Das Stadttor

Dieses Thema im Forum "Toshi no Kokka" wurde erstellt von Hyuuga Mari, 12. Juni 2019.

  1. Hyuuga Mari

    Hyuuga Mari Chuunin

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    Mission (A-Rang): Haoken, das Schwert der Könige

    „Wir sind da.“
    Der Mann zog an den Zügeln und die knarzende Kutsche kam abrupt zum Stehen. Die Pferde schnaubten, senkten die Köpfe und sahen sich verstohlen um. Sie schienen die Gegend bereits zu kennen. Er hob die Hand, deutete auf den asphaltierten Weg, der von der Straße abbog. Ein Schild am Straßenrand deutete ebenfalls in diese Richtung – in Großbuchstaben stand dort ein Name, der den Anwesenden gut bekannt sein sollte: Toshi no Kokka.

    Der Mann strich sich nachdenklich über den hellen Bart, rückte auf dem Sitz herum und sah zu, wie der junge Mann und die junge Frau, die er hergefahren hatte, sich erhoben und von der Kutsche abstiegen. Seine Stirn legte sich in Falten. „Ich kann euch nicht näher heranbringen. Doch wenn ihr dem Weg folgt, seid ihr in einer halben Stunde da.“ Die Frau mit den faszinierend weißen Augen zog einen edel aussehenden Geldbeutel aus ihrer Tasche. Sie hielt ihm wortlos das Geld entgegen, das zu Beginn der Fahrt ausgehandelt worden war. Der Mann zögerte. „Seid ihr sicher, dass ihr dorthin gehen wollt? Toshi no Kokka ist nicht mehr der Ort von einst, seit der letzte König verstorben ist. Die Situation ist… angespannt. Ohne guten Grund werdet ihr kaum durch die Stadttore kommen.“ Er hatte diese beiden jungen Menschen bereits bei Beginn der Fahrt für verrückt erklärt. Derzeit ging niemand, der es nicht unbedingt musste, nach Toshi no Kokka. Händlerinnen und Händler mieden den Ort, der einst als blühende Handelsmetropole bekannt gewesen war. Und auch der Touristenstrom war seit den ersten Kampfhandlungen in der Stadt abgeebbt. Er selbst hatte die Stadt seit über zwei Monaten nicht mehr betreten. Das sanfte Lächeln, das die braunhaarige Frau ihm auf seine Frage hin schenkte, überraschte ihn. Es wirkte unbesorgt, leicht – sie musste unheimlich naiv sein. „Wir sind hier, um die Situation in Toshi no Kokka zu beruhigen.“ Unweigerlich glitt der Blick des Mannes hinab auf das sauber glänzende Abzeichen, das um die Hüfte der Fremden gebunden war. Das Zeichen Konohas – ein Ninja. Danach sah er an ihr vorbei zu dem jungen Mann mit der auffälligen Hautfarbe und den hellblau hervorstechenden Augen. Auch er trug ein Abzeichen, das ihn als Shinobi auszeichnete. Diese beiden würden in der Stadt sofort auffallen, da war er sich sicher. „Sagt uns, was ihr über Toshi no Kokka wisst.“ Die ruhige Stimme der Frau riss den alten Mann aus seinen Gedanken. Er sah wieder in die weißen Augen, die er zwar bereits aus der Ferne gesehen hatte, die in der Nähe aber eine ganz besondere Ausstrahlung besaßen. Er brummte, überzeugt davon, dass diese beiden Ninja einer Wahnvorstellung hinterherjagten, wenn sie wirklich glaubten, die Situation in Toshi no Kokka einfach so retten zu können. „Toshi no Kokka ist ein kleiner, aber sehr reicher Stadtstaat, der vor allem durch seinen großen Hafen und den direkten Zugang zum Meer profitiert. Ein friedlicher Ort, der mit starker Hand geführt wird. Zumindest war das bis vor drei Monaten so…“ Das Gesicht des