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Festival des Goldenen Drachen

Misumi Kimihiro

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*Das zweite Opfer?*
Itoes restliche Ausführungen zur Beziehung zwischen Madame Iroki und Jin waren allesamt gerechtfertigt, doch dieser Hinweis auf das Ableben Shinya Mutsumis kam für Kimihiro etwas zu überraschend. War es nicht Itoe gewesen, die am längsten daran gezweifelt hatte, dass Shogo Koji umgebracht worden war? Und ausgerechnet sie ging jetzt wie selbstverständlich davon aus, dass das deutlich nachvollziehbarere Ende seiner Geliebten auch die Tat ein und desselben Mörders war?
Kimihiro schüttelte unmerklich den Kopf, blieb jedoch vorerst still. Zuerst sollte Arachino sich noch einmal austoben, bevor Junko anschließend auf die Fragen der Hyuuga einging. Teil eins dieses Ablaufs fiel übrigens ganz und gar nicht so aus, wie der Künstler vermutet hatte: Sicher, der Aburame hatte Zeit genug gehabt, um wieder zu sich zu finden, doch… so gar keine feste Meinung? Nicht mal eine mehr oder weniger fundierte Ahnung, die er sich traute auszusprechen? Einerseits war diese Überraschung ja ein Grund zur Freude, deutete sie doch an, dass Arachino sich ab jetzt womöglich im Griff haben würde, aber andererseits brachten seine Worte die Gruppe in ihrer Suche nach der Wahrheit nicht sonderlich weiter.
Blieb nur noch Junko, die gewissenhaft wie immer auf Itoes Fragen antwortete. Fünf Jahre Scheidung, drei Jahre Gartenarbeit, und ein wöchentliches Treffen zwischen den beiden. Vor allem letzteres schürte zwar Vermutungen hinsichtlich einer Zusammenarbeit der beiden, doch die alte Dame machte auf den Künstler noch immer nicht den Eindruck, als würde sie ein falsches Spiel treiben. Außerdem sprachen die unterschiedlichen Zeitintervalle auch eher für den fremden Arzt aus Kumogakure: Er hatte zwei Jahre weniger, seinen Zorn verrauchen zu lassen, ganz zu schwiegen davon, dass er seinen Arbeitgeber sicherlich Tag für Tag gesehen haben muss, ganz im Gegensatz zu Iroki, die fernab des Hauses ihres Exmannes so etwas wie Ruhe und Frieden finden konnte.
Die Arme wieder vor der Brust verschränkt verlagerte Kimihiro sein Gewicht immer wieder vom einen Fuß auf den anderen. Verdächtige, Vermutungen, Ahnungen, all das gab es hier zu Hauf. Aber wie stand es eigentlich um Beweise? Die Giftmischung würde sich wie bereits gedacht nicht zurückverfolgen lassen, und dank der Verzögerung in den Ermittlungen hätten sowieso beinahe alle Anwesenden genug Zeit gehabt, um irgendetwas an den Beweismitteln zu verändern.
*Sackgassen, soweit das Auge reicht. Bleibt uns tatsächlich nichts anderes übrig, als weiter irgendwelche Vermutungen umher zu werfen?*
Ja, was blieb den Anwesenden denn anderes übrig? Keine Beweise, viele Vermutungen, und niemand, der sich schuldbewusst zu Boden warf und ein Geständnis schluchzte. Die einzig wirklich emotional vorgetragene Aussage war Ayakas Beschuldigung Noboru gegenüber, er hätte ihr etwas… wie war das? Ein Versprechen, ausgetauscht „im schimmernden Mondlicht unter den Kirschblüten“. Kimihiros Hinweis bezüglich der beiden wurde im Übrigen scheinbar vergessen, was eine neuerliche Nachfrage erforderlich machte. Zumindest wenn man glaubte, dass einer der beiden für einen – oder zwei – Morde verantwortlich war.
*Womit wir wieder beim Ursprungsthema wären.*
Ohne den Arzt, der als letzter das Wort ergriffen hatte, in irgendeiner Weise zu beachten, sprach Kimihiro seine Teamleiterin mit deutlich gefassterer Stimme als zuletzt an.
„Inwiefern stimmen wir eigentlich darüber überein, dass Shinya Mutsumi tatsächlich auch ermordet worden ist, und nicht Selbstmord begangen hat? Soweit ich weiß gab und gibt es noch keine Informationen zu ihrem… Dahinscheiden, ganz im Gegensatz zu Koji. Doch selbst wenn es Mord war, und folgende Möglichkeit auch nicht sonderlich wahrscheinlich scheint: Wie können wir sicher sein, dass es ein und derselbe Täter war?“
 
