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Eingangstor von Yugakure

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Cf: Grenzgebiet zu Yu no Kuni

Halb aufmerksam lauschte der junge Mann den Worten des Informanten, darauf vertrauend, dass sein Kollege Joudan seinen Teil der Unaufmerksamkeit wieder aufwog. Im Endeffekt ging es also nur darum, den hochwohlgeborenen Sohn zu retten, alle anderen Zivilisten waren egal. Das war ganz deutlich zu erkennen, als der Stabsmitarbeiter der Sakaida einfach das Wort abschnitt und auf die Rettung des Sohn als oberste Priorität pochte. Ehe man es sich auch versah, übergab er dem Kushou einen Brief – möglicherweise hielt er ihn ja für den Leiter der Mission, was wohl nicht weiter verwunderlich war – und machte dann auch schon einen Abgang. Ganz großes Kino. Damit standen wohl mehrere Punkte im Raum: Die Übernachtung in dieser heruntergekommenen Gruselvilla, das Lesen des Briefes und die weiteren Befehle des Daimyo, sowie die Rolle als Touristen, die sie einnehmen sollten. Solange der Jirokou dabei in den Genuss eines Besuchs einer heißen Quelle kam, umso besser. Da ihr Auftraggeber so nett gewesen war, gleich noch ein Ryokan für sie zu buchen, würde sich dieses vergnügliche Ereignis womöglich früher als später genießen lassen – sofern ihm da niemand dazwischenfunkte. Dabei glitt der Blick zu der ihm gegenübersitzenden Hasekura, hin zu Mai und endete schließlich bei Joudan. Wer wusste schon, wie schnell sich die Ereignisse überschlagen würden und wie es um die Arbeitsmoral der anderen aussah? Es war doch nichts gegen ein wenig Entspannung einzuwenden, solange man das große Ganze im Auge behielt, nicht wahr? Jedenfalls widmete sich der andere Blondschopf Soragakures dem Brief, während Shunsui seinen Kopf auf seiner linken Hand abstützte und seinen Kollegen beim Lesen beobachtete. Irgendetwas schien in dem Brief zu stehen, womit er nicht gerechnet hatte, was man ganz deutlich an Joudan’s Reaktion erkennen konnte. Schließlich warf er den Brief auf den Tisch, sodass sich der Jirokou gleich etwas vorbeugte, um sich selbst ein Bild des Inhaltes zu machen. Nachdem er diesen in Erfahrung gebracht hatte, tat er es dem Kushou gleich und schüttelte den Kopf. *Was ein Narr.* Anders konnte man es nicht ausdrücken. Der Damiyo hatte seine Position sicherlich nicht durch seine Intelligenz bekommen, so viel stand fest.

Shunsui lauschte Joudan’s Worten und nickte bekräftigend, denn als Händler würden sie bestimmt nicht durchgehen. Als Touristen allerdings schon, da hatte er ganz recht! Ehe er seine eigene Meinung dazu kundgeben konnte, kam ihm die weißhaarige Kunoichi zuvor, die laut auflachte und anschließend provokant in die Runde fragte, wer mit wem gehen würde. *Meint sie etwa …?* Oh ja, genau das meinte die gute Natsu, deren Blick schließlich auf dem des bebrillten Shinobi ruhte und ihn – beinahe herausfordernd – fragte, ob sie ein Pärchen bilden würden. Dass die Kunoichi noch andere Gedanken dabei hatte, war ganz deutlich, warum sonst hätte sie ihn auf die Art und Weise angezwinkert? Nicht nur das, sie schien auch noch ziemlich überzeugt über sich selbst und ihren Marktwert zu sein. Keinesfalls unsympathisch die Gute, schließlich war sie nicht ganz auf den Kopf gefallen und äußerte direkt was ihr durch den Kopf ging. Man konnte sich beinahe sicher sein, dass Chinatsu auch für Unterhaltung sorgen würde – man erinnere sich nur an den Schrei zuvor. Hoffentlich konnte sie ihm auch noch mehr Details zu dieser ganzen Raku-Mai Geschichte offenbaren. Genau wie die weißhaarige Kunoichi aus Kumo, tappte der Kiriabstämmige im Dunkeln darüber, dass auf ihrer letzten Mission in Shinkusa in Wahrheit Joudan und Mai angebandelt hatten, und nicht etwa der stocksteife, mit Bediensteten badengehende Raku. Für einen kurzen Augenblick konnte man ein verschmitztes Lächeln auf Shunsuis Zügen erkennen. „Scheint so, als ob die Würfel gefallen wären.“ Damit tat der Jirokou seine Zustimmung kund, sodass Mai und Joudan ein Pärchen bilden und Natsu und er eines bilden würden. „Ich glaube, die Freude ist ganz auf eurer Seite. Immerhin hattest du es ja noch nie mit einem solchen Ninja-Duo zu tun.“, griff Shunsui ihre vorherige Aussage auf und gab einen kleinen Konter ab. Was Ego’s anging, besaß der Jirokou auch ein sehr großes, auch wenn er es bisher selten offenbart hatte. Was wohl der Kushou zu diesem neuen Shunsui zu sagen hatte? So hatte er ihn sicherlich nicht in Erinnerung.

Die Vorstellung von Joudan’s Siegelkünsten war durchaus beeindruckend, aber er selbst würde wohl keinen Gebrauch davon machen müssen. Schließlich war er in der Lage, mit einem Fingerschnipsen Menschen meterweit durch die Luft zu schicken und selbst massivsten Fels mit Leichtigkeit zu zerstören. Das war Waffe genug für diesen Auftrag, da hatte er sicherlich keinerlei Shuriken, Kunai oder Ähnliches nötig. Ein kleiner, gut geworfener Stein mit ordentlich Schmackes sollte es dann auch tun. Das einzige, was er möglicherweise benötigte, waren seine Medic-Nin Utensilien wie Verbände, Klammern und Ähnliches. „Ich würde gerne meine medizinische Ausrüstung versiegeln, die kann immer von Nutzen sein.“ Dabei zog Shunsui an seiner Krawatte, um sie zu lösen, öffnete seine ersten Hemdsknöpfe und zog seinen Cardigan etwas herunter, damit Joudan das Siegel an seinem Körper anbringen konnte. Die Brust eignete sich seines Erachtens viel besser als ein Arm, da man es dort sicherlich sofort entdeckte, wenn man auch nur die Ärmel hochkrempelte. An seinem Oberkörper hingegen sollte ein Siegel schwerer zu entdecken sein. Shunsuis Waffen, die Shinobiausrüstung, Schriftrollen sowie sein Kiri-Stirnband, legte er jedoch ohne zu zögern ab. Interessant war auch, dass die Hasekura jegliche Ausrüstung ablegte – wobei sie doch verbundener damit war als er selbst – und behauptete, dass sie ihre Ausrüstung am Körper trug. Seine goldenen Seelenspiegel betrachteten die junge Frau von Kopf bis Fuß, doch schlauer wurde er davon nicht. Er sah keinerlei Ausrüstung, was hatte das denn zu bedeuten? „Da muss jemand schon echt verzweifelt sein, wenn er in diese alte Bruchbude einbricht.“, kommentierte der junge Mann die Sorgen der Kunoichi mit einem trockenen Ton. Denn mal ehrlich, wer würde so etwas wirklich tun und dann noch Ninja-Werkzeuge klauen? Bestimmt lag ihre unterschiedliche Reaktion daran, dass sie Beide eine ganz verschiedene Verbundenheit zum Ninjasein verspürten. Die weißhaarige junge Frau war vermutlich ihr ganzes Leben lang stolz darauf gewesen, ein Ninja zu sein, während er sein ganzes Leben lang nur Ninja gespielt hatte. Auch wenn er sich von diesem Weg abgewandt hatte, so würde es sicherlich eine Weile benötigen, ehe er seine neue Rolle voll und ganz akzeptieren konnte. Nun gab es nicht viel mehr zu tun, als sich ins Land der Träume zu begeben und den Tag mit neuem Elan zu beginnen, denn sie mussten in eine Rolle für diese Mission schlüpfen. Und wenn Shunsui in der Lage war, etwas zu machen, dann sich eine Rolle zu eigen zu machen und zu spielen, als ob sein Leben davon abhing. Wortwörtlich.

Obwohl es relativ früh am nächsten Tag war, hatten sich schon lange Schlangen vor den Toren Yugakures gebildet. Aufgrund der prekären Lage im Reich, herrschten verschärfte Kontrollen, weshalb der ganze Einlassprozess nun deutlich länger dauerte. Joudan und Mai befanden sich vor Natsu und Shunsui und es würde nicht lange dauern, ehe die beiden als „Touristen“ verkleideten „Pärchen“ wohl bald an der Reihe waren. Da er sich wohl in seiner Kleidung fühlte, hatte der junge Mann ein ähnliches Set an Kleidung wie am Vortag gewählt – lediglich in anderer Farbkombination. Den Rest seiner Kleidung hatte er in einem kleinen Rucksack dabei, immerhin war er Tourist, der die heißen Quellen entdecken und genießen wollte. Langsam rückten sie auf, doch im Augenblick verschwendete der Jirokou keinen Blick für die Menschen um sich herum, das befreundete Pärchen und seine angebliche Partnerin eingeschlossen. Der Blick hinter den Brillengläsern war auf die Wachen fixiert und suchte nach verräterischen Anzeichen, dass einer von ihnen vielleicht ein Spitzel war. Klar stand auf jeden Fall, dass sie alle genaustens beobachtet wurden, weshalb er innig hoffte, dass Joudan und Mai über ausreichende Schauspielkünste verfügten, um ein glückliches Paar zu mimen. Hätte er doch nur die Wahrheit über sie gewusst, dann wäre er jetzt weniger besorgt gewesen! Blieb nur noch ein loses Ende: Natsu. Seinerseits wandte der junge Mann nun die goldenen Augen auf die weißhaarige Kunoichi, die Hoffentlich wusste, dass sie mitzuspielen hatte. Hätte er Kaya niemals kennengelernt, so hätte sich der Jirokou unter Umständen bei diesem kleinen Akt selbst verraten. Nun aber agierte er ganz automatisch, wie er es für gewöhnlich mit Kaya tat, und griff nach der kleineren Hand der jungen Frau und verschränkte seine Finger mit ihren. Dabei warf er ihr ein warmes Lächeln zu. „Ich freue mich schon sehr auf diesen Urlaub, danke nochmal für die großartige Geburtstagsüberraschung.“ Bei diesen Worten drückte er einmal ihre Hand, um ihr zu verstehen zu geben, dass sie mitspielen sollte. Es wäre närrisch zu denken, dass die Wachen sich nur an der Kontrolle befanden – wer konnte schon sagen, wie viele der angeblichen Touristen hier in Wahrheit verdeckte Wachen waren? Das meldete ihm zumindest seine paranoide Seite, die ihn sein ganzes Leben über begleitet hatte. Schließlich beugte er sich zur Hasekura, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Von außen gesehen schien das wohl die Art Zuneigung zu sein, die ein Pärchen miteinander teilte – seien es kleine Rituale, frisch verliebtes miteinander Flüstern, kleine Zärtlichkeiten, und so weiter. In Wirklichkeit nutzte der junge Mann die unmittelbare Nähe dazu, um Natsu etwas mitzuteilen und sicherzugehen, dass sie sie nicht auffliegen ließ. „Spiel mit! Das schaffst du doch, oder?“ Was möglicherweise nach einer Provokation klang, war in Wirklichkeit ein Anflug ehrlicher Sorge, immerhin kannte er Natsu gar nicht und wusste nicht um ihre Schauspielkunst. Hatte sie auch Erfahrung in solchen Situationen und konnte sie sich in ihre Rolle versetzen? Das Letzte, was sie gebrauchen konnten, war direkt zu Beginn ihres Auftrages aufzufliegen und das Leben des entführten Sohnes zu verdammen – von den ganzen anderen entführten Zivilisten mal abgesehen. Hoffentlich hatte der gute Shunsui nun keine schlafenden Hunde geweckt!
 
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Sakaida Mai

Chuunin
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Shiro
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Gespannt beobachtete Mai Joudan, während er den Brief las. Seine Mimik ließ erwarten, dass da ziemlich illustre Dinge standen, was den Blauschopf nur noch neugieriger machte. Warum las er ihn denn nicht vor? Gerade, als sie noch näher auf ihn zugehen wollte, um einfach mitzulesen, legte er das Schreiben auf den Tisch. Ihre verzweifelten, blauen Augen folgten den gierigen Händen Shunsuis, welche sich das Papier sogleich unter den Nagel rissen. Wie gemein! Sie würde wohl nie erfahren, was darin stand.. Als würde sie diese Ungerechtigkeit für Mai auf der Stelle lösen, sah die Kunoichi verstimmt zu Chinatsu, welche ja ebenfalls noch nichts von dem Brief hatte. Mit Sicherheit war sie mindestens genauso gespannt auf den Inhalt, wie Mai selbst!

Als die Chuunin ihn dann auch endlich zu Gesicht bekam, verstand sie, warum Joudan meinte, dass man ihn besser verbrennen sollte. „Wir müssen es dem Daimyō ja nicht verraten“, begann sie grinsend, „aber ich bin deiner Meinung, Joudan. Ich denke, dass wir alle erfahren genug sind, um unseren eigenen Weg zu gehen.“ Wie dämlich wäre es auch, dieses Schreiben vorzuzeigen, wenn sie eigentlich Touristen waren? Auf die freundliche Einladung hin, Ausrüstung am Körper versiegeln zu lassen, hob Mai nur höflich abwinkend die Hand und lächelte dabei. Obwohl sie Joudan durchaus Vertrauen entgegen brachte, so wollte sie dennoch kein Siegel von ihm verpasst bekommen. Sie war in diesen Techniken nicht bewandert und wollte daher kein Risiko eingehen, wenngleich diese Vorsicht vielleicht übertrieben war. Ein Stück Papier, in welchen ein paar Kunai versiegelt wären, könnte sie schon irgendwo am Körper verstecken. Es gab Stellen am Körper einer Frau, wo keine Wache einfach grabschen abtasten dürfte. Oder?

Und dann kam Chinatsu. Mai hatte ihre Teamkollegin wirklich sehr gern und fand es ziemlich lustig mit ihr. Ganz abgesehen davon bewunderte sie die Weißhaarige für ihr Selbstbewusstsein, aber damit konnte sie ihre Mitmenschen ganz schön in Verlegenheit bringen. Und anscheinend hatte sie es wirklich ernst gemeint, als sie sich zwei hübsche Sora-Nin erhofft hatte, denn Chinatsu konnte problemlos in die Offensive gehen. So nah würden sie also keiner Kunoichi aus Shiro mehr kommen? Beinahe ertappt wich Mai allen Blicken aus und ihr Herz begann zu rasen. Tatsächlich war hier jemand schon sehr nah an eine Shiro-Kunoichi gekommen. Warum nur konnte sie nicht einfach total cool bleiben? Chinatsu hatte sich Shunsui auserkoren, was Mai und Joudan natürlich ziemlich in die Karten spielte. Mit einem etwas zu hoch geratenem: „Dann wäre das ja geklärt!“, wandte sie sich lächelnd an den blonden Ninja aus Amegakure. Einen kurzen Augenblick blieb sie an seinem Gesicht hängen, ehe sie sich zwang, von ihm abzusehen und sich stattdessen zu Chinatsu zu gesellen. Der Schlafsack war schnell hervorgeholt und nach der eiskalten Dusche hätte Mai genauso gut einen Marathon laufen können, da sie nun wieder hellwach war. Aber sie kuschelte sich dennoch in den Schlafsack und schlief überraschend schnell ein.

Am nächsten Morgen, die alte Villa hatten die Shinobi schon lange hinter sich gelassen, fühlte sich Mai an Shinkusa zurückerinnert. Sie genoss es, gemeinsam mit Joudan den Weg nach Yugakure zu gehen und einfach neben ihm herlaufen zu können, als wären sie.. ein normales Touristenpärchen. Da Chinatsu und Shunsui einen ziemlichen Abstand zu ihnen hatten, mussten sie in erster Linie auch nicht fürchten, etwas Falsches zu sagen. „Wie geht es deiner Schwester? Hat sie sich über die Kette aus Shinkusa gefreut?“, erkundigte sich Mai nach Rin, wenngleich sie das Mädchen noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Gerne dachte die Blauhaarige an den Moment, als sie mit Joudan bei der Goldschmiedin war. Nach einer kleinen Weile konnten sie bereits von Weitem das Eingangstor zu Yugakure entdecken und auch die Schlange von Menschen, welche sich dort bereits gebildet hatte. Doch anstatt sich zu freuen, merkte Mai plötzlich, wie ihr unsagbar flau im Magen wurde.

Jegliche Farbe wich ihr aus dem Gesicht und sie meinte, ein Gefühl von Schwindel zu entwickeln. Als wäre das nicht schlimm genug, schlug ihr Herz bis zum Hals, was aber diesmal nicht an Joudan lag. In der Kunoichi stieg plötzlich Panik auf. Beinahe apathisch setzte sie dennoch einen Fuß nach den anderen. Der Anblick der Stadttore holte Erinnerungen in ihr hervor, welche sie seither versuchte, ruhen zu lassen. Um sich irgendwie zu beruhigen und um zugleich in der Rolle zu bleiben, griff sie mit ihrer eiskalten Hand nach Joudans und verschränkte ihre Finger stumm mit seinen. Was, wenn dieses Ryokan genauso explodieren würde bei Nacht, wie das Gasthaus damals in Yugakure? Hoffentlich würden sie nicht erneut in ein Bergwerk gehen müssen.. diese dunklen, stickigen, engen Gänge.. zitternd versuchte Mai, sich mit einem tiefen Luftzug zu beruhigen. In solch einem Zustand hatte sie sich noch nie befunden. Was ist, wenn-

Etwas prallte leicht gegen ihre Wade. „Entschuldigung!“, ertönte die Stimme eines Kindes. Es lief nach hinten, um seinen Ball, welcher versehentlich gegen Mai geschossen wurde, wiederzuholen. Als hätte sie das wachgerüttelt, befand sie sich augenblicklich wieder im Hier und Jetzt. Geistesgegenwärtig lächelte sie den kleinen Jungen mit einem: „Alles gut!“, an. Der Kleine lief nach vorne zur Schlange, wo seine Eltern standen. Da Joudan und Mai noch Abstand zu andern Leuten hatten, flüsterte sie ihm noch ihren Unmut zu: „Unglaublich, dass sie trotz der Vorfälle noch Familien mit Kindern beherbergen.“ Und dieser Ärger darüber war es, den Mai gebraucht hatte: Sie durfte sich nicht mit den alten, traumatischen Erinnerungen plagen! Sie hatte hier einen wichtigen Auftrag und es ging um das Leben anderer! Mit neuem Mut reihte sie sich gemeinsam mit Joudan in der Schlange ein und blickte dann über die Schulter, um nach Chinatsu und Shunsui zu suchen. Da die beiden aber so weit hinten lagen, kamen noch zwei andere Personen, zwei Händler, hinter Mai und Joudan zu stehen.

Als Pärchen Nummer Eins an der Reihe war, mussten sie beide ihren Rucksack öffnen und ausräumen. Da weder Mai noch Joudan verdächtigen Kram bei sich trugen, wurde auf das Ryokan aufmerksam gemacht: „Das ist für vier Personen gebucht!“, pflaumte ein misstrauischer Wachmann Mai unfreundlich an. Die Blauhaarige aber wahrte ihr Lächeln und antwortete unbedarft: „Das ist richtig, wir sind ja auch zu viert. Seht Ihr die Weißhaarige und ihren blonden Freund weiter hinten? Das sind unsere Freunde, wir machen den Urlaub gemeinsam.“ Der grimmige Wachmann musterte Mai einmal, zweimal und ein drittes Mal von oben bis unten. Irgendwie.. eigenartig. Dann plötzlich klopfte er sie von oben bis unten ab, um sie nach verdächtigen Gegenständen zu untersuchen. Ein Glück, dass das Stück Papier mit dem Siegel sicher im BH versteckt war, wo die Wache nicht abklopfte. „Und warum sind die dann viel weiter hinten, he?“ Tja, Leute! Gute Frage! Was habt ihr denn da hinten getrieben? Unfasslich! Mai legte ein Grinsen und einen vielsagenden Blick auf: „Das würde mich auch interessieren. Plötzlich waren sie nicht mehr hinter uns..“, teilte Mai ihr Unwissen auf süffisante Art mit, sodass der Wachmann tatsächlich rot um die Nase wurde. Oh man, hoffentlich bekämen Chinatsu und Shunsui keinen Kommentar ab, wenn sie an der Reihe wären..

Nachdem auch Joudan noch unter die Lupe genommen wurde, konnten die beiden endlich in das Dorf spazieren. Es überkam Mai einfach, diesen kurzen Moment zu nutzen. Außer Sichtweite nahm sie von der Chance Gebrauch, wenigstens ein paar Minuten mit Joudan allein zu sein und zog ihn ums Eck, um hinter einer Hauswand vor neugierigen Blicken geschützt zu sein. Ohne auch nur eine Sekunde länger darüber nachzudenken, stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Hände auf Joudans Schultern und zog ihn sanft zu sich, um ihre Lippen auf seine zu legen. Es war wundervoll, ihn endlich wieder küssen zu können! Wären die Umstände andere, würde sie viel länger mit ihm hier verweilen wollen. Doch so musste sie sich bald wieder von ihm lösen und den Shinobi mit einem traurigen Lächeln ansehen. „Ich wünschte, wie hätten mehr Zeit..“ Doch sie mussten wieder rechtzeitig auf die Hauptstraße gehen, da es komisch wäre, wenn Chinatsu und Shunsui sehen würden, wie die beiden aus einer Seitengasse flaniert kämen. Doch noch immer hielt Mai Joudans Hand in ihrer.. immerhin mussten sie doch eine Rolle spielen!

