Verschneites Dorf

Dieses Thema im Forum "Reich des Schnees" wurde erstellt von Kinzoku Kenta, 14. Apr. 2018.

  1. Kinzoku Kenta

    Kinzoku Kenta Genin

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    B-Mission: Der Menschheit ganzer Jammer

    "Ich hab ja gehört, die Yuki-aner haben fünfzig verschiedene Ausdrücke für Schnee." Stellte Kenta fest, als die endlose weiße Flockenmasse, die schon seit Tagen vor ihnen durch den Himmel gesegelt war, sich minimal aufklärte und die grobe Kontur eines hausartigen Objektes freigab. Also, eines einzelnen hausartigen Objekts. Und leider sagte ihre Karte dass sie maximal elf andere von der Sorte zu erwarten hatten - einer der seltenen Fälle in denen die Ansiedlung auf der Karte größer aussah als sie tatsächlich war. "Ich persönlich wäre ja mit einem einzelnen zufrieden: Weißes Dreckszeug." Schloss er den Satz, und schüttelte irritiert den Kopf. Wirklich, es lief nicht besonders überzeugend bisher. Dass Toriko sich hatte zurückziehen müssen - gut, das war zwar irgendwie schade was seine langfristigen Pläne für sie anging, hatte aber auch seine Vorteile gehabt. Vor allem mit Hebi als einzig Verantwortlichem für Kenta, ehehe ... aaber vor der Abfahrt waren sie nochmal angehalten worden mit dem Hinweis dass das Team komplett neu komponiert werden sollte und sie bitte zuhause auf einen korrigierten Marschbefehl warten sollten. Aaarrgh. Kenta hatte unterwegs erstmal eine Schlägerei mit drei Halbstarken angefangen und ein paar blaue Augen verteilt um an dem Tag wenigstens irgendwas lustiges zu tun, aber besonders aufgeheitert hatte es ihn auch nicht - eine pure ungleiche Rauferei war ihm eigentlich auch zu primitiv, und vor allem zu schnell vorbei. Auch der neue Befehl, der das Team auf zwei Personen reduzierte - ihn und Hayabusa Ray - hatte seine Stimmung nicht direkt ins Positive schwingen lassen, auch wenn diese Verteilung natürlich implizierte dass Kenta das Kommando bekommen würde. Auf die Art fehlte der Sora-Fraktion doch ein großes Stück ursprünglich eingeplante Kampfstärke, und was sollte er sagen ... die Aussicht auf ein bisschen gemeinschaftlich ausgelebten Sadismus war interessant gewesen! Jetzt musste er sich allein etwas inspiriertes einfallen lassen - und es irgendwie so zurechtdrehen dass es auch noch Rays Geschmack traf. Und das Team aus Shiro? Könnte von Glück reden wenn Kenta sich nicht einen aus ihren Reihen dafür rauspickte, denn die Umgebung trug auch nicht dazu bei dass er seine Stimmung auf friedlichem Weg reguliert bekam: Schnee. Überall nur verdammter Schnee, und das nicht mal in gefälliger Schneesturmform, sondern als leise rieselndes, endlos kitschiges Wunderwerk der Meteorologie.

    Hinzu kam, dass Kenta in seiner bisherigen Karriere die Erfahrung gemacht hatte, dass die "gruseligen" Probleme dieser Dörfer von der hausgemachten Sorte waren. Irgendwelche Honks die wegen terminaler Unfähigkeit von der Akademie geflogen waren und jetzt Leute terrorisierten die noch weniger Talent hatten als sie selbst. Wäre ja irgendwie lustig und von sich aus hätte Kenta auch nie dran gedacht einzuschreiten, aber leider standen sie seiner Karriere im Weg, und ab dem Punkt fand er sie ihrer Talentlosigkeit wegen doch nervig. Eines stand fest - wenn der Verantwortliche aus Sora kam würde Kenta Jurisdiktion über ihn beansprochen und die Sache gleich vor Ort regeln. Und es würde nicht schnell vorbei sein.

