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Die große Bibliothek

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Es war nichts Neues, dass sie missverstanden oder sogar als Wurzel allen Übels von anderen deklariert wurde. Nicht ohne Grund hatte man ihr damals den Spitznamen des Rabenmädchens verliehen... Raben waren schöne, ausgesprochen intelligente und stolze Vögel; allerdings sah man sie als Boten des Unglücks und ihre Sichtung machte die meisten Menschen nervös, weil es nichts Gutes bedeuten konnte, wenn sie in der Nähe waren. Damals hatte ihr dieser Name schwer zugesetzt, heute trug sie ihn mit stolz, wie eine Rüstung: sollte man in ihr doch den Unglücksraben sehen, das Rabenmädchen, welches über den Dingen schwebte und ihre eigenen Ziele verfolgte. Es war traurig - immerhin war sie Kunoichi geworden um stark zu werden und andere beschützen zu können, doch sie brauchte keine Anerkennung von Anderen - das hatte sie früh lernen müssen. Im Endeffekt...war sich jeder selbst am Nächsten und flog allein. Nun...so allein war die junge Hayabusa gar nicht, immerhin hatte sie stets Saku an ihrer Seite und dafür war sie dankbar, auch wenn sie den Rabengeist manches Mal verfluchte. Aber auch er war ein Rabe... oder hatte er aufgrund ihrer Prägung nur die Form eines Rabens angenommen? Sie wusste es nicht und hatte sich auch nie tiefer gehend mit Geistern beschäftigt: ein Fakt, den sie nun bereute.

Wenn sie sich mehr mit Tiergeistern beschäftigt hätte - mit diesem speziellen Teil ihres Bluterbes - dann hätte sie wenigstens gewusst, wie sie nun verfahren musste. Stattdessen hatte sie sich von diesem Aspekt der Hayabusa gänzlich abgewandt, insofern es mit Saku im Schlepptau möglich war. Es gehörte sogar zu ihren persönlichen Prinzipien, zu ihrem Mantra, wenn man so mochte - dass sie sich von Geistern fern hielt. Aber sie konnte doch nicht einfach den Blick abwenden, wenn dieser Ort heimgesucht wurde...oder? Dank Saku wusste sie, dass die Tiergeister keinen realen Schaden anrichten konnten, sie konnten kaum Einfluss auf ihre Umwelt nehmen. Das klang vielleicht beruhigend für die Menschen, war für die Tiergeister allerdings umso frustrierender, sodass sich in vielen Zorn und Missgunst anstaute. Hatten diese negativen Gefühle genug Ausmaß angenommen, war es ihnen durch aus möglich sich bemerkbar zu machen. Eine Gänsehaut, ein kühler Luftzug für jene, die für diese Dinge empfänglich waren. Ein Unwohlsein, das deutliche Gefühl, unerwünscht zu sein, ein nagendes Unbehagen ... das Gefühl, beobachtet, verfolgt zu werden. All das konnte einen einschüchtern und sorgte dafür, dass die einst so gemütliche Bibliothek stark an Besuchern eingebüßt hatte. Und Kaya hatte das dumme Gefühl, dass dieser Zorn des Geistes nur mehr werden würde und noch mehr Besucher vertreiben würden: sie hatte dieser Geist zumindest bisher erfolgreich von hier fern gehalten.

Aber was sollte sie tun? Eine Art Besänftigung? Exorzismus? Was sollte sie bitte ausrichten können? Sie konnte den schemenhaften, dunklen Geist wahrnehmen, ihn sehen - dank ihres Falkenblicks - aber mehr auch nicht. Das letzte Mal so hilflos gefühlt hatte sie sich damals... als ihre geliebte Großmutter erkrankt war und schließlich für immer die Augen schloss. Und dieses Gefühl, was tief in ihr nagte, machte es ihr unmöglich an irgendwas anderes zu denken oder irgendwas anderes zu fühlen. Sie musste einfach irgendwas tun, allein um dieses Gefühl los zu werden. Und um die Bücherei zu ihrem alten Glanz zu verhelfen, damit sich hier wieder mehr Besucher einfanden und auch länger blieben: nicht nur um eilig ein Buch zu suchen, es zu finden, auszuleihen und dann schnell das Weite zu suchen. Eigentlich lud dieser Ort zum Bleiben ein ... wenn da nicht diese Präsenz wäre. Aber was sollte sie dagegen tun? Sie kannte sich nicht aus und wusste nicht ansatzweise was zu tun war. Aber hey - wozu war sie denn hier in dieser gewaltigen Bibliothek? Wo, wenn nicht hier würde sie vielleicht einen zweckdienlichen Text finden, vielleicht sogar ein Buch über Tiergeister, welches ihr weiterhelfen konnte? Oder sollte sie direkt die harten Geschütze auffahren und nach einem Buch über Exorzismus suchen? War das nicht zu übertrieben...? Außerdem waren Tiergeister ja nicht gleich Geister... die gabs doch eigentlich gar nicht. Oder... vielleicht doch? Bei dem Gedanken rannte ihr ein kalter Schauer über den zierlichen Rücken. So ein verfluchter...! Was sollte sie nur tun? Ihre Kameraden durfte sie da nicht mit reinziehen - sie wüsste auch gar nicht wie. Als ob ihr einer von denen glauben würde...abgesehen davon, durfte sie auch gar nicht darüber sprechen. So wollten es die wenigen, doch strikten Gesetze ihres Clans... der Falkenclan.. die Hayabusa. So ein verdammter Mist...

Shunsui; er würde ihr glauben... oder? Aber sie durfte ihm ja nichts erzählen... Aber... aber! Er würde ihr sicher helfen, ihr glauben schenken, dass das was sie taten einen bestimmten Sinn verfolgte und sie nicht völlig übergeschnappt war. Wenn sie jemanden vertrauen konnte, dann ihm - oder nicht? Anders herum... hatte sie erst heute Morgen - zusammen mit zwei anderen - von seiner Beförderung erfahren... warum war er damit nicht gleich zu ihr gegangen? Warum hatte sie nicht zuerst davon erfahren? Waren sie sich doch nicht so...nah, wie sie gedacht hatte? Bei dem Gedanken schmerzte ihr Herz; ein heftiger Stich in der Brust verschlug ihr den Atem und sie biss sich leicht auf die Unterlippe. Verdammt...! Das war echt eine ätzende Situation. Und jetzt war sie auch noch an den Empfang verband worden...hier konnte sie keine Nachforschungen anstellen und war auch noch auf dem Präsentierteller; noch schlechter hätte es nicht laufen können. Außerdem wollte sie mit Shunsui reden...an seiner Seite sein... stattdessen fand sie sich neben Joudan wieder. Nicht, dass sie dessen Gesellschaft nicht mochte; ganz im Gegenteil! Sie mochte und schätzte den Größeren - vermutlich sogar mehr als gut war... aber er war ihr gerade keine große Hilfe. Oder...? Konnte sie ihm vertrauen? Darauf vertrauen, dass er ihr helfen würde ohne große Fragen zu stellen? Das er ihr vertrauen würde...? Oder war das zu viel verlangt...? Wieder schoss ihr die Stimme ihrer Großmutter in den Sinn, wie sie ihr eingebläut hatte niemals mit irgendwem über Saku oder allgemein über die Tiergeister zu sprechen... verflucht....! Was sollte sie nur tun?

Unsicher welches Ziel sie damit eigentlich verfolgte, begann sie am Empfang herum zu wühlen und nach irgendwas zu suchen. Irgendwas, was ihr irgendwie helfen würde. Dabei machte sie auch vor den persönlichen Dingen des alten Mannes keinen Halt - das ging vielleicht etwas zu weit, aber sie wusste sich einfach nicht zu helfen und irgendwas musste sie doch tun...! Saku hockte auf dem Tresen des Empfangs und hielt aufmerksam Wache ob sich der fremde Geist versuchte zu nähern - auch der Rabe war in höchster Alarmbereitschaft. Joudans ausgesprochene Gedanken zu der Einteilung ihrer Aufgaben nahm sie daher nur am Rande wahr. "Vermutlich sieht er in uns mehr Muskeln als Hirn." stellte sie gewohnt trocken fest. Hoffentlich ging es Shunsui und der Prinzessin gut... und der Geist ließ sie ihn Ruhe. Insgeheim hoffte die junge Hayabusa, dass Sakus Auftreten und ihre Aufmerksamkeit gereicht hatten um den Geist vorerst in die defensive zu drängen. Vermutlich würde er... oder es die Situation auch erstmal aus sicherer Entfernung beobachten. Endlich hatte sie eine schmalere, etwas versteckte Schublade entdeckt; vermutlich hielt der Alte hier seinen privaten Kram auf. Kaya schluckte, auch wenn man es ihr nicht zutraute - gerade im Bezug auf die früheren Ereignisse des Tages - hatte sie sehr wohl Respekt vor der Privatsphäre anderer. Deswegen zögerte sie auch die kleine Holzschublade einfach ungefragt zu öffnen. Joudans ungewohnt aussaglose Ansprache kam ihr daher ganz Recht. Noch in kniender Haltung sah sie zu ihm auf und eine leichte Röte stahl sich auf ihre Wangen: Was?! Wie kam er denn ausgerechnet jetzt auf so etwas zu sprechen...? Und was sollte das heißen...? Er war gern mit ihr zusammen unterwegs...? Worauf wollte er damit hinaus...? Sie war ihm eine gute Freundin... was meinte er damit?

Welches Ziel auch immer er mit dem plötzlichen Geständnis verfolgte; er hatte sich zumindest ihre volle Aufmerksamkeit gesichert. Gerade als sie sich wieder erhoben hatte um ihm gegenüber nicht noch kleiner zu sein, als sie es eh schon war, traf sie sein alle entwaffnendes Lächeln. Dieser Chameur...!! verfluchte sie ihn innerlich, während ihre glühenden Wangen und Ohren jedoch verrieten, dass es sie dezent aus dem Kontext gerissen hatte. Sie wusste nicht, wie sie dem entgegnen sollte, sondern spürte nur deutlich wie ihr Blut und Hitze zu Kopf stiegen. Sie hatte mir so ziemlich Allem gerechnet...aber nicht damit! Ihre Hand hatte sich von der verdächtigen Schublade gelöst und sich nun stattdessen auf ihre Lippen gelegt, sie unterstrich ihre offensichtliche Überraschung. Es war das erste Mal, dass ihr neben Shunsui jemand sagte, dass er gerne Zeit mit ihr verbrachte oder ihre Gesellschaft schätzte - nein, das stimmte nicht...! Ray hatte es ihr auch schon mal gesagt. Aber das...war irgendwie etwas anderes gewesen. Vielleicht, weil sie verwandt waren...? Oder so? Sie wusste es nicht: jedenfalls war sie nun auf eine ganz andere Art und Weise überfordert; wie sollte sie reagieren? Was sollte sie erwidern? Ja - sie genoss es auch Zeit mit dem Größeren zu verbringen und sie würde wohl genau so weit gehen ihn als Freund zu bezeichnen ... oder? War er ihr Freund? Waren sie Freunde...?

Während sie ihm eine Antwort schuldig blieb, wechselte er das Thema und kam auf Shunsui zu sprechen: Aha...! Darauf wollte er eigentlich hinaus...dieser Fuchs. Langsam senkte sich ihre Hand wieder und lehnte sich leicht, ohne jeden Druck gegen den Rand des Tisches. Er wollte sie wohl aushorchen und mehr über ihre Verbindung zu Shunsui erfahren - unwillkürlich musste sie grinsen: Was für ein manipulativer Dachs er doch war...! Anerkennend sah sie zu ihm auf; immerhin wusste er was er wollte und das konnte sie akzeptieren. Doch ehe sie antworten konnte, öffnete der alte Mann die breite Eingangstür und ließ die ersten Besucher herein. Das war es jedoch nicht, was Kayas Aufmerksamkeit schlagartig in Anspruch nahm - Saku stieß sich plötzlich wie aufgescheucht vom staubigen Tresen ab und stieg in die schwere Lust empor - die aufgewirbelten Staubkörner glänzten im einfallenden Sonnenlicht beinahe wie kleine Sterne. Irgendwas hatte ihn aufgescheucht und dieses etwas ließ Kaya reflexartig zu Joudan aufschließen. Ohne zu zögern warf sie sich ihm entgegen um ihn vor dem, was kam zu beschützen - doch dieser unfassbar schnelle, wendige Schatten wich nicht nur den Sonnenstrahlen aus, sondern schoss auch knapp an Kayas Rücken vorbei an die hinter ihnen gelegene Wand. Dieser...Geist, dieses schemenhafte Geschöpf hatte es irgendwie geschafft ein Bild von der Wand zu reißen, welches nun scheppernd zu Boden krachte und dessen Glas lautstark zerbrach.

Kayas Hände hatten sich an Joudans Brust gelegt, ihr zierlicher, doch muskulöser Körper hatte sich eng an den seinen geschmiegt - wenn er ihr nicht entgegen gehalten hätte, hätten sie ob ihres Schwungs sicherlich eine ähnliche Bruchlandung auf dem Boden hingelegt. "Was zum?!" fluchte der alte Mann lautstark, es war sicher in der gesamten Bücherei zu vernehmen, wie er seine Stimme erhob: "Ist euch Turteltauben denn noch zu helfen?!" schimpfte er sichtlich beiquert. Einige der eintretenden Gäste wurden Zeuge von der vermeintlich ertappten Zweisamkeit und glucksten vielsagend. "Hört auf zu kuscheln und macht euch an die Arbeit...!" fuhr er fort und tapste in überraschend schnellen, wütenden Schritten auf die Beiden zu: "Seid Ihr denn von allen guten Geistern verlassen...! Stoßt mein Bild von der Wand...! Seht nur..es ist zu Bruch gegangen." mit bekümmerter Miene sah er über den Tresen hinweg auf den Boden. Kaya hatte gerade überhaupt keinen Kopf für die Peinlichkeit dieser Situation - ihr Interesse galt dem Bild: konnte es sein...? Hatte der Geist sie absichtlich darauf aufmerksam gemacht...? Fasziniert betrachtete sie das Portrait, welches hinter dem zerbrochenen Glas zu ihr empor sah: darauf war eine ausgesprochen flauschige, edle Katze zu sehen mit bemerkenswert gepflegtem Fell - es war auf dem ersten Blick zu sehen wie viel Liebe diesem Tier zu teil geworden war. "Meine arme Sissy..." nuschelte der Alte betrübt. Kaya hob das Bild behutsam auf und versuchte auf dem Weg zurück zum Tresen das Bild nicht nur genauer zu betrachten, sondern auch die einen oder anderen Scherben zu entfernen. "Ist das ihre Katze?" fragte das Rabenmädchen und reichte ihm das Bild: konnte es sein das...? "Nein. Das war mein Esel." zischte er empört und riss ihr das Bild aus der Hand, wodurch sie sich an einer der Scherben schnitt. "Au...!" fluchte die Hayabusa und steckte sich den Daumen reflexartig in den Mund um das aufkommende Blut direkt aufzufangen. Es war ein sauberer Schnitt, der nichts besonders tief war: aber am Finger blutete sowas halt immer recht gern. Obwohl es durch aus schmerzte, konnte sie sich gerade nicht darum kümmern - es war also seine Katze gewesen... "Meine arme...kleine...Sissy." Konnte es sein das?! Ihre tiefschwarzen Augen weiteten sich, während ihr Blick auf dem in der Luft schwebenden und stumm vor sich hin zeternden Raben Saku fiel: Konnte es sein das der Tiergeist, der die Bücherei heimsuchte, diese Sissy war...?!
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Shunsui wollte direkt mit der Arbeit beginnen, doch ehe er das erste Buch auch nur in die Hand nehmen konnte, wurde er schon unterbrochen, denn Nanami wollte sich zunächst einen Plan zurechtlegen! Interessiert beugte sich der Jirokou vor und betrachtete die junge Frau dabei, wie sie sich schnell Schreibutensilien besorgte und einen entsprechenden Plan skizzierte. Während ihrer Erklärungen nickte der Jirokou bestätigend, immerhin ergaben ihre Worte mehr als nur ein bisschen Sinn. Dank ihrer Planung würde es ihnen sicher gelingen, ihre Aufgabe schneller als gedacht zu Ende zu bringen. „Guter Plan, dann lass uns zunächst mal damit beginnen, die Bücher in verschiedene Gruppen und Kisten zu sortieren.“, bestätigte Shunsui ihren Plan und rückte sich seine falsche Hornbrille zurecht. „Sobald das erledigt ist, werde ich die Kisten zu den jeweiligen Abteilungen bringen, und du kannst schon mal damit beginnen, die Bücher einzuordnen.“ Man sollte nicht vorschnell aufgrund des Äußeren urteilen, doch der Blondschopf konnte mehr als nur eine kleine Kiste heben, weshalb er diesen lästigen Teil der Aufgabe schnell und effizient übernehmen würde, anstatt dass Nanami mit diesen Kisten durch die halbe Bibliothek rumlaufen musste. Zufrieden mit ihrem Plan, drehte sich der Jirokou um, damit er die ersten Bücher inspizieren konnte, als er von ihrer Frage überrascht wurde. “Sag mal ... kennst du eigentlich diese Hayabusa Kaya? Ich werd aus ihr irgendwie nicht richtig schlau.” Der junge Mann zögerte einige Augenblicke, ehe er sich ihr wieder zuwandte. Dann war er also nicht der Einzige, der Kayas seltsames Verhalten bemerkt hatte! Also war wirklich etwas mit ihr los und es lag nicht etwa an ihm und seiner Beföderung. Eine Welle der Erleichterung brach über ihn ein, sodass sich ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht bildete. „Ja, ich kenne sie. Wieso? Was ist mit ihr?“ Immerhin war der Jirokou ja als Letztes dazugekommen, weshalb Nanami wohl einen besseren Eindruck vom seltsamen Verhalten der Hayabusa bekommen hatte.

