Östliches Hochland - Die Weiden des Reiches

Dieses Thema im Forum "Reich des Wasserfalls" wurde erstellt von Haemasu Ai, 16. Apr. 2019.

  1. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Jôsei – Das Nordtor

    Die Reise ins Reich des Wasserfalls verlief überraschend ereignislos. Sicher, Ai hatte keine Ahnung, was sie erwartete hatte, die Hälfte der Wirtshäuser hatte sie beim letzten Mal mit Yamato gesehen und die eigentliche Mission würde so oder so erst beginnen, wenn sie beim Auftraggeber waren. Dennoch, etwas langweilig war es schon gewesen, doch daran wart nicht wirklich jemand schuld, weder Ai noch ihr Begleiter. Takeo war eigentlich ein angenehmer Reisebegleiter, etwas verträumt, aber dafür auch still. Eine Quasselstrippe wäre sicherlich anstrengender gewesen. Die Eintönigkeit der Reise hatte aber Ai beinahe nicht mitbekommen lassen, dass sie das Reich des Feuers verließen. Gut, um ehrlich zu sein, spektakulär war der Grenzübergang nicht gewesen, ein kleiner Posten aus zwei Holzhütten trennte die Reiche auf der Strecke, die Takeo und Ai entlangreisten. Das Fehlen von Zäunen oder Mauern sagte viel darüber aus, dass hier entweder Vertrauen herrschte oder es weitere unsichtbare Mechanismen gab, die unerlaubte Grenzübergänge verhindern sollten. Wahrscheinlich befand sich die Wahrheit irgendwo in der Mitte der beiden Varianten. Eigentlich war es in diesem Moment so oder so egal für die beiden Genin, denn es schien bereits Nachricht an den Grenzposten geschickt worden zu sein, der es den beiden ohne Probleme ermöglichte das fremde Reich zu betreten.

    Was sich Ai erhofft hatte wusste sie nicht, aber ein wenig war sie schon enttäuscht, als die Reise weiter ging. Die Flora hatte sich kaum verändert. Gut, zwanzig Meter hinter der Grenze würden sich die Pflanzen kaum völlig durch andere Arten vertreiben lassen, aber der Wald fühlte sich noch immer so an, als wären sie noch im Reich des Feuers. Ich muss sagen, ich war noch nie im Ausland. Das ist also ganz frisch für mich. Auch wenn der Wald doch noch sehr wie die Heimat aussieht, aber das wird sich sicher noch ändern. Smalltalk, nicht die Stärke der Haemasu, aber sie versuchte es. Nur in Stille zu wandern wäre einfach zu langweilig, also musste wenigstens der Versuch unternommen werden das zu ändern. Ein schwacher Versuch, aber wenigstens tat sie etwas. Der Pfad teilte sich einige Zeit später in zwei Wege auf, der breitere führte nach Nordwesten in Richtung von Takigakure, das gut ausgeschildert war, der andere führte eher in östlicher Richtung, dies war der Pfad der Genin. Früher waren die meisten der versteckten Dörfer … nun, versteckt. Und jetzt? Handelsstraßen und Beschilderung. Es klang etwas so, als würde sich Ai nach der guten alten zeit sehnen, aber dem war nicht so. Mit der aktuellen Lage war sie eigentlich zufrieden, nur die Ironie, dass die Dörfer noch immer die Bezeichnung versteckt trugen, wenn jeder einen Atlas aufschlagen konnte und genau sah, wo sie lagen. Aber größere Gedanken machte sich Ai nicht darum, manchmal blieb sie halt an komischen Details hängen und dies war ein solcher Fall. Wichtigkeit bemaß sie der Angelegenheit keine. Daher ließ sie das Thema so schnell fallen, wie sie es aufgegriffen hatte.