Mannes wurde schlagartig düster, als er sich zurückerinnerte. „In Toshi no Kokka gibt es seit jeher zwei miteinander konkurrierende Häuser, die beide der Blutlinie des Gründers der Stadt entspringen: Das Haus Senshi und das Haus Kao. Geführt wird die Stadt von dem, der das Schwert der Könige besitzt – ein Artefakt, das laut Legenden dazu bemächtigt, ein Volk zu führen. Der letzte König, stammend aus der Senshi-Familie, besaß dieses Schwert. Doch vor drei Monaten verstarb er völlig unerwartet… und das Schwert verschwand.“ Der Mann schüttelte traurig den Kopf, bevor er wieder zu der jungen Frau und ihre männliche Begleitung blickte. „Es gibt viele Gerüchte um den Tod des alten Königs… von einem natürlichen Tod bis hin zur Ermordung habe ich schon alles gehört. Und dann auch noch das verschwundene Schwert – das gab es in der Geschichte von Toshi no Kokka noch nie. Da nun unklar ist, wer der rechtmäßige Thronfolger ist, spitzt sich die Situation in der Stadt immer mehr zu. Das Haus Senshi möchte den Thron halten, aber das Haus Kao sieht natürlich auch die eigene Chance auf den Thron…“ Er seufzte schwer. „Sie versuchen, die Situation zu klären, doch die Häuser scheinen sich immer mehr zu zerstreiten… die Gewaltausübungen auf offener Straße nehmen zu und die einst so starke Hand, die die Stadt geführt hat, fehlt. Da die Thronfolge nicht geklärt ist, kümmert sich niemand um Recht und Ordnung in der Stadt – die Kriminalität hat rapide zugenommen. Die Anhänger der Häuser kämpfen auf offener Straße miteinander. Das Vertrauen in die Häuser Kao und Senshi ist in den letzten drei Monaten zunehmend geschwunden… die Stadt steuert auf einen Bürgerkrieg zu. Das ist zumindest das, was was mir aus Toshi no Kokka berichtet wurde.“ Der alte Mann stoppte, suchte im Blick der Frau und des Mannes nach Verunsicherung – fand diese allerdings nicht. „Hm. Danke, das hilft uns schon weiter.“ Wieder hielt die Frau ihm das Geld für die Fahrt entgegen, sah einfach nur nachdenklich aus… dieses Mal zögerte er nicht. Mit einem gezielten Griff fischte er das Geld auf der Hand der braunhaarigen Frau und steckte es ein, ohne nachzuzählen. Er zog an den Zügeln und die Pferde hoben neugierig ihre Köpfe an. Es war an der Zeit, sich zu entfernen. „Entschuldigt meine Direktheit, doch ich bezweifle, dass zwei Shinobi ausreichen, um die Situation zu retten.“ Er wendete die Kutsche, um den Rückweg anzutreten und sah ein letztes Mal zu den jungen Menschen, die er hergefahren hatte. „Ihr seid mir sympathisch, also will ich euch eine Warnung und einen Ratschlag mitgeben: Haltet euch besser aus den Konflikten in der Stadt heraus und zieht euch zurück, wenn es gefährlich wird.“ Er nickte ihnen langsam zu und hob die Hand zum Abschied, bevor er mit einer Mischung aus Respekt und Sorge in der Stimme ergänzte: „Passt auf euch auf.“ Die Pferde setzten zur Bewegung an. Mari sah der sich entfernenden Kutsche nach und stemmte eine Hand in die Hüfte. Sie wandte sich mit einem seichten Lächeln Hei zu. „Was ein netter Ratschlag. Da wäre ich selbst nie drauf gekommen.“ Sie sah zu dem Schild am Straßenrand, das die Richtung zeigte, in der Toshi no Kokka lag. „Das letzte Stück müssen wir also zu Fuß gehen.“ Bereits jetzt konnte man die Meeresluft schmecken.
     