Ehe das Gespräch fortgesetzt werden konnte, ertönte mit einem Mal eine laute und empörte Stimme. "Was zum?!" Das war definitiv die Stimme des alten Mannes, ihres Auftraggebers? Eiligen Schrittes und besorgt um Kaya – auch wenn sich Shunsui sicher war, dass sie gut auf sich aufpassen konnte und immerhin war ja Joudan auch noch da – unterbrach der junge Mann das Gespräch und machte einen Satz zur Quelle des Urprungs. Die Bücher rauschten an ihm vorbei, als seine Beine sich federleicht und mühelos vom Boden abstießen, sodass er kaum eine Sekunde nach Ertönen der empörten Stimme um die Ecke schaute. Und was er da sah und hörte, sorgte dafür, dass es ihm eiskalt den Rücken herunterlief. Einerseits gab es da die Kunoichi, die sich eng an Joudan geschmiegt hatte. Ihre Hände ruhten auf seiner Brust und mit einem Stich in seinem Herzen stellte er fest, dass sie ihn doch normalerweise auch so berührte. Andererseits gab es da den alten Mann, der wirklich sein Bestes gab, um seiner Empörung ob zwei turtelnder Jungspunde Ausdruck zu verleihen. Das Wort Turteltauben sowie kuscheln fiel, doch für den Jirokou fühlte es sich ganz so an, als ob er alles durch einen rauschenden Filter vernahm. Seine Augen starrten wie gebannt auf die Hayabusa und den Kushou, nicht in der Lage, das was er sah, wirklich zu verarbeiten. *Ich dachte … es istetwas Besonderes zwischen uns.*, ertönte ein schmerzhafter Gedanke in seinem Verstand, während sein Herz immer lauter pochte. *Was … soll das?* Neben einem kalten Schmerz, mischte sich plötzlich auch brodelnder Zorn in ihm – eine Kombination, die der junge Mann seit Monaten nicht mehr gefühlt hatte. Seitdem er dank Kaya einen neuen Weg eingeschlagen hatte. Aber war das etwa alles nur eine Lüge gewesen?!

Nun, sicherlich hätte Shunsui beim Anblick der Beiden einen kleinen Stachel der Eifersucht gespürt, aber was hatte es gerade mit dieser ungewöhnlich heftigen Reaktion auf sich? Die Antwort darauf war unsichtbar und vermutlich nur für Kaya und Saku zu sehen, denn eine wabernde, dunkle und katzenförmige Gestalt hatte es sich auf den Schultern des falschen Brillenträgers gemütlich gemacht. Von allen Anwesenden hatte er nämlich aufgrund seiner vergangenen Erlebnisse die meiste negative Energie, von welcher der Tiergeist scheinbar wie Motten vom Licht magisch angelockt wurde. Und diese Energie nutzte der Katzengeist als Katalysator und gewann dadurch sogar noch an Größe dazu! Shunsui indes hatte genug gesehen und stapfte wütend davon, zurück zu den Büchern in den Kisten. Das nächste Buch, dass in Reichweite war, griff er sich und pfefferte es durch den ganzen Gang, wobei es gegen ein Regal klatschte und dieses aufgrund der Wucht des Aufpralls ordentlich durchgeschüttelt wurde. Die Faust des jungen Mannes hatte sich so stark geballt, dass seine Knöchel am Handrücken weiß hervorstachen. „Ich dachte, dass ich sie kenne.“, revidierte der junge Mann seine Aussage gegenüber Nanami, ohne ihr in die Augen zu schauen. „Lass uns einfach weiter machen.“ Dieser blöde Job, warum zum Teufel hatte er ihn überhaupt angenommen?! Während er die Bücher begutachtete, mahlten seine Kiefer und hätten bei diesem Druck wahrscheinlich eine Metallkugel zermalmen können. Das war also der Grund, warum sich Kaya ihm gegenüber so kalt verhalten hatte! Sie hatte nun genug von ihm und hatte ihre Aufmerksamkeit nun dem Kushou geschenkt. *Ich dachte, wir wären Freunde.*, dachte sich Shunsui verbittert, während er an den gutmütigen und netten jungen Mann dachte, den er als eine der wenigen Personen zu seinen Freunden zählte. *Du hast keine Freunde.*, ertönte eine leise und dunkle Stimme in ihm, die vom Aufkommen der negativen Energie durch den Katzengeist geweckt worden war und die Chance sah, Shunsui von seinem törichten Weg ins Licht abzubringen und sich erneut seinem dunklen Selbst hinzugeben.
 
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“Ausgezeichnet” Nanami freute sich, dass ihr kleiner Plan auf Zuspruch gestoßen war und von Shunsui als gut empfunden wurde – sie liebte es, wenn ein Plan funktioniert. Außerdem wären die beiden auf diese Weise wesentlich effizienter. Dass der Blondschopf vorschlug, all die schweren Bücherkisten durch die gesamte Bibliothek zu schleppen, überhörte die Hōzuki nicht. Vielleicht schätzte er die Weißhaarige mit ihrer zierlichen Erscheinung als nicht stark genug ein, oder er wollte den Gentleman spielen, vielleicht sah er es aber auch nur selbst als kleines Training für sich selbst an. Was auch immer es wohl gewesen sein mag, Nanami schätzte eine Diskussion an dieser Stelle als nicht zielführend ein, schließlich war dies blos ein kleiner Job und sie war sich sicher, dass sie dem Jirokou noch früh genug in einer richtigen Mission beweisen konnte, was in ihr steckte! Als sie dann auf Kaya zu sprechen kam, zeichnete sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen ab. “Sie hat sich nur etwas son..” wollte sie ihm ihre Gedanken zu der Schwarzhaarigen äußern, als sie plötzlich von einem lautstarken Ausruf der Empörung unterbrochen wurde. Die Stimme hatte sie zuvor bereits gehört, sie entstammte ohne Zweifel dem alten Herren, der die Vier zuvor empfangen hatte. Erschrocken über den plötzlichen Tumult erhob sie sich reflexartig und war überrascht wie schnell und flink Shunsui auch schon auf den Beinen war und sich an der nächsten Ecke hinter einem großen Bücherregal versuchte ein Bild von dem zu machen, was sich dort am Eingangsbereich abspielte. Alles, was Nanami mitbekommen hatte, war, dass der Bibliothekar die Eingangspforte für seine Besucher geöffnet hatte und anschließend fielen Worte wie Turteltauben und kuscheln. Außerdem irgendetwas mit einem Bild. Der Rest ging im allgemeinen Geräuschewirrwar unter und Shunsui sah ja bereits nach dem Rechten, für Nanami gab es also keinen Grund ihren Posten auch noch zu verlassen. Also entschied sie sich einfach ihrer Arbeit nachzugehen und die ersten Bücher in eine Kiste zu stapeln. Es wird schon nichts Ernstes passiert sein. Vielleicht irgendwelche Besucher, die sich etwas daneben benommen hatten und versehentlich ein Bild von der Wand gestoßen hatten, worüber sich der Alte dann vermutlich zurecht aufgeregt hatte.

Nanami spürte nur den Windhauch eines Gegenstandes, das nur etwa einen Meter an ihr Vorbei sauste, sowie das Geräusch von flatterndem Papier, gefolgt von einem dumpfen Knall. Erschrocken drehte sie sich um und wollte bereits reflexartig an ihre Kunaitasche am Bein greifen, die sie jedoch nicht bei sich trug. Ein Regal weiter hinten im Gang bebte und knarzte gefährlich, doch seine Verankerung am Boden und in der Wand hielten es fest und davon ab zu kippen. Auf dem Boden lag ein völlig lediertes Buch und ein paar Seiten flatterten langsam zu Boden. Aus der Richtung, aus der das Buch geflogen kam, stapfte ein wütender Shunsui zurück an seinen Arbeitsplatz und begann damit einige Bücher zu inspizieren und sie anschließend lieblos in eine Kiste zu werfen. “Ich dachte, dass ich sie kenne. .. Lass uns einfach weiter machen.” kommentierte er wortkarg. Ihm war deutlich anzusehen, dass ihm gerade nicht nach einem netten Pläuschen war. Er knirschte seine Zähne laut hörbar und sein gesamter Körper wirkte unglaublich angespannt. Was hatte sich da vorne nur abgespielt? Nanamis Blick fiel zurück zu dem ledierten Buch und sie entschied, dass es das Beste sei die Spuren der kleinen Verwüstung lieber verschwinden zu lassen oder sie lieber direkt dem Bibliothekar zu melden, bevor es deswegen noch ärger gab. Doch als sie sich daran machte die losen Seiten aufzusammeln, war es bereits zu spät. “Was ist denn hier schon wieder los?!” rief die aufgebrachte Stimme des alten Herren, der sich vor der Weißhaarigen aufgebaut hatte. “Ich hatte um Unterstützung gebeten! Doch alles, was ich bekomme, ist eine Gruppe Halbstarker, die es nicht nur nicht schaffen die einfachsten Aufbaben zu erledigen, sondern auch noch glauben dies hier wäre ihre private Wohnstube, in der sie ungestört herumturteln können und obendrein auch noch die Einrichtung demolieren!” Herumturteln? Kuscheln? War es das, was Shunsui gesehen hatte? Hatte Joudan etwa was mit dieser Hayabusa? Das hatte vorhin, als wir alle vor der Bibliothek standen aber noch nicht so gewirkt .. seltsam .. Das Luftholen des aufgebrachten Alten nutzte die Kunoichi um selbst das Wort zu ergreifen und sich in einer tiefen Verbeugung vor ihm auf die Knie niederzulassen. “Gomen nasai Kobayashi-sama. Mein Name ist Hōzuki Nanami und ich möchte mich im Namen meines Teams bei ihnen in aller Förmlichkeit entschuldigen. Sie sind nur etwas durcheinander, ich bin mir sicher, dass wir die Aufgaben, die sie uns aufgetragen haben zu ihrer vollsten Zufriedenheit erledigen werden. Es tut mir außerdem furchtbar leid, dass dieses Buch hier leider etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es ist mir wohl aus der Hand gerutscht, als ich es ins Regal räumen wollte ..” Den Blick noch immer zu Boden gerichtet, hörte sie den Alten nur grummelig schnauben. “Jetzt steh schon auf Mädchen .. mach dich lieber wieder an die Arbeit ..” knurrte er missmutig. “Leg mir das Buch einfach ins Büro, ich werde sehen, ob ich Ersatz dafür finde..” Phu nochmal Glück gehabt. Irgendwie hatte die Weißhaarige es geschafft, ihn zu besänftigen. Nun durfte dem Viererteam jedoch keine weiteren groben Fehler mehr unterlaufen, sonst würde Kobayashi-san sie alle rauswerfen und dieser Auftrag wäre dahin. Sie beobachtete den Alten, wie er wütend vor sich hin grummelnd davon stapfte und blickte dann hinüber zum Empfangstresen, an dem Joudan und Kaya saßen. Von diesem Ende des Ganges aus hatte man wieder ein freies Sichtfeld über den Eingangsbereich. Was war nur auf einmal los mit allen? Waren Kaya, Shunsui und Joudan von allen guten Geistern verlassen?
 

Kushou Joudan

Chuunin
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Kaya blieb still, keine Antwort belohnte Joudans Frage. Sie gab ihm auch kein Kommentar zu Shunsui, kramte in stattdessen Schubladen herum. Joudans Blick ruhte auf der Schwarzhaarigen, sah ihr bei ihrem Treiben zu. Wonach sie wohl suchte?
Dann plötzlich schreckte Kaya auf. Joudan hatte absolut nicht bemerkt, was denn für die Reaktion des Rabenmädchens verantwortlich sein konnte, doch wie sie ihren Kopf plötzlich herumriss, wie ihr plötzlich Sorge in den rabenschwarzen Augen stand und wie sie dann zielsicher Joudan ansah, zweifelte der Gentleman-Shinobi keineswegs daran, dass irgendetwas hier nicht stimmte.
Dann machte Kaya einen Satz auf den Blonden zu und schubste ihn rückwärts. Sein erster Schritt nach hinten war noch taumelnd, doch mit dem zweiten hatte er sicheren Stand gefunden, hielt Kayas Ansturm inne, sodass ihr sportlicher Körper nun an Joudans Brust drückte. "Holla.", dachte ein primitiver Teil seines Wesens, doch schon im nächsten Herzschlag klirrte es Laut und ein Bild ging zu Bruch. Der alte Herr Kobayashi schimpfte Kaya und Joudan, machte sie wohl für den Sturz verantwortlich, doch Joudan hatte das besser beobachten können. Weder Kaya noch er wahren in der ähe der gerahmten Fotografie gewesen. Es wirkte mehr, als hätte etwas - oder jemand - sie umgeworfen. Seine Gedanken schossen zurück an die unsichtbare Hime, die in Shinkusa für Unruhe gesorgt hatte. Wie damals schon war seine erste Reaktion, das dritte Auge zu öffnen. Zwei schnelle Fingerzeichen später schoss eine kaum spürbare Chakrawelle von seinem Körper aus, wurde von Kaya und ein, zwei der Besucher reflektiert und fand seinen Weg zu Joudan zurück. Doch nichts deutete auf einen unsichtbaren Übeltäter, zumindest nicht in der Reichweite von Joudans
Mezame San-gan: Kawanami.
Stirnrunzelnd wandte Joudan sich an Kaya, griff sie vorsichtig an beiden Schultern (Die Fingerzeichen für sie Jutsu hatte er quasi um sie herum hinter ihrem Rücken gebildet) und sorgte für einen kleinen Anstands-Abstand zwischen dem jungen Herren und der jungen Dame.
"Danke, Kaya..", war das erste, was er ihr sagte, denn im Gegensatz zum Bibliothekar hatte Joudan die Intention des Rabenmädchens verstanden, Joudan zu beschützen.

Bei der anschließenden Standpauke blieb Joudan wortkarg.
"Wird nicht wieder vorkommen...", war alles, was er zu erwidern hatte. Nun galt es nicht, sich groß zu rechtfertigen, sondern die Ursache dieses Phänomens ausfindig zu machen. Während er sich aus der Westentasche ein violettes Seidentuch zog und es ganz beiläufig Kaya zusteckte.... "Für den blutenden Finger." ...grübelte er. Und er kam zu einem Schluss. "Du siehst etwas, was ich nicht sehe, richtig?" Anders konnte es nicht sein. Kaya hatte reagiert, noch bevor das Bild in die Brüche gegangen war. Sommerwiesengrüne Augen lagen erforschend auf den nimmerhellen Seelenspiegeln der Hayabusa. Dort fand er keinen Widerspruch. "Such Nanami und Shunsui, warne die beiden. Ich verbleibe hier, kümmere mich um den Verleih und bleibe achtsam." Joudan schenkte Kaya ein Lächeln, legte sanft und aufmunternd seine Hand auf ihre Schulter. Dann zwinkerte er ihr zu. "Flieg, Rabe."

