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Festival des Goldenen Drachen

Misumi Kimihiro

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Ein ganzer Beutel Juckpulver. Ein ganzer Beutel. Bestimmt hätte er für viele kleine Streiche gereicht, und selbst dann wäre noch genug für eine Analyse der Mischung übrig geblieben. Allein die Idee, diese ganze Menge an eine einzige Person zu vergeuden war völlig lächerlich. Nicht nur, dass das all die Vorbildlichkeit seines Plans auslöschte, es war noch dazu verschwenderisch (das Zeug war schließlich nicht umsonst gewesen), idiotisch, und noch dazu übermäßig brutal. Mit dem Inhalt des Beutels hätte man nämlich einen normalen, menschlichen Körper sicher drei Mal bedecken können.
Und doch, und doch… das Bild, wie das ganze Zeug auf einen Schlag auf Junkos zarter Haut landete, wollte Kimihiro einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen, nachdem sich die Chuunin erneut zu Wort gemeldet hatte.
Im ersten Moment völlig baff, dass das Mädchen das Thema einfach nicht ruhen lassen wollte, fiel seine Reaktion doch schon wesentlich weniger extrem als bei den bisherigen Fragen aus. Statt einem beschämten Stutzen, einem Wutausbruch oder einem spontanen Schwächeanfall konnte die Chuunin, wenn sie ihren Kollegen gut beobachtete, lediglich mit ansehen, wie sich seine Zähne gewaltsam in seine Unterlippe bohrten. Dieses Mal würde es keinen Ausbruch geben, nicht noch einmal. Nicht schonwieder. Langsam wurde es… langweilig. Immer wieder dieselbe Frage. Das wievielte Mal war es nun? Das vierte? Erst der Kommentar vor dem Zeltbesuch, dann in dem verrauchten Schuppen, dann Junkos Nachfrage nach „dem Problem“, und jetzt diese verschärfte Version. Nein, nun war endgültig Schluss mit der Überraschung. Davon wollte sich Kimihiro zumindest vor allem anderen selbst überzeugen: Die Sache musste jetzt einfach ein Ende haben, wenn er seine Ruhe haben wollte.
Um seiner Leiterin nicht blindlings die erstbesten Worte entgegen zuschleudern, stemmte er zuerst lediglich die Hände in die Hüften. Sein Blick ging nach links, die Augen rollten, dann kippte der gesamte Kopf nach vorn. Nervös leckte sich Kimihiro über die Lippen und schmeckte dabei zu seiner eigenen Überraschung einen Hauch von Eisen auf der Zunge. Blut? Und wenn schon, das war jetzt und hier nicht sein größtes Problem. Den Blick auf den schlammigen Boden gerichtet konzentrierte er sich auf seine umherirrenden Gedanken.
Wie kam er aus dieser Sache nun raus? Etwas anderes wollte er schließlich nicht. Das Thema war durchgekaut. Verbraucht. Wie ein unangenehmer Spitzname, der einem zu oft an den Kopf geworfen wurde, oder eine längst verheilte Wunde, von der nur noch eine Narbe zurückblieb. Der größte Schmerz war vergangen, doch es pochte noch immer unter der Oberfläche, pochte und pochte und pochte. Und dieses ständige Pochen wurde zu einer ständigen Belastung, wenn man sich nicht ganz davon befreien konnte. Und darauf konnte der Künstler wahrlich gut verzichten. Doch wie wurde er Junko und dieses leidige Thema nur los?
Es gab viele Varianten, nur fehlte Kimihiro zu vielen der Mut. Das einfachste wäre gewesen, sich die ganze Sache selbst geschwind einzugestehen, zu Itoe zu rennen, und sich ihr mit einem kitschigen Plastikring vor die Füße zu werfen. Damit wäre die Frage wirklich mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Warum diese Möglichkeit allerdings flachviel war klar: Woher sollte der Künstler auf die Schnelle einen Plastikring herbekommen? Blieb noch die weniger theatralische Variante: Eingestehen und einfach Junko die Wahrheit an den Kopf werfen. Komponente Nummer zwei war machbar, Nummer eins… weniger. Was dann?
*Juckpulver!*
Außer Juckpulver? Schweigen? Reden war immerhin nur Silber, wie man sagte, warum also nicht die Gold-Variante ausprobieren? Andererseits würde sich Junko damit sicherlich nicht zufriedengeben. Ganz bestimmt nicht. Aber wenn die Wahrheit nicht infrage kam, und Schweigen auch nicht, dann blieben nur noch Lügen übrig. Lügen und Gewalt. Aber da Junko von Natur aus eine widerlich intelligente wie effiziente Kunoichi war fielen beide Varianten flach. Womit man wieder bei der Wahrheit und Schweigen war. Oh, und „wirres Zeug reden“, das wäre auch noch eine Möglichkeit. Der gegenüber Schweigen allerdings deutlich attraktiver erschien. Und Schweigen konnte er doch auch besser als reden, denn immerhin konnte man sich gar nicht so ver-schweigen, wie man sich verquasseln konnte.
Unter diesen vier Hauptmöglichkeiten schimmerten immer mal wieder kleine Ideen auf. Viele zeigten sich in Form kleiner Bilder: Kimihiro, wie er allein und grinsend mit einem leeren Beutel in der Hand dastand. Kimihiro, wie er auf einem großen Vogel nach Hause flog. Kimihiro, wie er mit den Fäusten auf die Erde trommelte, während Junko Itoe mit ihren Vermutungen konfrontierte. Kimihiro, der vergeblich versuchte, Junko mit einer Illusion zu fesseln. Kimihiro, der zurück ins Zelt der schüchternen Ayame kroch und fieberhaft irgendwelche Substanzen zusammenmischte, in der Hoffnung, am Ende käme ein Schlaftrunk für die Chuunin dabei heraus.
Ein einzelnes, winziges Schimmern unter all diesen Abermillionen Ideen stach plötzlich unangenehm klar heraus. Es war anders, basierte nicht auf Lüge, nicht auf Schweigen und nicht auf Gewalt. Allerdings bildete es auch nicht wie einige andere die eine Wahrheit ab, sondern einfach nur eine von vielen, die noch dazu als Antwort für Junkos Frage vollkommen legitim war.
Kimihiro seufzte. All diese Denkerei für ein einziges Wort. Da soll nochmal einer sagen, diese ganze graue Masse in den Köpfen der Menschen wäre zu irgendetwas nütze.
Hast du nun endlich herausgefunden, ob du nun in Itoe verliebt bist oder nicht?
„Nein.“
Kimihiro schaute noch immer zu Boden, während er das einzelne Wort aussprach. Seine Stimme war fest, zumindest so fest, wie es an diesem Tag noch möglich war. Der Künstler ließ die Arme hängen, verschränkte sie dann vor der Brust, und blickte auf, doch nicht ins Gesicht der Chuunin, sondern in Richtung des Weges, auf dem sie zu dem Zelt der alten Hexe gekommen waren. In einiger Entfernung sah er das Schild, das er zuvor aufgestellt hatte. Dieses einfache, zehnfach verfluchte Ding aus billigem Sperrholz. Mittlerweile war der Künstler sicherlich stark genug, dieses blöde Ding mit einem Schlag zu zertrümmern. Hoffte er zumindest.
„Nein, habe ich nicht. Können wir jetzt weiter?“
 
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Mameha Junko

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Lügner. Natürlich log er ihr gerade fröhlich ins Gesicht, während er einfach mal verneinte, verliebt zu sein. Natürlich konnte er die Chuunin damit nicht veräppeln, denn diese kannte die Zeichen und wusste auch, wie man(n) reagierte. Darum war sie sich auch ziemlich sicher, dass Kimihiro auf ihre Frage hin mit allem, nur nicht mit der Wahrheit rausrücken würde – sie hatte nichts anderes erwartet, um ehrlich zu sein. Die ganze Fragerei diente eigentlich nur ihrem persönlichen Amüsement, auch wenn es sehr gemein klang.
Auf der anderen Seite konnte sie ihm nicht verübeln, dass er sein „großes Geheimnis“ für sich behalten wollte. Wenn sie etwas verstand, dann die Tatsache, dass Gefühle dieser Art so persönlich waren, dass man sie um nichts in der Welt preisgeben wollte, noch nicht einmal der Person, die sie am meisten interessieren sollte. Sie selbst hatte sich strenggenommen ja Yuto auch niemals offenbart, sondern hatte ihn einfach so lange gezwungen, die Zügel zu übernehmen, bis er sich diesem Wunsch gefügt hatte. Sie verstand also trotz ihrer sadistischen Ader gerade, was der Junge durchmachte, wobei sie fest daran glaubte, dass er es durchmachte. Aber irgendwann hatte sogar sie genug von den Spielereien.
Also zuckte sie mit den Schultern. „Nichts zu machen.“, sagte sie daher leichthin und log Kimihiro ebenso ins Gesicht, indem sie ihn einfach glauben machte, sie würde ihm bedingungslos glauben. Wenn er nicht darüber reden wollte, dann war das sein gutes Recht. Allerdings konnte er Junko nicht davon abhalten, demnächst Itoe mal nach ihrer Meinung zu Kimihiro auszufragen und sich dahingehend vorzutasten.

Itoe konnte gerade noch sehen, wie er zu einem überheblichen Lächeln ansetzte und sie mit seinem Blick fixierte, aber das kleine Holzstückchen sah er nicht wirklich kommen, wie es schien. Allerdings traf ihn dies nicht ins Auge, vielmehr schien er gar nicht nachzudenken, während er das Minigeschoss mit einer raschen Handbewegung aus der Luft fischte. Es wirkte fast, als würde man im Zeitraffer eine Fliege fangen, so fix reagierte er. Allerdings schien der junge Herr von seiner eigenen Reaktion sowie von dem Wurf gelinde verdutzt zu sein und betrachtete das Holzstück für einen Augenblick mit leichter Irritation. Na sieh mal einer an, seine Majestät Monsieur Schattentänzer hatte doch tatsächlich diesen Streich der Hyuuga nicht kommen sehen, wie es schien. Oder er spielte ihr gerade gekonnt etwas vor, was natürlich auch der Fall sein konnte.
Was Itoe diese Reaktion sagte? Kein Anfänger. Vielleicht doch ein Anfänger, weil er das Holzstückchen von Anfang an nicht hatte kommen sehen. Kein Profi, sonst hätte er es mit den Zähnen gefangen. Die Liste konnte man endlos weiterführen, nicht wahr?
Nach dem Akt des Fangens fing er sich allerdings recht schnell wieder und drehte fasziniert das Holzstückchen zwischen seinen Fingern.
„Ach, SO ein Mädchen bist du also.“ Dies stellte einfach nur ein wenig überrascht fest und schien sich eher über seine Erkenntnis zu freuen, anstatt über den Charakterzug Itoes, wobei auch ein abwertender Tonfall zu vermissen war. Er war in dieser Aussage nicht bewertend, weder positiv noch negativ.
Prüfend wurde die Spitze des kleinen Holzstäbchens mit den Zeigefinger überprüft und für nicht spitz genug befunden. „Hierin sind wir oft zu tadeln. Mit der Andacht Mienen und frommen Wesen überzuckern wir den Teufel selbst.“ Was auch immer das bedeuten sollte.
„Da dachte ich doch tatsächlich, du wärst langweilig. War das schon alles oder bist du doch langweilig?“ Dabei hielt er ihr das Holzstückchen lockend hin, würde die Hand aber garantiert wieder zurückziehen, wenn sie es wieder an sich nehmen wollte. Sieh an, der Herr hatte entweder einen anderen Plan oder ebenfalls Ansprüche.

Was machte Arachino eigentlich derweil?
 