@Kushou Joudan @Hasekura Chinatsu @Jirokou Shunsui
 

Kushou Joudan

Chuunin
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Joudan ging Shunsuis Wunsch, die medizinische Ausrüstung des Chuunins zu versiegeln, gerne nach. Als er die Brust seines Teamkameraden ein wenig genauer betrachtete, fiel ihm zum ersten Mal richtig auf, wie muskulös der jüngere der beiden Blondschöpfe war. War er das schon immer gewesen? Joudan gab sich Mühe, seinen Teamkameraden nicht allzu sehr anzustarren. Das würde sicher seltsam wirken. Stattdessen verdrängte er den Gedanken mit der einfachen Erklärung, es dem jungen Shunsui bisher aufgrund seiner Haltung nicht angesehen zu haben.
Von den beiden Damen war keine an Joudans Kunst interessiert, doch das konnte der Blondschopf den beiden nicht übel nehmen. Er selbst versiegelte den Teleskop-Bo, ein Kunai (das, was er einst von Tamaki zum Geburtstag bekommen hatte) und ein Fuuma-Shuriken in seiner Brust und seinem Rücken. Seinen vierten Fuuin-Platz nutzte der Sora-Nin für ein Andenksel, das ihm mehr bedeutete als aller anderer weltlicher Besitz, den er hatte. Das weiß-lackierte Stück Holz, das fast schon wie Porzellan anmutete, hatte er lange Zeit zu Hause in einer Schatulle aufbewahrt, doch seit einigen Wochen nahm er es mit, wenn er mehrere Tage unterwegs war. Er plante nicht, es zu nutzen - auch wenn es richtig eingesetzt enorme Macht verlieh - doch der Gedanke, das Memento an seinen Vater nicht bei sich zu haben, würde den Kushou nicht ruhig schlafen lassen. Natürlich versiegelte er seinen Teil der Ausrüstung in einem Moment des Alleineseins, nachdem man sich geeinigt hatte, schlafen zu gehen. Für den Teil seiner Ausrüstung, den er nicht mitnehmen konnte, fand der Blondschopf eine lose Holzdiele im Boden, unter der er seinen Kram verstauen konnte. Und nachdem die Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen waren benötigte der Schlaf nicht lange, bis er Joudan gierig und unbarmherzig in seinen Klauen hatte.
Joudan schlief hundsmiserabel. Doch selbst die schlimmste Nacht endete mit einem goldenen Sonnenaufgang. Und während ein Teil seines Selbst noch melancholisch an seinen Träumen hing, freute der Rest des Blondschopfes sich auf einen Tag mit Shunsui und Mai - und darauf, auch Chinatsu ein wenig besser kennen zu lernen.

Während der kurzen Reise nach Yugakure kam Joudan in den Genuss, ein wenig Zweisamkeit mit Mai genießen zu dürfen.
"Sie hat sich sehr gefreut.", antwortete der junge Herr auf die Frage seiner Schein-Freundin. Gerne hätte er Mai mal Rin und Shintora, seiner Omi, vorgestellt. Doch das ging nicht. "Und sie steckt gerade Hals über Kopf in Büchern und Schriftrollen, bald stehen nämlich Prüfungen an." Es tat gut, mit Mai zu plaudern; ein wenig von seinem Leben mit ihr zu teilen. Es waren erst Tage gewesen, seitdem die beiden sich in Shinkusa gesehen hatten, doch jetzt wurde Joudan gerade deutlich bewusst, wie sehr er die hübsche Blauhaarige vermisst hatte.
Joudan konnte sich noch immer nicht recht erklären, was da mit ihm geschehen war, was Mai mit ihm gemacht hatte. Und noch immer trug er naive Zuversicht in sich, dass das, was da zwischen den beiden jungen Erwachsenen entstand, ein gutes Ende finden würde. So redeten die beiden über ganz normale, alltägliche Dinge und für Joudan war es mit das Schönste auf Erden.
Doch als die kleine Reisegruppe sich den Toren Yugakures näherte, bemerkte Joudan, wie etwas in Mai sich änderte. Die Kunoichi wurde ruhig, wirkte beinahe abwesend und plötzlich gar nicht mehr an Gesprächen interessiert. Natürlich wusste Joudan nicht, was denn in Mais Gedanken vor sich ging, konnte ja nicht erahnen, welche schrecklichen Erinnerungen sie an diesen Ort hatte. Das beste, was er tun konnte, war also ihre Hand zu schnappen und sie in seiner zu halten, ihren Handrücken mit dem Daumen zu streicheln und.... bei ihr zu sein. Joudan fand keine Worte, die er ihr zusprechen konnte, wusste er doch nicht, was dieses Verhalten denn ausgelößt hatte. Doch als ein kleines Kind Mai mit einem Ball abschoss, schien die junge Dame wieder zurück ins Hier und Jetzt zu finden. Dem kleinen Racker war schnell verziehen, sodass Mai und Joudan ein wenig lästern konnten.
"Zusammen mit dem Schrieb von gestern malt das leider das unschöne Bild einer inkompetenten Regierung, die über derart Probleme einfach hinwegsieht..." Natürlich hielt Joudan seine Stimme leise genug, um nicht als Protestierender ausgemacht zu werden. Aber Mai hatte recht. Hier war vieles unfasslich-unverantwortlich.
Bei der Kontrolle überließ Joudan Mai das Reden. Sie schien irgendwie ein wenig geladen und ließ das an der Torwache aus. Doch hatte die Kunoichi genug Selbstkontrolle, um den Wächter genau bis an den Rand seiner Geduld zu bringen, nicht weiter - ein Schauspiel, dem Joudan leise-genießend beiwohnen durfte. Auch in seinen Taschen wurde nichts gefunden und ein Abtasten des jungen Herren offenbarte dem Wächter auch nicht, was Joudan verborgen unter Hemd und Weste auf der Haut trug. Offensichtlich entnervt wollte der Wächter Mai und Joudan durchwinken, hielt sie dann doch nochmal auf.
"Warte, Junge, kenne ich dich nicht irgendwo her?" Joudan hielt inne und sah den Wächter erschrocken an. Woher sollte er ihn kennen, Joudan war noch nie hier gewesen. "Irgendwie kommst du mir bekannt vor." Verdammt. Es fiel Joudan wie Schuppen von den Augen. Kurobu. Der Shinobi-Wettstreit. Der Wächter hatte ihn wahrscheinlich im Fernsehen gesehen. Der Blondschopf musste die Situation irgendwie entschärfen. "Ähm, kann sein...", gestand er dem Wächter zu. Leugnen war nicht gut, er musste dem Wächter einen guten Grund geben, warum er Joudans Gesicht denn kennen konnte. "Ich bin hier öfter. Der Urlaub war meine Idee." Noch schien der Wächter nicht ganz angebissen zu haben. "Das letzte Mal war ich vor über einem halben Jahr hier. Sie müssen Ihre Arbeit echt gut machen, wenn Sie sich noch an mich erinnern können." Der Torwächter nickte und ein selbstgefälliges Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Joudan konnte in seinem Kopf die Stimme seines Großvaters hören. "Leute wollen Komplimenten über sich Glauben schenken." Diese Masche schien funktioniert zu haben, denn der Wächter winkte die beiden durch und machte sich daran, die Händler zwischen den beiden Pärchen Teams zu kontrollieren. Ein großes Stück erleichtert darüber, diese Hürde genommen zu haben, tat Joudan die ersten Schritte in Yugakure, doch schon im nächsten Moment wusste er nicht mehr, wie im geschah.
Überraschend bestimmend schnappte Mai sich den jungen Herren, zog ihn in ein stilles Eckchen und küsste ihn. Joudan hatte auf diesen Moment hin gesehnt und gewartet. Dass das von Mai ausging, machte ihn nur noch glücklicher, denn es bedeutete, dass auch der Blauschopf noch an Joudan interessiert war.
Die Augen schließend ließ Joudan sich auf den Kuss ein, schloss seine Arme um den schlanken und doch drahtigen Körper der Kunoichi, spürte das Kribbeln in den Zehen und den Haaren, als die Lippen der beiden sich vereinten. Auch wenn der Moment nur wenige Herzschläge dauerte, so machte er wieder gut, was den beiden die letzten Tage und Wochen entgangen war. Ihre Worte sprachen ihm aus dem Herzen, als die beiden ihre Körper wieder voneinander trennten.
"Wir werden sicher eine Gelegenheit finden, ein wenig mehr Zeit füreinander zu haben!", versprach er Mai und trat dann mit ihr zurück auf die Straße, wo schon Natsu und Shunsui angetrabt kamen. "Scheint fast so, als wären die Gesichtskontrollen heute lasch ausgefallen, sonst hättet ihr es nicht reingeschafft.", witzelte der Blondschopf und stieß Shunsui dann mit der Faust gegen den Oberarm. Dass die viere in Yugakure angekommen waren hieß nicht, dass sie ihre Tarnung fallen lassen durften. Und um das den anderen noch einmal zu symbolisieren hatte er sich untypisch-respektlos und unfreundlich verhalten. Shunsui und Mai erkannten hoffentlich seine Intention. Breit grinsend schnappte er sich die Hand Mais und sah sich dann um. "So, in welche Richtung war diese Absteige nochmal? Richtung Westen hatten die Jungs am Tor gesagt, oder?" Nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass Joudan dieses Schauspiel offensichtlich unterhaltsam fand.

@Hasekura Chinatsu, @Jirokou Shunsui, @Sakaida Mai
 
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Chinatsu unterdrückte ein Gähnen, während sie zusammen mit Shunsui in der langen Warteschlange vor den Eingangstoren von Yugakure wartete. Es war viel zu früh. Warum hatten sie bereits zum Sonnenaufgang aufbrechen müssen? Als würden die paar Stunden einen Unterschied machen! Leider war die Hasekura mit ihrem Protest auf taube Ohren gestoßen, weshalb sie sich dem Willen der Gruppe hatte unterordnen müssen. Immerhin hatten die Kollegen ihr noch genügend Zeit eingeräumt, sodass sie sich entsprechend schick hatte machen können: Genauso wie gestern trug die 16-Jährige ein weißes Crop Top kombiniert mit einer hellblauen ¾-Hose. Die Haare hatte Chinatsu zu einem lockeren Zopf geflochten und über ihre Schulter nach vorne geworfen, dabei umspielten vereinzelte Strähnen weiterhin ihr dunkles Gesicht. Mit ihrem Erscheinungsbild war die Kunoichi ganz zufrieden, abgesehen von den Augenringen, die sie mit Make-Up hatte verdecken müssen. Sie spähte an einigen Personen vorbei, die vor ihnen in der Schlange standen, auf der Suche nach Mai und Joudan. Kaum hatte Chinatsu ihre beiden Teamkollegen erspäht, spürte sie plötzlich eine Berührung an ihrer rechten Hand – und ehe sie sich versah, hatten sich ein paar fremde Finger mit den ihren verschränkt. Sofort löste das Mädchen ihre Aufmerksamkeit von Joudan und Mai, sah stattdessen auf ihre eigene Hand hinab, sah dann auf und erkannte ein warmes Lächeln im Gesicht des Jirokou. Ein Urlaub? Geburtstagsgeschenk? Bevor sie eine Frage stellen konnte, drückte der blonde Cardigan-Träger ihre Hand und beugte sich dann zu ihr herab, bevor seine Lippen nahe an ihrem Ohr verweilten. Doch es war kein Süßholzgeraspel, welches ihr zärtlich ins Ohr geflüstert wurde, sondern vielmehr ein Befehl, dass sie mitspielen sollte. Ein Befehl?

Shunsui hatte Chinatsu seit gestern tatsächlich schon mehrfach überrascht. Als sie ihn gestern Abend das erste Mal gesehen hatte, war das Mädchen zuerst überzeugt davon gewesen, es mit einem schüchternen Streber zu tun zu haben. Sowohl die Krawatte als auch die dicke Brille waren eindeutige Anzeichen gewesen. Sie hatte geglaubt, eine Person zu sehen, die sie mit Leichtigkeit in Verlegenheit bringen und sich daraus dann einen andauernden Spaß machen könnte. Zu ihrer eigenen Überraschung hatte der Jirokou sich allerdings keinesfalls schüchtern gegeben, sondern ihr sogar einen unerwarteten Konter gegeben, als sie dem Sora-Nin in Aussicht gestellt hatte, nie wieder ein paar hübschen Shiro-Kunoichi so nah kommen zu können. Und natürlich war auch den aufmerksamen Augen der Origami-Userin nicht entgangen, was für eine muskulöse Brust sich nach dem Öffnen der ersten Hemdknöpfe gezeigt hatte, damit Joudan seine Siegel-Künste auf der Haut von Shunsui hatte anwenden können. Und nun auch noch das hier… der blonde Sora-Nin schien deutlich mehr zu bieten, als Chinatsu gedacht hätte. Irgendwie war er doch interessant. Wie weit sie das Spiel mit ihm wohl treiben könnte? Ein schiefes Grinsen legte sich auf ihre Lippen bei dem Gedanken und just in dem Moment, in dem Shunsui sich vielleicht wieder von ihrem Ohr hatte entfernen wollen, verschränkte die Hasekura plötzlich die Finger in seinem Nacken, zog ihn weiter an sich und legte mit einem verschmitzten Grinsen ihre Stirn an die Seine. Die gelben Äuglein suchten den direkten Blickkontakt. „Und wie ich mich erst auf diesen Urlaub freue.“ Er wollte, dass sie mitspielte? Das konnte er haben. „Du hast ja keine Ahnung, was ich bei diesem Urlaub so alles mit dir anstellen möchte. Ich werde meine Finger gar nicht von dir lassen können, mein Süßer~“, stellte sie in Aussicht, allerdings nicht mit einem zärtlichen Flüstern, sondern vollkommen ungeniert in einer Lautstärke, dass alle umstehenden Personen mithören konnten. Natürlich blieb dieses Verhalten nicht ungestraft: Sowohl die Menschen vor als auch hinter ihnen fingen an, genervt zu stöhnen und ein älterer Mann verlangte sogar, dass sie das weitere Gespräch doch bitte für ihr Zimmer aufheben sollten. Chinatsu kicherte, löste dann endlich die Verschränkung ihrer Finger in Shunsuis Nacken und gab ihm damit ein wenig Bewegungsfreiheit zurück. Ein amüsiertes Zwinkern folgte. „Oh, das werden wir auf jeden Fall tun.“ Das Mädchen wäre auch noch weiter auf die Thematik eingegangen, allerdings bewegte sich die gesamte Schlange plötzlich weiter nach vorne und so war das Interesse, das auf Shunsui und ihr gelegen hatte, schnell wieder verflogen. Chinatsu war ganz zufrieden mit ihrem Auftritt. Ob es das gewesen war, was der Jirokou mit seinem Befehl hatte bewirken wollen?

Und dann, nach einer gewissen Wartezeit, kamen auch Shunsui und Chinatsu endlich an den Eingangstoren zum Stehen. Natürlich wurden sie skeptisch von den Wachen beäugt und mussten ihre Taschen für eine erste Durchsuchung öffnen. Abgesehen von einer Unmenge Make-Up, Cremes, ein paar Taschen- und Kosmetiktüchern sowie der Geldbörse gab es allerdings bei der Kunoichi nicht viel zu finden. „Wehe, da geht was kaputt! Concealer und Eyeliner waren verdammt teuer!“, ermahnte das Mädchen, fing sich für den Kommentar einen erbosten Blick der Wache, doch immerhin hörte er auf, wie wild in der Tasche herumzukramen. Stattdessen trat er näher und klopfte den kleinen Körper der Kunoichi ab. Chinatsu hob ergeben die Hände an, damit diese ihm nicht im Wege waren, verdrehte allerdings die Augen. „Jaja. Ich weiß schon, warum ihr diesen Job macht…“, murmelte sie, doch davon ließ sich die Wache im Prozedere nicht unterbrechen. „Ihr wollt hier Urlaub machen?“, fragte die Wache trocken, nachdem er sich einen kleinen Schritt von der Hasekura entfernt hatte. Diese nickte. „Ja. Unsere beiden Freunde warten da drinnen schon auf uns. Sind wir fertig?“ Sie stemmte eine Hand in die Hüfte, doch noch wollte die Wache sie nicht vorbeigehen lassen. „Warum standet ihr nicht zusammen in der Schlange, heh?“, stellte er die Frage, die auch Mai zuvor bereits gestellt bekommen hatte. Aber das konnte Chinatsu natürlich nicht wissen. Flüchtig sah sie mit seinem Seitenblick zu Shunsui, bevor sich die Mundwinkel geheimnisvoll anhoben. „Naja…“, begann sie, umgriff dann prompt die Hand des Jirokou und zuckte mit den Schultern. „Schuldig im Sinne der Anklage!“, gab sie dann zu, kicherte. „Ja, ich konnte meine Finger einfach nicht von ihm lassen, okay? Aber Mensch, er verdreht mir auch einfach ständig den Kopf! Ich mein, guck ihn doch an! Wie soll eine Frau denn da bei klarem Verstand bleiben? Ich hab gar nicht gemerkt, wie die Schlange sich weiterbewegt hat… oh und ich schwöre, ich hole all das nach, was wir eben nicht zu Ende bringen konnten!“ Chinatsu holte Luft, sah so aus, als wollte sie weitersprechen, doch es geschah genau das, was sie erwartet hatte: Zu viele Informationen. Das wollte kein Mensch wissen! Die Wache winkte entnervt ab und wollte das Mädchen damit zum Schweigen bringen. Die Hasekura sah den älteren Mann unschuldig an, als wüsste sie gar nicht, was los war, aber immerhin wurden Shunsui und sie reingelassen. Chinatsu hatte keine Ahnung, wie ein echtes, sich liebendes Paar miteinander umging. Doch mit Schwärmereien und Flirts kannte sie sich umso besser aus. Wie gut, dass es ausreichte, um alle Leute zu überzeugen.

Die 16-Jährige hatte keine Ahnung, was Mai und Joudan in der Zwischenzeit getrieben hatten. Dabei wäre das ein so tolles Gesprächsthema gewesen! Da die beiden Teamkollegen bereits auf sie warteten, ging die naive Hasekura davon aus, dass sie nur gelangweilt in der Gegend herumgestanden hatten. Mit der respektlosen Begrüßung erwischte der Kushou Chinatsu genau auf den falschen Fuß. Die Gesichtskontrollen wären lasch gewesen, sonst hätten sie es gar nicht reingeschafft? Was erlaubte sich dieser dumme Typ?! Niemand durfte es ungestraft wagen, sich über das Aussehen der Kumo-Nin lustig zu machen. Insbesondere nicht irgendein Mann! „Du hast Recht. Nachdem du reingelassen wurdest war die Messlatte so niedrig, da meinte die Wache, es kann nur noch besser werden“, konterte Chinatsu mit einem boshaften Lächeln auf den Lippen und unterdrückte den enormen Drang, empört die Wangen aufzublasen. Das war für gewöhnlich ihre Geste, wenn sie sich unfair behandelt fühlte. Sie verstand überhaupt nicht, dass Joudan nur ein Schauspiel aufrechterhielt. Sie wandte entschieden den Kopf ab und sah – scheinbar – nach Westen. „Ja, da müssen wir hin!“ Und schon ging die 16-Jährige los. Problem? Ihr Orientierungssinn. Wo auch immer die Hasekura gerade hinging, es war nicht Westen. Und entweder, das fiel einem der Kollegen sofort auf – was man hoffen konnte – oder sie würden ein paar Extrarunden drehen müssen, bis sie ihre Unterkunft tatsächlich fanden. Hoffentlich folgten die Teamkollegen ihr nicht blind. Das hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren für einigen Ärger gesorgt, den man auch hätte vermeiden können.
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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„Hier sind Kinder, Herrgott!“ „Habt ihr keinen Anstand oder was?“ „Tz, tz, die Jugend von heute…“ „Holt euch gefälligst ein Zimmer für sowas!“ Das waren die Sätze, die Natsu und Shunsui entgegenschlugen, wobei die junge Frau amüsiert darauf reagierte und der Blondschopf dümmlich-verlegen dreinschaute, ganz so, als ob Weihnachten um ein halbes Jahr vorverlegt worden wäre. Aber wie war die Situation von einen Moment auf den Anderen so umgeschlagen? Dafür müssen wir die Zeit nur um ein oder zwei Minuten zurückdrehen. Man erinnere sich: Der Jirokou und die Hasekura standen in der Schlange zur Grenzkontrolle, um Einlass in Yugakure gewährt zu bekommen. Da sie ein Touristenpärchen spielten, hatte sich der Brillenträger dementsprechend benommen und Zuneigung gespielt. Damit die weißhaarige Kunoichi den Wink mit dem Zaunpfahl verstand und mitspielte, hatte er ihr anschließend ins Ohr geflüstert, dass sie mitspielen sollte. So weit, so gut. Zugegeben, Shunsui hatte nicht viel erwartet, weshalb er sich überhaupt erst danach erkundigt hatte, ob sie mitspielen konnte. Wie schnell ihm die Gute das beweisen würde, damit hätte er im Leben nicht gerechnet. Gerade wollte er sich wieder aufrichten und von ihrem Ohr entfernen, als sich einige Finger um seinen Nacken legte und ihn bestimmt in Richtung ihres Gesichtes zogen. Ehe es sich der Jirokou versah, blickte er nun in ein Paar goldgelbe Augen! So viel Nähe hatte er urplötzlich nicht erwartet, weshalb er ein wenig überrumpelt war – dieses Gefühl sollte sich jedoch in der nächsten Minute noch gefühlt verzehntfachen. Bei den Worten der Hasekura hätte jeder Mann sicher vor Vorfreude kaum stillstehen können und sich irgendwelchen Fantasien und Tageträumen hingegeben – wären diese Worte verführerisch ins Ohr geflüstert oder gehaucht worden. Aber die junge Frau blieb sich ihrer Linie treu und genau wie sie am Vorabend jegliche Tiere in fünf Kilometer Umkreis mit ihrem Schrei über ihre Anwesenheit informiert hatte, so ertönten ihre Worte laut und deutlich genug, dass gefühlt ganz Yugakure von ihren Plänen mit ihrem „Freund“ erfuhr. Das führte zu besagter Reaktion und zurück ins Hier und Jetzt. Scheinbar verspürte Natsu auch keinerlei Scham, da sie einfach frech konterte, dass sie sich beide auf jeden Fall ein Zimmer holen würden. Und Shunsui blieb in dem Augenblick nichts übrig, als mitzuspielen und sich verlegen am Hinterkopf zu kratzen. Wie sollte man in so einem Augenblick reagieren? Wenn er schon nichts sagte, dann doch wenigstens so schauen, als ob er sich darauf freuen würde, was ihn später erwartete. Wobei man sagen musste, dass er sich wirklich etwas dabei schämte, weshalb ihm die Reaktion wie selbstverständlich von der Hand ging. Dabei ging es weniger um die Thematik, die ihn irritierte, denn schließlich war er kein unbeschriebenes Blatt. Aber es so laut vor allen Leuten zu tönen, das war schon ein anderes Kaliber. Die goldenen Augen ruhten für einen Augenblick bei seiner weißhaarigen „Freundin“ und er fragte sich willkürlich, ob sie das alles nur spielte oder wirklich so erfahren und schlagfertig war. „Nicht schlecht.“, flüsterte er der Hasekura zu, als die Schlange sich weiter nach vorne bewegte und er diesen Moment nutze, um seine Bewunderung für ihre Schauspielkunst auszudrücken. Dass sie ihn dabei ein wenig überrumpelt hätte würde er nicht erwähnen, das brauchte sie auch nicht zu wissen.

