schaden, Zurückstoßen,...) hat die Chakrawelle nicht.
Die Technik hat allerdings einige Nachteile/Voraussetzungen:
  • Wer eine Chakrakontrolle gleich des Anwenders oder höher hat, kann die Chakra-Welle spüren und wird so auf die Anwesenheit des Anwenders aufmerksam.
  • Personen, die nur wenig Chakra besitzen, können nur schwer erspürt werden. Die Attribute Chakramenge des Ziels und Chakrakontrolle des Anwenders müssen zusammenaddiert 7 oder mehr ergeben, sonst ist der "Scanvorgang" nicht erfolgreich.
  • Erspürte Ninja werfen einen "Schatten" hinter sich, sodass der Anwender von mehreren direkt hintereinanstehenden Gegnern nur den ersten bemerkt.
  • Wände, Bäume,... können nicht "durchleuchtet" werden. Flüßigkeiten verzerren das Chakra-Echo so sehr, dass der Anwender nur spüren kann, ob jemand mit Chakravorrat in der Reichweite ist, kann die genaue Position aber nicht ausmachen. Allein Gase (auch Rauch) können ohne Probleme durchdrungen werden.
  • Zwischen dem Aussenden und dem Empfangen vergehen ein, zwei Sekunden, sodass ein sich bewegendes Ziel zum Zeitpunkt des Erspürens vielleicht schon an einem ganz anderen Punkt ist.
  • Jutsus und Bunshin unter dem S-Rang besitzen zu wenig Chakra, um von der Technik erspürt zu werden. Die einzige Ausnahme ist hierbei der Kage-Bunshin.
 
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Als sich der groß gewachsene Blondschopf bei ihr bedankte, hatte sie erstaunt zu ihm aufgesehen und für einen winzigen Augenblick hatte sie den missgestimmten Katzengeist vergessen. Konnte es sein..? Konnte es sein das Joudan den Tiergeist hatte sehen können...? Der wohl mit Grund schlecht gelaunte Bibliothekar zog weiter um wohl als Nächstes von dem anderen Duo enttäuscht zu werden. Kaya hatte ihre Hand mit dem blutenden Finger zur Faust geballt - wie es leider für sie üblich war, ignorierte sie den Schmerzimpuls zunächst. Oder besser gesagt.. es half ihr, ihre Gedanken zu ordnen. Sich selbst etwas zu beruhigen und die Lage möglichst sachlich zu betrachten. Dieser Tiergeist war also tatsächlich eine Katze und bei ihr handelte es sich um den verstorbenen Stubentiger des alten Mannes. Ob seine Verletzungen vielleicht auch mit ihr zusammenhingen...? Vielleicht hatte sie ihn bewusst abgelenkt, damit er sich die Hände verbrühte oder sowas. Ihre tiefschwarzen Augen verengten sich, während Saku stumm kreischend über ihr flatterte und sich bedrohlich aufplusterte. Ihm passte es ganz und gar nicht wenn ihr Blut floss. Als Joudan ihr ein Taschentuch reichte, sah sie verwundert auf: damit hatte er sie aus ihren Gedanken gerissen.

Wenn er auch in der Lage dazu war diese "Sissy" - oder was von ihr übrig geblieben war - zu sehen, dann würde er ihr helfen können oder? Vielleicht kannte er sich ja auch etwas besser mit Geistern aus? Ihre Verwunderung wandelte sich zu Hoffnung, die sogleich wieder zerschlagen wurde: Nein...er konnte sie nicht sehen. Leicht senkte sie den Blick - aber warum...? Skeptisch betrachtete sie den Älteren aus dem Augenwinkel; hatte er diesen Schluss einfach aufgrund der Geschehenisse geschlossen...? Auch wenn sie es sich äußerlich nicht anmerken ließ, war sie sehr beeindruckt, dass er in der Lage dazu gewesen war die losen Enden miteinander zu verbinden. Aber... eigentlich ging das doch gar nicht ... oder? Ihre Augen weiteten sich: Moment...! Konnte es sein...? Vertraute er ihr? Vertraute er darauf, dass sie eben nicht den Verstand verloren hatte, sondern es einen Grund gab, warum sie sich so komisch verhielt...? Unter der Prämisse machte es durch aus Sinn das er in der Lage dazu gewesen war die Situation derart gut zu begreifen. Es war für die junge Hayabusa ein ganz Neues und irgendwie auch ... beängstigendes Gefühl: sie kannte es nicht, dass man ihr vertraute. Wobei...nein... das stimmte nicht... Shunsui vertraute ihr. Das tat er - oder? Immerhin hatte er sich ihr anvertraut... aber das war nochmal etwas anderes. Shunsui und sie... sie liebten sich, das war etwas vollkommen anderes. Schlagartig wurde das sonst so selbstbewusste Rabenmädchen hochrot: Moment...! Was...?!