    Außerdem nahm etwas anderes die Aufmerksamkeit von Ai in Anspruch, denn als sich der Wald lichtete und der Weg anfing etwas anzusteigen, konnte sie in das linkerhand gelegene Flusstal blicken. Im Reich des Wasserfalls durften Flüsse nicht fehlen, aber der Anblick, der sich den beiden Genin bot, verschlug der Haemasu geradezu die Sprache. Ein riesiges Tal, welches von mehreren breiten Flüssen durchschnitten wurde, die sich weiter im Südosten miteinander verbanden, öffnete sich. Im Nordosten verlief eine wahrlich gigantische Klippe, die von mehreren Wasserfällen, der Name des Reiches musste ja irgendwo her kommen, durchschnitten wurde. Am Ostende, dort wo sich gerade die beiden Genin befanden, war die Klippe nicht ganz so hoch und öffnete sich zu einer Hochebene, die nicht mehr bewaldet war, sondern von Feldern, Äckern und Viehgattern bedeckt waren. Eindeutig das agrikulturelle Zentrum des Reiches und sehr wahrscheinlich auch das Ziel ihrer Reise, doch welcher Hof der richtige war, das konnte Ai nicht sagen. Zwischen einzelnen Gehöften schienen teilweise Kilometer lang nur Wiesen oder vereinzelte Bachläufe zu liegen und ein großes Schild mit dem Namen „Hasai Hiro“ würden die Genin sicherlich vergeblich suchen. Hoffentlich hatte Takeo einen genaueren Plan, denn das einzige, was Ai vor sich sah, war ein Weg, der den Rand der Klippe verfolgte und von verschiedenen Höfen gesäumt war, kein Indiz, wohin es ging. Wahrscheinlich war das eine ihrer Unzulänglichkeiten, an denen sie arbeiten musste. Informationsbeschaffung und das Behalten von Hinweisen.
     
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  2. Dokúiki Takeo

    Dokúiki Takeo Genin

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    Takeo dachte ein wenig über Ais Worte nach und kam mit etwas Verzögerung auf das Thema zurück, da er es nicht einfach so im Raum stehen lassen wollte. „Die Bezeichnungen kommen aus der Zeit von offenen Kriegen. Heute brauchen wir nicht mehr versteckt sein, da der Krieg vorbei ist.“ Er machte eine kurze Pause, bevor er seine Aussage um eine kleine Information ergänzte, die ein wenig Traurigkeit in seinen Gesichtszügen hervorbrachte. „...der offene Krieg jedenfalls“, flüsterte er. Takeo schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Er hielt einen Moment inne, bevor er die Luft mit einem zufriedenen Seufzer wieder ins Freie entließ und seine Mundwinkel zu einem breiten Grinsen formte. „Hier sieht man das sehr gut: Ein so reichhaltiges Land hätte sich den Fängen des Krieges wahrscheinlich nicht entziehen können. Ein gutes Zeichen, dass es hier größtenteils ohne Militär auskommt.“ Er wusste, dass das wahrscheinlich auch das nur die halbe Wahrheit war, aber jetzt war nicht die Zeit, um über Politik zu diskutieren und außerdem waren seine Einblicke in dieses Thema nur sehr gering. Er war immerhin auch nur ein kleiner Fleck auf diesem großen Planeten.

    Zielstrebig lenkte Takeo das Zweiergespann durch die Felder des Reiches, denn er hatte seine Hausaufgaben gemacht. Schließlich blieb er an einer Weggabelung stehen.. Welche Richtung noch gleich? Er wusste natürlich, dass es um zwei benachbarte Bauern ging, aber war irgendwie davon ausgegangen, dass sich an der letzten Weggabelung so etwas wie eine Art Hausnummer finden würde. Er war der Natur sehr verbunden, doch in solchen Momenten merkte er, dass er doch irgendwie ein Stadtkind war. „Ich glaube…“ Er zog eine Karte aus seiner Tasche und schlug sie auf. Rechts war der Hof von Hetake Basu, der beschuldigt wurde, die Kühe von Hasai Hiro vergiftet zu haben, der demzufolge linkerhand zu finde war. Er ließ seinen Blick schweifen. Man musste den Wegen noch ein ganzes Stück folgen, bis man die tatsächlichen Wohngebäude erreichte, jedoch waren sie für für Ackerbauverhältnisse, wenn man das so nennen konnte, sehr nah beieinander und Takeo konnte sich gut vorstellen, dass man so schnell mal aneinander geriet. „…wir müssen links entlang.“ Einen Umstand, den er im Hinterkopf behalten sollte.