Schließlich waren die beiden Shinobi auch an der Reihe und wurden von den Wachen untersucht. In den Taschen des Jirokou befanden sich lediglich einige fein gebügelte und gefaltete Hemden, sowie dazu passende Hosen und Cardigans. Schließlich stutzte die Wache, ganz so, als ob sie etwas gefunden hatte … und zog Shunsuis Schlafmütze hervor. „Was ist das denn für ein hässliches Ding?“ Verdattert schaute die Wache den bebrillten jungen Mann an. Nicht nur seine alltägliche Kleidung passte nicht zu seinem Beruf und führte dazu, dass die Leute ihn unterschätzten – seine nächtliche Garderobe war vom gleichen Schlag. Genau wie bei seiner alltäglichen Kleidung hatte die Schlafmütze einen nostalgischen Wert, wo er auch immer außerhalb von Soragakure nächtigte. Möglicherweise war Shunsui gerade ein wenig zu gut drauf oder vielleicht hatte ihn auch Natsu mit ihrem Verhalten aufgestachelt. Jedenfalls legte er den Arm um die junge Frau, zuckte mit den Schultern und zwinkerte der Wache zu. „Tja, wenn du wüsstest, was für Wunder das Ding wirkt.“ Damit hatte die Wache nun gar nicht gerechnet, weshalb sie die Schlafmütze wortlos zurück in die Tasche packte und ihm den Rucksack kopfschüttelnd überreichte. Nach einigem Abklopfen war er auch durch, sodass die Aufmerksamkeit nun auf der jungen Frau ruhte. Bei der Aussage des Jobs musste der Jirokou glucksen. Sie hatte echt Witz, das musste man ihr lassen! Schließlich waren sie auch bei der Kunoichi aus Shiro nicht fündig geworden, sodass es nun um den Grund ihres Urlaubes ging. Bei den Worten der Wache wurde der junge Mann etwas unruhig. Das war wirklich blöd gewesen, schließlich trug Joudan die Reservierung bei sich und sie konnten gar nicht beweisen, dass sie wirklich hier Urlaub machen konnten. Ob sie Mai und ihn vielleicht zurückbitten konnten, um den Wachen die Reservierung des Ryokan zu zeigen? In diesem Augenblick ergriff Chinatsu wieder die Initiative und sah Shunsui mit einem, ja, wie soll man es besser ausdrücken, verschmitzten Lächeln an. *Oh oh, was hat sie jetzt vor?* Ihre vorherige Schauspielkunst hatte ordentlich Eindruck hinterlassen und er befürchtete, dass es sich dabei lediglich um eine Geschmacksprobe gehandelt hatte ... er hätte es wissen müssen! Die junge Frau schnappte sich einfach seine Hand und verkündete beinahe stolz, warum sie so lange gebraucht hatten und was sie noch alles mit ihm vorhatte. Bei den Worten warf die Wache Shunsui einen Blick zu und sah in ihm lediglich einen streberhaften jungen Mann, also keinesfalls die Art Person, welche die Hasekura gerade beschrieben hatte. Dann war es wohl an der Zeit, dass der Brillenträger etwas mitspielte, denn dieses Mal wurde er nicht von ihrer Aussage überrumpelt. „Jeden Urlaub das Gleiche: Ich würde gerne etwas Kultur erleben, aber irgendwie kommen wir nicht aus dem Zimmer.“, teilte er der Wache kopfschüttelnd mit mit und bedachte seine Partnerin anschließend mit einem verschmitzten Lächeln. Gott, das war wirklich ein Moment zum Fremdschämen. So schnell würde die Wache diesen Tag sicherlich nicht vergessen. Völlig entnervt, winkte sie schließlich das verliebte Pärchen weiter, sodass sie endlich Yugakure betreten konnten.

Hätte Shunsui den Kuss zwischen Mai und Joudan gesehen, so hätte er ihnen im Nachhinein seine Bewunderung für ihre Hingabe zum Schauspiel ausgedrückt. Er vermutete keinesfalls, dass eines der beiden Pärchen nicht wirklich schauspielern musste. Kaum waren sie die Straße entlang, als die beiden anderen Shinobi schon um die Ecke kamen und ihre Freunde begrüßten. Und das auf die untypischste Weise für Joudan, der den Jirokou mit seiner Faust anstieß und einen respektlosen Witz riss. Der Blondschopf kannte den Kushou schon zu lange, als ob ihm nicht klar wurde, dass er schauspielerte. Aber dass auch die weißhaarige Kunoichi so schnell schaltete und verstand, dass Joudan zu ihrer Tarnung schauspielerte, hätte er nicht gedacht. Und wie zuvor, war sie nicht auf den Mund gefallen, sondern gab ordentlich Konter und brachte Shunsui unerwarteterweise zum Prusten. „Korb.“, teilte er dem anderen jungen Mann feixend und genauso untypisch für ihn mit und machte eine Bewegung mit seinen Händen, als ob er einen Basketball werfen würde. „Lass dir mal bessere Sprüche einfallen!“ Und damit drehte er sich um und sah seiner „Freundin“ nach, die schnurrstracks in Richtung Ryokan aufbrach. „Schatz, warte auf mich. Schaaaaaatz!“, rief er ihr hinterher – wie so ein kitschiges Paar – und lief ihr nach. Dank dem ausgeprägten Orientierungssinn von Schatz, dauerte es auch nur eine knappe Stunde, ehe sie endlich fündig wurden. Dabei hatten sie auch noch eine halbe Sightseeingtour hinter sich, von der Altstadt bis zum Markt, ehe sie endlich an ihrem Zielort angekommen waren. Es war das edelste Ryokan, welches dem jungen Mann jemals unter die Augen gekommen waren. Seltenes Holz kleidete die Wände und mehrere Mitarbeiter in piekfeiner Kleidung begrüßten die Neuankömmlinge höflich mit einer Verbeugung. Shunsui war gegen seinen Willen von der Einrichtung beeindruckt und fragte sich, ob sie hier auch richtig waren. Scheinbar war dem so, denn die Reservierung wurde von Joudan entgegen genommen und ehe es sich die Gruppe versah, war sie zu ihrem Zimmer geleitet worden. „Die Kaisersuite, bitteschön.“, teilte ihnen die Mitarbeiterin mit und öffnete die Tür zu ihrer Suite. Der Blondschopf warf den anderen Gruppenmitgliedern einen Blick zu, ehe er das „Zimmer“ betrat. „Hier haben wir die Kaisersuite, mit zwei Schlafzimmern, einem großen Wohnbereich, sowie einer privaten heißen Quelle. Die Mitarbeiter stehen ihnen für ihren gesamten Aufenthalt zur Verfügung, sie müssen dafür nur mit der Klinge läuten.“, erklärte die Mitarbeiterin den jungen Gästen professionell. Der Jirokou hörte indes nur mit halbem Ohr zu und bemerkte deshalb nicht, dass die Mitarbeiterin zu Ende gesprochen und schließlich die Tür hinter sich geschlossen hatte. Grinsend ließ er sich auf die Sofalandschaft fallen, die ihn weich empfing und etwas einsinken ließ. „Also an diese Art zu reisen könnte ich mich gewöhnen.“, teilte er seinen Kollegen mit und ließ den Blick durch den Raum – gefühlt die Halle – wandern. Edel und Luxus waren wirklich untertrieben, scheinbar wollte der Daimyo seine Gäste bei Laune halten. Oder er hatte nicht weiter als zwei Ecken gedacht, auch möglich. Der Blick des jungen Mannes blieb schließlich sehnsüchtig an der heißen Quelle in ihrem eigenen gepflegten, kleinen Garten hängen. Dafür war wohl jetzt keine Zeit. „Also, wie wollen wir jetzt vorgehen? Jemand einen Vorschlag?“, fragte er in die Runde.
 

Sakaida Mai

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Zugegeben, im ersten Moment stutzte Mai tatsächlich über die plötzliche Wesensveränderung Joudans, erst im nächsten Augenblick verstand sie, dass das nur ein Teil des Schauspiels war. Doch einfach war das nicht gewesen, denn so wie auch Chinatsu, empörte sich auch der Blauschopf über die unfreundliche Bemerkung. Doch zugleich war es auch dieser Kommentar, welcher das Ganze enthüllte, denn so ein Mensch war Joudan schlichtweg nicht. Chinatsu aber war (verständlicherweise) eingeschnappt aufgrund seiner Worte und verließ nach einem bissigen Konter die Gruppe. Eigentlich wollte Mai ihr sogleich solidarisch folgen, doch das tat Shunsui bereits und lief ihr, einen Kosenamen schreiend, hinterher. Überrascht sah Mai den beiden nach, als sie bemerkte, dass Joudan nach ihrer Hand gegriffen hatte. „Ich habe ihn ganz anders in Erinnerung.“, murmelte Mai kopfschüttelnd und spielte damit auf Shunsui an, welcher völlig verändert war, seit sie ihn in Shinkusa getroffen hatte. Und das lag sicher nicht an diesem albernen Schauspiel. Dann aber setzte Mai ein verschmitztes Grinsen auf und wandte sich Joudan zu: „Dich erkenne ich auch kaum wieder.“, kicherte sie und spielte auf sein Gehabe an, dann aber wandte sie sich wieder ab und zog ihn an der Hand hinter sich her, um den anderen beiden zu folgen.

Immer wieder blickte Mai fragend in den Stadtplan, welchen sie sich am Eingang des Tores hat geben lassen und stellte fest, dass sie völlig falsch waren. Aber immer, wenn sie etwas sagen wollte, sahen sie ein anderes sehenswertes Gebilde und das lenkte die Chuunin so sehr ab, dass sie schlichtweg vergaß, die richtige Richtung einzuschlagen. Doch am Ende hatte sich der Weg gelohnt: Die Kaisersuite, welche sie spendiert bekamen, war der absolute Wahnsinn! Groß, geräumig, edel eingerichtet und so viel Platz! Ganz zu schweigen von der privaten heißen Quelle! Davon würde Mai mit Sicherheit noch Gebrauch machen. Aber zwei Schlafzimmer? Wie weit musste die Maskerade aufrechterhalten werden? Konnten die Ninja hier privat genug sein, um die Zimmeraufteilung nach Geschlecht und Herkunft zu gestalten? Oder würde das Personal misstrauisch werden, wenn sie sauber machen? Andererseits mussten sie sich ja nicht vor jedem verstecken, oder? Ohne sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, wandte sie sich Shunsui zu, welcher sich nach dem weiteren Vorgehen erkundigte. „Gute Frage, wir könnten uns ein wenig umhören.“, schlug Mai vor, da ihr auf die Schnelle nichts besseres einfiel. Doch bevor sie das tun würde, müsste sie sich umziehen und der Tatsache erfreuen, dass es hier warmes Wasser gab. Die Eisdusche vom Vortrag hatte ihr gereicht, abgesehen davon gab es hier bestimmt diese tollen kleinen Packungen von Hygieneartikeln!

Nach kurzer Zeit und dem warmen Wetter entsprechend gekleidet betrat Mai wieder den Wohnbereich und hielt einen Brief in der Hand. Sie hatte das Schreiben zwischen den frischen Handtüchern entdeckt, jemand musste es dort hinterlassen haben. Der Inhalt war es auf alle Fälle wert, mit den anderen geteilt zu werden. Auf dem weißen Papier stand nicht viel, nur das morgige Datum, eine Adresse und die Uhrzeit, zwei Uhr nachts. Sollte es sich um einen Termin handeln, so würden die Shinobi heute Nacht dorthin aufbrechen müssen. „Seht mal, was zwischen den Handtüchern versteckt war. Das wird kein Zufall gewesen sein, oder?“, fragte Mai in die Runde und gab das Papier weiter. „Wir sollten diesen Ort zur gebenen Zeit aufsuchen, denkt ihr nicht auch? Oder haltet ihr es für eine Falle?“ Und selbst wenn, das Risiko sollte eingegangen werden. Und wer weiß, vielleicht ging diese Nachricht sie auch gar nichts an und es war ein zusammenhangloser Zufall?

Wie dem auch sei, bis dahin war noch einiges an Zeit, schließlich war gerade erst die Mittagszeit vorbei. Zwar war die heiße Quelle und das Ryokan verlockend, aber die Blauhaarige Kunoichi war zu pflichtbewusst, um sich einfach eine Pause einzuräumen. Abgesehen davon könnte sie das Einholen möglicher Informationen mit einem weiteren Stadtbummel verbinden, das war doch auch ganz nett.. Ach verdammt, die heiße Quelle würde ihr schon nicht austrocknen! „Ich würde mich ein wenig in der Stadt umhören, vielleicht erzählen ja ein paar Bewohner von den Ereignissen, ohne dass man großartig nachfragen muss. Irgendjemand muss sich doch äußern, wir sprechen hier ja nicht von einer Reihe Ladendiebstählen.“, schmunzelte sie gegen Ende, um zu unterstreichen, dass die Sache sicher war und sie ihre Maske dafür nicht ablegen müsste. „Möchte jemand mitkommen?“ Es wäre wohl besser, wenn nicht alle auf einmal losgingen, das wäre dann vielleicht doch zu auffällig.

Und so verließ das altbekannte Gespann, bestehend aus Joudan und Mai, das Ryokan. Wie auch schon in Shinkusa schienen sich beide über die Möglichkeit zu freuen, die Mission mit einem kleinen Städtetrip zu verbinden. Chinatsu und Shunsui sollten sich aber nicht zu sehr an die heiße Quelle gewöhnen, denn Mai wollte da auch noch rein heute! Bewaffnet mit ihrem Stadtplan und einem hocherfreuten Lächeln suchten die blauen Augen begeistert die Karte ab. „Auf dem Platz nicht weit von hier findet zweimal wöchentlich ein großer Markt statt!“, gab Mai den Touristen-Tipp des Plans weiter an Joudan. „Und wir haben Glück, heute ist einer der beiden Tage!“, freute sie sich und strahlte den Blonden an, in der Hoffnung, er wäre genauso begeistert davon. Mai dachte über jeden Satz, den sie laut aussprach, nach. Sie wollte nichts sagen, was sie irgendwie als Ninja verraten könnte. „Wenn ich mich richtig erinnere, stehe ich noch in deiner Schuld. Vielleicht kann ich dich heute ja einladen?“, schlug sie Joudan gut gelaunt vor und spielte auf die Dango in Shinkusa an - und auf den alten Mann, welcher ihm das Geld aus der Tasche gezogen hatte. Bei dieser Erinnerung musste sie schmunzeln.

Auf dem Markt herrschte reges Treiben und allgemein gute Stimmung. Es gab sehr viele Stände mit dem verschiedensten Angeboten: Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Geflügel, aber auch Schmuck, Stoffe, Souveniers und anderen Dingen. Der verführerische Duft, welcher in der Luft lag, ließ die beiden Shinobi bereits erahnen, dass es auch warme Gerichte zu kaufen gab. Bei dieser wunderbaren Atmosphäre könnte man beinahe vergessen, dass sich solch schreckliche Dinge hier ereigneten, welche man sich nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen vorzustellen vermag.
 

Kushou Joudan

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"Okay. Der war gut.", gestand Joudan sich ein, als Natsu nach ihrem Konter davonstürmte und der Rest der Truppe langsam folgte. Natsu war, wenn Joudan das richtig einschätzte, in die komplett falsche Richtung unterwegs. Aber vielleicht kannte sie auch eine Abkürzung? Oder Joudan täuschte sich, und nicht Natsu? Wer war der Blondschopf denn, darüber zu urteilen? Wie dem auch sei, Natsu und Shunsui machten sich von dannen und Mai und Joudan folgten ihnen. "Er hat sich ein wenig gemacht, seit befördert wurde.", unterstrich er Mais Anmerkung über Shunsuis verändertes Verhalten. Dem Blondschopf war schon auf dem Job in der Bibliothek aufgefallen, dass sein Blondschopf-Patrner-in-Crime sich anders verhielt, seit dem er die Chuunin-Weste trug. Doch anstatt böse Absichten (oder ehemals böse Absichten) dahinter zu vermuten, freute sich Joudan einfach nur für den Jirokou. In seinen Augen hatte der junge Kerl eine Metamorphose vom schüchternen Schlurfi zum souveränen Spund durchgemacht und das war doch etwas Gutes - oder?
Dann kam Mai auf Joudan zu sprechen. Sie erkenne auch den älteren Blondschopf gar nicht wieder, scherzte sie. Freundlich lächelte er die Blauhaarige als Antwort an, freute sich darüber, dass Mai noch zu Scherzen aufgebracht war, und erwiderte:
"Du bist, zum Glück, noch ganz genau so, wie ich dich in Erinnerung habe." Er drückte ihre Hand ein wenig fester, blickte einen Moment in die sommerhimmelblauen Augen Mais und sah dann dem anderen "Pärchen" hinterher. "Folgen wir den beiden besser. Nicht, dass wir sie noch verlieren.", schlug er vor und beschleunigte seine Schritte ein wenig.

Das Zimmer war schlichtweg phänomenal. Alleine der Name "Kaisersuite" ließ schon einige Hoffnung in Joudan aufkeimen, die aber sogleich wieder übertrumpft wurde. Nach der kalten Dusche am gestrigen Tag würde er irgendwann definitiv in die heiße Quelle steigen, die sich direkt am Zimmer befand. Ein heißes Bad würde all die Gedanken und Erinnerungen wegspülen, die den Blondschopf aus Amegakure gestern noch geplagt hatten. Heute hatte Joudan zum Glück noch nicht genug Zeit gehabt, zur Ruhe zu kommen, denn er fürchtete, dass die Bilder und Sinneseindrücke wieder auf ihn einprasseln würden wie kalter Regen. Also weiter lächeln, reden, Stadt anschauen. Nur nicht zur Ruhe kommen.
Eine andere Sache galt es zu klären, bevor der Plan für das weitere Vorgehen gefasst werden konnte: Die Aufteilung der Schlafzimmer. Auch wenn der Blondschopf kurz mit dem Gedanken spielte, das Aufrechterhalten der Tarnung als Ausrede zu nutzen, sich ein Zimmer mit Mai teilen zu können, ließ er es bleiben. Das war nichts, was Joudan tun würde, dafür war er zu anständig. Shunsui würde vielleicht Verdacht schöpfen.
"Shunsui und ich nehmen das rechte Zimmer.", legte er beiläufig, doch zugleich mit einer unumstößlichen Endgültigkeit, fest, trat in das Zimmer und richtete sich ein wenig ein. Der Gedanke an eine Dusche missfiel ihm, so huschte Joudan in das zweite Badezimmer, rieb sich den Oberkörper mit einem feuchten Lappen ab, ließ sich unter dem Wasserhahn ein wenig Wasser durch die Haare laufen und zog ein frisches Hemd an - das musste für jetzt reichen. Die darauf folgende Gelegenheit, mit Mai ein wenig die Stadt zu erkunden, nahm Joudan nur zu gerne wahr.