Hyuuga Itoe

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[FONT=Verdana, sans-serif]Die alles umschwebende Frage war nun: War dies echte Überraschung oder gespielte? Weder das Eine noch das Andere würde auch nur von einem kleinen Maß Unfähigkeit berichten, es konnte ihn nur zu einem erstaunlich guten Schauspieler machen, denn Itoe kaufte ihm die Überraschung ab. Seine Augen, seine Haltung. Authentisch. Wieso glaubte sie eigentlich, dass es sich hier um Schauspiel handelte? Bauchgefühl. [/FONT][FONT=Verdana, sans-serif]Der Typ hier war übrigens gut. Etwas aus reinem Reflex aus der Luft zu fischen, was sich so schnell bewegte wie dieses kleine Holzstückchen und dazu noch so unscheinbar war, das konnte man wahrlich eine kleine Meisterleistung nennen. Er war fähig und er hatte es Itoe wissen lassen. Gewollt oder nicht, jedoch machte er eher einen amüsierten Eindruck, während er Itoe grinsend in eine seiner Schubladen zu schieben schien. So ein Mädchen? Was für ein Mädchen? Spielerisch veranlagt, schnippisch (haha), abseits des Herds? Wirklich überrascht konnte dieser junge Mann eigentlich nicht sein, denn auch wenn das Headset klein und unscheinbar sowie unter Itoes Haar verdeckt war, konnte ein geübtes Auge es vielleicht erkennen. Dieser Kerl hatte solche Augen. Zur Not konnte man sich auch immer noch das kartoffelgroße Teil an Arachinos Ohr anschauen. Sie waren hier nicht zum Spaß und der Kerl wusste es. Womit sich Itoe plötzlich die Frage stellte: Lenkte er sie ab? Geschah in just diesem Moment etwas, was sie nicht sehen sollten? Itoe schenkte diesem Gedankengang zur Sicherheit etwas Aufmerksamkeit und verfolgte ihn etwas tiefer um zu dem Schluss zu kommen: Sie wusste es nicht. Da Arachino und sie selbst jedoch gerade mit Niveau konfrontiert wurden, würde das bedeuten, dass Profis am Unbekannten Werk wären. In einer überfüllten Festivalgegend ein Verbrechen zu finden, das von Profis ausgeführt wurde? Ist klar, nicht übertreiben. Auch mit weißen Augen war das eine Sache des Glücks, weshalb Itoe erst einmal hier blieb. Mit ruhigem Gewissen. Bis einer schrie.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Dann gab es wieder einige kryptische Worte und den Vorwurf der Langeweile. Itoe kaufte ihm das nicht ab. Langweilig wurde sie noch nie genannt. Sie so einschätzen? Niemals nicht, der doch nicht. Itoe war dahingehend doch sehr zuversichtlich, dass er das nicht ernst meinte. Er forderte sie so, wie sie ihn gefordert hatte. Das war sein Recht; er hatte es sich erfangen. [/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Die Hyuuga überlegte. Wie war das noch letzte Woche? Sie driftete ab. Schnelligkeit beweisen und das Holzstückchen schnappen? Das war simpel, abgekaut und allgemein ziemlich langweilig. Striptease oder andere Anstrengungen in diese Richtungen fielen aus offensichtlichen Gründen flach, während auch alle kämpferischen Handlungen unter „langweilig und erwartet“ fielen. Was würde man von einer Hyuuga nicht erwarten? Richtig, eine Demonstration der Nahkampffähigkeiten oder der Sehstärke. Klar doch.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Dieser Kerl trat in Itoes Augen mit Stil auf und so wie Itoe eben etwas erwartet hatte, erwartete er wohl auch etwas. Nur was? Es war einer der Momente, in denen ihre Gedanken wieder abdrifteten, als sich ein nur leicht angedeutetes aber nicht minder bezauberndes Lächeln auf ihre Lippen schlich. Sie hob ihre Augen ein wenig. Er war groß. Und Itoe erinnerte sich. Reine Glückssache, eigentlich gar nicht ihr Gebiet. Wie heißt es so schön? Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und Itoe hatte wirklich nicht erwartet, dass ausgerechnet Harukos sinnlose Monologe ihr einst helfen würden.[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Langweilig? Ich wage alles, was dem Menschen ziemt. Wer mehr wagt, der ist keiner.“, sagte Itoe und ihr Ton veränderte sich dabei ein wenig. Man brauchte wohl Übung für so etwas. Arachino dachte inzwischen vermutlich die Beiden waren völlig bekloppt. Der unbekannte Mann verstand vermutlich. „Hast Du einen Namen?“[/FONT]
[FONT=Verdana, sans-serif]Irgendwie tat es Itoe ein wenig Leid, dass Arachino bei diesem Gespräch etwas in den Hintergrund geriet und nur vor sich hinmurmelte. Aber war das ihre Schuld? Nö. Sie wurde langweilig genannt, das konnte man doch nicht auf sich sitzen lassen.[/FONT]

[Sry, dass ich dich übergangen habe - hoffe, das ist nicht zu schlimm? Aber darauf musste Itoe einfach direkt antworten *g*]
 
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Aburame Arachino

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Ok, scheinbar war Arachino hier absolut nebensächlich... von Anfang an scherte sich der Fremde nur um Itoe, aber daraus lies sich durchaus ein Vorteil ziehen. Arachino konnte in zweierlei Hinsicht davon profitieren hier aussen vor zu stehen: Zum einen konnte er sich von dem Fremden ein gutes Bild machen, zum anderen konnte er aus dem Gespräch der beiden lernen, wie sich ein Ninja in der echten Welt zu benehmen hatte. Er hatte sich schon mehr als genug Blamiert, weil er nicht wusste, wie die echte Welt funktionierte. Bisher hatte er gelernt, dass die Kleidung, die ihm in der Akademie Schutz geboten hatte und gleichzeitig noch für Respekt sorgte, hier draußen nur lächerlich wirkte. Er würde als erste handlung nach dieser Mission seinen Kleiderschrank ausmisten. Diese Hyuuga hatte ihn dank seiner Kleidung sofort durchschaut, zum Glück aber nicht vollendens. Diesen Kerl hier sah sie jedoch mit Respekt an. Aber neben der Kleidung alleine kam da noch ein Faktor hinzu: Der Mann bewegte sich mit einer Sicherheit, die schon alleine für sich einen Aura der Stärke ausstrahlte. Chin prägte sich jede geste ein, aber vieles davon würde er ohne die nötige Erfahrung nicht imitieren können... aber Erfahrung würde schon... na ja, mit der Erfahrung kommen. Aber zuerst sollte er seine Kleidung überarbeiten. Aber Er würde nicht einfach den Aufzug von dem Kerl kopieren... Nein, er würde sich etwas eigenes suchen müssen... also der Kerl wirkte lässig, lässig war gut. Danach würde er suchen.
Dann die Art, wie die beiden miteinander redeten. Keiner von beiden hob die Stimme. Chin machte diesen Fehler. Wenn er stark wirken wollte, erhob er die Stimme. Dieser Ninja tat das nicht und das wirkte selbstsicher. Hingegen schien Chin sich nur lächerlich zu machen. Also würde sich auch sein Verhalten ändern müssen.
Wie gingen die beiden miteinander um? Keine großen Bekundungen von Stärke, nur eine kleine Probe seitens Itoe, nichts großes, nur ein kleiner Holzwurf, der von dem Kerl abgefangen wurde. Die beiden starrten sich nur an... Schätzten wohl ab, was der Gegenüber wohl zu können schien... Auch hier: Arachino wurde kaum eines Blickes gewürdigt. Strahlte er echt so viel schwäche aus? Er würde noch eine Menge lernen müssen und hiwer war die Ideale Gelegenheit. Er konnte kaum erwarten, wie sich die Situation entwickeln würde. Hätte er bloß etwas zu schreiben dabei, um sich alle Tipps zu merken, die ihm die beiden hier unwissentlich gaben.
 
M

Mameha Junko

Guest
Vielleicht hatte Arachino ja Unrecht und es ging eben nicht nur um Stärke. Wer krampfhaft versuchte, nach außen hin stark und unbesiegbar zu wirken, versuchte meist, irgend etwas krankhaft zu kaschieren. Was war eigentlich der Grund dafür, dass der Aburame so sehr darauf bedacht war, ein Image zu leben? Fehlte ihm vielleicht der Sinn für seine eigene Identität der hatte er diese gar für unzulänglich befunden, sodass er auf ein Image zurückgreifen musste? Warum musste er eigentlich ein Klischee verkörpern? Verlangte der Clan das von ihm? Selbstaufgabe war normalerweise die letzte Handlung eines angegriffenen oder schwachen Geistes. Vielleicht lagen die Gründe für das wahrgenommene „Versagen“ Arachinos gar nicht in den äußeren Gegebenheiten, sondern innerlich und ganz bei ihm selbst.
Das zumindest würde der vermummte Herr sagen, hätte er Arachinos Gedankengänge gekannt und wäre in der Lage, diese zu kommentieren. So blieb leider viel unausgesprochen, wobei man übrigens an dieser Stelle genau festhalten sollte: Der Vermummte war sich Arachinos Anwesenheit sehr deutlich bewusst. Sein Fokus war auf der Hyuuga, das stimmte schon, aber er vergaß nie den Aburame an ihrer Seite – nur ein Narr würde einen Aburame einfach ignorieren, wenn er auch nur ansatzweise von dessen Fähigkeiten gehört hatte. Woher der gute Mann das bitteschön wissen konnte? Oh, nur Geduld, alles wird sich aufklären. Aber zurück zur Situation.
Auf die Reaktion der Hyuuga hin wirkte der junge Mann nämlich ein wenig verdutzt, und wenn man ganz genau hinsah, konnte man diese Gefühlsregung durchaus als Enttäuschung interpretieren, wenn man denn so wollte. Es sei nämlich an dieser Stelle verraten, dass er nicht wirklich ein großer Leser war, sondern eher Filme mochte – daher zitierte er Figuren, die wiederum zitierten und hatte einen Heidenspaß daran. Er erwartete nicht, dass irgend jemand auf seine Zitate einging, und wenn es jemand tat, so wie jetzt, dann wusste er nicht viel damit anzufangen. Es war ganz einfach ein dunkler Fleck in seiner Bildung, auf die er in anderen Bereichen so viel Wert legte. Wenn er Literatur wollte, tat er dies per Hörbuch, und wenn er etwas nachschlagen musste, dann tat es auch ein Sachbuch – aber Romane, Theaterstücke und hohe Literatur entgingen ihm völlig, wenn sie nicht situationsgebunden angewendet wurde.
Das bedeutete aber möglicherweise auch, dass er jetzt begann, sich zu langweilen. Vielleicht erinnerte er sich auch daran, dass er noch andere Pflichten hatte, vielleicht hatte seine Aufgabe, nämlich Schmiere stehen, auch einfach erfüllt. Man konnte endlose Theorien darüber spinnen, wieso der junge Mann auf einmal sehr erpicht darauf war, höflich aber bestimmt das Gespräch zu einem Ende zu führen. Möglicherweise nahm er sogar Rücksicht auf Arachino, wenn man ihm ganz viel Menschenliebe zutraute.
„Sieh an, das Fräulein Hyuuga ist beredsam.“ Weiter kommentierte er ihre Herausforderung nicht, sondern ging ganz einfach auf ihre Forderung ein, wobei Lachfältchen darauf hindeuteten, dass er dabei erneut charmant lächelte, wobei dies auch noch durch eine angedeutete Verbeugung untermalt wurde, die auch in Richtung Arachino ging.
„Noboru. Den Namen des Fräuleins werde ich mir dann das nächste Mal holen.“ Und damit schickte er sich an, einfach mit einem Handzeichen, etwas Chakra und ein wenig aufgewirbeltem Sand zu verschwinden, wenn ihn niemand aufhielt. Arroganter kleiner Fatzke, nicht wahr? Er tat ein wenig so, als läge ihm die Welt zu Füßen, als tanze alles nach seiner Pfeife und als würde die Hyuuga ihm bestimmt bei der nächsten Begegnung weiterhin fasziniert an den vermummten Lippen hängen. Da hatte er sich aber geschnitten. Oder? Oder???
 

Hyuuga Itoe

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Schon traurig, wenn man solch ein hohes Bild von jemandem hatte und dann enttäuscht wurde. Noch trauriger, wenn man das nicht merkte und stattdessen an sich selbst zweifelte. Hatte Itoe sich geirrt und es hatte sich nicht um Zitate gehandelt? War ihres vollkommen falsch gewesen? Ach, vielleicht kannte er es auch einfach nur nicht. Gesagt sei an dieser Stelle, dass sie irgendwie nicht daran dachte, dass Noboru, wie sich gleich herausstellen würde, sich nur auf moderne Medien beschränkte und sie selbst womöglich mehr Romane las. Der Schein konnte ja so trügen.
Bekanntlich sollte man ja Schluss machen wenn es am Schönsten war. War es am Schönsten? Zumindest lief Noboru so keinerlei Gefahr seinen sorgsam aufgebauten Eindruck des Mysteriums und der Überlegenheit zu verlieren sondern blieb den beiden Shinobi genau so im Gedächtnis wie er wollte. Vermutlich.
Itoe lächelte leicht und zog die Brauen empor. Der Kerl war wirklich zuversichtlich was sich selbst anging. Aber jeder bei den Frauen und im Leben nur halbwegs erfolgreiche Mann wusste, dass der Schlüssel zu eben diesen Dingen genau darin lag, im Selbstvertrauen. Irgendwie missfiel es Itoe, wenn man über ihren Kopf hinweg entschied und einfach mal als „das Fräulein“ abgetan zu werden war jetzt auch nicht so prickelnd. Guter Eindruck, ja, aber lief auch dieser Kerl hier Gefahr, bei näherer Betrachtung nur ein arroganter, eingebildeter Idiot zu sein? Noch einmal musste man die Parallele zu Kibo ja wohl nicht ziehen.
Noch ein kleiner Sandwirbel und der Abschied war – nicht perfekt, aber gut. Allgemeine, abschließende Note für den ersten Eindruck: 7.5 von 10 Punkten. Damit konnte man leben. Noboru hatte stark angefangen, dann aber doch nachgelassen. Und den Holzspieß hatte er nicht mit den Zähnen gefangen. Das zog ihn runter. Apropos, hatte er das Teil immer noch?
Itoe drehte sich etwas zur Seite und warf einen Blick auf Arachino. Er hatte sich das Gespräch über ziemlich ruhig verhalten. Ob aus Anstand oder Furcht, was darf es sein? Der Käferjunge würde sich wohl lieber in den Tod stürzen als sich feige hinter einem Mädchen zu verstecken. Meatshield. In Kämpfen immer praktisch.
„Skurrile Gestalten hier, hm?“, fragte Itoe ihren Partner grinsend und man sah ihr deutlich an, dass sie die Begegnung zwar etwas merkwürdig aber nicht unbedingt als schlimm empfunden hatte. Eine nette Ablenkung war es gewesen – Heureka!
„Sekunde.“
Nichts desto Trotz kam Arachino nun in den Geschmack einer Live-Vorführung der berühmt berüchtigten Hyuuga Augen. Adern zogen sich über Itoes Gesicht, als sie das Chakra in ihre weißen Äuglein leitete und ihre Sicht über die Straße hinaus erstreckte. Wir erinnern uns an die abgelehnte Theorie der Ablenkung? Itoe wollte zumindest mal grob die Gegend betrachten. Nur zur Sicherheit und für das Gewissen.
Es verstrichen einige Sekunden und Itoes Gesicht nahm wieder weichere, normale Züge an. Sie hatte keine Lust auf einen Dauerspäheinsatz ohne Ziel. Viel zu anstrengend, so früh am Morgen. Wozu hatte sie Arachino dabei? Sollte er was tun für sein Geld. Außerdem hatte Itoe einen vollen Magen, damit konnte man nicht so gut gucken. Und geschminkt war sie auch. Klarer Fall, oder?
„Könntest du einige deiner Käfer über unseren Bezirk verteilen, sodass sie sich bei Unruhen benachrichtigen? Dann kann ich mir das Zielgebiet näher ansehen.“ Damit hatte Aburame Arachino seine erste echte Aufgabe in dieser Mission. Nichts schweres, es sollte machbar sein, non? Itoes Arbeit würde dadurch deutlich leichter werden.
„Weiter geht’s. Marktplatz.“
 