    "Wir sollen uns hier mit dem Shiro-Team treffen." Stellte Kenta nüchtern fest, als sie auf dem Dorfplatz angekommen waren - vom ersten Haus aus hatte das etwa fünf Minuten gedauert. Schätzungsweise lebten hier noch eine Handvoll Familien mehr schlecht als Recht, und der Geier wusste warum sie noch hier rumsaßen - komplett bewegungsunfähig waren sie ja hoffentlich nicht. Und selbst dann konnte man doch bestimmt jemanden mit einer Schubkarre organisieren ... aber die Idiotie von Dörflern war nicht der Missionsgegenstand. "Pünktlich sind sie schonmal nicht. Halt mal nach ihnen Ausschau." Fügte der Kinzoku nach einem Blick auf seine Armbanduhr hinzu, und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die kleine Säule im Zentrum des Platzes, seine ganze Haltung eine stumme Anklage gegen das Wetter, einen frappierenden Mangel an Leuten denen er wehtun konnte, das verdammte Wetter, die Gesamtsituation, und unpünktliche Shiro-Teams, und das gottverdammte Scheißwetter, in ungefähr dieser Reihenfolge. Es war nur der getönten Skibrille zu verdanken dass sein Blick keine Schneeflocken verdampfte.
     
  2. Hayabusa Ray

    Hayabusa Ray Genin

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    "Im Ernst, ganze fünfzig Wörter?" Ray war ein wenig erstaunt darüber, doch nachdem er einen Moment über Kentas Aussage nachgedacht hatte nickte er zustimmend. Auf den ersten Blick war es natürlich fraglich gleich fünfzig Wörter für ein und dieselbe weiße Substanz zu haben, aber wenn man es aus einem anderen Blickwinkel betrachtete, wie Ray es so gerne tat, dann ergab das ganze doch einen Sinn. Immerhin waren die Yuki-aner quasi ständig von dem Zeug umgeben. Da musste man sich ja irgendwie darüber einig werden, was denn für eine Art Schnee gerade lag. Das war wahrscheinlich ähnlich wie bei den Bewohnern des Steinreiches. Die waren ja auch Tag und Nacht von nichts als Steinen umgeben. Wahrscheinlich konnten sie ebenfalls ganz genau zwischen den einzelnen Steinen unterscheiden und sahen Unterschiede, wo der normale Mensch oder Ninja absolut keine sehen würde. Für einen Moment dachte Ray an die letzte Mission zurück, die ihn nach Sohon ins Reich der Steine geführt hatte. War es eigentlich normal, dass ein frisch gebackener Shinobi direkt nach seiner ersten Mission auf eine Koop-Mission mit den Ninjas aus Shirogakure geschickt wurde. Immerhin waren die beiden Fraktionen nicht gerade die besten Freunden.
    Für einen Moment legte Ray den Kopf schief und dachte darüber nach, während seine schwarzen Raubvogelaugen durch den dichten Schneefall starrten. Vielleicht lag es daran, dass er ein Hayabusa-Mitglied war und sein Vater dafür bekannt war keinen anderen Menschen aufgrund seinem Aussehen oder seiner Eigenschaft zu verurteilen. Diese Eigenschaft hatte der Rotschopf schon früh übernommen und sofern es sich in der Dorfverwaltung rumgesprochen hatte, war es doch durchaus möglich, dass man ihn aus genau diesem Grund für geeignet hielt an diesen Missionen teilzunehmen. Das könnte ein Grund sein. Ray nickte zufrieden und marschierte neben Kenta durch den knirschenden Schnee.
    Wie auch sein Kollege wäre ihm ein gehöriger Schneesturm mit starken Windböen, Donner und Blitzen um einiges lieber gewesen, aber die Abneigung gegenüber dem 'weißen Dreckzeug', wie Kenta es nannte, teilte er nicht. Neugierig verfolgte er mit seinen Augen immer wieder die Flocken, die leise vom Himmel rieselten und hier und da versuchte er eine der größeren Flocken mit seinem Kunai zu erwischen. Er war sogar gar nicht mal so schlecht daran, was vor allem seinem Falkenbluterbe zu verdanken war. Für seine Augen war es ein leichtes sich auf die Flocken zu fokussieren, sie schienen dann wie in Zeitlupe vom Himmel zu fallen, sodass es für ihn möglich war sie mit seinem Kunai mitten in der Luft zu zerteilen. Nach kurzer Zeit waren sie aber auch schon im besagten Dorf angekommen und bis dato noch keine Spur von irgendwelchen anderen Ninjas.

