Düsterer Waldrand

Dieses Thema im Forum "Reich des Grases" wurde erstellt von Kazegawa Toru, 18. Feb. 2019.

  1. Kazegawa Toru

    Kazegawa Toru Genin

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    Die genaue Tageszeit ihrer Ankunft auf dem Festland ließ sich nur schwer feststellen, da sich die Sonne seit dem frühen Morgen hinter einer dicken Wolkendecke verbarg. Nur vereinzelte Strahlen brachen zwischen dem Grau des Himmels hervor und tauchten die ungewohnte Umgebung des Feuerreiches in ein diesiges Dämmerlicht. Zu allem Überfluss sammelten sich während ihres Marsches durch die Wälder nach Kusa auch noch dichte Morgennebel, die zu Beginn dicht über dem Boden waberten, sich aber bald schon hoben und einen diffusen Schleier über den umliegenden Tälern ausbreiteten.

    ”Wären wir nicht schon in der Gegend unterwegs, könnte man bei dem Wetter richtig Heimweh bekommen. Fehlt noch ein leichter Regenschauer, oder was denkst du?”

    Ungeachtet der vorübergehenden Durchquerung einer großen Region, die in der langen Geschichte der Großreiche häufig zum ehemaligen Feindesland zählte, stapfte der Kazegawa stundenlang ungerührt durch taunasse Ebenen, über laub- und moosbedeckte Waldböden und hügelige Landstraßen entlang ausgedehnter Felder bis ins Reich des Grases. Landesgrenzen waren eine Sache, um die sich anderen Personen kümmerten, nicht aber die Ninja des Wasserreiches!

    ”Noch kein Shiro in Sicht. Haben wahrscheinlich verschlafen oder sich unterwegs irgendwo verirrt… Gehen wir noch in die richtige Richtung?”

    Er sah sich schnell nochmal nach allen Seiten um. Nur um sicher zu gehen, dass sie noch auf Kusa zuhielten und nicht überraschenderweise die Tore Konohagakures passiert hatten. Es würde sicher Ärger geben, wenn sie dort ungefragt reinplatzten. Auch bestand bei dieser Suppe die Möglichkeit, dass sie sich gegenseitig aus den Augen verloren und das war natürlich gleichermaßen unakzeptabel. Toru überlegte sich, die imaginären Liste mit Opa Kazegawas militärischen Taktiken abarbeitend, eine todsichere Notlösung, die für solche Situationen wie geschaffen zu sein schien: Funkkontakt!

    ”Also, das Buch in dem ich gestern während der Überfahrt gelesen habe… Das nennt sich ”Das Kaiserliche Glücksspielhaus”, mein absolutes Lieblingsbuch. Bin schon seit Jahren an dem Wälzer dran und werde nicht locker lassen, bis ich auch noch die letzten Seiten schaffe! Bin gespannt, was mit dem Helden passiert: Ein stahlharter Taijutsuka, der die üblen Agenten vom Madako Clan erst schüttelt und dann zu Brei rührt! Es schmerzt mich ja das zuzugeben, aber der Bösewicht hier drin ist spitze. Nennt sich “die Nummer” und weint Tränen aus Blut, wenn er jemanden kalt macht. Auf dem Einband steht, das sein von irgendwelchen Fächerleuten drüben aus Shiro abgekupfert worden. Obwohl der mich auch irgendwie an diesen Hebi von zuhause erinnert.”

    Perfekt. Wenn er diese Lautstärke beibehielt und ihm der Gesprächsstoff unterwegs nicht ausging, dann sollten auch die verbleibenden paar Kilometer noch zu schaffen sein.
     
  2. Tsukigata Yamato

    Tsukigata Yamato Genin

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    Obwohl Izuya und sein Vater kaum unterschiedlicher hätten sein können, meinte Yamato in dem Blauschopf einen Charakterzug zu erkennen, den sie doch gemein hatten: die Fähigkeit nämlich, ein guter Anführer zu sein. Ein Ideal, von dem er hoffte, es irgendwann selbst einmal zu erreichen. Bei dem Akinawa musste man zwar ein wenig genauer hinschauen, um diese Qualität unter all der Kumpeligkeit zu erkennen, doch spätestens als er Yamato versicherte, dass er sich keine Sorgen machen sollte und sie die Mission schon gut hinter sich bringen würden, ahnte er, dass Izuya wohl doch einen Ticken weit hinter seine Fassade geblickt haben musste. Und Rücksicht nahm. „Kriegen wir hin.“, erwiderte er zuversichtlich und hob ebenfalls den Daumen. Ja, inzwischen hatte er tatsächlich wieder etwas Mut geschöpft, nachdem der Tag so exorbitant mies begonnen hatte.