A

Aburame Arachino

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Puff.... das wars dann wohl gewesen. Vorbei die Zeit des Beobachtens, vorbei die Zeit des Lernens... fürs erste, denn lernen würde er sicher noch viel. Langsam hob er seine rechte Hand empor und führte sie zu seiner Schläfe, der stelle, wo auch die Halter seiner Sonnenbrille entlangliefen. Er nahm die Brille ab und sah dabei stur auf die Stelle, wo der gutaussehende Fremde... ach nein, er hatte doch den Namen genannt... also wo Noboru bis grade eben noch gestanden hatte.
Er schien nicht aus Furcht abgezogen zu sein... nein, das war es garantiert nicht gewesen. Warum also dann? Chin sah sich um, ohne die Brille sah man wirklich um einiges besser, vor allem klarer in der Ferne, wesweben er die Brille zusammenpackte und sie in seiner Tasche verschwinden lies. Seine braunen augen mussten sich, obwohl die Brille schon eine weile herunter war, noch etwas an die neue Sicht gewöhnen, alles wirkte noch recht grell, aber langsam gab sich das doch.
Und jetzt ging die Show los, Hyuugapower in voller Pracht... auch wenn es den gesichtszügen von Itoe nicht grade einen Gefallen tat, diese Krampfadern waren kosmetisch gesehen echt ein Alptraum... Na ja, so lange es praktisch war, sollte es wohl vertretbar sein, seinem Aussehen einen solchen Minuspunkt zu geben. Scheinbar hatte sie dieselbe Idee wie er gehabt: Etwas hier stimmte nicht. Der Kerl war einfach zu plötzlich da und zu plötzlich weg.
Erst als sich ihre Augen wieder normalisiert hatten, beantwortete Chin ihre Frage. "Joa... hier laufen wirklich... interessante Typen rum..." *Und ein paar davon sind auch noch recht sexy* dachte er für sich.
Die Idee, die Itoe brachte war gut. Auch wenn er seine Käfer kaum kontrollieren konnte, wenn er keinen direkten Kontakt hatte, so war es selbst für ihn ein leichtes, ihnen einen Befehl zu geben und sie dann wegzuschicken. Er streckte seine Arme aus und schloss die Augen. Hätte die Hyuuga sein inneres sehen können, hätte sie viel Bewegung erkannt, das Chakra pulsierte in seinem Körper und gab die Befehle des Wirtes an die Bewohner dieses Körpers weiter. Augenblicklich brachen die Käfer durch die Ausgangslöcher in seinem Körper heraus, krabbelten über seinen ganzen Oberkörper, suchten nach einem Ausgang. Zu finden waren sogar direkt drei. Über seinen Hals und beide Hände fanden die Käfer ihren weg ins freie. Kaum an der frischen Luft breiteten sie ihre Flügel aus und hoben ab. Ihr Auftrag war einfach. An jedem Stand sollten sich die Käfer niderlassen und die Gegend im auge behalten. Sobald etwas ungewöhnlich schien, waren sie gehalten, es Chin wissen zu lassen. Auch wenn er ihnen auf diese Distanz keine neuen Befehle geben konnte, er würde ihre Unruhe spüren können. Das war das Bündnis, welches er als Baby mit seinen Käfern abgeschlossen hatte!
Er öffnete die Augen wieder, als grade der letzte Käfer seinen Flug begonnen hatte. "Wenn irgendwo etwas nicht stimmt, werden wir es erfahren." waren seine ersten Worte, als er Itoe wieder sah. "Yeah, Marktplatz klingt gut..." lächelte er Itoe an und heftete sich an ihre Fersen. "Wie weit kannst du mit den Augen eigendlich gucken? Siehst du einfach durch alles durch?"
 
M

Mameha Junko

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Witzig, dass Itoe derartige Ansprüche und auch Kenntnisse besaß. Nach Auffassung der Obrigkeit hatte sie weder ein großes Interesse an Literatur, noch war sie darin besonders bewandert. Ein Buchhaltungsfehler? Wir hoffen, den Empfänger darüber erröten zu lassen.
Allerdings waren die beiden Konoha-Nin nunmehr aufgescheucht, was zur Aktivierung des Byakugans als auch zur Freisetzung von fiesen Käfern führte. Itoe mit ihrem Byakugan nahm nach einem kurzen Rundblick war, dass Noboru keine sehr weite Strecke zurückgelegt hatte, um sein Chakra zu schonen; zu einem ähnlichen Schluss würde Arachino kommen, falls er es wider Erwarten geschafft hatte, einen Käfer auf dem Vermummten zu platzieren und ihm sodann via Käferspionage zu folgen (oder sonst eine vergleichbare Kunst mit seinen Käfern ausführte). Noboru – übrigens im Hyuugablick ein Leuchtfeuer an Chakra, welches nur so „Shinobi!“ schrie – kam kurz vor einem chakratechnisch ähnlich gearteten Kollegen zum Stehen, nur um dort einige Worte mit ihm zu wechseln, zustimmend zu nicken und sich dann mit ihm ruhig und gesittet in Richtung des nächsten Stadtviertels begeben. Es schien eine gewisse Kameraderie zwischen den beiden Männern zu herrschen, falls Itoe die Sache noch länger betrachten wollte. Die andere Person mochte übrigens so um die 30 Jahre alt sein, braunes Haar, kantige Gesichtszüge, kräftig. Dieser war aber im Gegensatz zum Vermummten nicht von den anderen Gästen des Festes zu unterscheiden, so traditionell war sein Hakama nebst Haori gehalten, und irgendwie schien der ältere Herr unglaublich zufrieden zu sein.
So viel dazu, was Itoe und Arachino zusammenpuzzeln konnten. Falls sie diese Angelegenheit weiter verfolgen wollten, sollten sie sich schnell entscheiden, da die Käfer des Aburame ein merkwürdiges Summen von sich gaben. Dies bedeutete in der Regel eines: Blut wurde vergossen.
Itoe würde sogar sehen, was sich da am Marktplatz abspielte …


„Ich mag kaum fragen … aber was hat eigentlich diese Beule da in deinem Kimono verloren?“ Ausnahmsweise schien dieser Kommentar mal nicht zweideutig zu sein, als Junko auf die Stelle deutete, in der Kimihiro das Juckpulver deponiert hatte. In diesem Falle wollte sie ihn wirklich noch nicht einmal ärgern – dafür klang sie gerade viel zu ernst und sachlich – sie wollte tatsächlich wissen, was zur Hölle der Künstler im Zelt der Wahrsagerin abgegriffen hatte. Auch war ihrer Meinung nach die genannte Beule nicht so arg ungünstig positioniert, sodass man getrost und ohne Gefahr für schlechte Witze danach fragen konnte. Aber das war wie immer Ansichtssache, der sich Kimihiro in aller Ruhe widmen konnte, während in seine Teamleiterin zielstrebig zum Marktplatz führte. Sie hatte sich hierbei tatsächlich ein Geländer ausgesucht, welches man per Holztreppe erklimmen musste. Man hatte auf diese Weise einen guten Überblick über die Menge, hörte aber recht wenig von der Rede, die bald gehalten werden sollte.
„Nicht so wichtig. Ohne Zweifel werden wir gleich von Überschwang und Freudentaumel geradezu überschüttet. Wappne dich.“ An dieser Stelle deutete sie auf die entfernt stehende Tribüne, bunt geschmückt mit und von der halben Stadt umringt, wie es schien. Klarer Fall, gleich würde irgend jemand eine unglaublich stimmungsvolle Eröffnungsrede halten und Junko hatte nicht die geringste Lust, sich in irgendeiner Weise darauf einzulassen. Sie wollte gefälligst Trübsal blasen. Ihr Freund war ein Mitglied der gegnerischen Fraktion, und nachdem sie diesen lebensgefährlich verletzt hatte, war sie sich der Beziehung nicht mehr so ganz sicher. Sie vermisste ihn und war darüber hinaus nicht in der Lage, ihn regelmäßig zu sehen. Eine ihrer ersten Teammitglieder, natürlich bei der ersten Mission verstorben, erschien ihr regelmäßig in Albträumen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie einem kumpelhaften Kollegen für Verrat die Kehle durchgeschnitten. Ihr Vater war zur feindlichen Fraktion übergelaufen und mordete gewissenlos. Sie besaß ein Bluterbe, für welches man in früheren Zeiten gelyncht wurde und welches sie aus taktischen Gründen geheim hielt. Freund und Feind erfand Spitznamen für sie, die irgendwie beständig das Dämon-Teufel-Thema beinhalteten. Ihr Leben stank und sie hatte ein verdammtes RECHT auf Trübsal, und jetzt musste sie auf diesem Fest hier sitzen, mit einem trantütigen und hochgradig verliebten Künstler, einer viel zu scharfsinnigen Hyuuga und einem frischen Aburame mit Käfern unter der Haut.
Was war eigentlich schief gelaufen? Diese Frage stellte sie sich, während sie in ihrer Tasche nach der Tarot-Karte tastete und dem älteren Herren (laut Akten nannte er sich Shogo Koji) dabei zusah, wie er die Tribüne betrat. Sie stutze, als ihr auffiel, wie seltsam glasig sein Blick wirkte, wie ängstlich er aussah … und wie rasch er ein Tanto aus seinem Ärmel zog, sich das Hemd aufriss und tief in den Torso vergrub, nur um dort mit ruckartigen Bewegungen weiterzuschneiden. Menschen schrien, Kinder weinten, Blut rann, Panik brach aus, Junko blinzelte überrascht, Sanitäter eilten zur Hilfe und schüttelten nach einer Weile nur hoffnungslos mit dem Kopf, während die Miliz versuchte, die aufgebrachte Menge im Zaum zu halten.
Eine Viertelstunde herrschte das Chaos, in der Kimihiro und Junko wahrscheinlich nur automatisierte Bewegungsabläufe durchführten und auswendig gelernte Phrasen runterratterten, um die Menschenmasse davon abzuhalten, sich gegenseitig zu Tode zu trampeln. Bilanz: Nicht so erfolgreich, wie sie es gerne hätten.
Am Ende dieses Horrorszenarios, falls es jemals ein Ende gegeben hatte, zog sie Kimihiro einfach nur an einen etwas abgelegenen Ort, aktivierte ihr Headset und kontaktierte auch die anderen beiden mit einem einzigen, müden Satz.
Natürlich in meiner Schicht.“
 

