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Eingangstor von Yugakure

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Cf: Grenzgebiet zu Yu no Kuni

Halb aufmerksam lauschte der junge Mann den Worten des Informanten, darauf vertrauend, dass sein Kollege Joudan seinen Teil der Unaufmerksamkeit wieder aufwog. Im Endeffekt ging es also nur darum, den hochwohlgeborenen Sohn zu retten, alle anderen Zivilisten waren egal. Das war ganz deutlich zu erkennen, als der Stabsmitarbeiter der Sakaida einfach das Wort abschnitt und auf die Rettung des Sohn als oberste Priorität pochte. Ehe man es sich auch versah, übergab er dem Kushou einen Brief – möglicherweise hielt er ihn ja für den Leiter der Mission, was wohl nicht weiter verwunderlich war – und machte dann auch schon einen Abgang. Ganz großes Kino. Damit standen wohl mehrere Punkte im Raum: Die Übernachtung in dieser heruntergekommenen Gruselvilla, das Lesen des Briefes und die weiteren Befehle des Daimyo, sowie die Rolle als Touristen, die sie einnehmen sollten. Solange der Jirokou dabei in den Genuss eines Besuchs einer heißen Quelle kam, umso besser. Da ihr Auftraggeber so nett gewesen war, gleich noch ein Ryokan für sie zu buchen, würde sich dieses vergnügliche Ereignis womöglich früher als später genießen lassen – sofern ihm da niemand dazwischenfunkte. Dabei glitt der Blick zu der ihm gegenübersitzenden Hasekura, hin zu Mai und endete schließlich bei Joudan. Wer wusste schon, wie schnell sich die Ereignisse überschlagen würden und wie es um die Arbeitsmoral der anderen aussah? Es war doch nichts gegen ein wenig Entspannung einzuwenden, solange man das große Ganze im Auge behielt, nicht wahr? Jedenfalls widmete sich der andere Blondschopf Soragakures dem Brief, während Shunsui seinen Kopf auf seiner linken Hand abstützte und seinen Kollegen beim Lesen beobachtete. Irgendetwas schien in dem Brief zu stehen, womit er nicht gerechnet hatte, was man ganz deutlich an Joudan’s Reaktion erkennen konnte. Schließlich warf er den Brief auf den Tisch, sodass sich der Jirokou gleich etwas vorbeugte, um sich selbst ein Bild des Inhaltes zu machen. Nachdem er diesen in Erfahrung gebracht hatte, tat er es dem Kushou gleich und schüttelte den Kopf. *Was ein Narr.* Anders konnte man es nicht ausdrücken. Der Damiyo hatte seine Position sicherlich nicht durch seine Intelligenz bekommen, so viel stand fest.

Shunsui lauschte Joudan’s Worten und nickte bekräftigend, denn als Händler würden sie bestimmt nicht durchgehen. Als Touristen allerdings schon, da hatte er ganz recht! Ehe er seine eigene Meinung dazu kundgeben konnte, kam ihm die weißhaarige Kunoichi zuvor, die laut auflachte und anschließend provokant in die Runde fragte, wer mit wem gehen würde. *Meint sie etwa …?* Oh ja, genau das meinte die gute Natsu, deren Blick schließlich auf dem des bebrillten Shinobi ruhte und ihn – beinahe herausfordernd – fragte, ob sie ein Pärchen bilden würden. Dass die Kunoichi noch andere Gedanken dabei hatte, war ganz deutlich, warum sonst hätte sie ihn auf die Art und Weise angezwinkert? Nicht nur das, sie schien auch noch ziemlich überzeugt über sich selbst und ihren Marktwert zu sein. Keinesfalls unsympathisch die Gute, schließlich war sie nicht ganz auf den Kopf gefallen und äußerte direkt was ihr durch den Kopf ging. Man konnte sich beinahe sicher sein, dass Chinatsu auch für Unterhaltung sorgen würde – man erinnere sich nur an den Schrei zuvor. Hoffentlich konnte sie ihm auch noch mehr Details zu dieser ganzen Raku-Mai Geschichte offenbaren. Genau wie die weißhaarige Kunoichi aus Kumo, tappte der Kiriabstämmige im Dunkeln darüber, dass auf ihrer letzten Mission in Shinkusa in Wahrheit Joudan und Mai angebandelt hatten, und nicht etwa der stocksteife, mit Bediensteten badengehende Raku. Für einen kurzen Augenblick konnte man ein verschmitztes Lächeln auf Shunsuis Zügen erkennen. „Scheint so, als ob die Würfel gefallen wären.“ Damit tat der Jirokou seine Zustimmung kund, sodass Mai und Joudan ein Pärchen bilden und Natsu und er eines bilden würden. „Ich glaube, die Freude ist ganz auf eurer Seite. Immerhin hattest du es ja noch nie mit einem solchen Ninja-Duo zu tun.“, griff Shunsui ihre vorherige Aussage auf und gab einen kleinen Konter ab. Was Ego’s anging, besaß der Jirokou auch ein sehr großes, auch wenn er es bisher selten offenbart hatte. Was wohl der Kushou zu diesem neuen Shunsui zu sagen hatte? So hatte er ihn sicherlich nicht in Erinnerung.

