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Grenzgebiet zu Yu no Kuni

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Cf: Ein kleines Rasthaus an der Grenze zum Reich des heißen Wassers

Es gab einige Themen, die den jungen Mann mehr und andere Themen, die ihn wiederum weniger interessierten. Joudan’s Umgang mit dem Schlagstock gehörte definitiv zu der ersten Kategorie, während das seltsame Verhältnis von Mai und Raku definitiv zu letzterer gehörten. Aber wie gesagt, wer war er schon, um über andere zu urteilen? Natürlich hatte der Jirokou niemals in Gefahr geschwebt, denn die Bediensteten wollten sich doch nur um ihn kümmern – wenn auch auf eine besondere Art und Weise. Aus diesem Grund winkte Shunsui ab, ehe er sich langsam den nächsten Bissen Dango gönnte. „Alles gut, es ist ja nichts passiert. Wahrscheinlich hätte sich Raku über seine Rettung beschwert.“, setzte Shunsui noch nach. Hui, was war das? Machte er jetzt auch noch Witze? Die Verwandlung des schüchternen jungen Mannes war wirklich allumfassend! Während er also genüsslich das Essen vertilgte und einen Schluck zu trinken zu sich nahm, hörte er nur unterbewusst der Unterhaltung zu, denn es ging gerade um die besagten Shiros und ihre seltsame Beziehung. Also so eine war Mai, spielte Hard to Get? Vor Joudan kümmerte sie sich nicht einen Deut um Raku, doch sobald der mit den Mädels abzischte, zog sie eine traurige Schnute. So so. Als der Kushou sich jedoch danach erkundigte, ob er denn mal eine Freundin gehabt hatte, verschluckte er sich sichtlich an seinem Essen. Der falsche Brillenträger röchelte nach Luft, während er sich mehrmals kräftig auf die Brust schlug, ehe seine Luftröhre wieder frei von Essen war. Mit Tränen in den Augen sog Shunsui dankbar die kühle Luft und räusperte sich mehrmals. Bei dieser Frage war natürlich sofort Kaya’s Anlitz in seinen Gedanken erschienen. Sie standen sich nahe, sehr nahe … aber konnte er sie einfach seine Freundin nennen, ohne es mit ihr abgesprochen zu haben? Noch scheute sich der Jirokou davor, seine Beziehung zu ihr öffentlich zu machen, da er wirklich genug mit sich selbst beschäftigt war und mit all diesen neuen Emotionen und Empfindungen zurecht kommen musste. Die goldenen Augen fixierten seinen Gegenüber. Aber es handelte sich um Joudan, der ihn immer gut behandelt hatte und sogar seine Beförderung und Verwandlung ohne einen Mucks angenommen und sich sogar für ihn gefreut hatte. Also hatte er sich ein wenig Wahrheit verdient, oder etwa nicht? „Also …“, begann Shunsui und man konnte ihm anmerken, dass es sich dabei um ein wichtiges Thema handelte. „… ich mag Kaya sehr.“, schloss er seinen emotionalen Gefühlsausbruch und die elend lange Erzählung ab und lächelte seinen Kollegen bei diesen Worten an. Was Joudan wohl davon halten würde? Immerhin kannte er ja das Rabenmädchen auch!

Den Rest der Reise brachten sie auch ohne größeres Aufsehen hinter sich, sodass sie sich einige Zeit vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt einfanden: Einer alten Villa, nicht unnahe der Grenze zum Reich des heißen Wassers. Die Villa machte den Anschein, als sei sie seit Jahren verlassen: Dicke Staubschichten lagen auf alten, hölzernen Möbelstücken und der Garten wucherte auch schon wie verrückt. Die Szenerie, welche Shunsui jedoch noch vorfand, erwärmte sein Herz: Aus Kirigakure stammend, waren Regen und Wasser lebenslange Begleiter gewesen, weshalb er sich beim Anblick jener immer freute. Sei es ein gemütlicher See, eine heiße Quelle oder gar ein stürmisches Gewitter – es gab sehr wenig, dass den Jirokou derart glücklich stimmte. Insofern hatten sie hier beim Treffpunkt einen Volltreffer hingelegt, denn im Garten der Villa befand sich eine natürliche heiße Quelle. *Vielleicht komme ich ja noch dazu, die berühmten heißen Quellen auszutesten.*, dachte sich der junge Mann, während Rauchschwaden aus der natürlichen heißen Quelle emporstiegen. Möglicherweise ergab sich ja die Möglichkeit, nachdem sie diesen Auftrag abgeschlossen hatten. In dieser Villa sollten sie sich mit ihrem Kontaktmann treffen, doch mehr als einen Namen hatte der Jirokou nicht bekommen: Takeshi. Dementsprechend mussten sich Shunsui und Joudan nun etwas gedulden, konnten aber dafür nun endlich durch schnaufen - vor allem der Kushou. „Wir sind gut in der Zeit, also kannst du dich umziehen und frisch machen.“, teilte er dem Anderen mit, da er ja viel auf sein äußeres Erscheinungsbild gab.

Von den Vertretern Shirogakures war ebenfalls keine Spur zu sehen, also konnte der blonde Shinobi seine Neugier fürs Erste nicht befriedigen. Im besten Fall hätten Sie es mit kompetenten und umgänglichen Leuten wie in Shinkusa zu tun. Im schlechtesten Fall mit arroganten und überheblichen Shinobi. Aber davon gab es ja auch genügend auf Seiten der fliegenden Stadt. Er konnte erfahrungsgemäß davon sprechen, war er doch früher aufgrund seines der Öffentlichkeit vorgespielten Alter Egos nie ernst genommen und dafür oft ausgelacht und gehänselt worden. Bei diesem Gedanken atmete der falsche Brillenträger einige Male tief ein und aus, denn dieses Kapitel war abgeschlossen und er hatte sich geschworen, ein neues Leben zu führen. Dass so etwas nicht ohne Komplikationen ablief, war ihm erst kürzlich bewusst geworden, als er in den Rang eines Chuunin gehoben worden war. Dadurch wurde ihm auch ein fortgeschrittener Einblick in die Aktien von Shinobi aus Soragakure gewährt. Mit der Vorstellung vor Augen, endlich die Mörder seiner Eltern zu finden und konfrontieren zu können - auch wenn er Kaya versprochen hatte, nicht mehr auf Rache aus zu sein - hatte er der Versuchung nicht widerstehen können und hatte einige Akten beantragt. Shunsui's Herz hatte beim Durchsuchen der Akten bis zu seinem Hals geschlagen, doch er sollte enttäuscht werden, denn zwar fand er den für den Vorfall Verantwortlichen Trupp, doch die Hälfte der damaligen Mörder war inzwischen verstorben und die andere Hälfte hatten Soragakure den Rücken zugewandt. Scheinbar hatten sie bei so einigen Einsätzen eine Spur an Toten hinterlassen und ab einem gewissen Zeitpunkt auch das Dorf betrogen und ein Leben als geächtete Shinobi begonnen: Nuke-Nin. Der Jirokou war unglaublich frustriert über seine Erkenntnisse und hatte die Akten vor Wut durch seine Wohnung gepfeffert. Vielleicht war es aber auch gut so, denn auf diese Art und Weise kam er nicht in Versuchung, seiner dunklen Seite zu verfallen. Und sollte er doch zufällig, so unwahrscheinlich es auch war, einem der Mörder begegnen, so hatte er zumindest noch die Bilder aus seiner Kindheit vor Augen. Sie hatten ihn jahrelang in seinen Träumen verfolgt, sodass er sie niemals wieder vergessen würde. Vergessen konnte. Und zusätzlich hatte er auch die aktuellen Bilder aus den Akten gesehen. Aber das war sowieso alles theoretischer Natur … oder?

So kam es, dass Shunsui es sich auf einem der Stühle – natürlich nachdem er den Staub weggewischt hatte – gemütlich gemacht hatte, und weiter seinen Gedanken nachging. Anders als einige Momente zuvor, schweiften sie jedoch zu angenehmeren Themen – Hayabusa Kaya. Dem Jirokou fiel es selbst nach all den Wochen und Monaten schwer, seine Empfindungen und Emotionen richtig einzuschätzen, so wie Joudan es wohl mitbekommen hatte zuvor. Eines wusste er jedoch, dass er sie mochte und sich zu ihr hingezogen fühlte, denn sie hatte ihm einen neuen Weg offenbart. Leider war die Verabschiedung relativ kurz ausgefallen, aufgrund der Dringlichkeit ihres Auftrages, doch er hoffte, dass die junge Frau es verstand. Anders als bei der Beförderung zum Chuunin, als sie ihm die kalte Schulter gezeigt, was ihn doch ein wenig mitgenommen hatte. Da waren zum ersten Mal seit Langem wieder Zweifel in ihm aufgekommen. War das überhaupt das richtige Leben für ihn? Was für eine Rolle sollte er hier spielen? Verdiente er es überhaupt? Und an dunkleren Tagen fragte er sich, ob er das überhaupt wollte … In diesem Augenblick wurde der junge Mann durch ein Geräusch aus seinen Gedanken gerissen. „Joudan … bist du das?“, erkundigte sich Shunsui bei seinem Kollegen. So lange konnte er doch auch nicht mit dem Umkleiden benötigen, oder etwa doch?

@Kushou Joudan @Sakaida Mai @Hasekura Chinatsu
 

Sakaida Mai

Chuunin
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-> Langweilige Umgebung mit viel Grün

Beinahe erschrocken sah Mai zu Chinatsu, als diese die Worte „Stock im Arsch“ in Bezug auf Raku aussprach. Das traute man ihr gar nicht zu! Sie sah viel zu niedlich für sowas aus.. Ein Prusten entkam der Blauhaarigen, welche nun tatsächlich darüber lachen musste. Während Chinatsu ihre Meinung über Raku weiter bekundete grinste Mai amüsiert vor sich hin. Ja, das klang tatsächlich nach dem Weißhaarigen, so wie sie ihn kennengelernt hatte. Wobei.. Entspannung würde ihm gut tun? Mai biss sich auf die Unterlippe. Ob sie Chinatsu davon erzählen sollte, welche Form von Entspannung Raku bevorzugte? Eigentlich war das ja seine Sache.. aber.. Mai konnte schon ein ziemliches Plappermaul sein. Nein, sie musste sich zusammenreißen! Der Drang, es Chinatsu auf die Nase zu binden, musste unterdrückt werden! Aber es war so einladend, mit ihr ein wenig über andere Leute zu quatschen..