Hyuuga Itoe

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Itoe beobachtete durchaus interessiert, wie Arachino ihren Anweisungen folgte und einige Dutzend Käfer sich aus seinem Mantel ergossen und in die Himmelsrichtungen davon surrten. Erneut kam Neugierde auf sowie einige Fragen, aber man hatte schließlich selbst noch etwas Arbeit zu tun, non?
Zwar war alles „ruhig“, doch einer Neigung folgend (und selbstverständlicher, nachvollziehbarer Neugierde), wollte Itoe diesen Noboru noch einmal aufsuchen. Sie kannte das Shunshin no Jutsu und es war nicht für weite Strecken gedacht, sondern primär für einen verdammt stylischen Auftritt. Hieß im Klartext: Der Kerl war nicht weit und ihn zu finden sollte nicht allzu schwer werden.
Knapp eine Minute später fand Itoe besagten jungen Mann in der Masse wieder (wie so viele andere auf diesem Festival eindeutig ein Shinobi, sein Chakrahaushalt war nämlich nicht von schlechten Eltern und bspw. dem von Arachino überlegen). Er war stehen geblieben und unterhielt sich mit einem älteren, in diesem Umfeld unauffällig gekleideten Herren und Itoe wurde stutzig. Eigentlich gab es keinen Grund dafür, schließlich war es auf diesem Fest üblich, soziale Kontakte zu knüpfen und das Gespräch zu suchen.
Kurz darauf marschierten sie schon weiter – in eine Richtung, in der schon bald das Ende des Bezirks kam, dem das Team aus Shirogakure zugeteilt worden war. Itoe hatte zwar die Hoffnung gehabt, einige Lippenbewegungen deuten zu können aber auf Entfernung war das weder einfach noch sonderlich effektiv, weshalb sich die Hyuuga die Mühe auch gleich hätte sparen können. Irgend etwas war fertig. Super. Das regte einen nur zu wilden Spekulationen an, sorgte für Verschwörungstheorien und am Ende fand man heraus, dass damit der Bausparvertrag gemeint war, den der Vater für den vermummten Jungen in Auftrag gegeben hatte. Gut, vom Alter der beiden Männer her unwahrscheinlich, aber eine ähnliche Begründung konnte genauso gut zutreffen. Itoe erwischte sich dabei, wie sie den beiden nachsah und sich stirnrunzelnd Gedanken machte, ehe sie diese krampfhaft verscheuchte – es half ja doch nichts.
Die plötzlich aufkommende Unruhe half dabei ungemein. Itoe und Arachino waren zwar noch einige kleinere Seitenstraßen vom Marktplatz und der Tribüne entfernt, wenn dort jedoch plötzlich die Hölle ausbrach konnte man das durchaus hören. Während Arachinos Käfer also Alarm schlugen und sich der ein oder andere sicherlich schon auf den Rückweg zu dem Aburame gemacht hatte um Bericht zu erstatten, überflog Itoe leicht verwirrt den Platz, die Tribüne und alles was dazu gehörte. Noboru war längst vergessen, als sie auf den blutenden, in letzten Zuckungen verendeten Leichnam Shogo Kojis betrachtete. Ihr entfuhr ein leises „Verdammte Scheiße.“, wozu keine Erklärung geliefert wurde. Arachinos Frage war längst vergessen, vermutlich würde der Junge selbst kaum noch einen Gedanken daran verschwenden, wenn er denn dann mal wusste, was los war. Apropos: Der Kerl hatte vielleicht von seinen Käfern eine Ahnung bekommen, aber was genau passiert war wusste er nicht. War wohl an Itoe, das zu korrigieren.
„Shogo-san h-hat … sich gerade auf der Bühne umgebracht.“ Sie dachte nicht daran, dass vielleicht nicht jeder wusste, dass es sich bei dem alten Mann um den Festredner handelte, der seit Jahren die Eröffnungsreden schwang.
Itoe wusste, dass sie das „Spektakel“ um einige Momente verpasst hatte, war aber auch glücklich darüber. Im Gegensatz zu ihren Teamkollegen verband sie einige wenige Kindheitserinnerungen mit diesem Mann. Glückliche. Er war kein unliebsamer Vorfall, der die Arbeit erschwerte. Es war schockierend und Itoe stellte sich vor allem eine Frage: *Warum?* Der letzte Gesichtsausdruck des Mannes, die aufgerissenen Augen und die blutüberströmten Hände ließen keinen Zweifel zu. Der Torso steckte ja noch – kein Zweifel: Das Festival begann mit einem Selbstmord.
Itoe winkte mit zwei Fingern in der Luft. Das musste reichen, damit Arachino verstand, als sich Itoe in Bewegung setzte und sich zügig dem Platz näherte, wo sich Frauen schockiert die Hand vor den Mund hielten oder ihre weinenden Kinder trösteten und Männer um ihre Fassung rangen. Nur wenige fühlten sich verantwortlich für die öffentliche Ordnung, wie es schien. Die Miliz war von dieser plötzlich ausgelösten Massenpanik überfordert, die Sanitäter konnten nur den Todeszeitpunkt bestimmen (und einige Menschen behandeln, die sich im Gedränge Prellungen zugezogen hatten) und die wenigen Shinobi, die sich im Dienst befanden, konnten auch nicht viel machen.
Das war ein Selbstmord gewesen. Es bestand keine Gefahr die man beseitigen oder vor der man flüchten konnte – trotzdem wollten alle von diesem Schrecken fort und nach einer Viertelstunde war das Gedränge abgeflaut. Es hatten sich viele laut tuschelnde Menschengrüppchen gebildet. Jeder auf dem Festival hatte wohl gerade das gleiche Thema im Kopf und so schnell die Mütter mit ihren Kindern verschwunden waren, so schnell tauchten auch die schaulustigen Schmarotzer auf der Bildfläche auf. Itoe hatte versucht einige Menschen zu beruhigen, hatte jedoch versagt und war froh darüber, dass ihr kleines Headset sie in all der Aufregung für die meisten Leute nicht gleich zur favorisierten Ansprechperson machte. Sie war doch selbst nicht völlig bei sich – erst jetzt dachte sie wieder an die kurze Begegnung von Noboru und dem fremden Mann und hielt neue Verschwörungstheorien mit Gewalt auf Distanz. War dieser junge Mann überhaupt eine Überlegung wert?
Quatsch, worüber dachte Itoe eigentlich gerade nach? Der Festredner hatte sich selbst mit einem Tanto erstochen, vor versammeltem Publikum. Niemand hatte Hand an ihn gelegt, niemand. Das war klassischer (…) Selbstmord und wenn Shogo Koji dazu gezwungen worden war, würden sich vermutlich keinerlei Beweise dazu mehr finden lassen.
Was das jetzt für das Festival und das Shinobi-Team hieß, das war eine ganz andere Frage. Einfach nur stumpf versuchen für Ruhe zu sorgen und die Gemüter besänftigen? Irgendwie drängte es Itoe eher zu einer richtigen Handlung. Sie wollte etwas dagegen tun – gegen was, das wusste sie nicht. Sie war relativ froh darüber, dass Junkos Nachricht sie etwas ablenkte. Wobei Ablenkung hier vermutlich nicht das richtige Wort war.
Itoe hatte die Chuunin in der Menge nicht gesehen und machte sich auch nicht die Mühe nach ihr zu suchen. Sie würde schon mitteilen wo man sich traf, wenn man es denn tat. Das Byakugan war inzwischen wieder deaktiviert um nicht all die schockierten Gesichter ertragen zu müssen. Wie Arachino wohl damit klar kam?
Und erneut die Frage: Was nun? Würde das Festival einfach weiter gehen, pausiert oder gar abgebrochen werden? Es gab sicherlich so etwas wie ein Komitee des Goldenen Drachens, das über solche Dinge entschied und dem die Shinobi heute und die nächsten Tage unterstellt waren.
„Gibt es Anweisungen vom Festival-Komitee?“, war der einzige, etwas gepresst wirkende Satz der Hyuuga, den Junko erst einmal zu hören bekam. Arachino durfte einen weiteren vernehmen, ganz allein für seine Ohren bestimmt. „Ist bei dir alles in Ordnung?“
Öffentlicher Suizid war weder einfach noch angenehm für eine erste Mission. Genau genommen war er das nie. Itoe fühlte sich entsprechend. Sie fühlte sich scheiße und machtlos.
 
A

Aburame Arachino

Guest
Am Marktplatz war etwas nicht so, wie es sein sollte. Chin merkte das noch lange, bevor sie die Menschnmassen zu sehen vermochten. Aber er konnte nicht wirklich ausmachen, was seine Käfer so in Aufregung versetzt hatte. Das war keine einfache Unruhe in seinen, obwohl schon längst in der X-ten Generation noch immer jungen, Käfern, was er da fühlte, war glatte Angst, schlimmer noch, es war regelrechte Panik. Fluchtartig flogen sie von einem bestimmten Ort hinweg, nur wenige kamen geordnet zu Chin zurück. Was immer auf dem Marktplatz passiert war: Es war selbst für die Käfer traumatisch gewesen. Was konnte diese kleinen und sonst so gefassten Lebewesen nur so verstört haben?
Auch als der Marktplatz endlich erreicht war, war es für Arachino nicht sichtbar, denn Menschenmassen hatten sich vor ihnen gebildet, so stark, dass er sogar den augen der Hyuuga nicht zutrauen würde, durch all diese Menschen gezielt hindurch zu sehen. Auch wenn er noch nichts gesehen hatte,w ar er am Zittern. Die Käfer, die zu ihm zurück gekehrt waren, hatten ihre Panik auf ihn übertragen, er spührte ihre Angst und übernahm sie Teilweise. Sein Mund war trocken, seine Beine weich und leicht am zittern. Und als er dann letztlich und endlich die Mauer aus Menschen durchbrach, die ihn und Itoe vom geschehen trennte, traf ihn das Bild wie ein Schlag.
Ein Mann, leblos in seinem eigenen Blut liegend, der Körper so stark zerschnitten, dass nur noch wenig ihn beisammen hielt, überall Blut und Dinge, die den Menschlichen Körper niemals verlassen sollten waren am auslaufen... Ein Anblick, der selbst erfahrene Ninjas schlucken lassen würde... und bei Arachino eine Panikattacke auslöste. Beinahe Augenblicklich war alle, wenn acuh spährlich vorhandene, Farbe aus seinem gesicht Gewichen, kreidebleich war sein Kopf, weiß wie Kreide. Seine Beine versagten den Dienst, er brach einfach zusammen, rutschte mit weit aufgerissenen Augen nach hinten, nur weg von diesem Grauen. Er konnte kaum noch gradeaus denken, während er nach hinten robbte, so lange, bis er nicht mehr konnte, eine feste Wand versperrte ihm den Weg. In diesem Moment war er wirklich kein schöner Anblick. Kreidebleich, am Schwitzen wie nach einem Sprint durch die Wüste, sein Unterkiefer zuckte unkontrolliert, seine Beine lagen am Boden wie aus Gummi, und auch seine Arme zitterten wahnsinnig.
 

Misumi Kimihiro

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„Vom Regen in die Traufe“ – so konnte man die Situation wohl am besten beschrieben, in der sich der Misumi gerade befand. Nach dem das unliebsame Thema Itoe endlich auf dem weiteren Weg der beiden Shinobi ad acta gelegt worden war, bemerkte Kimihiro die zunehmend festliche Atmosphäre. Je näher das Duo einem der großen zentralen Punkte des Festes kam, desto mehr Besucher stapften durch die Straßen. Der Lautstärkepegel der Geräuschkulisse hob sich mit jedem Schritt, doch erst als Kimihiro sich seiner Partnerin blind folgend daran machte, klapprige Stufen aus morschem Holz zu erklimmen, schlugen seinem Geist unliebsame Erinnerungen entgegen. Junkos Kommentar bezüglich des Freudentaumels meißelte schließlich die im Künstler aufkeimende Befürchtung endgültig in Stein.
*Die Eröffnungsrede…*
Kimihiro entfuhr ein Seufzer, als er die letzte Treppe hinter sich ließ und seinen Blick über die Kulisse schweifen ließ, die sich unter ihm und Junko ausbreitete: Inmitten einer unruhigen Menschenmasse, deren Geschnatter und Gemurmel jedes Wort zu schlucken versprach, dass der Redner in ihrem Zentrum sprechen würde, stand eine reich verzierte Bühne, die sogleich zum Fokus aller umstehenden werden sollte, sobald der Mann der Stunde einen Fuß auf sie setzte.
Kimihiro erinnerte sich nur dunkel an die aufbrandenden Freudenschreie, das wilde Glück und die Ausgelassenheit um sich herum, die jener Mann damals vor vielen Jahren mit seiner Rede entzündet hatte. Damals hatte der Künstler, ohne genau zu wissen warum, auf den Schultern seines Vaters einfach wild in die geklatscht, so fest, dass am Ende des Jubels seine kleinen Händchen feuerrot angelaufen waren. Heute konnte sich Kimihiro nicht einmal vorstellen, auch nur ein müdes „Juchei“ für den Meister dieses Trubels abzudrücken. Wie war nochmal sein Name… Shogi? Nah dran, aber nicht ganz. Kurz dachte Kimihiro noch nach, dann schob er diese Frage missmutig von sich zu weisen. Sicherlich würde sich der Aufhetzer zu Beginn seiner Ansprache sowieso mit Namen, warum also jetzt schon grübeln? Außerdem waren Junko und er nicht hier, um dem Schirmherrn des Festivals ihren Respekt zu zollen, sondern um dafür zu sorgen, dass die Situation trotz der undisziplinierten Festgemeinschaft nicht eskalierte.
*Also dann… sehen wir uns diese Situation doch mal an.*
Mit beiden Händen auf das Geländer vor sich gestützt musterte Kimihiro mit gewohnt aufmerksamem Künstlerauge die Menge – wobei er mehr entdeckte, als ihm lieb war. Dreck, Schmutz, Unrat… es gab schlicht nicht genug Worte, um die Unordentlichkeit des Platzes beschreiben zu können. Andererseits stellte dieser Punkt allein (außer unter hygienischen Gesichtspunkten – ja, Kimihiro wusste tatsächlich, was das Wort bedeutete) keine wirkliche Gefahr dar, also weiter im Text. Die Menge war insgesamt zwar überschaubar, doch wie stets ballte sie sich direkt vor der Bühne, und es befanden sich mehr Menschen auf engem Raum als gut war. Die eigentlichen Ordnungshüter, nämlich die örtliche Miliz, war mit der Situation allerdings derart überfordert, dass sie allein damit Schwierigkeit hatten, die Grenze zur Bühne zu sichern. Was davor geschah überstieg schlichtweg die Leistungsfähigkeit dieser doch eher kleinen Mannschaft. Ein gefährlicher Punkt, aber leider Usus bei solchen Festen. Abgesehen davon gab es nur wenig Punkte zu bemängeln: Fluchtwege gab es im Grunde genug, war der Platz doch groß genug und zudem über vielerlei, wenn auch teilweise schlanke Gassen, mit dem Rest des Geländes verbunden. Zudem bildete die Tribüne ein wirklich hervorragendes Ziel für jede Art von Schütze, doch sicherlich rechnete niemand damit, dass auf den Vater dieses „Freudentags“ ein Attentat geplant sein könnte.
Apropos: Erste Jubelrufe kündigten in diesem Moment das Auftauchen des Stifters an, dem sich Kimihiro ohne Umschweife widmete. Insgesamt war das Fest im Moment noch unter (wackliger) Kontrolle, doch immerhin – es hätte schlimmer sein können.
*Wir könnten zum Beispiel mit den Leuten dort unten stehen…. Brrr.*
Stattdessen auf einem etwas erhöhten Aussichtspunkt auf Kosten der Rede die Situation auch ohne Tintenkreaturen im Blick zu haben war gar keine so schlechte Sache. Plus: Junko hielt sich verbal bis jetzt zurück. Was wollte man mehr?
Den Blick auf den Veranstalter geheftet beobachtete – wie hunderte andere in diesem Augenblick wohl auch – voller Verwunderung, mit welch unsicherem Schritt der Mann die Bühne, seine Bühne, betrat. Kimihiro lehnte sich nach vorn, drückte den Rücken durch, und bemühte sich um ein noch konkreteres Bild. Zitterten seine Beine? Ja, ganz eindeutig. Sein Gesicht zeigte zudem kein Lächeln, keine Freude, keinen Stolz, absolut nichts, was man erwarten würde, sondern nur… Angst.
Keine Sekunde später ging alles ganz schnell: Die im Morgenlicht blitzende Klinge, eine blanke Brust, und Blut.