Die Vorstellung von Joudan’s Siegelkünsten war durchaus beeindruckend, aber er selbst würde wohl keinen Gebrauch davon machen müssen. Schließlich war er in der Lage, mit einem Fingerschnipsen Menschen meterweit durch die Luft zu schicken und selbst massivsten Fels mit Leichtigkeit zu zerstören. Das war Waffe genug für diesen Auftrag, da hatte er sicherlich keinerlei Shuriken, Kunai oder Ähnliches nötig. Ein kleiner, gut geworfener Stein mit ordentlich Schmackes sollte es dann auch tun. Das einzige, was er möglicherweise benötigte, waren seine Medic-Nin Utensilien wie Verbände, Klammern und Ähnliches. „Ich würde gerne meine medizinische Ausrüstung versiegeln, die kann immer von Nutzen sein.“ Dabei zog Shunsui an seiner Krawatte, um sie zu lösen, öffnete seine ersten Hemdsknöpfe und zog seinen Cardigan etwas herunter, damit Joudan das Siegel an seinem Körper anbringen konnte. Die Brust eignete sich seines Erachtens viel besser als ein Arm, da man es dort sicherlich sofort entdeckte, wenn man auch nur die Ärmel hochkrempelte. An seinem Oberkörper hingegen sollte ein Siegel schwerer zu entdecken sein. Shunsuis Waffen, die Shinobiausrüstung, Schriftrollen sowie sein Kiri-Stirnband, legte er jedoch ohne zu zögern ab. Interessant war auch, dass die Hasekura jegliche Ausrüstung ablegte – wobei sie doch verbundener damit war als er selbst – und behauptete, dass sie ihre Ausrüstung am Körper trug. Seine goldenen Seelenspiegel betrachteten die junge Frau von Kopf bis Fuß, doch schlauer wurde er davon nicht. Er sah keinerlei Ausrüstung, was hatte das denn zu bedeuten? „Da muss jemand schon echt verzweifelt sein, wenn er in diese alte Bruchbude einbricht.“, kommentierte der junge Mann die Sorgen der Kunoichi mit einem trockenen Ton. Denn mal ehrlich, wer würde so etwas wirklich tun und dann noch Ninja-Werkzeuge klauen? Bestimmt lag ihre unterschiedliche Reaktion daran, dass sie Beide eine ganz verschiedene Verbundenheit zum Ninjasein verspürten. Die weißhaarige junge Frau war vermutlich ihr ganzes Leben lang stolz darauf gewesen, ein Ninja zu sein, während er sein ganzes Leben lang nur Ninja gespielt hatte. Auch wenn er sich von diesem Weg abgewandt hatte, so würde es sicherlich eine Weile benötigen, ehe er seine neue Rolle voll und ganz akzeptieren konnte. Nun gab es nicht viel mehr zu tun, als sich ins Land der Träume zu begeben und den Tag mit neuem Elan zu beginnen, denn sie mussten in eine Rolle für diese Mission schlüpfen. Und wenn Shunsui in der Lage war, etwas zu machen, dann sich eine Rolle zu eigen zu machen und zu spielen, als ob sein Leben davon abhing. Wortwörtlich.