"Für Markt bin ich immer zu haben!", gab Joudan ehrlich begeistert zurück. Wie konnte er sich bei diesem Vorhaben nicht an Shinkusa erinnert fühlen? Noch all zu lebhaft hatte er seinen damaligen Ausflug mit Mai im Kopf. Das Dango-Essen, Plaudern am Schmuck-Stand, der geheimnisvolle Alte, es waren ein paar tolle Momente gewesen. Erwartungsvoll malte der Blondschopf sich aus, was dieses Mal denn für Überraschungen auf die beiden warten würden. "Die Dangos hast du beim Schmuckstand als Model abgearbeitet, das Schmiergeld habe ich vom Chef wiederbekommen. Ich würde nicht sagen, dass du in meiner Schuld stehst.", meinte Joudan auf den Vorschlag hin, was zu Essen. "Aber einladen lasse ich mich natürlich trotdem gerne. Dieses Mal darfst du auch aussuchen, was es gibt.", fügte er mit einem Lächeln hinzu.
Der Markt begrüßte Mai und Joudan mit himmlischen Düften, geschäftigem Treiben und duzenden Stimmen, die alle zu seinem unentzifferbaren Brummen verschmolzen. Hier und da brach ein Marktschreier hervor, der seinen besonders frischen Fisch anpries, andere Händler standen vor ihren Ständen, versuchten Kundschaft zu sich zu winken. Der Markt bot sich für einen Bummel all zu sehr an, versprach Kurzweil und Unterhaltung. Während Mai und Joudan mehr oder weniger ziel- und planlos über den Markt flanierten, ließ der Ame-Nin seine Augen über die Stände schweifen. Heute hatte er sich die Aufgabe auferlegt, nicht nur ein Souvinier für Rin zu finden, sondern wollte er auch ein kleines Geschenk für Mai kaufen. Ein Kleinod, das sie bei sich tragen konnte. Das war vielleicht ein wenig kitschig aber... nein. Nein, kein aber. Das war einfach nur kitschig. Doch manchmal durfte es auch kitschig sein, oder? Doch im ersten vorbeigehen fand der Blondschopf nichts, was ihn direkt ansprach.
Geheimnistuerisch griff er Mai plötzlich an die Schulter, platzierte sein Gesicht ein wenig näher an ihrem Ohr.
"Psst!", zischte er sie an, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen (und dabei gleichzeitig auf ihr Treffen im Steingarten anzuspielen) und deutete dann in Richtung eines Standes. "Schau nicht so offensichtlich, aber ich glaube... da gibt es... guten Stoff... wenn du weißt, was ich meine.", sprach er und sah sich dann, gespielt paranoid um. Der Stand war kein geheimer Drogenschieber, sondern handelte tatsächmlich mit Tuchen, Nähwaren und dergleichen. Joudan wollte nur einen kleinen Scherz machen.
Das Bummeln machte zwar Spaß, doch Mai und Joudan waren auch zum Arbeiten hier. An einem Obststand, an dem Joudan nach zwei frischen Äpfeln ausschau hielt, verwickelte er den Verkäufer ein wenig ins Gespräch.
"Irgendwelche Tipps, was man hier machen kann? Also... außer baden?", fragte er und bezahlte die beiden Äpfel mit ein, zwei Münzen zu viel. "Kla', Mann! Wenn ihr schick was phrasen wollt könnt ihr das "Shiroi" abchecken.", erklärte er mit einem schrecklichen Slang. Joudan nickte und sah den Kerl - braungebräunt wie Natsu, hochgewachsen, Arme wie anderer Leute Oberschenkel, tätowiert, freundliche hellblaue Augen, strohblondes Haar - erwartungsvoll an. "Wenn ihr mehr Action wollt, schaut in 'n Royashiki runter. Da kann's aber ziemlich rough werden. Also kein Beef. Sondern... you know..." Der Kerl machte eine unanständige Geste und Joudan runzelte verstört die Stirn. "Nich so? Okay, chill." "Steh'n gerade irgendwelche Events an? Was besoderes, was man nicht jeden Tag sieht?" Nun war es an der Stelle des Obsthändlers, , Joudan fragend anzusehen. Vielleicht hatte der Blonde das Gespräch falsch angefangen, vielleicht wusste der Händler nichts oder er wollte nichts sagen, Joudan kam hier jedenfalls nicht wirklich voran. Er kramte tief in seiner Jugendwortschatzkiste (vielleicht zahlte es sich doch gerade aus, lauter 13-Jährige auf der Akademie gehabt zu haben=, und bohrte noch ein wenig tiefer nach. "Mein Girl und ich, wir haben genug... Trouble. Wir wollen hier maximal chillaxen, kein Drama. Gibt's irgend'ne... Gegend oder so, die wir meiden sollten?" Gut, das mit der Jugendsprache hatte nicht ganz geklappt und Joudans Gestammel war eher beschämend, maximal erheiternd, anzuhören. "Gegend nicht, Digga. Aber, bleibt safe wenn ihr Nachts unterwegs seid." Das war alles, was der Blondschopf herausfinden konnte, denn der Verkäufer widmete sich danach dem nächsten Kunden zu. Joudan reichte einen der saftig-roten Äpfel Mai. "Vorspeise.", kommentierte er den Apfel und machte sich dann weiter auf den Weg.
Ähnliche Gespräche folgten. Joudan schloss aus verschiedenem Geplauder, dass niemand wirklich über die Vorfälle reden wollte, die hier wohl des Nachts geschahen. Nach dem siebten Stand war Joudan bereit, nun das verprochene Mittagessen einzulösen. Er wollte Mai gerade darauf ansprechen, da hörte er laute Trillerpfeifen durch den Lärm. Interessiert nahm er die Blauhaarige an der Hand und bewegte sich in Richtung der Geräuschequelle. Zwei Wächter, ähnlich uniformiert wie die am Tor, stitten mit einer Frau. Sie hatten die Dame an den Oberarmen gepackt und zogen sie vom Markt weg, während die langsam ergrauende Mittdreißigerin lautstark lamentierte:
"Aber es ist doch mein Junge, ihr müsst ihn doch suchen!" Mit offenen Augen und Ohren nickte er Mai zu, deutete in die Richtung, in der die Wächter die Unruhestifterin schleppten, und machte Anstalten, zu folgen.
 
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„Ach du…“ Chinatsu biss sich flink auf die Unterlippe, bevor das letzte unanständige Wort tatsächlich nach außen hatte dringen können und sie einen perplexen Blick von der ordentlichen Mitarbeiterin hätte ertragen müssen. Die Kaisersuite… KAISER! Wie der Name schon hatte vermuten lassen, ließ die Räumlichkeit, in die das Team geführt wurde, nichts vermissen. Die Hasekura blinzelte und wusste gar nicht, auf welche Einrichtungsgegenstände sie zuerst blicken sollte. Im riesigen Wohnbereich zog vor allem die große Sofalandschaft die Aufmerksamkeit auf sich, aber auch der Tisch aus Massivholz mit edlen Stühlen und die große Fensterfront konnten sich sehen lassen. Und Moment. War das da draußen echt eine private heiße Quelle? Privat? Also nur für sie? Das Kinn der Kunoichi klappte unweigerlich nach unten. Nur um das nochmal festzuhalten: Chinatsu kam nun wirklich nicht aus gutem Hause. Die Slums Kumogakures waren früher ihr Zuhause gewesen. Damals war sie froh gewesen, als Kenshin ausgezogen war und sie ein spärlich eingerichtetes Zimmer mit seiner alten, gebrauchten Matratze hatte übernehmen können. Das hier… war Welten von dem entfernt, was die 16-Jährige kannte. Sie war überwältigt und wirklich einen Moment sprachlos, sodass auch sie erst mit Verzögerung bemerkte, dass die Mitarbeiterin geendet und das Team alleine gelassen hatte. Eigentlich fehlten hier nur noch die goldenen Kronleuchter, um das Bild der Kaisersuite abzurunden. Wie die Schlafzimmer wohl aussehen würden? „Oh, umhören klingt doch gut“, stimmte sie Mai geflissentlich zu, nachdem diese ihren Vorschlag für das weitere Vorgehen geäußert hatte. Ein Grinsen stahl sich auf die Lippen der Hasekura, als sie fortfuhr. „Ich höre mich gerne hier im Ryokan um. Vielleicht ist einem der Gäste ja was aufgefallen?“ Oh. Natürlich. Chinatsu hätte sich am liebsten selbst für diesen genialen Einfall auf die Schulter geklopft, aber das wäre dann wohl zu offensichtlich gewesen. Musste ja für das restlichen Team so wirken, als würde sie wirklich nur deswegen hierbleiben wollen. Unauffällig huschte der Blick der gelben Äuglein in Richtung heiße Quelle im Privatgarten. Der Plan ging auf: Während Mai und Joudan anboten, sich in der Stadt umzuhören, konnten Chinatsu und Shunsui im Ryokan bleiben. Yes! Alles lief nach Plan! Nachdem die Zimmeraufteilung ebenfalls geklärt worden war (Chinatsu war das eigentlich ziemlich egal und hätte sich auf so ziemlich jede Option einstellen können) und Joudan sowie Mai sich im jeweiligen Bad hatten zurechtmachen können, hatte das Team sich getrennt. Na, das konnte noch spannend werden!

„Die haben hier wirklich alles, was man braucht!“ Chinatsu hatte sich erst nach Mai ins Bad begeben um sich ihrerseits zu waschen. Nun, einige Zeit später, trat sie einen weiß-blauen Yukata gekleidet zurück in das Wohngemach der Kaisersuite. Natürlich war das Kleidungsstück vom Ryokan gestellt worden, genauso wie die Hausschuhe, in denen die recht kleinen Füße der Kunoichi steckten. Das helle Haar war hochgesteckt und tatsächlich war die Hasekura nach der ordentlichen Reinigung ungeschminkt. Warum? Naja… in einer heißen Quelle würde das Make-Up ohnehin nur verwischen. Ob Shunsui so ein Detail überhaupt auffiel? Über dem Arm trug die Kunoichi ein kleines Waschhandtuch, das sie aus dem Badezimmer mitgenommen hatte. Sie sah zu Shunsui, der ebenfalls wieder im Wohnraum war. Ob er sich zwischendurch ebenfalls frischgemacht hatte? Anstatt mit ihm zu sprechen, ging sie einfach an ihm vorbei, öffnete die Tür zur Terrasse und trat hinaus in den Garten. Draußen angekommen drehte sie sich auf dem Absatz um, dann huschte der Blick der gelben Äuglein um Jirokou und ein wissendes Grinsen zog sich über ihr Gesicht. Du brauchst gar nicht so professionell zu tun. Ich hab deinen Blick vorhin genau gesehen“, begann die Hasekura schließlich das Gespräch und ihre Augen verengten sich etwas, während sie Shunsui herausfordernd ansah. Jaha. Ganz genau. „Wir haben beide doch genau das gleiche Ziel…“, sprach das Mädchen weiter, stellte sich gerade hin. Und dann, einige Sekunden später, wandte sie sich geschwind um und deutete mit dem Zeigefinger zum verführerisch dampfenden Wasser. „Die heiße Quelle, hm? Die wollen wir uns doch nicht entgehen lassen.“ Sie zwinkerte dem Blonden verschwörerisch zu und lachte leise. Sie hatte ihn durchschaut – bestimmt war er auch ganz froh, dass Mai und Joudan die Aufgabe mit dem Umhören in der Stadt übernommen hatten. Er traute sich nur nicht, das so offen auszusprechen, denn das würde seinem eigenen Bild als anständigen, motivierten und engagierten Ninja schaden. Wie gut, dass Chinatsu hier war, um ihm diese schwere Last abzunehmen! „Aber wie machen wir das? Ich mein, die heiße Quelle ist durchaus groß genug für zwei…“, stellte sie im Plauderton in Aussicht. Sie sah zur Quelle, dann zum Blonden. „Und dann könnten wir uns ein wenig unterhalten.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Shunsui genauer. Jetzt, wo sie unter sich waren, blieb dafür mehr Zeit. Ihr Kopf neigte sich etwas zur Seite und das sonst stets vorhandene, amüsierte Funkeln in ihren Augen sowie das Lächeln auf ihren Lippen waren für einen kurzen Moment wie weggeblasen. „Tatsächlich würden mich ein paar Dinge über dich echt brennend interessieren…“ Sie wollte gerade weitersprechen, da horchte das Mädchen plötzlich auf. Waren das Stimmen? Auf der linken Seite des Gartens war eine hölzerne Trennwand, vermutlich lag auf der anderen Seite der Garten der Nachbarsuite. Die Stimmen, die aus besagtem Nachbargarten zu hören waren, schienen zwei Damen zu gehören. „Yua-san. Hier hast du nicht ordentlich geputzt.“ Eine weibliche Stimme, die an eine Frau gewandt sprach. Zwei Mitarbeiterinnen? Ausnahmsweise verhielt Chinatsu sich mal leise. „Entschuldige. Aber weißt du, die Sache geht mir einfach nicht aus dem Kopf, das macht mich ganz verrückt“, erwiderte die zweite Stimme ängstlich – Yua? – und seufzte hörbar. „Dieser Nebel macht mir wirklich Angst. Hast du gehört, dass bei der letzten Nebelnacht Kin verschwunden ist?“ Okay, die Hasekura konnte dem Gespräch nur halb folgen. Wer war bitte Kin? Und welche Nebelnacht? „Was? Kin?“ Die Dame japste und die Kunoichi konnte sich bildlich vorstellen, wie die Unbekannte ihre Hände erschrocken vor den Mund hielt. „Alle drei Nächte dieser Nebel. Und jedes Mal verschlingt dieser Nebel wieder einen geliebten Menschen… wie lange müssen wir das noch aushalten? Ich… ich habe solche Angst.“ Einen Moment kehrte Stille ein. Dann ertönte wieder die zweite Stimme. „Yua, hör zu. Wenn der nächste Nebel kommt, dann versteckst du dich zusammen mit deinen Kindern im Haus. Verbarrikadier die Fenster, das machen wir mittlerweile auch. Bleibt nah beieinander, lasst euch nicht aus den Augen. Bleibt die gesamte Nacht über wach. Und dann… kann euch der Nebel nicht verschlingen, ja? Hauptsache, niemand geht raus!“ Chinatsu hörte ein weinerliches Schluchzen und hoffte, das Gespräch würde noch fortgeführt werden. Doch leider hörte sie Schritte auf Holz und eine Tür, die sich schloss. Waren die beiden Mitarbeiterinnen wieder ins Innere der benachbarten Suite gegangen? Chinatsus Blick huschte zu Shunsui. „Wozu nach Informationen suchen, wenn die Informationen auch zu einem kommen?“ Wieder ihr übliches Grinsen.
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Kaltes Wasser regnete auf Shunsui herab, der regungslos in der Dusche stand, das Gesicht dem Wasser entgegengestreckt. Die Kälte des Wassers brachte das Adrenalin in seinem Körper in Fahrt, doch es war genau das, was er jetzt nötig hatte. Als er fertig mit dem Waschen war, trocknete er sich ab, schaute in den Spiegel und blickte schließlich in goldene Augen. Manchmal erkannte er sich selbst nicht, denn im letzten halben Jahr hatte sein Leben eine Hundertachtzig Grad Drehung gemacht, was sich auch auf sein äußeres Erscheinungsbild auswirkte. Früher hätte er niemals so sorglos während einer Mission geduscht, noch hätte er so agiert wie er es in Anwesenheit der Shiro-Nin getan hatte. Stets wäre er darauf bedacht gewesen, sich möglichst unscheinbar und ungeschickt zu geben. Joudan hatte richtig erkannt, dass der Jirokou seit seiner Beförderung ein wenig stolzer auftrat und dem Kushou auf diese Art und Weise erst bewusst geworden war, über was für einen Körperbau Shunsui in Wirklichkeit verfügte. Durch das frühere Auftreten sowie seine Kleidung, hatte ihm niemand mehr Aufmerksamkeit als nötig geschenkt – das war nun ganz anders. Und doch war er nicht ganz im Reinen mit sich, was ein Gefühl war, dass ihm zutiefst zuwider war. Jahrelang hatte er sich an sein Ziel geklammert und gegen jedwede Wahrscheinlichkeit einen Schritt nach dem anderen gesetzt, obgleich der Erfolg mehr als unwahrscheinlich gewesen war. Heute waren es ganz andere Zweifel, die ihn überkamen: Verdiente er diese Art zu leben? Das Geständnis von Kaya und ihre kalte Schulter, die Zweifel in ihm geweckt hatten. Die Leere in ihm, die nur dann und wann durch Zorn ersetzt wurde… Irgendetwas fehlte, irgendein Antrieb war ihm abhanden gekommen. Shunsui seufzte, wandte den Blick vom Spiegel ab und begann damit, seine Haare zu trocknen. Das war jetzt definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, um sich mit derartigen Fragen zu beschäftigen.

Joudan und Mai hatten sich beide bereits fertig gemacht und freiwillig dafür gemeldet, sich in der Stadt umzuhören, sodass Chinatsu und Shunsui die Aufgabe zuteil wurde, gleiches im Ryokan zu machen. Dank der Sakaida wussten sie auch, dass sie sich spät in der Nacht mit dem Daimyo treffen mussten, weshalb sie bis dahin Zeit hatten, ihren Aufgaben nachzugehen. Vielleicht gelang es ihm ja Natsu loszuschicken, sodass er sich genüsslich ein Bad in der privaten heißen Quelle gönnen konnte? Bei diesem Gedanken huschte ein Grinsen über das Gesicht des jungen Mannes. Das wäre wohl zu viel des Guten, oder etwa nicht? So kam es also, dass der Blondschopf gewaschen – und bereit für die heiße Quelle – aus seinem Zimmer hinaustrat. Hätte Joudan darauf beharrt, sich das Zimmer mit Mai zu teilen, so wäre der Jirokou mit hoher Wahrscheinlichkeit stutzig geworden, denn dieses Verhalten hätte ganz und gar nicht nach dem Kushou geklungen. So aber war das Geheimnis der beiden anderen Ninja noch sicher und weder die weißhaarige Kunoichi, noch er selbst schienen etwas bezüglich der geheimen Beziehung zu ahnen. Der Brillenträger hatte sich ebenfalls mit einem dunkelblauen Yukata eingekleidet, welches ihnen großzügigerweise vom Hotel bereitgestellt wurde, und hatte sich ein Handtuch über die Schulter geworfen. Kaum hatte er auf der Wohnlandschaft Platz genommen, betrat auch schon Natsu den Wohnraum – halb rechnete der Jirokou mit einer dramatischen Ankündigung und Erscheinen, wurde diesbezüglich jedoch leider enttäuscht. Eines musste man der Hasekura lassen, bisher war es mit ihr nicht langweilig geworden. Möglicherweise registrierte der Jirokou ja unterbewusst, dass sie kein Make-Up mehr trug – höchstwahrscheinlich wurde diese Information in seinem Hirn jedoch als uninteressant abgestempelt, weshalb er nichts bemerkte. Die Gute ging wortlos an ihm vorbei, öffnete die Tür in den Garten und trat hinaus. Das führte zu einer erstaunten Reaktion seitens Shunsui. *Geht sie jetzt einfach Baden, ohne sich hier zunächst zu erkundigen?* Okay, damit hatte er nicht gerechnet. Und eigentlich hatte er sie ja losschicken wollen, damit er ein Bad nehmen konnte! So hatte er sie nicht eingeschätzt, wenigstens etwas Pflichtbewusstsein hatte er schon erwartet. Mit einem Mal drehte sie sich um, blickte ihn grinsend an und fing an zu sprechen. Die Augenbrauen des Jirokou gingen bei ihren Worten nach oben … ehe sich ein Grinsen auf seinem Gesicht abbildete. Da hatte sie ihn wirklich durchschaut! „Es gab eine Zeit, da war ich schwieriger zu durchschauen.“, gab er halblaut und mit einem Anflug von Trockenheit von sich, mehr mit sich selbst redend als mit Natsu. Die Gute war nicht auf den Kopf gefallen und merkte an, dass die Quelle ja groß genug für zwei Personen war und sie sich dann in aller Ruhe unterhalten könnten. Der Jirokou blickte bei diesen Worten an ihr vorbei und erblickte besagte heiße Quelle – in der gut und gerne auch alle vier Shinobi Platz gefunden hätten. „Klar, das passt für mich.“, gab er unbeschwert von sich. „Aber vielleicht sollten wir uns auch vorher noch umhören, ehe die anderen zurückkommen und wir nur in der heißen Quelle waren.“, teilte er ihr glucksend mit. Eine gewisse Verantwortung hatte er als Chuunin und Teamleiter schon zu tragen. Überrascht war er jedoch, als sie ihm etwas ernster als bisher mitteilte, dass sie einige Dinge an ihm brennend interessierte. Na das war doch mal eine Wortwahl, die er noch nie in dem Kontext gehört hatte. Früher wäre er bei dieser Aussage vermutlich nervös geworden, aus Angst, seine Tarnung auffliegen zu lassen. Jetzt jedoch war er selbst interessiert an ihren Fragen und nickte ein wenig, um sie zum Weitersprechen zu motivieren.

Dazu kam es fürs Erste jedoch nicht, da sie laute Stimmen aus dem Nachbarsgarten vernahmen. Shunsui legte seinen Zeigefinger auf die Lippen, um der weißhaarigen Kunoichi zu signalisieren, dass sie still sein sollte, doch das machte sie auch ganz gut alleine. Die Beiden wurden Zeuge eines äußerst interessanten Gespräches zweier Putzfrauen, die über die Entführungen sprachen. *Nebel alle drei Nächte, das klingt interessant.* Damit waren sie des Rätsels Lösung einen Schritt näher gekommen. Leider erfuhren sie nicht aus dem Gespräch, wann die nächste dritte Nacht war. „Das war doch mal aufschlussreich. Dann müssten wir nur noch herausfinden, wann die nächste dritte Nacht ist und dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter.“, sprach er laut aus. „Ich würde sagen, dass wir uns nach all der Arbeit auch etwas Entspannung verdient haben.“, stimmte er ihrer Aussage schließlich belustigt zu. Die Chance bestand natürlich, dass Mai und Joudan mehr erfuhren und ersparten ihnen somit den Rundgang im Ryokan. Andernfalls würde er sich kurz zur Rezeption begeben und es in Erfahrung bringen, darüber sollte jeder Bescheid wissen. Der Jirokou erhob sich schließlich von der Sofalandschaft, trat an Natsu vorbei in den Garten und legte Yukata und Brille auf eine in der Nähe befindliche, steinerne Ablage ab. Wo man zuvor lediglich seinen Körperbau hatte schätzen können, da die Kleidung dies für gewöhnlich gut kaschierte und verdeckte, wurde nun das gesamte Bild deutlich. Regelmäßiges und rigoroses hartes Training, dazu ein sehr strikter Ernährungsplan lieferten nun mal ordentliche Ergebnisse ab: Shunsui war jemand, der sein ganzes Leben damit verbracht hatte, für den Nahkampf zu trainieren und sich auf Taijutsu zu spezialisieren. Insofern verfügte er über sehr deutlich definierte Muskelpartien, die jahrelange Arbeit bezeugten – ob Oberkörper, Rücken, Beine oder Arme. Doch das war nicht alles, was für gewöhnlich von der Kleidung verdeckt wurde. Dabei ging es nicht um das Siegel, welches Joudan auf seiner Brust angebracht und in welchem all die medizinische Ausrüstung von ihm versiegelt war, oh nein. Vielmehr handelte es sich um die Tätowierung auf seinem Oberarm, die das Zeichen von Soragakure umgeben von einer brennenden Corona darstellte. Vorsichtig betrat der Jirokou das Wasser, ließ sich darin sinken und seufzte zufrieden aus. „Oh ja, genau das richtige jetzt.“ Die Wärme überkam ihn und spülte für einen Augenblick jegliche Sorgen und negativen Gefühle weg. An die Art zu Reisen konnte er sich wirklich gewöhnen. Das mitgebrachte Handtuch ruhte derweil auf dem Kopf. Schließlich öffnete er wieder die Augen und blickte Natsu aus goldenen Seelenspiegeln heraus an. „Also, dann schieß mal los. Was interessiert dich denn so brennend? Und nein, nicht alle in Soragakure kleiden sich so.“, witzelte er. Gut gelaunt was? Das Wasser hatte nun mal seine Wirkung auf den jungen Mann. Wie es für Natsu wohl war, nun einen brillenlosen Shunsui vor sich zu haben? Sofern sie nicht seine Brille genau unter die Lupe nahm, würde sie auch nicht erkennen, dass es sich dabei um keine richtige Brille handelte und er nicht wirklich über eine Sehschwäche verfügte.
 