Ob Mai wirklich spannende Missionen anzog? Man könnte es beinahe meinen! Und etwas sagte ihr, dass dieser Auftrag tatsächlich erneut sehr viele Nerven kosten könnte. Während sie auf überaus professionelle Art und Weise über die kommende Mission sinnierte, tat Chinatsu das kund, was ihr in diesem Moment durch den Sinn ging: Hübsche Sora-Nin! Kaum merklich zuckte die Chuunin zusammen und sah beinahe ertappt zu Chinatsu. Ertappt?! Moment. Nein, kein Grund, sich ertappt zu fühlen. Schnell versuchte sie, sich zu einem normalen Lächeln durchzuringen. Allerdings lief sie dermaßen rot an, als die Jüngere dann auch noch darüber sprach, dass sie unter diesen Umständen dann noch meh Spaß auf der Mission haben würden, dass es für Mai richtig schwer wurde. Spaß hatte sie mit einem 'hüschen Sora-Nin' auf der letzten Mission bereits gehabt. „Äh.. ja, umso hübscher, desto besser! Und.. umso spaßiger! Oder?“, stammelte sie hilflos vor sich hin und machte eine übertriebene, enthusiastische Bewegung mit den Armen. Mai hatte ja keine Ahnung, was genau das mit Joudan vor einiger Zeit gewesen war. Sie waren sich bis dato nur einmal begegnet, daher konnte man nun kaum von einer Bindung oder gar Beziehung sprechen. Mai fand ihn interessant und war durchaus gespannt, ob sie überhaupt noch einmal etwas von ihm hören würde.. Und sie hatte ihn wirklich sehr, sehr gern. Aber die Angst, erwischt zu werden, war allgegenwärtig. Gerade, als die Chuunin dachte, das Thema sei vom Tisch, erkundigte sich Chinatsu, ob sie denn einen Freund hätte. Wie aus der Pistole geschossen antwortete Mai: „Nein!“, ehe sie abwehrend die Hände hob und abwinkte. „Nein, nein. Bei all den spannenden Missionen.. Nein, das.. Nein.“ Dieses Thema war unangenehm! Und Mai hatte definitiv keinen Freund.. Ihr käme es komisch vor, Joudan nach nur einer Begegnung als solchen zu bezeichnen. Noch komischer aber kam es Mai vor, dass ihr bei diesem Gedanken plötzlich jemand anders in den Sinn kam. Jemand, dessen Antlitz sie vor ihrem geistigen Auge diesbezüglich nicht erwartet hätte. Es wurde Zeit, das Thema zu wechseln!

Chinatsu schien über mächtige Fuuton-Techniken zu verfügen, wenn sie mittlerweile bereits Baumstämme mit Wind zerschneiden könnte. Passend dazu war sie im Umgang mit ihren Fächern sehr bewandert, was Mai wirklich staunen ließ. Immer und immer wieder nickte sie anerkennend, während die Weißhaarige weitersprach. Doch besonders Interessant war das Bluterbe. Erstaunt folgten die blauen Augen dem kleinen Papierschmetterling, welcher um sie herumflatterte. Das war ja toll! Mai musste schon schmunzeln, da ihr durchaus aufgefallen war, dass es Chinatsu ein Anliegen war, gut auszusehen. Schließlich kam sie darauf immer wieder kurz zu sprechen. Aber wem sollte Mai etwas vor machen? Sie selbst war ja auch überaus eitel! „Wow, Chinatsu! Du bist wirklich ein Multitalent! Ich bin mir sicher, mit diesen Fähigkeiten sollten wir keine Probleme haben!“, teilte Mai ihr aufrichtig mit. Tatsächlich breitete sich in der Leiterin der Mission ein gutes Gefühl aus. Wenn Chinatsu wirklich so stark ist, dann könnte sie vor allem gut auf sich selbst aufpassen und Mai könnte dann etwas freier von ihren Sorgen agieren. Die Gegenfrage ließ die Blauhaarige ein wenig verlegen lächeln. So vielseitig wie Chinatsu war sie nicht aufgestellt. „Ich bin genauso wie du Ninjutsuka. Allerdings verwende ich Raiton-Techniken und viele medizinische Ninjutsu. Mittlerweile bin ich auch weit genug vorangeschritten, um mich als Genjutsuka zu bezeichnen, glaube ich..“, Mai hielt für einen Moment inne. Was gab es da noch großartig zu erzählen? „Beim körperlichen Training habe ich mich hauptsächlich auf meine Ausdauer, Geschick und Geschwindigkeit konzentriert.. Wenn es aber darum geht, jemandem einfach eins auf die Rübe zu hauen, bist du dran!“, lachte Mai gegen Ende auf und wiederholte bewusst die Worte Chinatsus.

____________

Die Nacht war bereits über die beiden Kunoichi hereingebrochen, als sie endlich die Grenze des Reichs des heißen Wassers erreicht hatten. Die alte, heruntergekommene Villa erkannten sie bereits von weitem, allerdings kamen sie nicht bei der Haustür an, sondern beim Garten hinter dem Anwesen. „Das Tor ist offen, lass uns gleich hier durch gehen. Wird schon niemanden stören.“, meinte Mai Schultern zuckend und ging einfach weiter durch den verwilderten Garten. Nun wurde es spannend.. waren die Shinobi der anderen Fraktion schon da? Und wer war dieser Informant? Während Mai angespannt gemeinsam mit Chinatsu auf die Veranda der Villa über den Treppenzugang hinaufstieg, schossen ihr viele Gedanken und Spekulationen durch den Kopf. Oben angekommen, bemerkte Mai die eingeschlagenen Scheiben des Hauses. Da von dort heraus eine Stimme zu hören war, wies sie Chinatsu stumm, kurz zu warten. Gekonnt schlich Mai im toten Winkel zum Fenster und sah seitlich hinein..

Du liebe Güte! Da saß ja Jirokuo Shunsui im Raum! Nicht zu fassen, dass sie ihm erneut begegnen würde. Erleichtert winkte sie Chinatsu an sich heran und lächelte fröhlich dabei. Als sie dann aber erneut durch das Fenster spickte, bemerkte sie eine zweite Person, welche gerade den Raum betrat. Geistesgegenwärtig sprang Mai auf Chinatsu zu und hielt sie an den Schultern fest, als wolle sie verhindern, dass sie Kushou Joudan ebenfalls sehen konnte. Dann aber fiel ihr ein, dass das ja völlig verrückt war und die Jüngere ja gar nicht wissen konnte, was hier vorging. Konnte das denn wahr sein? Schon wieder traf sie auf die beiden! Ihr Herz schlug wie wild und das Blut schoss ihr in den Kopf. Dieses Versteckspiel war eine Farce und raubte Mai den Verstand! Würde sie das aufrechterhalten können? „Ich.. ich muss dir noch etwas sagen.“, begann sie flüsternd, um Chinatsu ihr eigenartiges Verhalten irgendwie zu erklären. Nun brauchte sie aber eine gute Idee! „Ich kann das nicht vor dir geheim halten.“ Sie mochte die Weißhaarige und hatte in den Stunden der Reise bereits mehr Spaß mit ihr gehabt, als mit anderen auf ganzen Missionen. „Als wir im Grasreich waren, boten die Bediensteten des dortigen Daimyō den männlichen Shinobi ein gemeinsames Bad mit ihnen an. Und Raku hat dieses Angebot angenommen und ist mit zwei Frauen verschwunden!“, redete sie leise und hektisch auf Chinatsu ein und merkte erst dann, dass sie noch immer ihre Schultern gepackt hatte. Entschuldigend ließ sie endlich von ihr ab und hoffte, dass ihr dieses Geheimnis jeglichen Blick für alle anderen möglichen Geheimnisse nehmen würde. Ob die beiden Männer die Damen aus Shiro mittlerweile bemerkt hatten? „Das hast du nicht von mir! Aber ich musste es dir einfach erzählen!“, hing Mai diesmal in normaler Lautstärke an. Und das war nicht einmal gelogen, denn schon vorhin hatte sie den evolutionär bedingten Drang nach Klatsch und Tratsch gehabt!


@Jirokou Shunsui @Hasekura Chinatsu @Kushou Joudan
 
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>Natsu
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So war das also. Der kleine Shunsui hatte seine Augen auf's Rabenmädchen geworfen. Gute Wahl, das musste Joudan seinem Teamleiter zugestehen. Kaya war ein durchaus interessantes Mädchen mit einer magnetischen Persönlichkeit. Und hübsch war sie auch. "Das freut mich ehrlich für dich!", rief er begeistert aus. "Ihr passt auch gut zusammen." Doch anstatt den jungen Jirokou weiter über Kaya auszufragen - Ob das wohl auf Gegenseitigkeit beruhte? Ob sie sich schon geküsst hatten? Joudan war ja sooo neugierig! - brach er lieber auf. Denn neben seiner ehrlichen Freude für Shunsui begann der Händlersspross noch eine zweite, dunklere Emotion zu fühlen. Etwas, was er neulich schon vor der Bibliothek gespürt hatte. Neid. Eifersucht. Wie konnte es sein, dass Shunsui eine Freundin haben durfte, die er jeden Tag sehen konnte, und Joudan mit einer netten Dame angebandelt hatte, die auf einem anderen Kontinent lebte? Wie durfte Kaya es so leicht haben und Joudan es so schwer? Das war doch... unfair.