Kimihiro atmete schwer. Wie viel Zeit war vergangen – ein paar Minuten, eine halbe Stunde, eine ganze? Der Künstler vermochte es nicht zu sagen. In dem Moment, in dem der Veranstalter Shogo Koji – diesen Namen hatte Kimihiro immer und immer wieder aus den Schreien der Feiernden herausgehört –, niedergestreckt von eigener Hand, zusammengebrochen war, verfiel Kimihiro automatisch in eine Art Leerlauf. Der Körper bewegte sich ganz von allein, der Grund für die Panik vollständig ausgeblendet. Befehle wurden mit lauter Stimme gebrüllt, die Flüchtenden in Bahnen gezwungen, und langsam, ganz langsam, ebbte die Panik ab. Zwar waren nun noch immer bittere Rufe und trauriges Flüstern zu hören, doch die größte Gefahr für die Masse schien gebannt.
Junkos Stimme, die gleich doppelt an Kimihiros Ohren drang, beendete schließlich den Leerlauf des Künstlers und holte ihn zurück auf den Boden der Tatsachen. Doch welcher überhaupt? Koji… Shogo Koji, Veranstalter des Festivals des Goldenen Drachen, hatte… Selbstmord begangen? Und das vor den Augen genau jener Menschen, um deren Freude und Glück er sich all die Jahre bemüht hatte? Das ganze klang so dermaßen sinnlos, dass Kimihiro für den Moment absolut nichts mit sich anzufangen wusste. Perplex stand er neben Junko, den Blick starr auf eine kahle Fläche Boden vor sich gerichtet, und hielt die Arme vor der Brust verschränkt – eine Geste der Abwehr, die jedoch weder Schutz, geschweige denn Trost spendete.
Eine weitere Stimme erhob sich über das Schluchzen und die Trauer um sie herum. Es waren Itoes Worte, die ihn und die anderen Mitglieder über den Äther erreichten. Kimihiro zuckte noch nicht einmal, als die Hyuuga Junko irgendeine Frage stellte – es war nicht einmal genug Zeit gegeben, sich um das Wohl der beiden anderen Shinobi zu sorgen. Alles war zu schnell gegangen. Deshalb konnte Kimihiro beim Klang der ernsten Stimme seiner Mitbewohnerin weder Freude noch Erleichterung empfinden. Stattdessen starrte er einfach nur weiterhin ins Leere und dachte an die Frage, die sie wohl alle umtrieb:
Warum?
 
M

Mameha Junko

Guest
Warum?
Das war wohl die große Frage, die sich auch Junko stellte, als sie, Kimihiro im Schlepptau, durch die Straßen ging. Sie ging festen Schrittes und hatte nicht halb so weiche Knie, wie es vermutlich bei dem Künstler der Fall war. Dieser schien arg mitgenommen, und wenn sie es recht bedachte, konnte sie es ihm nicht verübeln. Dies war keine alltägliche Situation, ein Fest mit einer Leiche und einer blutbesudelten Bühne zu beginnen. Und genau hier begann der kleine Denkapparat der Chuunin, wie verrückt zu arbeiten. Ihre Kenntnisse im Bereich der Psychologie konnten lediglich als laienhaft bezeichnet werden, aber dennoch wusste sie aufgrund ihrer verschiedenen Ausflüge in die Literatur dieses Bereiches, dass Selbstmörder grundsätzlich entweder bei solchen Taten aufgehalten werden wollten oder sie in aller Stille, ohne Interventionsmöglichkeit begingen. Natürlich bestätigten Ausnahmen immer die Regel, aber etwas gefiel Junko an dieser Situation nicht. Der glasige Blick und der verängstigte Gesichtsausdruck des alten Mannes wollte ihr nicht aus dem Kopf, und irgendwie konnte sie das Gefühl nicht abschütteln, dass nicht alles in dieser Angelegenheit so war, wie es schien. Im Gegensatz zu ihren werten Kollegen war ihr der Tod nicht fremd. Sie hatte Menschen gesehen, die tapfer in den Tod gingen, Menschen, die aus Verzweiflung handelten, Menschen, die sterben wollten und zuletzt Menschen, die sich selbst als Märtyrer sahen. Ein Selbstmord, wie er von Shogo Koji begangen wurde, war zwar auch für sie Neuland, aber aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Tod konnte sie einen klaren Kopf behalten, die Fakten ordnen und die Lage nüchtern betrachten.
Nur ein Blick in Richtung Kimihiro reichte allerdings, um die Chuunin dazu zu veranlassen, für ein paar Minuten zu verschwinden und dann wieder zurückzukehren, nur um sodann nach einigen Fragen und Fingerzeigen mehr durch Glück als durch tatsächliches Können Itoe zu erspähen, die dort mit dem Aburame stand. Der Künstler wurde zur Not am Ärmel zu seinen Kollegen gezogen, sodass die Mannschaft durchaus als versammelt und gründlich traumatisiert bezeichnet werden konnte. Itoe schien wütend und hilflos, Arachino hatte gerade eine waschechte Panikattacke und auch Kimihiro schien unter Schock in die Leere zu starren und wirkte merkwürdig apathisch.
Warum hatte Shogo Koji dies getan? Warum hatte er das alles hier angerichtet? Warum?
Junko wirkte souverän, als sie die zuvor besorgte Schokolade zutage förderte, seufzend Kanten davon abbrach und sie zuerst Itoe, dann Arachino und zuletzt Kimihiro reichte. Ihr Wissen über Medizin war - wie so vieles andere auch – allerhöchstens rudimentär, aber man hatte ihr häufiger gesagt, dass Personen unter Schock am besten mit Zucker zu behandeln wären. Darum die Schokolade, die hoffentlich auch zur Beruhigung der Nerven diente. Sie selbst konnte Schokolade nicht so viel abgewinnen, kaute aber auch ihrerseits lustlos auf einem kleinen Stückchen rum, allein für den allgemeinen Zusammenhalt, während Schweigen sich schwer über die Gruppe legte. Sie machte auch keine Anstalten zu reden, sondern gab sich für den Moment ihren Gedankengängen hin.
Irgend etwas war hier ganz und gar nicht in Ordnung (Captain Obvious salutierte ihr zu dieser Erkenntnis). Der nächste Schritt sah vor, die Frage der Hyuuga zu beantworten und sich erstmal mit dem Festkomitee, welches sicherlich gerade alle Hände voll zu tun hatte, in Verbindung zu setzen und sodann einige Informationen einzuholen. Außerdem musste jemand die Leiche sichten, jemand musste in vier oder fünf Stunden mit dem Gerichtsmediziner sprechen und darüber hinaus musste man mit einigen Verwandten sprechen, mal ganz davon abgesehen, dass etwaige persönliche Schriftstücke des Verstorbenen ebenfalls zu sichten waren. Außerdem gab es auch Fragen an seine Freunde, die das Komitee auch beantworten konnte. Viel Laufarbeit. Viiiiel viel Laufarbeit, und keiner ihrer Teammitglieder schien gerade imstande, diese Arbeit zu erledigen. Das war in Ordnung. Sie waren noch nicht daran gewöhnt und sollten sich erst einmal aklimatisieren.
„Ich weiß, das ist alles sehr schwer für euch alle.“ Kein Aber. Sie brauchte die Bagage ja nur ansehen, um deren Zustand zu erkennen. Wenn sie nicht befürchtet hätte, die Sache nur noch schlimmer zu machen, hätte sie Arachino und Itoe einmal fest gedrückt und Kimihiro die Hand getätschelt, aber beide Impulse wurden wieder verworfen und durch das Anbieten, ja fast schon Füttern von Schokolade ersetzt. Vollmilchschokolade, falls es für irgendwen von Interesse ist.
„Wir haben alle nicht damit gerechnet, aber jetzt müssen wir mit dieser Situation umgehen.“ Junko klang dabei ruhig wie immer, auch wenn sie der Tod des Redenschwingers durchaus mitnahm – es war nie leicht, den Tod eines Menschen zu sehen. Aber sie war erfahrener und wesentlich abgebrühter als alle anderen Shinobi dieses kleinen Trupps, was sich gerade jetzt niederschlug; man konnte sogar so weit gehen, sie für kaltherzig und emotionslos zu halten, aber das war ja bekanntlich nichts Neues.
„Beruhigt euch erstmal. Redet darüber, geht etwas essen und etwas trinken. Zieht euch um, seid ein wenig allein, wenn ihr alleine sein müsst, aber fresst es nicht in euch hinein. Itoe, bitte kümmere dich um sie. Ich werde mich um die Angelegenheit kümmern.“ Ihr nicht. Eure Aufgabe ist es, mit der Situation zurechtzukommen – mehr verlangte Junko gerade nicht. „Wir treffen uns in drei Stunden wieder hier“ Nach dieser todernsten Ankündigung war sie fast augenblicklich verschwunden – Langsamkeit hatte man ihr noch nie nachsagen können, und jetzt setzte sie all ihre Kraft ein, um die Laufarbeit so schnell wie möglich zu erledigen. Viel Zeit hatte sie nicht.
 