    So gut er konnte, hielt Yamato mit dem Taijutsuka Schritt, was ihm über den ersten Teil der Wegstrecke auch einigermaßen gut gelang - wohl weil sie zwar zügig unterwegs waren, Izuya sein Tempo aber doch etwas drosselte. Sonst hätte er vermutlich nur noch eine Staubwolke von dem Akinawa gesehen. Als der ihm gleich darauf offenbarte, dass er „nur“ Taijutsu beherrschte, schüttelte Yamato im Lauf nur kurz den Kopf. Wirklich viel voraus hatte er Izuya in Sachen Chakra noch nicht. Vielleicht irgendwann einmal, aber momentan konnte er gerade einmal ein paar Knochen wachsen lassen. Großes Kino. „Heh, Taijutsu ist doch das beste…“, gab der Tsukigata daher mit einem Lächeln zurück und musste mitten im Satz doch Luft holen. „…um Monster zu verhauen und Leute zu retten, oder?“. Danach konzentrierte Yamato sich weiter auf seinen Lauf. Noch wollte er nicht um eine Pause bitten, auch wenn es wohl allmählich an der Zeit für eine war. Blieb zu hoffen, dass er den richtigen Zeitpunkt nicht verpasste und sich dadurch blamierte, dass er unzeremoniell die staubige Straße küsste.

    Es sollte anders kommen, wenngleich nicht viel weniger peinlich. Und es geschah so schnell, dass Yamato es erst realisierte, als es schon vorbei war. Urplötzlich war Izuya vor ihm, packte ihn auf seinen Rücken und stob davon. „Ahaaaach du Sch…!“. Der Tsukigata konnte sich gerade noch reflexartig festhalten, sonst wäre er seinem Teamleiter wohl wie ein Fähnchen hinterhergeweht. „Danke…“, murmelte er nach einer Weile in Izuyas Ohr. Obwohl es etwas verdattert und niedergeschlagen klang, war er tatsächlich ehrlich dankbar, dass der Akinawa auf ihn Rücksicht nahm und sogar einen Teil seiner eigenen Kraft opferte, um sie beide schnell und effizient an ihren Einsatzort zu bringen. So schluckte Yamato seinen Stolz vorerst herunter, biss die Zähne zusammen und fügte sich in sein Schicksal. Je schneller sie vorankamen, umso besser standen die Chancen, diese verschwundenen Leute zu retten und andere davor zu bewahren, überhaupt erst zu verlorenzugehen.

    Hatten sie am Morgen noch halbwegs gutes Reisewetter gehabt, war es umso trüber und nebliger geworden, je weiter sie nach Kusa vorstießen. Auch zeigte sich der freundliche Wald, durch den sie (beziehungsweise Izuya) gelaufen waren, inzwischen weit weniger freundlich. Hoch und eng beieinander standen die Bäume und reckten ihre knorrigen Äste flehentlich in den wolkenverhangenen Himmel, der nur stellenweise durch das dichte Blattwerk zu erkennen war. Wie milchigtrübe Suppe hing der Nebel zwischen den schwarzgrauen Stämmen und schien jedes Geräusch zu schlucken. „Wenn das hier immer so aussieht, wundert es mich überhaupt nicht, dass hier Leute verlorengehen…“, murmelte Yamato und kletterte von Izuyas Rücken herunter, um sich erst einmal ausgiebig zu strecken. Es zog ihm noch immer hässlich in den Knochen, so dass er für etwas Bewegung jetzt dankbar wäre. „Wie gehen wir vor? Haben wir schon alle Infos, die wir brauchen oder gibt‘s jemanden, den wir noch kontaktieren müssen?“. Außerdem war da noch ein Team aus Sora mit im Spiel, wenn er den Missionsbefehl richtig erinnerte.