    "Aye, Aye, Captain." erwiderte Ray und grinste dabei von einem Ohr bis zum anderen. Das Captain war ihm sozusagen rausgerutscht, aber es erinnerte ihn an die letzte gemeinsame Mission mit Kenta. Hach war das Wetter da herrlich gewesen. Sturm, hohe Wellen, Blitz und Donner, was könnte es schöneres geben. Da war das weiße Winterwunderlandwetter echt langweilig. Im nächsten Moment befand sich Ray auf dem nächstbesten Hausdach, um von dort aus einen besseren Blick zu haben. "Meinst du wir kriegen es irgendwie hin roten Schnee zu bekommen?" fragte er wie aus dem Nichts, bevor er erklärend hinzufügte. "Ich habe noch keinen Plan dafür, aber mich würde interessieren, wie die Shiro-Ninjas darauf reagieren würden, wenn es plötzlich roten Schnee schneien würde." Zwar hatte Ray noch keinen ausgeklügelten Plan, aber da es seinem Verstand gerade langweilig war, begann er in seinem Kopf herumzuwandern, was manchmal zu wirklich absurden Ideen führen konnte. Lange Zeit zu planen hatten die beiden Sora-Shinobi aber nicht, denn in diesem Moment erblickte Ray die Silhouetten einer kleinen Gruppe, die schnurstracks auf den Dorfplatz zugesteuert kam.
    "Da sind Sie. Entweder das oder es hat sich eine andere Gruppe Reisender zufällig hierhin verirrt." meldete er und sprang mit einem Satz vom Dach hinunter.
     
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  3. Sakaida Mai

    Sakaida Mai Chuunin

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    -> Reise ins Reich des Schnees

    Im Schnee war alles irgendwie leise. Das Schneegestöber ließ kaum zu, dass ein Geräusch von weiter weg in den Ohren der Shinobi ankam, abgesehen davon war dieses Wetter für kaum ein Lebewesen attraktiv. Nur ein Laut war stets in seiner Aufdringlichkeit wahrzunehmen: Das Knarzen des Schnees bei jedem Schritt, welchen die jungen Leute machten. Glücklicherweise war das Dorf, in welchem nicht nur das Sora-Team wartete, sondern auch Hakuma, nicht allzu weit vom Hafen entfernt. Daher dauerte es nicht lange und die kleinen Häuser der Bewohner waren bereits zu sehen. Es war ein kleines Dorf, kaum nennenswert. Wie viele Hütten hier wohl standen? Sieben, acht? Schwer zu sagen, aufgrund des Schneefalls konnte man nicht allzu viel in der Ferne erkennen. Es war still um Takeo und Mai gewesen. Erst die Frage des Jungen mit dem bernsteinfarbenen Haar brach das Schweigen zwischen ihnen.

    Wir sollten sie im Zentrum dieses Dorfes treffen. Dürfte nicht schwer sein, das zu finden.“, schmunzelte Mai und grinste Takeo an. Dem Blauschopf machte das Wetter nichts aus, sie war wie immer gut drauf. Lediglich das Aufeinandertreffen mit den Kollegen aus der anderen Fraktion stimmte sie nach wie vor nervös. Naja.. und die unglückliche Tatsache, dass Lihaku das Team verlassen musste. Er wurde nach Shirogakure gerufen und nahm die nächste Fähre wieder zurück aufs Festland. Nebeneinander, beinahe im Gleichschritt marschierten die Shiros durch das Dorf und zogen damit den ein oder anderen neugierigen Blick auf sich. Doch der wohl neugierigste Blick kam von direkt geradeaus.. „Sie scheinen schon da zu sein.“, murmelte Mai so leise, dass nur der Junge an ihrer Seite es hören konnte. Zwei Rotschöpfe, feuerrot leuchtend. Zumindest wirkte das so in dieser tristen, grau-weißen Umgebung. Das Herz der Chuunin schlug schneller, je näher sie den Fremden kam. Bereits von weitem legte sie das gewohnt herzliche Lächeln auf, welches den beiden rothaarigen Jungs galt. Mit einigen Schritten Abstand blieb Shiro vor Sora stehen. Schnelle, unauffällige, gezielte Blicke.