Hyuuga Itoe

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Offensichtlich nicht. Arachino war bleich geworden. Ein feiner Schweißfilm überzog seine Haut und seine Augen waren abwesend. Zustzlich kauerte auf dem Boden wie ein kleines Kind. Soviel zur mentalen Stärke des Jungen. Aber konnte Itoe ihn überhaupt verurteilen? Nein, konnte sie nicht. Ihre eigenen Erfahrungen mit Leichen waren für sie ebenso schockierend und aufwühlend gewesen – und sie waren ihr nicht auf der ersten Mission mit Gewalt ins Gesicht geschleudert worden. C-Rang Mission zum Anfangen. Wir wollen es ja nicht übertreiben. Klar doch.
In dieser Verfassung konnte Arachino keinerlei Aufgabe ausführen und wäre dem Team nur ein Klotz am Bein, so schwer diese Tatsache auch zu realisieren war. Itoe selbst ging es mit diesem Selbstmord nicht gut und sie war durcheinander und aufgewühlt, aber sie hielt sich zumindest zusammen. Da Itoe die Ranghöhere und auch Ältere der beiden war, fühlte sie sich dazu verpflichtet etwas gegen diese Tatsache zu unternehmen. Nur was? Dieser Selbstmord war scheiße. Er war blutig, eklig und unverständlich. Einfach zu viel für einen unerfahrenen Shinobi. Gott, er war ja in gewisser Hinsicht auch schon zu viel für Itoe und Kimihiro – und die beiden hatten deutlich mehr Missionen auf dem Buckel als Aburame Arachino. Diese Dinge konnte man nicht verleugnen, man konnte nur damit klar kommen.
„Als ich auf meiner letzten Mission eine Leiche gesehen habe, habe ich genauso reagiert wie du. Mir war schlecht und ich hab eine der Wachen vollgekotzt.“, sprudelte es aus Itoes Mund heraus und sie wusste eigentlich gar nicht so recht, warum. Vielleicht damit Arachino sich nicht so fehl am Platz fühlte. Damit er wusste, dass auch eine Chuunin bei der ein oder anderen Leiche die Beherrschung verlor. Besagte Mission war zwar schon etwas her, Itoe war damals noch Genin gewesen und die Leiche war einmal durch den Fleischwolf und anschließend mit den Gedärmen an einem Baum aufgehangen worden. Aber, Hey, das konnte Arachino ja nicht ahnen.
Dann traten auch schon Junko und Kimihiro auf die Bildfläche und Itoe nickte begrüßend. Man sah ihr an, dass ihre gute Laune längst gewichen war. Kimihiro schien ebenfalls mit den Geschehnissen zu kämpfen zu haben, während Junko wie immer kühl und professionell agiert. Wie machte sie das eigentlich? War sie bereits so abgestumpft? Itoe fragte sich plötzlich, ob das wirklich so ein tolles Ziel war, verschob diese Frage aber nach hinten. Dafür war im Moment keine Zeit, denn es gab... Schokolade?
Itoe fühlte sich bei der emotionalen Streicheleinheit der Teamleiterin nicht sonderlich wohl, nahm die Süßigkeit dennoch entgegen – aß sie jedoch nicht. Ihr Magen war voll und ihr Zuckerspiegel in luftigen Höhen. Sie brauchte nicht noch mehr, außerdem verblasste eine einfache Vollmilchschokolade regelrecht, wenn man sie mit den anderen Köstlichkeiten des Festivals verglich. Itoe hielt den Riegel einfach in der losen Hand und wartete ab. Was sie hörte, gefiel ihr wirklich nicht. Sie wurden gerade bemuttert, für unfähig und unbrauchbar erklärt, während sich die allmächtige Junko anschickte, diese Aufgabe im Alleingang zu lösen. Sonst ging es ihr aber noch gut, ja?
Itoe blickte etwas perplex auf die Stelle, an der Junko noch zuvor gestanden hatte und wurde sich dann der Stille klar, die plötzlich die kleine Gruppe ergriffen hatte. Ohne große Worte reichte sie Arachino auch ihr Stück Schokolade. Wenn es wirklich etwas half, brachte es ihm mehr als ihr.
Dann nahm sie Kimihiro beim Arm und ging mit ihm einige Schritte. Sie beugte sich zu Kimihiro und sprach leiser als gewöhnlich, Arachino sollte in Ruhe seine Schokolade essen.
„Ich mag es nicht, abgeschoben zu werden. Und ich habe nicht vor die nächsten drei Stunden mit Essen, Trinken und bedrücktem Schweigen zu verbringen.“ Das „Warum?“ beschäftigte gerade die Gemüter und alle würden sich besser fühlen, wenn man auf diese Frage eine Antwort hätte. Besser als nach Kaffee und Kuchen. Um Junkos Anweisung, mit der Lage klar zu kommen, zu befolgen, mussten sie also die „Warum?“-Frage klären.
Irgendwie hatte Itoe das Gefühl, dass Junko diese Reaktion sogar gewünscht und geplant hatte. Hätte sie einfach gesagt, dass die Drei wieder an die Arbeit sollten, hätten sie vielleicht gemault und wären niedergeschlagen ihren Pflichten nachgekommen. So hatte sie es geschafft, zumindest bei Itoe Ehrgeiz und Engagement zu wecken. Junko war an diesen Tagen anders als sonst. Berechnendes Miststück.
„Lass uns Arachino wieder auf die Beine bringen, hm?“, raunte sie Kimihiro zu und blickte über die Schulter nach dem Aburame. Ihr Blick wirkte etwas besorgt. „Danach können wir uns um Shogo Koji kümmern.“ Itoes Stimme war zwar leise, aber schneidend und ernst. Sie hatte wirklich nicht vor, tatenlos herumzusitzen. Sie wollte etwas unternehmen. Dass Junko diese Reaktion höchst wahrscheinlich mit Absicht herbei geführt hatte und Itoe sich darüber beinahe sicher war, änderte auch nichts daran.

[out: Nächster Post sollte von Kimihiro kommen, Arachino.]
 

Misumi Kimihiro

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Ein einfaches, banales, lächerliches braunes Viereck. Flach, wohlbekannt, hingestreckt von der stets ernsten und unerbittlichen Teamleiterin, die der Künstler am heutigen Tag schon mehrmals verflucht hatte. Von diesen Gefühlen war allerdings nichts mehr übrig, als Kimihiro das dargebotene Stückchen Schokolade an sich nahm, eine Weile verwundert betrachtete, und sich dann im Ganzen in den Mund schob. Das Stück war groß, fast zu groß für den Mund, und es dauerte eine ganze Weile, bis die klebrige Braune Masse im Mund so von der Zunge des Künstlers bearbeitet worden war, dass er nicht mehr mit Hamsterbacken bei seinen Kameraden stand.
Ein schiefes, freudloses Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Da stand er also, völlig verwirrt und untätig, nachdem trotz ihrer Anwesenheit schon wieder jemandes Leben ausgelöscht worden war, und machte sich tatsächlich Gedanken darüber, wie er ein zu großes Stück Schokolade am besten zerkleinern konnte! Lächerlich. Einfach nur lächerlich.
Die Arme erneut vor der Brust verschränkt sah Kimihiro Junko ernst ins Gesicht, während die Teamleiterin die Gemüter ihrer Untergebenen zu beruhigen versuchte. Als die Mameha dann jedoch mehr oder weniger befahl, die drei Shinobi sollten sich ganze drei Stunden Zeit nehmen, um „mit der Situation fertig zu werden“, stand dem Misumi der Protest hart ins Gesicht geschrieben, auch wenn er davon absah, die Stimme zu erheben. Dafür blieb sowieso kaum Zeit, verschwand Junko doch im selben Augenblick, in dem sie ihre Ansprache zu Ende brachte. Zurück blieben Itoe, der Aburame und er. Allein, zu Tatenlosigkeit verdammt und abgestempelt als unnütze Häufchen Elend.
Für wen zum Teufel hielt sich Junko eigentlich? Shogo war noch nicht einmal eine Stunde tot, und schon galt man als jämmerliches emotionales Wrack, wenn man nicht so blind funktionierte wie Miss Perfect erwartete? Wer war sie, dass sie es für ihre Aufgabe allein hielt, dieser seltsamen Sache auf den Grund zu gehen? Und seltsam war diese ganze Angelegenheit allemal, gab sie doch absolut keinen Sinn. Aber nein, nein, Konohas Aufklärungsroboter Nummer Eins bekam diese Sache schon allein geregelt, auch ohne diese drei kläglichen Anhängsel, die noch von so etwas profanem wie Gefühlen aufgehalten wurden.
Würde diese ganze Situation nicht vom Tod eines vielgeschätzten und geliebten Menschen überschattet, so hätte sich Kimihiro mit Freuden wieder den Bildern gewidmet, die eine von roten Pusteln überzogene Kunoichi zeigten, während ein grinsender Künstler einen leeren Beutel achtlos zur Seite warf. Unter diesen Umständen blieb jedoch keine Muße, sich weiter über die Mameha aufzuregen – damit hatte Kimihiro bisher sowieso schon genug Zeit verschwendet.
*Shogo Koji… was genau ist überhaupt passiert?*
Gedankenverloren rieb sich Kimihiro über das raue Kinn während er sich die Erinnerungen an die Augenblicke kurz vor der Bluttat vor Augen führte. Der Veranstalter des Festivals war schwach auf die Bühne gestolpert, vielleicht zaghaft, weil er sich seinem Entschluss nicht sicher war. Viel auffälliger war jedoch der Ausdruck auf seinem Gesicht gewesen, denn ganz ohne Zweifel hatte Shogo Koji Angst gehabt. Wovor? Dem Tod? Verständlich, aber irgendwie unpassend für jemanden, der bereit dazu war, mit einem Messer auf eine Bühne zu gehen, die von unzähligen Kindern beobachtet wurde. Dieser Punkt wog für den Künstler sowieso am schwersten: Kimihiro konnte sich vorstellen, dass der Mann des Lebens müde war. Er konnte sich vorstellen, dass er womöglich von seiner Frau verlassen worden war, dass unglückliche Investitionen seinen Ruin besiegelten, dass dies das letzte Festival des goldenen Drachens war. Er konnte sich genauso vorstellen, wie Shogo von einer Brücke sprang, eine tödliche Dosis irgendeines Medikamentes zu sich nahm, oder im Schatten seiner prunkvollen Behausung Stahl in seine Brust jagte. Aber dass dieser Mann, den unzählige Menschen als Spender von Glück und Freunde kennengelernt hatten, der einen solch unzweifelhaften Ruf genoss, einfach in Kauf nahm, dass seine selbstsüchtige Tat unzählige kleine Mädchen und Jungen traumatisierte… nein. Selbst der fantasievolle Künstler konnte und wollte sich dies nicht vorstellen.
Doch welche Alternative blieb? Nahm man an, dass Shogo nicht gewillt war, sich das Leben zu nehmen, passten zwar sein wankelmütiger Auftritt und seine Angst ins Bild, doch der Grund für seine Tat wurde zu einer schwierigen Frage. Wer oder was hatte ihn zu dieser Tat genötigt? Sollten tatsächlich Kriminelle ihn dazu erpresst haben, sich vor unzähligen Menschen selbst das Leben zu nehmen? Diese Idee klang nicht sonderlich logisch: Regel Nummer Eins bei Morden jeder Art war, dass man Aufmerksamkeit um jeden Preis vermeiden musste. Ausgenommen von dieser Regel waren Morde, die ein Zeichen setzen sollten, doch selbst in diesem Fall arbeitete man eher mit Symbolen, bestimmten Tötungsmethoden oder Nachrichten. Jemanden auf einer klar sichtbaren Bühne umzubringen zeugte von einem Täter, der sich seiner Sache über alle Maßen sicher sein musste, oder der es absichtlich darauf anlegte, verfolgt zu werden – entweder weil er die Jagd liebte, oder weil er wegen einer persönlichen Störung zwar mordete, aber doch gefasst werden wollte.
Eine weitere Möglichkeit drängte sich Kimihiro bei diesem Gedanken auf. Womöglich hatte Shogo ja doch so schwerwiegende Probleme gehabt, dass seine eigentliche Persönlichkeit schon längt gestorben war. Wie sehr konnten sich Menschen schließlich ändern, wenn sie von einer tiefen Depression langsam dahingerafft wurden? Außerdem gab es im Gegensatz zu der Mörder-Theorie leichtere Wege, um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen: Ein Gespräch mit persönlichen Freunden und Verwandten würde schnell Aufschluss geben. Möglicherweise fanden sich auch bestimmte Stoffe im Blut des Toten, die auf eine Behandlung mit etwaigen Medikamenten hindeuteten. Sowieso musste jemand mit den Medizinern sprechen, die die Leiche untersucht hatten, bevor diese im Glauben an einen Suizid fortgeschafft wurde.
Rasch machte sich Kimihiro daran, zum Ort des Verbrechens zurückzukehren, doch noch bevor er seinen ersten Schritt machen konnte packte ihn jemand am Arm. Noch immer halb in Gedanken versunken blickte er die Besitzerin der Hand, die ihn zurückhielt, verwundert an. Erst Stimme und Worte der weißäugigen Hyuuga ließen ihn verstehen. Kimihiros Blick ging zu dem Aburame, den der Tod des Veranstalters offenbar am härtesten getroffen hatte. Womöglich würde er tatsächlich die drei Stunden benötigen, die Junko ihnen großzügigerweise zugestanden hatte. Allein diese Vorstellung zerrte heftig am eigentlich dicken Geduldsfaden, den der sonst ruhige Künstler sein Eigen nannte. Im Moment jedoch galt es, ein wirkliches Problem zu lösen, ein Problem von Leben und Tod, und je schneller sich der Akademist daran gewöhnte, dass man als Shinobi erst nach getaner Arbeit zusammenbrach, desto früher konnten sie sich an die Lösung machen.
Einen Augenblick lang war Kimihiro versucht, dem Aburame mit dem Kanjou ein wenig Eifer einzuflößen oder ihn einfach an ein Pferd zu binden und mitzuschleifen, doch das vor seinem inneren Auge aufblitzende Gesicht seiner Lehrmeisterin trieb ihm diese Gedanken schnell aus. Jutsus benutzte man im Angesicht des Feindes, und außer der Angst des Käfermenschen gab es hier weit und breit nichts, was man zu dieser Kategorie hätte zählen können. Aber was dann.
Steif ging Kimihiro an Itoe vorbei und blickte den Aburame von oben herab an. Ein kurzes „He“ folgte, um die Aufmerksamkeit des Jungen wieder in die Realität zu holen; sollte das nicht genügen, würde ein weiteres, unfreundlicheres „Hey!“ folgen, und zwar so oft, bis der Typ endlich aufschaute. In diesem Moment würde ihm eine Hand entgegengestreckt werden. „Steh auf, wir müssen los. Es sei denn, du willst dich noch etwas in Selbstmitleid suhlen. In dem Fall machen wir uns ohne dich auf den Weg. Nach Hause findest du sicherlich allein.“
Kein Mitleid, kein Einfühlungsvermögen? Nun, auch dafür blieb keine Zeit. Außerdem hatten sie es alle schwer, sie alle hatten daran zu knabbern, und insofern fehlte Kimihiro einfach das Verständnis für den einzigen Egoisten, der ohne auch an das Opfer zu denken einfach nur dasaß und vor sich hin weinte. Er war schließlich nicht derjenige, der nie wieder würde aufstehen können...
 