"Eh...ja..." entgegnete sie sichtlich durcheinander. Wie...was?! Sie ... sie war in Shunsui verliebt? Ihr Herz raste, als würde es ihr jeden Moment einfach aus dem Hals springen. Mit der Zustimmung reagierte sie auf Joudans Vorschlag, dass er sich um den Empfang kümmern würde, während sie Shunsui und Nanami warnte. Mit nach wie vor rasender Brust wandte sie sich von Joudan ab, allerdings nicht ohne sein Lächeln zu erwidern: "Danke, Joudan." sprach sie mit ungewohnt sanfter Stimme. Begleitet von ihren rot schimmernden Wangen wirkte sie in diesem Moment tatsächlich wie ein junges Mädchen. Es galt nun aber keine Zeit zu verlieren, weswegen sie sich sogleich daran machte, Shunsui und Nanami aufzusuchen. Dank dem Gespräch zwischen Nanami und dem Alten waren sie auch relativ schnell gefunden. "Saku...!" flüsterte sie dem Rabengeist zu, der scheinbar problemlos aufgeschlossen hatte und neben ihr herflog: "Bitte...beschütze Shunsui." die Augen des Raben - oder zumindest die Lichtpunkte, die sie dafür hielt - weiteten sich erstaunt. Doch Kayas Blick war nach vorn gerichtet, sie achtete darauf keine Regale oder Bücher umzustoßen und nicht mit einem der Besucher zusammen zu stoßen, während sie durch die Bücherei fegte. Ein Gast fluchte dennoch; denn als sie vorbei rauschte brachte sie ob ihrer Geschwindigkeit seine Papiere durcheinander.

Kaya konnte den Geist immerhin sehen und sich auf diese Weise irgendwie schützen...aber Shunsui konnte kaum etwas gegen dieses Vieh tun. Und wenn ihre Erinnerung sie nicht täuschte und dieses Teil sich tatsächlich von negativen Gefühlen ernährte, würde sie in seiner Nähe ein wahres Festmahl wiederfinden. Auch wenn es die junge Dame schmerzte, Shunsui war nach wie vor von einer gewissen Dunkelheit gefangen...dessen war sie sich leider bewusst. Sie machte sich auch keine Illusionen, dass es ihr gelingen würde diese Finsternis einfach so zu verdrängen; dafür war sie schon viel zu lange sein stummer Begleiter gewesen. So wie Kaya sich nicht erinnern konnte jemals ohne Saku zu sein... doch dieses Mal musste sie sich von ihm trennen, auch wenn allein dieser Gedanke ihr Angst machte - aber sie würde es nicht ertragen wenn Shunsui zu Schaden kam. Saku wusste wie wichtig der Jirokou für sein Menschenmädchen geworden war und kam ihrem Wunsch nach - als sie um die Ecke bogen und die Drei endlich gefunden hatten, bestätigte sich Kayas Befürchtung: Sissy hatte es sich auf Shunsuis Schulter bequem gemacht und war sogar gewachsen?! Nicht nur das, sie hatte nun ganz deutlich die Züge dieser Katze angenommen. Schlagartig wurde ihr kalt und schwer ums Herz: dieser Anblick fürchtete selbst sie. Doch Saku ließ sich nicht beirren: unerschrocken stürzte er voran und griff das Katzenvieh an. Zu Kayas Überraschung wuchs auch er während seines Sturzfluges und erinnerte nun weniger an einen Raben, als an einen gewaltigen Falken, der sich auf seine Beute stürzte. Er riss diese Sissy von Shunsuis Schulter und lieferte sich mit dem Mistvieh von Katzengeist einen beeindruckenden Kampf, von dem leider nur Kaya Zeuge bleiben sollte. Zum ersten Mal konnte sie Rays Aversion gegenüber Katzen nachvollziehen - aber dieses Vieh hatte es ja auch gewagt sich von ihrem Shunsui zu nähren...! Dafür sollte sie noch büßen...!

"Shunsui!" rief sie seinen Namen mit einer solchen Inbrunst, dass es einem einen Schauer den Rücken hinunter jagen konnte. Sie umarmte ihn fest, drückte ihn fest an sich, sie war einfach so unfassbar froh ihn zu sehen...! Während er dank Sakus Befreiungsaktion deutlich hatte spüren müssen, wie ihm ein gewaltiges Gewicht von den Schultern genommen wurde und sich sein Gemüt wieder deutlich aufhellen sollte, nachdem ihr Einfluss gebrochen war. "Geht es dir gut?!" fragte sie besorgt und legte die Hände sanft an seine Wangen. Am liebsten hätte sie ihn einfach an Ort und Stelle geküsst... aber immerhin das verkniff sie sich, denn auch wenn sie zunächst nicht den Anschein erweckt hatte: sie wusste, dass sie nicht allein waren. Ihre Hände auf seinen breiten Schultern abgelegt, blieb sie ihm nahe, in der Hoffnung dass diese Nähe das Katzenvieh abschrecken würde. "Was stimmt denn mit dir nicht Mädchen?!" entfuhr es dem alten Mann: "Wirfst dich hier jedem Kerl an den Hals... Das ist ja...!" "Seien Sie still." unterbrach sie den alten Mann grob, während sich ihre Hände vor Wut tief in Shunsuis neue Weste gegraben hatten. Es war unhöflich, aber sie hatte dieses empörte Getue von dem Alten satt. Sie deutete auf das Foto von Sissy, das auf einem scheinbar ramponierten Buch ruhte. Das Beides konnte er trotz seiner Bandagen scheinbar einigermaßen tragen: "Ist das Bild das einzige, was sie von Sissy noch haben? Oder haben sie noch etwas Anderes von ihr?" fragte sie nun ganz direkt und der alte Mann wirkte, als hätte man ihm bei irgendeiner Schandtat erwischt. "Ich...ähm..." begann er zögernd, was Kaya schnauben ließ. Sie wandte sich leicht dem alten Mann zu, ließ jedoch eine ihrer Hände auf Shunsuis Brust ruhen: Sie wollte nur ungern die Nähe zu ihm aufgeben. "...sie ist noch hier." nun ließ sie doch von Shunsui ab und ging einige Schritte auf den Alten zu, während Saku sich Mühe gab das Katzenvieh unter Kontrolle zu halten.