Mezame San-gan: Kawanami (Erwachtes drittes Auge: Flusswelle)

Element:
keines
Typ: Ninjutsu
Rang: C
Chakrakosten: C
Reichweite: 20m

Anmerkung: Persönliches Jutsu von Kushou Joudan

Voraussetzung: Chakrakontrolle 4, Chakramenge 2

Beschreibung: Der Anwender hält mit einer Hand das Tora-Handzeichen und streckt die Handfläche der zweiten Hand in eine bestimmte Richtung. Von dieser zweiten Hand aus breitet sich eine Welle aus Chakra aus, die etwa 20m Reichweite hat und kegelförmig ist (deckt etwa 90° ab). Personen, die eine gewisse Menge an Chakra in sich tragen, "reflektieren" einen Teil dieser Welle und werfen sie an den Anwender zurück. Dieser kann so einschätzen, wo sich, innerhalb des Kegels, Ninjas befinden. Eine andere Wirkung (Schaden, Zurückstoßen,...) hat die Chakrawelle nicht.
Die Technik hat allerdings einige Nachteile/Voraussetzungen:
  • Wer eine Chakrakontrolle gleich des Anwenders oder höher hat, kann die Chakra-Welle spüren und wird so auf die Anwesenheit des Anwenders aufmerksam.
  • Personen, die nur wenig Chakra besitzen, können nur schwer erspürt werden. Die Attribute Chakramenge des Ziels und Chakrakontrolle des Anwenders müssen zusammenaddiert 7 oder mehr ergeben, sonst ist der "Scanvorgang" nicht erfolgreich.
  • Erspürte Ninja werfen einen "Schatten" hinter sich, sodass der Anwender von mehreren direkt hintereinanstehenden Gegnern nur den ersten bemerkt.
  • Wände, Bäume,... können nicht "durchleuchtet" werden. Flüßigkeiten verzerren das Chakra-Echo so sehr, dass der Anwender nur spüren kann, ob jemand mit Chakravorrat in der Reichweite ist, kann die genaue Position aber nicht ausmachen. Allein Gase (auch Rauch) können ohne Probleme durchdrungen werden.
  • Zwischen dem Aussenden und dem Empfangen vergehen ein, zwei Sekunden, sodass ein sich bewegendes Ziel zum Zeitpunkt des Erspürens vielleicht schon an einem ganz anderen Punkt ist.
  • Jutsus und Bunshin unter dem S-Rang besitzen zu wenig Chakra, um von der Technik erspürt zu werden. Die einzige Ausnahme ist hierbei der Kage-Bunshin.
 
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Als sich der groß gewachsene Blondschopf bei ihr bedankte, hatte sie erstaunt zu ihm aufgesehen und für einen winzigen Augenblick hatte sie den missgestimmten Katzengeist vergessen. Konnte es sein..? Konnte es sein das Joudan den Tiergeist hatte sehen können...? Der wohl mit Grund schlecht gelaunte Bibliothekar zog weiter um wohl als Nächstes von dem anderen Duo enttäuscht zu werden. Kaya hatte ihre Hand mit dem blutenden Finger zur Faust geballt - wie es leider für sie üblich war, ignorierte sie den Schmerzimpuls zunächst. Oder besser gesagt.. es half ihr, ihre Gedanken zu ordnen. Sich selbst etwas zu beruhigen und die Lage möglichst sachlich zu betrachten. Dieser Tiergeist war also tatsächlich eine Katze und bei ihr handelte es sich um den verstorbenen Stubentiger des alten Mannes. Ob seine Verletzungen vielleicht auch mit ihr zusammenhingen...? Vielleicht hatte sie ihn bewusst abgelenkt, damit er sich die Hände verbrühte oder sowas. Ihre tiefschwarzen Augen verengten sich, während Saku stumm kreischend über ihr flatterte und sich bedrohlich aufplusterte. Ihm passte es ganz und gar nicht wenn ihr Blut floss. Als Joudan ihr ein Taschentuch reichte, sah sie verwundert auf: damit hatte er sie aus ihren Gedanken gerissen.

Wenn er auch in der Lage dazu war diese "Sissy" - oder was von ihr übrig geblieben war - zu sehen, dann würde er ihr helfen können oder? Vielleicht kannte er sich ja auch etwas besser mit Geistern aus? Ihre Verwunderung wandelte sich zu Hoffnung, die sogleich wieder zerschlagen wurde: Nein...er konnte sie nicht sehen. Leicht senkte sie den Blick - aber warum...? Skeptisch betrachtete sie den Älteren aus dem Augenwinkel; hatte er diesen Schluss einfach aufgrund der Geschehenisse geschlossen...? Auch wenn sie es sich äußerlich nicht anmerken ließ, war sie sehr beeindruckt, dass er in der Lage dazu gewesen war die losen Enden miteinander zu verbinden. Aber... eigentlich ging das doch gar nicht ... oder? Ihre Augen weiteten sich: Moment...! Konnte es sein...? Vertraute er ihr? Vertraute er darauf, dass sie eben nicht den Verstand verloren hatte, sondern es einen Grund gab, warum sie sich so komisch verhielt...? Unter der Prämisse machte es durch aus Sinn das er in der Lage dazu gewesen war die Situation derart gut zu begreifen. Es war für die junge Hayabusa ein ganz Neues und irgendwie auch ... beängstigendes Gefühl: sie kannte es nicht, dass man ihr vertraute. Wobei...nein... das stimmte nicht... Shunsui vertraute ihr. Das tat er - oder? Immerhin hatte er sich ihr anvertraut... aber das war nochmal etwas anderes. Shunsui und sie... sie liebten sich, das war etwas vollkommen anderes. Schlagartig wurde das sonst so selbstbewusste Rabenmädchen hochrot: Moment...! Was...?!

"Eh...ja..." entgegnete sie sichtlich durcheinander. Wie...was?! Sie ... sie war in Shunsui verliebt? Ihr Herz raste, als würde es ihr jeden Moment einfach aus dem Hals springen. Mit der Zustimmung reagierte sie auf Joudans Vorschlag, dass er sich um den Empfang kümmern würde, während sie Shunsui und Nanami warnte. Mit nach wie vor rasender Brust wandte sie sich von Joudan ab, allerdings nicht ohne sein Lächeln zu erwidern: "Danke, Joudan." sprach sie mit ungewohnt sanfter Stimme. Begleitet von ihren rot schimmernden Wangen wirkte sie in diesem Moment tatsächlich wie ein junges Mädchen. Es galt nun aber keine Zeit zu verlieren, weswegen sie sich sogleich daran machte, Shunsui und Nanami aufzusuchen. Dank dem Gespräch zwischen Nanami und dem Alten waren sie auch relativ schnell gefunden. "Saku...!" flüsterte sie dem Rabengeist zu, der scheinbar problemlos aufgeschlossen hatte und neben ihr herflog: "Bitte...beschütze Shunsui." die Augen des Raben - oder zumindest die Lichtpunkte, die sie dafür hielt - weiteten sich erstaunt. Doch Kayas Blick war nach vorn gerichtet, sie achtete darauf keine Regale oder Bücher umzustoßen und nicht mit einem der Besucher zusammen zu stoßen, während sie durch die Bücherei fegte. Ein Gast fluchte dennoch; denn als sie vorbei rauschte brachte sie ob ihrer Geschwindigkeit seine Papiere durcheinander.

Kaya konnte den Geist immerhin sehen und sich auf diese Weise irgendwie schützen...aber Shunsui konnte kaum etwas gegen dieses Vieh tun. Und wenn ihre Erinnerung sie nicht täuschte und dieses Teil sich tatsächlich von negativen Gefühlen ernährte, würde sie in seiner Nähe ein wahres Festmahl wiederfinden. Auch wenn es die junge Dame schmerzte, Shunsui war nach wie vor von einer gewissen Dunkelheit gefangen...dessen war sie sich leider bewusst. Sie machte sich auch keine Illusionen, dass es ihr gelingen würde diese Finsternis einfach so zu verdrängen; dafür war sie schon viel zu lange sein stummer Begleiter gewesen. So wie Kaya sich nicht erinnern konnte jemals ohne Saku zu sein... doch dieses Mal musste sie sich von ihm trennen, auch wenn allein dieser Gedanke ihr Angst machte - aber sie würde es nicht ertragen wenn Shunsui zu Schaden kam. Saku wusste wie wichtig der Jirokou für sein Menschenmädchen geworden war und kam ihrem Wunsch nach - als sie um die Ecke bogen und die Drei endlich gefunden hatten, bestätigte sich Kayas Befürchtung: Sissy hatte es sich auf Shunsuis Schulter bequem gemacht und war sogar gewachsen?! Nicht nur das, sie hatte nun ganz deutlich die Züge dieser Katze angenommen. Schlagartig wurde ihr kalt und schwer ums Herz: dieser Anblick fürchtete selbst sie. Doch Saku ließ sich nicht beirren: unerschrocken stürzte er voran und griff das Katzenvieh an. Zu Kayas Überraschung wuchs auch er während seines Sturzfluges und erinnerte nun weniger an einen Raben, als an einen gewaltigen Falken, der sich auf seine Beute stürzte. Er riss diese Sissy von Shunsuis Schulter und lieferte sich mit dem Mistvieh von Katzengeist einen beeindruckenden Kampf, von dem leider nur Kaya Zeuge bleiben sollte. Zum ersten Mal konnte sie Rays Aversion gegenüber Katzen nachvollziehen - aber dieses Vieh hatte es ja auch gewagt sich von ihrem Shunsui zu nähren...! Dafür sollte sie noch büßen...!

"Shunsui!" rief sie seinen Namen mit einer solchen Inbrunst, dass es einem einen Schauer den Rücken hinunter jagen konnte. Sie umarmte ihn fest, drückte ihn fest an sich, sie war einfach so unfassbar froh ihn zu sehen...! Während er dank Sakus Befreiungsaktion deutlich hatte spüren müssen, wie ihm ein gewaltiges Gewicht von den Schultern genommen wurde und sich sein Gemüt wieder deutlich aufhellen sollte, nachdem ihr Einfluss gebrochen war. "Geht es dir gut?!" fragte sie besorgt und legte die Hände sanft an seine Wangen. Am liebsten hätte sie ihn einfach an Ort und Stelle geküsst... aber immerhin das verkniff sie sich, denn auch wenn sie zunächst nicht den Anschein erweckt hatte: sie wusste, dass sie nicht allein waren. Ihre Hände auf seinen breiten Schultern abgelegt, blieb sie ihm nahe, in der Hoffnung dass diese Nähe das Katzenvieh abschrecken würde. "Was stimmt denn mit dir nicht Mädchen?!" entfuhr es dem alten Mann: "Wirfst dich hier jedem Kerl an den Hals... Das ist ja...!" "Seien Sie still." unterbrach sie den alten Mann grob, während sich ihre Hände vor Wut tief in Shunsuis neue Weste gegraben hatten. Es war unhöflich, aber sie hatte dieses empörte Getue von dem Alten satt. Sie deutete auf das Foto von Sissy, das auf einem scheinbar ramponierten Buch ruhte. Das Beides konnte er trotz seiner Bandagen scheinbar einigermaßen tragen: "Ist das Bild das einzige, was sie von Sissy noch haben? Oder haben sie noch etwas Anderes von ihr?" fragte sie nun ganz direkt und der alte Mann wirkte, als hätte man ihm bei irgendeiner Schandtat erwischt. "Ich...ähm..." begann er zögernd, was Kaya schnauben ließ. Sie wandte sich leicht dem alten Mann zu, ließ jedoch eine ihrer Hände auf Shunsuis Brust ruhen: Sie wollte nur ungern die Nähe zu ihm aufgeben. "...sie ist noch hier." nun ließ sie doch von Shunsui ab und ging einige Schritte auf den Alten zu, während Saku sich Mühe gab das Katzenvieh unter Kontrolle zu halten.

"Wo?" entgegnete die Hayabusa überraschend gefasst, mit sowas in der Art hatte sie schon gerechnet... immerhin schien der Alte sehr an der Katzendame gehangen zu haben. Der Alte senkte schuldbewusst den Kopf, anscheinend wurde auch ihm langsam klar, dass all die komischen Vorkommnisse irgendwie zusammenhingen... "Ich bring dich hin..." schlug er ein wenig eingeschüchtert vor und wandte sich ab um vor zu gehen. Kaya ergriff Shunsuis Hand: "Komm bitte mit, ich brauche dich..." sprach sie eindringlich zu dem Blondschopf gewandt, ehe sie sich Nanami zuwandte: "Nanami, es tut mir leid - wir kommen gleich zurück." Hey, sie hatte sich tatsächlich ihren Namen gemerkt! "Bitte sei wachsam und ...denk an irgendwas Schönes." sie zögerte - okay, das klang wirklich seltsam. "Bitte geh zu Joudan am Empfang und passt aufeinander auf." Das war Alles miteinander höchst fragwürdig und ergab wohl nur für Kaya und Saku Sinn, der sein Bestes gab um den Geist unter Kontrolle zu halten. Der Ton ihrer Stimme verriet jedoch den Ernst der Lage und die dahinter liegende Dringlichkeit. "Er soll auch an etwas Schönes denken." Das waren ihre letzten Worte, ehe sie Shunsui mit sich zog um dem alten Mann zu folgen. "Bitte...bleib dicht bei mir." bat sie ihren Liebsten und drückte seine Hand sanft. Sie verschränkte ihre Finger fest mit den seinen um ein festes Band zu bilden. Sie würde nicht zulassen das dieses verfluchte Katzenvieh ihn wieder tiefer in die Dunkelheit trieb...!

Der alte Mann führte die Beiden in einen kleinen Wohnbereich, der wohl Büro und Pausenraum in einem für ihn war. Schon beim Betreten des Raums schlug ihr die unheilvolle Aura des Geistes entgegen, obwohl er gar nicht hier war, sondern von Saku in Schach gehalten wurde. Aber wie lange würde der Rabengeist noch durchhalten...? Es wurde Zeit diesen Wahnsinn zu beenden...! Fest entschlossen trat sie in die Mitte des Raums und fror schlagartig ein. Direkt hinter dem Stuhl seines Bürotisches stand es - der Grund für den Spuk in der Bibliothek: Sissy. Er hatte sie ausstopfen lassen und nun stand sie in grotesk anmutiger Haltung in ihrer vollen Pracht da. Nur eben... nicht lebendig. Angewidert verzog Kaya das Gesicht. Und dann war der alte Kerl so fleißig dabei andere zu verurteilen...! Ihm schien bewusst wie fraglich diese Trauerbewältigung war. Beschämt drückte er den Bilderrahmen an seine Brust, der zum Glück inzwischen von allen Glassplittern befreit war und ihn somit nicht verletzen konnte. "Ich weiß ja das es unüblich ist, aber ich..." wollte der alte Mann sich erklären. Ganz plötzlich empfand sie sogar so etwas wie Mitleid für den Tiergeist...kein Wunder das die werte Sissy keine Ruhe hatte finden können. Sie schnitt den alten Mann in seiner Rechtfertigung mit einer kurzen Handbewegung ab und löste ihre bis Hand missmutig von Shunsui um mit den frei gegebenen Fingern auf dieses... Andenken zu deuten: "Hat mal jemand Feuer ... um es zu verbrennen?" Wenn dieses Teil erst Geschichte war, hoffte sie, dass sich auf der Zorn des Geistes auflösen würde und der Katzengeist selbst Geschichte werden würde.
 
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Jirokou Shunsui

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Shunsui verstand nicht so recht, was mit ihm los war, denn er zitterte die ganze Zeit über unkontrolliert. Sissy, die verstorbene Katze des Alten, hatte es sich auf seinen Schultern gemütlich gemacht und labte sich an den negativen Erinnerungen des jungen Mannes und war mittlerweile zur Größe eines Luchses herangewachsen. Das Zittern zeigte sich, als der Blondschopf eines der Bücher von einer zur anderen Kiste verlegte, was deutlich für Nanami sichtbar sein sollte. Viel Zeit sich zu fragen, was sie wohl darüber dachte hatte er nicht, denn letzten Endes war sein kleiner Wutausbruch nicht unbemerkt geblieben. Der alte Kobayashi trat um die Ecke und steigerte sich in den nächsten entgeisterten Wutausbruch – zurecht. Zwar würde es der Jirokou in dieser Situation niemals zugeben, doch natürlich hatte der alte Mann jeden Grund wütend zu sein, wenn seine Bücher und gar die Regale beschädigt wurden. Da der falsche Brillenträger jedoch nicht bei rechten Sinnen war, hielt er den Blick während der Schimpftirade gesenkt. Es gab sowieso viel zu viel Lärm in seinem Kopf, als dass er sich wirklich groß um die Worte dieses alten Sacks scherte. Als jedoch wieder das Wort „herumturteln“ fiel, begann es in seinem Inneren wieder zu brodeln und ein heißer Zorn drohte seinen Verstand zu übermannen. Die Dunkelheit in ihm kicherte sichtlich amüsiert über seinen Gemütszustand und der Möglichkeit, den guten alten Shunsui zu beeinflussen. *Töte sie. Töte sie alle! Niemand kann dich aufhalten!* Bei diesem Gedanken erschrak der falsche Brillenträger sichtlich, denn zum ersten Mal merkte er, dass sich etwas ganz und gar nicht richtig anfühlte. Zu seinem Glück übernahm die Hozuki all die Schuld auf sich, sodass sich der alte Kobayashi mit einem Schnauben von ihnen verabschiedete. Gut, dass die grauhaarige Kunoichi so schnell geschaltet hatte, anstatt die Lage eskalieren zu lassen. Wer konnte schon sagen, wie Shunsui in seinem jetzigen Zustand reagiert hätte, wenn er weiter gestresst worden wäre.