~._.~"~._.~"~._.~"~._.~"~._.~

Die alte Villa, die wohl den Treffpunkt mit Team Shiro und der Kontaktperson sein sollte, machte einen bedrückenden Eindruck auf den jungen Händlersspross. So (ehemals) prachtvolle Häuser lagen nie grundlos brach. Das Anwesen erzählte dem offenen Geist beim Anblick eine Geschichte. Die Geschichte eines Nobelmannes, der ohne Nachkommen verstorben war. Die Geschichte eines Staatsdieners, der wegen düsterer Machenschaften im Kerker gelandet war. Die Geschichte einer zerbrochenen Familie, die nun den Landsitz nicht mehr zum Sommerurlaub aufsuchte (Das war übrigens Joudans Geschichte).
Als Shunsui und Joudan den Treffpunkt erreicht hatten, strahlte die Sonne gerade tief stehend mit letzter Kraft über die Berge und den Horizont hinweg. Bäume, Sträucher, Villen und Menschen warfen langgezogene Schatten auf den Boden, während das Sonnenlicht glänzte wie Gold oder wie Weizenfelder kurz vor der Ernte. Doch wohin die Abendsonne nicht fiel, da herrschte tiefste Dunkelheit. So gähnte das Haus den beiden Shinobi bondenlos und leer aus Fenstern und Türen entgegen, spie schwarze Unendlichkeit in das schwindende Licht.
Vielleicht wirkte die Szenerie ja auch nur so bedrückend auf den jungen Herren, weil es ihm körperlich nicht besser ging als schon zuvor an der Raststätte. Brust und Lungen pulsierten schmerzhaft, das Herz hämmerte gegen den Rippenkäfig als versuche es, aus ihm herauszubrechen und die Oberschenkel stachen, wie von hundert Nadeln durchbohrt.
"Wir sind gut in der Zeit, also kannst du dich umziehen und frisch machen.", lautete die Frohe Botschaft, die Shunsui verkündete. "Und das, obwohl wir uns... echt Zeit gelassen haben...", ächzte der Ältere als lustige Antwort, ein schwacher Rest eines Grinsens auf den Lippen. Man hätte den Herren vierteilen können, er hätte sein Lächeln nicht verloren (auch wenn Joudan sich gerade fühlte, als würde er Galgenhumor zum Besten geben).

Über die Gelegenheit, sich frisch zu machen, war der Blondschopf mehr als dankbar. Nachdem er zusammen mit dem anderen Blondschopf die Villa, die von innen nicht mehr ganz so beängstigend, sondern nur noch schmutzig und staubig aussah, durchsucht hatte, waren die beiden zum Schluss gekommen, dass weder die Kontaktperson noch die Ninja aus der anderen Fraktion hier waren. Ein Treffen war wohl erst nach Sonnenuntergang angesetzt. Diesen Umstand nahm Joudan, wie angekündigt, wahr, um sich ein wenig von der strapazierenden Eilreise zu säubern und zu waschen. Ein bad in den heißen Quellen im Garten wirkte verlockend, doch Joudan wollte schnell machen und fertig sein, bevor der Rest eintraf. Also sah er nach einem Badezimmer. Zum Glück schien das Wasser in der Dusche noch zu laufen, wenngleich es nicht warm wurde. Schweren Herzens sah der Ame-Nin dem Unausweichlichem entgegen, wer schön sein wollte, der musste eben leiden. So verriegelte er die Türe hinter sich, schlüpfte aus den verschwitzen und durchnässten Klamotten, warf sie in eine Ecke (ob er sie verbrennen oder mit heimnehmen würde, das stand noch zur innerlichen Debatte), trat in die Duschwanne und drehte das Wasser auf.




Kalter Regen fiel gnadenlos, wählte nicht zwischen Jung und Alt, zwischen Schuldig und Unschuldig, zwischen Gemeinsam oder Einsam. Er machte keinen Unterschied, verschonte niemanden, traf alle gleich.

Ein gelber Regenschirm sollte Abhilfe schaffen. Joudan spannte ihn mühsam, wie eine Sonnenblume im grauen Betonfeld Amegakures sah er aus. Doch obwohl er Rin vor dem Regen schützte, rannen noch immer Tropfen von ihren Augen die Wangen hinab.
Sie so zu sehen schmerzte Joudan mehr als die Weinflasche, die Yosata - Joudan hatte schon seit Monaten aufgehört, sie "Mutter" zu nennen - nach ihm geworfen hatte.

Wie Artilleriebeschuss schmetterten Regentropfen auf die Straßen und Dächer, auf Menschen und Regenschirme. Sie spielten einen Trommelwirbel auf Beton, Asphalt und Stahl, der sogar das Schluchzen Rins und das Straffen der Haut an Joudans Fingerknöcheln übertönte, als er seine freie Hand zur Faust ballte.
Hinter ihm baute sich eine Türe auf, ebenholzschwarz und kalt, massiv genug um das Toben und Wüten dahinter völlig zu verschlucken.

Sie würde sich für Joudan nie wieder öffnen.


Joudan hasste es, zu duschen. Er badete viel lieber. Betrübt drehte er am Hahn und stellte so den künstlichen Regen, der sich aus dem Duschkopf über ihn ergeben hatte, wieder ab. Trotzdem konnte er noch spüren, wie ihm einige letzte Tropfen die Wangen hinabrannen, bevor sie versiegten. Langsam zog er kalte, saubere Luft in seine Lungen, behielt sie ein halbes Duzend Herzschläge dort und gab sie langsam und kontrolliert wieder aus, dann richtete er die gesenkten Schultern hoch und zurück, nahm die Stirn von der gefliesten Duschkabinenwand und wühlte nach der Schriftrolle mit Ersatzkleidung und Handtuch. Ein wenig Duftwasser durfte auch nicht fehlen.

Wieder wie ein zivilisiertes Mitglied der Gesellschaft aussehend (und riechend) machte Joudan sich auf die Suche nach seinem Kollegen. Die durchgeschwitzten Klamotten waren schnell in einer Schriftrolle versiegelt gewesen, so mieften sie nicht und Joudan konnte ihnen die Chance einer Reinigung geben. In ein schwarzes, langärmliges Hemdn gehüllt, die oberen zwei Knöpfe nach dem Duschen noch ganz leger offen, und mit dunkelbraun-schwarz gestreifter Hose und Weste, sah der junge Herr gleich wieder wie gewohnt aus. Den Captain zu finden war auch keine große Kunst für Joudan, er folgte einfach dem Licht. Mittlerweile hatte die Sonne den Kampf gegen die Nacht verloren und Dunkelheit lauerte in jeder Ecke, jeder Fuge und jedem Zimmer, das nicht durch das Licht einer kleinen Glaslaterne mit milchig-angelaufenen Fenstern erleuchtet wurde - und zum Glück gab es da nur eins.
"Ja, keine Angst.", kündigte der Genin sich auf die Nachfrage seines Kameraden hin an. Dann wandte er sich um. Hatte er da eben Stimmen gehört?

@Hasekura Chinatsu @Jirokou Shunsui @Sakaida Mai
 
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Okay, also das hilflose Gestammel der Sakaida war schon ziemlich verdächtig. Die Hasekura blinzelte ein paar Mal fragend, während Mai wild mit ihren Armen wedelte und zuerst bestätigte, dass ein paar hübsche Sora-Nin durchaus die gewisse Würze in diese Mission bringen könnten. Und dann, ebenso plötzlich und entschieden, verneinte die andere Kunoichi, dass sie einen Freund hätte. Hm. Skeptisch blickte die Hasekura zu ihrer Teamkollegin, beugte sich sogar ein Stück weit in ihre Richtung und schien sie einen Moment mit ihrem prüfenden Blick zu durchbohren. Ahnte Natsu etwa, dass hier etwas nicht stimmte? Dass Mai… etwas zu verbergen hatte? Ein paar Sekunden verstrichen – bevor das ernsthafte Gesicht von einen Moment zum Nächsten plötzlich durch ein breites Grinsen ausgetauscht wurde. „Na dann! Umso besser!“, ließ die 16-Jährige zufrieden verlauten und klopfte der Sakaida gelassen auf den Rücken. Natsu war viel zu naiv, um der Nervosität oder den gestotterten Worten der Teamleiterin irgendeine tiefere Bedeutung zuzusprechen. Sie glaubte den Aussagen der Blauhaarigen einfach, ohne sie groß zu hinterfragen. „Wir werden bestimmt unseren Spaß bei diesem Auftrag haben, Mai!“, sagte die Origami-Userin noch voraus und zwinkerte der Älteren zu. Anstatt weiter über dieses hochinteressante Thema zu sprechen, wechselte die Sakaida das Thema und kam schließlich auf ihre eigenen Fähigkeiten zu sprechen. Chinatsu entfernte sich wieder einen Schritt von der Kollegin und nickte immer wieder zustimmend, während Mai aufzählte, was sie konnte. Medizinische Ninjutsu, Raiton, Genjutsuka. Alles Dinge, in denen die Hasekura ziemlich unbegabt war – umso besser, dass die Sakaida das draufhatte. Ausdauer und Geschwindigkeit waren auch nicht unbedingt ihr Steckenpferd… Allerdings bestätigte Chinatsu das nur in einem Gedanken, den sie bereits beim vorherigen Thema gehabt hatte: „Ich glaub, wir werden uns gut ergänzen.“ Und kaum waren die Worte ausgesprochen, streckte sie der Teamleiterin verspielt die Zunge raus.