"Wo?" entgegnete die Hayabusa überraschend gefasst, mit sowas in der Art hatte sie schon gerechnet... immerhin schien der Alte sehr an der Katzendame gehangen zu haben. Der Alte senkte schuldbewusst den Kopf, anscheinend wurde auch ihm langsam klar, dass all die komischen Vorkommnisse irgendwie zusammenhingen... "Ich bring dich hin..." schlug er ein wenig eingeschüchtert vor und wandte sich ab um vor zu gehen. Kaya ergriff Shunsuis Hand: "Komm bitte mit, ich brauche dich..." sprach sie eindringlich zu dem Blondschopf gewandt, ehe sie sich Nanami zuwandte: "Nanami, es tut mir leid - wir kommen gleich zurück." Hey, sie hatte sich tatsächlich ihren Namen gemerkt! "Bitte sei wachsam und ...denk an irgendwas Schönes." sie zögerte - okay, das klang wirklich seltsam. "Bitte geh zu Joudan am Empfang und passt aufeinander auf." Das war Alles miteinander höchst fragwürdig und ergab wohl nur für Kaya und Saku Sinn, der sein Bestes gab um den Geist unter Kontrolle zu halten. Der Ton ihrer Stimme verriet jedoch den Ernst der Lage und die dahinter liegende Dringlichkeit. "Er soll auch an etwas Schönes denken." Das waren ihre letzten Worte, ehe sie Shunsui mit sich zog um dem alten Mann zu folgen. "Bitte...bleib dicht bei mir." bat sie ihren Liebsten und drückte seine Hand sanft. Sie verschränkte ihre Finger fest mit den seinen um ein festes Band zu bilden. Sie würde nicht zulassen das dieses verfluchte Katzenvieh ihn wieder tiefer in die Dunkelheit trieb...!

Der alte Mann führte die Beiden in einen kleinen Wohnbereich, der wohl Büro und Pausenraum in einem für ihn war. Schon beim Betreten des Raums schlug ihr die unheilvolle Aura des Geistes entgegen, obwohl er gar nicht hier war, sondern von Saku in Schach gehalten wurde. Aber wie lange würde der Rabengeist noch durchhalten...? Es wurde Zeit diesen Wahnsinn zu beenden...! Fest entschlossen trat sie in die Mitte des Raums und fror schlagartig ein. Direkt hinter dem Stuhl seines Bürotisches stand es - der Grund für den Spuk in der Bibliothek: Sissy. Er hatte sie ausstopfen lassen und nun stand sie in grotesk anmutiger Haltung in ihrer vollen Pracht da. Nur eben... nicht lebendig. Angewidert verzog Kaya das Gesicht. Und dann war der alte Kerl so fleißig dabei andere zu verurteilen...! Ihm schien bewusst wie fraglich diese Trauerbewältigung war. Beschämt drückte er den Bilderrahmen an seine Brust, der zum Glück inzwischen von allen Glassplittern befreit war und ihn somit nicht verletzen konnte. "Ich weiß ja das es unüblich ist, aber ich..." wollte der alte Mann sich erklären. Ganz plötzlich empfand sie sogar so etwas wie Mitleid für den Tiergeist...kein Wunder das die werte Sissy keine Ruhe hatte finden können. Sie schnitt den alten Mann in seiner Rechtfertigung mit einer kurzen Handbewegung ab und löste ihre bis Hand missmutig von Shunsui um mit den frei gegebenen Fingern auf dieses... Andenken zu deuten: "Hat mal jemand Feuer ... um es zu verbrennen?" Wenn dieses Teil erst Geschichte war, hoffte sie, dass sich auf der Zorn des Geistes auflösen würde und der Katzengeist selbst Geschichte werden würde.
 
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Jirokou Shunsui

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Shunsui verstand nicht so recht, was mit ihm los war, denn er zitterte die ganze Zeit über unkontrolliert. Sissy, die verstorbene Katze des Alten, hatte es sich auf seinen Schultern gemütlich gemacht und labte sich an den negativen Erinnerungen des jungen Mannes und war mittlerweile zur Größe eines Luchses herangewachsen. Das Zittern zeigte sich, als der Blondschopf eines der Bücher von einer zur anderen Kiste verlegte, was deutlich für Nanami sichtbar sein sollte. Viel Zeit sich zu fragen, was sie wohl darüber dachte hatte er nicht, denn letzten Endes war sein kleiner Wutausbruch nicht unbemerkt geblieben. Der alte Kobayashi trat um die Ecke und steigerte sich in den nächsten entgeisterten Wutausbruch – zurecht. Zwar würde es der Jirokou in dieser Situation niemals zugeben, doch natürlich hatte der alte Mann jeden Grund wütend zu sein, wenn seine Bücher und gar die Regale beschädigt wurden. Da der falsche Brillenträger jedoch nicht bei rechten Sinnen war, hielt er den Blick während der Schimpftirade gesenkt. Es gab sowieso viel zu viel Lärm in seinem Kopf, als dass er sich wirklich groß um die Worte dieses alten Sacks scherte. Als jedoch wieder das Wort „herumturteln“ fiel, begann es in seinem Inneren wieder zu brodeln und ein heißer Zorn drohte seinen Verstand zu übermannen. Die Dunkelheit in ihm kicherte sichtlich amüsiert über seinen Gemütszustand und der Möglichkeit, den guten alten Shunsui zu beeinflussen. *Töte sie. Töte sie alle! Niemand kann dich aufhalten!* Bei diesem Gedanken erschrak der falsche Brillenträger sichtlich, denn zum ersten Mal merkte er, dass sich etwas ganz und gar nicht richtig anfühlte. Zu seinem Glück übernahm die Hozuki all die Schuld auf sich, sodass sich der alte Kobayashi mit einem Schnauben von ihnen verabschiedete. Gut, dass die grauhaarige Kunoichi so schnell geschaltet hatte, anstatt die Lage eskalieren zu lassen. Wer konnte schon sagen, wie Shunsui in seinem jetzigen Zustand reagiert hätte, wenn er weiter gestresst worden wäre.