    Der Weg von der Weggabelung zum Hof, der sich direkt an eine Lange Reise reihte, ließ den Abstand der beiden Streithähne noch kleiner erscheinen und bevor er diesen Gedanken mit Ai besprechen konnte, stand er auch schon vor der Tür des Hofes. Er gestaltete sich von außen genauso, wie man sich einen solchen Hof als Stadtkind vorstellen würde. Das Hauptgebäude bot von außen offensichtlich Platz für drei Generationen. Es würde ihn also nicht wundern, wenn sie dort neben dem Auftraggeber und seiner Ehefrau noch mindestens auf seine Eltern und, wie auf dem Land üblich, mindestens zwei bis drei Kinder treffen würden, denn andernfalls wäre das ganze Gebäude ein wenig zu groß. Um das Gebäude herum fanden sich einige weitere Gebäude. Vermutlich Ställe für die verschiedenen Tiere, Speicher für Futter und Ackererträge, sowie Schuppen für Werkzeuge und Gerätschaften, um das umliegende Land zu bewirtschaften.

    Er hob die Hand um zu klopfen, ließ sie dann jedoch fallen und trat einen Schritt zurück. Sie sollten noch einmal alles durchgehen, bevor sie Hals über Kopf in die Mission stürzten. „Also Ai. Höchste Priorität hat-“ Mit einem lauten Rumms wurde die Eingangstür aufgeschlagen und ein großer, bulliger Mann mit Glatze und buschigem Vollbart stand ihnen gegenüber. Auf seiner hochroten Stirn pochte eine dicke Ader. Sein muskulöser Körper ließ keinen Zweifel daran, dass er jeden Tag auf diesem Hof schuftete und es sich somit um den Auftraggeber handeln musste. „Da seid ihr ja endlich! Kommt schnell rein, damit ich euch auf den aktuellen Stand bringen kann! Heute Morgen ist schon wieder eine Kuh den dreckigen Mitteln dieses Gauners von Gegenüber erlegen und um viele andere steht es auch nicht gut. Ihr müsst euch schnell, um die anderen kümmern, damit wir einen Plan für den Gegenschlag aushecken können!“ Genauso schnell wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder im Inneren des Gebäudes und ließ zu mindest Takeo relativ sprachlos zurück. Mit offen stehendem Mund wandte er sich zu Ai „Gegenschlag? Habe ich das richtig gehört? Was für ein Gegenschlag? Bitte keinen Gegenschlag.“ Spätestens jetzt war klar, dass es hier genug Stoff zum Deeskalieren gab.
     