A

Aburame Arachino

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Oh Mann, die Situation klärte sich einfach nicht auf. Was sollte das hier denn? Arachino hatte ein mulmige Gefühl, ein Gefühl als würden tausend Augen auf ihm liegen und ihn durchbohren, als würden sich tausend Blick in sein Fleisch boren, tiefer und tiefer, bis sie seine äußere Schutzhülle durchbohrt hatten und direkt in seine Seele zu blicken vermochten. Er schüttelte sich, wollte dieses Gefühl abschütteln. IHm war die ganze Scheiße hier mehr als unangenehm. Nicht das er mit einem oder möglicherweise mehreren Mördern in einem Raum war... Sondern dass er das Gefühl bekam, alle wollten das ER etwas dazu sagte... warum? Warum jetzt? Die ganze Zeit wo er während der Mission etwas beisteuern wollte wurde er abgeschmettert, ignoriert und belächelt und jetzt, ausgerechnet JETZT, wo er nicht nur keine Ahnung, sondern auch keinen BOCK hatte einen auf großer Detektiv zu machen, jetzt warteten plötzlich alle darauf, dass er hier sprach?
Er hatte zwar nur Wortfetzen im Kopf, aber er wusste so viel:
Es war Gift im Spiel, er hatte keine Ahnung von Giften. Gifte könnten heißen, der Arzt war es, aber warum sollte er das Laut sagen? Wahrscheinlich läge er eh falsch und dann dürfte er sich wieder verbale Seitenhiebe von Itoe und den vermummten Nara gefallen lassen, sagte er der Nara wars, würde man ihn wieder als Kind belächeln das auf Rache aus war. Gott... er HASSTE in diesem Moment jeden hier im Raum. Warum konnten sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Er merkte gar nicht, das er sich der Gruppe abgewandt hatte und nervös durch mit beiden Händen durch seine Haare wühlte, er hatte für den moment seine ganze Selbstkontrolle verloren, das er nicht laut aufschrie war alles. Er hasste jeden hier. Jeder hier war ihm egal... aber trotzdem vermochte er nicht einfach einen Namen zu nennen und zu sagen "Ich denke er oder sie war es", warum? Es macte doch keinen Unterschied! Er wurde hier eh von allen anderen nur noch von oben herab betrachtet, tiefer würde er kaum sinken können, Missachtet wurde er doch so oder so. Er konnte es in ihren Blicken sehen! In ihren Taten! Ahhhhh... was für eine Scheiß Situation.
"Auch wenn es die Offenichtlichste Möglichkeit ist..." murmelte er, in Junkos Richtung, so das sie es gut hören konnte. "... ist sie das nicht, weil es auch die Wahrscheinlichste ist? Klar, das der Arzt an einem Tod schuld ist, in dem Gifte benutzt wurden ist so klischeehat und einfac Gedacht, aber warum sollte das heißen, das er es nicht war? Offensichtliche Lösungen sind offenschtlich, weil sie eben Wahrscheinlich sind."
Er atmete durch. Er lag falsch. Oder richtig? er hatte einfach keine Ahnung. Er wollte nur endlich, das die Blicke aufhörten. Also hatte er gesagt, was ihm als erstes durch den Kopf ging. Jetzt alle zufrieden? Oder sollte er sich noch mehr quälen? "Und zum zweiten Opfer... ich weiß, das widerspricht dem Groschen-kitsch-Krimi Prinzip..." Yeah, ein Seitenhieb für seine Teamleiterin, er freute sich, das er sich dazu durchgerungen hatte, seine Stimme dabei stimmte auch, sie drückte deutlich aus, das er Junkos verhalten mit dem Protagonisten eines solchen gleichsetzte. "...aber immerhin war die Frau seine Geliebte... Wäre es nicht im Bereich des Möglichen... das wir es bei ihr zumindest... Wirklich mit einem Selbstmord zu tun haben? Immerhin verlor sie kurz zuvor einen für sie sehr wichtigen Menschen auf extrem grausame Weise... Solche schläge können Menschen in Depressionen treiben..." Ja, diesmal sprach er wohl mehr von sich. Er hatte zwar niemanden im physikalischen Sinne verloren, doch das Gefühl, das etwas wichtiges in seinem leben starb, kannte er. Er stand auch desöfteren an einer Klippe und fragte sich, warum er nicht springen sollte. Nur hatte er sich dafür entschieden, es nicht zu tun. Warum sollte sich das zweite Opfer nicht einfach nur anders entschieden haben? Das hier war schließlich die Realität. Und da passierte so etwas halt.
 

