Inmitten der Gewitterfelder

Dieses Thema im Forum "Gewitterfelder" wurde erstellt von Hasekura Chinatsu, 14. Juli 2019.

  1. Takegatama Yuichiro

    Takegatama Yuichiro Genin

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    Mit einem eisernen Griff, so als würde sein Leben davon abhängen, hielt Yui sich an diesem Stein fest. Ach Moment...sein Leben hing davon ab! Und nicht nur seines, denn Raku war momentan wohl in keiner Verfassung um irgendetwas tun zu können, damit die Beiden aus dieser Situation entkommen könnten. Also lag seine einzige Hoffnung gerade auf Chinatsu. Er wusste zwar nicht wie, aber sie würde es schon hinbekommen. Wenn nicht, dann...nein, in diese Teufelsspirale des Denkens durfte er gar nicht kommen. Das endet nie gut. Es waren nur wenige Sekunden, die vergingen, doch es fühlte sich wie Minuten, fast schon Stunden, an. Das Geröll machte dem Takegatama weiter zu schaffen und mittlerweile wusste er nicht mal mehr, wie oft ihn diese Steine schon erwischt hatten. Zum Glück konnte er dem ein oder anderen Stück durch leichtes schwingen ausweichen, angenehm war es hier aber trotzdem nicht wirklich. Ein wenig verwirrt schaute er hoch zur Hasekura, die ihn anleitete, den Stein loszulassen. Hatte sie das gerade wirklich gesagt oder hatte Yui vielleicht schon den ein oder anderen Felsen zu viel abbekommen? Es schien wohl Realität zu sein, denn kurz darauf kam auch seine Teamkameradin direkt auf sie zu, ihr Unterkörper schien sich komplett aufgelöst zu haben. Okay, was hatte er verpasst? Ehrlich gesagt hatte er in dieser Situation sowieso nicht viel Auswahl, denn mit der Zeit bröckelte auch seine Halterung und würde nicht mehr lange halten. Ein kurzer Blick zum hängenden Raku und wieder zurück zu Natsu genügte. Na dann, von nichts kommt nichts…

    Yui ließ den Stein los und befand sich nun völlig frei in der Luft. Gut, die Schwerkraft und sein Anhängsel hatten auch noch ein Wörtchen mitzureden, denn sofort zog ihn die Tiefe zu sich und er stürzte den Abgrund hinunter. Dieser Fall hielt aber auch nicht lange, denn auf einmal schienen sie...in der Luft zu schweben? Yui schaute nach vorne, doch seine Sicht wurde von Natsu und zwei riesigen Papierflügeln behindert. “Wow…”, sowas hatte er noch nie gesehen und neben dem ganzen Adrenalin und seiner langsam schwindenden Kraft fand sich ein Ausdruck von Erstaunen in seinem Gesicht wieder. Die eine Hand hielt Raku weiterhin so fest es ging, die andere umklammerte nun Natsu und gemeinsam flogen sie solange, bis sie einen Unterschlupf fanden. In dieser kleinen Einbuchtung angekommen, legte Yui ihren Teamkameraden erstmal sanft auf den Boden, setzte sich erstmal an eine Felswand und schnaufte durch. Raku zu tragen wäre alleine nicht so anstrengend gewesen, als dass man sich hätte ausruhen müssen, allerdings hatte das ganze Geröll stark an seinem Körper gezerrt. Natsu schien auch nicht mehr in bester Verfassung zu sein und von dem Manako fangen wir gar nicht erst an. Sein Blick wandte sich nur Hasekura und er zwang sich ein lächeln aufs Gesicht. “Ich werde es schon überstehen. Du warst unglaublich”. Ihm war gerade eigentlich so gar nicht nach lächeln aber er tat es trotzdem. Sein gesamter Körper beschwerte sich, doch war er nicht der einzige, der etwas abbekommen hatte. Apropos, sie sollten sicher gehen, dass es Raku nicht allzu schlecht ging, weswegen Yui ihn erstmal “untersuchte”. Naja, was er eben so hinbekam. Gucken, ob er noch atmete und auf offensichtliche Verletzungen überprüfen. “Am Kopf ist Blut. Wir sollten das wohl verbinden”. Yui richtete den Manako leicht auf und lehnte ihn gegen die Felswand. In diesem Moment fiel ihm aber ein, dass er keinen Verband oder dergleichen dabei hatte. An sowas hatte er ehrlich gesagt nie gedacht, da er das noch nicht brauchte. Aber ihm kam eine Idee, wie man das lösen konnte. Kurzerhand riss der Schwarzhaarige sich ein Stück seiner Kleidung ab und Band es dem Manako, so gut er konnte, um den Kopf. Er war definitiv kein Profi, aber das würde hoffentlich halten. Kurzerhand drehte er sich wieder zu seiner anderen Teamkameradin um, um zu sehen, wie es ihr ging. “Alles okay bei dir?” Was Yuichiro allerdings nicht bemerkt hatte war, dass ihm mittlerweile neben dem linken Auge Blut das Gesicht hinunter floss. “Was machen wir jetzt, Teamleiterin?”
     