Obwohl es relativ früh am nächsten Tag war, hatten sich schon lange Schlangen vor den Toren Yugakures gebildet. Aufgrund der prekären Lage im Reich, herrschten verschärfte Kontrollen, weshalb der ganze Einlassprozess nun deutlich länger dauerte. Joudan und Mai befanden sich vor Natsu und Shunsui und es würde nicht lange dauern, ehe die beiden als „Touristen“ verkleideten „Pärchen“ wohl bald an der Reihe waren. Da er sich wohl in seiner Kleidung fühlte, hatte der junge Mann ein ähnliches Set an Kleidung wie am Vortag gewählt – lediglich in anderer Farbkombination. Den Rest seiner Kleidung hatte er in einem kleinen Rucksack dabei, immerhin war er Tourist, der die heißen Quellen entdecken und genießen wollte. Langsam rückten sie auf, doch im Augenblick verschwendete der Jirokou keinen Blick für die Menschen um sich herum, das befreundete Pärchen und seine angebliche Partnerin eingeschlossen. Der Blick hinter den Brillengläsern war auf die Wachen fixiert und suchte nach verräterischen Anzeichen, dass einer von ihnen vielleicht ein Spitzel war. Klar stand auf jeden Fall, dass sie alle genaustens beobachtet wurden, weshalb er innig hoffte, dass Joudan und Mai über ausreichende Schauspielkünste verfügten, um ein glückliches Paar zu mimen. Hätte er doch nur die Wahrheit über sie gewusst, dann wäre er jetzt weniger besorgt gewesen! Blieb nur noch ein loses Ende: Natsu. Seinerseits wandte der junge Mann nun die goldenen Augen auf die weißhaarige Kunoichi, die Hoffentlich wusste, dass sie mitzuspielen hatte. Hätte er Kaya niemals kennengelernt, so hätte sich der Jirokou unter Umständen bei diesem kleinen Akt selbst verraten. Nun aber agierte er ganz automatisch, wie er es für gewöhnlich mit Kaya tat, und griff nach der kleineren Hand der jungen Frau und verschränkte seine Finger mit ihren. Dabei warf er ihr ein warmes Lächeln zu. „Ich freue mich schon sehr auf diesen Urlaub, danke nochmal für die großartige Geburtstagsüberraschung.“ Bei diesen Worten drückte er einmal ihre Hand, um ihr zu verstehen zu geben, dass sie mitspielen sollte. Es wäre närrisch zu denken, dass die Wachen sich nur an der Kontrolle befanden – wer konnte schon sagen, wie viele der angeblichen Touristen hier in Wahrheit verdeckte Wachen waren? Das meldete ihm zumindest seine paranoide Seite, die ihn sein ganzes Leben über begleitet hatte. Schließlich beugte er sich zur Hasekura, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Von außen gesehen schien das wohl die Art Zuneigung zu sein, die ein Pärchen miteinander teilte – seien es kleine Rituale, frisch verliebtes miteinander Flüstern, kleine Zärtlichkeiten, und so weiter. In Wirklichkeit nutzte der junge Mann die unmittelbare Nähe dazu, um Natsu etwas mitzuteilen und sicherzugehen, dass sie sie nicht auffliegen ließ. „Spiel mit! Das schaffst du doch, oder?“ Was möglicherweise nach einer Provokation klang, war in Wirklichkeit ein Anflug ehrlicher Sorge, immerhin kannte er Natsu gar nicht und wusste nicht um ihre Schauspielkunst. Hatte sie auch Erfahrung in solchen Situationen und konnte sie sich in ihre Rolle versetzen? Das Letzte, was sie gebrauchen konnten, war direkt zu Beginn ihres Auftrages aufzufliegen und das Leben des entführten Sohnes zu verdammen – von den ganzen anderen entführten Zivilisten mal abgesehen. Hoffentlich hatte der gute Shunsui nun keine schlafenden Hunde geweckt!
 