Misumi Kimihiro

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*Er war es… oder vielleicht sie? Nein, doch eher… wobei, halt, es ist doch so, dass… dass… was eigentlich?*
Nervös rieb sich Kimihiro Augen und Stirn, bevor er mit verschränkten Armen und leicht schief gelegtem Kopf zu dem plappernden Aburame hinübersah, ohne ihm wirklich aufmerksam zuzuhören. Vielmehr diente der Junge als einzige Boje in einem See aus misstrauischen, ernsten und traurigen Gesichtern, denn außer dem bisher kaum vorbildlichen Genin namens Arachino gab es tatsächlich niemanden, dem Kimihiro so ohne Weiteres in die Augen hätte sehen können. Nicht einmal seine anderen Teamkameraden bildeten dabei eine Ausnahme: Itoe mit ihrer eigenen Meinung, Kojis Geliebte wäre tatsächlich auch ein Mordopfer gewesen, und Junko, stille Herrin der Lage, die den wilden Spekulationen ihrer Untergebenen freien Lauf ließ… nein, auch wenn sie leichter zu betrachten gewesen wären als der Rest. Nun, Rest war das falsche Wort, immerhin war dieser deutlich größer als der kleine Vierertrupp Shinobi, und genau das machte die ganze Angelegenheit so verdammt kompliziert.
*Zumindest für das einfache Fußvolk ohne Chuunin-Titel, hmpf.*
Kimihiro konnte Junkos Blick fast spüren, wie er schwer auf ihm lag und standhaft versuchte, eine stimmige Antwort aus der ausgepressten Zitrone zu quetschen, welcher sein Gehirn zunehmend ähnelte. Hin und her gingen seine Gedanken, drehten sich einmal im Kreis, stolperten über die eigenen Füße, erhoben sich umständlich und begannen diesen Tanz von vorn – und das nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit ohne Erfolg. Der Künstler konnte ein neuerliches Seufzen nicht unterdrücken.
*So wird das einfach nichts. Dabei ist die Sache an sich doch nicht einmal schwer: Der Täter ist irgendjemand hier drin. Die Frage ist nur, wer. Kurz und gut, zumindest der Theorie nach. Immerhin müssen wir uns jetzt ‚nur noch‘ für einen der Anwesenden entscheiden. Einen… dieser… Anwesenden…*
Der Gedanke zog sich in die Länge, als Kimihiros Haupt sich langsam von Arachino weg, und dem ersten Verdächtigen in der Nähe zudrehte. Ja, eigentlich war die Sache einfach. Eigentlich. Oder?
Suzume Jin. Ninja aus Kumogakure, Gartenpfleger, Arzt, Weiberheld, und Disziplinlosigkeit in Person. Der ungepflegt wirkende Mann hatte angeblich im Dienst getrunken, Kojis Tochter zweideutige Blicke zugeworfen und war am Ende zum Diener des ersten Opfers geworden, wobei er dessen damalige Frau kennenlernte. Ein angesehener Arzt, dem es ein Leichtes war, Menschenleben zu retten und nehmen, eine folgenschwere Anschuldigung, und eine Grippewelle, die viele Opfer forderte. War er der Täter? Motiv, Gelegenheit und Mittel – alles schien zu passen. Doch war es tatsächlich so einfach? Und wo war der Auslöser, dieser letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte?
*Hmm… Also erst mal weiter im Text.*
Chigai Iroki. Exfrau des ersten Opfers, in der Scheidung ohne Geld zugunsten einer anderen weggeworfen. Nun lebte sie mit ihrer Enkelin in einem Zelt und verdiente ihren mauen Lebensunterhalt mit Weissagung und dem Verkauf der unterschiedlichsten Kräutermischungen. Auch sie vermochte sicherlich, ein entsprechendes Gift anzumischen, und Geld gehörte zu einem der häufigsten Mordmotive der Geschichte. Auch die Gelegenheit schien gegeben, sah man den Zeitrahmen zwischen Junkos und Kimihiros Besuch und dem Beginn der Feierlichkeiten etwas großzügiger. Hatte die Kräuterhexe ihre zerbrochene Liebe mit Gift beerdigt?
*Zu ihr würde zumindest besser der zweite Todesfall passen – vorausgesetzt, man geht tatsächlich von einem Doppelmord aus. Doch dazu später. Der nächste…*
Nara Noboru. Allein der Klang dieses Namens trieb Kimihiros Gedanken in eine andere Richtung. Noborus Verhalten ihnen allen, vor allem jedoch Itoe und Ayaka gegenüber, mochte noch so merkwürdig anmuten – dem Künstler fiel es deshalb nicht leichter zu glauben, dass ein Shinobi aus einem der angesehensten Clans des Blätterdorfes zum Mörder eines nahezu Unschuldigen wurde. Doch die Indizien deuteten genauso auf ihn wie auf alle anderen: Er beerbte indirekt das erste Opfer, war früher Schüler unter dessen grimmigen Gärtner, und war offenbar mit einem jungen Mädchen bekannt, dessen Eltern in gewisser Hinsicht durch Kojis Hand gestorben sein mochten. Ganz zu schweigen davon, dass die Kunst des Schattenbesitzes eine deutlich sicherere Waffe als Gift allein darstellte.
*Nichtsdestoweniger ist er ein Shinobi aus Konoha. Und wenn er schon verdächtig ist, gibt es auch keinen Weg vorbei an…*
Takuya Ayaka. Enkelin der Exfrau des ersten Opfers, Tochter zweier Geschädigter ebenjener Krankheit, deren Folgen man Koji anrechnen konnte, wenn man denn wollte, und wie ihre Großmutter geübt im Umgang mit Kräutermischungen und Giften aller Art. Motiv, Gelegenheit, Mittel… auch auf sie traf jeder dieser drei Punkte zu. Doch war dieses so zerbrechlich wirkende Mädchen tatsächlich eine Mörderin? Und was hatte es mit ihrer Verbindung zu Noboru auf sich?
Vier Verdächtige, vier Möglichkeiten, aber nur zwei Opfer. Und nicht einmal das war gewiss, immerhin war zumindest Kimihiro noch immer der Meinung, dass es sich bei Shinya Mutsumis Ableben gut und gern um einen Selbstmord gehandelt haben könnte. Frauen neigten zu solcher Theatralik, wenn man den Abertausenden von Schnulzen dieser Welt glauben mochte, und immerhin war die Dame – dachte man an jenen… interessanten Briefwechsel – sehr, sehr eng mit Shogo Koji verbandelt gewesen.
*Womit sein Tod der einzige zu untersuchende Mord bliebe.*
Kojis Ableben. Der große Mann hinter dem noch größeren Fest war gerade in dem Moment zu einem Selbstmord getrieben worden, als Hunderte hoffnungsfroher Menschen ihn beobachteten. Er war unsicher auf die Bühne geschwankt und hatte kaum Zeit verloren, um sich mit einer blanken Klinge selbst abzustechen. Während der Tat hatte er erwiesenermaßen unter dem Einfluss eines besonderen Giftstoffes gestanden, der Angst und die Anfälligkeit gegenüber Illusionen förderte. Nichtsdestoweniger war diese Art Mord genauso ungewöhnlich wie unsicher: Wer sich gut genug mit Giften auskannte, der war auch zur Herstellung einer tödlichen Mischung imstande, die genauso wenig zurückzuverfolgen gewesen wäre. Warum also das Risiko eingehen, dass das Opfer zwischen der Einnahme des Giftes und der Entfaltung der nicht zwingenderweise tödlichen Folgen den Anschlag bemerkte und Hilfe suchte? Die einzige Erklärung bestand darin, dass der Täter nicht beabsichtigt hatte, das Opfer zu töten, und der Selbstmord ein unerwarteter Nebeneffekt war – was allerdings ebenfalls auf einen unerfahrenen Giftmischer hinwies, der nicht dazu in der Lage war, die richtige Dosis abzupassen.