  3. Haemasu Ai

    Haemasu Ai Genin

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    Das Bauernhaus war … langweilig. Man musste es so ausdrücken, da es wirklich absolut keine besonderen Merkmale aufwies. Es war ein großes im Fachwerk gebautes Gebäude mit zwei Stockwerken, wobei das Dachgeschoss unter dem steilen Dach durchaus ebenfalls ausgebaut worden sein konnte. Seitlich lehnte sich eine aus rötlichem Holz erbaute Scheune an das Wohnhaus, scheinbar gab es einen direkten Durchgang von drinnen in den Bereich, der das Vieh an schlechten Tagen und im Winter beheimatete. Auf der anderen Seite des Hofes erhob sich ein etwas klapprig wirkender Bau aus dunkelgrauem Stein. Man mochte meinen, dass Stein das stabilste der hier verwendeten Materialien war, aber die Jahre hatten dem Gebäude etwas zugesetzt. Von der Größe her schien es nicht als Stall zu dienen, dafür reichten die Ausmaße nicht. Wahrscheinlicher war dies ein Lager für Geräte und Futtermittel. Der hinter dem Gebäude hervorlugende Heuhaufen bekräftigte dieses Bild nur. Die Chance sich großartig umzusehen hatte Ai jedoch nicht, denn auch wenn Takeo zögerte an die Tür zu klopfen und scheinbar noch etwas Wichtiges mit ihr teilen wollte, schienen die Umstände es anders geplant zu haben. Mit einem kräftigen Ruck wurde die Tür zum Haupthaus aufgerissen und ein Mann begrüßte die beiden eher forsch und sehr knapp. Stumm erwiderte Ai nur den Blick ihres Teamkollegen und schickte sich an dem Mann ins Innere zu folgen.
    Direkt hinter der Tür führte ein zugegeben enger Flur ins Innere des Hauses. Linkerhand konnte die Haemasu einen kurzen Blick in eine kleine Kammer werfen, die wahrscheinlich als Raum für Mäntel und etwaige Schuhpaare diente. Den Raum rechterhand konnte die junge Frau nicht schnell genug einsehen, denn schon öffnete sich der Flur vor den beiden Genin zu einer urigen Wohnküche. Eine hölzerne Eckbank nahm einen großen teil der rechten Seite des raumes ein, während links die Küchenmöbel dominierten. Ein alter mit Holzbefeuerter Ofen brannte direkt neben der Tür und verstrahlte eine angenehme, wenn auch etwas trockene Wärme. Direkt neben der Eckbank befand sich eine weitere Tür, die, wenn Ai es richtig einschätzte, direkt zum Stall führte. Als AI einen Schritt in den Raum hinein machte, bemerkte sie, wie linkerhand gar keine Wand war, sondern der Raum ein wenig zurückwich, um einer hölzernen Treppe Platz zu machen, deren Stufen in drei verschiedenen Farben, wahrscheinlich später nach gebesserte Holzteile, schimmerten. Doch der Raum war gerade eher Nebensache, denn Ai und Takeo wurden ja von ihrem Auftraggeber hineingeführt. Dieser nahm ohne die Genin weiter vorzustellen auf der Eckbank Platz, wobei eine Vorstellung vielleicht nicht schlecht gewesen wäre. Neben ihres Auftraggebers befanden sich noch vier weitere Personen im Raum. Eine kleine, ältere Frau, die vor dem Herd stand und sich mit einem etwas zahnlosen, aber ehrlichen Lächeln umdrehte, um die Neuankömmlinge zu begrüßen, war die erste, die AI ins Auge sprang. Wahrscheinlich die Mutter des Bauern, sie erfüllte auf jeden Fall optisch alle Kriterien, um als das Mütterchen zu gelten. Der leicht gebeugte Gang, das hellgraue Haar, das zu einem unordentlichen Dutt gebunden war und der etwas unförmig wirkende Stock, auf den sie sich stützte, obwohl sie eine Rüstigkeit verstrahlte, die eine Stütze überflüssig wirken ließ. Direkt daneben saß ein griesgrämig wirkender Mann auf einem Schaukelstuhl und obwohl er gerade schlief, verströmte er eine Aura purer Unzufriedenheit. Gedanklich machte sich Ai die Notiz diesen Kerl lieber nicht zu wecken, wenn es nicht unbedingt sein musste. Anders sah es bei der Frau aus, die neben dem Bauern saß und eine Hand, scheinbar um zu beruhigen, auf die Schulter ihres Auftraggebers legte. Das einfache, rot-weiß karierte Kleid wurde von eine einfachen grau-braunen Schürze verdeckt und ihre leuchtend roten Haare fielen in unkontrollierten Locken bis auf die Schultern der Frau. Einen ähnlichen Lockenschopf konnte Ai auch neben sich ausmachen, gegen die Wand gelehnt saß ein Mädchen im selben Alter, wie Ai und Takeo es waren, in einem Buch versunken. Ihre Augen schimmerten smaragdfarben und die helle Haut, die fast wie Porzellan aussah, wurde durch die einzelnen Sommersprossen nicht verunstaltet, sondern noch deutlicher hervorgehoben. Leider blieb eine Vorstellung aus, denn selbst nachdem Ai und Takeo eingetreten waren, machte der Bauer keine Anstalten es auch nur zu versuchen. Eher kochte er vor sich hin. Ich frag‘ da lieber nicht nach der Laus, die über seine Leber gelaufen ist. Es war ja eigentlich auch offensichtlich, es gab immerhin einen Grund, warum zwei Shinobi hier mitten im Nirgendwo in einem Bauernhaus standen.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit, so etwa fünf Sekunden, wandte sich der Bauer endlich den beiden Ninjas zu. So, dann mal hopp hopp! Keine Zeit zu verlieren, dem Mistkerl müsst ihr das Handwerk legen. Den Hof am Besten schließen. Okay, langsam mit den jungen Pferden. Der Typ wollte doch nicht wirklich, dass die Shinobi dafür sorgten, dass ein anderer Bauer seinen Hof verlor, weil er vermutete, dass dieser andere Bauer seinen Kühen etwas angetan hat, oder? Da musste ja mehr schief hängen, als nur ein kleiner Haussegen. Mal langsam, Alter. Sollten wir nicht erstmal rausfinden, was losgeht, bevor wir hier Höfe schließen? Hast du einen Mitbekommen? Haemasu Ai, die Stimme der Vernunft ohne Sozialkompetenz. Einen bereits verärgerten Klienten so anzusprechen schaffte auch nur die junge Frau. Hatte sie nicht eben noch darüber nachgedacht vorsichtiger zu sein? Nun lag es wohl an Takeo den Karren aus dem metaphorischen Misthaufen zu ziehen, in den Ai gerade gekonnt gesteuert hatte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2019
  4. Dokúiki Takeo