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Sakaida Mai

Chuunin
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Shiro
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Gespannt beobachtete Mai Joudan, während er den Brief las. Seine Mimik ließ erwarten, dass da ziemlich illustre Dinge standen, was den Blauschopf nur noch neugieriger machte. Warum las er ihn denn nicht vor? Gerade, als sie noch näher auf ihn zugehen wollte, um einfach mitzulesen, legte er das Schreiben auf den Tisch. Ihre verzweifelten, blauen Augen folgten den gierigen Händen Shunsuis, welche sich das Papier sogleich unter den Nagel rissen. Wie gemein! Sie würde wohl nie erfahren, was darin stand.. Als würde sie diese Ungerechtigkeit für Mai auf der Stelle lösen, sah die Kunoichi verstimmt zu Chinatsu, welche ja ebenfalls noch nichts von dem Brief hatte. Mit Sicherheit war sie mindestens genauso gespannt auf den Inhalt, wie Mai selbst!

Als die Chuunin ihn dann auch endlich zu Gesicht bekam, verstand sie, warum Joudan meinte, dass man ihn besser verbrennen sollte. „Wir müssen es dem Daimyō ja nicht verraten“, begann sie grinsend, „aber ich bin deiner Meinung, Joudan. Ich denke, dass wir alle erfahren genug sind, um unseren eigenen Weg zu gehen.“ Wie dämlich wäre es auch, dieses Schreiben vorzuzeigen, wenn sie eigentlich Touristen waren? Auf die freundliche Einladung hin, Ausrüstung am Körper versiegeln zu lassen, hob Mai nur höflich abwinkend die Hand und lächelte dabei. Obwohl sie Joudan durchaus Vertrauen entgegen brachte, so wollte sie dennoch kein Siegel von ihm verpasst bekommen. Sie war in diesen Techniken nicht bewandert und wollte daher kein Risiko eingehen, wenngleich diese Vorsicht vielleicht übertrieben war. Ein Stück Papier, in welchen ein paar Kunai versiegelt wären, könnte sie schon irgendwo am Körper verstecken. Es gab Stellen am Körper einer Frau, wo keine Wache einfach grabschen abtasten dürfte. Oder?

Und dann kam Chinatsu. Mai hatte ihre Teamkollegin wirklich sehr gern und fand es ziemlich lustig mit ihr. Ganz abgesehen davon bewunderte sie die Weißhaarige für ihr Selbstbewusstsein, aber damit konnte sie ihre Mitmenschen ganz schön in Verlegenheit bringen. Und anscheinend hatte sie es wirklich ernst gemeint, als sie sich zwei hübsche Sora-Nin erhofft hatte, denn Chinatsu konnte problemlos in die Offensive gehen. So nah würden sie also keiner Kunoichi aus Shiro mehr kommen? Beinahe ertappt wich Mai allen Blicken aus und ihr Herz begann zu rasen. Tatsächlich war hier jemand schon sehr nah an eine Shiro-Kunoichi gekommen. Warum nur konnte sie nicht einfach total cool bleiben? Chinatsu hatte sich Shunsui auserkoren, was Mai und Joudan natürlich ziemlich in die Karten spielte. Mit einem etwas zu hoch geratenem: „Dann wäre das ja geklärt!“, wandte sie sich lächelnd an den blonden Ninja aus Amegakure. Einen kurzen Augenblick blieb sie an seinem Gesicht hängen, ehe sie sich zwang, von ihm abzusehen und sich stattdessen zu Chinatsu zu gesellen. Der Schlafsack war schnell hervorgeholt und nach der eiskalten Dusche hätte Mai genauso gut einen Marathon laufen können, da sie nun wieder hellwach war. Aber sie kuschelte sich dennoch in den Schlafsack und schlief überraschend schnell ein.