*Womit allerdings der Arzt aus dem Schneider wäre, und Iroki auch eher ausscheidet. Beide haben durch ihre Laufbahn und ihr Alter sicherlich genug Erfahrung auf dem Gebiet der Giftmischerei, um ein tödliches Gift und die entsprechende Dosierung zu kennen. Vorausgesetzt natürlich, der Täter hat sich absichtlich unerfahren gestellt, um den Verdacht von sich abzulenken – aber wenn wir erstmal damit anfangen, können wir gleich Münzen werfen gehen.*
Unter diesen Umständen blieben jedoch nur Noboru und Ayaka als Verdächtige übrig, was die Werferei kurzzeitig wieder recht attraktiv machte. Doch auf lange Sicht ließ sich das Unausweichbare wohl doch nicht umgehen…
Noboru und Ayaka. Nara waren nicht unbedingt für ihre toxischen Kenntnisse bekannt, auch wenn man munkelte, dass sie auf dem Gebiet der Medizin sehr bewandert waren. Ayaka wiederum war jung und von ihrer Großmutter sicherlich nicht im Anmischen von tödlichen Substanzen unterrichtet worden. Ein Halluzinogen, mit dem sich eine zierliche junge Frau in den Irrungen eines Jahrmarkts notfalls zur Wehr setzen konnte, war allerdings eine andere Sache. Zudem traf auf Ayaka eher die Vermutung zu, dass sie unvorsichtig vorging, die richtige Dosierung verpasste, und der Todeszeitpunkt, zu dem sich Koji vielleicht nur hätte verspäten oder selbst beschämen sollen, dadurch versehentlich auf die Eröffnung des Festes fiel. Noboru dagegen war ein ausgebildeter Shinobi und kannte vor allem als Nara genug Methoden, um einen Zivilisten ungesehen zu töten, auch ohne dabei zahlreiche Kinder zu verstören. Dass er hinter einem solchen Mord steckte erschien insofern nur möglich, wenn er in diese ganze Sache emotional noch mehr involviert war, als es im Moment den Anschein machte.
Emotionen… in dieser Hinsicht war der Nara ein deutlich größeres Fragezeichen als Ayaka. Das Mädchen hatte schließlich seine Eltern verloren – ein Mordmotiv, das wohl auch dem Künstler zum Verhängnis werden konnte – und war während dem gesamten Treffer sehr aufgewühlt gewesen. Vergaß man die wenigen Minuten der Zweisamkeit, die das Mädchen und Kimihiro miteinander geteilt hatten, war es nicht schwer, sich vorzustellen, dass die junge Dame, brütend im kleinen Zelt ihrer verbitterten Großmutter, welche von ihrem Mann völlig mittellos in der Gosse zurückgelassen worden war, für genau die Person einen blubbernde Phiole vorbereitete, die die Schuld am Tod ihrer Eltern trug. *Moment… Iroki war die Frau von Koji und Ayakas Großmutter gewesen. Machte das den Toten nicht zu ihrem Großvater? Falls ja, änderte das die Sache nicht?* Vielleicht, vielleicht blieb aber auch alles beim Alten. Koji hatte sich scheiden lassen und seiner Frau kein Geld überlassen – was ganz und gar nicht auf einen Familienmenschen hindeutete. Kein Grund also für Skrupel bei einem Mädchen, das von ihrem Großvater wohl nicht ansatzweise so viel Liebe erfahren durfte wie von ihren Eltern.
Eltern… wie stand es in dieser Hinsicht wohl bei Noboru? Er hatte selbst gesagt, dass Shinya Mutsumi seine Gouvernante gewesen ist. Wie viel Zeit hatten seine Eltern mit ihm verbracht, wie viel Mutsumi? Wenn er bis heute an ihr gehangen hatte, vielleicht wollte er die Dame dann von dem angeblich kriminellen Koji befreien, indem er ihn umbrachte? Oder hatte es tatsächlich mehr mit seiner Beziehung zu Ayaka zu tun, der er irgendetwas versprochen hatte? Oder mit der Demütigung seines anderen ehemaligen Lehrers?
*Ayaka oder Noboru, Noboru oder Ayaka, Ayaka oder… argh. Das ganze will und will keinen Sinn ergeben. Dabei sind es nur noch zwei Verdächtige! Zwei Verdächtige… wie nur kann Junko wissen, wer es ist?*
Es war tatsächlich sinnlos. Von vier Verdächtigen hatte er zwei ausgeschlossen und war sich dieser Wahl einigermaßen gewiss – Betonung auf „einigermaßen“. Tiefer vermochte Kimihiro der Sache an dieser Stelle jedoch kaum auf den Grund zu gehen: Vermutlich war er zu voreingenommen, was das schüchterne und hübsche Mädchen, mit dem er sich unterhalten hatte, und den maskierten Schattenkämpfer anging, der der Tradition seiner eigenen geliebten entstammte. Wie sollte er sich zwischen diesen beiden nur entscheiden?
Gar nicht, genau. Und es war Zeit, das zuzugeben.
Mit diesem Entschluss warf Kimihiro Itoe und Junko zwei kurze Blicke zu, bevor er sich in die Richtung seines dritten Kollegen aufmachte. Der Künstler wollte tunlichst vermeiden, dass die beiden Beschuldigten seine neue Meinung mit anhörten, schließlich würde er in jedem Fall gleich mindestens einen Unschuldigen einem Mord bezichtigen – und auf die Reaktionen darauf konnte der ruhige Genin verzichten. Also brachte er sich so nah wie möglich an Arachino heran, nahm ihn etwas beiseite, und begann dann im Flüsterton auf ihn einzureden.
„Ich bin deiner Meinung – Koji ist das einzige Mordopfer hier. Das macht die Sache aber nicht einfacher. Ich persönlich bin mittlerweile davon überzeugt, dass entweder das Mädchen, oder unser maskierter Freund war. Der Arzt und Madame Iroki haben einfach keine ausreichenden Motive meiner Meinung nach – die Scheidung und der ‚Jobwechsel‘ sind einfach zu lange her, oder nicht? Außerdem kennen sich die beiden bestimmt gut genug mit Gift aus, um entweder ein wirklich tödliches Toxin anzurühren, oder aber einen zufälligen Selbstmord zu vermeiden, wenn sie Koji einfach nur etwas Angst einjagen oder ihn bei der Eröffnung nur bloßstellen wollten. Warum also mit einem Angstmittelchen einen Suizid provozieren, wenn ein scheinbarer Herzstillstand genauso möglich war? Die anderen beiden jedoch… Ayaka scheint völlig durch den Wind zu sein und verfügt bestimmt nicht über die Erfahrung ihrer Großmutter, und Noboru… ich verstehe seine Rolle in diesem ganzen Spielchen noch immer nicht, ganz zu schweigen davon, dass ich mich nicht gerade wohl dabei fühle, einen anderen Shinobi des Mordes zu beschuldigen. Aber auch Ayaka… heute Nachmittag war sie einfach… was ich sagen will…“ Eine kurze Pause folgte, in der sich Kimihiro nervös den Nacken rieb, bevor er fortfuhr: „Du kanntest Ayaka nicht und bist zudem vor dem Einbruch schon einmal auf Noboru getroffen, wenn ich das richtig mitbekommen hab‘. Also, was denkst du?“
 