Mittlerweile hatte sich ein dunkler Schleier über seine sonst goldenen Seelenspiegel gelegt, was den Einfluss der geisterhaften Katze vor allem für Kaya und Saku sichtbar machen müsste. Nicht mehr lange, und die Dunkelheit in ihm würde sich wieder in sein Herz einnisten, denn sie hatte ihre giftigen Fänge erneut in ihn geschlagen und vergiftete Gedanken in seinen Verstand geschickt. Das war auch der Grund dafür, dass sich diese dunklen Gedanken mittlerweile manifestiert hatten und der falsche Brillenträger tatsächlich glaubte, sie kämen von ihm selbst. Das Bild von Joudan und Kaya, die sich innig umarmten und küssten – hier ging seine Fantasie etwas mit ihm durch – ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb würde sein Freund, der ihn verraten hatte, dafür bezahlen müssen. Als Erstes würde er zu ihnen gehen, am besten jetzt sofort, und ihn durch die halbe Bibliothek schlagen, ehe … In diesem Augenblick nahte die Rettung in der Form von Saku, dessen Größe sich dem seines geisterhaften Rivalen angepasst hatte, um diesen vom Jirokou zu lösen. Das Loslösen von Sissy hatte einen kuriosen Effekt auf Shunsui, denn sein Verstand war plötzlich blank und er erinnerte sich nicht mehr, was in den letzten Minuten geschehen war. Das Allerletzte, an was er sich erinnerte, war dieser Tumult. *Was ist passiert?* Keine Sekunde später ertönte sein Name, gesprochen von einer sehr vertrauten Stimme. *Kaya?* Was war nur los? Ihre Stimme schien … ängstlich zu wirken? Und ehe er es sich versah, umarmte sie ihn mir nichts, dir nichts und hielt ihn so fest, als ob sie ihn seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Was war nur in den letzten Minuten geschehen? Zögerlich legte der junge Mann seine Arme um die junge Frau, um die Umarmung zu erwidern und es war ihm in diesem Augenblick egal, dass Nanami sie dabei beobachte. Die Arme musste komplett verwirrt sein ob der Ereignisse der letzten Minute, was? Und diese Verwirrung würde vermutlich noch zunehmen, als die Hayabusa sich aus der Umarmung löste und anschließend sein Gesicht in ihre weichen und zarten Hände nahm, um es genauestens zu begutachten. „Mir geht es gut. Aber was ist los?“, fragte er die junge Frau und blickte ihr dabei in ihre tiefschwarzen Augen. Nicht nur sie musste in diesem Augenblick den Impuls eines Kusses unterdrücken, denn auch Shunsui konnte sich nicht zurückhalten, als sein Blick auf ihre Lippen fiel. Es hatte ganz den Anschein, als wolle sein Körper die Menge an negativen Empfindungen der letzten Minuten kompensieren, weshalb er sogar ein Kuss in aller Öffentlichkeit in Betracht zog.

Doch kaum hatte sich der Blondschopf nach vorne gebeugt, um die Kunoichi zu küssen, kam auch schon der Alte zurück und begann sie auszuschimpfen. Nun war der falsche Brillenträger völlig verwirrt. Kaya? Die sich an die Hälse jeglicher Männer warf? Verwirrt blickte er seine Liebste an, die den Alten jedoch mit einer wütenden Bemerkung zum Schweigen brachte. Wer war Sissy? Warum hatte der alte Mann ein kaputtes Bild in seinen Händen? Und wieso schien die Hayabusa so aufgeregt und fragte eindringlich nach Hinterlassenschaften besagter Sissy? Der Jirokou verstand nur Bahnhof und folgte dieser Unterhaltung schweigsam, im Versuch, etwas herauszulesen, was ihm dabei helfen würde, seine Verwirrung aufzulösen. Dazu kam es zwar nicht, jedoch machte das Herz von Shunsui trotzdem einen Hüpfer, als sich die Finger der jungen Frau mit seinen verschränkten und sie ihn bat, mitzukommen. „Alles klar.“, erwiderte er kurz uns bündig und drückte ihre Hand kurz zur Bestätigung. Zwar noch ein wenig verwirrt, aber er vertraute ihr und wenn sie seine Unterstützung benötigte, dann würde er sie auf jeden Fall geben. Es erfolgte wieder ein kurzer Gesprächsaustausch zwischen den beiden jungen Frauen, denen der Jirokou zwar folgen konnte, ohne jedoch den Inhalt zu verstehen. Nanami sollte an etwas Schönes denken? Dann Joudan unterstützen? Und der sollte auch an etwas Schönes denken? Mittlerweile war der Zug abgefahren und der Chuunin hätte sich vor einigen Stunden niemals ausgemalt, dass dieser Tag so seltsam verlaufen würde. Noch in seinen Gedanken versunken, wurde Shunsui schon von Kaya mitgezogen, sodass er der Hozuki nur noch einen entschuldigenden Blick zuwerfen konnte. „Keine Sorge, ich trage die Kisten dann später.“ Und mit diesen Worten war er schon vollends mitgezogen worden und bog um die Ecke.