  2. Tatsumaki Hei

    Tatsumaki Hei Chuunin

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    Wo, da? Das hier sah nicht wirklich nach irgendetwas aus… bis auf das eine Schild am Straßenrand wies nichts darauf hin, dass es hier irgendetwas zu holen gab. War wohl auch nicht so, wenn er sich die Ankündigung des Mannes noch einmal in Erinnerung rief – er würde sie mitnehmen, aber nicht wirklich nahe an den Unruheherd namens Toshi no Kokka heranbringen können. Hm. Hei war sich mittlerweile sowieso nicht mehr so wirklich sicher, ob er nicht lieber einfach mit seiner Sandwolke geflogen wäre… der junge Mann ächzte leicht, als er aufstand und von der Kutsche stieg. Das war wirklich kein angenehmes Gefühl gewesen, so lange auf der hölzernen Sitzbank zu sitzen und sich nicht wirklich zu bewegen. Das monotone Ruckeln hatte sein Übriges getan. Die hellblauen Augen richteten sich auf den älteren Mann mit der Kutsche, der sie hierhergebracht hatte, als dieser noch einmal ansetzte und – erneut – fragte ob sie das wirklich machen würden. Stadttore, hm? Tja, das würde wohl nur das erste von einigen Problemen werden. Mari behandelte die Sache diskret, aber deutlich, und so bekamen sie noch ein paar Informationen, bevor sich der ältere Mann mit einem Ratschlag verabschiedete. Hei hielt sich währenddessen im Hintergrund und ließ die Leiterin dieser Mission das Gespräch führen – und dachte sich seinen Teil. Es war wirklich keine einfache Situation, in die sie sich begaben, und dass das hier eine offiziell deklarierte A-Rang-Mission war, deutete darauf hin, dass auch die Dorf-Offiziellen das so eingeschätzt hatte. Bisher hatten ihre Missionen oft Ausmaße angenommen, die vielleicht sogar größer gewesen waren als die offizielle Einstufung. Das gab ihm nicht eben Selbstbewusstsein für den aktuellen Auftrag. Hei verschränkte die Arme hinter dem Kopf, als er der Kutsche hinterher sah. Sie entfernte sich nur langsam, aber stetig, und ein etwas nachdenkliches Lächeln legte sich einen Moment über seine Züge. Es verblasste, und als sich der Suna-nin Mari zuwendete, sah er ein wenig ernst aus. „Der Ratschlag war nett“, bestätigte der junge Mann und seufzte leise. „Mir macht viel eher Sorgen, dass er keine wirkliche Warnung ausgesprochen hat. Wenn die Lage so ist, wie er sie beschrieben hat, könnte es schwierig sein überhaupt Fuß zu fassen.“ Hei schwieg einen Moment, dann zuckte er mit den Schultern. „In Ordnung. Ich folge dir.“