    Hallo, schön eure Bekanntschaft zu machen! Das ist Dokúiki Takeo aus Sunagakure.“, Mai sah zu ihrem Teamkollegen. „Und ich bin Sakaida Mai, ich leite diese Mission auf Shiros Seite.“ Die beiden Fremden trugen beide das Emblem Soragakures auf ihren Ninjabändern. Mai zierte jenes von Kumo, Takeo stammte aus Suna. Was das wohl für einen Eindruck machte? Oder machte das gar keinen Eindruck? Wer weiß. Als sich die beiden Jungs vorstellten, sah die Kunoichi beide genauer an. Kinzoku Kenta war unheimlich groß, er überragte Mai deutlich. Ansonsten war er eher unauffällig. Ganz anders war der andere Ninja, Hayabusa Ray. Er hatte ein solch außergewöhnliches und markantes Gesicht, dass er irgendwie aus dem Raster fiel. „Auf eine gute Zusammenarbeit! Es sollte funktionieren, schließlich haben wir das gleiche Ziel.“, endete Mai eine kurze Zeit nach der Vorstellungsrunde. Bestimmt hätten sie nachher noch genug Zeit, um sich ein wenig näher kennenzulernen. Natürlich nur, wenn die andere Fraktion das wollte. Die Chuunin war ihnen gegenüber offen eingestellt..

    Seid ihr einverstanden, wenn wir uns nun mit unserem Auftraggeber Hakuma treffen?“, fragte sie in die Runde und sah ein wenig fragend zu Takeo. War die kurze Vorstellung bereits genug der Worte gewesen oder hatte er vielleicht noch etwas zu sagen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Apr. 2018
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  4. Dokúiki Takeo

    Dokúiki Takeo Genin

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    Sein Blick suchte ein Gasthaus, doch pendelte er sich am Ende auf zwei Gestalten ein, die sich ungeduldig wartend auf dem Dorfplatz positioniert hatten. Das waren also die so viel diskutierten Soranins, wenn Mai recht hatte. Man konnte nicht behaupten, dass sie aussahen wie jeder andere, denn dazu stachen sie zu sehr aus der Menge heraus. Okay.... . Menge war vielleicht nicht die richtige Wortwahl, denn sie befanden sich immer noch in dem kleinen Dorf im Schnee, das sich „belebte Straßen“ und „pulsierendes Leben“ wahrscheinlich nicht auf die Fahne schreiben würde. Aber man traf nicht jeden Tag zwei Jungs mit feuerroter Haarpracht und Augen, die jeweils auf ihre eigene Art sehr besonders waren. Die einen waren strahlend blau und bildeten einen harten Kontrast zur roten Farbe, die anderen ließen jede Farbe vermissen und wirkten so kaum menschlich. Wahrscheinlich waren die beiden aber einfach in sich auffällige Gestalten und nicht jeder Ninja aus Soragakure würde mit rot gefärbten Haaren herumlaufen. Seine Gedanken wanderten kurz zu seinen Freunden aus Shirogakure. Auch Arata sorgte aufgrund seines femininen Aussehens nicht selten für Verwirrung und er musste nicht lange suchen, um eine andere Person mit außergewöhnlicher Haarpracht zu finden. Die Skepsis, die während der Reise aufgekommen war, löste sich schnell wieder und trat der neuen Bekanntschaft mit Vorfreude entgegen. Es war nicht zuletzt eine Chance, um den Konflikt zwischen Sora und Shiro beizulegen.