Während des Weges hatte Natsu an irgendeiner Kreuzung ihr Zeitgefühl verloren. Sie trottete der Sakaida mehr oder minder motiviert hinterher, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und brummte ab und zu die Frage, ob sie denn nicht bald da wären. Immer wieder erinnerte sich das Mädchen an ihre letzte Mission, bei der Rai ein paar Ponys organisiert hatte, mit denen sie sich hatten fortbewegen können. Das war echt deutlich angenehmer gewesen, als selbst gehen zu müssen. Und dann war da noch diese Müdigkeit vom mangelnden Schlaf, die zwischendurch besser geworden war, doch nun, nachdem die Sonne untergegangen war, umso heftiger zurückkehrte. Kurz überprüfte das Mädchen nochmal, dass ihr Dutt auch noch richtig saß und zupfte an dem bauchfreien Top, als ein etwas kühlerer Windhauch ihre Haut streifte. Zum Glück fror Chinatsu noch nicht, doch sie spielte schon mit dem Gedanken, eine Jacke überzuziehen… bevor sie diese Gedanken abschließen konnte, blieb Mai allerdings abrupt stehen. Kurz sah die 16-Jährige zur Teamleiterin, dann an dieser vorbei zu dem heruntergekommenen Gebäude, das sich vor ihnen aufbaute. Ehm. Ja, also einladend sah das Ding nun nicht unbedingt aus. Irgendwie wie eine Geistervilla, wenn man genauer darüber nachdachte. Nicht, dass die Hellhaarige etwas dagegen hatte, dort reinzugehen – sie liebte immerhin das Abenteuer und mit Geistern und überirdischen Kram hatte sie schon auf genügend Aufträgen zu tun gehabt. Sogar mit dem Imperator von Ghetto-Geistern hatte sie schon zu tun gehabt… aber naja, das war ein anderes Thema. Sie nickte Mai kurz zu und folgte dieser durch den Garten, bis sie auf der Veranda des Gebäudes zum Stehen kamen. Die andere Kunoichi ging vor, um einen vorsichtigen Blick durch ein eingeschlagenes Fenster zu werfen. Zuerst gab Mai Entwarnung, sodass sich auch die Hasekura näherte… doch dann, vollkommen unerwartet, hastete die Ältere auf Chinatsu zu, packte diese an den Schultern und verhinderte dadurch, dass die Origami-Userin weitergehen konnte. Sogar Natsu war von diesem Verhalten überrumpelt und öffnete den Mund einen Spalt breit, sah die Kollegin fragend an. Es dauerte einen Moment, bevor Mai ihre Stimme erhob… und das, was sie der Origami-Userin offenbarte, sprengte einfach alles. Alles. Das… nein. NEIN! Oder…

„WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!“


Chinatsus überraschter Schrei hallte ungehindert durch die Dunkelheit und aus den umliegenden Büschen, Sträuchern und Bäumen stoben aus dem Schlaf gerissene Tiere in Todesangst davon. Der Mund der Hasekura stand weit offen und mit ebenso weit aufgerissenen Augen starrte sie Mai ungläubig an. „Oh. Mein. GOTT!“, stammelte sie immer noch vollkommen empört, überrascht und auch schockiert zugleich. Dann klatschte sich das Mädchen beide Handflächen fest auf die Wangen, schüttelte hektisch den Kopf, um sich irgendwie wieder unter Kontrolle zu bringen. Einige Sekunden vergingen, dann hielt die 16-Jährige in der wilden Bewegung inne, wandte sich erneut in Richtung Mai… und alles, was man nun noch sehen konnte, war ein breites, wirklich sehr breites Grinsen in den Zügen Chinatsus. „Ich wusste es! Von wegen, immer dieses ernste Getue. Es geht immer nur um die Erfüllung der Mission. Nen scheiß!“, posaunte die Kleine, immer noch nicht darauf bedacht, dass sie gerade mitten in der Nacht an einem verdammt gruseligen Ort vielleicht ein bisschen… dezenter auftreten sollten. Sie sprang nach vorne, packte die Sakaida nun ihrerseits an den Schultern und sah ihr tief in die Augen. „Mai, du musst mir alles erzählen. Wie war er danach drauf? Hatte er ein schiefes Grinsen im Gesicht? Saß seine Kleidung richtig?!“ Nein, eigentlich wollte die 16-Jährige darauf gar keine Antwort haben. Die hatte sie sich schon selbst gegeben. Sie wandte sich von Mai ab, schlug mit der Faust in ihre eigene Handfläche und nickte sich selbst zu. „Ich wusste, dass er es kann. Aber gleich mit mehreren? Dieser Schlawiner. Und dann auch noch so eiskalt tun. Mensch, stille Wasser sind echt tief“, murmelte Chinatsu im Selbstgespräch und musste dem Drang widerstehen, sich die Haare zu raufen. Sie seufzte tief, hob dann abwehrend die Hände. „Okay, okay. Ich beruhig mich schon wieder. Aber… es ist SO KRASS! Raku, dieser… dieser…“ Sie vollendete den Satz nicht und amüsiert stellte die Hasekura fest, dass sich eine Art Stolz in ihr breitmachte. Ja, sie war stolz darauf, dass der Manako diesen Schritt gewagt hatte! Was? Da waren noch ein paar Ninja aus Soragakure, die im Gebäude auf sie warteten? In dieser ganzen Aufregung vergaß die Kunoichi sogar, warum sie eigentlich hier waren… aber manchmal musste man eben auch Prioritäten setzen!
 

Jirokou Shunsui

Chuunin
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Während sich der Kushou frisch gemacht hatte, war die Sonne untergegangen, sodass der Garten mit der heißen Quelle mittlerweile in angenehmes Mondlicht getaucht wurde. Es hätte sich durchaus eine romantische Atmosphäre bilden können, wäre da nicht die heruntergekommene Villa, der überwucherte Garten oder die fehlende Begleitung gewesen. Als Shunsui die Stimme von Joudan vernahm, der bestätigte, der Ursprung des Geräusches gewesen zu sein, atmete er erleichtert aus. Sogleich betrat sein Kollege auch das Zimmer und anders als noch etwa eine Stunde zuvor, machte er einen frischen Eindruck und sah so elegant wie immer gekleidet aus. Ein Lächeln bildete sich bei diesem Anblick auf seinem Gesicht, welches jedoch mitten in seiner Entstehung einfror, als er erneut Geräusche vernahm. Dieses Mal kamen sie von draußen, doch außer, dass es sich dabei um Worte handelte, konnte er nichts weiter heraushören. Ein argwöhnischer Gesichtsausdruck hatte den Platz des Lächelns eingenommen, während sich der junge Mann erhob und nach draußen blickte. Konnten das etwa die Vertreter aus Shirogakure sein? Nein, Shinobi würden sich in fremdem Territorium niemals so leichtsinnig verraten. Bestimmt waren das Kinder, die sich nachts in diese verlassene Villa schlichen, um Geister zu jagen oder ähnliches. Möglicherweise hatten sie es hier aber auch mit Jugendlichen zu tun, die sonst was für Flausen im Kopf hatten. Dem würde der Blondschopf auf den Grund gehen und sie anschließend vertreiben, denn sie hatten hier geschäftlich zu tun und konnten es sich nicht leisten, unerwünschten Besuch zu haben. Deshalb signalisierte Shunsui stumm, dass er nachschauen würde und der Kushou hier leise die Stellung halten sollte. Um zu garantieren, dass er selbst nicht ertappt wurde, wirkte der Jiroku ein ziemlich nützliches Jutsu namens Shizukaho, sodass seine Füße von geräusch-dämpfendem Chakra umgeben wurden. Dadurch entstand ein ziemlich kurioses Bild, als der junge Mann schnell durch die offene Gartentür nach draußen huschte, dabei jedoch völlig lautlos war und keinerlei Geräusche verursachte. Im Garten selbst vernahm er leise gesprochene Worte über sich, sodass er den Blick hob. Dort erkannte der Jiroku die Veranda der Villa, auf der sich wohl die Kinder oder Jugendlichen tummelten. Kopfschüttelnd begann er die Wand hochzulaufen und hing schließlich kopfüber von der Decke der Veranda und befand sich damit genau unter den Sprechenden. Beinahe hätte es ihn wieder gen Boden geführt, als ihn ein lauter Schrei überraschte und seine Konzentration auf das kanalisierte Chakra in seinen Füßen fast unterbrochen wurde. „WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!“ Der Schrei war so laut, dass er sicherlich noch in Soragakure zu hören war. Wahrscheinlich waren jetzt jegliche Tiere in fünf Kilometer Umkreis geflüchtet und dafür waren alle Grenzwächter alarmiert. Oh je. Vermutlich sollte er schnell eingreifen, ehe diese Person – denn nach einem Kind klang die Stimme ganz und gar nicht – alles und jeden um sie herum alarmierten, dass sich hier Shinobi eingefunden hatten. Gerade wollte er sich auf die Veranda hieven und die Personen konfrontieren, als ein Name fiel, bei dem der junge Mann stutzte. *Mai?* Konnte das Sakaida Mai sein, die Kunoichi aus Shirogakure, der sie in Shinkusa über den Weg gelaufen war? Nein, so doof würde sie sich niemals anstellen, oder etwa doch? Andererseits hatte er sie zwar als nett, aber auch etwas naiv in Erinnerung, vor allem in Bezug auf die Auswahl ihres Partners. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis der nächste Name fiel: Raku. Klar fielen noch weitere Worte wie Kleidung, Schlawiner und so, aber so richtig schlau aus den Gesprächsfetzen wurde er nicht.