Am nächsten Morgen, die alte Villa hatten die Shinobi schon lange hinter sich gelassen, fühlte sich Mai an Shinkusa zurückerinnert. Sie genoss es, gemeinsam mit Joudan den Weg nach Yugakure zu gehen und einfach neben ihm herlaufen zu können, als wären sie.. ein normales Touristenpärchen. Da Chinatsu und Shunsui einen ziemlichen Abstand zu ihnen hatten, mussten sie in erster Linie auch nicht fürchten, etwas Falsches zu sagen. „Wie geht es deiner Schwester? Hat sie sich über die Kette aus Shinkusa gefreut?“, erkundigte sich Mai nach Rin, wenngleich sie das Mädchen noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Gerne dachte die Blauhaarige an den Moment, als sie mit Joudan bei der Goldschmiedin war. Nach einer kleinen Weile konnten sie bereits von Weitem das Eingangstor zu Yugakure entdecken und auch die Schlange von Menschen, welche sich dort bereits gebildet hatte. Doch anstatt sich zu freuen, merkte Mai plötzlich, wie ihr unsagbar flau im Magen wurde.

Jegliche Farbe wich ihr aus dem Gesicht und sie meinte, ein Gefühl von Schwindel zu entwickeln. Als wäre das nicht schlimm genug, schlug ihr Herz bis zum Hals, was aber diesmal nicht an Joudan lag. In der Kunoichi stieg plötzlich Panik auf. Beinahe apathisch setzte sie dennoch einen Fuß nach den anderen. Der Anblick der Stadttore holte Erinnerungen in ihr hervor, welche sie seither versuchte, ruhen zu lassen. Um sich irgendwie zu beruhigen und um zugleich in der Rolle zu bleiben, griff sie mit ihrer eiskalten Hand nach Joudans und verschränkte ihre Finger stumm mit seinen. Was, wenn dieses Ryokan genauso explodieren würde bei Nacht, wie das Gasthaus damals in Yugakure? Hoffentlich würden sie nicht erneut in ein Bergwerk gehen müssen.. diese dunklen, stickigen, engen Gänge.. zitternd versuchte Mai, sich mit einem tiefen Luftzug zu beruhigen. In solch einem Zustand hatte sie sich noch nie befunden. Was ist, wenn-

Etwas prallte leicht gegen ihre Wade. „Entschuldigung!“, ertönte die Stimme eines Kindes. Es lief nach hinten, um seinen Ball, welcher versehentlich gegen Mai geschossen wurde, wiederzuholen. Als hätte sie das wachgerüttelt, befand sie sich augenblicklich wieder im Hier und Jetzt. Geistesgegenwärtig lächelte sie den kleinen Jungen mit einem: „Alles gut!“, an. Der Kleine lief nach vorne zur Schlange, wo seine Eltern standen. Da Joudan und Mai noch Abstand zu andern Leuten hatten, flüsterte sie ihm noch ihren Unmut zu: „Unglaublich, dass sie trotz der Vorfälle noch Familien mit Kindern beherbergen.“ Und dieser Ärger darüber war es, den Mai gebraucht hatte: Sie durfte sich nicht mit den alten, traumatischen Erinnerungen plagen! Sie hatte hier einen wichtigen Auftrag und es ging um das Leben anderer! Mit neuem Mut reihte sie sich gemeinsam mit Joudan in der Schlange ein und blickte dann über die Schulter, um nach Chinatsu und Shunsui zu suchen. Da die beiden aber so weit hinten lagen, kamen noch zwei andere Personen, zwei Händler, hinter Mai und Joudan zu stehen.