    Während die blauhaarige Kunoichi ihr Team vorstellte, setzte Takeo also ein ehrliches Lächeln auf und verbeugte sich freundlich. „Sehr erfreut euch kennenzulernen. Ich denke wir werden viel aus dieser Zusammenarbeit lernen können.“ Die Begrüßung wurde sehr kurz gehalten, was Takeo ganz gelegen kam. Nicht etwa, weil er keine Lust hatte die beiden Ninja kennenzulernen, sondern eher, weil er das Gasthaus noch immer nicht ganz aus dem Kopf bekommen hatte und alles danach aussah, dass dieses Dorf doch nicht die erste menschliche Niederlassung ohne Schankraum war. „Das ist eine sehr gute Idee. Vielleicht sind die Temperaturen bei Hakuma auch etwas angenehmer. Ich denke wir treffen ihn unter einem warmen Dach?“

    Seine Wunsch wurde erhört, denn eine der wenigen Hütten entpuppte sich wirklich als ein Gasthaus. Takeo öffnete die kleine Tür und erschauderte noch einmal durch den kühlen Hauch, der sich ebenfalls seinen Weg in die gute Stube bahnte, bevor der letzte der Truppe die Tür wieder schloss und Takeo das erste Mal seit der Ankunft im Reich des Schnees seinen Mantel öffnen konnte. Interessiert musterte er den Schankraum. Its bigger on the inside? Merkwürdig. Vielleicht fanden hier sogar mehr Menschen Platz als das ganze Dorf zum jetzigen Zeitpunkt beinhaltete, aber viele Dörfer betrieben in dieser Gegend wahrscheinlich ihr Geschäft mit den Reisenden. Die Einrichtung des Raumes konnte eher als rustikal und zweckmäßig bezeichnet werden, doch Takeo taugte das sehr gut, denn es war warm und das war alles was zählte.

    Ihr Eintreten blieb nicht lange unbemerkt, denn nur eine einzelne Person saß einsam an einem großen Tisch in der Mitte des Raumes und erhob sofort die Stimme als sich das Pfeifen des Windes gelegt hatte. „Einen guten Tag wünsche ich. Ihr müsst die Ninja sein, die mir angekündigt wurden! Ich habe schon auf eure Ankunft gewartet." Er versuchte sich möglichst galant für eine Begrüßung zu erheben, doch es war deutlich zu erkennen, dass das für ihn schon lange keine Leichtigkeit mehr war. Takeo konnte jedoch nicht beurteilen, ob das an seinem gediegenen Alter lag oder an den Dingen, die er bereits mitgemacht hatte. Ein Blick in sein Gesicht sagte da schon mehr. Es zeigte tiefe Furchen und auch das aufgesetzte Lächeln konnte nicht verstecken, dass es wahrscheinlich nicht nur das Alter war, welches ihm zu schaffen machte. „Kommt, kommt. Setzt euch zu mir, damit wir alles bereden können. Wollt ihr etwas trinken?“
     
  5. Kinzoku Kenta

    Kinzoku Kenta Genin

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    Roter Schnee ...? Kenta hätte sich selbst belügen müssen um zu behaupten dass er die Idee nicht witzig fand, aber wie genau machen wenn sie keinen roten Sand hier hatten? Er hätte länger über die Frage nachgedacht wenn er nicht ohnehin zu sauer gewesen wäre um sich mit sowas harmlosem zufrieden zu geben - die Entscheidung dass irgendjemand Kenta für diesen Einsatz würde büßen müssen stand bereits fest, und so wie seine Stimmung gerade stand war es die nächste Person die ihm auf die Nerven ging, und als Nebeneffekt davon durfte der Schnee sich dann durchaus rot färben. Und als hätten sie's geahnt: Just in diesem Moment gab Ray Meldung dass er das Shiro-Team erspäht hatte, und Kenta schob in einer Geste die man bei völliger Unkenntnis seines Charakters für respektvoll halten könnte die Schneebrille hoch und knippste ein strahlendes Lächeln an das etwa so viel Ehrlichkeit in sich hatte wie ein Karrierepolitiker vor Gericht. Ein blauhaariges Mädel das vermutlich die älteste in der Runde war, und ein blonder Kerl der ungefähr so belastbar aussah wie Rays kleine Schwester, die er nicht hatte. Das könnte ja noch lustig werden.
    "Konbanwa! Erfreut eure Bekanntschaft zu machen. Das dort ist Hayabusa Ray, und ich bin Kinzoku Kenta und für Soragakure der verantwortliche Offizier hier." Stellte er Ray und sich vor, und erlaubte sich vor Mai eine kleine respektvolle Verneigung - der Handkuss war bei frierenden Temperaturen verzichtbar, aber vielleicht schätzte sie die Geste ja auch so. "Dem Vorschlag kann ich nur beipflichten ... hören wir uns einmal an was der alte Mann zu sagen hat, hm?"