    Mit diesen Worten gingen die beiden Ninja los und Hei trottete, wie so oft, ein kleines Stück hinter Mari her und ließ den Blick schweifen. Bisher konnte man den Zielort noch nicht ausmachen, die Meeresluft allerdings war unverkennbar. Schlechte Erfahrungen, an die er sich jetzt erinnerte, waren gerade fehl am Platze und doch konnte er sich an die zwei Male, die er im Beisein von Mari schon fast ersoffen war… Moment, dreimal. „Ah, das zählt nicht“, brummte er zu sich selbst und schüttelte amüsiert den Kopf. Jedenfalls: Die konnte er nicht vergessen, und die salzige Luft erinnerte ihn daran. Hei war kein Fan von offenem Wasser wie diesem. Sie würden auf das große Meer stoßen, welches sich ein wenig weiter südöstlich nochmal vergrößerte und eine natürliche Barriere zwischen Soragakure und dem Festland ausmachte. Die Vorstellung, was in den Untiefen alles lauerte und wie leicht es wäre, darin zu ertrinken, ließ ihn ein wenig schaudern. Dann aber riss sich der Tatsumaki wieder zusammen. „Also, Hime, der Auftrag an sich ist klar: Wir sollen die ‚Lage wieder unter Kontrolle kriegen’, richtig? Der Alte hat aber nicht ganz unrecht. Es könnte schwer werden, so einen Konflikt nur zu zweit zu beeinflussen. Wir sollen ja auch keinen Bürgerkrieg provozieren, oder?“ Hei legte den Kopf ein wenig schief. „Ich frage mich, wer der dritte Teil dieses Konfliktes ist. Die Anhänger von Kao und Senshi… und sonst? Ich glaube kaum, dass alle Bürger sich dort gerade an die Gurgel gehen. Irgendeine Enklave muss es doch geben…“ Kurz schwieg er und drückte die Lippen ein wenig aufeinander. „Ist ja nicht so als würde ich mich nicht freuen, dass wir mal eine A-Rang-Mission bekommen, aber muss es denn gleich eine so komplexe, diplomatisch höchst brisante sein? Das war in Taki schon ein Problem...“ Er brummelte ein wenig, dann trat die Hyuuga nach einem kurzen Anstieg über einen Hügel hinweg und Hei folgte kurz darauf nach – und blieb einen Moment stehen, um die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Dort lag die Stadt. Und schon auf den ersten Blick war das zwar atemberaubende Panorama nicht erfreulich. Natürlich, der Hafen mit all den Segeln war beeindruckend, die große Stadtmauer faszinierend, aber die Rauchschwaden, die immer mal wieder in der Stadt zu sehen waren, erfüllten den Tatsumaki nicht mit Freude. Dahinter lag das Meer, schimmernd in der Mittagssonne, die sich durch die Wolken kämpfte. Ein nicht unerheblicher Wind hatte sich hier über der Stadt erhoben und wirbelte die Haare von Hei regelmäßig auseinander. „Ohne den Rauch wäre das ein faszinierender Blick“, merkte er an und strich sich die schwarzen Haare aus dem Gesicht. „Diese Mauern sind gewaltig. Kein Wunder, dass sie sich so lange ohne Probleme hier halten konnten. Mit der Wirtschaftskraft und dieser Verteidigung müsste man schon einen gewaltigen Aufwand betreiben, um diese Stadt irgendwie in die Knie zu zwingen…“ Hei rieb sich über das Kinn, grübelnd, nachdenklich. Und genau in dieser Stadt gab es nun so einen brutalen Konflikt um die Herrschaftsfolge. Wie seltsam. „Prinzessin, was sind nochmal die Informationen, die wir bekommen haben - außer das, was der alte Mann gesagt hat? Wie kommen wir in die Stadt?“ Kurz schwieg er. „Und denkst du, Ikognito ist besser?“ Der Ninjutsuka deutete auf sein Suna-Abzeichen. „Wer weiß, wie die im Moment auf Einflüsse von Außen reagieren… Tod des Königs... verschwundenes Herrscherschwert... sich bekriegende Häuser...“ Alles nichts, mit dem man was zu tun haben wollte, eigentlich.
     