    @Akinawa Izuya
     
  3. Kinzoku Kenta

    Kinzoku Kenta Chuunin

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    Kenta hatte den Schreck bei seinem Begleiter durchaus registriert - und mal ehrlich, wie könnte man nicht? Toru überspielte es zwar durchaus solide, aber halt mit einer beachtlichen Latenz. Das gab Abzüge in der B-Note. Nebenbei wurde zunehmend deutlich, dass Toru zwar einen gepflegten Eindruck machte, zwischen den Ohren bei ihm aber offenbar ... ja, was genau das sein mochte ließ sich für Kenta gar nicht sagen, dafür musste man vermutlich Psychiater sein, aber er würde es als irgendwas zwischen einem notdürftig neu verkabelten Synapsenkurzschluss und chronischer Hirnschmalzverquirlung beschreiben.
    Aber immerhin witzig war er dabei. Allein was er aus Fachwörtern machte! Kenta beschloss, es nicht weiter hervorzuheben - er vermutete stark dass Toru sowieso nur mit Unverständnis und noch mehr Wortsalat reagiert hätte - und sich einstweilen für sich darüber zu amüsieren. Haach .. und vielleicht nebenher versuchen sich auf seine Lektüre zu konzentrieren. Auch wenn er langsam Zweifel bekam, die für Elektrophysik nötige Konzentration aufbringen zu können, wenn Toru weiter solche unabsichtlichen Brüller verschoss ...

    Auf der Schiffsreise ging es allerdings noch so halbwegs, da auch der Kazegawa sich mit seinem Buch befasste; erst unterwegs nach Kusa kamen wieder vermehrte Gespräche auf, in deren Verlauf Kenta mehr als einmal unerwartet breit losgrinste. Da er aber ohnehin dauernd grinste, fiel es vermutlich gar nicht mal recht ins Gewicht! Und es war ja nicht so als würde Toru nur witzige Wortverknotungen von sich geben. Ab und an kam sogar etwas regelrecht normales aus seinem Satzbaukasten. "Ach, ich persönlich bin eher für Extreme. Entweder Gewitter oder gar nicht, wenn du verstehst." Während sie so vor sich hin latschten und dem Zielort näher und näher kamen, kontrollierte Kenta hin und wieder die Karte, die er am Ankunftsort gekauft und sicherheitshalber in eigenen Händen behalten hätte - so wie Toru mit Büchern umging bestand ein nicht unwesentliches Risiko, dass er Teile seines Mittagessens zu unerwarteten neuen Landmarken verwandelte. Und die Tomatensoßenfleck-Lavaseen und Käsekrümel-Berge wollte er dann nicht unbedingt bei seiner Routenplanung berücksichtigen müssen! Jedenfalls konnte er die Ortsfrage sofort mit der nötigen Gewissheit beantworten. "Wir sind wo wir sein sollten. Aber vermutlich kommen sie nicht aus der selben Richtung. Wenn man nicht über Wasser anreist, hat diese Strecke wenig Vorzüge."

    Warum Toru plötzlich auf lautstarke Diskussionen über seinen kitschigen Abenteuerschinken umschwenkte, nur weil der Nebel dichter wurde, war für Kenta nicht ganz nachvollziehbar - soweit es ihn betraf, könnten Torus innere Abläufe auch von einem kleinen Aufziehäffchen mit Tschinellen oder einem großen Glücksrad gesteuert werden, das in seiner Marmel vor sich hin rotierte und dabei zufällig zwischen Gesprächsoptionen wie "Wetter", "mein Lieblingsbuch" oder auch "damals, als ich aus Versehen eine Dose Terpentin ausgetrunken habe" auswählte. Zumindest ergaben sie für einen externen Beobachter ungefähr so viel nachvollziehbaren Sinn. Wäre wirklich spannend ob er im Kampf auch so bizarr agierte und einfach ein paar Nieten in seinem Schädel vermisste oder sich nur sonderbar gebärdete weil er - zum Beispiel - vierzehn Jahre in einem Schrank unter der Treppe eingesperrt gewesen war und bis vor kurzem nie richtigen Kontakt zu normalen Menschen gepflegt hatte.
    "Oh, du kennst Hebi?" Fast bereute Kenta es ja, dem Wahnsinn mit einem Kommentar noch Vorschub zu leisten, aber Hebi war für ihn einfach ein spannendes Thema. Wie der große Bruder den er nie gehabt hatte - zum Glück, denn der hätte ihm sicher nicht so viel Freiraum gegönnt wie er mit seinen ahnungslosen Eltern genossen hatte. Außerdem war es nicht so dass sie im Moment viel anderes zu tun hätten als sich in diesem nebelverhangenen Wald umzuschauen, möglichen Entführern auf die Finger zu hauen, und sich irgendwie mit einem eventuell auftauchenden Shiroteam ins Benehmen setzen ... fürs Erste blieb es aber einfach ein stiller, nebeliger Wald. Wäre fast langweilig, wenn man keinen schwätzenden Toru dabei gehabt hätte. Kenta ließ ihn aber machen - eine bessere Methode die Entführer auf sie aufmerksam zu machen, damit man sie schnell erledigen und das ganze abzukürzen konnte, wäre ihm eh nicht eingefallen.