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  2. Hasekura Chinatsu

    Hasekura Chinatsu Genin

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    Alles, aber wirklich alles lief schief. Draußen tobte der Sturm, sie selbst war völlig entkräftet, ein Teamkollege war bewusstlos. Chinatsu sah auf, hörte das Lob des Takegatama, konnte sich aber im Moment zu keinem Lächeln durchringen. Unglaublich… naja, sie hatte es geschafft, ihre Technik im Ernstfall anzuwenden, das war tatsächlich ein Erfolg. Doch der Blick auf den reglosen Körper des Manako milderte das Erfolgserlebnis deutlich ab. Die Hellhaarige holte tief Luft, während Yuichiro Raku untersuchte und schließlich mit einem abgerissenen Stück seiner eigenen Kleidung notdürftig versorgte. Das Mädchen richtete sich auf, sah über die Schulter zurück zum Ausgang der Einbuchtung, konnte den prasselnden Regen inmitten der Sturmböen nur zu gut beobachten. Als sie sich wieder umwandte, war Yuichiro mit der Versorgung fertig und die gelben Äuglein weiteten sich ungemein, als sie das Blut erkannte, dass auch von seiner Schläfe herablief. Er auch. Auch er war verletzt.

    Einen kurzen Moment verharrte die Hasekura in ihrer Position, starrte Yuichiro ungläubig an. Plötzlich drang die wispernde Stimme von ihrem Bruder an ihr Ohr: „Pass auf dich und dein Team auf.“ Das hatte er auf dem Dorfplatz zu ihr gesagt. Sie sah Kenshin bildlich vor sich, mit seinem schiefen Grinsen. Sie dachte darüber nach, was er in ihrer Situation tun würde. Nach ein paar Sekunden gab sich die 16-Jährige endlich einen Ruck, ging entschlossen auf den deutlich größeren Takegatama zu, packte ihn schließlich am Arm und zog ihn unwirsch mit sich nach unten, sodass sie sich beide neben den bewusstlosen Manako auf den Boden setzten. „Wir bleiben hier“, verkündete sie dem Dunkelhaarigen, ohne ihm dabei in die Augen zu sehen. Dann griff sie in ihre eigene Tasche und fischte ein blaues Stoffband hervor – ein Accessoire, das sie normalerweise für ihre Haare benutzte. Sie hielt es bereitwillig Yuichiro hin. „Hier, nimm das.“ Und als er nicht sofort reagierte, verzogen sich die Mundwinkel des Mädchens ein wenig nach unten. „Du blutest. Egal, halt still.“ Sie entschied sich doch anders, wollte Yuichiro das Stoffband nicht einfach geben, sondern kniete sich vor ihn. Zuerst legte sie seine Kapuze zurück in seinen Nacken, dann strich sie seine Haare vorsichtig zur Seite – um den Ursprung der Wunde zu erkennen – und band den Stoff schließlich um seinen Kopf, um zumindest zu verhindern, dass noch mehr Blut aus der Wunde strömte. Ob das Prozedere dem jungen Mann Schmerzen verursachte? Wenn Chinatsu gerade nicht so unter Druck wäre, hätte sie sich wohl darüber geärgert, dass eines ihrer Lieblingsbänder nun durch Blut besudelt und unbrauchbar war. Gerade war sie aber tatsächlich nur froh darüber, Yuichiro etwas helfen zu können. Als sie mit der Versorgung des Dunkelhaarigen fertig war, fiel der Blick der gelben Äuglein auf den bewusstlosen Raku, der direkt neben ihnen lag. Sie setzte sich direkt hinter ihn, hob seinen Kopf vorsichtig an und bettete ihn auf ihren eigenen Schoß – sie hatte keine Ahnung, ob das half, aber sie wollte ihn nicht einfach so auf dem kalten Boden liegen lassen. Die Augen der Hellhaarigen schlossen sich erschöpft. „Danke, dass du dich um Raku gekümmert hast.“ Es kam nicht oft vor, dass sich das Mädchen bedankte – aber es erschien der 16-Jährigen irgendwie angemessen. Sie war ratlos und hoffte, dass der Manako bald wieder zu sich kam. Das kleine Lächeln, das im nächsten Moment über ihr Gesicht huschte, erreichte zwar nicht ihre Augen, aber es reichte, um den ernsten Ausdruck verschwinden zu lassen, als sie wieder zu Yuichiro sah. „Mir geht’s im Vergleich zu euch beiden ganz gut.“ Sie schüttelte kurz den Kopf. „So können wir nicht weiter, erstmal muss Raku wieder zu sich kommen. Und wir beide sollten auch Kraft sammeln.“ Und gedanklich ergänzte sie: „Das würde Kenshin jetzt mit Sicherheit auch so machen.“ Die Hasekura seufzte, blickte dann direkt in die blaugrauen Augen Yuichiros, so als würde sie darin etwas suchen. „Ohne euren Einsatz wäre ich vorhin vermutlich abgestürzt. Mein Tenshi no tsubasa hätte ich im freien Fall nicht vorbereiten können.“ Eine Pause. „Danke.“ Wieder ein Dankeschön, ehrlich und direkt. Erneut fischte das Mädchen in ihrer Tasche, holte eine kleine Schriftrolle hervor und entsiegelte eine Trinkflasche mit klarem Wasser. Anstatt zuerst zu trinken, hielt sie die Flasche dem Takegatama hin. „Trink was. Und dann lehn dich zurück und ruh dich aus.“ Unerwartet schmunzelte Chinatsu wieder, fast auf die gleiche Art, wie sie es sonst auch immer tat. „Ich sag Bescheid, wenn unser Raku-chan genug geträumt hat.”
     