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  3. Hyuuga Mari

    Hyuuga Mari Chuunin

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    Mari atmete durch, sog die salzige Meeresluft ein. Je weiter sie gingen, desto intensiver wurde der Geschmack und die junge Frau bildete sich sogar ein, die seichten Wellen des offenen Meeres zu hören. Sie wusste nicht, was sie erwartete – doch sie rechnete mit dem Schlimmsten. Als die 19-Jährige im Büro des Kagen gestanden und den Auftrag entgegengenommen hatte, war ihr die Ernsthaftigkeit der Situation bewusstgemacht worden. Das hier war keine einfache Mission und es war ein Vertrauensbeweis, dass Hei und Mari nach Toshi no Kokka geschickt wurden, um die Situation zu beruhigen. Der ernste Gesichtsausdruck sowie der bohrende Blick des Kage war Mari gut in Erinnerung geblieben – so hatte sie den Anführer des Shiroverbundes noch nie gesehen. Mit sicheren Schritten erklomm die junge Frau den letzten Hügel, kam an dessen Spitze zum Stehen… und hielt den Atem an.

    Die Stadt, die sich im Tal zeigte, war imposant. Eine riesige, massive Stadtmauer trennte Toshi no Kokka von der Außenwelt ab. Dahinter lagen unzählige Häuser, große und kleine, dicht an dicht gereiht und im Hintergrund der Hafen mit dem offenen Meer, auf dem man manche Schiffe treiben sehen konnte. Mari wusste überhaupt nicht, wohin sie zuerst blicken sollte – jede Ecke der Stadt sah für sich von hier oben betrachtet beeindruckend aus. Doch die Rauchschwaden, die hier und dort in der Stadt gen Himmel stiegen, trübten den sonst faszinierenden Anblick. Es deutete auf das hin, was der alte Mann, der sie hergefahren hatte, bereits angekündigt hatte: Toshi no Kokka war nicht mehr die Stadt, die es einst gewesen war. Das Chaos, das den Ort fest im Griff hielt, war deutlich erkennbar. Mari versuchte sich die Stadt ohne den Rauch vorzustellen, um eine Ahnung davon zu erhalten, wie Toshi no Kokka früher von hier oben aus gewirkt haben musste. Als der letzte König noch am Leben war. Es dauerte einige Sekunden, bevor die Hyuuga ihre Worte wiedergefunden hatte. Ihre Stimme war ruhig und konzentriert, doch der Unterton ließ heraushören, dass Mari von dem, was sie hier sah, äußerst beeindruckt war. „Wenn es diesen dritten Teil im Konflikt gibt, werden wir ihn wohl erst kennenlernen, wenn wir uns mitten in den Konflikt hineinbegeben haben.“ Sie schüttelte vorsichtig den Kopf. „Das hier übersteigt wirklich jeden Auftrag, den wir bisher erledigt haben. Natürlich habe ich damit gerechnet, dass der Chuunin-Titel mehr Verantwortung bedeutet… aber das hier? Ich befürchte, dass das eine verdammt große Herausforderung wird.“ Sie sah zur Seite, suchte den Blick von Hei und lächelte leicht. „Diplomatisch höchst brisant ist nicht unbedingt mein Steckenpferd. Ich hoffe, du hast einen guten Tag, um im Notfall das Reden zu übernehmen.“ Der Tatsumaki konnte deutlich besser mit Worten jonglieren als Mari. Sie sah wieder hinab auf die Stadt, verschränkte nachdenklich die Arme vor der Brust. „Der Kage wirkte überzeugt, dass wir beide das Problem hier gelöst bekommen. Das hat er mir zumindest gesagt. Da wir ohnehin keinen Rückzieher mehr machen können, sollten wir einfach auf sein Urteil vertrauen.“ Die Braunhaarige zuckte mit den Schultern. Sie erinnerte sich daran, dass sie von den Worten des Kagen überrascht gewesen war. Weder Hei noch sie hatten bisher Erfahrung in Aufträgen mit einem solchen Ausmaß. Andererseits… war es vielleicht an der Zeit, genau diese Erfahrungen zu sammeln. „Wir sind offiziell vom Hause Senshi damit beauftragt worden, das verschwundene Schwert zu finden und ihnen zurückzubringen. Seit das Schwert verschwunden ist, haben sie die komplette Stadt abgeriegelt und lassen niemanden einfach so herein oder heraus… das Schwert muss sich also noch in der Stadt befinden.“ Der Kopf Maris neigte sich ein wenig zur Seite. „Das Inkognito heben wir uns erstmal auf, ansonsten kommen wir nicht durch die Stadttore. Immerhin sind wir angekündigt worden und ich habe den Brief des Kage dabei. Hoffen wir mal, dass das ausreicht, um reinzukommen.“ Sie klopfte leicht auf ihre Seitentasche, um zu verdeutlichen, dass sich der Brief dort befand. Der Blick der 19-Jährigen wurde ernster. „Der Kage hat mir allerdings mitgeteilt, dass er sich nicht für das verschwundene Schwert interessiert und diesen Auftrag vom Hause Senshi eher als Mittel zum Zweck sieht, damit Shinobi des Shiroverbundes Einlass in die Stadt erhalten. Seitdem dieses Chaos in Toshi no Kokka herrscht, ist der Handel vollständig abgebrochen, was auch negativen Einfluss auf die Wirtschafts Shiros hat. Der Kage will, dass wir die Probleme in der Stadt lösen, damit der Handel wiederaufgenommen werden kann. Wie genau wir das anstellen, schien ihm ziemlich egal zu sein.“ Es war merkwürdig, einen solchen Zwiespalt zwischen offiziellem Auftrag und inoffiziellem Willen des Kage zu haben. Aber auch das war eine Sache, an die Mari sich mit dem neuen Rang noch gewöhnen musste. „Da ein ausbrechender Bürgerkrieg die Handelsbeziehungen zwischen Toshi no Kokka und Shiro kurzfristig nicht wiederaufleben lässt, sollten wir uns wohl vornehmen, das zu verhindern. Viel mehr hat der Kage mir aber auch nicht mitgeteilt – was derzeit genau in Toshi no Kokka passiert, scheint ein großes Rätsel zu sein, immerhin haben die letzten drei Monate kaum Menschen die Stadt betreten oder verlassen.“ Die Hyuuga mochte es nicht, so wenig informiert zu sein, sich überraschen zu lassen. Gerade in solch einer brenzligen Situation hätte sie sich gerne besser vorbereitet, anstatt sich blindlings ins Abenteuer zu stürzen. Doch sie wusste, dass ihnen nicht vielmehr übrig blieb, als das beste aus der Situation zu machen. Bevor Mari den Hügel in Richtung Stadt herunterging, drehte sie sich noch einmal dem Suna-Nin entgegen. Ihr Blick wirkte entschlossen, eisern. „Das hier wird nicht einfach, das ist mir klar. Und der Mann hatte Recht: Zwei normale Shinobi sind wenig, um einen drohenden Bürgerkrieg zu verhindern. Aber… ich weiß auch, dass wir uns gut ergänzen. In jeder Hinsicht. Und wenn wir zusammenarbeiten, denke ich, dass wir das schaffen können. Wenn ich mir das Bild da unten ansehe, dann helfen wir nicht nur der Wirtschaft von Shiro. Da unten leben unzählige Menschen, die unsere Hilfe brauchen.“ Mari stutzte einen Moment, musste dann verlegen Lächeln. „Dass ich so etwas mal sagen würde, hätte ich nie gedacht. Aber es hört sich schon echt gut an, wenn man es so ausspricht.“ Sie nickte Hei zu, suchte nach Bestätigung. Zusammen würden sie es schaffen. Ganz sicher.
     