Sakaida Mai

Chuunin
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Beeindruckt vom regen Treiben auf dem Markt blickte Mai überall umher, um auch ja nichts zu verpassen. Erst, als Joudan sie an der Schulter griff und ihr näher kam, fokussierte sich die Blauhaarige wieder auf ihre Begleitung. Es gab guten Stoff? Sie wüsste schon, was er meinte? Da hatte er die Rechnung wohl nicht mit Mai gemacht, denn die konnte eine ziemlich lange Leitung haben. Meinte er mit „gutem Stoff“ das Zeug, welches in Mayaku hergestellt wurde, ehe sie den Drogenboss festgenommen hatten? Oder was.. „Oh!“, entkam es Mai im ersten Moment grinsend, als sie den Stand mit den Tüchern endlich erblickte. Der Groschen war gefallen. Ihre deutlich verwirrte Miene wandelte sich in einen ungläubigen Blick um und sie lächelte Joudan schief an. „Du hattest schon bessere.“, tat sie das gespielt cool ab und wandte sich ab, um ohne ihn weiterzugehen. Für einen kurzen Moment ließ sie Joudan einfach stehen, doch dann löste sie das Spiel auf, drehte sich wieder zu ihm und ergriff grinsend seine beiden Hände, um ihn näher an sich heran zu ziehen. Es wäre schön, wenn sie wirklich als Urlauber hier wären.

Am Obststand musste Mai sich ernsthaft konzentrieren, um diesen Verkäufer überhaupt zu verstehen. Sein Slang war enorm, er bediente sich kaum normaler Wörter. Doch die obszöne Geste, welche er machte, als er dieses Etablissement „Royashiki“ näher beschrieb, verstand Mai sehr gut. Unbewusst verzog sie das Gesicht und bekam in der selben Sekunde, wie so oft, vor Scham rote Wangen. Für solch eine Geste hätte ihre Mutter Mai eine Ohrfeige verpasst und er machte es einfach auf offener Straße! Unfasslich, wie unterschiedlich die Menschen sein konnten. Doch noch viel unfasslicher war es, dass Joudan sich eben so dämlich ausdrücken konnte, wie dieser Obstmann. Sie musste sich ein Auflachen verkneifen und sah gespannt zu dem Verkäufer, da der blonde Ame-Nin gezielt nach Events gefragt hatte. Doch er sagte ihnen nur, dass sie nachts safe bleiben sollten, wenn sie unterwegs waren. Hm..

Dankend nahm Mai den Apfel an und war ganz froh darüber, denn die beiden versuchten noch eine ganze Weile, Informationen zu ergattern. Doch die Leute brachen immer ab, wenn es ernst wurde. So, als wollten sie schlichtweg nicht darüber sprechen. Das laute Geräusch einer Trillerpfeife aber lockte die beiden Undercover-Ninja sogleich an. Sie folgten der Geräuschquelle und fanden Wachmänner vor, welche eine Frau festgenommen hatten und vom Platz wegziehen wollten. Joudan machte Anstalten, ihnen zu folgen, doch Mai hielt ihn am Arm fest. „Warte“, murmelte sie und ging näher auf ihn zu, um nicht so laut sprechen zu müssen. „Ich würde auch gerne wissen, was da los ist.. aber das wäre zu auffällig.“ Touristen folgen Wachmännern in aller Regel nicht, wenn diese gerade jemanden festnehmen. Hilfesuchend blickte sich Mai um und erblickte eine andere Frau, welche noch lange mit den Wachmännern zu sprechen versucht hatte, aber dem Geschehen nun machtlos zusah. Mai deutete auf diese und die beiden gingen auf sie zu.

Haben Sie mitbekommen, warum die Frau abgeführt wurde? Wir machen uns Sorgen, sie wirkte so verzweifelt..“, begann Mai und wirkte dabei tatsächlich besorgt. Erst jetzt bemerkte die Blauhaarige, dass die fremde Dame vor Wut zitterte.
Sie hat auch allen Grund dazu, verzweifelt zu sein. Doch statt ihr zu helfen, wird sie festgenommen, damit keiner mitbekommt, was in Yugakure eigentlich los ist! Sie haben Angst, es könnte die Touristen verschrecken.“, knurrte sie regelrecht.
Sofort wurde Mai hellhörig und warf einen kurzen, vielsagenden Blick zu Joudan. Sie wollte aber nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern vorsichtig vorgehen: „Sie bat aber doch ausdrücklich um Hilfe wegen ihres Jungen!“, begann sie.
Pah!“, bluffte die Frau, „Als würde es die interessieren, dass seit Wochen Personen, darunter auch Kinder, entführt werden!
Mai umklammerte Joudans Arm und stellte sich näher zu ihm, um die ängstliche Touristin zu mimen. „Man sagte uns bereits, dass wir nachts besonders gut auf uns aufpassen sollten.
Nachts? Nachts geht man gar nicht mehr aus dem Haus. Es ist zu gefährlich.“ Mit diesen Worten wandte sich die Dame einfach von Joudan und Mai ab und verschwand in der Menge.

Seufzend ließ die blauhaarige Chuunin von dem Shinobi der anderen Fraktion ab und suchte seinen Blickkontakt. „Dieser Daimyō scheint ein richtiges Ekel zu sein.“ Er half seinen Leuten nicht, brachte hunderte von Touristen in Gefahr und verschwieg den Schmerz der Opfer. „Vielleicht könnten wir mit diesen Informationen noch mehr herausfinden? Wer weiß, vielleicht ködert es die Leute ja, wenn wir sie mit den „Gerüchten“ konfrontieren.“, schlug Mai ein wenig hilflos vor, da sie nicht sicher war, was nun am besten wäre.

Doch zunächst war es an der Zeit, endlich ihre Schuld zu begleichen. Natürlich stand sie nicht wirklich in Joudans Schuld, aber sie wollte sich trotzdem gerne revanchieren und ihn einladen. Von weitem lockte ein Stand mit Yakitori. Er bot verschiedenste Sorten der Spieße an, vertrat aber auch die klassische Variante mit Hühnchen. Als Mai sich bei Joudan erkundigt hatte, ob er Lust darauf hätte und sogleich nach seiner gewünschten Art des Spießes gefragt hatte, konnte es auch schon los gehen! Die Bestellung war schnell erledigt und Mai reichte dem Blonden (durchaus ein wenig stolz) das Essen. „Dann sind wir jetzt Quitt!“, kommentierte sie das gut gelaunt. „Ein Glück, sonst hättest du noch Trouble mit deinem Girl gekriegt.“, hing Mai grinsend an.

Nach dem Essen entschieden sich die beiden, den Markt zu verlassen und sich stattdessen noch ein wenig in den Straßen Yugakures umzuhören. Dabei schlugen sie bewusst eine Richtung ein, welche sie in die Wohngebiete der Einwohner führte. Dabei allerdings kamen Mai und Joudan an einem Ort vorbei, welcher der Blauhaarigen sehr bekannt vor kam. Wortlos blieb sie vor einem leeren Grundstück stehen, an welchem jedoch kein Gras gewachsen war. Noch immer waren tatsächlich Bauschutt und dergleichen zu finden. „Hier stand vor wenigen Jahren ein Gasthaus. Ich habe darin gemeinsam mit meinem Team und einer Gefährtin übernachtet.“ Mit Itoe und Kayros, außerdem war da noch Nanami, die Lehrmeisterin Muras, gewesen, welche sie begleitet hatte um ihn endlich wiederzufinden. Mai wusste, dass sie Joudan nichts näheres über diese Mission erzählen durfte. „Allerdings machten wir keinen Urlaub hier und man wurde auf uns aufmerksam. Das Gasthaus wurde nachts in die Luft gesprengt, wir schafften es gerade noch, uns zu retten. Aber nicht unsere Gefährtin.“ Gedankenverloren blickte Mai auf das Grundstück. Das Leben als Shinobi war nicht leicht und stattdessen geprägt von schmerzlichen Verlusten. Ob Joudan diese Erfahrungen auch bereits in seiner beruflichen Laufbahn machen musste? „Lass uns lieber weitergehen, ich mag diesen Ort nicht besonders.“, schlug Mai vor und rang sich zu einem gequälten Lächeln durch.

Je tiefer die beiden in das Wohngebiet vordrangen, desto mehr Fenster und Türen waren mit Holzlatten verbarrikadiert. Anscheinend bereiteten sich die Menschen auf etwas vor. Von weitem erkannte man einen Mann mittleren Alters, welcher gerade Nägel in das Holz schlug, um sein Fenster zu sichern.
 

Kushou Joudan

Chuunin
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Mai und Joudan hatten an einem der unzähligen, kleinen, idyllischen Plätzchen, die Yugakure zu bieten hatte, Rast gemacht, um ihre Fleischspieße zu genießen. Es war ein Springbrunnen, inmitten eines großen Platzes, auf dessen erhöhten Beckenrand die beiden Ninja-Touristen sich gesetzt hatten. Ordentlich bepflanzt- und gepflegte Blumenkübel waren kreisförmig um den Brunnen aufgestellt, aus ihnen untermalten Hortensien und Mädchenaugen die Szenerie. Joudan lächelte, als er die Blumen sah und dabei an Mai und ihn selbst denken musste. "Herzlichen Dank für das Essen, Mai. Ich finde gut, dass wir bisher jedweden Trouble vermeiden konnten.", konterte er.
Mai hatte Joudan kurz zuvor ihre Meinung über den Daimyo verraten und Joudan konnte es der Blauhaarigen nur allzu gut nachempfinden. Während er einer dicken Hummel dabei zusah, wie sie von Blute zu Blüte flog und sich nach dem Nektar sehnte, gab der Blondschopf mit gesunkener Stimme auf seine Meinung kund.
"Ich kann ein Stück weit verstehen, das man versucht, die Geschäfte des Landes normal weiterführen zu wollen...", fing er an und es hörte sich an, als würde er die Vorgehensweise des Daimyos in Schutz nehmen. Doch dem war bei weitem nicht so. Joudan hatte vor wenigen Stunden, als sie in der Schlange vor dem Tor standen und dort das Kind mit dem Fußball getroffen hatten, sein Urteil über den Landesherren gefällt. Indem dieser die Geschehnisse vertuschte, brachte er Menschen - und vor allem auch Kinder - in Gefahr. Das konnte Joudan nicht gutheißen. Kinder sind wichtig. "... aber das geht zu weit. Hoffen wir, dass wir diesem Spuk, der das Land heimsucht, schnellstmöglich ein Ende bereiten können. Nicht für den Daimyo. Für die Leute hier." Joudan ließ von der Hummel ab und blickte zu Mai, die sich ebenso über ihren Fleischspieß hermachte wie Joudan - der Tag war anstrengend gewesen und die Pause mit Stärkung nahmen beide dankbar hin. "Hast du dir Kunoichi-sein so vorgestellt? Ständig tanzt man nach der Pfeife anderer, doch am Ende des Tages hat man hoffentlich etwas Gutes getan." Die sommergrasgrünen Augen Joudans ruhten auf den azurblauen Seelenspiegeln seiner Gefährtin. Die Zeit, die die beiden alleine zusammen verbrachten, konnten sie nutzen, um einander besser kennen zu lernen. Wieder hielt Joudan es für angemessen, ein wenig von sich selbst preiszugeben, um das Gespräch nicht ganz wie ein Verhör wirken zu lassen. "Ich war naiv und blauäugig, als ich beschloss, Shinobi zu werden. Mir geht es nicht darum, Land und Kagen zu dienen. Ich... suche jemanden. Und dieses Leben ist das, was ich ertragen muss, um ihn hoffentlich zu finden.", erklärte der Ame-Nin un hatte seine Worte dabei sehr genau und bewusst gewählt. Direkt danach lehnte er sich mit der Schulter an Mai an und legte seine Schläfe gegen ihren Kopf. "Naiv bin ich immer noch, auch wenn ich manches nicht gutheiße, was dieser... Beruf... einen zu tun zwingt. Aber in Momenten wie diesen ist es durchaus erträglich, nach anderer Leute Pfeife zu tanzen. Das macht die gute Gesellschaft."

Frisch gestärkt und um ein kurzes Gespräch reicher machten Joudan und Mai sich weiter auf die Suche nach verwertbaren Informationen. Bisher hatte das Duo zusätzlich zu den Informationen, die sie ohnehin erhalten hatten, nur eine Sache herausgefunden: Die Entführungen geschahen Nachts. Zum einen war das sehr vage, zum anderen bedeutete es aber auch, dass man sich tagsüber wohl sicher in Yugakure bewegen konnte. Innerlich befürchtete Joudan schon, seinen Schlafrhythmus für diese Mission komplet auf den Kopf stellen zu müssen, tagsüber zu schlafen und nachts auf die Hatz nach Häschern zu gehen. Das war schlecht für die Haut. Doch vielleicht würde auch das Treffen mit der mysteriösen Kontaktperson heute Nacht mehr Informationen bedeuten? Joudan war zur Hälfte in Gedanken versunken, da hiel Mai plötzlich vor einem Grundstück inne, auf dem scheinbar nur Schutt lag.
Mit festem Blick lauschte er Mais "Geschichte". Der Gedankengang, sie in einem brennenden Inferno zu sehen, machte ihn zornig. Ihrem Vorschlag, weiterzugehen, kam Joudan nur gerne nach. Bisher hatte er sich in seinem Leben als Shinobi noch nie richtig in Gefahr fühlen müssen. Doch wusste er genau, dass das nicht immer so sein würde. Er nahm Mais Hand in seine und drückte sie fest, als die beiden sich von den traurigen Überresten des Gasthauses, das dort wie ein Mahnmal zurückgelassen wurde, entfernten. Joudan brauchte ein wenig um Worte zu finden, die dem entsprachen, was er bei Mais Erzählung gefühlt hatte.
"Passen wir besser gut aufeinander auf."
Der Weg der beiden führte sie in ein Wohngebiet, in dem Fenster und Türen mit Brettern vernagelt waren - Ein Anblick, den Joudan bisher nur aus Büchern und Erzählungen kannte.
"Unheimlich...", flüsterte er Mai zu. Das Hämmern eines alten Herren, der gerade die Fenster seines Heim in der hier wohl üblichen Weise verbarrikadierte. "Ein letzter Versuch", dachte Joudan sich und sprach den Herren an. "Hilft das?" Der Mann hielt inne, als er Joudan und Mai bemerkte - wahrscheinlich besser für seine Finger. "Hä?", war als vielsagende Antwort zu hören. "Hilft das gegen die Entführungen?", bohrte Joudan nach. Warum nicht ein wenig direkter versuchen? "Schaden tut's nicht.", entgegnete der Herr und Joudan musste ihm Recht geben. "Scheinen viele hier auch so zu sehen.", stellte der Blondschopf fest und nickte in Richtung eines anderen Gebäudes, bei dem Fenster und Türen bereits derart verrammelt waren, dass er sich kurz fragte, wie die Einwohner denn überhaupt noch ein- und ausgingen: "Hör mal, wer seid ihr eigentlich? Das geht euch doch nix an." Da fing sie wieder an, die alte Leier. Der Mann blockte ab, drehte sich weg und setzte den Nagel wieder an. Doch hier, im beinahe menschenleeren Wohngebiet (irgendwie ironisch...) musste Joudan sich nicht ganz so sehr zurückhalten und ignorierte die Abfuhr des Mannes gekonnt. "Seid Ihr nicht ein wenig spät mit dem verbarrikadieren? Was hat Euch aufgehalten?" Ein langes Seufzen des Mannes. "Mein Weib meinte, dass Holz nicht gegen den Nebel hilft." Gegen den Nebel? Das war neu für Joudan. Doch wollte er sich nicht anmerken lassen, dass er nichts über einen Nebel wusste. "Und was meint Ihr?" "Ich meine, Nebel entführt niemanden. Leute tun das. Und Holz hilft gegen Leute." "Schaden tut's nicht.", pflichtete Joudan ihm bei. "Meine Rede..." "Hat man eigentlich mal jemand der Entführten gefunden?" Joudan blickte den alten Herren interessiert an. "Ihr seid nicht aus der Gegend, oder?" "Wir haben gerade ein wenig das Gefühl, uns den falschen Urlaubsort herausgesucht zu haben...", kommentierte Joudan das entspannt. "Dann haut ab von hier. Yugakure ist nicht sicher. Und nein, aufgetaucht ist noch niemand."

Nach diesem Gespräch hatten Joudan und Mai entschieden, zurück zum Ryokan zu gehen. Sie hatten einiges herausgefunden und der Tag näherte sich auch schon mit großen Schritten dem Abend. Goldenes Licht begleitete sie in der Stunde des Sonnenuntergangs auf ihrem Weg zurück zur Schlafstätte. "Wie es scheint, werden nachts Leute entführt.", fasste Joudan zusammen. "Und wenn das passiert, ist es neblig. Und es tauchen keine... Körper auf." Wahnsinnige Informationsausbeute, die die beiden da gesammelt hatten. Joudans erster Gedankengang war Nanami gewesen. Die kleine Schwertkämpferin hatte auf einer gemeinsamen Mission mit Joudan das Kirigakure no Jutsu verwendet, das einen dichten Nebel aufziehen ließ. Ob hinter der Entführung wohl ein Shinobi aus dem Dorf hinter den Nebeln steckte? Das war noch ein wenig zu spekulativ, um es mit seinen Teamkameraden zu teilen, entschloss Joudan. Er klopfte sicherheitshalber zweimal an, bevor er mit Mai zurück in die Kaisersuite eintrat. In welchem Zustand er Natsu und Shunsui wohl antreffen mochte?

@Hasekura Chinatsu, @Jirokou Shunsui, @Sakaida Mai
 
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Oh, ein bisschen Entspannung klang gut. Natürlich erwiderte Chinatsu das belustigte Grinsen des Jirokou und zwinkerte. Ja, ihr war sofort klar gewesen, dass dieser Typ genauso in diese heiße Quelle wollte wie sie. Und es war eine angenehme Abwechslung, dass er nicht ganz so versteift oder ausschließlich auf den eigentlichen Auftrag fokussiert war wie so manch andere Person. Die Hasekura merkte sofort, dass man mit Shunsui auch ein wenig Spaß haben konnte... Und für Überraschungen war er offensichtlich auch noch gut! Okay, also um das mal klarzustellen: Natsu hatte nicht damit gerechnet, dass der Blonde so offen auf das Angebot eingehen würde, gemeinsam mit ihr in dieser heißen Quelle zu baden. Zumindest eine Spur von… naja, Zurückhaltung? Überraschung? Zumindest eine kurze Verwunderung hatte die 16-Jährige erwartet. Stattdessen stand Shunsui wie selbstverständlich von der Sofalandschaft auf, trat einfach an der Hellhaarigen vorbei in den Garten und legte Yukata sowie Brille ab, bevor er sich selbst langsam in die heiße Quelle setzte. Chinatsu blieb noch einen kurzen Augenblick auf der Stelle stehen, öffnete den Mund einen Spalt breit und versuchte, sich vorzustellen, wie andere ihrer Bekannten auf das offensive Angebot reagiert hätten. Raku? Der hätte vermutlich die Augenbraue angehoben und den Raum verlassen, ohne Natsu eines weiteren Blickes zu würdigen. Yui? Der hätte vermutlich lachend abgewunken, weil er die Origami-Userin eben gut kannte. Rai… wäre mit Sicherheit rot um die Nase geworden, auch wenn Natsu sicher war, dass ihm der Gedanke gut gefallen hätte. Doch das Verhalten von Shunsui passte so gar nicht zu den bisherigen Begegnungen, die das Mädchen gehabt hatte. Irgendwie forderte es sie heraus – oh, aber so einfach kam die Hellhaarige mit Sicherheit nicht an ihre Grenzen. Die Herausforderung nahm sie nur allzu gerne an. Sie schloss den Mund wieder, hob eine Augenbraue an und grinste verschmitzt. Es gab so einige Dinge, die Natsu an Shunsui brennend interessierten. Gerade waren es nur noch mehr Dinge geworden.