So verführerisch der Gedanke war zusammen mit Kaya eine kleine Pause zu machen, so abscheulich war der Raum, in denen sie der alte Mann geführt hatte. Nicht nur, dass es hier sehr seltsam roch, es befand sich auch noch eine fette, ausgestopfte Katze hinter dem Bürotisch. Aus der Unterhaltung des Alten und Kaya erfuhr er, dass er seine verstorbene Katze hatte ausstopfen lassen, welche die Hayabusa nun verbrennen wollte. Natürlich wusste nicht jeder um den hier irrenden und verfluchten Katzengeist, weshalb die Reaktionen des Jirokou und Kobayashi ähnlich verdutzt ausfielen. Während Shunsui aber lediglich seine Augenbrauen in Überraschung hob, da er mit dieser plötzlichen Entwicklung nicht gerechnet hatte, klammerte sich der alte Mann nur noch fester an sein Bild und jaulte auf. „NEIN! Doch nicht meine Sissy! Ich habe doch nichts Anderes.“ Ui, der alte Mann hätte einem beinahe Leid tun können. Beinahe. Shunsui empfand nicht wirklich Mitleid dabei, denn sein abgestumpftes Selbst hatte nicht viel für den sentimentalen alten Mann übrig. Er sah nur einen sturen, alten Mann und er selbst wünschte sich nichts sehnlicher, als hier endlich rauszukommen. Dann konnte er diesen Job möglichst schnell beenden und den Rest des Tages zusammen mit Kaya verbringen, die ja wie verändert schien. Wo sie zuvor noch kalt und abweisend ihm gegenüber gewesen war, empfand er nun wieder die übliche Wärme und Zärtlichkeit, mit der sie ihn eigentlich behandelte. Und das sogar in aller Öffentlichkeit! „Wenn Kaya der Meinung ist, dass diese ausgestopfte Katze verbrannt werden sollte, dann sollten wir das tun.“, sprach der junge Mann und trat einen Schritt auf den alten Mann zu. Shunsui hatte die Stimme nicht laut erhoben, doch vermutlich war noch ein Überbleibsel der vorherigen Empfindungen dageblieben, denn er klang äußerst autoritär und bedrohlich. Das war wohl Grund genug, als dass ihn der Alte zunächst erschrocken und anschließend resigniert anschaute. Schließlich kramte er in einer Schublade herum und hielt Kaya ein Feuerzeug hin, während seine Hände etwas zitterten. Na geht doch! Das war vielleicht schwer, aber letzten Endes würde sich ja der alte Kobayashi auch besser fühlen, sobald Sissy die Bibliothek nicht mehr heimsuchte.
 
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Kaya und Joudan unterhielten sich hinter dem Empfangstresen und kurze Zeit später hechtete das schwarzhaarige Mädchen über den Tresen und peste durch die Bibliothek direkt auf Nanami zu. Papiere flogen durcheinander, offene Bücherseiten verweht und Kunden nur knapp ausgewichen. Sie machte keine Anstande abzubremsen, als sie der Weißhaarigen näher kam und ihr Rock flatterte, als das andere Mädchen an ihr vorbei rannte. “Shunsui!” rief sie inbrünstig und im nächsten Moment viel sie ihm auch schon um den Hals. Gedanklich zählte Nanami die Sekunden. 1 .. 2 .. 3 .. Die beiden mussten sich wirklich nahestehen. Die Hände des anderen Mädchens landeten auf den Wangen des frisch gebackenen Chuunins. Jap .. keine Frage .. Bestätigte sie sich ihre These selbst. Dennoch kamen ihr mehr Fragen auf, als dass sie sich dadurch welche beantworten konnte! Wie ein Paar kamen ihr die beiden heute Morgen vor dem Eingang zur Bibliothek ja nicht gerade vor. Im Gegenteil, Kaya hatte sich ja förmlich abgewandt und Shunsui ignoriert. Und später – den Tumult hatte sie ja nicht in Gänze mitbekommen – war da dieser Vorfall mit Joudan, der ihr immer noch etwas seltsam vorkam. Darauf hin hatte sich Shunsui auch ganz seltsam verhalten. Auf ihre Frage bezüglich Kaya hatte er nur ganz knapp und kryptisch geantwortet und schien regelrecht wütend zu sein, als er dann sogar eben dieses Buch durch die Bibliothek gepfeffert hatte, obwohl er zuvor noch recht ausgeglichen und freundlich gewirkt hatte! Nun aber nach dieser plötzlichen Umarmung, schien sich die Laune des Blondschopfes erneut zu bessern. Was genau ging hier vor sich? Und welchen Teil dieser Geschichte hatte Nanami verpasst, der das alles hier erklären könnte? Wusste Joudan mehr? Oder war sie vielleicht gar in einem Genjutsu gefangen? Viel Zeit zum Überlegen blieb ihr nicht, denn der alte Bibliothekar tauchte erneut auf, um sich über das Verhalten des anderen Mädchens zu echauffieren. Kaya brachte ihn jedoch zum Schweigen und verwickelte ihn in ein Gespräch, dem die Hōzuki ebenfalls nicht ganz folgen konnte. Es schien um das Bild zu gehen, das der Alte mit den bandagierten Fingern umklammert hielt und eine gewisse Sissy. Kurz darauf lief Kaya mit Shunsui im Schlepptau und Herrn Kobayashi vor sich her treibend erneut an Nanami vorbei und schien direkt auf das Büro zuzusteuern. “Nanami, es tut mir leid – wir kommen gleich zurück. Bitte sei wachsam und .. denk an irgendwas Schönes.” an irgendetwas Schönes denken? Was sollte denn das nun wieder bedeuten? Die Gedanken des Mädchens drehten sich im Kreis. Irgendetwas schien hier ganz und gar nicht zu stimmen. Sie hatte gewiss eine gute Auffassungsgabe, doch irgendetwas schien sich hier gänzlich ihrer Kenntnis zu entziehen. Es war fast ein wenig frustrierend, nicht herausfinden zu können, was hier genau vor sich ging. Außerdem fügte die Hayabusa bei, dass sie zu Joudan gehen solle und dieser ebenfalls an etwas Schönes denken sollte. Shunsui entschuldigte sich noch im vorüber gehen und dann waren die drei auch schon verschwunden.