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  4. Tatsumaki Hei

    Tatsumaki Hei Chuunin

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    In der Regel hatte Hei eine Vorliebe für solche Orte... oder besser: Solche Panoramen. Der junge Mann suchte förmlich nach solchen Ausblicken, aber in diesem Moment ging es ihm ähnlich wie seine Freundin - wie seine vorigen Worte ja auch schon ein wenig gezeigt hatten. Es fiel ihm ungewöhnlich schwer, sich auf das Schöne an dieser Situation zu konzentrieren, wenn eine Aufgabe wie diese ihnen bevorstand. Hei fiel sogar auf, dass seine Gedanken viel zu sehr in die Richtung des 'Schwer schaffbar' gingen. Eigentlich war es nicht eben seine Art, besonders pessimistisch zu sein. Bisher, jedenfalls bildete er sich das ein, hatte er immer einen recht positiven und optimistischen Standpunkt vertreten. Der Wüstensohn wusste nicht so wirklich, an welchem Punkt seines Lebens sich das verändert hatte, aber... im Moment war es so. Deshalb hörte er auch - immerhin nicht ganz ungewöhnlich - sehr genau zu, was Mari ihm noch über die Mission sagen konnte, jetzt, wo sie hier standen und einen konkreten Ansatz hatten. Natürlich hatten sie sich bereits über Inhalte unterhalten, aber... es war auch ein Markenzeichen eben dieser Mission, die sie bekommen hatten, dass es nicht viel zu wissen gab. Die Informationswege waren größtenteils abgeschnitten und ein Grund, warum sie hierher gekommen waren war, wieder einen Informationsfluss zu ermöglichen. "Ich? Das Reden übernehmen?" Hei sah ein wenig amüsiert aus, legte ein wenig den Kopf schief. Mari behauptete zwar, dass er besser mit Worten umgehen konnte, aber sein Geist war manchmal eben auch ein wenig mit sich selbst verknotet, so dass das, was aus seinem Mund kam, durchaus auch missverständlich sein konnte. Er selbst hielt sich für keinen großen Redner. Aber gut, wenn sie das sagte, würde er sich sicherlich nicht dagegen aussprechen. Das Mari so offenbarte, dass sie bestimmte Teile des Auftrags auch ihm überlassen wollte und konnte, war nicht immer so gewesen. Früher hätte sie wahrscheinlich eher versucht, alles selbst zu machen, um es auch korrekt zu machen. "Hm", brummte Hei und machte einen unzufriedenen Gesichtsausdruck, nickte dann aber. "Der Kage und sein Urteil. Ist ja nicht so, als wäre ich da nicht schon einmal oder zweimal mit in Konflikt geraten", brummelte der Tatsumaki vor sich hin und ließ sich dann die Worte der Hyuuga noch einmal durch den Kopf gehen. Es war unter anderem auch seine Aufgabe - oder besser: So verstand er seine Aufgabe auch - seinen Geist ein wenig schweifen zu lassen um die Möglichkeiten auszuloten. Die ganzen Stränge, die ohne wirklichen Zusammenhang in der Luft hingen, zu verknoten, und ein besseres Bild zu erschaffen. War nicht immer erfolgreich, aber Hei hatte ja auch schon ein bisschen was gesehen. Es war also nicht hoffnungslos.

    "Die Senshi-Familie... die, die das Schwert vorher besessen haben und damit den König gestellt haben, hm?" Nachdenklich verschränkte der Schwarzhaarige die Hände hinter dem Kopf. "Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich frage mich, wie das Schwert seinen 'Besitzer' wechselt, wenn bisher immer diese beiden Clans in dessen Besitz waren. Und, mal angenommen wir finden das Schwert... wäre ich dann König?" Der Gedanke schien ihn zu amüsieren. "Oh, Tatsumaki Hei der Große, König! Tatsumaki-oo quasi." Sein Kichern war vielleicht nicht angebracht, aber er fand es lustig. "Es scheint mir ein relativ blöder Brauch, darüber seinen König zu bestimmen. Naja, bisher scheint es der Stadt ja nicht geschadet zu haben... bis jetzt." Hei sah in die weißen Seelenspiegel seiner Freundin. "Ich frage mich, warum sich noch niemand mit dem Schwert gezeigt hat. Wenn es die andere Familie hätte, dann wären sie doch jetzt an der Macht, richtig? Ich finde das höchst mysteriös", stellte er fest und kratzte sich am Kinn. "Alles klar. Ich sehe das als Freifahrtschein. Der Kage ist schludrig, aber wenn er wirklich nur dieses Ziel hat... dann können wir den Weg selbst beschreiten. Der Pfad ist offen. Gefällt mir", merkte er an und nickte dann noch einmal, setzte sich wieder in Bewegung. "Du hast Recht. Als Chuunin trägst man wohl wirklich mehr Verantwortung als für einen Bauernhof, der von Wölfen bedroht wird. Der Maßstab ändert sich. Plötzlich ist man für Konflikte eingesetzt, die einen ganzen Staat betreffen... selbst wenn er klein ist. Wir schaffen das schon. Aber du kennst mich, die nächste Frage ist bei mir dann auch sofort: 'Und wie?'" Er lächelte ein wenig, aber sah nach vorne zu dem Tor, welches näher kam - aber es fiel ihm jetzt erst auf wie groß es wirklich war. Sie kamen näher, aber es war noch viel weiter als zuvor gedacht - die Ausmaße der Festungsmauer waren unfassbar. Seine Sandmauer kam da nicht ran. "Wirkt ja fast so als wollten die nicht nur Leute von draußen raushalten", merkte der junge Mann an und spitzte die Lippen. "Hoffen wir, dass diese Stadt nicht für Zivilisten zu eine Falle wird, aus der sie im Zweifel nicht entkommen können." Er fand es bedenklich: In der Stadt war gerade offensichtlich die Hölle los, im negativen Sinne. Und dieser eine Clan ließ niemanden rein, niemanden raus. Dass da ein Bürgerkrieg kurz bevor stand, wunderte den Tatsumaki überhaupt nicht. "Ich kann mir einige Szenarien vorstellen, was mit diesem Schwert passiert ist", brummte der Tatsumaki und kratzte sich am Kopf. "Aber sieht so aus, als würden wir erst einmal gute, alte Spionage betreiben müssen, was?" Gemeint war damit natürlich Informationssammlung, Ausspähung der Gegebenheiten und auch die Übermittlung der Informationen. "Hat der Kage darum gebeten, dass wir Aktualisierungen der Informationslage weitergeben sollen oder agieren wir in einem Vakuum?" In anderen Worten: Einmal rein, nicht mehr raus... bis das Problem gelöst war oder die Stadt in Grund und Boden gebrannt war. "Schwierig. Sieh' mal, da sind die Torwächter. Sehen nicht eben freundlich aus... ich hoffe, dein Zettel entfaltet seine Wirkung", meinte der Tatsumaki einige Minuten später und verstummte wieder. Jetzt professionell aussehen war die Devise. Die Männer in schweren Rüstungen, hinter einem schweren Fallgatter, welches geschlossen war, sah aufmerksam in Richtung der beiden Ankömmlinge. "Halt!", rief einer von ihnen mit gebieterischer Stimme. "Wer geht da?"
     