So wie es für die Hasekura üblich war, verdrängte sie ganz die Tatsache, dass sie gerade mitten in einer Mission waren, hier Menschen verschwanden und Mai sowie Joudan ausschließlich aus Pflichtbewusstsein heraus in der Stadt unterwegs waren, um weitere Informationen zu sammeln. Sie dachte nicht darüber nach, dass es sinnvollere Dinge gab, um den Auftrag zu erfüllen und Menschenleben zu retten. Stattdessen schritt die Kunoichi nun ihrerseits auf die heiße Quelle zu, entledigte sich noch im Gehen ihres Yukata und stieg dann – als hätte sie es jahrelang geprobt – elegant und mit erhobener Nase in das heiße Wasser der Quelle. Natsu war bei Weitem nicht raffiniert genug, um zu bemerken, dass die Brillengläser des Blonden keine Stärke besaßen. Daher ging sie davon aus, dass Shunsui ohne seine Brille auf der Nase nicht viel sehen konnte. Dass sie mit dieser Vermutung falsch lag, wusste sie nicht – allerdings sei dahingestellt, ob sich etwas an ihrem Verhalten geändert hätte, wenn sie es gewusst hätte. Dazu war die Hellhaarige viel zu stolz. Oder auch dickköpfig… Nachdem sie in das Wasser eingetaucht war, schloss die Hasekura einen Moment die Augen, atmete tief durch und genoss die Wärme, von der sie umgeben war. Dann, plötzlich, öffnete sich eines ihrer gelben Äuglein und sah hinüber zu Shunsui. „Sehr angenehm“, fasste sie zusammen und lächelte. Dann lehnte sie sich zurück, musterte den Sora-Nin vollkommen ungeniert genauer. War sie sonst eine redselige Person, ließ Chinatsu sich nun mehr Zeit und hielt auch die Stille, die sich ausbreitete, gut aus. So wie es ihr auch schon am Abend zuvor aufgefallen war, zeigte sich jetzt nur umso deutlicher der sehr durchtrainierte Körperbau des Jirokou. Da musste mehr als nur ein bisschen Training hinter stecken – es sprach von einer Leidenschaft für das körperliche Training. Hemd, Krawatte und Cardigan allerdings ließen nichts von diesem Körperbau erahnen. Allgemein wirkte Shunsui ohne seine Kleidung und auch ohne die Brille ganz… anders. Von dem Mathematik-Studenten, den Chinatsu am Abend zuvor bei der Gruselvilla angetroffen hatte, war nicht mehr viel übrig. Die Hellhaarige hatte mit Sicherheit keinen überdurchschnittlichen IQ, das war aber auch nicht notwendig, um diese Beobachtungen zu machen und zu hinterfragen. Und als wäre das nicht schon genug, war da eben auch noch ein Tattoo am Oberarm des fremden Ninja aufgetaucht. Das Symbol Soragakures zeugte vielleicht von einer großen Verbundenheit mit seiner Heimat, doch die Hasekura hatte keine Ahnung, wie der brennende Kranz mit einer Verbundenheit zu Soragakure in Einklang gebracht werden sollte. Nach dem Moment der Stille wanderte der Blick des Mädchens zurück, sah dem Gegenüber wieder direkt in die goldgelben Augen – auch wenn sie nicht wusste, ob er das ohne seine Brille überhaupt erkennen konnte. In diesem Typen schlummerte mehr, als der erste Eindruck vermittelte. Und Chinatsu war überzeugt, dass das kein Zufall war – blieb nur die Frage, was genau dort schlummerte. Und warum er sich so gab, wie er es tat. Die 16-Jährige hatte ja keine Ahnung, dass Shunsui sich bis vor kurzem auch noch ganz anders verhalten hatte. Und ehrlich: Wenn sie es gewusst hätte, wäre sie sprachlos gewesen, dass scheinbar niemand dieser Veränderung eine allzu große Bedeutung zumaß. Ernsthaft: Sogar Natsu wurde skeptisch! Natsu. Skeptisch. Da lief doch etwas falsch.

„Hm. Würden sich alle Leute in Sora so kleiden, hätte ich mir ernsthafte Sorgen um den dortigen Modegeschmack gemacht“, nahm sie den Faden des vorherigen Gesprächs wieder auf und schmunzelte amüsiert. Ein Glück, dass sie durch Pakura wusste, dass es auch Sora-Nin gab, die sich normal kleideten. Gerade für Natsu war das ein ziemlich wichtiges Thema. Außerdem glaubte sie kaum, dass ihr Erzeuger – wohlgemerkt ein Sora-Nin – bei ihrer Mutter hätte landen können, wenn er sich so gekleidet hätte. Das wollte die Hasekura zumindest hoffen, zuliebe ihrer Mutter. Oberflächlich blieb die Stimme belustigt, doch bei den folgenden Worten konnte man eine gewisse Ernsthaftigkeit aus dem Unterton doch heraushören. „Deine Klamotten, das ist doch kein Zufall“, fing die 16-Jährige an, ohne den Blick abzuwenden. „Ich glaub dir nicht, dass du die trägst, einfach weil du sie schick findest. Nicht mit diesem Auftreten. Und nicht mit diesem Körperbau darunter.“ Zurückhaltung war keine Stärke des Mädchens und sie sah auch keinen Sinn dahinter, irgendetwas zu verheimlichen. Wenn Chinatsu eines konnte, dann ihre Gedanken direkt und unverblümt zu äußern. „Warum also? Willst du die Leute alle hinters Licht führen? Wenn ja, dann solltest du dein Verhalten entsprechend anpassen, sonst funktioniert das nicht so gut. So hält der Eindruck des strebsamen Nachbarsjungen nicht lange genug.“ Die Hasekura grinste und hatte keine Ahnung, dass Shunsui das bis vor kurzem genauso gemacht hatte. Und sie gerade nur eine merkwürdige Zwischenversion des Jirokou vor sich hatte. Ein bisschen wie einen störrischen Pony, auf den man keine Lust mehr hat, den man sich aber nur langsam herauswachsen lassen kann – irgendwann ist man in diesem Zwischenstadium, in dem der Pony einerseits da ist, andererseits aber auch nicht mehr. Und dann muss man sich entscheiden, ob man die Zwischenphase durchhält oder doch einknickt und den Pony wieder auf die ursprüngliche Länge stutzt. Einfach, weil man es gewohnt ist. Und man die Geduld nicht mehr aufbringen möchte. „Ich meine, ich gebe zu: Dieses direkte, unverblümte Verhalten von dir hat durch Cardigan und Hemd deutlich mehr mein Interesse geweckt, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. Aber ich glaube dir irgendwie nicht, dass du das Zeug nur trägst, um mehr Interesse bei einer Dame zu wecken.“ Die rechte Hand wanderte aus dem warmen Wasser, legte sich nachdenklich ans Kinn Chinatsus und nach einem Moment grinste sie wieder. „Korrigier mich, falls ich falschliegen sollte.“ Die Finger lösten sich vom Kinn, stattdessen deutete die Hasekura im nächsten Augenblick in Richtung Shunsui. Genauer: Auf das, was von seinem Oberarm außerhalb des heißen Wassers zu erkennen war. „Und was hat es mit dem Tattoo auf sich? Ich habe es vorhin nur kurz gesehen… aber es wirkte auf mich wie ein Tattoo, zu dem du etwas erzählen könntest. Und zwar mehr, als nur das Ergebnis einer verlorenen Wette.“ Chinatsu kicherte. Ja, die heiße Quelle hob auch ihre Laune ungemein an. Umso weniger ahnte sie, dass Joudan und Mai sich bereits auf dem Rückweg befanden. Wie das wohl ausging?
 

Jirokou Shunsui

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Dass Shunsui ein gänzlich anderes Verhalten an den Tag legte als die in etwa gleichaltrigen, männlichen Bekannten von Natsu, hatte mehrere Gründe. Sicher, der Jirokou hatte durch all die schlimmen Erfahrungen in seinem Leben frühzeitig an Reife gewonnen und war Gleichaltrigen wahrscheinlich um ein ganzes Stück voraus. Aber das lag nicht nur daran, oh nein – Shunsui war auch kein unberührtes und unbeschriebenes Blatt was das weibliche Geschlecht anging. Aus diesem Grund war er auch relativ entspannt und wusste sich entsprechend zu verhalten. Doch Erlebnisse und Erfahrungen hin und her, das bedeutete noch lange nicht, dass ihn alles kalt ließ – ganz im Gegenteil. Als Natsu schließlich die heiße Quelle betrat, hoben sich seine Augenbrauen dabei unmerklich an, denn das war kein Anblick, den man alle Tage zu Gesicht bekam. Ob sie ihren Eintritt in die Quelle wohl anders gehandhabt hätte, wenn er seine Brille getragen hätte? Die meisten Leute gingen davon aus, dass er die Brille aufgrund einer Sehschwäche trug, doch das war nicht der Fall. Jedenfalls wurde der Mund des jungen Mannes etwas trocken. Er kannte die junge Frau lediglich seit dem gestrigen Abend, doch vermochte sie es immer wieder aufs Neuste, ihn zu überraschen. Zugegeben, ein kleiner Teil von ihm hatte vermutet, dass die junge Frau ihn lediglich testete und keinesfalls die Quelle betreten würde, sofern er sich darin befinden sollte. Andererseits hatte sie bereits mehrfach bewiesen, dass sie nicht nur große Töne spucken konnte, sondern Worten auch Taten folgen ließ. Genau wie der Blondschopf, schien auch die weißhaarige Kunoichi die Quelle zu genießen und gab dies auch zum Ausdruck. Nach einigen Sekunden fixierte sie ihn mit ihren gelben Augen und musterte ihn eindrücklich. Unwillkürlich fragte sich der Blondschopf, was ihr wohl durch den Kopf ging, während er den Blick hielt und erwiderte. Was würde sie ihn wohl fragen? Bisher hatte sie sich als wirklich gewitzt erwiesen, weshalb der Jirokou wirklich gespannt auf das kommende Gespräch war. Die Aussage des Modegeschmacks in Soragakure beantwortete er mit einem belustigten Glucksen. *Wenn sie wüsste, bei welchem Schneide ich ein- und ausgehe.* Oh ja, den Schneider hatte er dank Joudan gefunden, der ihn vorgestellt hatte. Extravaganz war dort wirklich eine Untertreibung.

Gebannt ruhten die goldenen Seelenspiegel auf der jungen Frau. Gespannt lauschte Shunsui ihren Worten, ohne irgendeine Gefühlsregung zu zeigen, sodass man ganz und gar nicht erkennen konnte, was ihm bei ihren Worten wohl durch den Kopf ging. Dass es seine Kleidung war, die Aufsehen und Interesse erregte, hätte er sich denken können. Wo er sie früher dazu genutzt hatte, möglichst unscheinbar zu wirken, standen sie nun in krassem Kontrast zu seinem jetzigen Auftreten. Vorbei waren die Zeiten der gebückten Haltung, des ausweichenden Blickes. Selbstsicher, ja ein Hauch von Stolz hatte sich nun in seinen Schritt gemischt. Hätte die Gute nur geahnt, wie richtig sie mit ihrer Vermutung noch vor einigen Monaten gelegen hätte. Höchstwahrscheinlich hätte sie ihn wirklich nicht wieder erkannt. Gelinde überrascht nahm er zur Kenntnis, dass er sich über ihr Interesse an ihm freute. Das würde ja noch interessant werden! „Du bist echt ziemlich direkt.“, sagte er mit einem neutralen Ton und gab sich größte Mühe, dass sein Gesichtsausdruck nicht zu deuten und seine inneren Gedankengänge preisgaben. Empfand er dies nun als positiv oder negativ? Das folgende Grinsen, welches sich auf seinem Gesicht abbildete, war Natsu sicherlich Antwort genug. „Das gefällt mir.“ Bis dato war ihm noch keine solche Person unter die Augen gekommen, die einfach direkt äußerte, was ihr durch den Kopf ging und dabei keinerlei Blatt vor den Mund nahm. Mehr noch, sie traf mit ihren Fragen ziemlich viele wunde Punkte, nämlich genau jene, weswegen er gerade mit seiner neuen Rolle in seinem Leben haderte. Wie viel sollte er ihr erzählen? Und noch wichtiger, wie viel wollte er ihr auch erzählen? In ihm herrschten nach wie vor Ängste und Zweifel vor der Reaktion Joudans, sollte dieser die Wahrheit über seine Vergangenheit und seinen Wandel erfahren. Würde er sich von ihm abwenden? Würde er sich verraten fühlen? Das wusste konnte Shunsui nicht wirklich sagen. Schließlich legte er den Kopf schief und fixierte nun die gelben Augen der Kunoichi mit seinen eigenen goldenen Seelenspiegeln. „Meine Kleidung also…“, begann er seine Erzählung. „Ich habe sie mein ganzes Leben lang getragen, ehe es sich kürzlich ziemlich veränderte.“ Diese Aussage entsprach der Wahrheit, klang aber noch ziemlich vage, sodass man durchaus interpretieren konnte, dass die Beförderung zum Chuunin Grund für den Wandel war. Das war es doch, was der Kushou zumindest über ihn dachte. „Ich trage sie noch, da es mich an die damalige Zeit erinnert und ich mich darin wohl fühle.“ Wo vorher noch viel Witz, Glucksen und Leichtigkeit geherrscht hatte, war es ein ziemlich ernstes Gespräch geworden. Zeit die Stimmung ein wenig zu lockern. „Es muss ja nicht jeder sofort wissen, was sich darunter befindet, oder?“, sagte er augenzwinkernd und griff die Worten der jungen Frau bezüglich seines Körperbaus auf. Oh ja, ihm war nicht entgangen, dass diesem Fakt eine gewisse Wichtigkeit zuteil wurde. Und er ziemlich stolz auf seinen Körper, den er jahrelang gestählt hatte. Der Jirokou selbst kannte sich sehr gut mit Schmeichelei aus, denn er hatte es oft genug selbst gemacht, doch war er keinesfalls immun dagegen. „Außerdem ist es praktisch, um nicht sofort als Shinobi erkannt zu werden.“, schloss er nun die Erzählung ab. Ob der weißhaarigen Kunoichi diese Antwort ausreichen würde? Getrost konnte man sich als dem nächsten Thema zuwenden: Das Tattoo, welches seinen Oberarm zeichnete. Shunsui hob den rechten Arm ein wenig an und schaute sich die Tättowierung an, ehe er den Blick zurück auf die junge Frau richtete. „Da steckt tatsächlich eine interessante Geschichte dahinter, das hast du gut erkannt.“, begann Shunsui in einem Plauderton und nickte bestätigend. „Lass es mich so sagen, sie dient mit als Erinnerung an etwas, dass ich hinter mich gelassen habe. Aber um dir die ganze Geschichte zu erzählen … kennen wir uns noch nicht gut genug.“, gab der Jirokou nach einer kurzen Pause schelmisch von sich. „Vielleicht kreuzen sich unsere Wege irgendwann nochmal und ich erzähle es dir dann.“, gab er mit einem schiefen Grinsen von sich. Da musste sich die Gute leider ein wenig gedulden. „Aber mich würde auch etwas an dir interessieren.“ Dabei richtete sich der junge Mann auf und beugte sich etwas vor. „Für gewöhnlich spucken die Leute große Töne und sobald sie die erfüllen müssen, kuschen sie. Du aber nicht.“, stellte er fest. „Ich hätte nicht gedacht, dass du sofort so gut schauspielerst. Oder ein Bad mit einem Fremden nimmst. Was versteckt sich noch dahinter?“, erkundigte er sich interessiert und zeigte auf das Haupt der jungen Frau.

Die Hitze der heißen Quelle und das Gespräch hatten den jungen Mann doch recht durstig gemacht. Der Jirokou schaute sich um, doch von einem Getränk war weit und breit nichts zu sehen. Hatte er nicht vorhin im Wohnzimmer mehrere Flaschen Wasser und Gläser gesehen? „So langsam bekomme ich etwas Durst, du sicher auch? Ich hole uns am Besten schnell was ... aber nicht gucken, ja?“, gab er mit einem trockenen und provokanten Ton von sich und erhob sich schließlich aus der heißen Quelle. Das bereute der Blondschopf sogleich, als ein laues Lüftchen wehte und ihm einen kalten Schauer über den Körper jagte. Schnell etwas zu trinken besorgen, dann konnte er zurück in die heiße Quelle und die Wärme erneut genießen. Schnell schnappte er sich das Handtuch und band es sich um, ehe er jedoch barfuß die große Kaisersuite erneut betrat. Das Wasser tropfte von seinen Haaren und seinem Körper auf den Boden und hinterließen eine deutliche Spur, von wo er gerade gekommen war. Wie zuvor vermutet, erblickte er sogleich in der Nähe des Eingangsbereich einen kleinen Tisch mit mehreren Getränken und Gläsern. *Bingo!* Als er jedoch gerade eine Flasche nehmen wollte passierten zwei Dinge in Folge: Zunächst löste sich das Handtuch und fiel zu Boden. Ehe der Jirokou sich bücken konnte, um es aufzuheben, klopfte es zwei Mal an der Tür und er erschrak, da ihn nichts mehr bedeckte. Seine Sinne waren durch das heiße Wasser und die Entspannung noch relativ eingeschlafen, weshalb er dadurch und durch die feuchten Füße das Gleichgewicht verlor und sich in einer hektischen Bewegung voll auf die, nun ja, Schnauze legte. In diesem Augenblick ging die Tür auf und offenbarten Mai und Joudan, die im Türrahmen standen, einen perfekten Ausblick auf das Wohnzimmer der Kaisersuite. Und natürlich den perfekten Blick auf den vor ihnen liegenden Shunsui. Was die Beiden beim Anblick des wohl schönsten Hintern Soragakures zu sagen hatten?

@Sakaida Mai @Kushou Joudan @Hasekura Chinatsu
 
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Sakaida Mai

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Ob sie sich das Dasein als Kunoichi so vorgestellt hatte? Fragend blickte Mai zu Joudan, während sie ihres Weges gingen. Der blonde Shinobi erläuterte zum Glück zunächst seinen Standpunkt, denn so konnte Mai sich die Frage noch einen Moment länger durch den Kopf gehen lassen. Doch blieb sie an seinen Beweggründen hängen. Er suchte nach jemandem? Wer das wohl sein mag? Vielleicht würde sie zu einem späteren Zeitpunkt danach fragen. Es war ganz schön mutig, so offen darüber zu sprechen, in erster Linie nicht dem Kage des eigenen Landes dienen zu wollen. Joudan schien unter dem Dasein als Shinobi zu leiden.. ob es ein Unterschied war, in Soragakure diesem Beruf nachzugehen? Das versteckte Kompliment nahm Mai mit einem glücklichen Lächeln an, ehe es kurz still zwischen ihnen wurde. Wen auch immer der Blonde aus Amegakure suchte, diese Person musste über alle Maßen wichtig sein, wenn Joudan nur deswegen diesen harten Weg eingeschlagen hatte. „Ich wünsche dir wirklich, dass du Erfolg haben wirst.“, versicherte sie ihm lächelnd. Leider war der Zeitpunkt nicht günstig, weswegen sie nicht weiter nachfragen konnte. Das war wohl der Fluch der beiden.. ungünstige Zeitpunkte. Missionen.. mal als Partner, mal als Gegner. Diesen Gedanken schnell wieder abschüttelnd, wollte Mai auf die Frage Joudans zurückkommen. Wie aber sollte sie bei ihrer Ausführung beginnen? „Naiv war ich wohl auch. Und dumm.. Ich war so besessen von der Idee, mich in Shirogakure zur Kunoichi ausbilden zu lassen, dass ich meine Familie einfach verlassen habe. Ich wollte Abenteuer erleben und Spaß haben.“ Ja, sie war ein dummes, verwöhntes und selbstverliebtes Kind gewesen. Über sich selbst den Kopf schüttelnd fuhr Mai nach einer kurzen Pause fort: „Es hat lange gedauert, bis ich verstand, was eigentlich meine Aufgabe ist. Dass man ständig Gefahr läuft, seine Liebsten zu verlieren.. das muss man wohl am eigenen Leib erfahren, bevor man es glaubt.“ Aber Mai vertraute ihrem Kage und dessen Entscheidungen. Es war ihr eine Ehre, in seinem Namen Aufträge zu erfüllen.

Der Mann, welcher sein Haus verbarrikadierte, erzählte Joudan und Mai nicht allzu viel und davon auch nichts Neues. Irgendwie war das ziemlich deprimierend. Nicht nur das Oberhaupt Yugakures wollte dicht halten, allen Anschein nach auch die Leute - wenn auch aus Angst. „Immerhin wissen wir, dass wir nachts bei aufkommenden Nebel auf die Entführer treffen könnten“, seufzte Mai und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Vielleicht haben Shunsui und Chinatsu ja mehr herausfinden können.

Somit neigte sich die traute Zweisamkeit dem Ende und die beiden jungen Leute standen vor ihrem Luxusquartier. Zwar klopfte Joudan an, um die Rückkehr beider anzukündigen, doch dann betraten die Shinobi nichts Böses ahnend die Suite. Von da an dauerte es nur wenige Sekunden, bis Mai entgeistert den nackten Shunsui auf den Fließen entdeckte. Als wäre er ausgerutscht, lag er mit dem Bauch voraus auf dem Boden. Er hatte aber ein Handtuch bei sich, um sich zu bedecken. Blöd nur, dass das Teil einige Meter von ihm entfernt lag. Somit gab er seinen nackten Hintern preis. Unzensiert, nass und .. einfach nur heftig. Natürlich dauerte diese Erkenntnis nur wenige Sekunden, sodass Mai kurz nach Betreten des Raumes bereits ein lautes: „Oh Gott!“, von sich gab, sich schlagartig um hundertachtzig Grad drehte und die Hände wie Scheuklappen vor die Augen hielt. „Was..?! Was..?! Was ist bloß los mit dir?!“, gab Mai halb außer sich, halb abgestoßen von sich. Sie hatte viele Fragen, doch diese eine musste reichen. Als Shunsui sich endlich bedeckt hatte, ging Mai wortlos und - sicherheitshalber - ohne ihn noch einmal anzusehen, an ihm vorbei. Da Chinatsu noch auf Höhe der heißen Quelle war, bildete sich ein weiteres Fragezeichen im Kopf der Blauhaarigen. Sie kannten einander gerade einmal einen Tag und saßen schon, allen Anschein nach nackt, in einer heißen Quelle? Sicher konnte Mai das natürlich nicht sagen. Aber es erweckte durchaus ein wenig den Anschein. Puh! Sie wandte sich erstmals wieder an Shunsui und blickte ein wenig verstimmt drein. „Habt ihr eigentlich-“ „-irgendwas in Bezug auf den Auftrag erledigt?“ Zwar kam ihr der Anfang des Satzes über die Lippen, den Rest aber behielt sie für sich. Sie hatte keine Lust, die Rolle der Spielverderberin einzunehmen. Sie war ja auch auf ihre Kosten gekommen in den letzten Stunden, aber dennoch hatte sie den Fokus nicht aus den Augen verloren. Ihr Blick richtete sich für einen kurzen Moment zu Joudan. Wie er die Situation wohl beurteilte?

Für Mai war Yugakure ein Haifischbecken, noch dazu hatte sie schlechte Erfahrungen hier gemacht. Seit sie wusste, dass es in das Reich des heißen Wassers ging, fühlte sie sich extrem unwohl. Dass die Kollegen ihre Sorgen und Nöte nicht genauso nachempfanden, wusste sie. Aber dennoch merkte die Blauhaarige, dass das nicht spurlos an ihr vorüber ging. „Wir sollten der Botschaft nachkommen und heute Nacht den Ort aufsuchen, welcher notiert wurde. Um auch pünktlich dort zu erscheinen, dürften wir spätestens um zwanzig vor zwei aufbrechen.“, sprach Mai in die Runde. So wie im Moment sah man die Kumo-Nin nicht oft, schließlich war sie stets von sehr freundlicher Natur. Aber im Moment wusste sie nicht damit umzugehen, dass zwei der Gruppe sich wohl in der heißen Quelle entspannt hatten, während die Menschen hier ihre Häuser aus Angst verbarrikadierten. Natürlich wollte Mai Shunsui und Chinatsu nicht zu Unrecht verurteilen, weswegen sie es damit auch gut sein ließ. Bissige Kommentare waren nicht ihr Stil, daher verabschiedete Mai sich aufs Zimmer und schlüpfte in ihre Schlafklamotten. Es war ihre Art damit umzugehen, indem sie sich fürs Erste von der Gruppe abspaltete. Sie war zwar noch nicht müde, aber sie sollte die verbleibenden Stunden versuchen mit Schlaf zu füllen. Wer weiß, wofür sie ihre Kräfte noch brauchen würde?