Das Mädchen schüttelte sich – es fröstelte ihr. Über der Bibliothek lag ein dunkler Schatten und im Inneren herrschte eine bedrückende Stimmung. Die Besucher schienen auch bereits deutlich genervt zu sein, einige waren auch direkt wieder gegangen. Andere mussten ihrem Frust scheinbar Luft machen, denn Nanami beobachtete eine Dame, die gerade mit Joudan am Empfangstresen zu diskutieren schien. Auch wenn der Tag bislang für viel Verwirrung und eigenartige Situationen gesorgt hatte, so entschied sich die Kirinin dazu, die Bücherkisten fürs Erste ruhen zu lassen und auf den Rat zu hören, den ihr die Hayabusa mitgegeben hatte. Sie machte sich also auf den Weg zu Joudan, der es mittlerweile geschafft hatte, die Besucherin einigermaßen zu beschwichtigen, als sie bei ihm ankam. Sie schlüpfte hinter den Tresen und stellte sich neben ihn. “Bitte sag mir, dass du weißt, was hier vor sich geht.” flehte sie den Kushou an. Man musste ihrem zerknautschten Gesicht ansehen, dass sie sich bereits seit einiger Zeit den Kopf darüber zermartert haben musste. “Kaya, Shunsui und der Alte Kobayashi sind eben im Büro verschwunden. Sie sagte, ich solle an etwas Schönes denken .. und ich soll zu dir kommen .. und du sollst auch an etwas Schönes denken! .. Und wir sollen aufeinander aufpassen .. und warum umarmt Kaya jeden? Wer ist Sissy? Warum hat mich Shunsui eben fast mit einem Buch erschlagen?” versuchte Nanami die Situation kurz zusammen zufassen und gleichzeitig ihre Fragen loszuwerden. Abschließend legte sie ihre Arme ineinander verschränkt auf den Tresen und platzierte ihre Stirn darauf. “Irgendetwas stimmt hier doch nicht!” nuschelte sie schließlich in ihre Arme und hoffte, dass bald etwas Licht ins Dunkel gebracht werden konnte. “Kannst du mir irgendetwas über diese Kaya erzählen? Ich werd einfach nicht schlau aus ihr und Shunsui hat vorhin auch nichts Hilfreiches erzählt, als ich ihn gefragt habe.” hakte sie nach, als sie sich langsam wieder etwas aufgerappelt hatte und erneut Blickkontakt zu Joudan suchte.

Was Nanami bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass sich just in diesem Moment zwei Geisterwesen, in Form eines Vogels und einer Katze, einen unerbittlichen Kampf leisteten. Kayas Begleiter Saku versuchte den Geist der verstorbenen Katze Sissy in Schach zu halten, während das schwarzhaarige Mädchen versuchte nach einer Lösung für das Problem zu sorgen. Die Unruhe, die von diesem Kampf ausging, war selbst für Joudan und Nanami spürbar, aber war weder greifbar, noch konnte man den Kampf sehen oder anderweitig wahrnehmen. Dass im Versteck ihrer Überreste, die vermeintlich für die Ewigkeit haltbar gemacht worden waren, irgendetwas nicht stimmte, spürte der Katzengeist und wurde noch rasender. Ihre Instinkte leiteten sie dorthin, doch sie wurde aufgehalten. Sie hatte es zuvor geschafft, ein Bild von der Wand zu stoßen und das obwohl Geister normalerweise keinen physischen Einfluss auf die Welt der Lebenden nehmen können. Schaffte es dieser Geist in seinem Zorn, diese Grenzen auf irgendeine Art und Weise zu überwinden?
 