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  3. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Noch immer konnte er keinen Finger rühren, wohl aber spüren, dass irgendetwas an ihm herumgefummelt wurde. Ob der junge Mann nun saß oder lag, es machte für ihn absolut keinen Unterschied - war nicht so, als würde er das mitbekommen. Doch was er merkte war, dass dieses unheimliche Auslaufen, dieser Verlust von Kraft, mit einem Mal nicht mehr so... präsent war. Der Manako hing noch immer in einem imaginären Netz, aber immerhin schien sein Körper langsam ein wenig zu sich zu finden. Ohne dass er wusste wie er dorthin gekommen war spürte er eine weitere Berührung, dieses Mal wohl von jemandem anderen als zuvor. Der Schlitz seines Auges verriet nur, dass es nicht Dunkelhaar-Yuichiro war. Worte verstand er keine, aber es war schon so seltsam genug für ihn. Langsam kam ein wenig Gefühl zurück in seinen Körper und der junge Mann spürte eine gewisse Wärme von dem Körper unter seinem Kopf ausgehen. Als er nach oben sah (also... durch sein eines, halb verschlossenes Auge) erkannte er weiße Haarsträhnen, die zu ihm herunterhingen und für einen Moment lang war er vollkommen verwirrt. Ein krasses Gefühl von Deja-vú drängte sich ihm auf, ein unfassbar starkes Gefühl von 'das hatte ich doch schon einmal' überkam ihm und in einem Bruchteil dieser Sekunde fühlte sich der Bogenschütze gute fünfzehn Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt - mit seiner Mutter über sich, und einer der letzten Male dass er so eine Nähe wirklich gespürt hatte. Seine soziale Isolation hatte nicht wirklich lang danach angefangen, und - mal ganz abgesehen davon - war seine Mutter auch eine Irre. Und doch vermisste er sie. Raku wurde klar, dass es um ihn ziemlich schlecht stehen musste, wenn ihm schon so eine simple Berührung eine solche Sehnsucht verpasste, und doch tat er in diesem Moment das, was er immer machte: Er verschloss dieses Bedürfnis tief in sich, konnte aber nicht verhindern, dass für einen Moment eine (dramatische) Träne seine Wange hinunterlief. Lag natürlich nur daran, dass er zu lange nicht geblinzelt hatte. Eine andere Erkenntnis drängte sich wieder auf, während sein Bewusstsein immer näher wieder zu ihm kam, und eben jene Erkenntnisse zuließ. Chinatsu war seiner Mutter wirklich ähnlich. Und das war ein extrem seltsames Gefühl. Es wunderte ihn aber auch nicht, dass er so auf die junge Kumo-nin reagierte - er projezierte seine eigenen Konflikte auf sie, ohne, dass er wirklich versucht hätte ihr eine Chance unabhängig von seinen negativen Gefühlen bezüglich seiner Mutter zu geben. Das würde er wohl ändern müssen.