    Innerlich knisterte Kenta bei diesen Worten. Er hatte in seiner noch jungen Karriere schon deutlich zu viele alte Männer mit hanebüchenen Geistergeschichten oder noch bescheuerteren kriminellen Plänen erdulden müssen, und dieser hier würde sich schon sehr anstrengen müssen um nicht einen Platz weit oben auf seiner persönlichen Shitlist zu erobern. Die letzten beiden hatte er verknackt ... was genau auf Hakuma zukam würde sich jetzt zeigen. Erstmal stellte Kenta fest, dass der Kerl einen furchtbar einfallslosen Geschmack hatte - oder das einfach alle Gasthäuser in Yuki gleich aussahen, denn dieses hier erinnerte ihn schon schwer an das auf ihrer letzten Mission, nur in noch kleiner und noch provinzieller. Und offenbar gab es hier nur eine einzige Person, was immerhin die Suche nach dem richtigen Mann einfach machte.

    "Guten Tag - Kinzoku Kenta, Soragakure. Heiße Schokolade wenn ihr habt, und eine möglichst prägnante Zusammenfassung der Ereignisse die wir untersuchen sollen."
    Bestellte der Kinzoku im atemsparenden Telegrammstil, ehe er sich am Tisch niederließ. Was ihn anging war Hakuma vorrangig hier um ihnen zu sagen was sie hören mussten und sollte danach möglichst nicht im Weg rumstehen. Und Getränke servieren ... das ging auch noch in Ordnung, insbesondere da er tatsächlich Schokolade anzubieten hatte. "Unsere Einsatzinformation blieb ja etwas vage was diese unnatürlichen Vorfälle in Isekai anbetrifft. Ray, schreib mit." fügte er an die Adresse des Hayabusa hinzu - und wehe dem Jungen wenn er nicht Stift und Papier eingepackt hatte. Dass er an den unklaren Stellen nachhakte traute er dem Nachwuchsdetektiv dagegen ungesagt zu.