Als Pärchen Nummer Eins an der Reihe war, mussten sie beide ihren Rucksack öffnen und ausräumen. Da weder Mai noch Joudan verdächtigen Kram bei sich trugen, wurde auf das Ryokan aufmerksam gemacht: „Das ist für vier Personen gebucht!“, pflaumte ein misstrauischer Wachmann Mai unfreundlich an. Die Blauhaarige aber wahrte ihr Lächeln und antwortete unbedarft: „Das ist richtig, wir sind ja auch zu viert. Seht Ihr die Weißhaarige und ihren blonden Freund weiter hinten? Das sind unsere Freunde, wir machen den Urlaub gemeinsam.“ Der grimmige Wachmann musterte Mai einmal, zweimal und ein drittes Mal von oben bis unten. Irgendwie.. eigenartig. Dann plötzlich klopfte er sie von oben bis unten ab, um sie nach verdächtigen Gegenständen zu untersuchen. Ein Glück, dass das Stück Papier mit dem Siegel sicher im BH versteckt war, wo die Wache nicht abklopfte. „Und warum sind die dann viel weiter hinten, he?“ Tja, Leute! Gute Frage! Was habt ihr denn da hinten getrieben? Unfasslich! Mai legte ein Grinsen und einen vielsagenden Blick auf: „Das würde mich auch interessieren. Plötzlich waren sie nicht mehr hinter uns..“, teilte Mai ihr Unwissen auf süffisante Art mit, sodass der Wachmann tatsächlich rot um die Nase wurde. Oh man, hoffentlich bekämen Chinatsu und Shunsui keinen Kommentar ab, wenn sie an der Reihe wären..

Nachdem auch Joudan noch unter die Lupe genommen wurde, konnten die beiden endlich in das Dorf spazieren. Es überkam Mai einfach, diesen kurzen Moment zu nutzen. Außer Sichtweite nahm sie von der Chance Gebrauch, wenigstens ein paar Minuten mit Joudan allein zu sein und zog ihn ums Eck, um hinter einer Hauswand vor neugierigen Blicken geschützt zu sein. Ohne auch nur eine Sekunde länger darüber nachzudenken, stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Hände auf Joudans Schultern und zog ihn sanft zu sich, um ihre Lippen auf seine zu legen. Es war wundervoll, ihn endlich wieder küssen zu können! Wären die Umstände andere, würde sie viel länger mit ihm hier verweilen wollen. Doch so musste sie sich bald wieder von ihm lösen und den Shinobi mit einem traurigen Lächeln ansehen. „Ich wünschte, wie hätten mehr Zeit..“ Doch sie mussten wieder rechtzeitig auf die Hauptstraße gehen, da es komisch wäre, wenn Chinatsu und Shunsui sehen würden, wie die beiden aus einer Seitengasse flaniert kämen. Doch noch immer hielt Mai Joudans Hand in ihrer.. immerhin mussten sie doch eine Rolle spielen!

@Kushou Joudan @Hasekura Chinatsu @Jirokou Shunsui
 
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Joudan ging Shunsuis Wunsch, die medizinische Ausrüstung des Chuunins zu versiegeln, gerne nach. Als er die Brust seines Teamkameraden ein wenig genauer betrachtete, fiel ihm zum ersten Mal richtig auf, wie muskulös der jüngere der beiden Blondschöpfe war. War er das schon immer gewesen? Joudan gab sich Mühe, seinen Teamkameraden nicht allzu sehr anzustarren. Das würde sicher seltsam wirken. Stattdessen verdrängte er den Gedanken mit der einfachen Erklärung, es dem jungen Shunsui bisher aufgrund seiner Haltung nicht angesehen zu haben.
Von den beiden Damen war keine an Joudans Kunst interessiert, doch das konnte der Blondschopf den beiden nicht übel nehmen. Er selbst versiegelte den Teleskop-Bo, ein Kunai (das, was er einst von Tamaki zum Geburtstag bekommen hatte) und ein Fuuma-Shuriken in seiner Brust und seinem Rücken. Seinen vierten Fuuin-Platz nutzte der Sora-Nin für ein Andenksel, das ihm mehr bedeutete als aller anderer weltlicher Besitz, den er hatte. Das weiß-lackierte Stück Holz, das fast schon wie Porzellan anmutete, hatte er lange Zeit zu Hause in einer Schatulle aufbewahrt, doch seit einigen Wochen nahm er es mit, wenn er mehrere Tage unterwegs war. Er plante nicht, es zu nutzen - auch wenn es richtig eingesetzt enorme Macht verlieh - doch der Gedanke, das Memento an seinen Vater nicht bei sich zu haben, würde den Kushou nicht ruhig schlafen lassen. Natürlich versiegelte er seinen Teil der Ausrüstung in einem Moment des Alleineseins, nachdem man sich geeinigt hatte, schlafen zu gehen. Für den Teil seiner Ausrüstung, den er nicht mitnehmen konnte, fand der Blondschopf eine lose Holzdiele im Boden, unter der er seinen Kram verstauen konnte. Und nachdem die Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen waren benötigte der Schlaf nicht lange, bis er Joudan gierig und unbarmherzig in seinen Klauen hatte.
Joudan schlief hundsmiserabel. Doch selbst die schlimmste Nacht endete mit einem goldenen Sonnenaufgang. Und während ein Teil seines Selbst noch melancholisch an seinen Träumen hing, freute der Rest des Blondschopfes sich auf einen Tag mit Shunsui und Mai - und darauf, auch Chinatsu ein wenig besser kennen zu lernen.