    Schließlich blinzelte er und öffnete sein Auge wieder, sah nach oben in die seltsam gefärbten Augen der Kunoichi, auf deren Schoß er lag. Wäre er auch nur ein wenig reflektierter, hätte er sich eingestehen müssen dass er sich in diesem Moment wohl fühlte, irgendwie. Da er aber noch lange nicht soweit war, raffte er sich so schnell es ging auf und schwankte kurz ein wenig im Sitzen, fing sich aber schnell wieder und fasste sich an den Kopf - nachdem er sich die seltsame Flüssigkeit an seiner Wange abgewischt hatte, die kein Blut war. Die Müdigkeit war immerhin weg, es blieb ein mörderischer Durst. "Wasser", krächzte er dann - ein wenig fragend, mehr als einfacher Ausdruck seines Bedürfnisses. Er entdeckte eine Flasche, in der noch ein wenig Wasser übrig geblieben war, und stürzte die Flüssigkeit herunter. Wie ein Schwamm fühlte sich der Hellhaarige in dem Moment, so ausgetrocknet, dass seine Zunge ihm wie ein dickes Stück Fleisch im Mund zu liegen schien. Er klopfte seine Kleidung vorsichtig ab und spürte, dass alles soweit noch dran war - soweit er beurteilen konnte. Mit etwas zittrigen Händen entsiegelte er selbst noch eine Flasche und trank die mit gierigen Schlucken aus, wischte sich dann über die Mundwinkel und sah zu seinen Kameraden. Es waren vielleicht zehn Minuten vergangen, seit sie in der Höhle angekommen waren, aber das wusste er ja nicht. "Alle noch am Leben. Gut", sagte er - gewohnt im Stakkato. Seine Sorge, sein Instinkt zum Beschützen, war ihm in diesem Moment nicht mehr so recht anzumerken. Aber Raku war heilfroh dass es seinen Kollegen gut ging (mehr oder weniger, wenn man nach Yuichiros Verarztung urteilen wollte). Chinatsu schien unverletzt, was er beeindruckend genug fand. "Was ist...", fing er an, dann zuckte seine Augenbraue kurz. Eigentlich war es auch egal. Es war ihm ein Rätsel wie er noch lebte, aber sein persönlicher Schutzengel hatte ihm mal wieder beigestanden, wie auch bei der Hexenkessel-Geschichte. Dass sein Schutzengel diesmal wortwörtlich seine Kollegen gewesen waren, wusste er nur noch so halb. Er stand auf, lehnte sich kurz gegen die Wand und atmete einen Moment durch. Dann stieß er sich ab und ging zur Öffnung, durch die sie wohl hereingekommen waren. Es regnete noch immer wie verrückt. "Lass' uns gehen. Keine Zeit verlieren", sagte er und sein regungsloses Gesicht sagte nichts darüber aus, wie er sich fühlte - schwach und vor allen Dingen ausgeliefert. Ihm fiel etwas ein, griff in eine seiner Innentaschen und holte eine kleine Box heraus, nahm eine kleine Tablette heraus und besah sich das Aufputschmittel einen Moment lang. Eigentlich mochte er es nicht solche Mittel zu verwenden, aber es war genauso ein Werkzeug im Arsenal eines Shinobi wie jedes andere. Mit einer schnellen Bewegung schmiss er es sich ein und wand sich seinen Kollegen zu. "Bin bereit."
     