A

Aburame Arachino

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Gott... das war nervig ohne Ende... Er wollte ein Kommentar geben und dann abwarten. Aber jetzt... jetzt schien es an ihm und Kimihiro zu hängen, da sich Itoe nicht als Hilfe erwies. Ausnahmsweise hörte er Kimihiro zu, lauschte jedem Wort aufmerksam um den einen Satz zu hören für den er nahezu panisch am beten war: „Und ich bin mir sicher der Mörder ist...“. In jeder Variante, jede Ausschmückung wäre ihm recht gewesen, er wollte nur einen Sinnverwandten Satz hören, der das alles beendete, zu dem er Antworten konnte „So sehe ich das auch“ und sich so aus der Affäre ziehen konnte. Tja, Wunschdenken das nicht erfüllt wurde. Statt dessen wollte er, das Arachino eine Einschätzung zu dem Nara abgibt. Ja sicher, er hatte ihn vorher schon einmal getroffen, aber war zu dieser Zeit viel zu sehr von der mysteriösen Anziehungskraft des Fremden gefangen gewesen, um wirklich etwas beurteilen zu können. Mittlerweile war diese verflogen, der Natra war ihm zu arrogant. Er atmete sehr heftig aus und begann, das erste Treffen zu rekapitulieren. „Hmmmm...“ Er lies sich in einen Stuhl sinken und legte die Arme auf seine Beine auf, sein Blick war Nachdenklich und man konnte fast schon sehen, wie hinter seinem Augen sein Gehirn am rotieren war. „Der Nara... Das Mädchen... Der Arzt... Die Exfrau... Ich weiß es nicht...“ Er murmelte das mehr vor sich hin, jedoch durchaus hör und verstehbar für den Künstler. „Klar, Arzt und Frau hätten ein besseres Gift machen können... aber genausogut konnten sie ein schwächeres machen.... jeder würde denken, dass sie es nicht waren, weil sie es professioneller gemacht hätten... und genau darin würde der Meisterplan liegen... ich meine... wenn ich jemanden töten wollte, würde ich bestimmt nicht meine Käfer benutzen, obwohl das für mich die leichteste und schnellste und vor allem sicherste Variante wäre. Aber die Käferspuren würden sofort auf mich zeigen, wie eine übergroße Leuchtreklame... Sie könnten ein Gift genommen haben, das weit unter ihren Fähigkeiten lag, um von sich abzulenken...“ Erneut atmete er einmal tief ein und lies dann einen Lufthauch durch seine Nase entweichen. „Von dem Mädchen habe ich kaum eine Meinung. Sicher, sie ist durch den Wind, aber das kann sowohl daran liegen, dass sie sich unwohl fühlt, weil sie Angst hat ertappt zu werden oder aber, weil sie sich in Gegenwart eines Mörders unwohl fühlt, aber auch möglich, dass sie Angst hat, unschuldig beschuldigt zu werden...“ Dann blieb für ihn nur noch ein einziger. „Der Nara... keiner von uns weiß, ob er überhaupt ein Nara ist. Wissen wir, wie der Gruppenführer aussah? Können wir uns sicher sein, das er nicht den echten Nara ausgeschaltet hat, und jetzt dessen Namen und Stirnband als Tarnung benutzt? Er hat weder bei unserem ersten treffen noch bei unserem Kampf, wenn man es denn so nennen kann, Techniken seines Clans benutzt... Wir haben keinen Beweis, das er überhaupt ist, für wen er sich ausgibt. Zudem dieser Funkspruch von Junko, als Itoe mit ihm alleine war... Ich traue ihm nicht.“
Gott, jeder einzelne hier könnte es gewesen sein. Vielleicht mehr als einer, vielleicht alle, vielleicht keiner... „Wir können ja nicht mal ausschließen, das es nicht mehr als einen Täter gibt... Eine Gemeinschaftsaktion...“ Man konnte Arachino richtig ansehen, wie sein Kopf rauchte, während er versuchte, alle Fakten, die er hatte, zusammenzulegen. Doch letztendlich kam er nur auf diese eine Lösung und er fürchtete, sie würde seinem Geninkollegen nicht gefallen.
Er schüttelte den Kopf. „Nein...“ Er sah Kimihiro in die Augen. „... Ich krieg es nicht zusammen. Jeder hier könnte es gewesen sein. Oder keiner, oder alle... Klar, das klingt jetzt erst mal nach einem einfachen ausweg... aber wir reden hier immerhin von Mord... da sollte man nicht raten... vor allem, wenn es doch so... verdammt unsicher ist. Es tut mir Leid, aber ich kann dir nicht sagen, wen ich für den Mörder halte, weil ich keinen speziell im Verdacht habe.“
Tja, was würde man jetzt machen können? Alle verhören? Ninjas hatten Mittel und Wege, die Wahrheit zu erfahren... nicht zwingen die vier hier Anwesenden, aber im Dorf würde es sicher Spezialisten für so was geben. Würde das letztlich die einzige Chance sein, die sich hatten?
 