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Tatsächlich war es Mai gelungen, noch ein paar Stunden zu schlafen, ehe sie sich aus der Decke schälte. Da sie annahm, dass Chinatsu ebenfalls im Zimmer war, schlich die Blauhaarige durch den dunklen Raum ins Bad und ging danach zur Eingangstür der Kaisersuite. Es war erst kurz nach halb zwei, weswegen sie noch einen Moment auf einem der teuren Luxussessel Platz nahm. Ob alle Shinobi mitkommen würden? Oder kämen sie nicht aus ihren Betten?

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Kushou Joudan

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Als Joudan die Tür zur Suite der Vier Ninja öffnete, lag Shunsui vor ihm auf dem Boden. nackt. Mai wandte den Blick ab doch Joudans Reaktion war eine andere. Er griff sich an den linken Unterarm und entsiegelte ein Kunai daraus, während seine grünen Augen den Raum absuchten. Mais Erzählung, wie man sie auf einer früheren Mission in der Herberge töten wollte, waren ihm nun deutlich in den Gedanken. Waren sie etwa schon aufgeflogen? Doch dann rührte Shunsui sich und stand, ein wenig ächzend, auf. Das war dann der Moment, an dem dann Joudan auch die Augen auf etwas anderes fokussierte. Den Boden. Das war gut. Scheinbar schien es Shunsui gut zu gehen.
Der Schreck steckte Joudan tiefer in den Gliedern als der Anblick des wohlgeformten Apfelpopos Shunsuis, doch nachdem dem Kushou klargeworden war, dass hier keine wirkliche Gefahr im Verzug war, drohte der eine Gedankenfetzen den anderen zu überwiegen. Joudan schüttelte den Kopf, doch das Bild darin ließ sich nicht vertreiben. Ob... ob Mai das wohl auch ähnlich...deutlich gesehen hatte? Irgendwie war Joudan ärgerlich auf Shunsui, auch wenn er sich in einem rationalen Winkel seines Gehirns deutlich bewusst war, dass diese Situation wohl definitiv nicht von Shunsui geplant war.
"Alles klar..?", fragte Joudan wortkarg und mied es noch immer, in Shunsuis Richtung zu blicken. Als eine positive Nachricht kam, schlug der Ältere der beiden Blondschöpfe einfach die Türe zu, verbarrikadierte damit die Sicht zwischen ihm und dem, was im Zimmer vor sich ging. "Unfasslich...", seufzte er zu sich selbst aus. Er hatte schon genug gesehen. Mehr als genug.
Geduldig gab Joudan Shunsui und auch Chinatsu genügend Zeit, sich irgendwie zu bekleiden oder zu bedecken, bevor er die Türe wieder öffnete und eintrat. Mai schien die Situation - verständlicherweise - nicht ganz so gut aufgefasst zu haben. Wenn man bedachte, was ihr hier schon widerfahren war, war es nur nachvollziehbar, dass die Sakaida wohl nun ein wenig sauer auf Shunsui und Natsu war. Die beiden wahren achtlos gewesen und das gefiel Mai wohl nicht, schlussfolgerte der Händlersspross aus dem schnellen Abgang seiner blauhaarigen Gefährtin. Irgendwie drückte das die Stimmung Joudans nur weiter. Er fand seinen Weg zu Natsu und Shunsui und berichtete ihnen knapp, was er zusammen mit Mai herausgefunden hatte.
"Es scheint, als würden die Entführungen nur nachts stattfinden und von einem Nebel begleitet werden. Der Daimyo lässt Leute, die über dieses Thema parlieren, festsetzen, weshalb unser Aufklärungsgang nicht mehr Informationen zu Tage förderte.", fasste Joudan zusammen. Dann fasste er sich ein herz und teilte seine Vermutung doch mit seinen Teamkameraden. "Für diese These habe ich keine Beweise, aber vielleicht handelt es sich bei der Entführung um Ninja aus dem Wasserreich. Eine Gefährtin meinerseits aus dem Nebeldorf vermag es, mit einem Jutsu Nebelschwaden heraufziehen zu lassen. Das war die erste Assoziation, die ich zog, als mir ein Einwohner vom 'Nebel, der die Leute holt' erzählte." Der Blondschopf tauschte sich noch kurz mit Shunsui und Natsu aus, um in Erfahrung zu bringen, was die beiden herausgefunden hatten, dann wollte er noch eine Kleinigkeit erledigen: "Ich werde noch schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen gehen, hier in der Nähe gibt es einen Laden." Und damit verabschiedete Joudan sich und kam etwa eine halbe Stunde später wieder zurück. In einer großen Papiertüte hatte er ein Küchenmesserset, eine Schere, zwei große Knäule mit Paketband, Nähzeug, zwei Lederhandtaschen, einen Notizblock und ein wenig frisches Obst dabei. Das Obst stellte er auf einen Tisch in der Suite, bediente sich mit einem Apfel und verzog sich dann in einen ruhigen Teil der Suite.
Aus den Lederhandtaschen nähte er rudimentäre Holster für die Küchenmesser, sodass er sie sich in die Manteltaschen stecken konnte, ohne dabei das Futter des Kleidungsstückes zu ruinieren. Das Paketband schnitt er sich in ähnlich lange Stücke, wie er sonst seine Drahtseile bei sich trug, und knüpfte sie an die Griffe der Messer. Zuletzt nutzte er das
Fuuin: Bakudan shīru und stellte drei Bombensiegel her. Wenn er es wirklich mit Ninja zu tun haben würde, dann war er lieber schlecht ausgerüstet als gar nicht.

So kam es, dass Joudan nur zwei, drei Stunden Schlaf fand, bevor ihn das allgemeine Treiben in der Suite, als die anderen Dreie langsam aufstanden, ihn Weckte. Ein wenig Schlaftrunken stieg Joudan aus dem Bett, brachte seinen Körper und seinen Geist mit etwas kaltem Wasser, das er sich über dem Waschbecken ins Gesicht spritzte, auf Trab, bevor er sich in Missionsschale schmiss. Im Badezimmer, wo er ungestört war, entsiegelte Joudan seinen kleinen hölzernen Schatz und verbarg ihn in der Manteltasche, sowie den Teleskopkampfstab, der an einem Magnet an seinem Gürtel befestigt wurde. Stattdessen versiegelte er zwei Rauchbomben in seinen Oberarmen, eher er den Mantel darüberzog. Damit war Joudan bereit.

Der Weg zum Treffpunkt war - wie Joudan schon vermutet hatte, unspektakulär. Die Einwohner Yugakures wussten nur zu gut, dass man bei Nacht nicht auf die Straße ging, entsprechend glich das ehemalige Ninjadorf mehr einer Geisterstadt. Ein kalter Wind zog durch die Straßen und Häuserkluften, zerrte an Klamotten und erfüllte Joudan mit Kälte. Es lag etwas Bedrohliches in der Luft. So blieb Joudan, wie die drei anderen vermutlich auch, aufmerksam.
Das Ziel der Reise war eim unscheinbares Wohnhaus, gar nicht weit abseits der Stelle, an der Mai und Joudan zuvor mit dem alten Herren gesprochen hatten, der sein Fenster verbarikadiert hatte. Hoffentlich würden er und seine Familie diese Nacht überstehen, dachte sich der Kushou, bevor er den Treffpunkt inspizierte. Es war ein kleines Häuschen, einstöckig. Die Fenster waren ebenso verriegelt wie anderswo, doch wie Blut aus einer Wunde brach oranges Kerzenlicht durch einen schmalen Spalt an der Tür. Sie war offensichtlich nur angelehnt.
Joudan signalisierte, dass er vorausgehen würde. Er machte sich bereit, auf einen Angriff zu reagieren, stellte sich neben den Türrahmen und drückte die Eingangstüre nach innen auf. Kein Pfeilhagel oder dergleichen schoss aus der Türe, es schien sofern sicher zu sein. Also war Joudan einen Blick hinein. Es warteten drei Personen innen: Zwei davon waren ganz offensichtlich Leibwächter. Sie trugen moderate Lederrüstungen und Helme, trugen kurze Schwerter an der Hüfte und hielten einen Speer in der Hand. Die dritte Person war ein Herr mit leicht ergrauendem Haar, faltigen Gesichtszügen, einer gesunden Statur und Gewandung, von der selbst Joudan träumte. Er hatte das Gesicht des Herren ab und zu in den Zeitschriften oder im Fernsehn gesehen - Es war der Daimyo des Reiches höchstpersönlich, der Auftraggeber. Erleichtert winkte Joudan seinen drei Kameraden zu und zu viert betraten sie den Raum, schlossen die Türe hinter sich.
Davon ausgehend, wie der Daimyo bisher mit der Situation umgegangen war, hatte Joudan nicht sonderlich viel für den Herrscher des Reichs des heißen Wassers übrig. Und auch seine erste Frage:
"Wie, ihr habt ihn noch nicht dabei?" ließ den Daimyo nicht wirklich sympathischer wirken. "Wir haben Ihren Sohn noch nicht gefunden, verehrter Daimyo. Schließlich sind wir erst einen..." "Ausreden!", schnitt der Herrscher Joudan das Wort ab. Das war nicht sonderlich höflich gewesen. "Dann berichtet wenigstens rasch von euren Erfolgen.", forderte der Herr und Joudan fiel auf, dass der Daimyo etwas hektisch wirkte. Er hatte es wohl auch eilig, wieder in Sicherheit zu kommen. Oder etwas anderes bereitete dem Herrscher des Reiches sorgen.

Fuuin: Bakudan shīru (Versiegelungskunst: Bombensiegel)

Element:
Keines
Typ: Ninjutsu
Rang: C
Chakrakosten: D pro Siegel
Reichweite: Direkt beim Anwender

Voraussetzung: Chakrakontrolle Stufe 4, Chakramenge Stufe 2, Shīru no āto

Beschreibung:
Mit diesem Jutsu kann der Anwender mit einem Stück Papier eigene Bombensiegel erstellen. Nachdem die nötigen Siegel aufgezeichnet wurden, kann mit wenigen Fingerzeichen das Bombensiegel funktionstüchtig gemacht werden. Erfahrene Siegel-User kombinieren dieses Jutsu auch mit andere Effekten als einfache Explosionen. So könnte auch Rauch aus den Siegeln erscheinen oder ein Kunai hervorschießen. Da die Zeichnung des Siegels allerdings Konzentration und Zeit benötigt, ist das Jutsu direkt im Kampf unnütz. Außerdem können Fuuin-Nutzer, deren Chakrakontrolle drei Stufen über der des Anwenders liegt, die Siegel ebenfalls aktivieren.

Chakrakontrolle Stufe 5: Nun hat man die Möglichkeit, neben einfachen Explosionen auch Rauch aus den Siegeln entstehen zu lassen. Hierbei entsteht die Menge, die auch eine Rauchgranate erzeugen würde.

Chakrakontrolle Stufe 6: Die Chakrakontrolle ist soweit ausgereift, dass der Fuuin-Nutzer Waffen – beispielsweise Kunai – versiegeln kann, die bei Aktivierung in einer vorher bestimmten Richtung aus dem Siegel hervorschießen. Pro Siegel kann nur eine Waffe versiegelt werden.

@Hasekura Chinatsu , @Jirokou Shunsui , @Sakaida Mai
 
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Ihm gefiel also ihre direkte Art, ja? Die Hasekura erwiderte das Grinsen, das Shunsui ihr zuwarf und lehnte sich in dem heißen Wasser zurück – gespannt darauf, was der Blonde so zu erzählen hatte. Chinatsu rechnete nicht unbedingt damit, sofort klare Antworten auf all ihre Fragen zu erhalten, doch... ein bisschen mehr hatte sie sich schon erhofft. Seine Kleidung trug Shunsui also, um sich an alte Zeiten zu erinnern. Was denn für alte Zeiten? Die Zeit als unabhängiger Finanzberater, bevor er sich für einen Karrierewechsel zum Ninja entschieden hatte? Okay, das war vielleicht ein bisschen platt ausgedrückt, aber die Origami-Userin bemerkte natürlich sofort, dass man einfach alles in die Erklärung hineininterpretieren konnte. Eigentlich machte es Shunsui ganz clever: Denn Chinatsu spürte, wie ihre Neugier an dem Thema und damit auch an Shunsui selbst weiter stieg, ohne sich selbst so richtig darüber bewusst zu sein. Selbst wenn der Chuunin es nicht mit bewusster Taktik machte, so hatte es dennoch die entsprechende Wirkung bei der 16-Jährigen. Das Mädchen winkte ab und lachte. „Oh. Nein, bei deinem Outfit rechnet sicher keiner damit, einen Ninja vor sich zu haben. Du solltest dich allerdings in Acht nehmen, dass die Leute dir nicht ihre Steuererklärung in die Hand drücken.“ Sie zwinkerte amüsiert und dachte dann über die weiteren Worte des Gegenüber nach. Auch das Tattoo erinnerte ihn an etwas, das er hinter sich gelassen hatte. So wie die Kleidung ihn an alte Zeiten erinnerte? Chinatsu versuchte, den Cardigan und die Krawatte mit einem lichterloh brennenden Kranz um das Sora-Symbol in Einklang zu bringen, aber so richtig schlau wurde sie daraus noch nicht. „Pff. Was eine billige Ausrede!“, warf sie dem Jirokou belustigt vor, als er ernsthaft mit der Wir kennen uns noch nicht genug-Ausrede um die Ecke kam. Hallo? Sie saßen gerade nackt zusammen in einer heißen Quelle, aber dafür kannten sie sich dann plötzlich doch nicht mehr gut genug? Feigling! Und doch konnte die Hasekura es dem Blonden nicht so richtig übelnehmen, wie sie innerlich überrascht feststellte. Das Amüsement wich eine Sekunde aus den Gesichtszügen der Kunoichi, als Shunsui den Spieß umdrehte. Warum sie nicht nur große Töne spuckte, sondern auch zu ihrem Wort stand? Er hätte nicht gedacht, dass sie gut schauspielern könnte oder ein Bad mit einem Fremden nehmen würde? Chinatsu legte den Kopf etwas schief und dachte etwas länger darüber nach. Kurzzeitig hatte sie den Blick dafür abgewandt, dann sahen die gelben Seelenspiegel zurück zu dem jungen Mann gegenüber und sie lächelte – nicht ganz so breit wie sonst, wenngleich Selbstbewusstsein daraus zu erkennen war. Chinatsu erinnerte sich nicht daran, irgendjemandem jemals einen wirklichen Einblick in ihre Gedankenwelt zugestanden zu haben. Normalerweise beantwortete sie solche Sachen ziemlich flapsig, aber irgendwie war ihr gerade nicht danach. „Man kann so wenigen Dingen auf der Welt sein echtes Vertrauen schenken, sodass man sich zumindest auf die eigenen Worte verlassen können sollte, oder?“ Sie zuckte mit den Schultern und dachte natürlich an ihre eigenen Erfahrungen im Leben – mehr, als sie es sonst vielleicht zuließ. Aber der nachdenkliche Ausdruck hielt nicht lange, denn sogleich musste die Hasekura wieder lachen. „Ich bin eine schreckliche Schauspielerin“, korrigierte sie seine Vermutung. Dann hob sie eine Augenbraue an und zuckte mit den Schultern, während sie den Blickkontakt mit Shunsui suchte. „Vielleicht habe ich ja gar nicht wirklich geschauspielert, hm?“ Oh, Chinatsu fühlte sich gerade voll in ihrem Element und verdrängte jeden Gedanken an die Mission, die sie eigentlich zu erfüllen hatten. Als der Jirokou anbot, ein Getränk zu holen, schmunzelte die 16-Jährige und hob ergeben die Hände, bevor sie bewusst in eine andere Richtung blickte. Doch kaum hatte Shunsui sich aus dem Wasser gehoben, erhaschte Chinatsu natürlich mit einem dezenten Seitenblick einen kleinen Eindruck. Er hatte doch nicht ernsthaft geglaubt, dass die Hasekura sich brav wegdrehen würde, oder?

Und dann geriet die Situation plötzlich vollkommen außer Kontrolle. Chinatsu hatte ihrem Kollegen nicht mehr nachgesehen und deshalb auch nicht mitbekommen, dass er seinen knackigen Hintern Mai und Joudan ungefragt unter die Nase hielt. Erst der laute Schrei, der eindeutig von der Sakaida stammte, riss auch die Aufmerksamkeit der Hasekura auf sich. Oh Gott? Ja, Shunsui hatte einen guten Körper, aber so weit wäre sie jetzt nicht gegangen... Okay, sogar eine Chinatsu merkte, wie absurd ihre Gedankengänge gerade waren, weshalb sie aus der Quelle kletterte und ihren Yukata überwarf, kurz bevor Mai auch schon wütend aus der Suite gestampft kam. Ahhh... das sah nicht gut aus. Die Hellhaarige lächelte schief und kratzte sich bereits mehr oder minder schuldbewusst an der Wange, als ihre Kollegin zur Standpauke ansetzte. Es war nun nicht das erste Mal, dass Chinatsu in ihrem Leben eine Standpauke über sich ergehen lassen musste – gerade auf Missionen konnte die Kleine mittlerweile auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken, was das anging. Allerdings stoppte Mai, bevor sie richtig losgelegt hatte und überraschte dadurch in gewisser Weise. Wusste sie, dass es bei der Hasekura sowieso nicht richtig ankommen würde? Dass es verschwendete Energie gewesen wäre? Chinatsu wusste es nicht, war aber ganz dankbar, dass das ihrer Ansicht nach unnötige Prozedere abgekürzt wurde. Mai stapfte wütend zurück in die Suite und die Hasekura folgte ihrer Teamleiterin stillschweigend. Dort standen Shunsui und Joudan bereit und beim Anblick des Jirokou konnte Chinatsu sich das Grinsen doch nicht gänzlich verkneifen. Es fühlte sich fast so an, als wären sie in flagranti erwischt worden. Dann ergriff Mai die Flucht aus dem Zimmer. Okay, okay. Schon klar, Chinatsu hatte den Bogen vielleicht ein bisschen überspannt. Oder? Ja. Doch. Natürlich. Die Hasekura räusperte sich, um das Amüsement aus ihren Zügen zu verdrängen und ein bisschen Professionalität zurück in den Raum zu bringen. Naja, soweit ihr das in ihrem entspannten Yukata-Outfit denn möglich war. „Ninja aus dem Wasserreich, ja?“, fragte sie interessiert nach und musste unwillkürlich an Pakura denken. Wenn sie sich nicht irrte, stammte die Meteki auch aus dem Wasserreich und Natsu erinnerte sich noch sehr gut an den Wasserdoppelgänger der Dunkelhaarigen. „Hm. Je nachdem, wie der Nebel sich verhält, kann ich ihn vielleicht mit meinem Fuuton davonjagen“, mutmaßte die 16-Jährige, ohne wirklich zu wissen, ob das funktionieren könnte. Überraschend professionell erzählte das Mädchen Joudan auch davon, was Shunsui und sie in Erfahrung hatten bringen können. Ja! Sie hatten nämlich auch etwas für die Mission getan! So irgendwie... „Dann bin ich ja gespannt, wie sich unsere erste Nebelnacht hier so gestalten wird“, fasste sie am Ende zusammen und hob die Mundwinkel an, während die gelben Äuglein aufgeregt funkelten. Es war keine Angst oder großer Respekt, den Chinatsu bei dem Gedanken empfand, sondern schlicht eine gewisse Aufregung und Spannung auf das, was kommen würde. Anders als Mai, die sich in ihr Zimmer verabschiedet hatte, ging der Kushou nochmal los, um seinem Wortlaut nach Kleinigkeiten einzukaufen. Und so blieben am Ende nur noch Shunsui und Chinatsu, beide in ihre Yukata gekleidet, in der Suite zurück... Zuerst war es still in dem Raum, der Mund der 16-Jährigen öffnete sich einen Spalt breit und sie sah mit einem Seitenblick zum Jirokou. Noch eine Sekunde blieb es still... und dann, unerwartet, musste die Hasekura herzlich lachen. „Wir sind voll erwischt worden“, fasste sie zusammen, hustete dann, um sich wieder zusammenzureißen. „Ich habe keine Ahnung, was du hier drin getrieben hast, als Mai und Joudan aufgetaucht sind. Aber Mais Entsetzen nach zu urteilen, hast du ihr eindeutig zu viel zugemutet. Du solltest dich schämen“, warf sie Shunsui erheitert vor, strich sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel und schüttelte den Kopf. „Ich finde es fast schade, dass ich in der Zeit in der heißen Quelle saß. Das hätte man aufnehmen müssen.“ Natürlich dachte sich Chinatsu ihren Teil, selbst wenn sie niemals endgültig erfahren würde, was genau geschehen war. Mai und Joudan wissen jetzt auf jeden Fall, was sich so unter deiner Kleidung befindet“, nahm sie das Thema wieder auf, dass sie zuvor im warmen Wasser sitzend besprochen hatten und zog Shunsui ein wenig damit auf. Dann winkte sie ab, als würde sie merken, dass es wohl für heute Abend reichte. „Ich schau mal nach Mai“, äußerte sie lächelnd und entfernte sich dann einige Schritte von dem Jirokou in Richtung Damenzimmer. Doch kurz bevor sie die Suite wirklich verlassen hatte, drehte sie sich noch einmal um und zwinkerte dem Sora-Nin belustigt zu. „Ach, übrigens: Natürlich hab ich geguckt. Was denkst du denn bitte von mir?“ Und damit verließ sie das Zimmer.