Mittlerweile hatte sich ein dunkler Schleier über seine sonst goldenen Seelenspiegel gelegt, was den Einfluss der geisterhaften Katze vor allem für Kaya und Saku sichtbar machen müsste. Nicht mehr lange, und die Dunkelheit in ihm würde sich wieder in sein Herz einnisten, denn sie hatte ihre giftigen Fänge erneut in ihn geschlagen und vergiftete Gedanken in seinen Verstand geschickt. Das war auch der Grund dafür, dass sich diese dunklen Gedanken mittlerweile manifestiert hatten und der falsche Brillenträger tatsächlich glaubte, sie kämen von ihm selbst. Das Bild von Joudan und Kaya, die sich innig umarmten und küssten – hier ging seine Fantasie etwas mit ihm durch – ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb würde sein Freund, der ihn verraten hatte, dafür bezahlen müssen. Als Erstes würde er zu ihnen gehen, am besten jetzt sofort, und ihn durch die halbe Bibliothek schlagen, ehe … In diesem Augenblick nahte die Rettung in der Form von Saku, dessen Größe sich dem seines geisterhaften Rivalen angepasst hatte, um diesen vom Jirokou zu lösen. Das Loslösen von Sissy hatte einen kuriosen Effekt auf Shunsui, denn sein Verstand war plötzlich blank und er erinnerte sich nicht mehr, was in den letzten Minuten geschehen war. Das Allerletzte, an was er sich erinnerte, war dieser Tumult. *Was ist passiert?* Keine Sekunde später ertönte sein Name, gesprochen von einer sehr vertrauten Stimme. *Kaya?* Was war nur los? Ihre Stimme schien … ängstlich zu wirken? Und ehe er es sich versah, umarmte sie ihn mir nichts, dir nichts und hielt ihn so fest, als ob sie ihn seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Was war nur in den letzten Minuten geschehen? Zögerlich legte der junge Mann seine Arme um die junge Frau, um die Umarmung zu erwidern und es war ihm in diesem Augenblick egal, dass Nanami sie dabei beobachte. Die Arme musste komplett verwirrt sein ob der Ereignisse der letzten Minute, was? Und diese Verwirrung würde vermutlich noch zunehmen, als die Hayabusa sich aus der Umarmung löste und anschließend sein Gesicht in ihre weichen und zarten Hände nahm, um es genauestens zu begutachten. „Mir geht es gut. Aber was ist los?“, fragte er die junge Frau und blickte ihr dabei in ihre tiefschwarzen Augen. Nicht nur sie musste in diesem Augenblick den Impuls eines Kusses unterdrücken, denn auch Shunsui konnte sich nicht zurückhalten, als sein Blick auf ihre Lippen fiel. Es hatte ganz den Anschein, als wolle sein Körper die Menge an negativen Empfindungen der letzten Minuten kompensieren, weshalb er sogar ein Kuss in aller Öffentlichkeit in Betracht zog.

Doch kaum hatte sich der Blondschopf nach vorne gebeugt, um die Kunoichi zu küssen, kam auch schon der Alte zurück und begann sie auszuschimpfen. Nun war der falsche Brillenträger völlig verwirrt. Kaya? Die sich an die Hälse jeglicher Männer warf? Verwirrt blickte er seine Liebste an, die den Alten jedoch mit einer wütenden Bemerkung zum Schweigen brachte. Wer war Sissy? Warum hatte der alte Mann ein kaputtes Bild in seinen Händen? Und wieso schien die Hayabusa so aufgeregt und fragte eindringlich nach Hinterlassenschaften besagter Sissy? Der Jirokou verstand nur Bahnhof und folgte dieser Unterhaltung schweigsam, im Versuch, etwas herauszulesen, was ihm dabei helfen würde, seine Verwirrung aufzulösen. Dazu kam es zwar nicht, jedoch machte das Herz von Shunsui trotzdem einen Hüpfer, als sich die Finger der jungen Frau mit seinen verschränkten und sie ihn bat, mitzukommen. „Alles klar.“, erwiderte er kurz uns bündig und drückte ihre Hand kurz zur Bestätigung. Zwar noch ein wenig verwirrt, aber er vertraute ihr und wenn sie seine Unterstützung benötigte, dann würde er sie auf jeden Fall geben. Es erfolgte wieder ein kurzer Gesprächsaustausch zwischen den beiden jungen Frauen, denen der Jirokou zwar folgen konnte, ohne jedoch den Inhalt zu verstehen. Nanami sollte an etwas Schönes denken? Dann Joudan unterstützen? Und der sollte auch an etwas Schönes denken? Mittlerweile war der Zug abgefahren und der Chuunin hätte sich vor einigen Stunden niemals ausgemalt, dass dieser Tag so seltsam verlaufen würde. Noch in seinen Gedanken versunken, wurde Shunsui schon von Kaya mitgezogen, sodass er der Hozuki nur noch einen entschuldigenden Blick zuwerfen konnte. „Keine Sorge, ich trage die Kisten dann später.“ Und mit diesen Worten war er schon vollends mitgezogen worden und bog um die Ecke.

So verführerisch der Gedanke war zusammen mit Kaya eine kleine Pause zu machen, so abscheulich war der Raum, in denen sie der alte Mann geführt hatte. Nicht nur, dass es hier sehr seltsam roch, es befand sich auch noch eine fette, ausgestopfte Katze hinter dem Bürotisch. Aus der Unterhaltung des Alten und Kaya erfuhr er, dass er seine verstorbene Katze hatte ausstopfen lassen, welche die Hayabusa nun verbrennen wollte. Natürlich wusste nicht jeder um den hier irrenden und verfluchten Katzengeist, weshalb die Reaktionen des Jirokou und Kobayashi ähnlich verdutzt ausfielen. Während Shunsui aber lediglich seine Augenbrauen in Überraschung hob, da er mit dieser plötzlichen Entwicklung nicht gerechnet hatte, klammerte sich der alte Mann nur noch fester an sein Bild und jaulte auf. „NEIN! Doch nicht meine Sissy! Ich habe doch nichts Anderes.“ Ui, der alte Mann hätte einem beinahe Leid tun können. Beinahe. Shunsui empfand nicht wirklich Mitleid dabei, denn sein abgestumpftes Selbst hatte nicht viel für den sentimentalen alten Mann übrig. Er sah nur einen sturen, alten Mann und er selbst wünschte sich nichts sehnlicher, als hier endlich rauszukommen. Dann konnte er diesen Job möglichst schnell beenden und den Rest des Tages zusammen mit Kaya verbringen, die ja wie verändert schien. Wo sie zuvor noch kalt und abweisend ihm gegenüber gewesen war, empfand er nun wieder die übliche Wärme und Zärtlichkeit, mit der sie ihn eigentlich behandelte. Und das sogar in aller Öffentlichkeit! „Wenn Kaya der Meinung ist, dass diese ausgestopfte Katze verbrannt werden sollte, dann sollten wir das tun.“, sprach der junge Mann und trat einen Schritt auf den alten Mann zu. Shunsui hatte die Stimme nicht laut erhoben, doch vermutlich war noch ein Überbleibsel der vorherigen Empfindungen dageblieben, denn er klang äußerst autoritär und bedrohlich. Das war wohl Grund genug, als dass ihn der Alte zunächst erschrocken und anschließend resigniert anschaute. Schließlich kramte er in einer Schublade herum und hielt Kaya ein Feuerzeug hin, während seine Hände etwas zitterten. Na geht doch! Das war vielleicht schwer, aber letzten Endes würde sich ja der alte Kobayashi auch besser fühlen, sobald Sissy die Bibliothek nicht mehr heimsuchte.
 
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Kaya und Joudan unterhielten sich hinter dem Empfangstresen und kurze Zeit später hechtete das schwarzhaarige Mädchen über den Tresen und peste durch die Bibliothek direkt auf Nanami zu. Papiere flogen durcheinander, offene Bücherseiten verweht und Kunden nur knapp ausgewichen. Sie machte keine Anstande abzubremsen, als sie der Weißhaarigen näher kam und ihr Rock flatterte, als das andere Mädchen an ihr vorbei rannte. “Shunsui!” rief sie inbrünstig und im nächsten Moment viel sie ihm auch schon um den Hals. Gedanklich zählte Nanami die Sekunden. 1 .. 2 .. 3 .. Die beiden mussten sich wirklich nahestehen. Die Hände des anderen Mädchens landeten auf den Wangen des frisch gebackenen Chuunins. Jap .. keine Frage .. Bestätigte sie sich ihre These selbst. Dennoch kamen ihr mehr Fragen auf, als dass sie sich dadurch welche beantworten konnte! Wie ein Paar kamen ihr die beiden heute Morgen vor dem Eingang zur Bibliothek ja nicht gerade vor. Im Gegenteil, Kaya hatte sich ja förmlich abgewandt und Shunsui ignoriert. Und später – den Tumult hatte sie ja nicht in Gänze mitbekommen – war da dieser Vorfall mit Joudan, der ihr immer noch etwas seltsam vorkam. Darauf hin hatte sich Shunsui auch ganz seltsam verhalten. Auf ihre Frage bezüglich Kaya hatte er nur ganz knapp und kryptisch geantwortet und schien regelrecht wütend zu sein, als er dann sogar eben dieses Buch durch die Bibliothek gepfeffert hatte, obwohl er zuvor noch recht ausgeglichen und freundlich gewirkt hatte! Nun aber nach dieser plötzlichen Umarmung, schien sich die Laune des Blondschopfes erneut zu bessern. Was genau ging hier vor sich? Und welchen Teil dieser Geschichte hatte Nanami verpasst, der das alles hier erklären könnte? Wusste Joudan mehr? Oder war sie vielleicht gar in einem Genjutsu gefangen? Viel Zeit zum Überlegen blieb ihr nicht, denn der alte Bibliothekar tauchte erneut auf, um sich über das Verhalten des anderen Mädchens zu echauffieren. Kaya brachte ihn jedoch zum Schweigen und verwickelte ihn in ein Gespräch, dem die Hōzuki ebenfalls nicht ganz folgen konnte. Es schien um das Bild zu gehen, das der Alte mit den bandagierten Fingern umklammert hielt und eine gewisse Sissy. Kurz darauf lief Kaya mit Shunsui im Schlepptau und Herrn Kobayashi vor sich her treibend erneut an Nanami vorbei und schien direkt auf das Büro zuzusteuern. “Nanami, es tut mir leid – wir kommen gleich zurück. Bitte sei wachsam und .. denk an irgendwas Schönes.” an irgendetwas Schönes denken? Was sollte denn das nun wieder bedeuten? Die Gedanken des Mädchens drehten sich im Kreis. Irgendetwas schien hier ganz und gar nicht zu stimmen. Sie hatte gewiss eine gute Auffassungsgabe, doch irgendetwas schien sich hier gänzlich ihrer Kenntnis zu entziehen. Es war fast ein wenig frustrierend, nicht herausfinden zu können, was hier genau vor sich ging. Außerdem fügte die Hayabusa bei, dass sie zu Joudan gehen solle und dieser ebenfalls an etwas Schönes denken sollte. Shunsui entschuldigte sich noch im vorüber gehen und dann waren die drei auch schon verschwunden.

Das Mädchen schüttelte sich – es fröstelte ihr. Über der Bibliothek lag ein dunkler Schatten und im Inneren herrschte eine bedrückende Stimmung. Die Besucher schienen auch bereits deutlich genervt zu sein, einige waren auch direkt wieder gegangen. Andere mussten ihrem Frust scheinbar Luft machen, denn Nanami beobachtete eine Dame, die gerade mit Joudan am Empfangstresen zu diskutieren schien. Auch wenn der Tag bislang für viel Verwirrung und eigenartige Situationen gesorgt hatte, so entschied sich die Kirinin dazu, die Bücherkisten fürs Erste ruhen zu lassen und auf den Rat zu hören, den ihr die Hayabusa mitgegeben hatte. Sie machte sich also auf den Weg zu Joudan, der es mittlerweile geschafft hatte, die Besucherin einigermaßen zu beschwichtigen, als sie bei ihm ankam. Sie schlüpfte hinter den Tresen und stellte sich neben ihn. “Bitte sag mir, dass du weißt, was hier vor sich geht.” flehte sie den Kushou an. Man musste ihrem zerknautschten Gesicht ansehen, dass sie sich bereits seit einiger Zeit den Kopf darüber zermartert haben musste. “Kaya, Shunsui und der Alte Kobayashi sind eben im Büro verschwunden. Sie sagte, ich solle an etwas Schönes denken .. und ich soll zu dir kommen .. und du sollst auch an etwas Schönes denken! .. Und wir sollen aufeinander aufpassen .. und warum umarmt Kaya jeden? Wer ist Sissy? Warum hat mich Shunsui eben fast mit einem Buch erschlagen?” versuchte Nanami die Situation kurz zusammen zufassen und gleichzeitig ihre Fragen loszuwerden. Abschließend legte sie ihre Arme ineinander verschränkt auf den Tresen und platzierte ihre Stirn darauf. “Irgendetwas stimmt hier doch nicht!” nuschelte sie schließlich in ihre Arme und hoffte, dass bald etwas Licht ins Dunkel gebracht werden konnte. “Kannst du mir irgendetwas über diese Kaya erzählen? Ich werd einfach nicht schlau aus ihr und Shunsui hat vorhin auch nichts Hilfreiches erzählt, als ich ihn gefragt habe.” hakte sie nach, als sie sich langsam wieder etwas aufgerappelt hatte und erneut Blickkontakt zu Joudan suchte.

Was Nanami bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass sich just in diesem Moment zwei Geisterwesen, in Form eines Vogels und einer Katze, einen unerbittlichen Kampf leisteten. Kayas Begleiter Saku versuchte den Geist der verstorbenen Katze Sissy in Schach zu halten, während das schwarzhaarige Mädchen versuchte nach einer Lösung für das Problem zu sorgen. Die Unruhe, die von diesem Kampf ausging, war selbst für Joudan und Nanami spürbar, aber war weder greifbar, noch konnte man den Kampf sehen oder anderweitig wahrnehmen. Dass im Versteck ihrer Überreste, die vermeintlich für die Ewigkeit haltbar gemacht worden waren, irgendetwas nicht stimmte, spürte der Katzengeist und wurde noch rasender. Ihre Instinkte leiteten sie dorthin, doch sie wurde aufgehalten. Sie hatte es zuvor geschafft, ein Bild von der Wand zu stoßen und das obwohl Geister normalerweise keinen physischen Einfluss auf die Welt der Lebenden nehmen können. Schaffte es dieser Geist in seinem Zorn, diese Grenzen auf irgendeine Art und Weise zu überwinden?
 

Kushou Joudan

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Irgendwo, von den allermeisten Menschen ungesehen, tobte ein Kampf. Sissy, der wütende Katzengeist, versuchte, seinem ehemaligen Herrchen hinterher zu gehen um Kaya und Shunsui an ihrem Werk zu hindern. Doch Saku, Kayas Schutzgeist in Form eines Rabens, versuchte, dies zu verhindern.
Auf unhörbar leisen Pfoten, tippselte Sissy hin und her, die gelb glühenden Augen auf einen Türdurchgang gerichtet. Er würde sie führen, wohin sie wollte. Doch das Tor wurde gehalten von Saku. Still saß er auf dem Türrahmen, immerschwarze Augen blickten kalt und voller Sorge auf den Katzengeist. Sissy machte einen Schritt nach vorne und Saku ließ als Antwort die scharfen Klauen über das Holz des Türrahmen schaben. Beide Geister hatten schon genug miteinander gekämoft, um den anderen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Katze wich wieder zurück und der Rabe hörte mit dem Schaben auf. Es war wie ein Tanz, unvorstellbar spannend und endgültig. Die Blicke der beiden Geister trafen sich, ruhten auf- und inneinander. Plötzlich sprang die Katze los. Schnelle Sprünge trugen sie auf die Schwelle zu. Saku stürzte sich, Kopf voran, vom Türrahmen hinunater und breitete seine pechschwarzen Schwingen aus. Sie trugen ihn genau in den Pfad des Katzengeistes.