    Dokúiki Takeo Genin

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    Noch etwas perplex folgte Takeo seinem Auftraggeber ins Innere des Bauernhauses. Seine Umgebung nahm er dabei kaum war, da sich in seinem Schädel bereits viele kleine Rädchen in Bewegung setzten, um genug Energie für eine erfolgreiche und konfliktlose Investigation zu generieren. Das Wesen und die Intention des Bauern hatten seine ursprüngliche Planung nämlich ein wenig ins Wanken gebracht, so hatte er sich die Landleute doch eher als ausgeglichene und ruhige Persönlichkeiten vorgestellt. Was für ein naiver Stadtjunge Takeo doch war. Nun gut. Jammern brachte die beiden Genin jetzt auch nicht voran. Sie hatten in ihrer Ausbildung des Öfteren eingebläut bekommen, dass ein guter Shinobi immer bereit sein musste, sich an geänderte Gegebenheiten anzupassen, und heute war nicht der Tag eine Ausnahme zu machen.

    Als er wieder ins Hier und Jetzt zurückkam, befanden sie sich bereits im Wohnraum des Bauernhauses. Der hitzige Hiro malte sich vor seinem inneren Auge scheinbar schon aus, wie die noblen Ninja sich zum Hof des bösen Basu aufmachten, um diesen zu zerschmettern. Ein Blick auf die Eltern des Bauern, die sich im Bereich der Küche aufhielten, verriet auch schnell, wo dieses Temperament herkam. Seine Mutter stand am Herd und erfüllte genau das naive, idyllische Bild, welches Takeo von den Bewohnern der ländlichen Regionen gehabt hatte. Dem zum Trotze erblickte er daneben den schlafenden Vater des Bauern, der seiner Fratze nach zu urteilen gerade von dem träumte, was Hiro gerade verbal formulierte: Basu das Handwerk legen und zwar nicht auf die freundliche Nachbarschaftsart.

    Die alte Dame schien jedoch nicht die einzige ausgeglichene Person in diesem Hause zu sein, denn Hiros Frau machte sich bereits daran, den kochenden Hünen zu besänftigen. Genau die richtige Herangehensweise, wie Takeo fand, denn wenn er das Ganze zu einem diplomatischen Abschluss bringen wollte, konnte er jetzt nichts weniger gebrauchen als hitzige Gemüter. "Mal langsam, Alter. Sollten wir nicht erstmal rausfinden, was losgeht, bevor wir hier Höfe schließen? Hast du einen mitbekommen?" Kurz wurde der gesamte Raum von einer unangenehmen, fast tödlichen Stille durchzogen. Ein Blick in das Gesicht von Hiros Frau verriet Takeo, dass dies nicht die Art der Anrede war, die den tobenden Bauern wieder auf den Boden brachte, und kurz viel sein Blick mit einem Schrecken auf den alten Herren im Schaukelstuhl. Hoffentlich würde er nicht geweckt werden. Bevor Hiro sich wütend aufrichtete, durchbrach das Kichern eines jungen Mädchens die Stille. Takeo hatte sie bisher nicht bemerkt, aber sie schien die ganze Situation urkomisch zu finden und war wahrscheinlich froh darum, dass auf dem Hof mal ein wenig Action abseits der Landwirtschaft geboten wurde. Mit hochrotem Kopf richtete Hiro seinen dicken Finger auf Ai und ergriff das Wort. „Was fällt dir eigentlich ein? Ich, Hasai Hiro, bezahle euch mit meinem hart erarbeiteten Geld! Was sollte bitte sonst mit meinen Kühen los sein?! So viele gefährliche Dinge außer diesen Dreckssack da drüben gibt es hier nicht und ich werde garantiert nicht warten, bis ich noch eine Kuh verliere! Ihr geht da jetzt rüber und werdet gleiches mit gleichem vergelten, habt ihr das verstanden?! Ich bezahle euch nicht zum Spaß!“ Er holte kurz Luft und seine Frau nutzte die Gunst der Stunde, um einige beruhigende Worte an ihn zu richten, die seine Aufmerksamkeit von Ai lenkten. Takeo beschloss, es ihr gleich zu tun und ebenfalls die Gunst der Stunde zu nutzen. Auch wenn das Ehepaar gerade abgelenkt war, gebot es seine Erziehung noch, ein paar Worte an den Auftraggeber zu richten, jedoch tat er es so leise, dass es die beiden hoffentlich nicht unterbrechen würde, und fasste sich kurz. „Ich entschuldige mich vielmals für unser forsches Auftreten. Wir wissen ihr Engagement sehr zu schätzen und werden uns direkt auf den Weg machen, um eine Lösung des Problems zu finde.“ Er verbeugte sich für einen kurzen Moment, drehte sich dann auf dem Absatz um und zeigte auf das immer noch amüsierte Mädchen. In Ermangelung eines Namens musste er auf die übliche Anrede verzichten, denn er wollte schnell hier raus und keine Zeit aufs Fragen verschwenden. „Du! Wärst du so nett, uns zu den Kühen zu bringen? Bitte. Jetzt?“