Misumi Kimihiro

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*Er hat auch keine Ahnung…*
Unter anderen Umständen wäre dieser Augenblick die perfekte Gelegenheit gewesen, sich erneut über Arachinos Unzulänglichkeiten als Ninja auszulassen – immerhin schaffte er es nicht einmal, ein oder zwei der Anwensenden als Verdächtige auszuschließen. Auf der anderen Seite war Kimihiro wohl der letzte, der nach all der Gripsanstrengerei noch Lust dazu hatte, sich in Gedanken über seine Teammitglieder zu beschweren.
Womit ihm aber nur noch eins zu tun übrig blieb: Wieder allein darüber nachzudenken, wer es sein konnte.
Noch immer bei Arachino stehend ließ Kimihiro den Kopf hängen, seufzte, und drehte sich dann um. Erneut lagen der Raum und alle Verdächtigen vor ihm, und damit alle Ideen, Probleme und Fragen, die in seinem Kopf herum spukten. *Yay.* Mit einem tiefen Atemzug richtete sich der Künstler letztlich zu voller Größe auf, begann den langen kurzen Weg in Richtung Junko, und hoffte inständig, dass sich dank dem Druck während der paar Schritte endlich eine Antwort hinter seinem Augen finden ließ, die er dem kühlen Meisterhirn guten Gewissens verkünden konnte.
*Wenn Yuuka hier wäre, dann gäbe es absolut kein Problem. Einmal ein paar Köpfe durchgeschaut, und schon wäre der Schuldige entlarvt.*
Schritt für Schritt kam Kimihiro Junko näher, wobei er seinen Blick stramm auf den Tisch vor seiner Teamleiterin gerichtet hielt. Eine Antwort… fünfzig zu fünfzig standen die Chancen, dass er mit seinem Namen richtig lag – keine schlechte Quote eigentlich. Aber warum hatte Kimihiro dann einen so fetten Kloß im Hals, als er den letzten Schritt auf Junko zu machte und gezwungen war, sich für eine von zwei Möglichkeiten zu entscheiden?
Es war soweit, doch eine Antwort hatte er noch immer nicht. Kimihiro räusperte sich, kratzte sich am Kopf, und beugte sich nur ganz langsam zu Junko herunter. Währenddessen schlugen die Fakten der zwei Todesfälle in seinem Kopf Purzelbaum, allen voran die wohl eindrücklichste Szene des ganzen Tages: Der Augenblick, in dem Shogo Koji sich vor unzähligen fröhlichen Menschen auf grausame Weise das Leben genommen hat. Das viele Blut, die dreckige Klinge, der schmerzerfüllte Ausdruck in seinem Gesicht... und die verwirrten, geschockten und verzweifelten Mienen der zahlreichen Menschen, die nichts anderes wollten, als für ein paar Stunden dem grauen Alltag zu entfliehen und alle Sorgen hinter sich zu lassen. Insofern waren Shogo Koji und Shinya Mutsumi wohl nicht die einzigen Opfer des Tages.
Als Kimihiro letztlich seine Stimme erhob und leise zu Junko flüsterte, fühlte es sich eher so an, als würde er jemand anderem dabei zuhören, wie er eine endgültige Anschuldigung in Worte fasste.
„Es war Ayaka. Jeder der vier hatte die Mittel, die Möglichkeit und ein Motiv, doch ich kann nicht glauben, dass einer von ihnen gewollt hat, dass Kojis Tod genau so abläuft, wie es nun einmal passiert ist. Das vorausgesetzt muss man einen Fehler in der Giftdosierung vermuten, der weder einem Arzt, noch einer al-… erfahrenen Frau unterlaufen wäre. Und was den Nara angeht, ganz ehrlich: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er überhaupt dazu in der Lage ist, Fehler zu machen, wenn’s ums Töten geht.“
Das war es also. Mörder enttarnt, Klappe zu, Affe tot. Hoffentlich. Trotzdem fühlte sich der Künstler nicht sonderlich viel besser.
*Ist doch alles... meh.*
 
M

Mameha Junko

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Das war doch alles die absolute Oberscheiße, nicht wahr? Außerdem hatte sich in Kimihiros Theorie ein fataler Fehler eingeschlichen: Warum ging er pauschal davon aus, dass die alte Frau sich in Giftkunde auskannte? Kräuterkundig zu sein hieß nicht unbedingt, sich mit tödlichen Giften auszukennen, und wie der Zufall es so wollte, hatte Madame Wahrsagerin mit Gift, wenn es nicht gerade um milde Schlaf- und Beruhigungsmittel ging, so gar keine Ahnung.

Und doch senkte Ayaka schuldbewusst den Kopf, als Kimihiro sie beschuldigte. Er hatte Recht. Sie war es, sie und niemand anderes. Sie war die Mörderin.

Von Natur aus war Ayaka eine sehr mitfühlende und sensible Person, die ihre Eltern liebte und glücklich Blumen pflückte und Schmetterlinge beobachtete. Die Tatsache allerdings, dass ihrer Großmutter so viel Leid angetan wurde, erschreckte sie zutiefst. Doch das Leben wurde erst richtig hart, als die Seuche eintraf und ihre Eltern dahinraffte, mit dem einzigen Mediziner in der Nähe, der es hätte behandeln können, in den Händen ihres Großvaters. Dieser war so zweigesichtig, dass Ayaka die Welt nicht verstand – er verteilte Süßigkeiten an Kinder, spendete fürs Tierheim, hatte eine Leidenschaft für Fußball und züchtete Rosen, aber auf der anderen Seite hatte der Streit mit Iroki ihn zu solchen Tiefen getrieben, dass er seine prestigereiche Position ausnutzte, nur um seiner Ex-Frau eins auszuwischen. Sie vermutete auch bei dem Mediziner eine Vorgeschichte und war entsetzt, dass ihr Großvater, ihr lieber, gutmütiger Großvater, mit derartigen Ungerechtigkeiten einfach so durchkam.

Also hatte Ayaka beschlossen, ihre Tränen zu trocknen und Rache zu nehmen. Leider kannte sie sich mit Gift nicht besonders gut aus und wollte ihn ursprünglich nur bis auf die Knochen auf der Bühne blamieren … damit seine gute Reputation endlich den Bach herunter ging. Damit die Welt sein wahres Gesicht sah, sein hässliches Janusgesicht, beide Seiten der Medaille. Leider hatte sie die Dosierung sowie die Stärke ihrer Kunst arg unterschätzt, sodass der Effekt sie selbst überrascht hatte. Weinend hatte sie ihrer Großmutter davon berichtet, die nicht viel Trauer für ihren geschiedenen Ehegatten empfand, aber versuchte, ihre Enkelin vor den Folgen ihres Fehlers zu schützen … was dazu geführt hatte, dass sie sich im Gespräch immer wieder verdächtig verhalten oder die Schuld auf den Arzt geschoben hatte. Ayaka – gar nicht dumm – hatte dies gemerkt und daraufhin beschlossen, den Verdacht auf sich selbst zu lenken, indem sie den vertrauenswürdigen Nara-Shinobi, der sich gewiss aus solchen Sachen leicht herausreden konnte, einfach der Bekanntschaft mit ihr bezichtigte. In Wirklichkeit hatten sich die beiden das erste Mal in diesem Raum getroffen und die Aussage war nur ein Ablenkungsmanöver, um die Großmutter zu schützen.