"Und genau deshalb müsst Ihr ja die Überziehungsgebür bezahlen. Weil Ihr nur zwei Tage zu spät seid, gütige Frau. Und dass Ihr im Urlaub wart, bei allem Respekt, hat damit nichts zu tun." Joudan behielt sein freundliches Lächeln bei, als er mit einer Dame Mitte 50 redete. "So habt doch Gnade mit einer alten Dame. Ich muss ganz alleine die Kinder großziehen." Sie versuchte, sich aus dieser Sache herauszuwinden, doch Joudan ließ nicht locker. Zudem machte das keinen Sinn. Die Frau hatte wahrscheinlich nur vergessen, die Bücher zurückzugeben, und suchte nun nach Ausreden. Doch der Händlerssohn war fest entschlossen, sich nicht wegbuttern zu lassen. "Euch scheint es, nach eigenen Aussagen, gut genug für einen dreiwöchigen Urlaub im Reich des heißen Wassers zu gehen. Die 200 Ryu werden da sicher nicht ins Gewicht fallen." Und um jegliches Gegenargument im Keim zu ersticken, hielt Joudan fordernd die Handfläche aus. Grummelnd bezahlte die Dame ihre Strafe und machte sich von dannen.
In der kurzen Zeit, in der Kaya ihn verlassen hatte, hatte Joudan sich - man glaubt es kaum - mit dem Job beschäftigt. Er hatte zwei Bücher verliehen und drei zurückgenommen. Das letzte sogar mit Verspätung. Doch nun näherte sich neue Ablenkung, in Form einer alten Freundin.
"Oh, Nanami-chan. Lößt Ihr Kaya ab?", so grüßte Joudan die weißhaarige Hozuki, die an der Rezeption angekommen ware. Doch offene Fragen waren es, die Nanami zu Joudan führten. "Also...", began er, nachdem er das junge Fräulein hatte ausreden lassen.

Sakus Krallen packten fest zu, griffen nach dem rötlich bepelzten Körper des Katzengeistes, und hoben ihn hinauf. Der Rabe stieß sich mit schweren Flügelschlägen in die Luft und schleuderte den Katzengeist dann von sich weg. Sissy landete geschickt auf allen Vieren auf einem Tisch, auf dem gerade Bücher gestapelt und sortiert wurden. Von dort aus sprang Sissy ab und vergriff sich in der Luft an Saku.
Die beiden Geister, ineinander verschlungen wie ein Knäuel, stürzten zu Boden. Saku krächzte laut auf, Sissy fauchte herausfordernd zurück. Niemand konnte sie hören. Der scharfe Schnabel des Raben stieß nach Sissy, bohrte sich in die Vorderpfote. Fast wie ein Specht pickte Saku erneut und erneut zu, doch Sissy brachte sich in Sicherheit. Sie richtete den Buckel auf und fixierte Saku voller Hass. Dann sprang sie auf ihn zu.


"Sissy ist die tote Katze des Bibliothekars. Shunsui scheint heute schlecht drauf zu sein. Und Kaya...", Joudan überlegte, wie er am Besten erklären sollte, was er gar nicht selbst verstand. Er dachte einen Moment nach und Nanami konnte sein Zögern bemerken. "Es scheint, als sei irgendetwas hier in der Bibliothek, Nanami-chan. Etwas, was Unruhe stiftet. Es griff bereits Kaya und an. Und, so wirkt es auf mich, nur Kaya kann es sehen." Joudan zuckte mit den Schultern und schenkte Nanami dabei ein Lächeln. Er wusste, dass sich beunruhigend anhörte, was er erzählte. Deshalb wollte er Nanami Zuversicht schenken. "Ich verstehe es auch nicht so recht, aber Ihr und Ich, wir passen aufeinander auf. Dann kann uns niemand auf der Welt etwas anhaben - außer Hei und Mari." Die Reise nach Kurobou war hoffentlich etwas, was Nanami positiv in Gedanken behalten hatte. Wenn Kayas Rat war, an etwas schönes zu denken, dann würde Joudan dem nachkommen. "Hmm... wie es Hei und Mari wohl gerade geht?"

Erneut war es Saku, der im Gefecht den längeren Hebel hatte. Wieder und wieder stürzte der Katzengeist sich auf den Raben, wieder und wieder konnte er sie zurückwerfen. Doch es zehrte an seiner Kraft. Das Gefieder des stolzen Rabengeistes war zerrupft wie das ölgraue Federkleid einer schmutzigen Stadttaube. Die Angriffe des Katzengeistes hatten Spuren hinterlassen und Saku näherte sich langsam dem Ende seiner Kräfte.
Doch Sissy wusste, dass ihr die Zeit ausging. Je länger sie stritten und fochten, desto höher die Chance, das die verfluchte Schwarzäugige es fand. Der Katzengeist musste sich stärken für einen entscheidenden Schlag gegen die Krähe. So hüpfte sie, kurzerhand, auf den Kopf eines jungen Herren, um sich an seinem Frust und seinem Kummer zu laben.





Beim Gedanken an Mari und Hei fühlte Joudan sich schwach und machtlos, klein und unbedeutend. Er hatte nicht den Hauch einer Chance gehabt. Er hatte keinen Unterschied machen können. Schon wieder.

Er hatte auch damals keinen Unterschied machen können. Er hatte nicht verhindern können, dass sein Vater verschwand, wahrscheinlich starb. Er hatte nicht verhindern können, dass Yosata daran zerbrach. Er hatte nicht verhindern können, dass Rin ihre Eltern verloren hatte.

..:: Rin ::..

Wie konnte Joudan nur so eigensinnig sein? Er hatte sie in das alles hineingezogen, hatte sie ihrer Mutter weggenommen und in ein fernes Land verschleppt, war durchgebrannt und hatte ihr seine Entscheidung aufgezwungen. Er war für ihr Schicksal verantwortlich und trug ihr Leben nun auf seinen Schultern.


"Das stimmt nicht...", ermahnte Joudan sich innerlich selbst. Er wusste nicht, wo dieser nagende Zweifel urplötzlich herkam, doch er wusste, das er unbegründet war.
Joudan war nicht für das Verschwinden seines Vaters verantwortlich. Er war als Shinobi auf einer Mission verschollen, wie hätte Joudan darauf Einfluss haben können? "Das ist nicht meine Schuld."
Joudan war nicht für den Zusammenbruch Yosatas verantwortlich. Er hatte anfangs versucht, ihr zu helfen. Hatte anfangs Verständnis gehabt. Doch sie hatte den Mann verloren, den sie liebte, und das war zu viel für sie gewesen. "Ich habe mein Bestes geben."
Joudan hatte Rin nicht verschleppt. Er wollte, dass sie bei Shintora, der Großmutter aufwuchs. Doch Rin hatte sich dafür entschieden, mit Joudan zu gehen. Weil sie ihn so sehr liebte wie er sie. "Sie ging mit mir, weil sie es wollte!"
Joudan trug Rins Leben auf seinen Schultern. Doch es war keine Last. Es war ein Privleg. Es war Zeichen des Bandes zwischen ihr und ihm: Bedingungslose Liebe, wie es sie nur zwischen Geschwistern gab.


Wie lebendig verbrennend kreischte der Katzengeist auf, wurde regelrecht weggeschleudert und suchte die Ferne zu diesem jungen Mann. Hatte Sissy doch tiefe, schwere Schwärze in ihm gesehen, lag diese, beschützt und behütet, unter einer strahlenden Schicht goldenen Lichtes. Nein, hier würde der verärgerte Geist sich nicht stärken können. Deshalb fiel ihr Blick gierig auf die junge Frau mit den weißen Haaren. Doch bevor sie siich über das Mädchen hermachen konnte, bohrten sich spitze Krallen in ihre Seite. Wie von einem mächtigen Sturm ergriffen wurde sie in die Höhe gezogen.
Saku kämpfte mit schwindenden Kräften, doch Kaya hatte ihm aufgetragen, sich besonders um diese beiden Menschen zu kümmern. Und er würde der Geisterseherin nicht unter die Augen kommen können, wenn er in dieser Aufgabe versagte. So zog er den Katzengeist weg von Nanami und Joudan, stieg mit ihm bis fast unter die Decke der Bibliothek. Der Geist wandt sich, schlug und biss nach Saku, doch er ertrug es.
Am Höhepunkt angekommen senkte er den Kopf. Einen unwirklichen Moment lang hingen er und Sissy wie an Strippen festgebunden in der Luft, danach zog es sie nach unten. Von löchrigen Flügeln geführt zielte Saku auf ein Fenster zu. Im letzen Augenblick ließ er die Katze los und zog nach oben.


Joudan hatte sich gerade von seinem Ein-Minuten-Tief erholt, da hörte er es splittern. Instinktiv griff er nach Nanami, zog ihr Gesicht an sich heran und schloss die Arme um sie. Doch dieses Mal blieb die Theke, an der beide standen, vom Scherbenregen unberührt. Ein Fenster, einige Meter weiter, war zu Brüche gegangen. Die Scherben stoben nach außen, als hätte jemand von innen etwas dagegen geworfen. Also ließ Joudan Nanami wieder los und stammelte ein wenig verlegen: "Entschuldigt. Ich scheine wohl ein wenig schreckhaft..." Dann lächelte er sie breit und glücklich an.
 
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Es war ihr ein Rätsel, wie der alte Mann auf die Idee gekommen war sein geliebtes Haustier ausstopfen zu lassen um es so zu bewahren. Auch wenn sie sehr gut nachvollziehen konnte, das man jemanden, den man aufrichtig liebte, nur schwer gehen lassen konnte... erschien ihr diese Lösung doch derart grotesk, dass es ihr sprichwörtlich die Kehle zu schnürte. Kein Wunder das Sissy an diese Welt gebunden war und sich so viel Wut in ihr aufgestaut hatte. Wie sollte sie denn auch auf diese Weise Ruhe finden...? Nach kurzem zögern nahm sie das Feuerzeug des alten Bibliothekars entgegen. Eigentlich wollte sie diesem Ding nicht näher kommen... doch es galt keine Zeit mehr zu verlieren. Sie wusste nicht wie lange Saku noch durchhalten würde und inwiefern sich dieser Kampf auf den Rabengeist auswirken würde. Sie wusste nur eins.. von ihm getrennt zu sein, schmerzte sie. Nie zuvor hatte sie sich so ... einsam, so verlassen gefühlt. Umso fester drückte sie Shunsuis Hand, die sie nicht los lassen konnte. Zu sehr nagte dieses unbestimmte Gefühl der Einsamkeit und Sorge an ihr. Konnte sie den alten Mann wirklich verurteilen? Wenn Saku eine körperliche Form hätte... konnte sie da mit Gewissheit sagen, dass sie ihn nicht auch versuchen würde zu konservieren? Ihn weiterhin bei sich halten zu können? Kaya entzündete das, was einst so voller Leben gewesen war und nun nur noch eine leere Hülle geblieben war. Erschrocken wich sie leicht zurück, denn das gute Stück entflammte sogleich lichterloh. Fragend sah sie zu dem Alten, der bitterlich zu weinen begann. Anscheinend hatte man das Fell des Tieres mit einem speziellen, hoch entflammbaren Öl bearbeitet um dessen Glanz zu erhalten. Kayas Finger verschränkten sich so fest mit denen ihres geliebten Blondschopfs, dass es wohl schon schmerzhaft war. Plötzlich weiteten sich ihre Augen - der Katzengeist sprang plötzlich auf die Fenstbank, des Fensters, welches hinter den brennenden Überresten gelegen war. Selbst Kaya schossen Tränen in die pechschwarzen Augen: sie hatte nichts dunkles mehr an sich, sondern sah aus wie früher - und ihre Bindung zu ihrem Herrchen schien stark genug zu sein, dass sogar er sie schemenhaft zu erkennen schien. "Oh meine Sissy....!" schluchzte er nun endgültig in Tränen ausbrechend. Die Katze schien sanft zu miauen, direkt in Kayas Richtung. Bedankte sie sich etwa...? Nein... das musste sie sich einbilden. Die wenigen Tränen, die ihr gekommen waren, wichen einem warmen, erleichternden Lächeln, als die werte Sissy mit einem Satz aus dem Fenster spring und eins wurde mit dem strahlend blauen Himmel. Das Knistern der brennenden Überreste hatte etwas grotesk romantisches, während allen Anwesenden leichter ums Herz werden sollte.

Diese bedrückende Aura, dieses unbestimmte Unbehagen, welches nun schon so lange die Bücherei heimgesucht hatte, wich schlagartig. Man hörte einige Schüler lachen, die über Büchern hockten und plötzlich nahm das eindringende Sonnenlicht wieder eine gewohnte, sanfte Wärme an sich. Die Luft schien klar und frisch, wie nach einem Regenschauer. "Danke..." schluchzte der Alte, anscheinend hatte er verstanden. Kaya nickte ihm nur leicht zu, ehe ihre andere, freie Hand auf ihre eigene Schulter wanderte und über diese strich. Zumindest vermochte es so für den Alten und Shunsui aussehen...tatsächlich aber strich sie behutsam über Sakus Krallen, die er wie gewohnt in ihre Schulter geschlagen hatte ohne sie tatsächlich zu berühren. Kaya hatte ihren Kopf ihm entgegen geneigt, schmiegte sich ihrem anorganischen Freund entgegen. Sichtlich erleichtert und froh ihn zurück zu haben. Saku war ... ungewöhnlich klein und ...ungewohnt...formlos. Er war sichtlich geschwächt. "Ruh dich aus, alter Freund." raunte sie ihm zu und lächelte dabei liebevoll. "Ja-ja...das werde ich." schluchzte der Alte und schnaubte in sein Taschentuch, ehe er sich bedröppelt auf seinem Schreibtischstuhl niederließ und zu sah wie Alles zu Asche verbrannte. Kaya zuckte derweil leicht zusammen: Moment! Mit ihm hatte sie doch gar nicht geredet...! Warum sollte sie ihn denn bitte als alten Freund bezeichnen? Was soll's... dachte sie sich schmunzelnd und wandte sich Shunsui zu, schenkte ihm ein sanftes Lächeln.

Ohne auf eine großartige Reaktion von ihm zu warten, zog sie ihn mit sich aus dem Raum heraus. Ihre Hand war von ihrer Schulter hinab gewandert und hatte sich nun ebenfalls um Shunsuis Hand gelegt, sodass sie seine Hand mit beiden ihrer Hände hielt um sicher zu gehen, dass er sich nicht aus ihrem Griff befreite. "Pssst ~" raunte sie ihm zu und führte ihn kurzerhand ums Eck. Vor fremden Blicken geschützt hinter einem der Bücherregale verborgen drängte sie den Blonden mit dem Rücken voran gegen die Wand, während sie sich nun ihrerseits katzenhaft an ihn schmiegte - und das obwohl sie erstmal genug von Katzen hatte ~ ebenso wie Saku - sie löste ihre Hände von seiner Hand und schmiegte sie stattdessen um seinen Nacken um ihn in einen liebevollen, sanften Kuss zu verwickeln. Einen kurzen Augenblick hatten sie, bis sie sich endlich ihrem eigentlichen Job widmen würden. Sie gab Shunsui nicht wirklich eine Möglichkeit groß auf ihre Aktion zu reagieren, als sie den Kuss wieder löste. Behutsam legte sie ihren Zeigefinger auf seine herrlich weichen Lippen, während ihr pechschwarzen Augen ihn fixierten: wenn sie dieser Job eines gelernt hatte, dann, wie wichtig es war, dass, was man liebte gehen zu lassen. Aber auch ... wie wertvoll die gemeinsame Zeit war und wie wichtig es war den anderen wissen zu lassen wie man fühlte. "Hör nur zu, ich möchte keine Antwort von dir..." flüsterte sie so dicht an seinem Gesicht, dass ihr Atem seine Haut streifte. Zärtlich strich ihr Finger über seine Unterlippe, während sie mit rasendem Herzen sprach: "Ich liebe dich...Jirokou Shunsui." sie zog ihren Finger wieder zurück und versiegelte ihre Lippen erneut. Es war ihr voller Ernst, sie wollte keine Antwort, sie brauchte keine - sie erwartete nichts von ihm. Es war einfach was sie fühlte und es erschien ihr als wichtig und auch richtig ihn das wissen zu lassen.