An dieser Stelle entschied sich Shunsui, dass er das Gespräch lange genug verfolgt hatte, und sich erkenntlich zeigen sollte. Immerhin wusste er jetzt, dass es keine herum strolchenden Kinder waren, sondern die Shinobi aus der anderen Fraktion – die sich ganz unshinobihaft benahmen. Aus diesem Grund konnte es sich der falsche Brillenträger nicht verkneifen, sein Auftreten mit einen kleinen Seitenhieb zu verbinden. „Ihr könnt von Glück sagen, dass wir auf der selben Seite sind.“, ertönte es mit lauter Stimme unter den beiden Frauen. Möglicherweise erkannte Mai ja die Stimme, andererseits war sie klar und laut gesprochen und sie hatte den jungen Mann ja nur stotternd und leise vor sich hinsprechend kennen gelernt. Es verstrichen zwei, drei Sekunden, ehe Shunsui an den Rand lief und sich geschickt auf die Veranda hob. „Sonst hättet ihr jetzt wirklich ein Problem.“, gab er noch mit einem Glucksen von sich. Die Villa war in angenehmes Mondlicht getaucht, sodass er die beiden Frauen vor sich gut erkennen konnte. Und in der Tat, hier hatte er tatsächlich Sakaida Mai vor sich. „Hallo Sakaida-san, es freut mich euch wieder zu sehen.“ Das stimmte in der Tat, denn damit würden seine schlimmsten Befürchtungen nicht wahr werden und sie konnten die Mission problemlos angehen. Die Fähigkeiten der blauhaarigen Kunoichi hatten den Blondschopf schwer beeindruckt, weshalb er sich darauf freute, mehr von ihr zu sehen und vergleichen, wie sich seine eigenen Fähigkeiten vergleichsweise dazu ausgebildet hatten. Sein Training hatte auch viele Früchte getragen und er konnte es kaum erwarten, seine Grenzen auszutesten. Vor einigen Wochen wäre solch ein Auftreten von ihm undenkbar gewesen und schon gar nicht der Gedanke daran, dass er seine Fähigkeiten in aller Öffentlichkeit austesten wollte. Aber manchmal entwickelten sich die Dinge nun mal so. Da im Gespräch ebenfalls der Name von Manako Raku gefallen war, entschloss sich Shunsui auch nach diesem zu fragen, auch wenn er nicht sonderlich interessiert an ihm oder Mais Liebesleben war. „Wie geht es Manako-san? Ich hoffe, dass Ihr ihm seinen kleinen … Ausrutscher mit den Bediensteten verziehen habt und ihr wieder glücklich sein könnt.“ Wie bitte? Richtig gehört, der falsche Brillenträger hatte damals in Shinkusa die Blicke und Signale der jungen Frau missverstanden, als der weißhaarige Shinobi mir nichts, dir nichts, mit den Bediensteten Baden gegangen war. Was wohl ehrliche Überraschung ihrerseits gewesen war, hatte er als Entrüstung interpretiert, zwei und zwei zusammengezählt und auf fünf gekommen. Was war wohl verwirrender? Shunsui normal und klar sprechen zu hören? Oder vielmehr, dass er der Ansicht war, dass Mai und Raku ein Paar waren?

Anschließend wandte sich die Aufmerksamkeit des jungen Mannes auf die weißhaarige Begleiterin, die er hinter dicken Brillengläsern heraus betrachtete. Shunsui wusste nicht warum, aber in diesem Augenblick musste er an Kaya denken und es dauerte einige Momente, ehe er realisierte, dass er hier das komplette Gegenteil vor sich hatte: Wo Kaya rabenschwarzes Haar und pechschwarze Augen hatte, verfügte die junge Frau hier über weiße Haare und goldgelbe Augen, nicht ungleich seinen eigenen. Der Teint der Hayabusa war sehr hell, anders als jener der Weißhaarigen, die eine eher dunklere Hautfarbe vorzuweisen hatte. Und das wohl auffälligste Merkmal war, dass man hier ganz deutlich erkennen konnte, dass man es mit einer jungen Frau zu tun hatte, die sich auch entsprechend kleidete. Ein wenig in Gedanken verloren merkte Shunsui nicht, dass er Chinatsu wohl etwas zu lange anstarrte. Schließlich blinzelte er einige Male und vertrieb alle Gedanken, um sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. „Mein Name ist Jirokou Shunsui, erfreut Euch kennen zu lernen.“, stellte er sich dann endlich vor. Ein laues Lüftchen wehte mittlerweile und kündigte eine kalte Nacht an. „Kommt doch rein, der Informant ist noch nicht da.“, sagte er zu Mai gewandt. „Übrigens ist Joudan auch hier.“, gab der junge Mann noch von sich und zeigte mit dem Daumen auf die sich hinter ihm befindliche Villa. Natürlich hatte er keine Ahnung, was zwischen den beiden Shinobi vorgefallen war, aber da er sich erinnerte, dass Joudan in hohen Tönen von Mai gesprochen hatte, würde sie sich bestimmt auch freuen.

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Sakaida Mai

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WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!

Erschrocken über diesen völlig unerwarteten Aufschrei legte sich Mai beide Hände auf den Mund, als könne sie das Chaos lindern, indem sie selbst leiser wäre. Galoppierten gerade die Tiere des Waldes davon?! Ungläubig blickte Mai den aufgeschreckten Vögeln nach, welche laut schimpfend ihr Nachtlager in den Baumkronen verließen und davon flatterten. Und so standen die beiden jungen Kunoichi da: Chinatsu verpasste sich selbst mehrere Backpfeifen und Mai beobachtete sie schockiert dabei, mit den Händen vor dem Mund und einem extrem schlechten Gewissen Raku gegenüber. Hätte sie das besser doch nicht erzählt? Plötzlich war es dann Chinatsu, welche Mai an den Schultern gepackt hatte und ihr eindringlich in die Augen sah. Wie er drauf war? Ob er ein schiefes Grinsen im Gesicht hatte? Ob seine Kleidung noch richtig saß? „Also..“, so genau wusste sie das alles nicht, sie hatte Raku ja stundenlang nicht mehr zu Gesicht bekommen. Aber er wirkte ganz normal danach. Also „Raku-normal“ eben. Doch die Weißhaarige wartete die Antwort gar nicht ab und ließ Mai wieder los, um sich noch immer aufgeregt von ihr abzuwenden. Die Blauhaarige stand noch immer mit den Händen vorm Gesicht da und blickte betreten zu Boden. Doch dort fiel ihr etwas durch die teilweise großen Ritzen der Holzlatten der Veranda auf. Stand da jemand? Wenn ja, dann wohl ein Shinobi, der mit Hilfe von Chakra gegen die Schwerkraft ankam. Es folgte ein unauffälliger Blick über ihre Schulter, sodass Mai durch das Fenster erkannte, dass Shunsui seinen Platz verlassen hatte. Endlich nahm die ältere Kunoichi ihre Hände vom Gesicht und verschränkte stattdessen die Arme. Es war schon unhöflich, dass er sie einfach belauschte, anstatt sich zu zeigen. Sie kannten einander doch! Chinatsu schien sich wieder eingekriegt zu haben, woraufhin Mai sie amüsiert angrinste. Ja, vielleicht war es nicht so gut gewesen, so herumzuschreien, aber nun war es sowieso zu spät. „Das wirst du doch für dich behalten, oder?“, fragte sie noch mit einem Hauch von Flehen in ihrer Stimme nach.

Ihr könnt von Glück sagen, dass wir auf der selben Seite sind.“, ertönte eine Stimme unter der Veranda. Eine dramatische Pause folgte, in welcher Mai ausdruckslos zu Chinatsu sah. Hätte er sich nicht denken können, dass man ihn durch eine morsche Veranda sehen könnte? Über den Rand schwang sich Shunsui dann auf die Oberfläche und faselte irgendwas davon, dass sie unter anderen Umständen ein Problem hätten. Mai war seit der Begegnung mit Kenta überaus empfindlich geworden, was Pseudo-Drohungen durch Sora-Ninja betraf. Deswegen stemmte sie die Hände unbeeindruckt in die Hüfte und sah Shunsui mit hochgezogenen Augenbrauen und einem leichten Lächeln auf den Lippen an. „Und von was für einem Problem sprecht Ihr? Etwa, dass Ihr noch ein paar Minuten länger unter der Veranda kleben geblieben wärt? Man kann durch diese Ritzen viel sehen.“, teilte sie ihm unbeeindruckt, aber nicht unfreundlich mit. Normalerweise war Mai nicht der Typ für solche Antworten, doch die Erinnerungen zwangen sie regelrecht dazu, ihren Standpunkt klar zu machen. Aber es war ja alles halb so wild und Mai verübelte es Shunsui auch nicht. Der Aufschrei von Chinatsu mag tatsächlich ungünstig gewesen zu sein, aber nun war es eben so.

Als die Stimmung dann schlagartig umschlug und eine freundliche Begrüßung im Raum stand, war auch Mai wieder versöhnt. „Ich freue mich auch, Shunsui-san.“, erwiderte sie lächelnd und bemerkte dann urpötzlich, dass er ja gar nicht mehr vor sich hin stammelte. Moment mal. Er hatte bereits drei Sätze gesagt, ohne zu stottern. Was war denn plötzlich los? Und siehe da, eine Chuunin-Weste trug er auch! Die hatte er beim letzten Treffen noch nicht gehabt! Anscheinend wurde er in der Zwischenzeit befördert. Ob ihm diese Tatsache so viel Selbstbewusstsein gegeben hatte? Es wäre erfreulich für ihn. Doch Shunsuis darauffolgende Frage war alles andere als erfreulich. Zunächst hatte Mai gar nicht verstanden, worauf er hinauswollte. „Naja.. ich bin ja wohl kaum in der Position, ihm derartige Dinge verzeihen zu müssen. Es geht mich ja schließlich nichts an.“, erklärte Mai ihm ein wenig verwirrt. Raku konnte machen was er wollte, solange er damit niemanden in Gefahr brachte oder das Missionsgeschehen negativ beeinflusste. Aber was meinte er damit, dass sie nun wieder glücklich- „Einen Moment!“, entkam es Mai völlig schockiert, woraufhin sie einen Schritt näher auf Shunsui zu ging und mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf ihn deutete: „Ihr denkt, ich bin mit Raku zusammen?!“, fragte sie ihn ungläubig und beinahe verständnislos. Doch dann seufzte sie, ließ ihre Hand wieder sinken und schüttelte sogar leicht lachend den Kopf. „Also Ihr müsst mir wirklich sagen, wie Ihr auf so einen Unsinn kommt.“ Das war der Blauhaarigen wirklich ein Rätsel. Shunsui hatte auf dieser Mission mehr Zeit mit Raku verbracht, als sie selbst. Was hatte ihn dazu bewegt, auf so eine irrsinnige Idee zu kommen? Aber naja, er trug ja auch eine Schlafmütze im Bett.