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Irgendwo, von den allermeisten Menschen ungesehen, tobte ein Kampf. Sissy, der wütende Katzengeist, versuchte, seinem ehemaligen Herrchen hinterher zu gehen um Kaya und Shunsui an ihrem Werk zu hindern. Doch Saku, Kayas Schutzgeist in Form eines Rabens, versuchte, dies zu verhindern.
Auf unhörbar leisen Pfoten, tippselte Sissy hin und her, die gelb glühenden Augen auf einen Türdurchgang gerichtet. Er würde sie führen, wohin sie wollte. Doch das Tor wurde gehalten von Saku. Still saß er auf dem Türrahmen, immerschwarze Augen blickten kalt und voller Sorge auf den Katzengeist. Sissy machte einen Schritt nach vorne und Saku ließ als Antwort die scharfen Klauen über das Holz des Türrahmen schaben. Beide Geister hatten schon genug miteinander gekämoft, um den anderen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Katze wich wieder zurück und der Rabe hörte mit dem Schaben auf. Es war wie ein Tanz, unvorstellbar spannend und endgültig. Die Blicke der beiden Geister trafen sich, ruhten auf- und inneinander. Plötzlich sprang die Katze los. Schnelle Sprünge trugen sie auf die Schwelle zu. Saku stürzte sich, Kopf voran, vom Türrahmen hinunater und breitete seine pechschwarzen Schwingen aus. Sie trugen ihn genau in den Pfad des Katzengeistes.


"Und genau deshalb müsst Ihr ja die Überziehungsgebür bezahlen. Weil Ihr nur zwei Tage zu spät seid, gütige Frau. Und dass Ihr im Urlaub wart, bei allem Respekt, hat damit nichts zu tun." Joudan behielt sein freundliches Lächeln bei, als er mit einer Dame Mitte 50 redete. "So habt doch Gnade mit einer alten Dame. Ich muss ganz alleine die Kinder großziehen." Sie versuchte, sich aus dieser Sache herauszuwinden, doch Joudan ließ nicht locker. Zudem machte das keinen Sinn. Die Frau hatte wahrscheinlich nur vergessen, die Bücher zurückzugeben, und suchte nun nach Ausreden. Doch der Händlerssohn war fest entschlossen, sich nicht wegbuttern zu lassen. "Euch scheint es, nach eigenen Aussagen, gut genug für einen dreiwöchigen Urlaub im Reich des heißen Wassers zu gehen. Die 200 Ryu werden da sicher nicht ins Gewicht fallen." Und um jegliches Gegenargument im Keim zu ersticken, hielt Joudan fordernd die Handfläche aus. Grummelnd bezahlte die Dame ihre Strafe und machte sich von dannen.
In der kurzen Zeit, in der Kaya ihn verlassen hatte, hatte Joudan sich - man glaubt es kaum - mit dem Job beschäftigt. Er hatte zwei Bücher verliehen und drei zurückgenommen. Das letzte sogar mit Verspätung. Doch nun näherte sich neue Ablenkung, in Form einer alten Freundin.
"Oh, Nanami-chan. Lößt Ihr Kaya ab?", so grüßte Joudan die weißhaarige Hozuki, die an der Rezeption angekommen ware. Doch offene Fragen waren es, die Nanami zu Joudan führten. "Also...", began er, nachdem er das junge Fräulein hatte ausreden lassen.

Sakus Krallen packten fest zu, griffen nach dem rötlich bepelzten Körper des Katzengeistes, und hoben ihn hinauf. Der Rabe stieß sich mit schweren Flügelschlägen in die Luft und schleuderte den Katzengeist dann von sich weg. Sissy landete geschickt auf allen Vieren auf einem Tisch, auf dem gerade Bücher gestapelt und sortiert wurden. Von dort aus sprang Sissy ab und vergriff sich in der Luft an Saku.
Die beiden Geister, ineinander verschlungen wie ein Knäuel, stürzten zu Boden. Saku krächzte laut auf, Sissy fauchte herausfordernd zurück. Niemand konnte sie hören. Der scharfe Schnabel des Raben stieß nach Sissy, bohrte sich in die Vorderpfote. Fast wie ein Specht pickte Saku erneut und erneut zu, doch Sissy brachte sich in Sicherheit. Sie richtete den Buckel auf und fixierte Saku voller Hass. Dann sprang sie auf ihn zu.


"Sissy ist die tote Katze des Bibliothekars. Shunsui scheint heute schlecht drauf zu sein. Und Kaya...", Joudan überlegte, wie er am Besten erklären sollte, was er gar nicht selbst verstand. Er dachte einen Moment nach und Nanami konnte sein Zögern bemerken. "Es scheint, als sei irgendetwas hier in der Bibliothek, Nanami-chan. Etwas, was Unruhe stiftet. Es griff bereits Kaya und an. Und, so wirkt es auf mich, nur Kaya kann es sehen." Joudan zuckte mit den Schultern und schenkte Nanami dabei ein Lächeln. Er wusste, dass sich beunruhigend anhörte, was er erzählte. Deshalb wollte er Nanami Zuversicht schenken. "Ich verstehe es auch nicht so recht, aber Ihr und Ich, wir passen aufeinander auf. Dann kann uns niemand auf der Welt etwas anhaben - außer Hei und Mari." Die Reise nach Kurobou war hoffentlich etwas, was Nanami positiv in Gedanken behalten hatte. Wenn Kayas Rat war, an etwas schönes zu denken, dann würde Joudan dem nachkommen. "Hmm... wie es Hei und Mari wohl gerade geht?"