    "Also ..." Hakuma brauchte sichtlich einen Moment um sich zu sortieren auf die Aufforderung, sich prägnant zu fassen, und zog sich selbst einen Stuhl heran. "Wie soll ich sagen-" - 'Das Maul aufmachen und Luft aus der Lunge durch die Stimmritze schieben wär ein Anfang, Schlaumeier!' - "Isekai war eigentlich ein ganz normales kleines Dorf, ähnlich wie das hier. Ein wenig größer, ganz günstig gelegen für Touristen und an einer kleinen Handelsroute ... es war nicht viel, aber es fehlte uns an wenig. Auch als meine liebe Frau starb, dachte ich zunächst nichts böses. Sie war schon lange krank gewesen und ist friedlich entschlafen .. wir hatten eine wunderbare Beerdigung mit fast allen aus dem Dorf." Er seufzte nostalgisch und brauchte einen Moment um den Faden wiederzufinden - ein Moment in dem Kenta sich schon mal vornahm einem der beiden Shiro-nin einen groben Streich zu spielen, damit der Einsatz wenigstens in der Hinsicht Spaß bot. ".. aber etwa ein Jahr später begannen sich die Unfälle zu häufen. Die Menschen sind so viel gestolpert, Treppen hinabgestürzt ... gut, alles Leute in meinem Alter. Es passiert, ich weiß. Aber dann wurden zwei junge Männer nur drei hintereinander erschlagen. Der eine von einer Gartenhacke die unerklärlich vom Regal flog und der andere von einem Stein, den niemand vorher gesehen hat." Hakuma schluckte. "Ich kannte sie beide seit ihrer Kindheit ... sie waren beide umsichtige Männer, die Handwerker in unserem Dorf. Das war der Moment wo wir es mit der Angst zu tun bekamen. Shun - unser kluger Junge! - hat angefangen die Sache zu erforschen, aber ihn haben sie mit einem Messer in der Brust am Dorfbrunnen liegend gefunden ... sein Gesicht war starr vor Schrecken." Der alte Mann schluckte, ehe er der Reihe nach die Ninja eindringlich ansah. "Wir sind fast vollständig aus dem Dorf geflohen ... nur Shuns Eltern und ein paar Alte sind noch da. Es ist etwas übles am Werk in dieser Sache, und was auch immer es ist ... wir einfachen Leute sind kein Gegner dafür. Wir brauchen eure Hilfe."

    Kenta mühte sich, nicht mit den Augen zu rollen, und ließ Ray mal den investigativen Vortritt. Der hätte ohnehin mehr Spaß dabei das naheliegende auszusprechen.
     
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  6. Hayabusa Ray

    Hayabusa Ray Genin

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    Da Ray von seinem Teamkollegen vorgestellt wurde, hielt er es nicht für nötig selbst etwas zu sagen, sondern nickte zur Begrüßung lediglich und schloß sich der Verneigung des rothaarigen Teamkollegens an. Stattdessen musterte er mit seinen Raubvogelaugen die beiden Shinobi. Der Junge war in etwa so groß wie Kenta, besaß bernsteinfarbene Haare und sah ansonsten ziemlich durchschnittlich aus. Das Mädchen hingegen war etwas kleiner, ungefähr so groß wie er selbst und besaß mit ihrer blauen Haarpracht ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in dieser Gruppe.

    Den Vorschlag das ganze Treffen ins Warme zu verlegen konnte Ray nur zustimmen und so folgte er seinem Teamleiter und blickte sich neugierig in dem Gasthaus aus, was sich aber gerade dadurch auszeichnete, dass es absolut gewöhnlich ausah. Immerhin ersparte es ihnen die große Suche nach ihrem Informaten, denn es schien nur eine Person anwesend zu sein und so machte sich Kenta gleich daran die Informationen aus ihm herauszuholen.
    Glücklicherweise hatte Ray daran gedacht Papier und Stift mitzunehmen, sodass er mit flinken Fingern einen kleinen Notizblock aus seiner Tasche holte und begann die wichtigsten Informationen mitzuschreiben. Mittlerweile war er an den detektivischen Teil des Ninja-Daseins gewöhnt. Ob es wohl immer so wahr, dass Shinobi auf ihren Missionen Detektiv spielen mussten. Nunja, immerhin kamen die meisten ihrer Aufträge zu Beginn mit recht vagen Informationen daher, sodass Informationsbeschaffung in der Tat zum Alltagsgeschäft des Ninjalebens gehörte. Vielleicht war es sogar so vage, dass es deswegen keiner mehr erwähnte. Ray hingegen fand es trotzdem bemerkenswert, er mochte Informationen.