Als Mai und Shunsui soweit miteinander fertig waren, sah der Ninja aus Soragakure zu Chinatsu. Die Blauhaarige hatte nach einem Moment das Gefühl, die Uhr ticken zu hören, so lange fühlte sich sein Starren an. Verliebte er sich gerade in ihre Kollegin? Welch Ironie! Kurz sah Mai fragend zu Chinatsu, woraufhin sie sich schmunzelnd abwandte und - plötzlich Joudan auf der Veranda stehen sah.

Sofort trafen sich ihre Blicke und Mai musste feststellen, dass ihr Herz genauso heftig gegen ihre Brust schlug, als vor einiger Zeit schon im Garten des Daimyō in Shinkusa. Für einen Augenblick fühlte es sich so an, als würde die ganze Kulisse um sie herum verschwinden. Sie blickte nur in die grasgrünen Augen, welche ihr vertraut waren und lächelte Joudan glücklich an - sie konnte gar nicht anders. Mai war genauso angetan von ihm, wie schon an ihrem gemeinsamen Tag und Abend im Reich des Grases. In ihr entflammte der Wunsch, auf ihn zuzugehen und ihm näher zu kommen, doch diese Möglichkeit bestand nicht. Wahrscheinlich wäre es schon zu viel, ihn noch länger glücklich anzulächeln und stumm auszuharren. Erst Shunsuis Worte, dass Joudan übrigens auch hier ist, holten die Kunoichi aus ihrer Trance. Sie konnte nicht anders, als zu grinsen. „Ja, seine Anwesenheit bestätigt das.“, lachte sie leicht vor Glück auf. Wie lange stand er eigentlich schon hier draußen? Wie viel hatte er mitbekommen? Wie stand er wohl zu der Annahme Shunsuis, dass Raku und sie ein Paar waren, falls er das gehört hatte? „Ich freue mich, dich wiederzusehen, Joudan.“, begrüßte Mai ihn aufrichtig und ging dann einen Schritt zur Seite, damit auch er Chinatsu kennenlernen konnte.

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Es war nicht nur Joudan, auch Shunsui hatte die Stimmen draußen gehört. Er bedeutete dem Ame-Nin, die Stellung zu halten, und begab sich dann leisen Schrittes in Richtung der Geräuschquelle. Nun alleine im Haus zurückgelassen hing Joudan seinen Mantel über die Lehne eines Stuhles und warf sich dann, kampfbereit, die Umhängetasche über die Schulter. Mit seinen Gedanken im Halbdunkel nun alleine, drifteten diese noch einmal an eine dunklere Stelle ab. Die Erinnerungen an seine Vergangenheit hatten ihn aufgewühlt und eine kleine Wunde aufgerissen, die er lange Zeit nicht mehr bluten gespürt hatte. Um den Schmerz zu lindern, griff er in die Tasche und suchte dort nach dem einzige Memento, das er an seinen Vater hatte. Er ertastete das lackierte Stück Holz, zog es gar nicht mal heraus, sondern ließ die Fingerspitzen über die kühle, kerbige Oberfläche der Maske streichen.

"WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!"

Der Schrei zerriss die Nacht und holte Joudans Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. Es war die Stimme einer jungen Frau und in ihrem Aufschrei schwang Überraschung und - vielleicht sogar - Empörung mit. Hatte sie etwa Shunsui gesehen? Es klang zwar nicht, als wäre eine Bedrohung im Verzug, doch Joudan musste unwillkürlich an Shinkusa zurück denken, als er den jungen Jirokou im Eifer des Gefechts aus den Augen verloren hatte. So nahm er sich ein Herz und entschied, doch besser nach dem rechten zu sehen.
Das Haus ächtzte und stöhnte unter seinen Stiefeln. Wie es jeden seiner Schritte mit einem andern Ton kommentierte ließ es fast schon wie eine lebende, denkende, fühlende Kreatur wirken. Joudan schob den Gedanken beiseite, ehe er richtig aufgekommen war. Um sich hier zu spuken war der quasi-immerfrohe Händlerssohn nicht der richtige.
Als er aus dem staubigen Haus auf die morsche Veranda trat, begrüßte ihn warme Sommernachtluft. Die Stimmen waren deutlicher geworden und Joudan konnte zwei davon erkennen. Shunsui.... und Mai. Sein Herz schlug höher, denn der Blondschopf konnte es einen Moment lang gar nicht richtig fasssen. Das Schicksal hatte sie und ihn wieder zusammen geführt. Unter all den hunderten Shinobi und Kunoichi Soras und Shiros waren ausgerechtnet Mai und Joudan wieder aufeinander getroffen. Das fühlte sich fast schon nach mehr als nur Zufall an.
Vorfreudig knüpfte Joudan sein Hemd wieder ordentlich zu, strich sich einmal durch die feuchten Haare, um sie in Form zu bringen (vergebliche Liebesmühe. Er hätte eher versuchen können, den Wind zu zähmen, als seine Haare) und trat dann weiter hervor, wo er die beiden - zusammen mit einer dritten Person - stehen sehen konnte.

Azurblau flutete Joudans Augen. So wie Shunsui Chinatsu anblickte, sah der Ältere der beiden Blondschöpfe verträumt zu Mai hinab. Sie bemerkte ihn, sah zurück und ihre Blicke trafen sich. Joudan lächelte sie glücklich an und war froh, sich nicht getäuscht zu haben. Shunsui schien gerade auf seltsame Weise Bekanntschaft mit der Vierten im Bunde zu machen, die Zeit nutzte Joudan, um von der Veranda hinunter zu den anderen Dreien zu gehen. Mai begrüßte ihn und Joudan grüßte zurück.
"Die Freude ist - wieder einmal - ganz meinerseits, Sakaida-san.", sprach er mit einem gütigen Gesichtsausdruck. Er nahm ihre Hand, knickste höfisch ein und schenkte ihr ein Lächeln. "Ich hoffe auf ebenso gute Zusammenarbeit, wie bereits in Shinkusa." Dann ließ er - auch wenn er es nicht wollte - ihre Hand wieder los und trat an Chinatsu heran. Die junge Dame war wunderschön - und, an der Art, wie sie sich kleidete und gab, auch über diesen Fakt voll im Klaren. Sie strahlte Sorglosigkeit und Souveränität auf Joudan aus, das war ihm gleich sympathisch. Zugleich konnte er sich aber auch denken, dass es sich bei Natsu nicht um einen stumpfen Trampel wie Raku handelte, also musste er sich, was Mai anging, zusammenreißen.
Wie auch Mai zuvor, bot er Natsu die Hand mit Knicks an.
"Hocherfreut, auch Eure Bekanntschaft zu machen, junge Dame. Mein Name ist Kushou Joudan, meinen Teamcaptain Jirokou Shunsui, trafet Ihr ja bereits." Joudan klopfte seinem Kameraden ein wenig auf den Rücken, als er ihn vorstellte. "Ich würde die Damen und den Herren zu liebst in die charmante Lokalität einladen, die unseren Treffpunkt darstellt, doch..." Joudan wieß mit seiner offenen Hand auf die Villa. In einem Film wäre nun ein Schwarm Fledermäuse aufgestoben, der Wind hätte gespenstisch-heulend geweht oder ein Donnergrollen wäre erklungen. Stattdessen klapperte nur ein halb-offener Fensterladen in der warmen Sommernachtbriese. "...sonderlich einladend ist das alte Gemäuer leider nicht. Wollen wir uns dennoch nach drinnen begeben? Wasser und Licht sind vorhanden und Poltergeister und Gespenster haben sich bisher ferngehalten.", witzelte der Blondschopf. Sein Kopf arbeitete schon wie verrückt an einem Plan, wie er einen Moment Zweisamkeit mit Mai inszenieren konnte, doch vorerst galt es, vielleicht ein kleines Briefing zu machen, auf den Auftraggeber zu warten und die Kunoichi mit dem auffällig-dunklem Teint kennen zu lernen. "Eure Anreise verlief hoffentlich ohne Zwischenfälle?", fragte er Natsu, um ein wenig mit ihr ins Gespräch zu kommen.