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  5. Hyuuga Mari

    Hyuuga Mari Chuunin

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    Die Braunhaarige dachte ein bisschen genauer über die Worte von Hei nach und als er kicherte, schenkte sie ihm zumindest einen amüsiert angehobenen Mundwinkel. „Für das Tatsumaki-oo fehlt dir wohl noch das königliche Blut des Stadtgründers. Und ein paar Kenntnisse im Umgang mit dem Schwert wären vermutlich auch nicht schlecht. Ich befürchte, um zu deinem Königstitel zu kommen, musst du dir einen anderen Weg einfallen lassen.“ Sie zwinkerte, wurde dann jedoch konzentrierter. „Du hast allerdings Recht. Wie genau der nächste König bestimmt wird, wäre eine Sache, die mich sehr interessieren würde. Ich meine, daraus lässt sich vielleicht das Motiv, das Königsschwert verschwinden zu lassen, besser erkennen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es ausreicht, das Schwert zu besitzen. Ich meine, dann hätte es doch schon viel früher zu Diebstahlsversuchen kommen müssen.“ Und damit verbunden konnte sich eventuell sogar den Kreis der Tatverdächtigen einschränken. Bisher hatte Mari noch keine Vorstellung davon, welche Akteure in diese Geschichte verwickelt waren. Neben der Aufregung und Unsicherheit war da auch die unglaubliche Neugier darauf, zu erfahren, mit welchen Gesichtern sie und Hei es zu tun bekommen würden. Aber das alles erst, wenn sie es durch die Stadttore geschafft hatten. Je näher sie traten, desto riesiger bauten sich die massiven Stadtmauern von Toshi no Kokka vor den beiden Chuunin auf. „Ja, Spionage ist vorerst unsere einzige Möglichkeit, um an Informationen zu kommen.“ Sie sah mit einem Seitenblick zu dem Tatsumaki. „Wenn das, was der Kage angekündigt hat, stimmt, dann werden wir die Stadt nach erstmaligem Betreten nicht so einfach wieder verlassen können. Immerhin könnten auch wir ab dann rein theoretisch das Königsschwert bei uns tragen. Und derzeit macht diese Stadt alles erdenkliche, um das Königsschwert nicht vollends zu verlieren.“ Und um auf die eigentliche Frage von Hei zurückzukommen: „Der Kage hat nicht explizit darum gebeten, Zwischeninformationen zu erhalten. Sollten wir allerdings auf Probleme in der Stadt stoßen, sollten wir dennoch versuchen, ihm dies mitzuteilen. Uns wird im Zweifel schon eine Möglichkeit einfallen…“ Doch nach Möglichkeit wollte Mari natürlich nicht dazu gezwungen sein, dem Kage irgendwelche Probleme bei der Durchführung der Mission mitzuteilen. Es wäre deutlich angenehmer, wenn der Auftrag möglichst reibungslos ablaufen würde – ganz gleich, wie unwahrscheinlich das war, wenn man die Ausgangssituation bedachte.