A

Aburame Arachino

Guest
Es dauerte. Waren es nur Sekunden? Minuten? Stunden? Oder saß er Tage hier? Das Zeitgefühl war völlig von Chin gewichen, wären nicht noch so viele Menschen da. würden nicht Itoe und dieser andere Kerl... Chin hatte seinen namen vergessen, auf ihn einreden, er wüsste nicht einmal, ob es noch derselbe Tag war. Doch ganz langsam bekam er die Kontrolle über seinen Körper, seinen Geist und sein Innenleben, damitw aren die Käfer gemeint, zurück. Um sich zu beruhigen muste er erst einmal sein inneres beruhigen, was jetzt erst einmal sehr philosophisch klang, war dabei total wörtlich zu verstehen. Die Käfer, die den Selbstmord beobachtet hatten, waren völlig in Panik und steckten damit alle anderen bewohner von Chins Körper an. Und die Käfer übertrugen diese Panik auf ihren Wirt. Also hieß es erst einmal die Käfer bruhigen. Erst nachdem er dies endlich geschafft hatte, konnte er sich darauf konzentrieren, selber wieder zu sich zu kommen. Itoes versuch, ihn zu beruhigen kriegte er gar nicht mit, zu sehr war er im Moment damit Beschäftigt, Ruhig zu werden. langsam fühlte er seine Beine wieder, seine Arme zitterten nur noch leicht, also konnte er einen Versuch wagen, sichw eider auf die Beine zu bringen. Seie Hand suchte die Mauer hinter sich ab, Tastete über die Steine, ging jede Ritze entlang auf der Suche nach einen halt, irgendwas, an dem er sich hochziehen konnte. er fand nichts, doch dafür wure ihm diese Hilfe direkt angeboten, von einem Mitglied seines Teams. Eine Hand wurde ihm entgegengestreckt und er ergriff sie. Mit dieser Hilfe konnte er sich nach oben ziehen, seine Beine hielten ihn, wenn acuh wackelig.
"Na...nat...natürlich... Ich..." Moment... wie war der Wortlaut grade? 'Es sei denn du willst dich noch etwas in Selbstmitleid sulen?' hatte der Kerl sie noch alle? Augenblicklich war alles vergessen, Adrenalin verdrängte alles, was seinen Körper bis dato geschwächt hatte und seine Augen fixierten den Kerl vor sich (Kimihiro) "Entschuldige bitte, dass ich mit dem Anblick eine Menschenkörpers, dessen Gedärme sich grade über den Boden verteilen noch nicht so gut zurechtkomme wie du, oh großer Meister! Ich hatte leider noch nicht das Vergnügen mit einer Leiche, so was kriegen wir in der Akademie nämlich nicht beigbracht." Fuhr er seinen gegenüber an. Seine Tonart war wütend, aber man merkte auch, dass ihm diese Worte wieder Kraft gaben. er zog sich daran aus der Panik. Wut war ein starkes Gefühl, stark genug um andere wie Angst, zum Beispiel, zu verdrängen. Dann riss er seine hand wieder los und ging an seinem helfer vorbei. "Hätte dich gerne mal bei deiner ersten begegnung mit dem Tot gesehen, aber ich wette du wurdest abgebrüht geboren." Diese Worte begleiteten ihn an Kimihiro vorbei. Er wollte Fäuste ballen, aber etwas störte. Er sah auf seine linke Hand und erspähte... Schokolade? Wo kam die denn her? Er dachte Angestrengt nach, bis er sich erinnern konnte, an Itoes Worte, an die Szene, wie sie ihm die Schokolade gab... auch wenn ihm das alles wie ein Traum vorkam, so verschwommen waren die Erinnerungen an das, was erst Sekunden zurück lag. Seine Augen suchten Itoe, fanden sie. "Danke für die Nervennahrung, ich glaube ich kann die grade gut gebrauchen." lächelte er die Hyuuga an. Jetzt wo er nicht mehr wütend sprach, konnte man deutlich hören, dass er fertig war, aber er kämpfte gegen den Willen seines Körpers an, nachzugeben. Das einen der bloße Anblick eines Toten so erschöpfen konnte... unfassbar. Auch die Panik war noch da... Chin hatte schwer damit zu kämpfen, sie zu verbergen...er vermied es, in Richtung der Leiche zu sehen, verbarg sich hinter einem Lächeln. "Ähem... tut mir Leid, ich habe wohl nicht grade das beste Bild auf das Team geworfen..." Die Entschuldigung war offensichtlich nur an Itoe gerichtet, er hatte mittlerweile vor ihr etwas ähnliches wie Respekt, weniger Stark aber vorhanden, aufgebaut. "...Wie..." seine Stimme war am zittern, er schwieg kurz um sich zu konzentrieren, klare Worte zu formulieren, gradeaus zu denken. "wie geht es jetzt weiter? Ich meine... Selbstmord... fällt doch nicht in unseren Bereich oder? Ich meine... So was... ich meine... ich wollte sagen..." Er atmete tief aus. "Ich hab vergessen, was ich sagen wollte..."
 

Hyuuga Itoe

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Itoe wohnte jetzt schon einige (wenige) Zeit mit Kimihiro und Saki unter einem Dach und hatte den Jungen bisher als etwas faulen, rücksichtsvollen und allgemein sehr gutmütigen Menschen kennengelernt. Es sollte also nicht verwundern, dass Itoe Kimihiro seinen kleinen Ausbruch nicht so richtig abkaufte. Stattdessen war sie überrascht, dass er Arachino durch eben diese Taktik auf die Beine zu bringen versuchte und nicht mit beruhigenden Worten auf ihn einredete. Hey, Menschen konnten einen noch überraschen. Vielleicht lag das aber auch nur an seiner neusten Trainerin – komische, unsympathische Frau.
Dass Arachino auf genau diese Art von Botschaft ansprang hatte man sich dann wiederum wieder denken können. Kimihiro hatte die richtigen Worte zur richtigen Zeit gefunden und den richtigen Punkt damit getroffen. Lieber Arachino, bitte denke bei der nächsten Vorstellung vorher über das nach, was aus Deinem Mund kommen soll. Denn genau das hatte es ermöglicht, den noch unerfahrenen Käferjungen jetzt so einfach mit einigen Stichelein wieder auf die Beine zu bringen.
Itoe, nun ja für die Beiden verantwortlich, ließ keinerlei Bemerkung dazu fallen. Weder zu Kimihiros Worten, noch zu Arachinos. Letzterem ließ sie es großzügig durchgehen – es tat ihm gut, seinen Gefühlen gerade freien Lauf zu lassen und Kimihiro hatte sich ja freiwillig als Zielscheibe gemeldet. Ein kleiner Hieb in den Magen für das größere Wohl. Itoe passte den richtigen Moment ab und grinste Kimihiro dann flink an. Keine Frage: Itoe glaubte nicht eine Sekunde, dass ihr werter Mitbewohner den Kollegen aus Unmut angefahren hatte. Sollte es mal dabei belassen werden, hm?
Arachinos Entschuldigungen schüttelte sie mit zwei raschen Kopfbewegungen ab. Für so etwas war weder Bedarf noch Zeit. Moment, es mangelte an Zeit? In Itoes Augen: Ja. Sie hatten nämlich genau drei Stunden. Inzwischen sogar etwas weniger. Da die Blicke auf ihr ruhten und sie nun das Kommando hatte, war es wohl auch an ihr, die Leitung zu übernehmen und diese Mission voran zu treiben.
„Junko-san hat uns eine Auszeit gegeben um mit diesem Selbstmord klar zu kommen. Weder Kimihiro noch Ich werden faul herumsitzen und in Selbstmitleid baden. Selbstmord fällt in unseren Aufgabenbereich, also werden wir uns auch darum kümmern.“ Junko hatte Itoe die Verantwortung übertragen, jetzt musste sie auch damit leben. „Es wird uns allen helfen, wenn wir wenigstens eine Art von Sinn hinter dieser Tat sehen können. Das heißt im Klartext: Wir finden heraus warum sich Shogo Koji das Leben nahm.“ Einfach, oder?
„Nichts desto Trotz sind wir noch für diesen Bezirk zuständig. Zwar befinden sich vermutlich inzwischen andere Teams hier um uns zu unterstützen, wir können dennoch nicht tatenlos herumstehen und Leute befragen. Schließlich haben wir... dich.“, sagte Itoe und zeigte dabei mit einem Finger auf Arachino. Kleine Ego-Spritze, denn Kimihiro und Itoe waren ebenso Aufklärer und Späher wie der Aburame. Dennoch war er in diesem Fall am hilfreichsten. „Du musst das Festival nicht mit Käfern überfluten. Versuche an den wichtigsten Ecken in unserem Bezirk einige Käfer zu positionieren und erstatte bitte sofort Bericht, sollte es irgendwelche Unruhen geben.“ Durchaus vorstellbar, nach diesem Spektakel. Itoe nickte Kimihiro zu. „Unterstützt du ihn bitte dabei?“ Sollte einer der beiden Meldung erstatten würde Itoe ihr Byakugan anwerfen und einen näheren Blick wagen. Diese drei Shinobi hier bildeten ein einwandfreies Aufklärungs- und Überwachungsteam. Irgendwie bezweifelte Itoe, dass hier irgend etwas Größeres ohne ihre Aufmerksamkeit passieren konnte. Ein beruhigendes Gefühl in diesen Zeiten. Auch Arachino sollte davon nicht allzu sehr in Anspruch genommen werden, obwohl er etwas ausgelaugt und blass war. Die Aufklärung eines Selbstmordes zehrte höchstens an den mentalen Kräften.
Itoe klatschte in die Hände. Da das geklärt werden... „Zeit, die Leiche aufzusuchen und uns ein paar Informationen zu holen.“ Und gerade hatte Arachino gedacht, es würde besser werden, was? Wurde er sogar wieder etwas bleicher? „Arachino-kun, wir schaffen das auch alleine, wenn du dich noch schwach fühlst. Wir brauchen dich und deine Käfer, wirst du uns irgendwann bewusstlos verlieren wir beides, also überschätze dich nicht.“ Harte, verständliche aber notwendige Worte für den jungen Genin, aus denen er durchaus lernen konnte. Große Worte halfen seinem Ego und das wars dann auch.
Itoe nickte Kimihiro aufmunternd zu und schritt dann in Richtung Bühne. So richtig wohl war ihr dabei trotzdem nicht.
 