Auch der Arzt hatte die Angelegenheit nicht richtig durchschaut, aber aufgrund ihrer Gehässigkeit erst einmal die rachsüchtige Ex-Ehegattin vermutet … bedauerlicherweise lag er falsch.

Und Nara Noboru? Der hatte von Anfang an nicht mitgespielt und keine Ahnung, warum es ging. Fest stand, dass er auf Umwegen seine geliebte Gouvernante, der er wirklich sehr nahe gestanden hatte, verloren hatte. Er zog es gerade vor, zu schweigen und zu trauern und war daher froh, dass sich die Sache auflöste, wirkte aber eher reserviert und zugeknöpft.

Tja, da stand die Gruppe nun. Junko lehnte mit verschränkten Armen gegen eine Wand und ließ die Wahrheit erst einmal sacken, während Ayaka, arme unschuldige Ayaka, bittere Tränen vergoss.

Iroki allerdings unternahm einen letzten, verzweifelten Versuch, ihre Enkelin aus dieser Misere herauszuboxen. „Sie war es nicht wirklich. Ich habe sie dazu angestiftet …“ Das klang sogar improvisiert.
 
A

Aburame Arachino

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Das war es also? Der Mörder... nein, vielmehr die Mörderin war enthüllt worden und nun? Was würde sie wohl erwarten? Was für eine Strafe gab es für so etwas? Würde sie es als Unfall ausgeben können? Ein tragisches Missgeschick? Würde sie sagen, sie wusste nicht, wie das Gift wirkte? Das sie es nicht so weit treiben wollte? Würde man ihr glauben? Und wenn ja... was würde man ihr dann anhängen? Fahrlässige Tötung? Oder würde man ihr nicht glauben und sie wegen Mordes verurteilen? Und wenn ja, was würde dann mit ihr Passieren? Würde man sie wegsperren oder hinrichten, wie ging man hier mit Mördern um?
All diese Fragen.... Interessierten Arachino nicht wirklich. Er sah die weinende Ayaka nicht einmal wirklich an. Menschen töten andere Menschen, was war daran neu? Er und seine beiden Kollegen hier wurden für genau so etwas ausgebildet, um später zu töten. Viele redeten sich die Sache schön, aber alles in allem waren Ninjas nur Söldner und Söldner töteten. Diese Frau hatte jetzt auch getötet. Warum genau sollte ihn das kümmern. Für ihn war hier Schluss. Keiner erwartete mehr von ihm, sich den Kopf über eine solche Kleinigkeit zu zerbrechen, an der er eh nichts mehr ändern konnte. Was hatten sie denn jetzt gewonnen? Die beiden Opfer waren noch immer Tot. Und jetzt würde höchstwahrscheinlich auch noch das Leben einer weiteren Person, nämlich Ayaka, zerstört werden. Und für was? Die Angebliche Gerechtigkeit? Dieselbe Gerechtigkeit, die Frieden nur durch militärische Macht möglich machte?
Ach war das Herrlich. "Diese Welt ist so wunderbar Grausam, ich liebe es!" Ja, der Satz war unpassend, doch als Arachino zur Tür hinaus ins Freie ging, konnte er ihn nicht unterdrücken. "Ich frage mich, was für wunderschöne Grausamkeiten diese Welt für mich noch im petto hat." Er kicherte leise in sich hinein. "Sind wir hier fertig?" Er drehte sich dabei zu Junko um. "Oder müssen wir die Dame jetzt noch gefesselt abführen?" Oh wie wunderbar taktlos. Und was man wissen sollte: Arachino gefiel es, so Taktlos zu sein. Er musste sich beherschen, um nicht laut loszulachen. Heute hatte er seinen ersten Schritt getan, in einer Welt voller Mord, Gewalt und Hass. Und es gefiel ihm.
 