    @Kazegawa Toru
     
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  4. Kazegawa Toru

    Kazegawa Toru Genin

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    ”... und erst da habe ich gemerkt, dass das gar kein Apfelsaft war. Hätte das Zeug beinahe getrunken!”

    Und damit endete Torus Anekdote darüber, wie er haarscharf um den Genuss einer Dose Terpentin gebracht wurde. Möglicherweise war Genuss hier das falsche Wort. Und Eigentlich hatte es sich auch nicht um eine Dose im engeren Sinne gehandelt. Rückblickend hätte der seltsam geformte Behälter ihm vielleicht auch damals schon Aufschluss über den schwer verdaulichen Inhalt geben müssen. Oder der beißende Geruch, den klein Toru einfach als abgestandenen Apfelsaft verbucht hatte (er war in dem Moment recht durstig gewesen und generell nicht besonders wählerisch, wenn es um gelegentliche Zwischenmahlzeiten ging). Streng genommen ließ sich der Vorfall auf die naive Unwissenheit der Jugend schieben, denn zu jener Zeit war der junge Kazegawa noch im zarten Kindesalter gewesen und hatte Opa bei der Konstruktion seines Baumhauses geholfen. Soll heißen, dass der Opa einen archaischen Hindernisparcour ohne Netz und doppelte Böden im höchsten Baum den er nahe dem Grundstück hatte finden können anbrachte und sein Enkel ihm Werkzeug und Material hinterher schleppen durfte. Quasi zum warm werden, bevor es weiter zur Erprobung der Mordanlage ging. Kein Wunder, dass er dabei durstig werden musste. Die vermeintliche Erfrischung dann auch noch direkt in Händen haltend, lauschte er kurz der verheißungsvoll umherschwappenden Flüssigkeit im Inneren, bevor er sich eilig daran machte, den Deckel zu entfernen. Glücklicherweise funktionierten die Argusaugen seiner Eltern damals auch ohne Hilfsmittel noch ziemlich gut und eingehüllt in eine Staubwolke kamen beide Elternteile mit scharrenden Sohlen zum stehen, ein Händepaar die unheilvolle Dose in sicherer Höhe außer Reichweite des ahnungslosen Rackers haltend, während das zweite den Zögling mit Nachdruck am Boden hielt. Eine deftige Standpauke später war ihm dann aufs genaueste bewusst gemacht worden, dass nicht alles in Dosen abgepackte auch einwandfrei zum Futtern taugte. Pragmatisch hatte Toru sofortige Besserung demonstriert und das böse Terpentin saftig gegen den Baum gepfeffert.
    Das Motto der Kindererziehung im Hause Kazegawa lautete nicht umsonst: Was dich nicht umbringt… solltest du schnellstmöglich zerlegen, bevor es eine zweite Chance bekommt. Oder sowas in der Art. Just in diesen Gedanken verweilend, kam Kentas Rückfrage praktisch wie auf Stichwort.

    ”Aber sicher kenne ich den Bo- ...Hebi. Wir haben uns mal gekloppt. War auf irgend so ‘ner einsamen Insel. Kann mich nicht mehr erinnern, wie das damals ausging.”

    Jetzt, wo er so darüber nachdachte, kamen ihm Bilder von winzigen, bunt bemalten Zuschauern in den Sinn. Ziemlich viele davon. Doch wie konnte das sein? Hatten sie statt sich zu kloppen etwa Strandvolleyball gespielt? Toru überlegte, ob er mitunter doch damit anfangen sollte, ein eigenes Tagebuch zu führen, um sich an vergangene Erlebnisse wie dieses besser zu erinnern. Allerdings vergaß er seine schriftstellerischen Ambitionen immer gleich wieder. Und überhaupt, es fiel ihm schon schwer einen einfachen Missionsbericht zu verfassen. Zwar wusste er so im ungefähren, worüber er schreiben und was er besonders hervorheben wollte, doch Schwierigkeiten bei der passenden Formulierung und schwerwiegende grammatikalische Stolpersteine zermalmten jeglichen Versuch, sich als amateurhafter Autor zu etablieren. Da er aber nunmal Toru war, gab er trotz aller Widrigkeiten nicht auf. Das kleine Notizbüchlein nebst Silberstift in seiner Jackentasche waren buchstäbliche Belege dafür. Doch zurück zum Thema Rotauge:

    ”Wenn du so fragst, hast du wohl auch schon seine Bekanntschaft gemacht?”
     
    Meteki Pakura gefällt das.
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Reich des Grases Idyllischer Waldrand 4. Sep. 2018