    Auch wenn das Mädchen, welche sich im Weiteren als Hasai Kazuko vorstellte, die chaotische Situation sehr genossen hatte, war sie seiner Bitte nachgekommen und hatte die beiden Shinobi auf die Weide hinausgeführt. Er hoffte, dass sie einen etwas neutraleren Blick auf die Sache hatte und ihnen vielleicht erklären könnte, wie diese beiden Höfe so lange nebeneinander ohne Eskalation koexistieren konnten. Ai und Takeo folgten Kazuko mit einem kleinen Abstand und schnell kamen die Kühe in Sicht. „Also Ai, ich werde gleich mal schauen, was den Kühen fehlt. Vielleicht kannst du währenddessen ein paar mehr Informationen über den Konflikt herauskriegen? Kazuko wird zwar auch auf der Seite Ihres Vaters sein, jedoch wirkt sie ein kleines Bisschen ausgeglichener.“ Takeo kratzte sich mal wieder ikonisch am Kopf. Vielleicht war es nicht seine beste Entscheidung als Teamleiter, Haemasu Ai, die im Dialog gerade so große Stärken bewiesen hatte auf die Befragung anzusetzen, jedoch musste er sich definitiv um die Kühe kümmern und wenn sie als Ninja etwas werden wollte, musste sie dort schließlich auch ihre Erfahrungen sammeln. Er klopfte ihr auf die Schulter und setzte sich dann zu den Kühen ab. „Das wird schon.“, flüsterte er zu Ai ohne zu Wissen warum er das Gefühl hatte, dass er das jetzt sagen musste.

    Bei den Kühen angekommen, machte er sich direkt ans Werk. Er glaubte nicht, dass es sich hier um einen Giftanschlag handelte, denn eine Krankheit konnte ähnliche Auswirkungen auf die Tiere haben. Schnell war einer erkrankten Kuh ein bisschen Blut entnommen und mit seinem eigenen vermischt worden, jetzt musste er nur noch dies Reaktion abwarten, um einen Giftangriff auszuschließen. Och nö… Er legte sich die rechte Faust auf die Stirn und kniff die Augen zusammen, denn die Verfärbung deutete leider sehr eindeutig darauf hin, dass hier ein synthetischer Stoff am Werk war, was die diplomatische Lösung in weite ferne Rücken ließ. Takeo war jedoch trotzdem weitab davon, die Mistgabeln auszupacken. Er verschloss schnell das Gefäß und steckte es ein. Diese Erkenntnis würde er erstmal am besten für sich behalten und später in aller Ruhe mit Ai teilen, um dann zu entscheiden wie sie damit umgehen würden. Vielleicht handelte sich ja alles um einen doofen Zufall, vielleicht aber auch nicht. Er brauchte jedenfalls erstmal ein wenig Zeit zum Nachdenken.