@Hasekura Chinatsu, @Jirokou Shunsui, @Sakaida Mai
 
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Bester erster Eindruck, oder? Jedes Lebewesen im Umkreis von 5 Kilometern musste Chinatsu gehört haben. Mindestens. Aber hey: So war die Weißhaarige eben. Wenn sie den Raum betrat, dann wusste jeder sofort, dass sie anwesend war. Und diesem Ruf hatte die 16-Jährige hiermit alle Ehre gemacht, somit konnten die Sora-Nin immerhin sofort wissen, dass es mit der Hasekura nicht langweilig wurde! Die Gedanken der Kunoichi drehten sich im Kreis, sie stellte sich Raku vor, mit lüsternem Grinsen, zuckenden Fingern, mit starrendem Blick auf… Mais Stimme unterbrach das Mädchen darin, dieses Bild gedanklich zu vollenden. Ob sie es für sich behalten würde? Das… konnte Mai doch nicht ernsthaft verlangen! Yui musste davon erfahren, mindestens. Ob Izuya sich auch dafür interessierte? Rai? Ach, bestimmt! Und mit Raku selbst musste sie auch sprechen. Sie hätte der Sakaida das Vorhaben auch sehr offen mitgeteilt, doch bevor es dazu kam, ertönte eine weitere Stimme in direkter Nähe. Eindeutig männlich, ansonsten war diese Stimme Chinatsu allerdings gänzlich unbekannt. Und nein: Die 16-Jährige war nicht annähernd so aufmerksam gewesen wie ihre Kollegin, sodass sie nicht bemerkt hatte, dass sich ein Fremder genähert hatte. Naja. War nochmal gutgegangen, oder? Chinatsu stellte sich gerade hin, drehte sich in Richtung Mai und sah sich aufmerksam um. Erst einige Sekunden später schwang sich ein blonder Brillenträger über den Rand der brüchigen Veranda und kam vor den beiden Kunoichi mit geradem Rücken zum Stehen. Die vorige Ernsthaftigkeit in seiner Stimme wich einem amüsierten Glucksen, als er seine Aussage ergänzte. Chinatsu blinzelte einen Moment verdutzt – nicht aufgrund des plötzlichen Erscheinens des jungen Mannes, sondern aufgrund seines Outfits. Brille. Ein blaues Hemd. Eine… Krawatte?! Der beige Cardigan setzte dem Ganzen eine Krone auf. Aus welchem Hörsaal war der Typ denn herausgestolpert? Die 16-Jährige benötigte ein paar Sekunden, die ihr zum Glück dadurch gegeben wurden, dass der Blonde sich zuerst an Mai wandte. Aber Moment – die kannten sich?! Und dann nahm das Gespräch eine noch interessantere Wendung, als eine scheinbare Beziehung zwischen Raku und Mai erwähnt wurde. WIE JETZT?! Mai hatte gesagt, sie hätte keinen Partner! Und dann auch noch Raku?! Was hatte dieser anzügliche Manako denn bitte noch alles angestellt? Doch die Sakaida machte schnell deutlich, dass es eine Beziehung nicht geben würde… aber so etwas dachte man sich doch nicht einfach so aus, oder? Hatte es etwa Anzeichen gegeben? Chinatsu wollte mehr wissen. Ob dieser Student ihr mehr erzählen könnte? Oh, diese Mission würde noch viel spannender werden, als die Origami-Userin anfangs gedacht hatte… das sagte ihr Bauchgefühl. Und ihr Bauchgefühl log nie! Die gelben Äuglein der Hasekura huschten zu der Kollegin, dann wieder zum Fremden, dann wieder zu Mai… und plötzlich sah der Pseudo-Student direkt zu ihr. Erneut blinzelte Chinatsu, als sie spürte, wie die goldgelben Augen des jungen Mannes sie fixierten. Hm. Dieses merkwürdige Outfit von dem Typen war wie ein Unfall… genauso wie er sie anstarrte, konnte auch die Hellhaarige für mehrere Sekunden nicht wegsehen. Doch immerhin gaben ihr diese Sekunden die Möglichkeit, noch ein bisschen mehr als nur den beigen Cardigan zu erkennen. Zum Beispiel die Chuunin-Weste – ein Zeichen dafür, dass dieser Typ doch irgendetwas als Ninja draufhaben musste, oder? Die Gesichtszüge des Fremden waren auch durchaus kantig, was ihm äußerlich zugutekam und ihn erwachsener wirken ließ. Seine goldgelben Augen erinnerten Chinatsu ein wenig an ihre eigenen Seelenspiegel, auch wenn sie glaubte, dass es noch ein paar Nuancen Unterschied gab. Und insbesondere entgingen dem Mädchen bei genauerem Hinsehen die breiten Schultern des Hemdträgers nicht. So ein Körperbau fiel einem doch nicht einfach so in den Schoß, oder? „Hm?“, gab sie einen überlegenden Ton von sich, als der Blonde seine Stimme erneut erhob und sich endlich namentlich vorstellte. Woran er gedacht hatte, während er sie angestarrt hatte, konnte die Hellhaarige natürlich nicht wissen.

Bevor die Hasekura etwas sagen konnte, näherte sich eine weitere Person. Ebenso blond und interessanterweise auf den Zentimeter (!) genauso groß wie Shunsui, wenn der schnelle Blick nicht trog. Moment. Mai kannte den auch?! Chinatsu fühlte sich veräppelt. Warum kannten die sich alle?! Und warum kannte Chinatsu die nicht? Das war ja wohl ein Unding! Tzz. Dann würden sie die Hasekura eben kennenlernen. Die Hellhaarige war überzeugt davon, einen bleibenden Eindruck bei allen hinterlassen zu können, die das Glück hatten, mal etwas mit ihr unternehmen zu können. Das würden auch Shunsui und dieser andere Sora-Nin bald merken! Der letzte Fremde trat – nach einer Begrüßung von Mai – ebenso auf die Hellhaarige zu, nahm ihre Hand und setzte zu einem Knicks an. Einem… Knicks? Okay, also sie hatten es mit einem Mathematik-Studenten und einem in der Zeit hängengebliebenen Briten zu tun. Also nicht, dass das genau die Gedanken waren, die Chinatsu hatte – das wäre wohl zu hochgegriffen gewesen – aber es traf einigermaßen den Kern. Es war nicht ganz das, was sich die Hellhaarige zu Beginn der Mission erhofft hatte… aber es hätte wohl auch schlimmer kommen können. Und ja, sogar eine Person wie die Hasekura musste irgendwie zugeben, dass diese Händchen-Halten-Knicks-Geschichte schon etwas Charmantes hatte. Nicht unbedingt das, worauf die 16-Jährige bei Männern abfuhr, aber dennoch eine kleine Bemerkung wert. Was ihr sofort auffiel, sowohl bei Shunsui als auch Joudan: Ihre Ausdrucksweise. So unheimlich förmlich – hoffentlich blieben die nicht den gesamten Auftrag über so trocken. „Hallo“, antwortete die deutlich Kleinere schließlich mit einem überzeugten Lächeln auf den Lippen, nachdem Joudan sich wieder von ihr entfernt hatte, auf Shunsui zutrat und ihm freundschaftlich auf den Rücken klopfte. „Ich gebe ehrlich zu, ich bin überrascht“, sprach sie weiter und lächelte noch ein bisschen breiter, wenngleich sie offenließ, worüber genau sie überrascht war. „Ich heiße Hasekura Chinatsu. Aber ansprechen könnt ihr mich gerne mit Natsu.“ Sie kratzte sich an der Wange, denn sie hatte das Gefühl, bei beiden Sora-Nin mit solch einem Anliegen eventuell auf taube Ohren zu stoßen. Auch das sagte ihr ihr Bauchgefühl. Doch kaum etwas störte die Kunoichi mehr als ihrer Ansicht nach unnötigen Förmlichkeiten. Insbesondere im Umgang mit ihr selbst. “Wir arbeiten zusammen, daher brauche ich diese förmlichen Anreden nicht.“ Die gelben Äuglein musterten Joudan, bevor sie schließlich den direkten Blickkontakt zu Shunsui suchte. Na, was die wohl daraus machen würden? Die Einladung, in die gespenstige Villa einzutreten, nahm die Hasekura nur allzu gerne an: Immerhin strich in diesem Moment erneut eine kühle Brise an ihrem Körper vorbei. „Ach, ich habe mich mittlerweile schon mit so einigen Gespenstern rumschlagen müssen. In den meisten Fällen haben sie sich als ganz nette Gesellschaft herausgestellt“, witzelte die Kleine auf die Erläuterungen von Joudan hin, zwinkerte und folgte den Sora-Nin dann ins Innere des alten Gemäuers. Auf dem Weg sah sie mit einem Seitenblick zum Kushou, der sich erneut mit einer Frage an sie wandte. „Zwischenfälle… nein, die Reise war eigentlich recht langweilig, um ehrlich zu sein.“ Die 16-Jährige zuckte mit den Schultern, bevor sie einen vielsagenden Blick in Richtung Mai warf und grinste. „Mai und ich hatten viel Zeit, um miteinander über… die Mission zu reden. Und wie wir den Auftrag angehen wollen.“ Chinatsu unterdrückte ein Kichern, doch sie war überzeugt davon, dass die Sakaida verstand, worauf sie anspielte. Ein gewisses Amüsement in der Stimme der Hasekura war in jedem Fall nicht zu überhören. Als sie schließlich im Inneren des Gebäudes angekommen waren, sah sich Chinatsu einen Moment um, doch so wirklich viel gab es nicht zu entdecken. Verstaubte, morsche Möbelstücke und alles, was vielleicht mal Wert gehabt hatte, war bereits geplündert worden. Es war also relativ… leer. „Also…“, begann sie, nachdem sie einen Stuhl gefunden hatte, der nicht so aussah, als würde er bei der ersten Belastung sofort einbrechen. Nach einer kurzen Säuberung ließ sich die Origami-Userin darauf nieder. „Wie lange müssen wir denn jetzt auf diesen Informanten warten?“, stellte sie die Frage offen in den Raum, lehnte sich dann ein bisschen nach vorne, wodurch der Stuhl unfein knarzte. „Und wollt ihr dann heute Nacht gleich weiterreisen? Oder gibt’s ne Pause?“ Immerhin war es mitten in der Nacht! Da war das eine legitime Frage.
 