    Während des Monologs von Hakuma, blieben seine Augen zumeist auf dem kleinen Notizblock, während seine Ohren gespitzt waren und er die wichtigsten Informationen in Stichpunkten notierte. Es war offensichtlich, dass der alte Mann an Geister oder etwas ähnliches als Verursacher der Morde ansah. Zwar wusste Ray aufgrund seines Erbes, dass Geister tatsächlich existierten, dennoch hielt er es für unwahrscheinlich, dass diese Unfälle darauf zurückzuführen waren, dafür waren sie zu gezielt. Spätestens bei dem Mord an Shun, welcher ein Messer in der Brust hatte, glaubte er nicht, dass dies das Wirken von Geistern war. Nachdem Hakuma seinen Monolog geendet hatte und Kenta offensichtlich keine Fragen stellen wollte, blickte Ray von seinem Notizblock auf und schaute dem alten Mann direkt in die Augen. Ein leichtes, raubtierhaftes Lächeln umspielte seine Lippen und lies die leicht spitzen Eckzähne zum Vorschein treten. Wie ein Adler seine Beute, so fixierte Ray den alten Mann, dem daraufhin sicherlich etwas unwohl wurde.
    "Das hört sich ja alles außerordentlich interessant an." begann Ray mit leiser Stimme. "Offensichtlich sind sie ja davon überzeugt, dass wir es hier mit bösen Geistern oder einem Fluch zu tun haben." Ray pausierte kurz, um die Reaktion des Mannes abzuwarten, der daraufhin zögernd nickte. "Das kann ich ihnen nicht verübeln, dennoch scheinen mir diese Morde zu gezielt zu sein. Scheinbar will euch irgendetwas aus diesem Dorf vertreiben, daher stellt sich für mich die Frage, ob das Dorf irgendwelche Feinde hatte?" Hakuma musste nicht lange überlegen und schüttelte schnell den Kopf. "Nicht das ich wüsste, wir waren recht arm, daher gab es bei uns nichts zu holen. Wir lebten unser leben, hatten natürlich die normalen Streitigkeiten, die es eben gibt, wenn man zusammen lebt, aber nichts was diese Morde rechtfertigen würde." "Hmm." Ray überlegte und strich zwei mögliche Erklärungen auf seinem Notizblock. "In Ordnung, sie sagten schon, dass euer Dorf recht ärmlich war, aber gab es vielleicht Legenden um einen alten Schatz oder irgendetwas anderes wertvolles, was der Grund dafür sein könnte, dass man sämtliche Belegschaft des Dorfes vertreiben wollen könnte?" Ray hatte genug Abenteuerromane gelesen, damit ihm dieses Szenario realistisch erschien, doch wieder schüttelte Hakuma den Kopf und Ray strich erneut etwas von seinem Notizblock. "Keine Feinde, nichts wertvolles und auch keine Streitigkeiten oder etwas anderes außergewöhnliches. Das ist in der Tat merkwürdig." sinnierte Ray vor sich hin und Hakuma nickte bekräftigtend. "Sonst hätte ich euch ja auch nicht angefordert, sondern wir hätten versucht das Problem allein zu lösen. Aber so wie die Dinge liegen, muss ein Fluch oder irgendwelche anderen bösen Kräfte am Werk sein." versuchte er den Rotschopf von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. "Vielleicht, aber für gewöhnlich verstecken sich weitaus gewöhnlichere Dinge hinter solch geisterhaften Erscheinungen." erwiderte Ray, ehe ihm eine letzte Frage einfiel. "Sie erwähnten vorhin den Tod ihrer Frau, Mein Beileid dazu, aber wieso sprachen sie von ihr? Sie glauben doch nicht, dass sie damit irgendetwas zu tun hat oder?" Das konnte sich der Hayabusa beim besten Willen nicht vorstellen und auch Hakumas Miene verfinsterte sich. "Natürlich nicht, was denken sie sich. Ich liebe meine Frau und vermisse sie. Ich habe sie lediglich erwähnt, weil die Morde ungefähr ein Jahr nach ihrem Tod anfingen. Natürlich glaube ich nicht, dass sie irgendetwas damit zu tun hat." empörte sich Hakuma. "Das habe ich auch nie behauptet." konterte Ray, doch war er damit ebenfalls mit seinem Latein vorerst am Ende. Sie würden wohl sich vor Ort selbst ein Bild machen müssen. Doch erstmal blickte er von Hakuma zu den beiden Ninjas aus Shirogakure, denn vielleicht hatten sie ja noch irgendwelche Fragen, bevor sie sich auf den Weg in das Dorf von Hakuma aufmachten.
     
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