Während der kurzen Reise nach Yugakure kam Joudan in den Genuss, ein wenig Zweisamkeit mit Mai genießen zu dürfen.
"Sie hat sich sehr gefreut.", antwortete der junge Herr auf die Frage seiner Schein-Freundin. Gerne hätte er Mai mal Rin und Shintora, seiner Omi, vorgestellt. Doch das ging nicht. "Und sie steckt gerade Hals über Kopf in Büchern und Schriftrollen, bald stehen nämlich Prüfungen an." Es tat gut, mit Mai zu plaudern; ein wenig von seinem Leben mit ihr zu teilen. Es waren erst Tage gewesen, seitdem die beiden sich in Shinkusa gesehen hatten, doch jetzt wurde Joudan gerade deutlich bewusst, wie sehr er die hübsche Blauhaarige vermisst hatte.
Joudan konnte sich noch immer nicht recht erklären, was da mit ihm geschehen war, was Mai mit ihm gemacht hatte. Und noch immer trug er naive Zuversicht in sich, dass das, was da zwischen den beiden jungen Erwachsenen entstand, ein gutes Ende finden würde. So redeten die beiden über ganz normale, alltägliche Dinge und für Joudan war es mit das Schönste auf Erden.
Doch als die kleine Reisegruppe sich den Toren Yugakures näherte, bemerkte Joudan, wie etwas in Mai sich änderte. Die Kunoichi wurde ruhig, wirkte beinahe abwesend und plötzlich gar nicht mehr an Gesprächen interessiert. Natürlich wusste Joudan nicht, was denn in Mais Gedanken vor sich ging, konnte ja nicht erahnen, welche schrecklichen Erinnerungen sie an diesen Ort hatte. Das beste, was er tun konnte, war also ihre Hand zu schnappen und sie in seiner zu halten, ihren Handrücken mit dem Daumen zu streicheln und.... bei ihr zu sein. Joudan fand keine Worte, die er ihr zusprechen konnte, wusste er doch nicht, was dieses Verhalten denn ausgelößt hatte. Doch als ein kleines Kind Mai mit einem Ball abschoss, schien die junge Dame wieder zurück ins Hier und Jetzt zu finden. Dem kleinen Racker war schnell verziehen, sodass Mai und Joudan ein wenig lästern konnten. "Zusammen mit dem Schrieb von gestern malt das leider das unschöne Bild einer inkompetenten Regierung, die über derart Probleme einfach hinwegsieht..." Natürlich hielt Joudan seine Stimme leise genug, um nicht als Protestierender ausgemacht zu werden. Aber Mai hatte recht. Hier war vieles unfasslich-unverantwortlich.
Bei der Kontrolle überließ Joudan Mai das Reden. Sie schien irgendwie ein wenig geladen und ließ das an der Torwache aus. Doch hatte die Kunoichi genug Selbstkontrolle, um den Wächter genau bis an den Rand seiner Geduld zu bringen, nicht weiter - ein Schauspiel, dem Joudan leise-genießend beiwohnen durfte. Auch in seinen Taschen wurde nichts gefunden und ein Abtasten des jungen Herren offenbarte dem Wächter auch nicht, was Joudan verborgen unter Hemd und Weste auf der Haut trug. Offensichtlich entnervt wollte der Wächter Mai und Joudan durchwinken, hielt sie dann doch nochmal auf.