Jirokou Shunsui

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Shunsui empfand eine gesunde Portion Respekt für Mai, was ihren Fähigkeiten im Kampf gegen die unsichtbare Hime damals in Shinkusa zu verdanken war. Dementsprechend registrierte er auch, dass die Sakaida über einen gewissen Scharfsinn und eine ausgeprägte Wahrnehmung verfügte, da sie ihn unter der Veranda bemerkt hatte. Das würde sich bestimmt als äußerst praktisch während ihrer heiklen Mission hier erweisen. Insofern nickte er mit einer Mischung aus Bewunderung und Respekt auf ihre Aussage hin, die er keinesfalls als Herausforderung empfand. Schließlich wusste er auch nicht, ob er ihr überhaupt das Wasser reichen konnte, Grund genug sich nicht sinnlos mit ihr anzulegen. Die Wogen waren jedoch recht schnell geklärt, als sie auch seine Begrüßung freundlich erwiderte und sich freute, ihn erneut zu sehen. Das überraschte den jungen Mann doch etwas – wunderte sie sich nicht, dass er nun gänzlich anders auftrat? Sicher, ruhig, gefasst. Möglicherweise lag es aber auch an seinem neuen Rang, den selbst der Kushou war davon ausgegangen, dass es sich dabei um den Grund seiner neugefundenen Selbstsicherheit handelte. *Wie eine völlig andere Person.*, echote die Aussage des freundlichen Shinobi in seinem Kopf und führte zu einem Aufkommen von Schuldgefühlen in seinem Herzen. Jedenfalls nahm das Gespräch abrupt eine interessante Wendung in Richtung Raku und hinter Brillengläsern beobachtete der Jirokou mit etwas Verwunderung die ungläubige Reaktion von Mai und die Klarstellung der Tatsache, dass die blauhaarige Kunoichi und der einäugige weißhaarige Shinobi gar kein Paar waren. *Wie jetzt?* Die gute Mai schien ja richtig entrüstet über die Vorstellung zu sein, mit dem jungen Mann angebandelt zu haben. „Äh…“, begann der Blondschopf etwas überrascht über diese Entwicklung. Hatte er sich etwa geirrt? Aber er war sich doch ganz sicher gewesen, dass er das Verhalten der jungen Frau beim Abgang des Manako mit den Bediensteten richtig interpretiert hatte. Oder war es ihr nun in Anwesenheit ihrer Kollegin etwa peinlich, dass ihr Partner mit irgendwelchen Frauen abgezogen war? Gute Frage! „Ihr saht ihm so entrüstet und schockiert hinterher, als er mit den Bediensteten von dannen zog. Deshalb dachte ich natürlich …“, erklärte Shunsui der Sakaida seine Schlussfolgerung und ließ den letzten Teil des Satzes unausgesprochen. Natürlich war sich der Brillenträger nach wie vor nicht im Klaren darüber, dass Mai tatsächlich diese Reaktion an den Tag gelegt hatte – aber weniger wegen Raku’s Treiben, als dass sie eine Menge Angst vor Geistern hatte und ihr irgendwer einen Floh ins Ohr gesetzt hatte. Wie dem auch sei, so ganz war Shunsui nicht überzeugt davon, dass er alles falsch gesehen hatte, aber nun ja – vielleicht konnte ihm die weißhaarige Gefährtin der Sakaida mehr verraten.

Da Shunsui selbst in Gedanken verloren gewesen war, hatte er auch nicht mitbekommen, dass die Hasekura ihn ihrerseits ebenfalls ausgiebig begutachtet hatte. Alle Aufmerksamkeit hinsichtlich des besagten verträumten Blickes in Ehren – wo war denn diese Aufmerksamkeit damals in Shinkusa gewesen, als der wehrlose Blondschopf von den Bediensteten davongetragen wurde? Man erinnere sich nur an Raku’s aufmunterndes Lächeln und bekräftigende Nicken. Oder gar Joudan’s Unwille seinem Kameraden zu helfen, der seiner Ansicht nach bestens „versorgt“ wurde. Lediglich die Frau der Runde, Mai, hatte einen klaren Menschenverstand bewiesen und dem jungen Mann aus der Patsche geholfen und vor dem Schicksal bewahrt, die Nacht über „versorgt“ zu werden. Ehe es zu einer Vorstellung seitens der jungen Frau kam, betrat auch der zweite Sora-Nin die Bühne, oder besser gesagt die alte Veranda. Auf typische Joudan-Art näherte er sich der Weißhaarigen und stellte sich höflich und galant mit einem Knicks vor. Das war genau die Art von exzentrischem Verhalten, die den Kameraden in den Augen des Jirokou sympathisch machten und einer der Gründe, warum seine Wahl für diese Mission auf ihn gefallen war. Amüsiert verfolgte er den Austausch, als Joudan auch schon zu seiner Seite kam und ihm anschließend auf den Rücken klopfte. Das fühlte sich beinahe so an, wie ein stolzer Vater, der seinen Sohn seinen Bekannten vorstellte. Shunsui freute sich ehrlich darüber, dass der Andere seine Wandlung so problemlos und ohne zu Hinterfragen akzeptierte, war jedoch auch Realist genug, als dass die Angst nach wie vor in seinem Herzen enthalten war, wie die Reaktion des Anderen ausfallen würde, sollte er je über seine dunkle Vergangenheit erfahren. Diese Sorgen wurden jedoch durch die Erwähnung von Poltergeistern und Gespenstern vertrieben und die Mundwinkel des bebrillten Blondschopfes zuckten ein wenig nach oben, ganz so als ob er es amüsant finden würde. *So etwas wie Geister gibt es doch nicht.*, dachte er sich. Irgendwo in der Ferne lief dem Rabengeist Saku wohl ein Schauer über sein Gefieder.

Zurück zum Geschehen, denn endlich gab es Bühne frei für Chinatsu. Angekündigt hatte sich die junge Frau ja bereits mit ihrem Schrei, aber nun würden sie sie sicherlich besser kennen lernen. Überraschenderweise entpuppte sich die Weißhaarige als nicht auf den Kopf gefallen und sprach direkt aus, was ihr wohl durch den Kopf ging. Diese Direktheit brachten ihr direkt Sympathiepunkte bei Shunsui ein, denn es ging nichts über direkte Kommunikation statt hin- und herschwätzen. Zugegeben drückte er sich ebenfalls noch sehr gehoben aus, aber das war wohl das Ergebnis der Mischung seines Alter Egos und seines Wahren Ichs, mit welcher er noch zurechtkommen musste. Da hatte die Kunoichi wahre Worte gesprochen und der Jirokou bemerkte, wie sie dabei Joudan anschaute – ganz so, um eine Reaktion aufgrund seiner Ausdrucksweise zu provozieren – und schließlich ihn wieder fixierte. Es fühlte sich ja beinahe wie eine Herausforderung an. „Natsu also…“, begann Shunsui, das klang ja wie der Sommer. Da er dem mehr als nur aufgeschlossen war, breitete sich anschließend ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Dann kannst du mich gerne Shunsui nennen.“, bot er der Hasekura ebenfalls das Du an und ging auf ihre Aufforderung ein. Einer seiner Spitznamen wurde jedoch nicht zur Verfügung gestellt und falls jemand damit gerechnet hatte, dann würde er bitter enttäuscht werden. Schon gar nicht Shushu! „Was hat dich denn so überrascht?“, fragte der junge Mann nun frei heraus. Wenn sie so direkt war, dann konnte sie es ihm nicht verübeln, dass er ebenfalls frei heraus fragte, obgleich er schon eine Vermutung hatte, dass es wohl an dem Auftreten der beiden Sora-Nin lag. Immerhin traf man nicht oft einen Mathematikstudenten und einen Briten mitten in der Nacht in einer verlassenen Spukvilla.

Nachdem die ersten Freundlichkeiten ausgetauscht waren, begaben sich die Shinobi ins prächtige Anwesen zurück. Während Shunsui die Treppen hinunterstieg, die bei jedem Tritt gefühlt knarzten, lauschte er in der Zwischenzeit dem Smalltalk von Chinatsu und Joudan. Bei den Worten der Hasekura über die Herangehensweise der Mission konnte er nicht genau sagen, was es war. Aber irgendetwas in ihrer Stimme verriet, dass da mehr dahinter steckte. Im Wohnzimmer angekommen, machte es der Brillenträger der Kumo-Nin nach und setzte sich auf seinen vorherigen Platz am Tisch. Die Frage der Übernachtung war natürlich berechtigt, immerhin war es mitten in der Nacht. „Ich denke, dass wir sowieso noch eine Weile warten müssen, bis der Informant kommt.“, begann er und teilte seine Meinung mit der Gruppe, während er von Joudan zu Mai und schließlich zurück zu Natsu sah. Er selbst hätte auch kein Problem weiter zu reisen, aber es gab bestimmt einen triftigen Grund, warum sich die Truppe nicht direkt ins Reich begeben hatte, sondern hierher beordert worden war. „Aber da du ja keine Angst vor Geistern hast, sollten wir es uns hier auch gemütlich machen können.“, witzelte der Brillenträger. Klar, es gab nichts Schöneres als eine Nacht in dieser heruntergekommenen Gruselvilla zu verbringen. Jackpot. Es schien ganz so, als ob das Schicksal nur auf die Worte des Blondschopfes gewartet hätte, denn plötzlich knarte die Eingangstür und man konnte sich nähernde Schritte vernehmen. Der Jirokou drehte seinen Oberkörper zum Eingangsbereich hin, aus dem sogleich ein Mann hervortrat. Er hatte kurzes, schwarzes Haar und einen Schnauzer und schaute sie alle aus argwöhnischen Augen heraus an. Ein Blick auf seine Kleidung verriet auch sofort, dass sie es hier nicht mit einem Diener niedrigen Ranges zu tun hatten. Diese edlen Gewänder waren sicherlich etwas, dass auch die Aufmerksamkeit des Kushou für sich gewannen. Was der Neuankömmling seinerseits von der bunten Truppe hielt, wusste er zumindest geschickt zu verbergen, und auch seine Stimme schien neutral. „Vielen Dank werte Shinobi, dass ihr gekommen seid. Mein Name ist Hoshigaki Takeshi, Stabsmitarbeiter des Daiymo.“, begann er die Einleitung und verbeugte sich einmal vor ihnen. „Seitdem der Sohn des Daimyo verschleppt wurde, wird es immer schlimmer.“, stieg er schließlich sofort in die Erzählung ein. Na da hatte es einer ja eilig. „Das Ganze wäre nicht möglich gewesen, wenn es kein Spitzel in unseren eigenen Reihen gäbe. Deshalb haben wir euch auch hierher beordert.“ Aha, so langsam wurde es interessant. Bisher hatte der junge Jirokou mehr oder weniger aufmerksam gelauscht, aber nun beugte er sich interessiert vor. „Sollten Shinobi eingeschaltet werden, so ist das Leben des Sohnes verdammt. Ihr dürft euch deshalb nicht zu erkennen geben und ihr müsst verdeckt einreisen!“ Das wurde ja immer besser. Ob der Gute auch schon einen Vorschlag hatte, wie sie verdeckt einreisen sollten?
 
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