    Die beiden Chuunin traten näher an das Stadttor heran – ein Fallgitter verhinderte, dass man dieses ohne Weiteres passieren konnte. Ein zusätzliches Hindernis stellten die Wachposten dar, die hinter dem Gitter standen und aufmerksam aufsahen, als die beiden fremden Gestalten sich näherten. Mari konnte auf Anhieb zwei gerüstete Männer mit gerader Haltung erkennen, vermutete allerdings, dass es noch mehr Wachposten außerhalb ihres Sichtfeldes geben würde. Ganz gleich, welches Chaos in Toshi no Kokka herrschte, immerhin die Wachposten an der Stadtgrenze nahmen ihre Aufgabe weiterhin ernst. „Wir sind Ninja aus Shirogakure“, antwortete Mari, direkt nachdem sie auf den Befehl des einen Mannes stehengeblieben war. Sie deutete auf das Konoha-Abzeichen, um ihre Worte zu unterstreichen. Der Wachposten zog die Augenbrauen zusammen, seine Stimme klang noch einen Hauch verärgerter als vorher. „Der Zugang zu Toshi no Kokka ist derzeit für Reisende versperrt.“ Man hörte dem Unterton an, dass er diesen Satz nicht das erste Mal ausgesprochen hatte. „Das wissen wir. Wir sind im Auftrag der Familie Senshi hier.“ Es war das erste Mal, dass beide Wachposten sich von ihrer starren Position aus bewegten und die Augenbrauen sich lockerten – der Name der Senshi-Familie schien Wirkung zu zeigen. Mari wollte den Moment für sich nutzen, weshalb sie sogleich weitersprach. „Mein Name lautet Hyuuga Mari und das hier ist Tatsumaki Hei.“ Sie zeigte auf den Suna-Nin und griff dann – ein bisschen zu schnell – in Richtung ihrer Tasche. Die beiden Wachposten zuckten und ihre Hände legten sich sofort auf ihren Schwertgriffen ab. Die Hyuuga stoppte in ihrer eigenen Bewegung. Die Situation in Toshi no Kokka war noch angespannter, als vermutet. „Ich habe einen Brief des Kage dabei, der belegt, dass wir im Auftrag der Senshi-Familie hier sind“, erklärte sie ihr Vorhaben mit ruhiger Stimme und wartete auf Bestätigung, dass sie das Schreiben hervorholen durfte. Die Wachposten sahen sich nachdenklich an, lösten dann jeweils ihre Hände von den Schwertgriffen und gaben Mari mit einem Nicken zu verstehen, dass sie nähertreten durfte. Die junge Frau setzte einen Fuß vor den anderen, kam direkt vor dem Fallgitter zum Stehen und reichte den mit einem ungebrochenen Siegel verschlossenen Brief mit ausgestrecktem Arm hindurch. Sie wusste nicht, was der Kage genau geschrieben hatte, weshalb die Hyuuga doppelt aufmerksam den Gesichtsausdruck der Wachposten musterte, während diese über die Zeilen des Briefes flogen. Viel ließen sie allerdings nicht daraus erkennen. „Hyuuga Mari, Tatsumaki Hei.“ Der hochgewachsene Wachposten, der von Beginn an gesprochen hatte, sah auf und wiederholte die Namen, die er gehört und vermutlich auch in dem Brief gelesen hatte. „Uns wurde angekündigt, dass Ninja aus Shirogakure kommen würden. Dem Brief liegt auch der Auftrag der Senshi-Familie bei.“ Der Wachposten stoppte, nickte dann und reichte die Unterlagen zurück an die jüngere Kunoichi. „Ihr dürft Toshi no Kokka betreten. Behaltet den Brief bei euch und folgt der Hauptstraße bis zum Stadtzentrum. Dort findet ihr das Königshaus der Familie Senshi.“ Wie von Zauberhand hob sich das Fallgitter mit einem ratternden Geräusch langsam an. Während das Tor sich öffnete, ergänzte der Wachposten seine Ausführungen. Die Stimme wurde strenger, der Blick des Mannes hob sich an, sodass er von oben auf die Chuunin herabblickte: „Doch bedenkt, dass auch ihr Shinobi aus Shirogakure euch den Regeln der Stadt unterzuordnen habt, sobald ihr die Stadtgrenze überschritten habt. Solange das Königsschwert verschwunden ist, wird niemand Toshi no Kokka einfach so wieder verlassen.“ Das Fallgitter blieb auf halber Höhe stehen, sodass Mari und Hei hindurchtreten konnten – wenn sie denn wollten.
     
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