Erneut war es Saku, der im Gefecht den längeren Hebel hatte. Wieder und wieder stürzte der Katzengeist sich auf den Raben, wieder und wieder konnte er sie zurückwerfen. Doch es zehrte an seiner Kraft. Das Gefieder des stolzen Rabengeistes war zerrupft wie das ölgraue Federkleid einer schmutzigen Stadttaube. Die Angriffe des Katzengeistes hatten Spuren hinterlassen und Saku näherte sich langsam dem Ende seiner Kräfte.
Doch Sissy wusste, dass ihr die Zeit ausging. Je länger sie stritten und fochten, desto höher die Chance, das die verfluchte Schwarzäugige es fand. Der Katzengeist musste sich stärken für einen entscheidenden Schlag gegen die Krähe. So hüpfte sie, kurzerhand, auf den Kopf eines jungen Herren, um sich an seinem Frust und seinem Kummer zu laben.





Beim Gedanken an Mari und Hei fühlte Joudan sich schwach und machtlos, klein und unbedeutend. Er hatte nicht den Hauch einer Chance gehabt. Er hatte keinen Unterschied machen können. Schon wieder.

Er hatte auch damals keinen Unterschied machen können. Er hatte nicht verhindern können, dass sein Vater verschwand, wahrscheinlich starb. Er hatte nicht verhindern können, dass Yosata daran zerbrach. Er hatte nicht verhindern können, dass Rin ihre Eltern verloren hatte.

..:: Rin ::..

Wie konnte Joudan nur so eigensinnig sein? Er hatte sie in das alles hineingezogen, hatte sie ihrer Mutter weggenommen und in ein fernes Land verschleppt, war durchgebrannt und hatte ihr seine Entscheidung aufgezwungen. Er war für ihr Schicksal verantwortlich und trug ihr Leben nun auf seinen Schultern.


"Das stimmt nicht...", ermahnte Joudan sich innerlich selbst. Er wusste nicht, wo dieser nagende Zweifel urplötzlich herkam, doch er wusste, das er unbegründet war.
Joudan war nicht für das Verschwinden seines Vaters verantwortlich. Er war als Shinobi auf einer Mission verschollen, wie hätte Joudan darauf Einfluss haben können? "Das ist nicht meine Schuld."
Joudan war nicht für den Zusammenbruch Yosatas verantwortlich. Er hatte anfangs versucht, ihr zu helfen. Hatte anfangs Verständnis gehabt. Doch sie hatte den Mann verloren, den sie liebte, und das war zu viel für sie gewesen. "Ich habe mein Bestes geben."
Joudan hatte Rin nicht verschleppt. Er wollte, dass sie bei Shintora, der Großmutter aufwuchs. Doch Rin hatte sich dafür entschieden, mit Joudan zu gehen. Weil sie ihn so sehr liebte wie er sie. "Sie ging mit mir, weil sie es wollte!"
Joudan trug Rins Leben auf seinen Schultern. Doch es war keine Last. Es war ein Privleg. Es war Zeichen des Bandes zwischen ihr und ihm: Bedingungslose Liebe, wie es sie nur zwischen Geschwistern gab.


Wie lebendig verbrennend kreischte der Katzengeist auf, wurde regelrecht weggeschleudert und suchte die Ferne zu diesem jungen Mann. Hatte Sissy doch tiefe, schwere Schwärze in ihm gesehen, lag diese, beschützt und behütet, unter einer strahlenden Schicht goldenen Lichtes. Nein, hier würde der verärgerte Geist sich nicht stärken können. Deshalb fiel ihr Blick gierig auf die junge Frau mit den weißen Haaren. Doch bevor sie siich über das Mädchen hermachen konnte, bohrten sich spitze Krallen in ihre Seite. Wie von einem mächtigen Sturm ergriffen wurde sie in die Höhe gezogen.
Saku kämpfte mit schwindenden Kräften, doch Kaya hatte ihm aufgetragen, sich besonders um diese beiden Menschen zu kümmern. Und er würde der Geisterseherin nicht unter die Augen kommen können, wenn er in dieser Aufgabe versagte. So zog er den Katzengeist weg von Nanami und Joudan, stieg mit ihm bis fast unter die Decke der Bibliothek. Der Geist wandt sich, schlug und biss nach Saku, doch er ertrug es.
Am Höhepunkt angekommen senkte er den Kopf. Einen unwirklichen Moment lang hingen er und Sissy wie an Strippen festgebunden in der Luft, danach zog es sie nach unten. Von löchrigen Flügeln geführt zielte Saku auf ein Fenster zu. Im letzen Augenblick ließ er die Katze los und zog nach oben.


Joudan hatte sich gerade von seinem Ein-Minuten-Tief erholt, da hörte er es splittern. Instinktiv griff er nach Nanami, zog ihr Gesicht an sich heran und schloss die Arme um sie. Doch dieses Mal blieb die Theke, an der beide standen, vom Scherbenregen unberührt. Ein Fenster, einige Meter weiter, war zu Brüche gegangen. Die Scherben stoben nach außen, als hätte jemand von innen etwas dagegen geworfen. Also ließ Joudan Nanami wieder los und stammelte ein wenig verlegen: "Entschuldigt. Ich scheine wohl ein wenig schreckhaft..." Dann lächelte er sie breit und glücklich an.
 
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