  4. Takegatama Yuichiro

    Takegatama Yuichiro Genin

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    Ihm wäre die rote Flüssigkeit, die sein Gesicht herunterlief wahrscheinlich früher aufgefallen, wären seine Gedanken momentan nicht einhundertprozentig darauf fokussiert, wie es seinen beiden Teamkameraden erging. Vor allem Raku, ihn schien es ja ordentlich erwischt zu haben. Natsu hingegen sah recht unverletzt aus, wenngleich man ihr ansehen konnte, dass auch sie nicht gerade an ihrem Höhepunkt war. So langsam war das vorherige Adrenalin auch komplett verflogen und Yui merkte, was er seinem Körper dort vorhin angetan hatte. Ihm wurde gerade klar, wie viel Training er noch durchziehen musste, um so eine Steinlawine mit gutem Gewissen angehen zu können. Diese Mission öffnete ihm das ein oder andere Auge, aber momentan stand dies eher an zweiter Stelle.

    Etwas überrascht schaute er drein, als die Hasekura ihn auf einmal nach unten zog und ihm ein blaues Band hinhielt. Leicht verwirrt guckte er sie an, bis sie ihm nun mitteilte, was er eigentlich schon längst hätte bemerken müssen. Seine linke Hand ließ er kurz über die Gesichtshälfte fahren und schaute sich das Ergebnis an. “Oh…” mehr sagte der Dunkelhaarige darauf nicht und ließ sich verbinden. Sein Gesicht verzog er kein bisschen, auch wenn es dort oben langsam anfing, zu stechen. Wie groß die Wunde wohl war? Alleine durch den Schmerz konnte er das nicht abschätzen. Wollte er das wissen? Naja...irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht. Nachdem sie fertig war, Yuis Wunde zu behandeln, lehnte der Takegatama sich an die Felswand und atmete mehrere Male tief durch. Das war einfach nur dafür da, um ein wenig Ruhe finden zu können. Er hatte zwar keine Ahnung von richtigen Atemtechniken, doch das, was er machte, würde schon seinen Zweck erfüllen. Sein Kopf drehte sich leicht zur Hasekura, als diese sich bedankte und er entgegnete ihr mit einem sanften, ruhigen Ausdruck. “Wir sind Teamkameraden. Wir helfen uns, das versteht sich von selbst. Außerdem hast du uns genauso gerettet. Wir wären ohne dich in den Abgrund gestürzt.” Was sie in seinen Augen sah, war pure Erleichterung. Erleichterung darüber, dass sie es alle überstanden hatten. Erleichterung darüber, dass sie Raku einigermaßen versorgen konnten. Und Erleichterung darüber, dass keiner von ihnen wohl ernsthaft zu schaden gekommen war. “Was meinst du? Kannst du mir vielleicht irgendwann noch etwas mehr von diesen Papierjutsus zeigen? Wenn wir von dieser Mission zurückkommen, brauche ich definitiv etwas mehr Training. Wir könnten das verbinden. Wie wärs?” schlug er dem hellhaarigen Mädchen nun vor. Yuichiro war sehr fasziniert von diesen Techniken und er wollte unbedingt mehr sehen! Außerdem war es vielleicht gar nicht so schlecht, die Stimmung etwas zu verbessern, indem man sich miteinander unterhielt.

    Mit einem dankenden Nicken nahm er die Flasche der Hasekura und füllte seine Kehle mit dem, was gerade einem Gottesgeschenk gleichkam. Dann lehnte er sich zurück und schaute erstmal einige Zeit die Decke an. Naja, anschauen kann man das nicht nennen, denn seine Augen waren die ganze Zeit geschlossen. Und so langsam offenbarte sich ihm, was die Steine bei ihm anrichteten. Die blauen Flecke waren kein Wunder, dass würde er einfach ignorieren und weitermachen können. Doch merkte Yui langsam, wie seine rechte Schulter sensibler auf Berührungen reagierte und bei Bewegungen anfing, zu schmerzen. Das war schlimmer als ein blauer Fleck, besser einschätzen konnte er es aber auch nicht. Fürs Erste würde er die Schmerzen erstmal runterschlucken und sich auf andere Dinge konzentrieren. Von der Seite vernahm er nur das Geräusch eine Bewegung, reagierte im ersten Moment allerdings nicht drauf. Erst als er Rakus Stimme hörte, öffneten sich seine Augen und er wand sich dem Geschehen zu. Der Manako war wach, das war gut. Allerdings schien er nicht wirklich in der besten Verfassung zu sein, kein Wunder. So schnell wie er wach war, so eifrig war er auch schon wieder, weiterzuziehen. Einen Moment lang blickte der Takegatama einfach nur in Richtung der Öffnung und stand dann auf. Mit einem Blick, der mit dem ausdruckslosen Ausdruck seines Teamkameraden gleichziehen könnte, ging er auf ihn zu und starrte ihn einige Sekunden einfach nur an. Ein Seufzen zerbrach den gleichgültigen Blick des Takegatamas und ersetzte ihn durch eine Mischung aus Sorge und Ernsthaftigkeit. “Wir haben eine Mission zu erfüllen, das stimmt. Und diese Aktion hat und sicherlich genug Zeit gekostet.” fing er an “aber…” jap, sowas hat immer ein “aber”. “...ich kaufe dir nicht ab, dass du wieder vollständig auf den Beinen bist.” Er legte Raku eine Hand auf die Schulter und sah ihm tief in die Augen. “Natürlich zählt jede Sekunde, aber das werde ich nicht auf Kosten der Gesundheit eines Kameraden auf mich nehmen. Wir können von mir aus aufbrechen, wenn…” und ein “wenn” ist auch noch dabei, bald sind sie alle da gewesen! “...du es langsamer angehen lässt. Wir wollen nicht, dass es sich verschlimmert.” Und sein Blick wandte sich zur Hasekura, nun wieder etwas sanfter ausschauend. “Wie siehst du das, Captain?” Vielleicht hatte sie ja irgendwelche Einwände oder andere Vorschläge.
     