Misumi Kimihiro

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Müde stützte sich der Künstler auf den Tisch, an dem die Teamleiterin ihre Lemminge begrüßt hatte. Ein Blick ins Gesicht der Chuunin genügte, um zu wissen, dass seine Vermutung stimmte.
Freude, Erleichterung oder gar Stolz, dass er am Ende doch den richtigen Tipp abgegeben hatte, suchte Kimihiro allerdings vergebens. Sein Körper fühlte sich einfach nur kraftlos an, ein lebloses Gewicht, dem sein Geist nur allzu gern nachgab. Seine Augen klappten zu, der Kopf kippte nach vorn. Angelernte Automatismen sorgten zwar dafür, dass sich Kimihiro nicht noch weiter gehen ließ, sondern die Hände vom Tisch löste und den stumpfen Blick über die Gesellschaft zu Iroki schweifen ließ, die ein letztes Mal vergebens versuchte, ihre Enkelin in Schutz nehmen, doch andere Reaktionen ließ er komplett vermissen. Kein endgültiger Richterspruch, kein Klimpern mit irgendwelchen Fesseln, nicht mal ein sorgenvoller, mitleidiger oder enttäuschter Blick zu Ayaka. Einfach nur müde Zurkenntnisnahme der letzten Worte einer Zeugin, bevor die Zeit leise diesen abgedroschen-echten Kriminalroman zuklappte.
Die Geschichte war geschrieben, was fehlte waren Kommentare. Arachino schien sich offenbar dazu genötigt, diese Aufgabe auf sich zu nehmen. Nachdem er an der Entstehung des Werks schon kaum beteiligt war, musste er es nun zumindest wie ein unterbezahlter Vorstadtschundheftkritiker in der Luft zerreißen. Eine doppelte Dosis einer faden Antithese und der jämmerliche Versuch einer Überkreuzung, die in der ermüdend-zähen Ironiesuppe des Frischlings lauwarm dahintrieben. Wen glaubte er damit eigentlich zu beeindrucken? Was dachte er – und dachte er überhaupt? Kurz huschten Bilder am Rand seines inneren Auges umher – Kimihiros Hand, die Arachino von hinten einen Klaps gegen den Hinterkopf verpasste; ein bitterböser Blick, um den Jungen zur Räson zu rufen; ein bissiger Kommentar, um ihn seiner Stellung zu erinnern - doch wie Schemen in der Dunkelheit lösten sich die deutlichen Formen seiner Peripherie in Nichts auf, sobald der Künstler versuchte, einen dieser Pläne zu fixieren.
Hölzern straffte Kimihiro seine Haltung und blickte zurück zu Junko, die sich daran zu machen schien, die nötigen Schritte zu tun. Ayaka würde in Gewahrsam genommen werden, und auch die Tage der verschiedenen Zeugen waren noch lange nicht vorbei – es gab immerhin einen Bericht zu verfassen, in dem ihre Aussagen nicht fehlen durften. Besonders über dem Nara und dem Ninja aus Kumogakure würde ein ganzes Meer an Fragen zusammenbrechen; Kimihiro wollte nicht in ihrer Haut stecken. Genaugenommen wollte er in niemandes Haut stecken, nicht mal in seiner eigenen. Diese verlangte nämlich von ihm, zumindest ansatzweise die Pflichtvergessenheit aufzuwiegen, die der Käferjunge an den Tag legte: Mit verschränkten Armen erwartete und befolgte er die Befehle seiner Anführerin, sofern sie überhaupt Arbeit delegierte. Ayaka wurde letztlich abgeführt und der Rest der kleinen Versammlung, durchsetzt von einer Handvoll Wächtern – Neuankömmlingen, die sich um den Rest des Protokolls kümmerten -, blieb eingepfercht in dem gedrungenen Rathaus zurück, als der Künstler Seite an Seite mit dem Rest des Teams das Gebäude verließ. Lustlos vermied er Augenkontakt zu seinen Kameraden, während er ihnen mit zu Boden gerichtetem Blick folgte. Sein Körper bewegte sich hierbei praktisch von alleine während die Gedanken in seinem Kopf wie die Wolken oben am Himmel einfach nur dahinglitten: Formlos, ziellos, grau in grau. Und warum auch nicht? Was nützte es schon, sich Gedanken über irgendetwas zu machen, wenn es am Ende immer darauf hinauslief, dass irgendjemand verhaftet, verletzt oder getötet wurde?
Doch das war nun einmal das Leben eines Ninja. Er kämpfte für das „Gute“ und gegen das „Böse“, nur um sich doch nur immer wieder in Grautönen wiederzufinden. Warum sich nicht gleich darin verlieren?
 
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Mameha Junko

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Der Fall war gelöst, die Mission war abgeschlossen, die Genin waren von ganz alleine auf die Lösung gekommen. Junko seufzte innerlich, als Ayaka letztendlich anfing zu weinen und die Großmutter einen letzten Täuschungsversuch unternahm. Es war vergebens. Was immer mit Ayaka geschah und wie auch immer es um ihre Schuldfähigkeit bestellt war, war nicht an den Shinobi zu entscheiden oder gar zu beurteilen. Ein Strafprozess würde sich um diese Angelegenheit kümmern.

Insgesamt hinterließ der ganze Fall einen schalen Geschmack auf der Zunge. Ein alter, boshafter Mann starb, das Leben eines jungen, hübschen und sanften Mädchens war zerstört, und warum? Wofür? Hätte sie nicht einfach warten können, bis das Alter ihr Opfer dahinraffte? Warum hatte es zu dieser Vergeltungsmaßnahme kommen müssen?
Eine leise Stimme in Junko wies sie allerdings darauf hin, dass sie selbst nicht frei von der Schuld war, die sie Ayaka jetzt aufbürdete. Sie hatte ebenfalls bereits gemordet: Aus Vergeltung, aus einem Gerechtigkeitssinn heraus, aus allem, was Ayaka angetrieben hatte. Das Einzige, was sie beide unterschied, war Junkos Status als Shinobi, der sie praktisch mit einer Lizenz zum Töten ausstattete. Und wenn sie sich gerade den pubertären und unreifen Arachino ansah, der gerade daran arbeitete, Aufmerksamkeit auf kindische Art und Weise auf sich zu ziehen, so konnte es für Junko nur eine Handlung geben.

Schweigend und in einer beiläufigen Bewegung packte sie Arachino am Nacken, schleifte ihn ins Badezimmer, drückte sein Gesicht in die Kloschüssel und spülte zweimal. Falls er irgendwelche Einwände in Form von Widerstand oder Käfern hatte, durfte er sich gerne mit ihrem Können im Bereich Genjutsu, Taijutsu oder Ninjutsu messen und den Kürzeren ziehen. Idiotie gehört bestraft, insbesondere, wenn es um ein so vitales Thema für Shinobi geht: Töten, Sterben und Leben lassen. Der Junge war noch nicht bereit, ein Shinobi zu sein.

Die Klospülung brüllte noch, als sie ruhig und gelassen, sich den imaginären Staub von den Schultern klopfend wieder in den Raum trat und den weggetreten wirkenden Kimihiro in Augenschein nahm. Er schien irgendwie nicht ganz bei der Sache, eine viel natürlichere Reaktion, die auf eine gefestigtere Persönlichkeit schließen ließ. Dem Burschen tätschelte sie beruhigend den Arm, ehe sie Itoe zunickte und Kimihiro mit sanfter Gewalt von diesem Ort fortzog, damit dieser sich ausruhen konnte. Das war zuviel Drama für einen Tag und das Ende dieser Geschichte.



Mission abgeschlossen



A/N Exp berechne ich morgen, also nicht ungeduldig werden. Ihr seid offiziell aber bereits freigestellt und dürft euch in neue Missionen eintragen.
 
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