Im nächsten Moment war sie verschwunden. Sie hatte das Shunshin no Jutsu genutzt um sich dezent aus dem Staub zu machen. Mit hochglühenden Wangen tauchte sie wie aus dem Nichts hinter Joudan und Nanami im Empfang auf, strich sich noch ein wenig Gedanken verloren über die Lippen. "Danke, dass du eingesprungen bist...Nanami." sprach sie an die Beiden gewandt, mit den Gedanken noch sichtlich woanders. Dabei hatte sie auch keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass sie die Beiden wohl möglich durch ihr plötzliches Auftauchen erschrecken könnte. Sie würde auch kaum Zeit finden noch groß darüber nachzudenken, denn plötzlich öffneten sich die schweren Türen und immer mehr Leute traten ein - die große Bibliothek war mit so viel Leben gefüllt wie schon seit Wochen nicht mehr.


Shunshin no Jutsu (Übersetzung)

Element: Keines
Typ: Ninjutsu
Rang: D
Chakrakosten: D pro 10 Meter
Reichweite: Auf sich selbst

Voraussetzungen: Chakrakontrolle Stufe 3, Chakramenge Stufe 2

Beschreibung: Dies ist eine Hochgeschwindigkeitstechnik, die es ermöglicht, sich selbst und eine andere Person entweder zu einer schnellen Flucht oder Auftritt zu bescheren. Oftmals wird die schnelle Bewegung durch Rauchbomben, Blätter oder dergleichen vertuscht, während das Jutsu selbst neben den benötigten Materialien auch einige Sekunden der Chakrasammlung braucht. Es ist demnach nur in absoluten Ausnahmefällen in Kampfsituationen nutzbar.
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Shunsui hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was hier los war. Angefangen bei seinen Erinnerungen der letzten Minuten, die völlig blank waren, bis hin zu dieser seltsamen Stimmung hier und Kaya’s Drängen, die ausgestopfte Katze zu verbrennen. Aber er vertraute ihr, weshalb sich der junge Mann ihrer Sache angenommen und den Alten dazu gebracht hatte, mit einem Feuerzeug herauszurücken. *Irgendetwas ist hier faul.*, ging es dem Blondschopf immer wieder durch den Kopf – zuletzt, als die Hayabusa seine Hand fest drückte und sich daran machte, das ausgestopfte Tier in Brand zu setzen. Wäre er nicht in einer Welt mit Shinobi aufgewachsen, in denen so gut wie alles möglich war, dann hätte der Jirokou vermutlich viel verwirrter auf all diese Tatsachen reagiert. So nahm er es aber hin, dass es etwas gab, dass die Kunoichi wahrnehmen konnte und er nicht, weshalb sie sich darum kümmern mussten. Dann ging alles ganz schnell: Der alte Kobayashi brach in Tränen aus und trauerte seiner Sissy nach und auch Kaya vergoss einige Tränen, ehe sie den Mann und das brennende Tier warm anlächelte. Und derweil verstand der bebrillte junge Mann nur Bahnhof, aber es fühlte sich kurioserweise viel einfacher an, wieder normal zu atmen. Sehr seltsam. Für gewöhnlich waren Menschen ziemlich gerührt von solch einem Anblick, doch erst jüngst hatte Shunsui feststellen müssen, dass sich seine Empfindungen wie Mitleid für andere Menschen ziemlich in Grenzen hielt, um nicht zu sagen, dass sie fast gar nicht vorhanden war. Mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung stellte also der Jirokou fest, dass die Hayabusa mit irgendetwas zu reden schien. Dass sie sich nicht an den heulenden alten Mann gewandt hatte, war klar und deutlich zu erkennen, da sie den Kopf ein wenig zur Schulter geneigt hatte und mit einem warmen und zärtlichen Ton gesprochen hatte – so, wie sie für gewöhnlich ihn ansprach. Kein Wunder also, dass der Blondschopf lediglich die Augenbrauen hochzog, als der Alte der Hayabusa antwortete und sich völlig erschöpft auf den Sessel fallen ließ. *Alles klar...* Mit einer Mischung aus Belustigung und Verwunderung blickten seine goldenen Seelenspiegel in die pechschwarzen Iriden der jungen Frau, die sich ihrerseits auch ihm zugewandt hatte und ihm ein warmes Lächeln schenkte. Mission erfüllt?

Scheinbar war der Tag noch nicht ganz abgeschlossen, denn ohne ein weiteres Wort zu verlieren, griff Kaya’s kleine und weiche Hand nach seiner, um ihn mit nach draußen zu ziehen. Und dass es dabei nicht in erster Linie darum ging, dem trauernden Alten Platz und Ruhe zu gönnen, bemerkte der Jirokou ganz schnell, als ihn die junge Frau gegen die nächste Wand drückte und sich an ihn schmiegte. Hier, verborgen vor jeglichen Blicken, konnte man so etwas durchaus machen, aber es war doch trotzdem ein wenig gewagt, obgleich sich Shunsui ziemlich darüber freute. Das Gefühl ihrer weichen Lippen auf den seinen erfüllte ihn mit Wärme, die er beinahe die ganze Zeit über während seines Aufenthaltes hier vermisst hatte. Über so eine Begrüßung hätte er sich heute Morgen gefreut, insbesondere nach seiner überraschenden Beförderung. Aber egal, diesen Gedanken und andere Zweifel schob der junge Mann fürs Erste beiseite und gab sich ganz diesem Gefühl hin, und hoffte, dass dieser Moment nicht enden würde. Wie so oft dauerten solche Momente nicht sonderlich lange an und die Kunoichi löste sich von ihm. Ein seltsamer Ausdruck hatte sich auf ihrem Gesicht gebildet, während sie einen Zeigefinger auf seine Lippen legte und damit verhinderte, dass er den Mund aufmachte. Shunsui hatte keinerlei Ahnung, was jetzt kommen würde, doch die Art und Weise wie Kaya zu erzählen begann, sagte ihm, dass es etwas Großes war. Und schließlich vernahm er die Worte: „Ich liebe dich … Jirokou Shunsui.“ Die goldenen Augen blinzelten zunächst einige Male, da der junge Mann nicht wirklich in der Lage war zu realisieren, was die Hayabusa da von sich gegeben hatte. „I-ich…“, begann der Blondschopf glücklich, aber völlig überrumpelt. Doch weiter kam er nicht, denn just in diesem Moment verschwand Kaya einfach und ließ ihn zurück.

Äußerlich gesehen schien der Jirokou ziemlich abwesend zu sein und auf Autopilot zu agieren, doch innerlich sah es ganz anderes aus. Wie hätte er auch einen solchen Ausdruck der Liebe erwarten können? Er, der sein ganzes Leben über nur auf Mord und Rache gesinnt war. Vor einigen Monaten wäre solch eine Entwicklung undenkbar gewesen, doch die letzten Monate waren alles andere als normal gewesen. Unmengen an Emotionen tobten im jungen Mann: Glücksgefühle über die Liebe der jungen Frau. Angst davor, dass er sie verlieren würde. Zweifel, dass er ihre Liebe und sein jetziges Leben verdiente. Zorn, über die Mörder seiner Eltern, die ihn dazu gebracht hatten, dieses Leben leben zu müssen. Zuneigung und Herzschlagen beim Gedanken an Kaya. Unwissenheit, ob er in der Lage war, dasselbe auszudrücken. Der junge Mann mochte die Hayabusa sehr gerne und fühlte sich zu ihr hingezogen, doch es war nicht von der Hand abzuweisen, dass er emotional abgestumpft war. Deshalb fragte er sich, ob und wie sich seine Gefühle entwickeln würden – konnte er ebenfalls Liebe empfinden? Oder waren solche Empfindungen aufgrund der Ereignisse in seinem Leben unmöglich geworden? Nein, so wollte er nicht denken! So durfte er nicht denken! Es hatte sich eine neue Chance in seinem Leben aufgetan und die würde er nutzen. Möglicherweise dauerte es ein wenig länger als bei anderen, vielleicht ein Leben lang, oder auch nie – aber er würde trotzdem sein Bestes geben. Die Ereignisse seines Lebens drohten den jungen Mann zu überholen, doch er würde mit Zuversicht auf sie zugehen und die Dunkelheit in ihm weiter aussperren. Mit einem vorsichtigen Lächeln legte er die zuvor getragene Kiste ab und begann die Bücher einzuräumen. Oh ja, was für ein schöner Tag!
 

Hayabusa Ray

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Kushou Joudan & Hayabusa Ray -
Zwei Brüder im Geiste? (Off)

Kannte man den Hayabusa nur oberflächlich und vor allem seine freiheitsliebende und unberechenbare sowie sprunghafte Natur, so würde man ihn sicherlich nicht als einen Bücherliebhaber bezeichnen, denn war diese Tätigkeit doch gerade davon gekennzeichnet, dass der Ausübende in aller Regel still dasaß. Lediglich die Augen bewegten sich dabei gelegentlich unterbrochen durch die Hand, welche die Seiten umblätterte. Das war sicherlich nicht vereinbar mit einem Rotschopf, der gerne herumrannt von jetzt auf gleich auf Bäume kletterte oder extra eigene Jutsus erfand, die es ihm erlaubten akrobatisch durch die Lüfte zu schießen, als ob gerade immer dort wo er es brauchte eine unsichtbare Wand wäre, von der er sich abstoßen konnte.

Allerdings war das nur die eine Seite des Hayabusas, wenn er selbst sicherlich auch zugegeben hätte, das es die auffälligere seiner beiden zentralen Wesenszüge war. Doch nicht umsonst war sein Vater ein Philosoph und hatte ihm schon früh vermittelt, dass Menschen in der Regel äußerst komplexe Wesen waren, die mehr als eine Seite besaßen. Diese Seiten waren manchmal gut versteckt oder aber verschüttet unter traumatischen Erlebnissen und konnten sich ändern, aber kein Mensch war wirklich eindimensional. Denn so dominant und auffällig in seinem Verhalten nach außen der Jagdinstinkt und das Unberechenbare war, so zurückhaltend und unauffällig war eben diese Seite in seinem Inneren. Das Innere des Hayabusa konnte durchaus mit einem ruhigen und tiefen See verglichen werden. Eingebettet in rundgeschliffenen, großen Steinen, versteckt auf einer Lichtung tief in einem zauberhaften Märchenwald. Dort meditierte sein Inneres und schien alle Zeit der Welt zu haben. Und genau dieses Innere war durchaus interessiert an Büchern und Wissen aller Art, weswegen der Hayabusa immer mal wieder die Bibliothek besuchte, selbst wenn er die engen Gänge nicht unbedingt mochte. Aber er war, auch bedingt durch seine auffällige Haarfarbe, durchaus bekannt bei den liebevoller, aber strengen Damen der Rezeption und konnte sich der Errungeschaft rühmen noch nie ihren Zorn auf sich gezogen zu haben, weil er zu laut oder zu auffällig war. Die fast schon heilige Atmossphäre der Bibliothek schien eine überaus beruhigende Wirkung auf sein Verhalten zu haben.

Auch an diesem Tag hatte es ihn in den Abendstunden in die Bibliothek verschlagen, wo er mit leisen aber zielsicheren Schritten die Abteilung für Ninjutsu aufgesucht hatte. Ausnahmsweise hatte sein Besuch in dieser Bibliothek ein bestimmtes Ziel. Denn Ray hatte davon gehört, dass es ein besonderes Art von Wissen gab, welches es dem Anwender ermöglichte andere Ninja aufzuspüren. Bisher hatte er sich für solcherlei Art von Wissen nicht wirklich interessiert. Medizinische Jutsus hatten ihn nie angesprochen, Versiegelungstechniken hatte er ebenfalls keinen zweiten Blick gewürdigt, was naheliegend war, denn bisher war er sehr darauf fokussiert seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Aber vor allem Fuuton-Techniken, für die er ein Händchen besaß, waren doch im Grunde wie prädestiniert dazu seine Wahrnehmung um einen sechsten Sinn zu erweitern. Und nebenbei, wenn er wirklich fliegen lernen wollte, konnte es nicht schaden auf den Wind zu hören und vielleicht half ihm dieses Sensorik-Wissen ja auch dabei. Die Frage war jetzt, wo war wohl darüber etwas zu finden. Nachdenklich tippte sich der Rotschopf auf die Lippe und lies seinen Blick über das Regal gleiten. //Das große Lexika der Fuuton-Jutsu, Fuuton für Anfänger, Wie man den Wind lenkt? - Eine spirituelle Betrachung der Kunst des Fuuton. Hmm scheinbar gibt es wirklich für alles ein Buch.// dachte er, während sein Blick über die Reihen glitt und an einem dünnen Band hängenblieb, dessen Titel nicht zu sehen war. Neugierig nahm der Hayabusa das kleine Büchlein heraus, pustet den Staub vom Einband und entzifferte den Titel. "Der den Wind fühlt - eine Biographie des Ryokan Hayamochi." murmelte er, ohne dass ihm der Name in irgendeiner Weise geläufig war. "Hört sich interessant an." und mit diesen Worten ging er zurück in den lichtdurchfluteten Lesesaal, um sich an einen der Tische zu setzen. Vielleicht konnte er von diesem Ryokan ja was lernen.

@Kushou Joudan
 

Kushou Joudan

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Hach, die große Bibliothek. Es war gar nicht lange her, da war Joudan hier als Mitglieder einer Truppe aus vier Ninja, die ein wenig aushelfen hatten sollen. Es war eigentlich ein Job wie jeder andere gewesen. Doch nicht nur die seltsame Zusammenstellung und die katastrophalen Spannungen zwischen den anderen Teammitgliedern (Joudan kam super mit allen klar, zu mindest in seiner Erinnerung!), auch ein paar seltsame Ereignisse in der Bibliothek hatten Joudan mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen. Kobayashi, der Bibliothekar, hatte im Nachhinein geschworen, dass der Geist seines verstorbenen Stubentigers gesehen hatte und dass dieser Geist für allerlei Unheil verantwortlich gewesen war.
Joudan hatte bisher nicht an Geister geglaubt, allgemein war Joudan nicht wirklich gläubig. Das Hierseits war anstrengend und aufwendig genug, bat genügend Aufgaben und Hindernisse, dass der Blondschopf nicht großartig viele Gedanken an "Außerweltliches" verschwenden wollte.
Eine dieser Aufgaben, wenn auch eine selbst-auferlegte, führte den blonden Ame-Nin heute zurück in die Bücherei. In den letzten Wochen und Monaten war Joudans Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten um einiges gestiegen. Selbst wenn der Blondschopf bisher noch keine kämpferische Auseinandersetzung wirklich für sich entscheiden konnte, hatte er einige neue Jutsus gelernt, einige anspruchsvolleren Missionen erfolgreich vollendet und sein Wissen im Bereich der Fuuin-Künste vertiefen können. So hatte der Händlersspross entschieden, einer Sache nachzugehen, die ihn schon seit über einem Jahrzehnt beschäftigte.

Joudan hatte versucht, an Akten und Daten über die Mission zu bekommen, auf der sein Vater verschwollen war. Doch sie standen, selbst elf Jahre später, unter Verschluss. So musste der Blondschopf ein paar Kreuzverweise suchen und etwas recherchieren. Er hatte dabei nur zwei Anhaltspunkte: Das grobe Datum des Verschwindens seines Vaters war ihm bekannt. Und er wusste, dass es auf einer Mission geschah, auf der sein Vater als ANBU tätig war, also war es wahrscheinlich keine Wald-und-Wiesen-Mission gewesen. Vielleicht fand er ja in Zeitungsarchiven, die in der großen Bibliothek aufbewahrt worden, ein paar Hinweise darauf, was zu dieser Zeit in der Welt so los war. Vielleicht hatte es ja irgendwo großer Auseinandersetzungen, politische Unruhen oder dergleichen gegeben. Das wären Anhaltspunkte.