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  5. Hasekura Chinatsu

    Hasekura Chinatsu Genin

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    Konzentriert sah Chinatsu auf den reglosen Körper des Manako hinab, konnte allerdings zufrieden feststellen, dass sich sein Brustkorb gleichmäßig hob und senkte. Er war verletzt, keine Frage, aber es schien ihm ansonsten gut zu gehen. Zumindest rechnete die Hasekura damit, dass er ansonsten weder so ruhig liegen, noch so gleichmäßig atmen würde. Rein vom dem, was ihr Gefühl ihr sagte. Als Yuichiro sie fragte, ob sie ihm ein paar ihrer Papiertechniken zeigen würde, schlich sich ein überhebliches Grinsen in die Gesichtszüge des Mädchens. „Das war noch lange nicht alles, was ich so kann. Ich geb dir gerne eine Kostprobe, wenn wir wieder zurück in Jôsei sind.“ Sie zwinkerte dem Takegatama zu, legte den Kopf dann in den Nacken, als sie an die Decke der Höhle blickte. „Wir können gerne zusammen trainieren. Es ist echt viel Zeit vergangen, seit wir zusammen gegen das Krokodil im Sumpf angetreten sind. Ich habe viele coole Techniken seitdem gelernt. Und du bestimmt auch!“ Das würde mit Sicherheit eine interessante Trainingseinheit werden. Die gelben Äuglein musterten den Dunkelhaarigen, der nach der Wasserflasche griff und einige gierige Schlucke zu sich nahm. Nachdem er abgesetzt hatte, trank Chinatsu ihrerseits aus der Flasche und stellte diese dann – mit einem kleinen Restinhalt – auf dem Boden neben sich ab.