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Misumi Kimihiro

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Tick. Tick. Tick.
Die Zeit verging unermüdlich. Die Panik auf dem großen Platz ermattete, Angst und Verwirrung verrauchten, und die Geister der Festbesucher klärten sich. Es war eigentlich die perfekte Zeit für Befragungen aller Art – das Aufnehmen von Zeugenaussagen, die Recherche der Todesumstände und so weiter. Doch was machten die Shinobi, die das Festungsdorf für genau diese Aufgabe auserkoren hatte?
Sie spielten Babysitter.
Mit einem Ruck zog Kimihiro den Käferjungen, der letztlich doch noch seine Hand ergriffen hatte, ungeduldig auf die Füße. Statt sich jedoch gleichermaßen auch mental wieder gefangen zu haben, gab es erst einmal ein wenig wütendes Rumgeblaffe vonseiten des Schülers. Wie war das? Gedärme, die sich über den Boden verteilen? Theatralisch, das musste man dem Aburame lassen, aber doch ein wenig überzogen. Das Opfer hatte sich das Messer in die Brust gerammt, dann kam das Blut… aber umherfliegende Innereien? Nein.
Andererseits, wen kümmerte es, wenn der Aburame für den Moment an solcherlei Bildern festhielt? Der Akademist stand auf zwei Beinen, und das war das wichtigste im Moment. Wutausbruch hin, Respektlosigkeiten her, Hauptsache es ging weiter. Mit vor der Brust verschränkten Armen ließ Kimihiro somit die Worte des Schülers einmal durch seinen Gehörgang wandern, ohne Anstoß daran zu nehmen – da rein, dort raus. Anders sah es aus, als Itoe erneut das Wort ergriff: Kimihiros Blick, bisher recht verächtlich auf den Platz mit der Bühne gerichtet, ging zu der für den Moment ranghöchsten Kunoichi der Gruppe und blieb ernst auf ihr liegen. Das flinke Grinsen übrigens, das Itoe ihm zuvor geschenkt hatte, war Kimihiro fast gänzlich entgangen. Zu groß war sein Tatendrang, zu aufreibend diese ganze Situation.
Itoes Worte vermochten jedoch die Anspannung des Künstlers etwas zu lösen. Es beruhigte Kimihiro, dass seine Mitbewohnerin ebenso wenig Interesse daran hatte, sich zuerst um das Seelenheil des Akademisten zu kümmern, sondern wie er das eigentliche Ziel ihrer Mission im Blick behalten wollte. Sicherlich hätte Junko, wäre sie denn da gewesen, in diesem Moment wieder irgendeinen Kommentar abgelassen von wegen „Kaum redet Itoe, schon ist der Künstler wieder zahm!“, doch daran dachte der Künstler zumindest für den Moment nicht einmal im Ansatz. Vielmehr konzentrierte er sich auf die Hinweise und Anweisungen der Hyuuga und nickte einige Male. Dass Itoe trotzallem versuchte, das Ego des kleinen Käferjungen zu streicheln, wurde nebenbei einfach hingenommen. Wenn sie glaubte, dass die Samthandschuhe für den Moment besser geeignet waren, so hatte sie sicher einen Grund das zu denken.
„Unterstützt du ihn bitte dabei?“
Als ihn der Blick der Hyuuga traf zog Kimihiro kurz die Augenbrauen hoch, dann nickte er, wandte sich von seinen Kameraden ab und fasste sich ohne zu zögern an sein linkes Handgelenk. Wie oft in seinem Ninjaleben hatte er diese Bewegung nun eigentlich schon vollführt, und wie selten dagegen war sie in den letzten Wochen geworden? Keine Ausflüge oder Ausritte, keine abendlichen Ständchen aus den goldenen Kehlen kleiner Singvögel, nichts. Und alles zuliebe des Trainings.
Seinen Schreibblock in der Hand griff sich Kimihiro unter seinen Haori, wo wie eh und je eine schlanke Beintasche auf ihren Einsatz wartete. Rasch war ein Pinsel aus ihr hervorgeholt, mit dem die Tinte, die der Künstler ebenso selbstverständlich mit ein wenig Erdchakra in seinem Mund formte, kaum einen Augenblick später bereits auf einem leeren Blatt Papier verteilt wurde. Wieviele Tiere sollten es sein? Wäre es allein nach Kimihiro gegangen, so hätten sich mehr als ein Dutzend auf die Reise gemacht, einfach zu verlockend war die Aussicht darauf, durch ihre Augen erneut durch die Lüfte zu gleiten. Stattdessen verfolgten ihn die Worte seiner Lehrerin.
*Sei sparsam mit deinem Chakra. Du weißt nicht, wann du es brauchen könntest.*
Schnell waren fünf Vögel gezeichnet und mit einem einhändigen Fingerzeichen unauffällig von der Schreibfläche verteilt. Auf leisen Schwingen flatterten sie stumm in die Lüfte; Kimihiro achtete extra darauf, seine eigene Kunst vor dem Aburame so gut wie möglich zu verbergen. Nicht nur, weil fiepende kleine Tierchen den Akademisten wohl in seiner Ruhe hätten stören können, sondern auch, weil Yamanaka Yuuka ebenso in dieser Hinsicht gewisse Ansprüche an ihren Schüler stellte.
*Schneller als du glaubst kann aus dem Kameraden, dem du deine Tricks zeigst, der Feind werden, der deine Stärken in- und auswendig kennt.*
Die Chuuninprüfung hatte dies nur allzu deutlich gemacht.
Als die fünf Vögel an Abstand gewonnen hatten, ging Kimihiro einmal sporadisch alle fünf Augenpaare durch. Der stumme Befehl, die Augen gegenüber allem und jedem offenzuhalten, wurde von den Tieren wortlos entgegengenommen. Anstatt sich daraufhin neugierig noch ein wenig dem durchaus interessanten Anblick zu widmen, der dem Künstler dank seiner Kreationen zugänglich war, konzentrierte er sich wieder auf seine beiden Partner. Block und Pinsel mittlerweile wieder verstaut drehte er sich den beiden zu, und als Itoe sich anschickte, in Richtung Bühne loszugehen, folgte er mit zwei Schritten Abstand. Sein Geist, vor einigen Augenblicken noch aufgewühlt und voller Eifer, war mittlerweile zwar ruhiger, aber eine nervöse Anspannung ließ ihn keinen echten Frieden finden. Das wäre erst möglich, wenn die Umstände dieses merkwürdigen Selbstmords geklärt waren.
 
M

Mameha Junko

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A/N Im Namen der Dynamik ist die Postreihenfolge aufgehoben. Sorry Arachino;)

Mitnichten, Kimihiro. Gerade in Sachen Liebe, wo alles jenseits von Gute und Böse geschah, konnte Junko außerordentlich diskret sein, wenn sie wollte. Gerade, wenn es um dumme Kommentare ging, die eine gewisse Zuneigung implizierten, hielt sich die Kunoichi in der Regel zurück, wenn sie nicht gerade das Bedürfnis hatte, zu spotten. Der Misumi indes war allerdings nicht sehr spottenswert, wenn der Ausdruck erlaubt ist.
Tatsächlich waren Arachinos Käfer am Besten dazu geeignet, emotional geartete Unruhen aufzuspüren und auf diese aufmerksam zu machen. Wenn er die nächste Zeit damit verbrachte, seine Käfer in der ganzen Stadt zu verteilen, würde er ein sehr effektives Alarmsystem besitzen. Die Frage war nur: Wie lange konnte er die Käfer in Position lassen, ohne dass sie etwas fressen brauchten? Musste er sie direkt an den Orten platzieren oder suchten sie sich selbstständig ein Plätzchen? Das waren alles Fragen, die sich Arachino stellen musste, und auch, wie effektiv und wie weitreichend sein Käfernetz sein sollte.
Auch Kimihiro mit seinen beeindruckenden Tintentieren konnte nicht überall zugleich sein – auch er musste sich, am besten in Absprache mit Arachino überlegen, wie er seine Tintentiere postierte, wo er sie haben wollte und was genau er abdecken wollte. Er konnte aber keinesfalls ein Dutzend Tiere verteilen und hoffen, jede Kleinigkeit in der Hauptstadt (!) des Feudalherrn des Feuerreichs mitbekommen zu können. Bestenfalls konnte er auf zufällige Beobachtungen hoffen … oder er musste ein wenig mehr Tinte investieren. Viel mehr. Stunden um Stunden an Zeichenkunst.
Itoe wiederum fuhr den nächsten Rückschlag ein – als sie sich der Bühne näherte, sah sie die Blutlache, sie sah Menschen in blauen Overalls, die sich seufzend daran machten, die Bühne wieder zu reinigen, während einige Wachleute der örtlichen Miliz Wache standen, um etwaige Schaulustige, zu denen sie nunmehr auch das werte Weißauge zählten, von der Bühne wegzuhalten. Einer von ihnen näherte sich der Hyuuga, um höflich, aber bestimmt davon abzuhalten, dass sie weiterging. „’Tschuldigung, Frollein. `S Fest is’ verschob’n. Geh’n Se einfach nach Haus’, ja? Gud’n Tag …“ Und damit hoffte der nuschelnde Wachmann, Itoe von sich halten zu können. Ha, von wegen, was? Übrigens: ganz recht, die Leiche hatte man bereits abtransportiert. Der Selbstmord war etwa eine halbe Stunde her, der Körper dürfte noch nicht ganz erkaltet sein und er wurde schon weggebracht? Ja, das war sogar logisch. Dies hier war ein öffentlicher Ort, der Marktplatz, um genau zu sein, und gerade Leichen von Selbstmördern an öffentlich zugänglichen Orten wurden sehr schnell entfernt, damit die Örtlichkeit wieder nutzbar wurde. Macht Sinn, oder?
 
A

Aburame Arachino

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Ja klar, das sollte er jetzt glauben? In der Gruppe waren 2 Chuunin, eine davon war aus dem Hause der Hyuuga, deren Augen fähig waren, Distanzen zu überbrücken, die selbst einem Falken neidisch machen würden, deren Blick Papier, Holz, Stein, Fleisch und Knochen durchbrach wie Glas. Mit Augen, denen keine Chakraquelle entging. Und zum Überwachen des Platzes brauchten sie also grade IHN! Einen Aburame, der frisch von der Akademie kam und ausserhalb seines Körpers seine Käfer nicht einmal wirklich unter Kontrolle hatte. Klar, Chin war mit sicherheit nicht so erfahren wie Itoe... aber er war auch kein idiot, der ihr wirklich glauben würde, dass er hier ein unverzichtbarer Teil des Teams war. Vor allem als seine Augen einfingen, was der andere genin so trieb, wie er erst mit einem Pinsel hantierte und dann plötzlich Vögel aufsteigen lies... Was für eine kunst war das? Er hatte so etwas noch nie gesehen. Hatte er... die Vögel gemalt? Chins Augen folgten den Vögeln, ja sie wirkten alles andere als natürlich. Dann sah er wieder auf Kimihiro herab. Das war also seine Kunst... Er konnte Zeichnungen zum Leben erwecken... Klang fürs erste recht unglaublich, aber hey, in seinem Inneren existierte eine kleine Welt der Käfer, da wollte er sich nicht über sonderliche Künste beklagen...
Ach ja, er musste ja auch noch seinen Teil zur Überwachung beitragen. Ein großteil seiner Käfer war wieder Einsatzbereit, er hatte sie beruhigen können. Er hob seine Arme empor, und kurz darauf lies er seine Käfer ausschwärmen. Für jemanden, der schon einmal die berühmten schwarzen Wolken der Aburame gesehen hatte, dürfte seine Aktion jämmerlich wirken. Von Wolke konnte keine rede sein, bestenfalls ein kleiner Käfernebel, der sschon kurz über ihm wieder zerbrach, wo sich die Käfer aufteilten und sich über das ganze Festgelände verteilten. Ihr Auftrag war, mit einer kleinen Änderung, wie zuvor, nur sollten sie sich jetzt an starke Chakraquellen hängen, so würde er später eben solche Quellen ausfindig machen können.

Auch wenn jetzt das ganze Festival unter einer Käferplage zu leiden hatte, seine Aufgabe war nicht beendet... Nein, jetzt kam ja der richtig tolle Teil, der Tote Körper... Itoe wollte ihn untersuchen... was hoffte sie denn zu finden? Na ja, vielleicht einen Abschiedsbrief, konnte ja sein... Die Frage war eher: Sollte sich Chin auch... Nein, das war keine Frage, er musste sogar... er hatte sich schon zu viel blöße gegeben. Also Schritt er hinter Itoe her, je näher sie dem Körper kamen, desto heftiger musste sich Chin zusammenreißen. Er würde sich den körper ganz genau ansehen. Er war jetzt ein Shinobi. Er musste mit so etwas umgehen können.
Meh, Emotionen waren doch echt Scheiße...
 

Hyuuga Itoe

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Große Paranoia seitens Aburame Arachino. Schade, eigentlich. Itoe hatte alles Gesagte vollkommen ernst gemeint. Ja, sie konnte über Distanzen von mehreren Kilometern eine Fliege beobachten. Das war schon richtig. Aber diese Fliege in einer Stadt zu finden wenn man nicht wusste wo man suchen musste, das war ein ganz anderes Paar Schuhe. Arachino war in dieser Hinsicht trotz seiner Unerfahrenheit effizienter als Kimihiro und Itoe. Aus dem ganz einfachen Grund, dass er die krabbelnde Masse auf seiner (Innen-)Seite hatte. Das sollte er dringend mal begreifen.
Es gab jedoch ein größeres Problem als den Käferjungen: Nämlich Zeit und Umstände.
Der Selbstmord war nun schon etwas her. Kombinierte man dies mit dem öffentlichen Schauplatz, den kreischenden Kindern und den Investoren, die hier gerade ihre Moneten flöten sahen, hätte man eigentlich darauf kommen können, dass die Leiche längst fortgeschafft worden war. Vermutlich wurde sie in der Leichenhalle gelagert oder war direkt an einen Bestatter überliefert worden, der in just diesem Moment die Leiche etwas aufhübschte damit sich die schockierte Familie verabschieden konnte.
Sobald jemand umgebracht wurde (von jemand anderem, versteht sich) wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt um herauszufinden wer es war und warum er es getan hatte. Das Motiv spielte eine riesige Rolle. Bei einem Selbstmord jedoch interessierte das niemand. Die Familie musste mit den emotionalen Schäden zurecht kommen, musste sich fragen warum ein geliebter Mensch so etwas getan, warum er zum letzten Mittel gegriffen hatte.
Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen wollte dann auch noch einer der auf den ersten Eindruck minderbemittelten Sorte die Truppe wieder zum Gehen animieren. Klar doch. Problem an der Sache: Bei einem Selbstmord gab es grundsätzlich keine Aufklärungspflicht. Abschiedsbriefe anschauen, der Familie das Händchen halten. Das wars oftmals auch schon. Itoe ließ ihre Handtasche aufschnappen und zog ihren Stirnschutz aus der Tasche. Einen geübten Handgriff später befand sich das blaue Band mit dem metallenen Protektor an ihrem linken Oberarm. Da hatte man die Hoffnung, diese weißen Augen würden für ein Mitglied der Miliz der Hauptstadt reichen, aber manchmal brauchte man eben einfach die Brechstange.
Itoe tippte dem Mann also auf die Schulter (er hatte sich selbstverständlich schon wieder weggedreht).
„Entschuldigen Sie bitte, aber dieser Selbstmord geschah während unserer Schicht und in unserem Bezirk. Wir würden nur gerne die persönlichen Gegenstände begutachten und dann mit der Familie sprechen. Ist das für Sie in Ordnung?“ Sicherlich war das alles schon von irgend jemandem getan worden, zumal die drei Shinobi nicht wirklich früh hier auftauchten, dennoch hatten sie das Recht dazu. Wenn sich der Typ einfach stur weigerte würde Itoe eben nach dem Vorgesetzten verlangen. Ganz simpel. Irgendwie fühlte sich Itoe verloren. So ein kleines bisschen. Sie wollten doch nur eine Antwort auf die Warum?-Frage. Ein Abschiedsbrief würde schon genügen und Itoe ging es besser. Kimihiro vermutlich auch, während Arachino wohl eher von den physischen Dingen schockiert war.
Abschiedsbrief, bitte. War doch nicht zu viel verlangt, non?

[out: 'tschuldigung bzgl. der Wartezeit.]
 
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