"Warte, Junge, kenne ich dich nicht irgendwo her?" Joudan hielt inne und sah den Wächter erschrocken an. Woher sollte er ihn kennen, Joudan war noch nie hier gewesen. "Irgendwie kommst du mir bekannt vor." Verdammt. Es fiel Joudan wie Schuppen von den Augen. Kurobu. Der Shinobi-Wettstreit. Der Wächter hatte ihn wahrscheinlich im Fernsehen gesehen. Der Blondschopf musste die Situation irgendwie entschärfen. "Ähm, kann sein...", gestand er dem Wächter zu. Leugnen war nicht gut, er musste dem Wächter einen guten Grund geben, warum er Joudans Gesicht denn kennen konnte. "Ich bin hier öfter. Der Urlaub war meine Idee." Noch schien der Wächter nicht ganz angebissen zu haben. "Das letzte Mal war ich vor über einem halben Jahr hier. Sie müssen Ihre Arbeit echt gut machen, wenn Sie sich noch an mich erinnern können." Der Torwächter nickte und ein selbstgefälliges Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Joudan konnte in seinem Kopf die Stimme seines Großvaters hören. "Leute wollen Komplimenten über sich Glauben schenken." Diese Masche schien funktioniert zu haben, denn der Wächter winkte die beiden durch und machte sich daran, die Händler zwischen den beiden Pärchen Teams zu kontrollieren. Ein großes Stück erleichtert darüber, diese Hürde genommen zu haben, tat Joudan die ersten Schritte in Yugakure, doch schon im nächsten Moment wusste er nicht mehr, wie im geschah.
Überraschend bestimmend schnappte Mai sich den jungen Herren, zog ihn in ein stilles Eckchen und küsste ihn. Joudan hatte auf diesen Moment hin gesehnt und gewartet. Dass das von Mai ausging, machte ihn nur noch glücklicher, denn es bedeutete, dass auch der Blauschopf noch an Joudan interessiert war.
Die Augen schließend ließ Joudan sich auf den Kuss ein, schloss seine Arme um den schlanken und doch drahtigen Körper der Kunoichi, spürte das Kribbeln in den Zehen und den Haaren, als die Lippen der beiden sich vereinten. Auch wenn der Moment nur wenige Herzschläge dauerte, so machte er wieder gut, was den beiden die letzten Tage und Wochen entgangen war. Ihre Worte sprachen ihm aus dem Herzen, als die beiden ihre Körper wieder voneinander trennten.
"Wir werden sicher eine Gelegenheit finden, ein wenig mehr Zeit füreinander zu haben!", versprach er Mai und trat dann mit ihr zurück auf die Straße, wo schon Natsu und Shunsui angetrabt kamen. "Scheint fast so, als wären die Gesichtskontrollen heute lasch ausgefallen, sonst hättet ihr es nicht reingeschafft.", witzelte der Blondschopf und stieß Shunsui dann mit der Faust gegen den Oberarm. Dass die viere in Yugakure angekommen waren hieß nicht, dass sie ihre Tarnung fallen lassen durften. Und um das den anderen noch einmal zu symbolisieren hatte er sich untypisch-respektlos und unfreundlich verhalten. Shunsui und Mai erkannten hoffentlich seine Intention. Breit grinsend schnappte er sich die Hand Mais und sah sich dann um. "So, in welche Richtung war diese Absteige nochmal? Richtung Westen hatten die Jungs am Tor gesagt, oder?" Nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass Joudan dieses Schauspiel offensichtlich unterhaltsam fand.

@Hasekura Chinatsu, @Jirokou Shunsui, @Sakaida Mai
 
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