    So wie es auch Yuichiro tat, schloss die Weißhaarige die Augen und versuchte, Energie zu sammeln. Sie mussten noch immer die Gefangenen einholen… und vermutlich gegen sie antreten. Diese Minuten Pause waren daher mehr als kostbar. Die Weißhaarige war bereits leicht weggedämmert, als sie plötzlich eine Bewegung in ihrem Schoß spürte. Als sie die Lider hob, hatte Raku sich bereits aufgerappelt und wankte selbst in seiner sitzenden Position. „Du bist wach!“, stellte die 16-Jährige erfreut fest, doch Raku reagierte darauf gar nicht. Er krächzte nach Wasser und griff ohne Umschweife nach der fast leeren Flasche, die von Yuichiro und ihr übriggeblieben war. Direkt danach leerte er auch eine zweite Flasche. Chinatsu wusste noch gar nicht, was sie sagen sollte, da stand der Teamkollege bereits auf, lehnte sich kurz gegen die Wand und stieß sich dann entschlossen ab. Was warf er sich denn da für eine Pille ein? Die Hasekura hatte eine Ahnung, aber so schnell hatte sie es nicht erkennen können. Raku wollte weiter? Aber… war er nicht bis eben noch bewusstlos gewesen? Chinatsu stand nun auch ihrerseits auf, doch Yuichiro kam ihr zuvor. Er legte eine Hand auf die Schulter des Manako, sah ihn eindringlich an. Chinatsu nickte eifrig, natürlich stimmte sie dem größeren Teamkollegen voll und ganz zu! „Der Captain sieht das genauso!“, verkündete sie, hob die Nase und die Mundwinkel weit an. Der Begriff Captain gefiel ihr. Dann wurde sie wieder ernster, trat auf beide jungen Männer zu, blieb vor ihnen stehen und tippte Raku unsanft mit dem Finger gegen die Brust. „Ernsthaft. Wenn du uns nochmal umkippst, werde ich verdammt sauer! Dann fessele ich dich mit meinem Papier, sodass du dich keinen Millimeter mehr bewegen kannst. Verstanden?!“ Das waren wohl mehr als klare Worte gewesen - und jeder, der die Weißhaarige auch nur annähernd kannte, wusste, dass sie diese Drohung sofort wahrmachen würde. Sie sah zu Yuichiro und nickte ihm dankend zu. Er war mit Sicherheit auf ihrer Seite was das anging. „Yui, wohin müssen wir gehen, um weiter Richtung Norden zu kommen? Ich hab auf dem Weg zu dieser Höhle ein wenig die Orientierung verloren…“, gestand das Mädchen ein und wartete, dass der Dunkelhaarige ihnen sagte, wohin sie gehen mussten. „Es dürfte aber nicht mehr weit bis zum Rand des Gebirges sein – dann werden wir Gokoyama schon sehen können. Am Rand des Gebirges sollte das Wetter sich auch wieder beruhigen. Mit ein bisschen Glück erwischen wir die Gefangenen noch!“
     
  6. Manako Raku

    Manako Raku Genin

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    Ehrlich gesagt hatte Raku nicht erwartet, dass es noch einmal zur Sprache kommen würde, dass er eben bewusstlos gewesen war. Er erinnerte sich ja noch nicht einmal wirklich daran was passiert war – da wäre es wohl auch ein wenig zu viel gewesen, die Situation noch einmal zu evaluieren. Normalerweise hätte er sich wohl Gedanken darüber gemacht, wie er das in Zukunft vermeiden konnte – aber so war es einfach nicht möglich. Und er würde nicht seine Kollegen noch einmal daran erinnern, was eben gewesen war. Der Bogenschütze spürte, wie sein System durch das Aufputschmittel wieder in Fahrt kam, wie sein Herz anfing, schneller zu schlagen. Auf einem Auge hatte er noch ein wenig verschwommene Sicht, aber das passte schon. Würde sich sicher fangen. Also konnte es weitergehen. Seine Kollegen hatten nur leider andere Pläne.
    Stumm und mit wenig bewegter Miene horchte Raku den Aussagen seiner Kollegen. Wahrscheinlich wollten sie ihn aufmuntern, aber so richtig bei ihm ankommen… tat die gute Intention nicht. Es war eher so, dass der Hellhaarige peinlich berührt war. In letzter Zeit bekam er auf Missionen so gar nichts mehr hin, und es war wirklich wie verhext – er übersah Sachen, er machte sich lächerlich, er bekam Steine an den Hinterkopf und fiel beinahe eine Schlucht hinab… für jemanden, der sich für einigermaßen geschickt und aufmerksam hielt, war das doch ein Armutszeugnis. Er verschränkte die Arme hinter dem Körper und sah Yuichiro nicht direkt an, als er ihn ansprach. Voll auf den Beinen? Er hatte nicht behauptet vollständig auf den Beinen zu sein. Er hatte gesagt, er wäre bereit, weiterzuziehen. Es gab wichtigere Dinge als sich in einer Höhle in den Bergen auszuruhen. Das konnte er später auch immer noch machen, oder? „Ich brauche keine…“, fing er an, verstummte dann aber als Chinatsu das Wort ergriff und ihm auf die Brust tippte. Seine Augen lagen einen Moment auf der Hellhaarigen, doch in die Augen sah er ihr auch nicht. Umgekippt? Er war nicht einfach so umgekippt, verdammt nochmal. Rakus Mundwinkel zuckte leicht, als wolle er etwas sagen, trat dann zwei Schritte zur Seite. „Entschuldigt. Die Kritik ist berechtigt. Ich koste zu viel Zeit“, sagte er dann im Stakkato und sah dann zu Yuichiro, der die Himmelsrichtung erneut bestimmen sollte. Raku fühlte sich schon wieder fiel fitter, aber ob das an seinem generellen Zustand oder nur an dem Mittel lag, welches er so noch nie eingenommen hatte, wusste er nicht. Während sich Chinatsu und Yuichiro darum kümmerten, die Richtung festzulegen, überprüfte Raku all seine Ausrüstung und stellte erfreut fest, dass sowohl sein Mantel – wenn auch nass – und seine Ausrüstung – wenn auch verrutscht – alles noch da war. Er ordnete sich, seine Kleidung und seine Ninjawaffen und Verschlüsse, zurrte einige der Befestigungen fester, fasste sich einen Moment an den Hinterkopf. Es war kein wirklicher Schmerz, den er spürte, eher immer noch ein dumpfes Pochen. Und dann war da noch die Erinnerung an seine Position eben. Und die Tatsache, dass trotz all der Fehler, die Chinatsu seiner Meinung nach hatte, sie sich doch mit Yuichiro zusammen um ihn gekümmert hatte. Vielleicht musste er einige Dinge überdenken, aber dafür… hatte er wohl später noch Zeit. Der Hellhaarige zog seine Kapuze wieder über den Kopf, atmete durch – und trat schließlich mit seinen Kameraden wieder vor den Eingang der Höhle, wo noch immer der Sturm tobte. Immerhin regnete es nicht mehr so stark wie zuvor.