Mit einem Stapel Schriftrollen, die seit Jahren wahrscheinlich niemand mehr berührt hatten, schob Joudan sich durch die Bibliothek. Noch keimte in ihm Optimismus, den auch der Ausblick auf mehrstündiges Zeitung-Lesen nicht trüben konnte. Nach einem Tisch suchend, auf dem Joudan sich über seine Funde hermachen konnte, stach ihm eine Mischung aus Gelb und Rot in die Augen, die der Blondschopf definitiv zuordnen, hier aber keineswegs erwartet hätte. Scheinbar schien ihm kein Bibliotheksbesuch ohne ein Mitglied der Hayabusa-Familie vergönnt zu sein.
Joudan erinnerte sich noch gut an Ray. In einem Showkampf hatten die beiden sich vor einigen Wochen gegenübergestanden und - in sehr eingeschränktem Rahmen - Schläge ausgetauscht. Damals hatte Ray Joudan übertrumpf, ihm aber angeboten, den Kampf auch einmal ohne Regeln nachholen zu können. Eine Einladung, die der Ame-Nin bisher noch nicht wahrgenommen hatte. Zu viel anderes hatte ihn in letzter Zeit auf Trab gehalten, sodass er den Rotschopf schon fast wieder vergessen hatte.
Wie einen großen Bücherwurm hätte Joudan Ray nicht gehalten. Und dann wiederum hatte der Hayabusa im kurzen Showkampf List und Schläue bewiesen, Eigenschaften, die nicht einfach aus dem Nichts kamen. So entschied der Kushou sich dafür, dem Hayabusa einen kleinen Besuch abzustatten. Mit den Schriftrollen in den Armen näherte Joudan sich dem Tisch, an dem Ray saß, platzierte seinen Lesestoff darauf (am langen Holztisch, an dem Ray saß, war genug Platz für die beiden und noch mehr) und setzte sich ihm Gegenüber.
"Ohayo, Hayabusa-san.", grüßte Joudan freundlich und mit derart gesenkter Stimme, dass sich hoffentlich niemand darüber aufregen würde. "Seid Ihr ebenfalls auf der Suche nach Leher und Weisheit in Schriften?" Sein Blick fiel, ein wenig neugierig, auf die Lektüre des Rotschopfes. Etwas über einen Fuuton-Nutzer, der Joudan nichts sagte. Was Ray wohl an diesem Buch interessantes zu finden hoffte?


@Hayabusa Ray
 

Hayabusa Ray

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Schon nach wenigen Seiten war Ray in der Lektüre über Ryokan Hayamochi vertieft. Es war eher eine Biographie als alles andere, doch war sie spannend geschrieben und gut zu lesen. Der Autor hatte schon früh seine Begabung für das Element des Windes entdeckt und bald angefangen damit herumzuexperimentieren. Er liebte es den Wind in seinen Haaren zu spüren und hielt sich gerne auf Klippen und Bergen auf, um genau das zu tun. Das konnte der Rotschopf zumindest teilweise nachvollziehen, denn auch er liebte das stürmische Wetter und den kraftvollen Wind, der dabei aufkam. Dann aber nahm die Geschichte eine tragische Wendung und Hayamochi verlor durch eine erblich bedingte Krankheit sein Augenlicht. Schon sein Großvater litt an dieser Krankheit, wie es sich bald herausstellte, doch da er schon vor seiner Geburt gestorben war und sich die Krankheit bei seinem Vater nicht gezeigt hatte, war man ziemlich überrascht, als Hayamochi schon in relativ jungen Jahren das Augenlicht verlor. Dabei wurde es erst nur ein wenig schwächer, nahm dann aber rapide zu und schon bald war die Welt voller Farben nur eine Erinnerung. Das stürtze den jungen Mann in eine tiefe Depression und nur das Fühlen des Windes konnte die Schwärze in seiner Seele ein wenig vertreiben. Bisher war die Geschichte zwar durchaus spannend gewesen, aber hatte sie dem Rotschopf noch nicht seine eigentlichen Fragen beantwortet, doch das nächste Kapitel trug die vielversprechende Überschrift. 'Wie ich mit Hilfe des Windes neu zu sehen begann.' Gerade wollte sich Ray in genau dieses Kapitel stürzen, als sich ihm gegenüber ein bekanntes Gesicht hinsetzte.

Natürlich hatte der Rotschopf ihn nicht am Schritt bemerkt. Das war ein Nachteil, dem er sich durchaus bewusst war, den er bisher aber noch nicht angegangen hatte. Da seine Augen so scharf waren, verließ er sich so sehr auf seinen Sehsinn, dass die anderen bei ihm ein bisschen weniger Aufmerksamkeit bekamen. Jetzt aber blickte er erstmal in die grünen Augen und musterte das blonde Haar. Kushou Joudan hatte sich vor sich auf den Stuhl fallen lassen, wobei diese Beschreibung keineswegs zu der tatsächlichen Bewegung passte. Er hatte sich mit Eleganz und Grazie auf dem Stuhl niedergelassen und war natürlich wie immer bestens gekleidet. "Ohayo, Kushou-san" erwiderte Ray mit einem Grinsen, dem ausnahmsweise mal keine raubvogelartige Schärfe innewohnte, und musste bei dem Anzug unwillkürlich an ein Trainingserlebnis der besonderen Art denken. Kushou war sicherlich ein außerordentlich eleganter Tänzer, der jedweden Tanz mit Stil und Eleganz vollendete. Nicht, dass Ray daran dachte Tanzstunden zu nehmen, aber wer weiß, was die Zukunft noch bringen würde.

Dem exzentrischen jungen Mann war er vor gar nicht mal allzu langer Zeit in einem Ninjawettkampf begegnet und dort hatte er doch tatsächlich vorgeschlagen den Sieger des Kampfes im Vorfeld festzulegen. Das Anliegen war ja irgendwo verständlich, wurde aber sowohl von Kaya, als auch Ray abgeschmettert und so blieb ihm nichts anderes übrig, als zu kämpfen. Wenn er sich recht erinnerte, dann hatte er vor allem mit Drähten, Shuriken und diversen anderen Utensilien gekämpft, durchaus interessant, aber am Ende musste er sich dem Rotschopf geschlagen geben. Wobei ein Rückkampf durchaus Spannung versprach, gerade wenn beide nicht nur auf niederstufige Techniken zurückgreifen durften.

Freundlich und vor allem ruhig musterte er die Schriftrollen seines Gegenübers, der im Moment einen vollkommen anderen Hayabusa vor sich hatte. Auch jetzt blieb Ray ausgesprochen ruhig und entspannt. Es war keine Schärfe in seinem Blick, die Muskeln waren nicht angespannt und er sah auch nicht so aus, als ob er sich im nächsten Moment wie ein Raubvogel vom Himmel auf seine Beute stürzen würde. Vielleicht fragte sich Joudan gerade sogar, ob er tatsächlich den stürmischen und agilen Rotschopf vor sich hatte, der ihm im Kampf begegnet war. Er wäre nicht der erste, den das überraschen würde.

"In der Tat." flüsterte Ray beinahe sanft zurück und blickte selbstbewusst in die grünen Augen des Blondschopfes und drehte seine Lektüre auf den Rücken, sodass dieser den Titel lesen konnte. "Wobei weniger nach Weisheit, als vielmehr nach neuen Techniken, die mir helfen andere aufzuspüren." er grinste schelmisch, wobei sich seine leicht spitzen Eckzähne zeigten. Auch wenn der Raubvogel gerade ruhig war, so war er immer noch ein Raubvogel. "Und Ihr?" Ray erinnerte sich, dass Joudan außerordentlich viel wert auf förmliche Umgangsformen legte und wechselte daher nicht zum Du. "Was sucht ihr in diesen Schriftrollen? Sie scheinen nicht gerade viel gelesen zu werden." merkte er noch an, als seine scharfen Augen die Staubschicht begutachtete. Ein bisschen neugierig war er ja schon, was der Blondschopf in den Rollen zu finden hoffte.
@Kushou Joudan
 

Kushou Joudan

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Ray, und das fiel Joudan sehr auf, war so anders als er ihn in Erinnerung hatte. Nur wenig erinnerte an den aufgedrehten Energieball, dem er auf dem Sportfest gegenüber gestanden hatte. Der rotaarige Hayabusa verwendete sogar ordentlich förmliche Sprache, was Joudan durchaus aufschnappte. Der Schwarzäugige schien dem Blondschopf mit Respekt zu begegnen. Das sicherte ihm ein paar Pluspunkte
Rays Anliegen, in einem Buch nach neuen Techniken zu suchen, konnte Joudan nur all zu gut nachvollziehen. Er selbst war stundenlang, bis spät in die Nacht hier gesessen, hatte Siegel recherchiert, kopiert, geübt. Und er hatte sich hier oft belesen, um seine erste Eigenkreation, sein ganz persönliches Sensorik-Jutsu zu erschaffen. Und Ray war, lustigerweise, auf der Suche nach etwas ähnlichem.
"Dann müssen wir die Revange für das Sportfest möglichst bald ansiedeln, so lange Ihr in eurem Anliegen noch nicht erfolgreich wart.", gab Joudan mit einem Schmunzeln im Gesicht zurück, hoffte so, den Witz hinter seinem Vorschlag deutlich zu machen. "Denn momentan ist das eine Sache, die ich Euch voraus habe. Nicht, dass Ihr mir noch zu stark werdet."
Joudan wusste, dass andere Leute mit ihren Fähigkeiten, ihren Jutsus, ihren Stärken und Schwächen gerne ein wenig geheimnistuerischer umgingen als er selbst. Er machte sich nichts daraus, dem Hayabusa zu verraten, dass er selbst eine Technik zur Ortung beherrschte. Bedachte man, dass der Ame-Nin vorhatte, sich in Bälde einen Übungskampf mit Ray zu leisten, so war es natürlich eine schlechte Taktik, ihm zu viele Informationen über sich selbst zu offenbaren. Doch das Gespräch hier und jetzt war Joudan wichtiger als der Übungskampf irgendwann mal. Zudem wollte er ihn für sein höfliches Verhalten ein wenig belohnen. Also führte er fort. "Ihr werdet von so einer Technik sicher profitieren, Hayabusa-san. Seid ihr ein wenig geübt darin, dann könnt ihr damit nicht nur die Position eines Gegners herausfinden sondern auch ein wenig über dessen Stärken und Schwächen. Ich hoffe, Ihr habt nichts gegen eine kleine Demonstration."
Der Kushou sah sich kurz um, ob jemand anderes in der Nähe war, den er vielleicht stören würde, passte einen guten Moment ab und verstieß dann ganz bewusst gegen die "Keine Ninjutsu in der Bibliothek"-Regel. Mit der Linken hielt er kurz ein Fingerzeichen, während er die Rechte mit der Handfläche Ray engegen hielt. Sein Jutsu, die Kunst des erwachten dritten Auges, entfaltete seine Wirkung. Joudan spürte, wie die schwache Chakrawelle, die er aussandte, vom Hayabusa vor sich reflektiert wurde und seinen Weg zurück zum Blondschopf fand. "Ich sehe, Ihr seid im Genjutsu eine ebenso große Niete wie ich. Das ist respektabel. Das Ninjutsu mit dem Fuuton-Element scheint derzeit eure größte Stärke zu sein. Ich würde schätzen, dass Ihr ein wenig mehr Chakra habt als ich, einen Übungskampf sollte ich also nicht in die Länge ziehen. Und die Ähnlichkeit Eures Chakras mit dem Kaya-sans ist sicherlich auf eure gemeinsame familiäre Herkunft zurückzuführen."
Gut, viele dieser Dinge wusste Joudan schon aus dem kleinen Kampf, den die beiden geteilt hatten, doch trotzdem würde Ray dieser Demonstration hoffentlich einen Wert abgewinnen können. "Für einen Shinobi wie Euch, der sowohl im Nah- als auch im Fernkampf agiert, ist es sicher nützlich, die Fähigkeiten eines Kontrahenten einschätzen zu können. In Eurem Anliegen, eine solche Technik zu erlernen, wünsche ich Euch also viel Erfolg. Lasst es mich wissen, wenn Ihr ein wenig Hilfe benötigt, ich werde tun, was in meiner Macht steht."

Damit genug über den Sensorik-Kram (zumindest für's erste), Joudan hatte noch eine andere Frage zu beantworten. "Ich, für meinen Teil, versuche etwas, über ein Ereignis in der Vergangenheit herauszufinden. Deshalb lese ich alte Zeitungen.", gab er offen zu. Über die Art des Ereignisses, das er zu recherchieren plante, erwähnte Joudan nichts. Nicht, dass er es vor Ray geheim halten wollte. Joudan kannte den Rotschopf noch nicht so gut und, ganz im Gegensatz zu Jutsus und so Ninja-Kram, war seine Familie etwas Privates. Das ging Ray nichts an. Entsprechend hoffte der Blondschopf einfach, sein Gegenüber würde nicht all zu viele Fragen dazu stellen.

@Hayabusa Ray
 

Hayabusa Ray

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Im Gegensatz zu dem sonst so quirligen Rotschopf war Kushou einfach nur Kushou. Von seinem Aufmachen her konnte man ihn für einen feinen Pinkel halten, einen hochnäsigen Angeber. Die trugen, zumindest in Rays Fantasie, auch immer Hemden und Anzüge. Gegen Kushou hatte er allerdings nichts, jedenfalls noch nicht. Er war immerhin auch ein Shinobi und konnte kämpfen, etwas, was Ray normalerweise nicht mit den Anzugträgern der gehobenen Gesellschaft zusammenbrachte und er war interessant, weswegen ihn Ray jetzt genauer musterte, ehe er auf seine Antwort reagierte. "Von mir aus gerne jetzt gleich und zwar hier und jetzt." meinte der Rotschopf, grinste dabei und war schon dabei sich kampfbereit zu machen, wobei schnell offensichtlich war, dass der Blondschopf in diesem Hallen sicherlich keinem Kampf zustimmen würde. Und wahrscheinlich war der mürrische Bibliothekar davon auch nicht begeistert. Bei einem der letzten Besuche hatte Ray den Drang verspürt, sich wie ein Gibbon von Kronleuchter zu Kronleuchter zu schwinken. Dem war er natürlich auch nachgekommen, wieso auch nicht. Jedenfalls hatte das dazu geführt, dass der Alte, wie Ray den Bibliothekar nannte, ziemlich explodiert war, ihn heftig beschimpft hatte und dann hochkant rausgeworfen hatte. Ein wenig übertrieben und unverständlich, wie Ray gefunden hatte, denn schließlich hatte er noch nicht einmal etwas kaputt gemacht. Umso überraschender war es, dass 'der Alte' in letzter Zeit ausgesprochen gut drauf war und ihn gar nicht mehr so finster anblickte. Es war als ob sich ein Schatten von ihm gelöst hätte. Seltsam das ganze. Für den Moment dachte er darüber aber nicht weiter nach und richtete seine Aufmerksamkeit auf Kushou, der ihm gerade indirekt verriet, dass er über genau die Technik verfügte, nach die der Rotschopf suchte. Im Gegensatz zu diesem war er nämlich offensichtlich ein wenig freigiebiger, was Informationen über seine Fähigkeiten anging und ging sogar dazu über ihm eine kleine Demonstration seiner Fähigkeiten zu bieten. Jetzt war Rays Neugierde vollständig geweckt und mit wachen, schwarzen Augen beobachtete er ganz genau, wie Joudan gegen die 'Keine Ninjutsu Regel' verstieß und Ray seine rechte Handfläche entgegenhielt. Es kostete dem Rotschopf einiges den Impuls des Aufspringens zu unterdrücken, so plötzlich wie Joudan ihm seine Hand entgegengestreckt hatte. Schließlich war er sich noch so gar nicht sicher, ob er ihm wirklich vertrauen konnte. Doch nichts passiert, zumindest nichts, was Ray wahrnehmen konnte und trotzdem wusste Joudan nach seiner Demonstration eine ganze Menge mehr über ihn und vor allem sein Chakra. Zugegeben einige Informationen hatte er aus dem Übungskampf ziehen können und die Behauptung, dass sein Chakra dem von Kaya ähnelte konnte Ray weder beweisen noch widerlegen. Die einzige Information, die ihn wirklich beeindruckte war sein Kommentar zu den Genjutsu.

"Ich bin beeindruckt, das ist zwar nicht exakt das was ich suche, aber sehr interessant. Ich wusste bisher nicht, dass man so viele Informationen über das Chakra seiner Gegner herauslesen konnte. Sicherlich sehr hilfreich. Und ja, Genjutsu ist tatsächlich nicht meinst. Ich mag es nicht Leute mittels Illusionen und Täuschungen, wie es Genjutsuka tun, hinters Licht zu führen." fügte er noch hinzu, wobei seine Miene die Abscheu verriet, der er diesen Techniken gegenüber verspürte. "Und das Angebot ist gut. Da werd ich vielleicht nochmal darauf zurückkommen. Wie hast du... entschuldige, habt Ihr das gelernt?" Im letzten Moment rettete Ray seine Frage noch ihns 'Ihr' hinüber. Er war dieses ganze Gesieze einfach nicht gewohnt.