Das Treffen mit dem Daimyou mitten in der Nacht entpuppte sich als noch viel schlimmer, als Natsu gedacht hatte. Sie hatte es mit größter Mühe geschafft, sich aus der kuscheligen Decke in dem himmlisch weichen Bett zu schälen, doch es war ein Kraftakt gewesen. Und auch als sie grob zurechtgemacht zu ihren Kollegen in die Suite gekommen war, hatte das herzhafte Gähnen der Hasekura deutlich gemacht, dass sie viel lieber weitergeschlafen hätte, als zum Daimyo zu gehen. Aber... so wirklich aussuchen konnte es sich das Mädchen leider nicht. Abgesehen davon wusste die 16-Jährige, dass sie nach der Aktion am vorigen Abend vermutlich besonders kritisch von Joudan und Mai gemustert wurde, weshalb sie es für den Moment vermeiden wollte, weitere Diskussionen auszulösen. Ein angenehmes Miteinander bei so einer Mission war doch ein wenig angenehmer als Ärger untereinander, oder? Chinatsu ergab sich daher ihrem Schicksal und verhielt sich möglichst still und für ihre Verhältnisse besonders unauffällig, während sie den Kollegen und der Kollegin durch die dunklen Straßen Yugakures hinterher trottete. Die Stadt war wie leergefegt, der kühle Wind war unangenehm und sogar die Hasekura spürte, dass eine gewisse Gefahr in der Luft zu schweben schien. Die Ninja betraten ein kleines, unauffälliges Wohnhaus am Wegesrand, nachdem Joudan geprüft hatte, dass es sich um keine Falle handelte. Im Inneren warteten drei Personen – zwei Wächter, in der Mitte ein alter Mann, der sich seinen Worten nach zu urteilen als der Auftraggeber entpuppte. Und nein: Chinatsu erkannte das Gesicht nicht und hatte den Daimyo bisher auch nie in Zeitschriften oder Fernsehen wahrgenommen. Das lag allerdings auch nur daran, dass die Hasekura mehr Modezeitschriften und Fashionmagazine als Politikblätter las. Der alte Kauz war ziemlich unsympathisch, wie die Hasekura für sich feststellte. Noch immer hielt sich die 16-Jährige eher im Hintergrund, kam aber nicht umhin, überraschend ernst ihre Stimme erklingen zu lassen, als der Daimyo forderte, dass sie von ihren Erfolgen erzählen sollten. Die Hellhaarige erinnerte sich an das, was der Kushou aus der Stadt berichtet hatte. „Vielleicht hätten wir den gesuchten Sohn ja schon gefunden, wenn die Leute hier mit uns sprechen könnten. Oh, aber ich vergaß: Sobald man die Entführungen in der Stadt auch nur in den Mund nimmt, wird man hier ja sofort festgesetzt. Super Taktik, wenn man die Entführungen aufgeklärt und seinen Sohn gerettet haben möchte, ehrlich.“ Ein Vorwurf gegenüber dem Auftraggeber? Respektlose Worte gegenüber einem Daimyo? Naja, in Chinatsus Vergangenheit hatte es nicht viel Platz gegeben, um Höflichkeit und Etikette zu lernen. Hoffentlich mussten das ihre Teamkollegen nicht ausbaden.
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
Beiträge
390
Alter
17 Jahre
Größe
1,78
Fraktion
Sora
Dorf
Kiri
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Wer hätte gedacht, dass diese Mission eine derart unterhaltsame Entwicklung machen würde? Zugegeben, die wenigsten Shinobi hätten sich in dieser Situation so gelassen verhalten wie Natsu und Shunsui und einfach ein entspannendes Bad in der privaten heißen Quelle genommen. Aber für die weißhaarige Kunoichi schien ihr eigenes Vergnügen und Unterhaltung an erster Stelle zu stehen und für den Jirokou stand der Ernst der Lage und die Sorge um entführte Menschen an letzter Stelle. Gute Kombination also. Es war natürlich nicht so, dass Shunsui komplett herzlos war, oh nein. Er empfand einfach nicht wirklich Mitleid für das Schicksal anderer Menschen. Ihn hatte ja auch keiner bemitleidet und unterstützt, er hatte sich selbst durch das ganze verdammte Leben kämpfen müssen. Sollte er sich aber schlecht fühlen, dass er sich so gut mit der jungen Frau verstand? Ein kleiner, schwacher Stich meldete sich in seinem Herzen. Natsu war eine erfrischende und erheiternde Persönlichkeit, die es immer wieder aufs Neuste schaffte, ihn zu überraschen. Er hätte sich selbst angelogen, wenn er sein Interesse an ihr heruntergespielt oder verleugnet hätte. Deswegen ignorierte er das aufkeimende und schwache Schuldgefühl, dass es ihm gut ging, war das Wichtigste. Das heiße Wasser der Quelle schien beiderseits für Entspannung zu wirken und der Blondschopf war dankbar darüber, dass es zu keiner angespannten und verklemmten Stimmung kam. Immerhin befanden sich beide in ihren jeweiligen Adams- und Evakostümen in einer heißen Quelle, andererseits waren Bekanntschaften in ihrem Metier nur von kurzer Dauer. Leider war er nämlich nicht Finanzberater, der sich von 9 bis 5 im Büro über die Steuererklärungen der Bewohner Soragakures ärgern durfte, sondern er war ein Shinobi, ein Ninja. Die Lebensdauer in ihrem Beruf war nicht unbedingt die Längste, dafür sehr intensiv und man erlebte viele Sachen, die andere Leute wohl traumatisieren würden, weshalb man doch das Leben genießen sollte, solange es dauerte. Gut, in seinem Fall hatte er das letzte Jahrzehnt damit verbracht, der Welt etwas vorzuspielen, aber so langsam kam er ebenfalls dazu, die guten Seiten des Lebens zu genießen.

Auf die Aussage der jungen Frau hinsichtlich der Steuererklärung lachte der Jirokou belustigt auf. „Mit den Zusatzeinnahmen könnte ich bestimmt aus den Slums ziehen und mir eine anständige Wohnung leisten.“, gab er schief grinsend von sich. Oh ja, man stelle sich das nur vor, nach der Arbeit schön noch Steuererklärungen durchgehen. An und für sich hatte er ja Geld, wenn er so darüber nachdachte, da er es nie ausgegeben hatte. Die Wohnung in den Slums hatte er absichtlich bezogen, um möglichst unter dem Radar zu fliegen und unbemerkt agieren zu können. Aber wenn er schon von seinem Ziel gelassen hatte, Soragakure gen Boden zu befördern – und zwar am besten lichterloh brennend – dann konnte er sich auch eine schönere Bleibe als in den Slums suchen. Die Hasekura mochte beleidigt sein, dass sie nichts über seine Geschichte erfuhr, aber so leicht würde sie es nicht mit ihm haben. Als Erwiderung zuckte Shunsui mit den Schultern setzte ein doch freches Grinsen auf. Oh nein, so einfach und schnell würde sie sicherlich keinen Einblick in die Causa Jirokou Shunsui erhalten, dafür musste sie sich schon etwas mehr anstrengen. Gespannt wartete Shunsui auch auf Ihre Antworten. Sie hatte ein Händchen davor ihn zu überraschen, und auch bei ihrer folgenden Aussage enttäuschte sie ihn nicht. Sein Atem wurde langsamer, während er gebannt den Blickkontakt zur weißhaarigen Kunoichi hielt und schließlich bedächtig und zustimmend nickte. „Schön gesagt.“, stimmte er ihr zu, fasziniert und überrascht über diese neue Facette ihres Charakters und ließ sie keine Sekunde aus seinen Augen. Mit dieser Aussage hatte sie ihn wirklich beeindruckt. Der Blondschopf musterte die junge Frau gespannt auf das, was noch kommen sollte. Die Ernsthaftigkeit des Gespräches blieb jedoch nicht lange erhalten, und schon gewann es mit ihrem Lachen an Leichtigkeit. Es vergingen ein, zwei Sekunden, ehe auch Shunsui mit einstimmte. Zumindest lachte er so lange, bis sie ihn mit ihrem Blick fixierte und offenbarte, gar nicht schauspielern zu können und die Vermutung im Raum stehen ließ, gar nicht geschauspielert zu haben. *Moment, was?*, stutzte der junge Mann, während sein Lachen wieder abflaute und er die junge Frau mit einer Mischung aus Faszination und Überraschung anstarrte. Damit hatte er nicht gerechnet, nicht mit so einer … provokanten Aussage. Vor seinen Augen ließ der falsche Brillenträger die Geschehnisse des Tages revue passieren, die plötzlich in einem ganz anderen Kontext als zunächst gedacht standen. Dass sie Interesse für ihn verspürte, war überraschend. Aber … spürte er da Freude bei dieser Aussage? Aufregung? Sein Mund wurde trocken, Zeit sich erstmal etwas zu trinken zu holen.

Es hätte noch so ein interessanter Abend werden können. Die Unterhaltung mit Natsu war erheiternd, herausfordernd und fühlte sich allmählich gleich einem Tanz an. Nur allzu gerne hätte sich der Jirokou zurück ins Bad begeben und den Tanz erneut aufgenommen. Aber nein, er musste ja hinfallen. Und die Tür musste natürlich aufgehen. Zunächst ertönte ein lauter Schrei, ehe er mit einer Mischung aus Empörung und Überraschung gefragt wurde, was er denn hier vor sich trieb. Joudan und Mai warenganz offensichtlich von ihrem Botengang zurück. Mein Gott, was dachte die Sakaida denn, was er hier tat? Dass es ihm gefiel, nackt auf dem kalten Boden zu liegen und der Welt sein Allerwertestes zu präsentieren? Konnte sie mit dem danebenliegenden Handtuch und dem nassen Boden nicht 1 und 1 zusammenzählen? Langsam, und mit einem brummenden Kopf – das würde eine Beule geben, sofern er sie nicht gleich behandelte – tastete Shunsui nach dem Handtuch, band es sich um und stand wieder auf. Beim Aufprall auf den Boden, war ein sehr seltsames Bild in seinem Kopf aufgeblitzt. Nein, das konnte nicht sein, er musste sich versehen haben. Aber so sehr er versuchte, sich daran zu erinnern, so wenig konnte er sich dieses Bild wieder vor Augen führen. „Na, ich liege gerne nackt auf dem Boden.“, gab er stattdessen sarkastisch von sich, und versuchte seinem Verstand auf die Schliche zu kommen. War das Joudan vor seinen Augen gewesen? Aber mit wem? Und wo? Oder waren es lediglich Sterne vor Augen aufgrund des Sturzes? „Ich bin natürlich ausgerutscht, als ich Getränke holen wollte.“, gab Shunsui schließlich von sich und zeigte auf die Getränke auf dem Tisch. Doch da rauschte Mai schon an ihm vorbei und stapfte in Richtung heiße Quelle. Oh oh, jetzt würde wohl die Hasekura ihr Fett abbekommen, immerhin handelte es sich bei Mai um die ranghöhere und führende Kunoichi. Auf Seiten Soragakures war er selbst schließlich der Teamleiter, was eher zu einem peinlichen Moment seines Kumpels Joudan führte, und nicht etwa zu einer Standpauke. Zumindest schätzte der falsche Brillenträger den Kushou so ein, da er ein Gefühl für den Umgang mit Menschen hatte und sich einfach nicht so verhalten würde. Es war zwar eine sehr komische Situation, aber schließlich hatte Shunsui ja gerade erklärt, dass es ein unglücklicher Unfall und Zufall war, dass sie ihn so zu Augen bekommen hatten. Eine Minute später, und die ganze Situation wäre nicht so eskaliert.

Der Jirokou bestätigte seinem Kollegen, dass es ihm – bis auf dieses peinliche Missgeschick – gut ging. Aber naja, es gab doch wirklich Schlimmeres. Insbesondere wenn man ihre Tätigkeit als Shinobi bedachte, da sie schon ganz andere Gräueltaten zu Gesicht bekommen hatten. Bestimmt. Und da kamen schon die beiden Kunoichi zurück. Die Hasekura schien noch gut gelaunt zu sein und warf ihm ein Grinsen zu. Hier stand er, Jirokou Shunsui, nur mit einem Handtuch umwickelt und mit einem brummenden Kopf, aber irgendwie die Situation doch ziemlich amüsant. Aus diesem Grund grinste der junge Mann flüchtig zurück, ehe er ebenfalls eine etwas professionellere Art an den Tag legte. So gut sich das nur mit einem Handtuch bekleidet sagen ließ. Keine Minute später, hatte er sich schon den Yukata umgeworfen und konnte nun endlich an der Unterhaltung teilnehmen. Die blauhaarige Kunoichi schien jedoch äußerst verstimmt zu sein, weshalb sie einen Abflug machte und sie mit Joudan alleine ließ. Der erzählte ihnen knapp, was Mai und er so in Erfahrung gebracht hatten. Nichts, was Natsu und Shunsui nicht auch professionell – ja genau – in Erfahrung gebracht hätten. Interessant war jedoch die Vermutung, dass es sich bei den Entführern um Shinobi aus Kirigakure handeln könnte – Shunsuis eigener „Heimat“, mit der ihn eigentlich nichts als Schmerz und Unglück verband. *Interessant.*, dachte sich der Jirokou, als sein Teamkollege eine befreundete Kunoichi mit besagtem Jutsu erwähnte. Um wen es sich dabei wohl handelte? Indes gab die weißhaarige Kunoichi aus Kumogakure zum Besten, dass sie den Nebel vermutlich mithilfe einiger Fuuton-Techniken vertreiben konnte. Dass es sich bei ihr um einen Ninjutsuka und nicht etwa eine Nahkämpferin handelte, überraschte den falschen Brillenträger nicht wirklich. Sie führte auch fort und berichtete, was sie selbst in Erfahrung gebracht hatten, wobei Shunsui gelegentlich bestätigend nickte.

Wen kümmerte es eigentlich, ob sie jetzt ein Bad genommen hatten oder nicht? Den Menschen würde es in diesen paar Stunden nicht schlechter davon gehen, wenn sie sich entspannten. Höchstwahrscheinlich würden die wenigsten Menschen dieser Logik folgen, aber nicht alle waren derart abgestumpft wie er selbst. Schließlich verabschiedete sich Joudan und somit waren die Hasekura und der Jirokou wieder alleine. Irgendwie fühlte es sich wirklich so an, als ob sie Beide bei etwas Verbotenem erwischt worden und von ihren jeweiligen Eltern ausgeschimpft worden waren. Fehlte nur noch, dass sie noch Hausarrest aufgebrummt bekamen. Auch Shunsui ließ den Blick zur jungen Frau wandern, die mit einem Mal zu lachen anfing, was dazu führte, dass sich wieder ein breites Grinsen auf seinem Gesicht bildete. Wirklich böse auf Mai war er nicht. Die Sakaida war keine schlechte Person, das wusste er aus seiner vorherigen Mission, denn sie war es ja, die ihn vor den Klauen der begierigen Bediensteten gerettet hatte. Aber sie musste die ganze Situation nicht so ernst nehmen, man könnte denken, dass sie noch nie einen Hintern gesehen hatte. „Schuldig im Sinne der Anklage.“, gab er mit einem belustigt trockenen Ton von sich. Shunsui erinnerte sich auch noch an das Gespräch, welches sie vor diesem kleinen … Missgeschick geführt hatten. „Ja, ich bin mir sicher, dass du diesen Anblick zu schätzen gewusst hättest.“, teilte er ihr augenzwinkernd und die peinliche Situation weglachend mit. Dann war es auch schon Zeit und die Hasekura verabschiedete sich für den Abend. Er nickte kurz, unschlüssig darüber, was er jetzt mit sich machen sollte, als ihn ihre Stimme erneut aus den Gedanken riss. Als Erwiderung auf ihr provokantes Geständnis, hob Shunsui einfach die Augenbrauen und grinste. Das hatte er nicht erwartet. Wieder mal. Aber er hätte es sich eigentlich denken können. Leise vor sich hin lachend und kopfschüttelnd, begab sich der junge Mann erneut in die heiße Quelle, während er seine Beule mithilfe eines schmerzlindernden Jutsus behandelte. Nach wie vor über die Aussage der jungen Frau grinsend, lehnte er sich zurück und genoss die Stille. Ja, er hätte niemals erwartet, dass es so interessant wird.

Nach einer ziemlich kurzen und von Albträumen geplagten Nacht, begab sich auch Shunsui nach Joudan ins Badezimmer und machte sich fertig. Immer wieder war dieses seltsame Bild, welches er nicht ganz greifen konnte, durch seine Gedanken gehuscht. Stumm blickte der Blondschopf in den Spiegel und richtete das letzte Detail seines Outfits, seine Krawatte. Nun sah er wieder wie der nette Finanzberater von nebenan aus. Nur noch die Brille anziehen und schon war er bereit loszuziehen. Der Rest wartete schon auf ihn und als Mai und Joudan sich umdrehten und losmarschierten, warf der Jirokou Natsu nochmal ein kurzes Grinsen zu. Bloß nicht zu offensichtlich und den Bogen überspannen, sonst gab es wieder einen empörten Aufruf. Der ausgemachte Treffpunkt befand sich in einem unscheinbaren Haus. Auf dem Weg dorthin hatten sie keine einzige Seele zu Gesicht bekommen, scheinbar hatte die Angst die Bewohner Yugakures eisern im Griff. Das würde unter Anderem das Verhalten des Daimyo erklären, der sehr unzufrieden mit ihrem bisherigen Fortschritt zu sein schien. Bei dessen Aussagen verdrehte Shunsui innerlich die Augen. *Der ist sogar noch dümmer, als ich dachte.* Aber er hatte ihnen die Kaisersuite spendiert, also mussten sie ihn irgendwie wohl aushalten. Für Erheiterung sorgte jedoch wieder Natsu und es kostete den falschen Brillenträger jede Unze seiner Willenskraft, nicht laut los zu lachen. Der Herrscher des Wasserreiches fand es natürlich weniger amüsant. „Eine Unverschämtheit, so mit mir zu reden.“, brauste er auf und plusterte die Wangen. Das war ein wirklich wenig … herrschaftliches Bild, dass er ablieferte. „Ich sollte euch für diese Unverschämtheit auspeitschen lassen.“, machte er weiter und redete sich richtig in Rage. Damit hatte er ein gelindes Interesse in Shunsui geweckt, welcher der Unterhaltung wieder mehr Aufmerksamkeit als zuvor schenkte – der junge Mann hatte bis dato nämlich nicht wirklich interessiert zugehört. „Mein Sohn, mein einziger Erbe ist entführt und ihr schafft es nicht mal, ihn zu retten. Was für nutzlose Shinobi seid ihr eigentlich?“, ging der Daimyo nun in die Offensive und fuchtelte weiter mit seinen Händen.

Das sollte sogleich für ein weiteres Unglück sorgen. Es waren nämlich mehrere Bedienstete dazu gekommen mit Tabletts, beladen mit Getränken und Häppchen zu essen. Denkbar schlechter Moment, denn in diesem Moment erwischte der Daimyo eine der Bediensteten durch sein Fuchteln, sodass diese stolperte und das Tablett klirrend zu Boden ging. Die junge Frau hatte indes mehr Glück, denn ihr Schwung führte sie nach vorne und ließ sie genau auf Joudan stürzen, der – Gentleman der er war – sie sanft auffing. Ein ehrliches Lächeln bildete sich zunächst auf Shunsuis Gesicht, der sich über die Eleganz seines Kollegen erfreute, als ihn plötzlich stechende Kopfschmerzen überkamen. „Argh!“, stöhnte der Jirokou und legte eine Hand auf sein Gesicht, das rechte Auge verdeckend. Das Bild vor seinen Augen verschwamm und Joudan, der die Bedienstete sanft aufgefangen hatte, hielt jemand ganz anderes in seinen Armen. Jemand sehr Bekanntes. In einer Bibliothek. Kaya. Joudan hielt die junge Frau, eng angeschmiegt, beinahe beschützend an sich. *Nein, das kann nicht sein. Oder...? Ich dachte … ich bedeute ihr etwas. Ich dachte … es ist etwas Besonderes zwischen uns.*, ertönte ein schmerzhafter, doch ungewöhnlich bekannter Gedanke in seinem Verstand. Das Blut rauschte in seinem Kopf und die glühenden Kopfschmerzen drohten ihn zu übermannen. Lange, in Schach gehaltener Zorn, brodelte im jungen Mann hoch und ehe er es sich versah, hatte Shunsui Joudan schon am Kragen gepackt. „Du und Kaya … was habt ihr da getrieben in der Bibliothek? Habt ihr etwas am Laufen?“, knurrte er den Kushou an. Wusste sein Kollege überhaupt, worauf er hinaus wollte? Dass dem falschen Brillenträger nicht entgangen war, wie sie eng aneinander geschmiegt waren? Zugegeben, es war der Katzengeist gewesen, der diese extremen negativen Gefühle in ihm erweckt hatten, doch das wusste er natürlich nicht. So schnell der Schmerz und der Zorn gekommen war, so schnell war er wieder abgeflaut und der Jirokou erkannte, dass er seinen guten Freund Joudan am Kragen gepackt hatte. Der Daimyo hatte sogar mit seiner Tirade aufgehört ob dieser seltsamen Situation und der Blondschopf spürte, wie all die Augenpaaren auf ihm ruhten. „Ich…“, begann der falsche Brillenträger und ließ den anderen Sora-Nin los, während er langsam einige Schritte zurückmachte. Diese ganze Situation überforderte ihn und ein verletzlicher und verwirrter Ausdruck hatte sich auf seinem Gesicht gebildet. Das konnte doch nicht sein, oder? Joudan würde ihm das niemals antun? Sie waren doch Freunde … Shunsui machte mit einem Mal kehrt und rannte wortlos aus dem Haus raus.

Es vergingen keine zehn Sekunden, ehe sich die Tür erneut öffnete. Doch wer mit dem Blondschopf gerechnet hatte, der sich nun für diesen seltsamen Ausbruch entschuldigte, lag leider ganz falsch. Ein kleiner, untersetzter und keuchender Mann war eingetreten und bedachte alle Anwesenden aus angsterfüllten Augen. „Der Nebel … der Nebel ist gekommen, um uns zu holen!“

@Sakaida Mai @Kushou Joudan @Hasekura Chinatsu
 
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