    Die drei Genin schafften es trotz der widrigen Umstände, dem Wetter zu trotzen und ihren Weg fortzusetzen. Raku hielt sich am Ende, ließ Yuichiro den Weg weisen, welcher zusammen mit Chinatsu immer einen guten Weg fand, um sich durch das unwegsame Gelände zu bewegen. Der Wind bließ ihnen regelmäßig die Kapuzen vom Kopf, aber durch den schweren Stoff ließen sie sich leicht wieder in die richtige Position ziehen. Der Hellhaarige verschwendete keine Zeit damit sich zu ärgern, konzentrierte sich vielmehr darauf, Schritt zu halten. Trotz aller Wachheit und Energie, die das Aufputschmittel geliefert hatte – seine Glieder schienen schwerer als sonst, seine Reaktionsfähigkeit gedämpft, und dann fiel es ihm auf einem Auge noch immer etwas schwer zu sehen. Das wiederum ließ ihn sich im dreidimensionalen Raum ein wenig unbeholfen bewegen, und so war er mehr als erleichtert als sie schließlich über eine Höhung geklettert waren und das Gebirge langsam abfallen sahen. In der Ferne konnte man eine Stadt erahnen, hinter ihnen grummelten schwarze Wolken noch immer bedrohlich, als wollten sie ihnen sagen, bloß nicht wiederzukommen. Raku atmete schwer, aber er hielt sich wacker. Fand er. Ob die anderen das so sahen, wusste er nicht – das einzige, was er als sicher erachtete war, dass er hiernach eine ganze Auszeit brauchte um sich zu erholen. Und zu trainieren. Er war nicht gut genug, um solche Aufgaben regelmäßig und schmerzlos aneinanderzureihen. Der junge Mann schloss das eine Auge, mit dem er verschwommen sah, gab sich eine leichte Ohrfeige, um wacher zu werden. „Glaube nicht dass sie im Gebirge geblieben sind“, merkte er nüchtern an. Trotz allem war das Land um die Gewitterfelder nicht eben grün, so dass das senf- oder ockerfarbene Gewand der Häftlinge zusätzlichen Schutz gab. Raku zog sich die Kapuze tief in Gesicht, um sein Gesicht in Schatten zu hüllen und seinen Horizont oberhalb des Sichtfeldes zu reduzieren. Dann formte er ein Viereck mit seinen Händen um sich auf einen kleinen Bereich der vor ihnen liegenden Ebene zu konzentrieren. Es vergingen ein paar Momente, dann stieß er Luft aus. „Bewegung dort unten. Vielleicht vier, fünf Kilometer vor uns. Ockerfarbene Gestalten.“ Er deutete dorthin. „Die Landmarke ist dieser große Felsbrocken“, ergänzte er und deutete auf einen natürlichen (?) Obelisken. Dann rannte er los, das Ziel vor Augen – und den Abschluss der Mission noch dazu.
     
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