Im nächsten Moment aber richtete sich Rays Interesse auch schon auf die Zeitungsartikel, die Joudan mitgebracht hatte. Ebenso, wie seine Bewegungen manchmal unberechenbar und sprunghaft waren, so konnte er auch in seinem Kopf die seltsamsten Aufmerksamkeitssprünge vollziehen und für den Moment zog ein ganz bestimmter Artikel seine Aufmerksamkeit auf sich und schneller, als der Joudan reagieren konnte, schnappte er sich die Zeitung und überflog mit rasender Geschwindigkeit den Artikel, der seine Aufmerksamkeit gestohlen hatte, weswegen er nur so am Rande mitbekam, das Joudan irgendetwas über die Vergangenheit versuchte herauszufinden. Das sein Verhalten gerade äußerst unhöflich empfunden werden konnte, war ihm ziemlich egal, bzw. war er sich dessen auch nicht wirklich bewusst. Im Grunde hatte er den Artikel auch nur wegen einer alten Schwarz-Weiß-Fotographie ausgewählt, die eines seiner Lieblingsmotive zeigte: Einen heftigen Sturm. Ray liebte solch ein Wetter, doch nachdem er das Bild für einen kurzen Moment betrachtet hatte, fesselte ihn auch der Artikel. Es ging um einen heftigen Sturm, der vor etwa 11 Jahren über Kirigakure hineingebrochen war und mächtige Verwüstungen ausgelöst hatte. Der Reporter erwähnte etwas über Spekulationen, dass der Sturm nicht natürlichen Ursprunges war und berief sich auf einige schockierte Fischer, die steif und fest behaupteten, dass sich der Sturm wie ein eigenes Lebewesen verhalten haben sollte. Einer wollte sogar gesehen haben, wie Menschen im Sturm zu sehen waren. Wahrscheinlich alles maßlose Übertreibungen und auf den Schock zurückzuführen, aber wie die Presse nun mal war, bauschte sie das ganze ziemlich auf. Das mit den Menschen im Sturm war in Rays Augen das Interessanteste an dem ganzen Artikel. Gab es tatsächlich Leute, die es geschafft hatten in solch einem Sturm zu fliegen? Das wäre hochgradig spannend. Doch diese Theorie schien selbst dem Autor als viel zu absurd, denn er lenkte den Artikel schnell auf die Zerstörung des Sturmes und das Hilfegesuch der Bewohner. "Wow, das hier hört sich ziemlich krass an." meinte Ray, als er fertig mit dem Überfliegen war und legte den Artikel so zurück, dass Joudan ihn sehen konnte. "Was meinst du zu diesen Menschen, die da im Sturm waren? Übertreibung, ein feindlicher Angriff? Ob man damals wohl einige Shinobi zur Untersuchung dorthin geschickt hatte? Vielleicht sogar ANBU?" beim letzteren Gedanken legte er den Kopf schief und ließ sich die Fakten des Artikels nocheinmal durch den Kopf gehen. Wie jeder auf der Akademie hatte er von den ANBUs gehört. Elite-Shinobi, die nur bei wirklich wichtigen Missionen ausgeschickt wurden. Wenn er so darüber nachdachte, dann wäre es eigentlich ziemlich ehrenwert auch auf diese Weise dem Dorf zu dienen. Damit könnte er auch dem Hayabusa-Clan Ehre machen, zumindest in gewissen Kreisen und war er mit seinen Augen nicht der ideale Späher. Im Gegensatz zu anderen hatte Ray sich noch nicht viele Gedanken über seine Spezialisierungen gemacht. Er verfolgte in allererster Linie den Traum vom Fliegen, aber wenn er so darüber nachdachte, waren Aufklärungsmissionen eigentlich etwas, das seinen sich entwickelnden Interessen und Fähigkeiten entsprach. Jetzt aber wanderte sein Blick wieder zurück zu dem Joudan, der wie gebannt den Artikel durchlas.
 

Kushou Joudan

Chuunin
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>Natsu
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Sora
Dorf
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Joudan ließ seine Demonstration ein wenig bei Ray sinken und lauschte seiner Reaktion. Weniger schnappte er dabei des Hayabusas Interesse an seiner Technik auf, sondern viel eher, was er zum Thema Genjutsu zu sagen hatte. Joudan lächelte ein wenig. Der Hayabusa hatte am Anfang des Sportfest-Kampfes gefragt, ob es erlaubt war, Katon einzusetzen, doch nun wusste Joudan, dass der Rothaarige gar keine Technik mit dem Feuerelement beherrschen konnte. Ray war kein nobler, aufrichtiger Ritter, kein absoluter Vertreter von Ehre und Aufrichtigkeit, er täuschte andere auch. Ob ihm das wohl bewusst war? Joudan konnte nicht anders, als ein wenig auf dieses Thema einzugehen. "Genjutsu ist ebenfalls keines meiner Steckenpferde. Mir missfällt der Gedanken daran, ein Jutsu aufwenden zu müssen, um Unruhe im Geist meines Gegners zu stiften. Als Vertreter der alten Schule verwende ich dazu lieber Lügen und Täuschung. Und das könnt Ihr mir glauben, denn es ist die Wahrheit." Schelmisch grinste er den Hayabusa an, nachdem er ihn mit einem kleinen Paradoxon konfrontiert hatte. Ein paar Spitzen mit einem geistig nicht ganz Unbewaffneten auszutauschen ohne sich dabei zu nahe zu treten, das war eine ganz besondere Freude, in deren Genuss Joudan nur allzu selten kam. Dann galt es, sie auch auszukosten.

Dann beendete das Gespräch seinen kleinen Ausflug zur Seite und Ray kam wieder auf Joudans Technik zu sprechen. Wie er denn diese Technik gelernt hatte? Da musste der Blondschopf beinahe schon Kichern. Allzu peinlich berührt dachte er an die Stunden, die er alleine im Wald gestanden war, um dort in Meditation sein Chakra auszusenden und auf ein Echo zu hören. Es hatte wochen-, monatelang nicht geklappt. Dann hatte er sein drittes Auge einmal auf dem Trainingslatz geöffnet und die Besonderheit seines Jutsus herausgefunden, dass es nicht auf Wände, Bäume und Felsen ansprach, sondern nur auf Chakra. Der Blondschopf hatte sich so dumm gefühlt. Aber er hatte daraus gelernt und sein ganz persönliches Sensorik-Jutsu im Verlauf der letzten Monate verfeinert. Noch war er nicht ganz zufrieden mit der Technik, doch merkte er, dass er mit ihr an seine momentanen Grenzen stieß. Eine Version 3.0 würde vielleicht in ein paar Jahren in Angriff genommen werden, wenn Joudans Umgang mit seinem Chakra weiter fortgeschritten war.

"Ich wollte eine derartige Technik lernen, da sie meinem Kampfstil zugute kommt. Doch für keine Sensorik-Technik, die ich in Büchern oder bei Lehrern fand, erfüllte ich die nötigen angeborenen Voraussetzungen. So entwickelte ich das Jutsu für mich selbst. Es funktioniert ähnlich wie das Echolot von Fledermäusen, reagiert auf Chakraquellen.", erklärte er dem Hayabusa und bemerkte selbst, dass in seiner eigenen Stimme ein gewisses Maß an Stolz mitschwang. Warum auch nicht? Nicht jedem Ninja war es vergönnt, eine eigene Technik zu entwickeln. Und Joudans Jutsu hatte ihm schon mehrere Male gute Dienste geleistet, für die Zukunft würde er lernen, sie noch effektiver einzusetzen.
Das schien dem Hayabusa für's erste an Erklärung zu reichen, denn Joudan hatte kaum ausgesprochen, da hatte Ray sich auch schon, schneller als dass Joudan etwas dagegen hätte tun können, seine alten Zeitungen geschnappt. Wie frech. Doch schon nach wenigen Augenblicken hatte Ray gefunden, nach was Joudan gesucht hatte. Das musste entweder nur Glück oder des Schicksals lustige Art, sich für Joudans Offenheit Ray gegenüber zu bedanken, gewesen sein. Wie dem auch sei, der Kushou wartete brav, bis Ray ihm die Zeitschriften überließ, und wühlte sich dann seinerseits in den alten Artikel. "Kirigakure... Jede Menge Verletzte... Gerüchte über feindliche Absicht... Das würde passen.", dachte der Blondschopf zu sich selbst. Auch der grobe Zeitpunkt war richtig. Sicherheitshalber überflog der Händlersspross die Zeitschriften der darauffolgenden Wochen und auch die, die dem Bericht über den großen Sturm vorausgegangen waren, doch der Wintersturm, wie er von Reportern genannt wurde, war definitiv Joudans bester Ansatz. Das würde es nachzuverfolgen gelten. Zu schade, dass der Händlersspross nicht schon vor ein, zwei Wochen hier hergekommen war. Dann hätte er auf seiner Mission mit Nanami schon Nachforschungen anstellen können. Dann wiederum war der Ausgang von dieser Mission, die Joudans Beförderung zum Chuunin mit sich gezogen hatte, erst Auslöser seiner Nachforschungen gewesen. Manchmal kam das Huhn eben doch nicht vor dem Ei.

In dem ganzen Gedankenwirrwarr hatte Joudan Ray fast schon wieder vergessen. Als ihm dies auffiel, blickte er aus seinen Zeitungen auf und suchte den Blick des Hayabusas. Sein Sommerwiesengrasgrün versank im matten Schwarz Rays. Er musste an Kaya denken. Einen Moment lang wägte Joudan eine gewagte Frage ab. "Warum nicht?", entschied er sich.
"Wollt Ihr es rausfinden?", stellte er Ray, einige Minuten zu spät, die Gegenfrage auf dessen Überlegung, ob die Berichte wahr oder übertrieben waren. Ray schien ein aufgeweckter Kerl zu sein und Joudan hatte das Gefühl, dass er ihm trauen konnte. Warum nicht also einen Schritt auf den Rotschopf zugehen? "Ich suche nach einem Verwandten, der in diesem Zeitraum verschwand. Es kann gut sein, dass er in dieser Zeit in Kirigakure war. Wollen wir zusammen dort hinreisen und ein wenig nachforschen? Genau wie ich etwas über meinen Verwandten herausfinden könnte, könntet Ihr etwas über die Männer im Sturm in Erfahrung bringen. Vielleicht ist das ja eine Technik, die man erlernen kann?" Die letzte Frage war gewollt gestellt, sie diente dem Hayabusa als Köder und Motivation zugleich. Joudan wollte sich nicht in seine Schuld begeben, deshalb wies er das Falkenauge darauf hin, dass diese Unternehmung auch für ihn lohnend enden konnte. Und wenn Ray schon in Bücherein nach neuen Techniken suchte, dann war ein Feldausflug doch sicher eine gute Gelegenheit.

@Hayabusa Ray
 

Hayabusa Ray

Genin
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16
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1,72m
Fraktion
Sora
Dorf
Sora
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Ja, was Täuschungen, Illusionen, Lügen und Unehrlichkeit anging war das innere Wesen des Rotschopfes komplexer, als er selbst wahrscheinlich annahm. Woran das lag? Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, dann ging es wahrscheinlich sogar einfach nur um Stolz und Überlegenheit. Freilich war ihm selbst das nicht in allen Details bewusst, ebenso wenig wie es ihm bewusst war, dass er was Lügen, Täuschungen und Illusionen seine eigenen Regeln machte. Genjutsu verabscheute er, das aber lag wahrscheinlich auch daran, dass er einfach nicht gut darin war und diese eine einfache Möglichkeit waren ihn außer Gefecht zu setzen. Lügen und Unehrlichkeit mochte er ebenfalls nicht, vielleicht weil sein scharfes Auge es nicht unbedingt vermochte durch diese Art von sozialer Täuschung zu blicken. Dann aber gab es noch das weite Terrain an Täuschungen und das bewusste Steuern der Aufmerksamkeit des Gegners. Das wiederum überlappte sich, was den Hayabusa anging mit seiner Streichekunst, die oft einfach darin bestand die Aufmerksamkeit des Gegners zu testen. Alles was für den Rotschopf in diese Kategorie fiel, wobei er selbst derjenige war, der definierte, was in diese Kategorie fiel, war vollkommen in Ordnung für ihn. Das war der Grund, warum er absolut kein Problem hatte im Kampf einen Bluff zu setzen oder aber, wie bei dem letzten Kampf gegen den Blondschopf, nach Katonjutsu zu fragen, um die Aufmerksamkeit seines Gegners eben in diese Richtung zu lenken.
Aber wie schon gesagt, die Feinheiten und vor allem die Verdrehtheit seiner Gedanken und das Messen mit zweierlei Maß waren dem Hayabusa nicht wirklich bewusst.
"Dann sind wir uns ja, zumindest was Genjutsu angeht einig." Ray grinste zurück, ehe er noch hinzufügte. "Lügen mag ich nicht, 'Täuschungen' und Finten, vor allem im Kampf, verwende ich aber auch, doch das ist ja auch etwas anderes als das was die Genjutsuka tun. Sie zu durchschauen und zu kontern ist durchaus reizvoll." widersprach sich Ray da gerade nicht selbst? Für den Joudan konnte es sich durchaus so anhören, doch im Kopf des Falkenauges war die Sache kristallklar.

Aber jetzt ging es um etwas anderes. Denn so sprunghaft, wie der Rotschopf eben war, war das Thema schon längst über Echolotsensorik hin zu alten Artikel, Sturmmenschen und Kirigakure gesprungen. Ertwas verwirrt war Ray schon, als Joudan völlig in Gedanken versank und so aussah, als ob er seinen Bibliothekspartner vergessen hatte. Doch schien dem Gentleman das selbst relativ schnell aufzufallen und sobald er den fragenden Blick aus den nachtschwarzen sah antwortete er und erntete ein abwägendes Nicken auf seine Gegenfrage.
Dann aber überraschte er ihn tatsächlich mit relativ persönlichen Informationen. Joudan war auf der Suche nach einem verschwundenen Verwandten und bot ihm an ihn dabei zu begleiten. Lange dachte Ray nicht darüber nach und die Motivation, die Joudan ihm zusätzlich anbot war überhaupt nicht notwendig, da der Genin aus Soragakure von Natur aus neugierig war und dieses Abenteuer versprach, dass einige Geheimnisse gelüftet werden würden. Natürlich ließ er sich das nicht entgehen. Ein Ausflug nach Kirigakure, mysteriöse Sturmmenschen, vielleicht konnte er auf dem Weg von Joudan etwas über Chakrasensorik lernen und dazu noch verschwundene Verwandte aufspüren.
"Ein Abenteuer in Kirigakure, Detektiv spielen, mysteriöse Sturmmenschen, ein verschwundener Verwandter. Ich bin sowas von dabei." Ray grinste breit von einem Ohr bis zum anderen. Er hatte in letzter Zeit einige Jobs erledigt, die zweifellos auch ihren Wert hatten, aber sein letztes Abenteuer in fremden Gestaden war schon etwas länger her und, wenn man es recht betrachtete ziemlich langweilig gewesen. Irgendwelche Bauern, die sich gestritten hatten. Daran war nur ein mysteriöser Städter interessant gewesen, zu dem sie aber keine weiteren Anhaltspunkte gehabt haben. "Zwei Fragen: Wann geht's los? Und nur zur Information: Wir suchen schon einen Shinobi, oder?" Rays Augen schweiften erneut über die Schriftrollen, die alle von recht außergewöhnlichen Ereignissen handelten. "Und ich schieße einfach mal ins Blaue: War dein Verwandter ein ANBU?" Letzteres war mehr eine Ahnung als alles andere und wenn Joudan genau hörte, so konnte er vielleicht die Hoffnung und Aufregung erkennen, die in der Tonlage der fast schon geflüsterten Frage mitschwang. Ray war fasziniert von den ANBU, den lautlosen Jägern des Schattens, wenn er nicht schon den Traum des Fliegens gehabt hätte, vielleicht hätte er sich dann dafür entschieden "ANBU werden" als Ziel zu verfolgen. Zwar wusste er noch recht wenig über diese Organisation, aber vielleicht saß vor ihm genau der Richtige um das zu ändern. Gespannt blickte er zu seinem Gegenüber.
 
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